Mit ‘Marjoe Gortner’ getaggte Beiträge

Der für das Fernsehen produzierte THE MARCUS-NELSON MURDERS sollte den Auftakt für die immens erfolgreiche Serie KOJAK, in Deutschland als EINSATZ IN MANHATTAN ausgestrahlt, bilden. Von 1973 bis 1978 ermittelte Telly Savalas als Theo Kojak in insgesamt 118 Episoden als prototypischer harter New Yorker Cop und setzte sich damit ein Denkmal. Diese Entwicklung der Figur ist zumindest wenn man den 1973 als allein stehender Zweistünder inszenierten Piloten als Gradmesser nimmt, überraschend. Drehbuchautor Abby Mann hatte anderes im Sinn, als er den Auftrag erhielt, den Fall der sogenannten Career Girl Murders zu adaptieren, die die Stadt News York in den frühen bis mittleren Sechzigerjahren in Atem gehalten hatten und schließlich zu kriminalhistorischer Berühmtheit gelangen sollten.

Am 28. August 1963 wurden die beiden jungen Frauen Emily Hoffert und Janice Wylie Opfer eines brutalen, offensichtlich willkürlichen Mordes. Ihre Mitbewohnerin fand die übel zugerichtete Leichen der beiden Mädchen in ihrem Appartement: Es folgte ein groß angelegter Polizeieinsatz, in den Hunderte von Beamten involviert waren. Bei den Toten handelte es sich um zugereiste Frauen aus gutem Hause, die nach New York gekommen waren, um dort Karriere zu machen: Wylie als Journalistin für die Newsweek, Hoffert als Lehrerin. Die Morde trugen wesentlich dazu bei, das Bild von New York als mörderischem Moloch zu festigen, das bis in die frühen Neunzigerjahre Bestand haben sollte, und heizten die schwelenden Konflikte zwischen Weißen und Schwarzen, zwischen Unter- und Mittelklasse weiter an. Die Tatsache, dass es zwei „All-American girls“ mit aussichtsreicher Zukunft getroffen hatte, als mutmaßlicher Mörder schließlich ein geistig minderbemittelter Schwarzer namens George Whitmore jr. aufgegriffen und zur Abgabe eines 61-seitigen Geständnisses gebracht wurde, wurde zum Politikum. Es stellte sich im weiteren Verlauf der Untersuchungen, die mehrere Jahre andauerten heraus, dass Whitmore unter Zuhilfenahme von Gewalt zur Abgabe des Geständnisses gebracht worden war. Die spätere Festnahme des tatsächlichen Mörders, eines weißen Junkies namens Richard Robles (der heute immer noch seine lebenslängliche Haftstrafe absitzt), konnte nicht verhindern, dass Whitmore mehrere Jahre einsaß und wegen jener Vergewaltigung, die ursprünglich zu seiner Festnahme führte, verurteilt wurde – obwohl berechtigte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugen und seiner Schuld bestanden. Die Umstände, die zur Verhaftung und zum Geständnis Whitmores führten, waren später wesentlich für die Einführung des Miranda Acts, der heute jedem Krimiseher geläufig ist, selbst wenn er den Namen noch nie gehört hat: Er besagt, dass jeder Verdächtige bei der Verhaftung über seine Rechte aufgeklärt werden muss. Dennoch blieben die Beamten, die das Geständnis aus Whitmore herausgeprügelt hatten, straffrei.

Der aufklärerische Ansatz von Manns Drehbuch ist von Anfang an erkennbar: Ein Voice-over-Kommentar klärt den Zuschauer darüber auf, dass der folgende Fall – der zwar umbenannt, für alle Amerikaner aber unzweifelhaft erkennbar war – wesentlich für die Einführung des Miranda Acts war. Minutiös wird der Fall im Verlauf der über zweistündigen Spielzeit aufgerollt: Telly Savalas fungiert als Zweifler Theo Kojak, der seinen rassistischen und brutalen Kollegen (u. a. Ned Beatty) entgegentrit, schließlich eine Revision erwirkt und den wahren Mörder Teddy Hopper – dargestellt von Marjoe Gortner – dingfest macht. Auch er kann aber nicht verhindern, dass Whitmore – im Film Lewis Humes (Gene Woodbury) – zwischen den Mühlsteinen der Justiz aufgerieben und zur Wahrung des Rufs der Polizei geopfert wird: begünstigt von einer Öffentlichkeit, die das Interesse an der Gerechtigkeit verloren hat, nachdem der Mord an den beiden braven Mädchen aufgeklärt worden war. Die Fakten übernimmt Mann wahrheitsgetreu (sofern ich das nach dem, was ich über den Fall gelesen habe, beurteilen kann) und das bis in kleine Details wie die Indizien, die Humes zum Verdächtigen Nummer eins machten. Sargent, in den Siebzigern durchaus so etwas wie ein „Actionregisseur“, der im Anschluss die Klassiker THE TAKING OF PELHAM ONE TWO THREE und WHITE LIGHTNING drehte, nimmt sich weitestgehend zurück. Über weite Strecken ist THE MARCUS-NELSON MURDERS ein minutiös protokolliertes Gerichtsdrama, in dem auch Theo Kojak auf die Funktion eines Ankers für den Zuschauer reduziert wird. Sargents Fähigkeiten kommen vor allem in den zahlreichen an Originalschauplätzen in Manhattan und Brooklyn entstandenen Außenaufnahmen zum Vorschein: Liebhaber des NY-Copfilms der Siebziger und des urbanen Verfalls, den seine Vertreter immer wieder abbildeten, kommen voll auf ihre Kosten. Hinter Klassikern wie Friedkins THE FRENCH CONNECTION muss sich THE MARCUS-NELSON MURDERS hinsichtlich schmutziger Tristesse und desolater Verhältnisse nicht verstecken. Als Einblick in die jüngere amerikanische Geschichte und natürlich als Startschuss einer einflussreichen Fernsehserie ist Sargents Film ebenfalls einen Blick wert, wenngleich die zeitgenössische Kritik mit ihrer Anmerkung, dass die ambitionierte Verbindung aus Gesellschaftskritik und Crime-Unterhaltung auch einen zwangsläufigen Kompromiss bedeutet, richtig lag. Der Vorwurf der Schwarz-Weiß-Malerei ist nicht gänzlich aus der Luft gegriffen: Die Cops, die Humes verhören, sind miese, zynische, rassistische Arschgeigen ohne einen Funken Empathie, Humes ein bemitleidenswerter, absolut harmloser Tropf, selbst Hopper tritt Mann in erster Linie mit Mitleid entgegen. Hier kann man sich des Gefühls nicht ganz erwehren, dass Mann zu allererst seine Botschaft vermitteln wollte und sich die Details seiner Geschichte entsprechend zurechtbog. Aus der gesellschaftlichen Situation zu Beginn der Siebzigerjahre heraus betrachtet, ist das aber wahrscheinlich wieder verständlich.

Die Zweitsichtung dieses Wunderwerks, diesmal nicht im Heimkino, sondern auf der großen Leinwand in wunderschönem, entspanntem Rahmen, mit einem Publikum, dessen tosender Schlussapplaus erahnen ließ, dass der farbenfrohe Unfug da oben manches Herz erobert hatte. Es ist aber auch wahrlich schwer, sich der einlullenden Liebenswürdigkeit des Films zu entziehen, so schwer, dass selbst der abgebrühteste Zuschauer irgendwann die Waffen strecken und sich dem vor seinen Augen entfachten Zauber ergeben muss. Nie zuvor habe ich einen Film gesehen, in dem die Protagonisten – Pilotin Stella Star (Caroline Munro), Navigator Akton (Marjoe Gortner) und der treue Roboter Elle (Judd Hamilton) – so viel platonische Zuneigung für einander übrig haben, an einen Konflikt zwischen ihnen ist noch nicht einmal im Entferntesten zu denken. Sie lieben und verehren sich, und kein einziger böser Gedanke kommt ihnen in ihrer harmoniebeseelten Stimmung in die Quere. Immer wieder versichern sie sich ihren Respekt und ihre Sympathie, bedanken sich artig für die Hilfe des anderen, loben sich für die geleistete Arbeit und freuen sich wie kleine Kinder, wenn sie mal wieder eine besonders aussichtslose Situation gemeistert hat. Es ist klar, dass der böse Zarth Arn (Joe Spinell), der seine gesichtslosen Vasallen immer nur im Befehlston anblafft, keine Chance gegen so viel bedingungslose Liebe hat. Als Akton stirbt, überwiegt nicht die Trauer darüber, nun Abschied von seinen Freunden nehmen zu müssen, nicht die Angst vor dem Unbekannten, das ihm bevorsteht, sondern unendliche Dankbarkeit für die gemeinsam erlebten Abenteuer. Und wahrscheinlich zeigten viele der Zuschauer mit laufender Spielzeit des Films einen ähnlich entrückt-beseelten Gesichtausdruck wie der gute Akton. Mein Grinsen wurde jedenfalls immer breiter, und als der Emperor (Christopher Plummer) am Schluss mit der Seelenruhe, die nur ein Herrscher des Universums aufbringen kann, der schon alles gesehen hat, verkündet, dass nach der in letzter Sekunde abgewendeten Gefahr alle erst einmal wieder entspannen können, da wäre ich am liebsten für immer in meinem Sessel sitzengeblieben. STARCRASH ist, da muss ich der So-bad-it’s-good-Fraktion leider rüde übers Maul fahren, einer der schönsten Filme ever, ein absoluter Rausch, buchstäblich von einem anderen Stern, aus einem anderen Bewusstseinszustand zu uns herübergebeamt. Ein Film, mit dessen Protagonisten man sich anfreunden will, den man zum Kuscheln am liebsten mit ins Bett nehmen möchte. Oder, weil das natürlich etwas unpraktisch ist, wenigstens Stellar Star in ihrem geilen Fetischfummel, ihr wisst, was ich meine.

Eine Gruppe von Models – unter ihnen auch der Produzent Larry (Marjoe Gortner) und die Fotografin Joanna (Nina Van Pallandt) – wird auf dem Weg zu einem Fotoshooting über dem Amazonas von der Armee des Drogenbarons Cesar Santiago (Paul L. Smith) abgeschossen und schließlich in dessen Kerker geworfen. Als sich der Gangsterboss Vito Mastranga (John Vernon), der mit Santiago ins Geschäft kommen will, mit seinem Gefolge einfindet, gelingt den Frauen die Flucht. Ein wilder Kampf entbrennt …

Filme wie dieser treiben mir regelmäßig die Tränen in die Augen: Was waren das für goldene Zeiten, als so etwas noch produziert wurd? In Deutschland! Und dann auch noch im Kino lief! Aufwändiges, buntes, bescheuertes, aber eben auch durchweg knalliges Exploitationkino mit einer Besetzung, die jedem Filmfreund das Klappmesser in der Hose aufgehen lässt. Feiste Action, ohne Anspruch auf Relevanz, aber mit der heiligen Motivation gedreht, den Zuschauern 90 Minuten lang Feuer unter dem Arsch zu machen. Filme, in denen wirklich ein Flugzeug über den Amazonas fliegt, wenn ein Flugzeug über den Amazonas fliegen soll. Filme, in denen wirlich ein Haus in die Luft gejagt wird, wenn ein Haus in die Luft fliegen soll. Filme, in denen einem Mann Holzpflöcke am Körper festgeklebt werden, wenn er von solchen durchbohrt worden sein soll. Filme, in denen ein Pappkopf durchs Bild rollt, wenn jemand enthauptet wurde. Filme, in denen alles das, was man sieht, tatsächlich vor der Kamera umgesetzt und nicht nachträglich per Rechner reingemogelt wurde. Filme, die ihr Herz gewissermaßen am Revers tragen, bei denen man zu jeder Zeit weiß, woran man ist, was man erwarten kann und das dann auch bekommt. Filme, in denen Models Models sind, Drogendealer Drogendealer, und Söldner eben Söldner. Filme, die damit enden, dass die Guten überleben und die Bösen für ihre Untaten ins Gras beißen, und denen das genug ist.

EUER WEG FÜHRT DURCH DIE HÖLLE passt nur bedingt ins WiP-Subgenre, die Kerkereinlagen sind nur kurz, aber im Geiste schließt er an CHAINED HEAT und RED HEAT: UNSCHULDIG HINTER GITTERN perfekt an. Alle drei Filme aus einer Zeit, die ich schmerzhaft vermisse, als Exploitation und Pulp wie dieser sich nicht nur eine genau abgesteckte „Zielgruppe“ von Nerds, sondern an alle Kinogänger richteten und von diesen genauso wenig in eine voretikettierte Schublade gesteckt wurden. Als Filmemacher noch keinen Hehl daraus machten, dass es ihnen nicht um diesen oder jenen moralisch hehren Zweck ging, sondern darum, Geld zu verdienen, aber dann trotzdem kompromisslosere Filme ablieferten als diese rückgratlosen Windeier heute. EUER WEG FÜHRT DURCH DIE HÖLLE ist die volle Breitseite und lebendige Nostalgie für Menschen, die sich noch an jene Tage erinnern, als Filmplakate von GEHEIMCODE WILDGÄNSE die Litfasssäulen zierten. Hier stimmt alles. Sogar der scheußliche Titelsong, dessen kehlkopfkrebskranke Sängerin die Fistelstimme vom damaligen Popsternchen Stefanie von Monaco wie das Organ von Anna Netrebko klingen lässt. Und jetzt: Lasset uns beten.

Die beiden Weltraumschmuggler Akton (Marjoe Gortner) und Stella Star (Caroline Munro) werden von dem intergalaktischen Polizisten Thor (Robert Tessier) und seinem Roboterhelfer Elle (Judd Hamilton) gefangen genommen und erhalten vom Emperor (Christopher Plummer) einen Auftrag: Sie sollen die Vernichtungswaffe des bösen Zarth Arn (Joe Spinell) finden und zerstören und auf der Suche Ausschau nach Simon (David Hasselhoff), dem Sohn des Kaisers, halten, der mit seinem Raumschiff Opfer eines Angriffs des Schurken geworden war …

Viel hatte ich von diesem Film gehört, jetzt habe ich ihn endlich gesehen, und, oh boy, das Warten hat sich gelohnt, denn STARCRASH dürfte wohl eines der beknacktesten jener Science-Fiction-Märchen sein, die im Gefolge von Lucas‘ Sternenoper die Kinos fluteten, aber gleichzeitig wahrscheinlich auch das wildeste, bunteste, psychedelischste und schlicht und ergreifend schönste – lediglich Mike Hodges‘ FLASH GORDON stellt noch ernsthafte Konkurrenz für ihn dar. Gleich zu Beginn beschleunigen Stella Star und Akton ihr Raumschiff auf Hyperspeed und anscheinend wird davon auch Cozzis Film erfasst, denn der jagt in den folgenden 90 Minuten von einem irrwitzigen Set Piece zum nächsten, ohne auch nur mal kurz Luft zu holen oder innezuhalten und sich zu fragen, ob das alles noch Sinn ergibt. Ein kurzer Abriss gefällig? Das Raumschiff von Simon wird von „roten Monstern“ (eigentlich eher rote Blubberblasen, die per Doppelbelichtung über das Bild gelegt werden) zerstört, Schnitt zu Akton und Stella, die von der Polizei verfolgt werden. Beide finden das führerlos treibende Raumschiff und bergen einen Verwundeten, der von den roten Monstern faselt, bevor Stella und Akton dann von der Polizei geschnappt und zu Strafarbeit verdonnert werden. Stella arbeitet in einem Reaktor, zettelt aber nach nur wenigen Stunden eine Meuterei an, sodass sie entkommen kann und schließlich in einem Maisfeld von einem Raumschiff abgeholt wird: An Bord sind wieder ihre Ankläger, die es sich jedoch anders überlegt zu haben scheinen, und ihr und Akton nun den oben beschriebenen Auftrag erteilen. Die Suche nach den Überresten des Raumschiffs führt Stella und Elle erst an einen Strand, wo sie von berittenen Amazonen gefangen genommen werden und schließlich vor einem riesigen Roboter fliehen müssen. Die nächste Reise führt auf einen Eisplaneten, wo Elle und Stella sich einschneien lassen müssen und nur von Elles Roboterenergie am Leben gehalten werden können. In einer Höhle findet Stella am Schluss schließlich den Prinzen Simon, der beiden im Kampf gegen Zarth Arn hilft, alles explodiert, Ende.

Diese rasante Aneinanderreihung von Episoden wird vor allem durch den Look des Films zusammengehalten: Als habe ihm eine Low-Budget-Version von 2001: A SPACE ODYSSEY vorgeschwebt, kleistert Cozzi nämlich jede Einstellung mit preisgünstigen Spezialeffekten zu – Rückprojektionen, Doppelbelichtungen, Stop-Motion, Miniaturmodelle – und hüllt seine Protagonisten in die neueste Fetischmode: alles, was das Nerdherz begehrt. Die Effekte sind natürlich ziemlich fadenscheinig und leicht zu durchschauen, doch tut das ihrem Gelingen keinen Abbruch, im Gegenteil: Die Ästhetik von STRACRASH unterstreicht das Artifizielle des Films, markiert ihn als Popfantasie und verleiht ihm erst seinen surreal-psychedelischen Charme, der jede Kritik an technischen Unzulänglichkeiten als das Geläster herzloser Erbsenzähler erscheinen lässt. Wer will sich denn allen Ernstes über mäßige Spezialeffekte beklagen, wenn unterm Strich ein Ergebnis wie eben STARCRASH herauskommt, ein Film, dem man die Liebe, Begeisterung, den Enthusiasmus und die ungezügelte Fabulierfreude seines Machers in jeder Sekunde anmerkt? Cozzi hat sich seine Vision nicht von miesepetrigen Machbarkeisterwägungen kaputtmachen lassen und das sollte man meines Erachtens entsprechend würdigen, als ihn mit nüchtern durchgerechneten Hochglanzprodukten zu vergleichen, deren Macher sich für das Budget von STARCRASH wahrscheinlich noch nicht einmal aus ihrem Bett erhoben hätten. Viel zu viele Filme kranken an fehlendem Mut, an der Abwesenheit jeglichen Wahnsinns und vor allem an der über allem stehenden technischen Perfektion, die doch oft ziemlich langweilig ist – wenigstens aber nicht allein einen guten Film ausmacht. STARCRASH ist mit seinem herrlichen kreativen Chaos ziemlich heilsam und mir tausendmal lieber als der inspirations- und kantenlos runtergekurbelte, dafür aber mit absurden Riesenbudgets aufgemotzte Retortenkäse, der einem heute als Eventkino verkauft wird.

Jaja, ich weiß, auch das ist im Grunde eine ziemlich miesepetrige und kulturpessimistische Haltung, aber wenn ich sehe, wie STARCRASH allerorten verlacht wird – selbst auf Seiten, von denen man eigentlich mehr erwarten könnte -, dann ruft das bei mir eben entsprechende Reflexe hervor. Ich finde es einfach nur traurig, wie die zunehmende Perfektionierung von Spezialeffekten den kindlichen sense of wonder fast völlig abgetötet hat: Dass man Kino – und Fiktion überhaupt – mit der suspension of disbelief begegnen, dass man dem Erzähler mit einem Vertrauensvorschuss begegnen, sich ihm überantworten sollte, diese Bereitschaft scheint ziemlich aus der Mode gekommen. Schade, schade, schade, denn lässt man sich auf Cozzis STARCRASH ein, nimmt man ihn mit seiner wahnwitzigen Ausstattung, seiner Krachbummpeng-Dramaturgie, seinen haarsträubenden Dialogen und seinen Netzhaut-ablösenden Spezialeffekten at face value, fährt man eindeutig besser – und darf sich auch mit 35 mal wieder wie ein staunender Sechsjähriger fühlen, der noch ein ganzes Leben voller Abenteuer vor sich hat: Vielleicht ja eines als Weltraumschmuggler mit einer Stella Star oder, für die Damen, einem schmucken Akton im Arm. Wer wird da nicht schwach?

Als Sean (David Bradley) noch ein kleiner Junge war, wurde sein Papa, ein Karatekämpfer, umgebracht und Sean fortan von Izumo (Calvin Young) in der Kunst des Ninjitsu unterwiesen. In der Gegenwart reist er in den fiktiven Staat Triana, um an einem Karateturnier teilzunehmen. Als er dort seinem alten Meister begegnet und dieser kurz darauf entführt wird, macht er sich mit Jackson (Steve James) und Dexter (Evan J. Klisser) auf die Suche nach ihm. Die führt ihn zu „The Cobra“ (Marjoe Gortner), der für General Andreas (Yehuda Efroni) eine Rasse von Supersoldaten kreieren soll und nur auf Sean gewartet hat …

Aller Guten Dinge sind zwar nach Volksmund drei, doch AMERICAN NINJA 3: BLOOD HUNT ist wohl die berühmte Ausnahme von der Regel. Alle Jubeljahre wird er von mir in der Hoffnung eingeworfen, dass er mir vielleicht endlich seine mir bislang verborgen gebliebenen Qualitäten offenbart, aber auch bei dieser Sichtung steht am Ende nur die Erkenntnis, dass der dritte Eintrag der Erfolgsserie eine reichlich freudlose Angelegenheit ist. Selbst wenn man die Ansprüche ganz weit runterschraubt und AMERICAN NINJA 3 lediglich als hohlen Trashfilm betrachtet, gibt es hier rein gar nichts zu holen. Wirklich alle Beteiligten haben ihr Schlechtestes gegeben – oder aber sie haben in dem Bemühen, auch noch den letzten Funken Spaß aus dem Film zu saugen, Überstunden gemacht. Die Story ist selbst dann noch unfassbar dämlich, wenn man sie nur als Wegbereiter für die Actionszenen begreift, die Inszenierung hausbacken und angestrengt, die Kampfchoreografien unter aller Sau und – der Todesstoß für den Film – David Bradley ein so dermaßen unsympathischer Protagonist, dass das Unterfangen eigentlich von vornherein hoffnungslos ist. Die Cannon wollte den einstigen Karatechampion wohl zum neuen Actionstar aufbauen, doch das ist gründlich in die Hose gegangen und vielleicht das beste Beispiel dafür, wie Golan und Globus in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre von ihrem Urteilsvermögen verlassen worden sind. Bradley lässt sich in eigentlich allen seinen Filmen nur ertragen, wenn es einem gelingt, sich an seiner prollig-machohaften Art hochzuziehen. Klar, auch Dudikoff war kein guter Schauspieler, aber er war als Handkanten-James-Dean gut besetzt und vor allem sympathisch. Wenn David Bradley mit Leichenbittermiene die Muckis anspannt, denkt man hingegen an Steroidmissbrauch, Date Rape und Demütigungen in der Jungsumkleide beim Sportunterricht. Im Vergleich mit dem sonnigen Fun-Actioner AMERICAN NINJA 2: THE CONFRONTATION wirkt Teil 3 unfreundlich, düster und misanthropisch. Das ist nicht per se schlecht, nur gibt der Stoff das gar nicht her. Sundstroms Film ist albern, ohne dabei Spaß zu machen. Eigentlich das vernichtendste Urteil, das man über einen Film verkünden kann. Bis zum nächsten Mal.