Mit ‘Marlon Wayans’ getaggte Beiträge

Gemeinsam mit dem Vorgänger INTOLERABLE CRUELTY gilt THE LADYKILLERS, das Remake der gleichnamigen (wunderbaren) britischen Ealing Comedy aus dem Jahr 1955 mit Alec Guinness, Peter Sellers und Herbert Lom, als Tiefpunkt der Coen-Filmografie. Genauer gesagt gibt es auf der sonst makellos weißen Weste überhaupt nur diese beiden Flecken (jedenfalls besagt das das etablierte Narrativ) und selbst diese beiden Filme sind keineswegs richtig schlecht. Aber irgendwas ist bei beiden schief gegangen und ich weiß nicht genau was. Bei INTOLERABLE CRUELTY konnte man zugunsten der Coens noch ins Feld führen, dass der Film nur eine Auftragsarbeit war, das Script ursprünglich nicht von ihnen stammte. Gut, als Remake entspringt auch THE LADYKILLERS nicht zu 100 Prozent dem Hirn der Brüder, aber nichtsdestotrotz ist es ihr Film, was die Zerfahrenheit der ganzen Unternehmung umso rätselhafter macht.

Bei der gottesfürchtigen, resoluten afroamerikanischen Witwe Marva Munson (Irma P. Hall) mietet sich der vornehme Altphilologe und Poe-Verehrer Professor Dorr (Tom Hanks) ein. Besonderes Interesse zeigt er am Keller der alten Dame: Hier möchte er mit seinen „Musikerfreunden“ Pancake (J. K. Simmons), Gawain (Marlon Wayans), dem „General“ (Tzi Ma) und Lump (Ryan Hurst) Renaissance-Musik proben. Behauptet er zumindest, denn eigentlich hat er kriminelle Pläne: Vom Keller aus möchte er einen Tunnel in den Tresorraum eines Casinos graben …

Das Schwarzweiß-Original war eine dunkel-makabre Komödie, in der die von Gier getriebenen Schurken schließlich an ihrer Missgunst und einer alten Frau scheitern. Die Coens verlegen die Handlung von einer dunklen Arbeitersiedlung in London an den Mississippi, der in märchenhaft überhöhten Bildern abgelichtet wird, aus den Fünfzigerjahren in eine Gegenwart, in der Tom Hanks‘ Hauptfigur mit ihren Umgangsformen, ihrer Akademikersprache, ihrer Kleidung und ihrer Vorliebe für Poesie ein hoffnungsloser Anachronismus ist. Der Kontrast zu Marlon Wayans afroamerikanischem Gangsta könnte kaum größer sein. Für mich das größte Problem an dem Film: Ich habe keine echte Rezeptionshaltung zu dem Film gefunden. In was für einer Welt soll THE LADYKILLERS spielen? Ist er in unserer Welt angesiedelt, die nur etwas stilisiert wird? Dann kann ich Professor Dorr nicht akzeptieren, vor allem nicht als Kopf einer Räuberbande. Spielt er in einer Fantasiewelt? Dann frage ich mich, warum nicht alle Parts die Art von Überhöhung erfahren haben, die die Coes dem Protagonisten haben zukommen lassen. Märchen, Pastiche, Period Piece und „Gegenwartsfilm“: THE LADYKILLER ist irgendwie alles, aber nichts davon so richtig. Er zeigt „typisch“ Coen’sche Elemente, vielleicht mehr als der Vorgängerfilm, macht gerade in seinen allesamt fehlgezündeten Gags aber einen extrem runtergedooften Eindruck. Ich räume ein, dass das von der deutschen Synchro noch verstärkt wird, denn die tut sich gerade mit Afroamerikanern immens schwer. Wann immer Marlon Wayans den Mund aufmacht, wird es schmerzhaft. Und welche Funktion der Charakter des verbödete Footballers Lump eigentlich haben soll, der den ganzen Film über nur mit offenem Mund dasteht, ist mir auch nicht aufgegangen.

Ich finde THE LADYKILLERS nicht richtig schlecht: Es gibt einige interessante Ansätze, die ich erkennen kann, wenn ich die Synchro ausblende, aber sie addieren sich nicht zu einem befriedigenden, sinnstiftenden Ganzen. Die Fotografie von Roger Deakins ist wie immer sehr stimmungsvoll, das Aufeinandertreffen von Hanks und der strengen alten Dame hätte in einem anderen Film ein schönes Zentrum abgegeben. Aber hier geht einfach nichts so recht zusammen. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was die Coens eigentlich erzählen wollten, was sie an der Geschichte reizte, was sie meinten, dass ihr Film dem Original zufügen solle oder könne. Ich verstehe den Film nicht, er lässt mich mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf zurück. Und ja, irgendwas an ihm stößt mich ab. Aber benennen kann ich das nicht. THE LADYKILLERS mag weniger kompromittiert sein als INTOLERABLE CRUELTY, aber das macht ihn nicht wirklich besser. Eigentlich sogar im Gegenteil.

Aber wenn die Brüder ihn machen mussten, um danach den überwältigenden NO COUNTRY FOR OLD MEN drehn zu können, soll mir das recht sein.

heat_ver4THE HEAT ist gleich der zweite große Wurf von Paul Feig nach dem auch schon tollen BRIDESMAIDS, hat mir sogar noch besser gefallen, was nicht zuletzt an meiner großen Liebe für Cop- und Buddyfilme liegt. Feig nimmt dieses typischerweise von Männern dominierte Genre und überträgt seine Klischees (wie schon bei BRIDESMAIDS) auf Frauenfiguren, die sich im Rahmen des Films allerdings durchaus echt, eben nicht wie Pappkameraden anfühlen. Der Witz besteht nicht darin, dass sich Frauen bei ihm wie Männer benehmen, sondern entsteht aus den sehr eigenen Problemen und Situationen, auf die sie in einer genretypischen (sprich: auf männliche Protagonisten zugeschnittenen) Cop-Geschichte stoßen.

Sandra Bullock verkörpert FBI-Agentin Ashburn, den prototypischen Streber, der sich stets streng an die Regeln hält, keinerlei Humor besitzt und natürlich auch keine Freunde hat. Melissa McCarthy steht als Bostoner Hardass-Cop Mullins im Abseits, weil sie ordinär und dreckig ist, das Gesetz gern beugt und nicht viel von wohlklingenden Theorien von der Polizeischule hält. Natürlich müssen die beiden sich zusammenraufen und beide lernen dabei etwas vom anderen. Wobei: Eigentlich darf Mullins bleiben wie sie ist, lediglich Ashburn bekommt beigebracht, sich wie ein menschliches Wesen zu verhalten, was in THE HEAT damit einhergeht, dass das Bild der gutaussehenden Karrierefrau lustvoll zertrümmert wird.

Ich habe nicht vor, große Aufsätze über die emanzipatorische Kraft von Feigs Film zu schreiben (die er gewiss hat): Mich hat der Film nämlich schon auf sehr viel basalerer Ebene voll erwischt. Ohne eine empirische Studie angestellt zu haben, behaupte ich, dass ich bei keinem Film der letzten fünf Jahre annähernd so viel, laut und herzhaft gelacht habe wie bei diesem. Man merkt ihm die Apatow-Herkunft natürlich an, aber es macht einfach einen Unterschied, ob einem diese bekannten Vulgarismen von 40-jährigen männlichen Slackern um die Ohren gehauen werden, die sich seit der Pubertät jeder Weiterentwicklung versperrt haben, oder von einer 40-jährigen Frau mit der Statur eines Gefrierschranks und dem Gesicht einer Bulldogge. Melissa McCarthy ist großartig als bärbeißige Mullins, wird aber eben nicht einfach auf die hässliche und damit per se „witzige“ Schreckschraube festgenagelt, sondern darf durchaus Brüche zeigen, die einem die Figur menschlich näherbringen und ihr Ecken und Kanten verleihen. Genauso Agentin Ashburn, deren Spießigkeit natürlich auch nur ein Panzer ist, den sie aufgebaut hat, um sich zu schützen. Ja, das sind die Klischees des Buddyfilms, aber Feig versteht eben, sie mit Leben zu füllen. Die Chemie seiner beiden Hauptdarstellerinnen – auch Sandra Bullock ist famos – hilft ihm dabei.

Das soll an dieser Stelle reichen. Ich hoffe, meine Leena macht ihr Versprechen wahr, über THE HEAT zu schreiben, denn sie kann gewiss besser artikulieren, warum Feig nicht nur ein zum Brüllen komischer, sondern auch ein wichtiger und bewegender Film gelungen ist.