Mit ‘Mario Bava’ getaggte Beiträge

Bei einer Expedition in Mexiko weckt eine Gruppe von Forschern um Prof. John Fielding (John Merivale) und Max Gunther (Gérard Herter) den Schlaf einer gallertartigen Kreatur. Bevor sie mit einer Explosion vernichtet werden kann, verletzt sie Gunther schwer und ein Stück von ihr wird zu weiteren Untersuchungen mit ins Labor genommen. Dort zeigt sich, dass der einzigartige Organismus Millionen von Jahren alt und wahrscheinlich das älteste Lebewesen der Erde ist. Dummerweise gelingt ihm der Ausbruch – ausgerechnet in einer Nacht, die dieselbe Sternenkonstellation zeigt, bei der es vor Tausenden von Jahren die Kultur der Mayas zerstörte.

Bei schleimigen Gallertmonstern denkt der geneigte Filmseher zuerst an THE BLOB, doch Yeaworths Monsterfilm gelangte zu spät auf europäische Leinwände, um hier wirklich Einfluss üben zu können. Die direkte Inspirationsquelle für diesen italienischen Beitrag zur Reihe wissenschaftlich verbrämter Heuler waren vielmehr die von den seligen Hammer Studios produzierten Filme um den Wissenschaftler Quatermass, der 1955 erschienene THE QUATERMASS XPERIMENT sowie QUATERMASS 2 von 1957. Es darf als sehr wahrscheinlich gelten, dass der bekennende Genrefan Mario Bava beide gesehen hatte. Weil er zwar einen ausgezeichneten Ruf in der italienischen Filmbranche genoss und als ausgewiesener Effekt- und Kameraspezialist galt, aber noch keine einzige Regiearbeit vorzuweisen hatte, übernahm sein Freund Riccardo Freda nominell diese Aufgabe. Doch sein Beitrag zu CALTIKI, IL MOSTRO IMMORTALE ist vernachlässigbar, wie er selbst zu Protokoll gab. Der für seine Entstehungszeit beachtliche kleine Film verfügt über rund 100 Effektshots, die allesamt Bava übernahm – das Spektrum reicht von raffinierten, vielschichtigen Matte Paintings (wie in der Eröffnungsszene) über putzige Miniatureffekte bis hin zu protosplatterigen Make-up-Effekten und natürlich den FX rund um das Monster, bei denen – hmm, lecker! – Pansen zum Einsatz kam. Das für einen Monsterfilm entscheidende „Fleisch und Blut“ stammte also von Bava, während Freda die weniger aufregenden Dialogszenen verantwortete.

CALTIKI, IL MOSTRO IMMORTALE ist wahrscheinlich am ehesten als historisches Dokument und für Bava-Verehrer interessant, was aber nicht bedeutet, dass er nicht auch sonst über seine Reize verfügte. Wer diese wunderbare Mischung aus herzerwärmender Naivität und vorgegaukelter wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit in den US-Monsterfilmen der Fünfzigerjahre immer zu schätzen wusste, wird auch an diesem Genrebeitrag seine Freude haben. Die an Todessehnsucht grenzende Leichtsinnigkeit der Wissenschaftler, ihre Bereitschaft, alle Vorsicht fahren zu lassen, als die Aussicht besteht, nebenbei ein paar Reichtümer abzusahnen, die Kompromisslosigkeit schließlich, mit der sie die uralten Ruinen, die sie eben noch ehrfürchtig bestaunt haben, in die Luft jagen, sind schon aller Ehre wert. Aber der Protagonist Merivale übertrifft danach alles, als er die potenziell tödlichen Überreste des Monster mit in die eigenen vier Wände seiner Familie bringt, wo er sie für jedermann gut zugänglich in einem nicht allzu stabil aussehenden Glaskasten lagert. Bei so viel Leichtsinn hat Caltiki natürlich leichte Karten, zumal ihm der per Drehbuch herbeigeführte überaus günstige Zufall noch in die Karten spielt. Niedlich, und vielleicht auch die einzige Sequenz, in der man spürt, dass das Budget nicht ganz so groß war wie bei vergleichbaren US-Produktionen, ist der finale Kampf des Militärs gegen das Biest, der mithilfe putziger Spielzeugpanzer realisiert wurde, die hilflos über die Modelllandschaft holpern. Dafür legt CALTIKI, IL MOSTRO IMMORTALE zu anderer Gelegenheit aber überraschende Härte und Düsternis an den Tag. Die FX, in denen das Monster Menschen verschlingt bzw. halb verdaute, enthäutete Schädel und bis auf die Knochen abgenagte Arme zum Vorschein kommen, dürften damals ihre Wirkung nicht verfehlt haben und sind auch heute noch recht eklig. Und die Idee, das Monster einen Teil von Gunthers Verlangen nach Merivales Gattin (Didi Sullivan) absorbieren zu lassen, ihn im Umkehrschluss zum menschlichen Ungetüm zu machen, verleiht dem Film eine menschliche Seite, die auch deshalb so wichtig ist, weil Caltiki über keinerlei Persönlichkeit verfügt und deshalb gut einen Kompagnon vertragen kann. Davon abgesehen sieht das Monster natürlich super aus, vor allem, wenn man bedenkt, dass es mit einfachsten Mitteln vom örtlichen. Fleischer realsiert wurde.

Ein schöner, angenehm gemütlicher Film, den auf der BR von Arrow außerdem der natürlich prädestinierte Audiokommentar von Tim Lucas veredelt.

fürs regal

Veröffentlicht: November 17, 2018 in Film
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Anzunehmen, dass es die meisten, die hier mitlesen, schon mitbekommen haben: Koch Media bringt dieser Tage mit ERCOLE AL CENTRO DELLA TERRA den nächsten Film in der Bava Collector’s Edition und macht sich damit besonders verdient, denn Bavas Eintrag in die HERKULES-Reihe erscheint weltweit zum ersten Mal in HD. Für die Prachtveröffentlichung eines der opulentesten Filme des Meisters wurde zudem niemand anderes als Bava-Experte Tim Lucas gewonnen, der den exklusiven Audiokommentar beisteuerte. Dazu gibt es mit QUEL BANDITO SONO IO einen weiteren Film von Bava, diverse Interviews und Featurettes sowie ein ausführliches Booklet von mir, in dem ich Bavas Anteil am italienischen Peplum und Abenteuerkino beleuchte. Der Kauf des Mediabooks sollte eine Pflichtübung sein.

Wahrscheinlich hat Mario Bava diesen Film mit einem breiten Grinsen im Gesicht gedreht. Ich weiß nichts über seine Entstehung (und habe gerade keine Lust, mir an Tim Lucas‘ Bava-Bibel einen Bruch zu heben), aber einzig die Annahme, dass Bava mit vollem Bewusstsein in die Mottenkiste gegriffen hat, um zu Hochzeiten des Giallos einen aufreizend altmodischen, gnadenlos pulpigen und ultimativ dämlichen Knarzgrusler vorzulegen, hält mich davon ab, seinen GLI ORRORI DEL CASTELLO DI NORIMBERGA als des Meisters unwürdig zu beschreiben. So oder so ist es einer von Bavas schwächsten Filmen, aber Spaß macht er trotzdem, gerade weil er so unfassbar unbedarft wirkt. Und dass man sich darauf verlassen kann, dass er fantastisch aussieht, sollte eh klar sein.

Aber diese hirnrissige Story: Man hat ja schon viele Trottel in Horrorfilmen gesehen, aber Peter Kleist (Antonio Cantafora) schießt den Vogel ab. Als ihm eine Beschwörungsformel in die Hände fällt, mit der man in der Lage sein soll, den alten Baron zum Leben zu erwecken, macht er das sofort. Seine Beweggründe? Reine Langeweile, würde ich sagen, denn weder glaubt er wirklich daran, dass es Zauberei gibt, noch hat er einen Grund, das Gegenteil zu beweisen. Dummerweise schlägt der Zauber an und ab sofort macht der blutgierige Baron die Gegend um das Schloss unsicher. Als erstes muss ein Arzt daran glauben, der den modrigen Adelsmann zu sich hereinbittet, um ihn zu verpflegen und als Dank umgebracht wird. Die Architektin Eva (Elke Sommer) folgert messerscharf, dass der Tote auf das Konto des Wiedererweckten gehen muss: „Nachdem er von den Toten zurückgekehrt war, brauchte er bestimmt ärztliche Betreuung!“ Und einen starken Kaffee wahrscheinlich auch.

Am Ende gibt es eine ganz weltliche Auflösung für den Spuk, die GLI ORRORI DEL CASTELLO DI NORIMBERGA stark in Richtung Edgar Wallace lenkt. Die Morde sind allerdings deutlich happiger als das was, deutschen Zuschauern in den Gruselkrimis vorgesetzt wurde: Besonders im Gedächtnis bleibt das Ende des armen, schwachsinnigen Hausmeisters Fritz (Luciano Pigozzi), der in einer eisernen Jungfrau landet und danach ziemlich dumm aus der Wäsche guckt. Leider ist das alles aber weder besonders nachhaltig noch zeugt es von jenem untrüglichen Stilbewusstsein, das Bavas beste Arbeiten auszeichnete, sondern erinnert eher an eine Geisterbahn, die ihre besten Zeiten schon hinter sich hat. Die schöne Fotografie reißt es raus und insgesamt ist GLI ORRORI DEL CASTELLO DI NORIMBERGA natürlich viel zu sympathisch, um ihn wirklich zu verreißen. Aber „gut“ ist definitiv was anderes.

LISA E IL DIAVOLO habe ich vor gut 20 Jahren zum letzten Mal gesehen und konnte mich vor diesem Wiedersehen an rein gar nichts mehr erinnern: Ich glaube, Bavas Film war schon damals an mir vorübergerauscht wie ein Nebelschleier, was ich nicht negativ verstanden haben möchte, im Gegenteil. LISA hat eine seltsame Qualität, ist eigenwillig erzählt – aber am Ende, und das ist das eigentlich Rätselhafte an ihm, eigentlich gar nicht so ungewöhnlich. Dass man ihn nicht so richtig einordnen kann, sich während der Sichtung seltsam desorientiert fühlt, liegt wohl darin begründet, dass Bava einen klassischen Gothic-Horror-Stoff mit stilistischen Mitteln umsetzt, die man damit nicht verbindet.

Die Titelheldin Lisa (Elke Sommer) ist eine Touristin, die sich während einer Sightseeing-Tour schon nach kurzer Zeit von ihrer Freundin trennt. In einem Antiquitätenladen trifft sie auf einen Mann (Telly Savalas), der eine Schaufensterpuppe unter dem Arm trägt und außerdem so aussieht, wie der Teufel auf einem alten Fresko. Lisa verirrt sich in den Straßen der Altstadt, trifft den rätselhaften Mann wieder und wird wenig später von einem anderen Herrn angesprochen, der sie mit einer Elena verwechselt, die offensichtlich seine Geliebte ist. Lisa schubst den Mann weg, der daraufhin einer Treppe hinabstürzt und tot ist.

Ihr weiterer Irrweg führt Lisa schließlich mit dem aufgrund einer Autopanne gestrandeten Ehepaar Lehar (Eduard Fajardo und Sylvia Koscina) in eine alte Villa, in der eine Gräfin (Alida Valli) mit ihrem Sohn Max (Alessio Orano) und dem Diener Leandor (Telly Savalas) residiert. Max zeigt sofort Interesse an der schönen Lisa, in der auch er eine Elena wiederzuerkennen glaubt. Und dann taucht auch noch der Mann auf, den Lisa eigentlich umgebracht zu haben glaubte. Es folgen diverse Morde, bis sich das Rätsel am Ende in denkbar unerwarteter Weise entwirrt.

LISA E IL DIAVOLO ist ein lupenreiner Geisterfilm, der mich stark an Margheritis meisterhaften LA DANZA MACABRA erinnert hat. Was beide Filme unterscheidet, ist natürlich vor allem die Farbe: Margheritis Film schummert im genretypischen Schwarzweiß vor sich hin, LISA hingegen zeigt große Opulenz und Farbenpracht. Es gibt wenig Düsternis in Bavas Film und so wirkt auch seine Spukgeschichte deutlich weltlicher als in den Gothic-Gruslern, die ca. zehn, fünfzehn Jahre zuvor entstanden. In den alten Geisterfilmen wird ja jeder Zweifel, der an der Existenz des Übernatürlichen vielleicht bestehen könnte, relativ schnell zerschlagen. In LISA E IL DIAVOLO ist das anders, der ganze Film bezieht seine Spannung eigentlich daraus, dass man auf der Seite der ebenso rat- wie hilflosen Lisa steht, die mehr und mehr an ihrem Verstand zweifelt. LISA erinnert stilistisch und in seiner Plotentwicklung stark an die Giallos, die zu dieser Zeit reüssierten. 1973 war die Sternstunde des italienischen Gruselfilms längst vorbei und Bava zeigt in LISA keinerlei Bemühungen, seinen Stil wiederzubeleben. Stattdessen unterzieht er ihn einer Modernisierung, in der eine Portion unterschwelligen Humors nicht fehlen darf. Man weiß lange nicht so genau, was man von Bavas Film eigentlich halten soll: Die Bilder lenken in eine Richtung, die Geschichte in eine andere. So gewinnt LISA E IL DIAVOLO eine Meta-Qualität, die adäquat zu beschreiben mir auch nach dieser neuen Sichtung enorm schwerfällt.

Bavas Film ist keiner seiner vielbesungenen, aber meiner Meinung nach einer seiner interessantesten. Und dass man sich natürlich darauf einstellen kann, hier wieder einmal die visuelle Vollbedienung zu erhalten, muss nicht noch extra erwähnt werden.

 

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube tatsächlich, LA MASCHERA DEL DEMONIO jetzt zum ersten Mal vollständig gesehen zu haben. Zwar steht er schon seit frühesten DVD-Sammlertagen, also seit nunmehr rund 15 Jahren, bei mir im Schrank, aber er gehört zu jenen unglücksseligen Werken, deren Ende ich bislang nie erlebt habe. Wie auch bei Bavas TERRORE NELLO SPAZIO bin ich während der Sichtung stets vorzeitig sanft entschlummert. Auch jetzt habe ich wieder zwei Anläufe gebraucht, aber das möchte ich nicht dem Film anlasten. Wobei Bavas Inszenierung und die traumgleiche Ästhetik des Films ein Wegschlummern durchaus begünstigen. Immer wieder rückt er den wolkenverhangenen Himmel ins Bild, die geduldig und teilnahmslos daliegende Natur, und selbst in der größten inneren Aufruhr bewegen sich die Protagonisten wie hypnotisiert durch die opulenten, kontrastreich ausgeleuchteten Settings. Man hat nie das Gefühl, dass es hier wirklich ernst werden könnte, auch am Ende nicht, wenn sich die latente Bedrohung schließlich manifestiert und physisch angreift. LA MASCHERA DEL DEMONIO verlässt nie die Sphäre des filmgewordenen Traums, den man ohnmächtig, aber stets aus sicherer Distanz verfolgt.

Ich weiß nicht genau, ob ausgesprochene Liebhaber des Films das genau so sehen oder ob diese Wahrnehmung schon ein Indiz für das Problem ist, das ich mit ihm habe und das ich nicht recht in Worte zu fassen weiß. Die Vernunft sagt mir, dass LA MASCHERA DEL DEMONIO wunderschön ist, voller poetischer Bilder und eleganter Kamerafahrten. Barbara Steeles riesige Augen beherrschen ihn auch in Szenen, in denen sie gar nicht zu sehen ist, spiegeln die Fremdartigkeit und Außerweltlichkeit, die er verströmt, wider. Dass da irgendwann „Schnitt!“ gerufen wurde, die Filmschaffenden eine Zigaretten- und Kaffeepause machten und sich nach Drehschluss ins Nachtleben Roms stürzten, ist angesichts der zeitlosen Qualität der Bilder kaum vorstellbar. LA MASCHERA DEL DEMONIO sieht nie „gemacht“ aus, er wirkt vollkommen organisch. Ein gutes Beispiel für diesen „Hyperrealismus“ ist der Spezialeffekt, wenn die Hexe Asa (Barbara Steele) ihrer 200 Jahre jüngeren Nachfahrin Katja (Barbara Steele) die Lebensenergie aussaugt, die eine jünger, die andere älter wird. Der Trick war wahrscheinlich höchst einfach, aber umso erstaunlicher ist er. Ich habe keine Ahnung, wie Bava ihn realisiert hat (und werde das in Tim Lucas‘ Bava-Bibel schnellstmöglich nachlesen).

Trotzdem will sich bei mir keine richtige Begeisterung einstellen. Ich sehe und bewundere die Kunstfertigkeit und die Kreativität, sehe die Liebe, die da offenkundig am Werk war, aber diese Empfindungen übersetzen sich hier nicht in Euphorie oder die Immersion, die Film im Idealfall bewirkt. Er lässt mich kalt, außen vor gewissermaßen, und, ja, er langweilte mich gestern ein bisschen. Es ist keine nervenzerfetzende, bohrende Langeweile, die einen aggressiv macht: LA MASCHERA DEL DEMONIO ist irgendwie gemütlich, einlullend, ich fühlte mich in ihm geborgen, aber eben auch auf Distanz gehalten. Ich weiß nicht. Vielleicht war es einfach der falsche Zeitpunkt. Nur habe ich so langsam das Gefühl, dass es für mich und diesen Film, für viele Bavas Meisterwerk, keinen richtigen Zeitpunkt mehr geben wird.

Eine Schande: Da läuft Bavas wahrscheinlich schönster Gothic-Horror-Film und ich bin so zerschlagen von den Begleiterscheinungen meiner Nürnberg-Reise, dass ich kaum in der Lage bin, mich ihm wirklich zu öffnen. Ärgerlich vor allem, weil ich über OPERAZIONE PAURA, wie über die meisten Bavas, noch nie geschrieben habe und nun leider auch nicht so richtig viel zu sagen weiß. Immerhin aber kann ich wenig überraschend bestätigen, dass ein Bava auf der großen Leinwand etwas ganz Besonderes ist. Seiner ästhetischen Wirkung hat mein Zustand glücklicherweise keinen Abbruch getan und vielleicht war mein Zustand gar nicht so verkehrt: Der Plot rauschte an mir vorbei, was blieb, war eine enigmatische Bilderflut, der Blick in eine düstere, von Geistern bevölkerte Welt, die sich irdischen Maßstäben und Gesetzen beharrlich widersetzt.

OPERAZIONE PAURA war tatsächlich noch preiswerter als die eh schon preisgünstigen Bavas, wurde überwiegend in zwei gottverlassenen Dörfern in der Toskana gedreht, deren urtümlichem Charme OPERAZIONE PAURA – ergänzt durch einige an alte Hammer-Settings erinnernde Studioaufnahmen – seine einzigartige Stimmung verdankt. Wer den Ausstattungsoverkill kennt, den Bava etwa für SEI DONNE PER L’ASSASSINO betrieb, dem wird ohne Zweifel auffallen, das hier Meister Schmalhans Küchenmeister war. Das einzige, was es offensichtlich in rauen Mengen gab, waren künstliche Spinnenweben, die dann auch großzügig und effektiv zum Einsatz kommen. Aber Bava wäre nicht Bava, wenn er sich davon beirren ließe. Seine expressive Ausleuchtung, der kreative Einsatz der Kamera, ein zwischen klassischer Schauerkomposition und modern anmutenden Soundcollagen oszillierender Score und natürlich einige kreuzunheimliche Einfälle, lassen zu jeder Sekunde den Meister erkennen, der die budgetäre Limitierung kraft seines anscheinend unendlichen handwerklichen Talents zu einer Tugend umformte.

Es sind vor allem zwei Szenen, die hervorstechen und OPERAZIONE PAURA für mich zu einem Meilenstein der Horrorfilmgeschichte machen: Die Jagd des Protagonisten Dr. Eswai (Giacomo Rossi-Stuart) auf einen Unbekannten, die ihn wie in einer Zeit- oder Raumschleife immer wieder durch dasselbe Zimmer und schließlich in eine Konfrontation mit sich selbst führt. Ein bizarrer Moment, der diesen „gemütlichen“ Grusler mit den wenig später reüssierenden avantgardistischeren Werken verbindet. Und dann natürlich die Schwindel induzierende Kamerabewegung, mit der Bava eine Wendeltreppe in ein kreisendes Vortex ohne Anfang und Ende verwandelt: Hier dürfte vor allem Dario Argento ganz genau hingeschaut und sich Notizen gemacht haben. Auch wenn es hier also nicht so durchkommt wie es sollte und wie er es ohne Zweifel verdient hätte: OPERAZIONE PAURA ist ein Meisterwerk.

 

Am kommenden Wochenende, vom 27. – 29.03., findet im wunderschönen Nürnberg, der Heimat des Hofbauer-Kommandos und des Hofbauer Kongresses, zum zweiten Mal das „Terza Visione“ statt, ein dreitägiges Filmfestival, das sich ganz dem italeinischen Genrefilm verschrieben hat. Zur Premiere im vergangenen Jahr konnte ich leider nicht anwesend sein, diesmal werde ich es mir hingegen nicht nehmen lassen, die heiligen Hallen des KommKinos mit meiner Präsenz zu beehren. Das Programm besteht wie im vergangenen Jahr aus einer erlesenen Mischung bekannter und noch zu entdeckender Klassiker aus den Fünfziger- bis Achtzigerjahren und deckt so unterschiedliche Genres ab wie Italowestern, Komödie, Juvenile-Delinquents-Drama, Poliziescho, Abenteuer-, Horror-, Action-, und Sexfilm. Als Teaser werfe ich hier nur die Titel OPERAZIONE PAURA, NON SI SEVIZIA UN PAPERINO, ITALIO A MANO ARMATA, DOUBLE TARGET oder OPERA in den Raum. Zu letzterem, der als Abschlussfilm am Sonntag läuft, wurde ich überdies auserkoren, einige einleitende Worte zu sprechen. Wer Interesse hat und in der Nähe ist, sollte nicht mehr zu lange zögern, denn es wird mit ausverkauftem Haus gerechnet. Das vollständige Programm findet ihr hier.

„Ein merkwürdiger Film.“ – Das war der Kommentar meiner Gattin unmittelbar nach Sichtung von Bavas Proto-Slasher, der in unserem schönen, freien Land nach wie vor verboten ist. Und sie hat natürlich Recht, vor allem wenn man ihn mit jenen Filmen vergleicht, die genetisch am engsten mit ihm verwandt sind. Mit dem Giallo teilt REAZIONE A CATENA die Vielzahl defizitärer Charaktere, die allesamt als Täter in Frage kommen, mit dem Slasherfilm die Drastik, mit der diese Morde ins Bild gesetzt werden, und die nummernhafte Dramaturgie, die sich beeilt, von einem blutigen Set Piece zum nächsten überzuleiten. Es sind mittlerweile zu Tode bemühte Details, dass zwei Szenen aus REAZIONE A CATENA nahezu unverändert in FRIDAY THE 13TH PART II kopiert wurden, der Schauplatz frappierend an Jason Vorhees‘ stomping grounds um den Crystal Lake erinnert und die längere Sequenz um vier vergnügungssüchtige Jugendliche, die dann kurz hintereinander abgemurkst werden, der amerikanischen Horrorfilmindustrie in den Achtzigerjahren Stoff für Hunderte von Filmen lieferte. Aber diese Ähnlichkeiten lassen die Abweichungen des Films von der Linie nur umso frappierender und verwirrender erscheinen.

In einem herrschaftlichen Haus an einer Bucht wird die gehbehinderte Gräfin Federica Donati (Isa Miranda) erdrosselt. Der Mörder begutachtet noch sein Werk, da ist er auch schon selbst dran. Hinter den Morden, denen weitere folgen, steckt der Streit darum, wem die Bucht mit den an ihrem Ufer liegenden Grundstücken gehört und was mit diesem Besitz angestellt werden soll. Besonderes Interesse daran haben das Ehepaar Renata (Claudine Auger) und Albert (Luigi Pistilli), aber auch der Architekt Ventura (Chris Avram) und seine Geliebte Laura (Anna Maria Rosati). Sie bekommen es unter anderem mit dem Käfersammler Paolo Fossati (Leopoldo Trieste), seiner seherisch begabten Ehefrau Anna (Laura Betti) und dem virilen Fischer Simon (Claudio Volonté), dem verstoßenen Sohn der Gräfin, zu tun …

Die putzige Szene gleich zu Beginn, die den unvermittelten Todessturz einer Fliege ins Wasser zeigt, gibt den Tenor des Filmes vor. REAZIONE A CATENA lässt seine Akteure mit blutiger, fast tierischer Verbissenheit morden – und sterben wie die Fliegen. Ohne Trauer, ohne echte Folgen. Das Leben geht weiter, der Mensch geht, was bleibt, ist die Bucht, deren sanfte Wogen weiter ungerührt ans Ufer plätschern, der Wald, dessen Bäume sich gleichmäßig im Wind wiegen, und die Käfer, die nun endlich nicht mehr aufgespießt werden. Mario Bava hat keinen typischen Spannungsfilm gemacht, sondern eine Parabel voller bitterer Ironie, einen Kommentar zum grenzenlosen Materialismus des Menschen, der ihn blind macht für alles um ihn herum, zu seinem amoklaufenden Egoismus, der ihn zu einer Fußnote gegenüber der beständigen Gleichgültigkeit der  Natur verkommen lässt. In der titelgebenden Kettenreaktion (ein anderer, kaum weniger schöner Alternativtitel beschwört die „Ökologie des Mordes“: ECOLOGIA DEL DELITTO), die durch den ersten Mord ausgelöst wird, zeigt sich, wie wenig der Mensch tatsächlich Herr über seine Handlungen ist, wie sehr er Gefangener seiner eigenen, ungemein beengten Perspektive ist. Alle Mörder, die Bava für uns bereithält, glauben, die Situation unter Kontrolle zu haben, während in Wahrheit längst das Chaos ausgebrochen ist. Der Film endet, als die vermeintlichen „Gewinner“ von ihren eigenen Kindern abgeknallt werden. Die haben sich das Treiben am See besonders gut angeschaut und sind – von den Eltern vernachlässigt – auf ganz eigene Ideen gekommen. Alle sind tot, übrig bleiben ein par Kinder, die bereits jetzt den Keim des Bösen in sich tragen, und eben die Bucht, die träge weiterplätschert. REAZIONE A CATENA wäre nun nicht der erste Film, der die Niedertracht des Menschen und seine Dummheit ins Licht setzen. Was erstaunt, ist seine Perspektive. Es gibt keine Haupt- und schon gar keine Identifikationsfiguren. Der Zuschauer betrachtet die Vorgänge aus der Distanz, neutral, wie die Existenzkämpfe in einer Ameisenkolonie. Doch dieser Blickwinkel verleiht ihm keine Überlegenheit: Er ist genauso ahnungs- und orietierungslos wie die Protagonisten, die gar nicht bemerken, in was für einem Spiel sie da mitwirken.

REAZIONE A CATENA ist normalerweise nicht der Film, der Bava-Anhänger in Verzückung geraten lässt. Gegenüber seinen gothischen Gruselschwarten, seinen Fantasyfilmen, selbst gegenüber dem verwandten SEI DONNE PER L’ASSASSINO, wirkt er dunkel, bitter und nur wenig verspielt. Keine Spur von dem grellen Technicolor oder den bewusst artifiziellen Settings, für die man seine Klassiker verehrt und die sie stets der Realität enthoben. Der Schein trügt zwar ein wenig – die zahlreichen Mordsequenzen sind keineswegs „einfach“, sondern überaus geschickt und kunstvoll inszeniert –, dennoch kann man kaum verleugnen, dass REAZIONE A CATENA stärker mit unserer Wirklichkeit (oder zumindest der des Jahres 1971) kommuniziert als ein OPERAZIONE PAURA oder ein TERRORE NELLO SPAZIO, die ganz bei sich waren in ihren Fantasiewelten. Da schließt sich dann der Kreis dieses Textes: Denn wie merkwürdig ist es, dass uns ein Film, der das „sinnentleerte“ Slasherkino maßgeblich beeinflusste, so viel über das Wesen des Menschen verrät, die ganze Enttäuschung über seine Niedertracht auch hinter einer Fassade der Bitterkeit nicht verbergen kann. So viel Freude Bava auch daran hatte, sich groteske Todesarten auszudenken, so wenig vergisst er, dass es Menschen sind, die hier ihr Leben aushauchen. REAZIONE A CATENA ist ein Slasherfilm, der keinen Spaß macht, dem Zuschauer keine Tribüne zum Bejubeln der Bluttaten errichtet.

Die Amerikanerin Nora Davis (Letícia Román) reist als Touristin nach Rom, doch sie wird vom Pech verfolgt: Erst entpuppt sich der freundliche Sitznachbar im Flugzeug als Haschischschmuggler, dann verstirbt die freundliche alte Dame, bei der Nora eingemietet hat, kaum dass die ihr Zimmer bezogen hat. Als sie panisch die Wohnung verlässt, wird sie erst von einem Taschendieb überfallen und dann schließlich Zeuge eines Mordes an einer jungen Frau. Dummerweise will ihr niemand glauben, halten alle den „Mord“ für die Einbildung einer vorübergehend Unzurechnungfähigen. Doch dann findet Nora Hinweise darauf, dass der Mord auf das Konto des einst umtriebigen „Alphabet-Killers“ geht, der seine Opfer nach den Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen auswählte: Und weil die Buchstaben A, B und C schon abgearbeitet sind, muss nun folglich Nora Davis um ihr Leben fürchten. Nur der freundliche Arzt Dr. Marcello Bassi (John Saxon) steht ihr zur Seite …

Die Gelehrten mögen sich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, LA RAGAZZA CHE SAPEVA TROPPO als frühen Giallo zu bezeichnen, als frühen Vertreter eines Subgenres, das mit Bavas ein Jahr später entstandenem SEI DONNE PER L’ASSASSINO seine verbriefte Geburtsstunde feierte: Ich finde, es gibt durchaus gute Gründe, ihn als nicht ganz unwichtige Vorstudie Bavas zu jenem Meisterwerk zu betrachten, und die Tatsache, dass die Schundromane, die dem Giallo den Namen gaben, in LA RAGAZZA explizit Erwähnung finden, ist wohl der beste dieser guten Gründe. Gleich zu Beginn liest Nora in einem pulpigen Kriminalroman und im weiteren Verlauf des Films wird ihr das in diesen Büchern vermittelte Wissen immer wieder zugutekommen. Tim Lucas behauptet in seiner ultimativen Bava-Huldigung „All the Colors of the Dark“ zu Recht, dass man die sich an diese Eröffnung anschließende Geschichte auch als Visualisierung von Noras Lektüre interpretieren könnte, kommt aber schließlich zu dem Schluss, dass der Film diese Lesart – wie einige weitere auch – verwirft. Seine Kritik – LA RAGAZZA sei uneinheitlich (wohl auch, weil insgesamt sechs Autoren sich im Drehbuch mit ihen Ideen verewigen durften), versäume es, interessante Ansätze zu vertiefen, und setze stattdessen auf eine allzu glatte und „logische“ Auflösung – ist zwar durchaus nachvollziehbar, aber sie scheint mir gerade nicht geeignet dazu, LA RAGAZZA seinen Status als Proto-Giallo streitig zu machen: Nach meiner Erfahrung ist es nicht das abstruse Ende an sich, das den Giallo auszeichnet, sondern vor allem die Kluft zwischen dem Aufbau und der Auflösung oder, mehr noch, eine allgemeine Disparität des Ganzen; und diese Voraussetzung erfüllt LA RAGAZZA gerade weil er seine besten Ideen zugunsten schlechterer verwirft. Was ihn meines Erachtens am meisten von späteren „augereiften“ Giallos unterscheidet, ist sein Ton: LA RAGAZZA überschreitet die Grenze zur Kriminalkomödie mehr als nur einmal, ist insgesamt deutlich wärmer und herzlicher, ja: putziger, als die späteren Giallos, deren Betonung der Form ja auch immer etwas ausgesprochen Kaltes hat.

Aber egal ob nun Giallo oder nicht, LA RAGAZZA hat zahlreiche Reize zu bieten. Vor allem natürlich die von Bava zu erwartende stil- und stimmungsvolle Fotografie und Kamerarbeit, die den Film als späten Nachfahren des Gothic Horrors erkennen lässt. Immer wieder schieben sich bedrohliche Schatten ins Bild, schälen sich bleiche Gesichter mit weit aufgerissenen Augen aus dem Schwarz, und die Szene, in der Nora nachts ins Zimmer der Vermieterin eilt, um ihr ihre Medizin zu verabreichen, nur um schließlich ihrem Tod beizuwohnen, treibt einen als Zuschauer fast gemeinsam mit der panischen Protagonistin auf die Straße, so effektiv ist sie komponiert. Eigentlich könnte ich an dieser Stelle jede der großen Suspense-Szenen des Films beschreiben, weil sie alle toll sind: der Mord im Anschluss an Noras geschilderte Flucht, eine Szene, in der sie ihre Wohnung wie ein Spinnennetz mit Fäden durchzieht, um den Mörder gegebenenfalls zum Stolpern zu bringen, ihre Verabredung mit einem anonymen Anrufer. Die im Schwarzweiß bedingte Düsternis des Films wird immer wieder durch komische Momente aufgebrochen und dieses Nebeneinander von Bedrohung und Leichtigkeit stützt letztlich auch den Paranoia-Aspekt von Bavas Film: Ist alles nicht doch bloß die Einbildung einer jungen Frau, die zum ersten Mal in der alten Welt weilt und vor lauter Eindrücken – der überwältigenden Kulisse Roms und dem Tod ihrer Vermieterin – den Überblick verliert? Bava ist nicht der erste Regisseur, der diese Deutung suggeriert, mit seiner Auflösung aber eine ganz andere – enttäuschend eindeutige – Antwort gibt. Dem Gelingen des Films tut das – hier widerspreche ich Tim Lucas – keinen Abbruch, auch wenn LA RAGAZZA nicht ganz an Bavas Großtaten heranreicht.

Wiedersehen macht Freude! Viel zu lang liegt die letzte Sichtung von Mario Bavas Giallo-Initialzündung SEI DONNE PER L’ASSASSINO zurück und mein aktuelles Giallo-Studium bietet natürlich den idealen Rahmen für das längst überfällige und  dringend notwendige Wiedersehen. Leider besitze ich nur die qualitativ etwas mittelprächtige RC-1-DVD von VCI, die die visuelle Opulenz des Films etwas gedämpft wiedergibt, aber auch sie lässt erkennen, was man von Bava gemeinhin erwartet: Üppig dekorierte, prächtig ausgeleuchte Sets und ein kreativer, sich nicht von budgetären Limitierungen einschränkender Einsatz der Kamera. Schon dieses eröffnende Bild eines im nächtlichen Unwetter schwingenden Schilds, das schließlich aus der Verankerung reißt, um der vordringenden Kamera Platz zu machen, und den Blick freigibt auf einen Springbrunnen, dessen Fontänen vom Wind gepeitscht wild in alle Richtungen spritzen, und die hinter diesem liegende Villa, nimmt völlig gefangen und deutet an, was man im Folgenden erwarten darf.

Mario Bavas durchs Pulp-Kaleidoskop gebrochener Low-Budget-Hitchcockismus (die Geschichte mit der Handtasche!) ist so sehr Kind seiner Zeit, wie er gleichzeitig total originär daherkommt: Die mondäne Welt seines Films lädt zum entspannten Lounging mit Martiniglas in der Hand ein, doch unter dieser plüschigen Oberfläche der Swingin‘ Sixties erstrecken sich uralte, modrige gothische Gemäuer: Dieses Bild wird zumindest durch die mit den brutalen Morden mitschwingenden psychologischen Implikationen heraufbeschworen. Ironischerweise ist es gerade die Naivität, mit der Bava seine Murder Mystery abspult, die diese Interpretation begünstigt – und die Artifizialität seiner Inszenierung ist die Kehrseite ein und derselben Medaille. Es lässt zunächst einmal auflachen, wenn der brave Inspektor Silvestri (Thomas Reiner) – wie seine Kollegen geradezu die Manifestation repressiver Spießbürgerlichkeit in seinem grauen Anzug und der korrekten Frisur – hinter den Morden einen „Sex Maniac“ vermutet, gerade weil die Modelopfer aus heutiger Perspektive (und im direkten Vergleich mit den Gialli, die Bavas Film nachfolgen sollten) eher hausfräulich-bieder anstatt anzüglich-aufreizend anmuten. Aber es hilft auch bei der Horizontverschiebung, die dann erkennen lässt, was an subversivem Potenzial in dieser spaßigen Murder Mystery egentlich schlummert.

Der Einfluss von Bavas Film (Schaufensterpuppen!) wird ja manchmal über den Giallo hinaus auf den Slasherfilm ausgeweitet. Hinsichtlich seiner Struktur spricht tatsächlich Einiges dafür, doch die sexuell aufgeladene Stimmung, die dem Mörder einen idealen Nährboden für seine Obsessionen liefert, steht dem Klima, das Jason und Konsorten etablieren, diametral entgegen. Sind die Maskenmänner des Slashers in einer durchpornografisierten Welt die Ausgeschlossenen, die sich für die ihnen auferlegte Zuschauerrolle rächen, ist der Täter in SEI DONNE PER L’ASSASSINO der Lustmörder, der den Deckmantel der Sitte genussvoll durchbohrt und zerreißt. Ein kleiner Film mit großer, großer Wirkung. Filmgeschichte, nicht weniger.