Mit ‘Matt Reeves’ getaggte Beiträge

dawnpotaNa bitte, es geht doch! Hatte ich am Vorgänger doch ziemlich viel auszusetzen, hat mir die Fortsetzung um Längen besser gefallen. DAWN OF THE PLANET OF THE APES ist m. E. thematisch und erzählerisch wesentlich fokussierter (Kritiker finden ihn vielleicht „eindimensionaler“ und „unorigineller“), visuell aufregender und actionlastiger. Hatte mich an RISE OF THE PLANET OF THE APES vor allem gestört, dass er den Charakter eines bloßen Prologs nicht loswurde, sich vor allem darüber definierte, wo er hin wollte und deswegen nicht zu einer echten eigenen Identität fand, darüber hinaus eigentlich mindestens zwei Geschichten erzählte, die sich gegenseitig die Zeit raubten und im Weg standen, kommt DAWN vom Start weg zum Punkt und verfolgt seinen Weg bis zum Schluss überaus konsequent.

Die Titlesequenz zeigt in wenigen Minuten, wie sich das Ende der Welt durch den am Ende des ersten Teils ausgesetzten Virus vollzieht. Wenn DAWN dann beginnt, sind die einst belebten Städte völlig ausgestorben und verwildert, das von Caesar (Andy Serkis) geführte Menschenaffenvolk lebt in einer Quasizivilisation in den Wäldern. Die erste Viertelstunde kommt ohne gesprochene Dialoge aus, zeigt die sich in Zeichensprache verständigenden Affen auf der Jagd und in ihrem „Alltag“. Der Friede hält natürlich nicht lange an, denn ein paar überlebende Menschen finden den Weg zur Affenstadt und ziehen den Zorn der Primaten auf sich, lösen aber mindestens genauso viel Angst aus: Man kennt die Menschen, ihre Gier und Zerstörungswut und traut ihren „friedlichen Absichten“ nicht über den Weg. Und eines scheint allen klar: Wenn die Menschen – die in den Wäldern ein Wasserkraftwerk reaktivieren wollen, um Strom für den Wiederaufbau zu gewinnen –  sich rekonsolidieren, dann werden sie die Affen über kurz oder lang vertreiben.

Der Konflikt, der am Ende zu einer erbittert geführten Schlacht in den Ruinen San Franciscos führt, wird interessanterweise nicht durch die Aggressionen der jeweiligen Gegenseite eingeleitet, sondern durch die Hassprediger in den eigenen Reihen, die sich durch ihre Angst Blick und Vernunft verstellen lassen, die eigeneN Leute manipulieren, bis sie endlich die Fakten geschaffen haben, auf deren Grundlage ein Massaker gestartet werden kann. Die Botschaft von DAWN OF THE PLANET OF THE APES ist gewiss nicht neu (sie war ja auch schon Inhalt des Originalzyklus), aber sie bekommt dieser Tage vor allem aus europäischer Perspektive eine neue Schärfe. Wie sich die Situation unaufhaltsam hochschaukelt, löst ungute Gefühle aus, gerade wenn man sich anschaut, wie die Gewaltbereitschaft „friedlicher Bürger“, die sich „einfach nur Sorgen machen“, derzeit ansteigt, wie andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion (oder auch nur ihres Aussehens) unter Generalverdacht gestellt und als Bedrohung angesehen werden, der man höchst unbarmherzig entgegentritt.

Was DAWN OF THE PLANET OF THE APES aber zu allererst sehenswert macht, sind seine Bilder, die eindrucksvollen Impressionen aus der Affenzivilisation und aus der an alte, im Dschungel vergrabene Tempelruinen erinnernden Metropole. Seit I AM LEGEND hat man keine so friedlich und wie verwunschen daliegenden Straßen mehr gesehen und der Film weckt unbändige Lust, diese weiter zu erkunden. Eine Szene im dunklen Wald, in dem eine alte Tankstelle durch den Strom zu neuem neonleuchtenden Leben erwacht und einen alten Folksong über die Lautsprecher in die Nacht entsendet, entfaltet eine geradezu magische Kraft, wie man sie in amerikanischen Eventfilmen eher selten findet. Die Spezialeffekte um die Affen wurden weiter verfeinert und überragen die des Vorgängers noch um Längen (Geschlechtsteile oder auch nur Brustwarzen gibt es aber weiterhin nicht zu sehen, wir sollen ja nicht sexualethisch verwirrt werden). So ist das einzige, was ich an DAWN wirklich zu kritisieren habe, seine etwas unverhältnismäßige Länge. Im letzten Drittel geht dem Film doch ein wenig die Puste aus, da man als Zuschauer natürlich weiß, in welche Richtung sich das Geschehen entwickelt. Gemessen an den Verfehlungen von RISE scheint mir das aber vernachlässigbar. Guter Film!

Zweitsichtung: Der Verdacht, CLOVERFIELD könne bei der Zweitsichtung auf dem heimischen Fernseher viel von seiner Wirkung und seinem Reiz verlieren und nichts mehr nachlegen, war durchaus nicht ganz haltlos. CLOVERFIELD verdankte seinen Erfolg ja nicht zuletzt der Tatsache, dass man mehr oder weniger unvorbereitet im Film gesessen hatte und dann dem Geniestreich der Verknüpfung eines Genres, das von Größe und Erhabenheit handelt, mit einer Form, die Intimität und Direktheit und damit genau das Gegenteil erzeugt, beizuwohnen. Bei Zweitsichtung wird jedoch klar, dass CLOVERFIELD kein Gimmickfilm ist, dessen Wert sich nur in Oberflächlichkeiten erschöpft. Der ganze Film ist ausgesprochen geschickt komponiert worden, verhandelt seine Themen – Zeugenschaft und Kommunikation – durchgängig, ohne dabei aufdringlich zu sein, und weiß das Mittel der diegetischen Kamera so überzeugend einzusetzen, wie nur wenige Filme vor ihm. CLOVERFIELD -ein technisches Husarenstück – erscheint jederzeit homogen und menschlich und ist nichts weniger als modernes Kino in Vollendung. Und um Längen besser als THE DARK KNIGHT. Das nur so nebenbei.