Mit ‘Mark Roper’ getaggte Beiträge

human timebomb (mark roper, usa 1996)

Veröffentlicht: Dezember 15, 2008 in Film
Schlagwörter:, , ,

511crzs0qyl_ss500_Der Topos des Maschinenmenschen oder Cyborgs, der eine Konstante im Actionfilm der Achtziger- und Neunzigerjahre ist – den Erfolgen TERMINATOR, ROBOCOP, T2: JUDGMENT DAY oder UNIVERSAL SOLDIER folgten stets kleinere Nachzieher wie RETALIATOR, CYBORG, CYBORG COP, CLASS OF 1999 oder der italienische VENDETTA DAL FUTURO auf dem Fuße, um nur einige zu nennen – hat einen weniger beachteten Verwandten: den Topos des willenlos gemachten, quasiprogrammierten Soldaten. Schon Frankenheimers THE MANCHURIAN CANDIDATE gruselte US-Kinogänger mit der Vorstellung, dass nicht alle, die körperlich unversehrt aus dem Krieg zurückkehrten, tatsächlich unversehrt waren. „Gehirnwäsche“ lautet das Stichwort. Mit dem zunehmenden Wissen über die Funktionsweisen des Gehirns und die spätere Entwicklung winziger Mikrochips schien die Idee einer „Programmierung“ des Menschen aber nun tatsächlich nicht mehr länger nur im übertragenen Sinne möglich. HUMAN TIMEBOMB ist einer dieser Filme, die von der Idee ausgehen, die Identität eines Menschen mithilfe der Implantierung eines solchen Chips auslöschen und ihn so komplett steuerbar machen zu können. Und so landen mehrere dieser Chips im Kreislauf diverser Terroristen und Elitesoldaten, die nun zu willfährigen Instrumenten ihres Herren werden.

Parker (Bryan Genesse) ist der prototypische Supercop: ein FBI-Agent, der seine eigenen Methoden hat, und damit nicht immer auf Gegenliebe stößt. Als er in einen Drogendeal platzt und ihm dabei besagter Mikrochip in die Hände fällt, ruft das die CIA in Person der Agentin Gina auf den Plan. Sie will den in Haft genommenen Drogendealer – Bruder eines kubanischen Generals – gegen einen in kubanischer Haft befindlichen amerikanischen Soldaten tauschen: Parkers ehemaligen und für tot gehaltenen Partner. Doch in Wahrheit geht es um anderes: Und so wird schließlich der Chip an die Kubaner ausgehändigt und Parker installiert. Gemeinsam mit einer Gruppe von willenlos gemachten Kämpfern soll dieser nun ein Attentat verüben und so die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Kuba einem neuen Gefrierpunkt zuführen …

Man erkennt es schon an der Zusammenfassung, dass die Macher von HUMAN TIMEBOMB alles auf einmal wollten: ein bisschen Stellungnahme zur gegenwärtigen Politik, ein bisschen Science- und Philosophy-Fiction um Mikrochips und die Frage nach Identität und freiem Willen und zu guter Letzt natürlich auch noch eine Prise menschliches Drama. Nun wäre HUMAN TIMEBOMB nicht der erste B-Film dem Überambitioniertheit und Verkennung der Realität zum Verhängnis würde, aber in diesem speziellen Fall ist es schon ärgerlich, wie der Film mit laufender Spielzeit mehr und mehr vom Weg abkommt. Der spektakuläre Auftakt, bei dem es reihenweise hübsche Explosionen und durch die Luft fliegende Menschen zu bestaunen gibt, macht nämlich einiges her. Fast fühlt man sich an die Filme erinnert, die die Produktionsgesellschaft PM, benannt nach ihren Köpfen Richard Pepin und Joseph Merhi, in den Neunzigerjahren in Reihe veröffentlichte: Gewürzt mit „Stars“ wie Joe Lara (der auch hier mitmischt), Jeff Wincott, Gary Daniels, Lorenzo Lamas oder dem in die dritte Liga abgestiegenen C. Thomas Howell, jeder Menge atemberaubender Autocrashes und Explosionen und unter Zuhilfenahme generischer und bloß zweckdienlicher Plots knüpften diese Filme an die handgemachten Zerstörungsorgien des vorigen Jahrzehnts an, während sich das großbudgetierte Actionkino langsam aber sicher im Größenwahn verlor. Die Actionszenen stimmen auch hier, sind von einer beeindruckenden Dynamik und lassen erkennen, worum es den Machern wohl in erster Linie ging – daran kann auch der kontraproduktiv vor sich hin pluckernde Billig-Synthiescore nichts ändern. Aber zwischen diesen Set Pieces versumpft der Film in seiner dümmlichen Story, der von den hölzern und leblos agierenden Schauspielern auch noch der letzte Rest von Drive genommen wird.

Hinsichtlich der im ersten Absatz angerissenen Thematik bietet HUMAN TIMEBOMB zudem nur wenig neue Erkenntnisse. Dass ein paar Erinnerungsfetzen ausreichen sollen, Parker aus seiner aufgezwungenen Passivität zu reißen, wirkt nicht bloß unplausibel, es macht außerdem den Eindruck, als hätten die Drehbuchautoren selbst nicht so genau gewusst, worüber sie da eigentlich schreiben. Da fühlt man sich als Zuschauer beinahe schon verkaspert, wenn ein lang aufgebauter Konflikt sich ganz unvermittelt in Luft auflösen muss, damit es weitergehen kann. Letztlich ist es aber vor allem die Monotonie, die HUMAN TIMEBOMB das Genick bricht. Der Film ist zu lang und tranig, um zu großen Gefühlsausbrüchen hinzureißen. So macht der Zuschauer im Verhältnis zum Protagonisten gerade die entgegengesetzte Entwicklung durch: Während sich Parker aus der Passivität befreit, versinkt der Zuschauer mehr und mehr in Lethargie. Irgendwann war mir das Geschehen auf der Mattscheibe dann gänzlich egal und ich wurde erst dann wieder hellhörig, wenn es Rabatz zu geben versprach: Vielleicht war es auch nicht ganz ideal, den Film mit vergrippter Birne zu gucken. Die ersten zehn Minuten, die haben es aber in sich.