Mit ‘Matthew McConaughey’ getaggte Beiträge

Richard Linklaters DAZED AND CONFUSED ist einer meiner All-Time Faves und jetzt endlich auch in einer angemessenen HD-Version in Deutschland erhältlich. Ich habe auf diesen Seiten bereits über den Film geschrieben, aber habe das anlässlich der Veröffentlichung gern noch einmal getan. Wer das schöne, üppig ausgestattete Mediabook von Koch Media kauft – und wer das nicht tut, sollte definitiv seine Entscheidungen überdenken – darf also auch mein Booklet dazu lesen. Ihr wisst, was zu tun ist. Alles klar? Alright, alright, alright!

jf_dazedandconfused_final_smEin bisschen was zu DAZED AND CONFUSED habe ich schon nebenan in meinem Text zum „spiritual sequel“ EVERYBODY WANTS SOME!! gesagt, das natürlich auch der Anlass war, mir diesen Lieblingsfilm mal wieder anzuschauen. Nicht immer funktioniert eine solche Auffrischung, gerade Filme, die man in der erweiterten Jugend zu schätzen gelernt hat, erscheinen einem mit etwas Abstand oft unreif oder zu sehr einer bestimmten Zeit verhaftet, die unwiederbringlich verflogen ist. Aber DAZED AND CONFUSED ist immer noch so toll wie damals, wenn natürlich auch nicht mehr so überraschend. Er ist von einer quirligen Lebendigkeit, von einer immensen Dichte in seiner Atmosphäre, in der Zeichnung des Milieus, in dem er spielt, dass es wirklich schmerzhaft sein kann, sich daran zu erinnern, dass er nur ein Film ist, dass es diese Charaktere gar nicht wirklich gibt, und dass sie – wenn doch – gut 15 bis 20 Jahre älter als man selbst wären. Das Gefühl, an der Schwelle zu etwas Neuem, Aufregendem zu stehen, fängt er ein wie kaum ein zweiter Film und nebenbei gelingt ihm das Wunder, einen an einer jener wundersamen Sommer-Partynächte teilhaben zu lassen, die anscheinend nicht enden wollen, die vollgepackt sind mit kleinen Geschichten, Plots und Subplots, durch die man sich treiben lässt, mal hier mitmacht, dann wieder aussteigt, um sich von der nächsten Euphoriewelle an einen anderen Ort mitreißen zu lassen. Am Ende, wenn Pink (Jason London), Wooderson (Matthew McConaughey), Slater (Rory Cochrane) und Simone (Joey Lauren Adams), am Morgen nach jener grandiosen Nacht Richtung Houston rauschen, um dort die Tickets für das fieberhaft erwartete Aerosmith-Konzert zu kaufen, fühlt man sich wie sie: Ein bisschen hungover, berauscht, etwas müde, aber verdammt glücklich.

DAZED AND CONFUSED spielt am letzten Schultag des Jahres 1976 in einer texanischen Kleinstadt. Da gibt es die Schüler, die sich darauf vorbereiten, nach dem Sommer als „Seniors“ zurückzukehren, und die „Freshmen“, Junior-High-Abgänger, die von den Veteranen mittels demütigender Initiationsriten auf den kommenden „Ernst des Lebens“ vorbereitet werden. Im Mittelpunkt stehen der Senior Randall „Pink“ Floyd, Quarterback der Highschool-Footballmanschaft, der vom Coach dazu gedrängt wird, sich mit der Unterschrift eines Enthaltsamkeits-Gelübdes für das nächste Jahr zu verpflichten, und Mitch Kramer (Wiley Wiggins), ein Freshman, der nach überstandener Initiation von den Seniors unter ihre Fittiche und mit in die aufregendste (und längste) Nacht seines Lebens genommen wird. Aber ihre beiden sich kreuzenden Geschichten sind nur zwei von zahlreichen weiteren: Da gibt es den coolen Wooderson, der der Highschool eigentlich schon lange entwachsen ist, aber immer noch gern mit den Kids rumhängt und seinen Status als elder statesman genießt. Den ekligen O’Bannion (Ben Affleck), der sitzengeblieben ist und nun schon im zweiten Sommer hintereinander sadistische Jagd auf die Freshmen macht, die traditionell den Arsch mit einem breiten Cricket-Schläger versohlt bekommen. Die Nerds Tony (Anthony Rapp), Mike (Adam Goldberg) und Cynthia (Marissa Ribisi), die sich zur Teilnahme an der Party überreden lassen, zu der sie sich nicht so recht zugehörig fühlen. Pickford (Shawn Andrews), bei dem die große Party steigen soll, von der die Eltern aber in letzter Sekunde Wind bekommen. Sabrina (Christin Hinojosa), das weibliche Pendant zu Mitch, die sich in den ebenso zurückhaltenen Tony verliebt. Und natürlich deren Freunde und Freundinnen, die um diese Fixterne in immer neuen Konstellationen herumkreisen und den Eindruck vermitteln, man bewege sich tatsächlich in einem gesellschaftlichen Mikrokosmos.

Es passiert eigentlich nichts übermäßig Aufregendes: Ein gewisses Alter vorausgesetzt, hat wahrscheinlich jeder Zuschauer etwas ganz ähnliches erlebt wie die Figuren aus DAZED AND CONFUSED (die kulturellen Unterschiede einmal außen vor gelassen). Es sind die Authentizität, mit der Linklater Ort und Zeit einfängt, die durch die Bank famosen Darsteller, die von ihren Charakteren überhaupt nicht mehr zu trennen sind (der damals 16-jährige Wiley Wiggins ist nichts weniger als brillant in seinem Debüt), und dieser unwiderstehliche, verführerische Flow, den der Film entwickelt, die ihn zu etwas ganz Besonderem machen. Wer auf Americana und Coming-of-Age-Stoffe steht, dürfte nach DAZED AND CONFUSED ebenso restlos beglückt sein wie ich nach nunmehr etlichen Sichtungen. Eine vitalisierende filmische Frischzellenkur, ein Werk, das einen das Leben in all seinen Facetten lieben lässt.

 

Auch wenn ich es erst nach einiger Zeit gerafft habe: GHOSTS OF GIRLFRIENDS PAST macht natürlich schon im Titel keinen Hehl daraus, lediglich eine Paraphrase von Dickens‘ berühmter Weihnachtsgeschichte zu sein, die hier statt eines geizigen Misanthropen einen sexistischen Womanizer durch Geisterheimsuchung zur Läuterung treibt. Matthew McConaughey ist Connor Mead, erfolgreicher Celebrity- und Mode-Fotograf und notorisch polygam, seitdem er von seinem Onkel Wayne (Michael Douglas), einem hoffnungslosen Lebemann, in die Geheimnisse der Verführung eingeführt wurde und gelernt hatte, dass Liebe nur etwas für Schwächlinge und Träumer ist. Auf der Hochzeit seines Bruders Paul (Breckin Meyer) lässt Connor keinen Zweifel an seiner Verachtung für die Institution Ehe und die, die darauf hereinfallen, trifft aber auch Jenny Perrotti (Jennifer Garner) wieder, seine alte Sandkasten- und Jugendliebe, seine erste große Liebesenttäuschung und die einzige Frau, mit der er jemals eine feste Beziehung erwogen hatte. Nachdem er bei der künftigen Schwiegermutter (Anne Archer) seines Bruders abgeblitzt ist und eine der Brautjungfern klargemacht hat, erscheint ihm der Geist seines toten Onkels und offenbart ihm, dass ihm in der kommenden Nacht drei Geister erscheinen werden.

Der Weg ist von da an natürlich klar: Connor erkennt durch das Werk der Geister, die ihm einen Blick in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ermöglichen, dass es allein die Angst vor dem Verlassenwerden war, die ihn zum Womanizer machte, er in Wahrheit nie über die schöne Jenny hinweggekommen ist, und nur durch die Betten pflügte, um die Leere zu übertönen, die die Trennung von ihr hinterlassen hatte. Der Blick in die Zukunft, zeigt seinen Bruder als unverheirateten Mann – Connor hatte die Braut Sandra (Lacey Chabert) kurz zuvor durch die Offenbarung, dass sein Bruder vor Jahren mal etwas mit einer ihrer Brautjungfern gehabt hatte, in die Flucht getrieben – und als einzigen Gast auf Connors Beerdigung. Das ist der Moment, in dem er umdenkt, die Ehe seines Bruders durch vollen Körpereinsatz und eine flammende Rede rettet, einen zu Herzen gehenden Toast auf den Triumph der Liebe spricht und Jenny die ewige Treue schwört.

Ein Kommentar erübrigt sich anhand dieser Zusammenfassung eigentlich schon: GHOSTS OF GIRLFRIENDS PAST ist abwechselnd zahme Komödie mit klarer Sympathieverteilung, tränentreibender Schmachtfetzen und spießiges Erbauungskino vom Fließband, das durch seine Darsteller hier und da den dringend benötigten Qualitätsschub erhält. McConaughey ist als selbstzufriedenes Arschloch die Idealbesetzung und dabei so gut, dass die Freilegung eines weichen Kerns von Grund auf unglaubwürdig bleibt, Jennifer Garner hebt sich wohltuend von den sonst üblichen stromlinienförmigen oder bloß niedlichen Love Interests dieser Filme ab. Aber es sind vor allem die Szenen mit Michael Douglas als Womanizer alter Schule, komplett mit Siebzigerjahre-Hornbrille, die aus dem RomCom-Einerlei herausstechen. Da kann mit Robert Forster erwartungsgemäß lediglich ein anderer Veteran in der Rolle des Vaters der Braut (oder, wie ich aus THE WEDDING PLANNER gelernt habe, des „FOB“) mithalten: Die Hochzeitsrede des Koreaveterans, der das Zurückstopfen der Eingeweide in den Leib seines angeschosenen Kameraden als Gleichnis für das Wesen der Liebe verwendet, markiert einen späten Höhepunkt in dem zunehmend anästhesierend wirkenden Film, dem es noch nicht einmal gelingt, das mit der Reise in die Vergangenheit verbundene Nostalgiepotenzial zu heben. Wirklich ärgerlich ist indessen wieder einmal, wie jemand, der einem anderen Lebensentwurf als dem traditionellen Eheideal folgt, mit allen Mitteln zum Arschloch verzerrt wird, dem zum großen Glück nur die eigene Schwäche im Weg steht. Dabei sieht doch jeder Blinde, dass die Ehe der beiden Langweiler Paul und Sandra genau das Albtraumbündnis ist, dass Connor so markig zu beschreiben weiß. Der an Fanatismus grenzende Perfektionismus, mit dem da die Hochzeitszeremonie tagelang minutiös geprobt wird, lässt an die Organisation von Gefangenenlagern denken, und einer Frau, die über der Zerstörung einer Torte einen Nervenzusammenbruch erleidet, wünsche ich instinktiv Henry Silvas Handrücken als Therapie ins Zickengesicht. Aber wahrscheinlich muss das in diesem Filmgenre so sein, dass es keinerlei Zwischentöne gibt, ein Womanizer eben ein Traumapatient im Gewand eines Sexisten ist, und die Magie der wahren Liebe ein porentief reines Herz erfordert, das sich dann meist in kompletter blandness entäußert.

SURFER, DUDE passt eigentlich nicht in das von mir für diese Reihe vorgegebene RomCom-Schema. Zwar gibt es eine Liebesgeschichte, die hat aber lediglich Subplot-Charakter. Es geht um den Surfer Steve Addington (Matthew McConaughey), der eines Tages von einer Tour nach Hause kommt, und von seinem Manager Jack Mayweather (Woody Harrelson) erfährt, dass er vollkommen pleite ist. Steve, oder „Add“, wie er von allen genannt wird, interessiert das nicht weiter: Solange er seine Wellen und einen Joint hat, ist er glücklich. Und wer wollte es ihm angesichts der Bikini-Schönheiten, die ihn an den Traumstränden der Welt umgarnen, verdenken? Das Angebot des ehemaligen Surfers Eddie Zarno (Jeffrey Nordling), eines schmierigen Typen ohne Skrupel, an einer von ihm produzierten Reality-Show teilzunehmen, schlägt Add daher ohne lange nachzudenken aus. Doch als plötzlich die Wellen an der kalifornischen Küste ausbleiben, stürzt er in eine tiefe Sinnkrise …

„Das Gegenteil von ,gut‘ ist ,gut gemeint'“: So ließe sich SURFER, DUDE treffend zusammenfassen. Der von seinem Star mitproduzierte Film versucht zum einen, vom Cool der Surferszene zu profitieren, weckt mit seinen Slackerfiguren, die sich ständig mit „dude“ anreden, vom Highwerden und der perfekten Welle schwadronieren, Erinnerungen an das Subgenre der Kifferkomödie, mit esoterischer Freiheitsrhetorik zudem an POINT BREAK, übt sich zum anderen aber auch an „deeper“ Medienkritik mit Elementen des Charakter- und Selbstfindungsdramas. Das alles scheitert leider an der plumpen Holzschnittartigkeit des Entwurfs und so verreckt SURFER, DUDE irgendwo im trostlosen Niemandsland zwischen unwitziger Komödie und zahnloser Satire. Wenn die Alternative zum nonkonformen (eigentlich: umproduktiven) Rumhängen ohne Plan und Richtung das Verkaufen der eigenen Seele an ein diabolisch grinsendes Arschloch ist, ist es ziemlich leicht, für ersteres zu votieren und dafür einzutreten. Grautöne kennt der Film gar nicht, sein Perspektive ist genauso beschränkt wie die seines Protagonisten. Um Adds Dilemma aufzulösen, zaubert das Drehbuch in den letzten zehn Minuten den Deus ex Machina hervor, den reichen Papa von Adds neuem Schwarm, der Journalistin Danni (Alexie Gilmore), der den fiesen Zarno schwupddiwupp rausschmeißt, Add mit Superduper-Vertrag ohne Haken ausstattet und ihn lächelnd mit der Tochter ziehen lässt. Wenn es im echten Leben doch auch nur so wäre. Dass SURFER, DUDE ziemlich dumm ist, wäre indes noch zu verkraften. Was hätte nicht alles ich für eine mit McConaughey und Harrelson besetzte Surferkomödie im Stile der FratPack-Filme gegeben! Leider ist Bindlers Film aber nicht nur aggressiv unkomisch und mit seinem körnig-trüben Digivideo-Look völlig entgegen seinem Sujet auch überaus freudlos anzuschauen, er ist vor allem quälend langweilig – und das bei einer Laufzeit von gerade einmal 82 Minuten. Das ist schon fast eine Kunst: Einen Film über einen kindgebliebenen, attraktiven Surferstar an der Küste Kaliforniens zu drehen, der ganz ohne „Charme“ und Witz auskommt.

Ich habe mich während der Betrachtung gefragt, was schlimmer ist: ein hodenzerquetschender, seelentötendes Machwerk wie THE WEDDING PLANNER oder aber ein „gut gemeinter“, aber eben ohne jede Inspiration, Verstand und Gespür für Dramaturgie hingegurkter Film wie SURFER, DUDE? Sollte mich tatsächlich ein schlechter Mensch vor die Wahl stellen, würde ich mir tatsächlich lieber noch einmal den Schmachtfetzen mit J-Lo anschauen. So mies ist SURFER, DUDE. Finger weg.

Fool’s-Gold-2008-Hollywood-Movie-Watch-OnlineFun, Fun, Fun und gute Laune! Dass die Erwartungen nach den ersten drei Filmen meines RomCom-Selbstversuchs ziemlich gedrosselt waren, hat FOOL’S GOLD mit Sicherheit nicht geschadet, seine Leistungen aber so zu relativieren, wäre auch nicht fair. Wer ein Herz für locker-flockig daherkommende Trivialunterhaltung hat, wie sie Hollywood vor allem in den Fünfziger- und Sechzigerjahren in großer Zahl und handwerklicher Meisterschaft auf die Leinwände brachte, sich huete aber leider nicht mehr zu machen traut, der wird sich über diese hoffnungslos altmodische Abenteuerromanze in traumhafter Urlaubskulisse ein Loch ins Knie freuen. Hochglanzoptik und diverse Handlungsdetails verorten FOOL’S GOLD zwar ganz eindeutig in der Gegenwart, aber der Schwung, den der Film durch das gut aufgelegte Spiel und die Chemie seiner Akteure gewinnt, der Witz, der kunstvoll auf dem schmalen Grat zwischen Stil und Zote wandelt, ohne jemals ins Terrain der letzteren abzugleiten, und schließlich diese ansteckende Leichtigkeit erinnern durchaus an die großen Vorbilder längst vergangener Tage.

Finn (Matthew McConaughey) ist ein passionierter Schatzsucher und in der Karibik auf der Suche nach einem gesunkenen Schatz, für deren Finanzierung er sich mit dem Gangster/Rapper Bigg Bunny (Kevin Hart) eingelassen und einen Berg Schulden angehäuft hat. Zur Scheidung von seiner Gattin Tess (Kate Hudson), die seine Leidenschaft eigentlich teilt, aber Finns Verantwortungslosigkeit satt hat, kommt er zu spät und kann ihr nur noch gestehen, dass er das Boot, das ihr als letztes Kapital noch geblieben ist, aus Versehen versenkt hat. Eine Verkettung von Zufällen führt ihn wenig später auf die Luxusyacht des Millionärs Nigel Honeycutt (Donald Sutherland), auf der Tess als Steward arbeitet und sogleich einen Tobsuchtsanfall bekommt, als sie ihren Ex-Mann dort vorfindet. Doch als der mit seiner Geschichte des versunkenen Schatzes das Interesse Honeycutts weckt, wird auch ihr Enthusiasmus neu entfacht. Bei der folgenden Schatzsuche finden die beiden wieder zusammen, müssen sich aber gegen die Männer von Bigg Bunny und Finns alten Mentor Fitch (Ray Winstone) wehren, die die Reichtümer ebenfalls einstreichen wollen …

Jeder Versuch, die Vorzüge von FOOL’S GOLD hier wortreich zu preisen und meine Leser davon zu überzeugen, ihm eine Chance zu geben, muss fast zwangsläufig in die Hose gehen. Das, was Tennants Film auszeichnet, lässt sich nur unzureichend in Worte fassen: Es ist einer jeder Filme, die für die Dauer ihrer Laufzeit ein gutes Gefühl vermitteln, ohne einen dabei mit ihrer Brillanz schier umzuhauen oder echte Spuren zu hinterlassen. Nichts an FOOL’S GOLD ist nachhaltig, nichts herausragend oder gar originell. Der Film ist witzig, ohne den Betrachter von einem Lachkrampf in den nächsten zu stürzen, er ist spannend, ohne an den Nerven zu zerren, romantisch, ohne wirklich zu Tränen zu rühren. Aber gerade das zeichnet ihn eben auch aus, dieses Bekenntnis zur flüchtigen Unterhaltung und das unbestreitbare Geschick, diese Flüchtigkeit mit einem gewissen Stilbewusstsein zu vereinen. FOOL’S GOLD sieht absolut fantastisch aus, wie ein in Bewegung geratener Hochglanz-Reiseprospekt, in den man am liebsten gleich reinspringen würde. Es ist kein Wunder, dass die Schauspieler gut gelaunt aufspielen, und diese gute Laune ist durchaus ansteckend. McConaughey und Kate Hudson hatte schon HOW TO LOSE A GUY IN 10 DAYS mit ihrer Chemie gerettet und auch hier sind sie wieder das lebendige Zentrum eines stets in Bewegung bleibenden Abenteuerfilms. Matthew McConaughey interpretiert seinen Finn als liebenswerten Einfaltspinsel und Hallodri, der im Stile einer Cartoonfigur auch die heftigsten Attacken auf seine Gesundheit noch übersteht, und beweist sein immenses komödiantisches Talent. Und Kate Hudson ist die ideale Folie für ihn, die Wand, an der er gewissermaßen abprallen kann. Das Drehbuch verlegt sich zum Glück nicht nur auf grellen Slapstick, sondern hat auch einigen Wortwitz zu bieten, der sich eher an alten Screwball Comedies orientiert als an niveaulosen One-Liner- und Pimmelwitz-Orgien, auf die sich moderne Komödien verlegt haben meidet. Das einzige, was ich FOOL’S GOLD wirklich ankreiden möchte ist seine Länge: Die etwas aufgedunsenen 110 Minuten passen einfach nicht zur flatterhaften Leichtigkeit des Films. Die Überraschung des Monats.

failure-to-launch-movie-poster-2006-1020340533Das Paradoxon der RomCom: Um den unschätzbaren Wert der romantischen Liebe zu proklamieren, muss sie das Beziehungs- und Liebesleben als tückisches gesellschaftliches Spiel voller Fallstricke und -gruben, schwachsinniger Konventionen, ernüchternder Erfahrungen, vergeudeter Zeit, emotionaler Narben und zu erleidender Demütigungen zeichnen. Meist sind ihre Helden/Heldinnen für die Romantik verloren, desillusioniert, gezeichnet und bereit für die auf rationalen Erwägungen basierende Vernunftheirat, bis dann der Prinz/die Prinzessin vorbeikommt und sie vor einem voller Tristesse rettet. Die RomCom ist ein Genre voller Soziopathen, psychisch zerrütteter Egoisten und Autisten, deren „liebenswerten“ Marotten ihnen im echten Leben die berechtigte gesellschaftliche Geißelung, Unverständnis und die ein oder andere Ohrfeige einbrächten, im Film aber Ausdruck einer originellen, spritzigen Persönlichkeit sein sollen und nur etwas Liebe bedürfen, um abgestellt zu werden. Oft genug sind die Liebesbeziehung, die da zum Happy End eingegangen werden, Bündnisse des Schreckens, Verbindungen von Monstren, deren schlimmsten Charakterzüge sich zur potenziellen Gefährdung all ihrer Mitmenschen potenzieren werden. Man muss sich nur das Poster zu FAILURE TO LAUNCH anschauen, um zu wissen, dass das zweifellos ein solcher Film ist: McConaughey voll cooler Selbstgefälligkeit, wissend, dass er sich in jeder Situation auf seinen ihm angeborenen Charme verlassen kann, die Parker weibgewordener Enthusiasmus im Stechschritt auf die Züchtigung des Unbeugsamen zumarschierend.

Der Film beginnt mit einer von Grund auf fragwürdigen Prämisse: Tripp (Matthew McConaughey), ist 35, gut aussehend und durchaus erfolgreicher Bootsverkäufer. Er hat immensen Schneid bei den Frauen, landet Nacht für Nacht mit einer anderen in der Koje, die er, wenn er keine Lust mehr hat, nur mit der Tatsache konfrontieren muss, dass er noch bei seinen Eltern (Terry Bradshaw und Kathy Bates) lebt. Genauso halten es seine beiden Freunde Ace (Justin Bartha) und Demo (Bradley Cooper), mit denen Tripp seine Freizeit in einem Zustand der verlängerten Jugend verbringt. Kurz: Tripps Leben ist der Himmel auf Erden. Auftritt Paula (Sarah Jessica Parker), die ihr Geld damit verdient, Nesthocker wie ihn durch Vorgaukeln einer Liebesbeziehung zur Selbstständigkeit zu „erziehen“. Sie wird von Tripps Eltern engagiert, den Sohn zu verführen und somit flügge zu machen. Ihre Strategie erinnert frappierend an das Drehbuchschema, auf das nahezu jede RomCom aufbaut, doch die Chance eine Meta-RomCom wird natürlich fahrlässig liegen gelassen. Es kommt, wie es kommen muss: Tripp verliebt sich in Paula und kommt just in dem Moment hinter ihre wahren Motive, als sie ihrerseits Gefühle für den unwissenden Klienten entwickelt. Dem Zerwürfnis folgt die Intervention der Freunde und Eltern, die die beiden zur Vernunft bringen und also verkuppeln wollen. Und wie gelänge das besser, als ihn gefesselt und in geknebelt in einen Schrank zu sperren und sie mit ihm einzuschließen?

Das Problem des ganzen Konstrukts liegt natürlich auf der Hand. Zuerst ist die Figur, die McConaughey da verkörpert, total unglaubwürdig, aber das ist noch nicht einmal das schlimmste Vergehen des Film: Warum sollte Tripp sein wunderbares Leben gegen eine Beziehung mit einer Schreckschraube wie Paula eintauschen wollen? Mit einer intriganten, manipulativen Lügnerin, die nichts ahnenden Männern Liebesbeziehungen vorspielt, wo ausschließlich finanzielles Interesse ist? Einer verabscheuungswürdigen Kreatur also, die noch dazu wie Sarah Jessica Parker und mithin wie der Welt hässlichste Transe aussieht? Aber er ist ja nicht der einzige, der auf sie hereinfällt. Paula lebt in einer WG mit Kit (Zooey Deschanel), einer misanthropischen Eigenbrötlerin, die den ganzen Film über mit einem Singvogel kämpft, der sie mit seinem ständigen Gezwitscher in den Wahnsinn treibt. Eine Person wie Kit würde jemanden wie Paula verachten und die „Freundschaft“, die die beiden da unterhalten, kann nur in einem idiotischen RomCom-Drehbuch aus Hollywood existieren. Genauso wie die Beziehung, die Kit dem netten, aber auch etwas dämlichen Ace eingeht, einem gutmütigen Tölpel, dem der Konvention solcher Filme entsprechend maximal eine kurzsichtige Schreckschraube, gewiss aber kein It-Girl wie Zooey Deschanel verfallen dürfte. Die eigentliche „Romanze“, also der zentrale Teil des Films, funktioniert überhaupt nicht, aber was FAILURE TO LAUNCH gegenüber einer Totgeburt wie THE WEDDING PLANNER wenigstens halbwegs erträglich macht, sind das Zusammenspiel der drei männlichen Hauptdarsteller, die sonnige Urlaubskulisse und der genervte Zynismus der Deschanel, den man auch als Reaktion auf die Spießigkeit des Endprodukt und die Ernsthaftigkeit, mit der sich Sarah JessicaParker in ihre Rolle wirft, werten kann. Ach ja Kathy Bates und Terry Bradshaw sind als alterndes, kernentspanntes Ehepaar ebenfalls ein Lichtblick in diesem Film, den ich mir noch um einiges schlimmer vorgestellt hatte.

how-to-lose-a-guy-in-10-days-movie-poster-2003-1020201634Die Prämisse: Andie Anderson (Kate Hudson) ist das How-to-Girl eines erfolgreichen Frauenmagazins. Zwar würde sie gern über Politik und das Weltgeschehen schreiben, doch vorerst ist sie auf fluffige Ratgebertexte zu Mode, Sex, Liebe und Beauty festgelegt. Das desolate Liebesleben ihrer Freundin dient ihr als Inspiration für den nächsten Coup: ein Artikel darüber, was man in einer sich anbahnenden Liebesbeziehung alles falsch machen kann, also: „How to lose a Guy in 10 Days“. Der Typ den sie sich dafür aussucht, ist Ben Barry (Matthew McConaughey), ein Werbemann, der ebenfalls einen Auftrag hat: Um den Werbeetat eines großen Diamantenhändlers zu bekommen, soll der auf Sport- und Getränkewerbung abonnierte Womanizer beweisen, dass er die Frauen versteht, in dem er eine innerhalb von 10 Tagen dazu bringt, ihn zu lieben. Die beiden Aufträge beißen sich natürlich: Andie benimmt sich mehr und mehr wie eine Verrückte, um ihn loszuwerden, er lässt alle Demütigungen mit einer Engelsgeduld über sich ergehen, obwohl er sie eigentlich am liebsten zum Teufel jagen würde. Am wegweisenden zehnten Tag findet eine große, von Bens Boss organisierte Gala statt, bei der sich die Werbeagentur als Dienstleister empfehlen möchte und über Bens Erfolg oder Misserfolg entschieden wird. Andie ist auch dabei und hat ebenfalls einen Auftrag zu Ende zu bringen.

Auch wenn die Grundkonstellation hoffnungslos überkonstruiert ist – es ist nicht gerade so, dass Frauenmagazine für investigativen Enthüllungsjournalismus und lückenlos recherchierte Geschichten stehen, warum also kann Andie ihren banalen Artikel nicht ohne echte First-Hand-Erfahrung schreiben? –, erinnert sie in ihren besten Momenten durchaus positiv an die Konflikte, die die Protagonisten der Screwball-Komödien miteinander durchlitten. Klar, dass ist hier alles sehr viel platter, materialistischer und weniger elegant, ohne die komplexen Betrachtungen zu Klasse und Geschlecht (und am Ende unnötig in die Länge gezogen), entwickelt aber dank der Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern einigen Schwung und Charme. Kate Hudson, um die es seit damals auch eher still geworden ist, verleiht ihrer ambitionierten Journalistin Quirligkeit, Witz und den Sexappeal des Girl next Door, mit dem man beim Basketballspiel Bier trinken kann, McConaughey ist idealbesetzt, weil er in seiner Wette gewissermaßen auch gegen seine eigene Filmpersona anspielen muss. Möglicherweise legte er mit diesem Film den Grundstein für sein Image als strahlender Traumtyp: Wenn es nach ihm gegangen wäre, könnte Petries Film wahrscheinlich auch „How to lose your shirt in 10 minutes“ heißen, denn das Drehbuch bietet ihm früh die Gelegenheit, seinen modellierten Oberkörper zu entblößen, die ihm in THE WEDDING PLANNER verwehrt geblieben war. (Seine Kolleginnen verwandeln sich sofort in gierige Spanner.)

Seinen Witz bezieht der Film natürlich nicht nur daraus, dass der einer der wahrscheinlich begehrenswertesten Männer der Welt hier mit purer Absicht und sadistischer Freude wie Dreck behandelt wird und das auch noch mit sich machen lässt, sondern darin, dass man einige dieser Beziehungskiller selbst kennt bzw. sich vorstellen kann, wie es in dem armen Kerl brodeln muss. Andie zwingt ihn während der letzten Sekunden eines Basketballspiels dazu, ihm ein Getränk zu holen, sie gibt ihm (und seinem besten Stück) furchtbare Kosenamen, besucht ihn auf der Arbeit, dekoriert seine Wohnung um, zwingt ihn zu vegetarischem Essen (nachdem sie ihn ein fantastisches Fleischgericht hat kochen lassen), schleppt einen hässlichen Köter an, zerrt ihn in die Chick-Flick-Night und das Celine Dion-Konzert und stört seinen Männerabend. Wie es die Gesetze des Genres wollen, entwickelt sie natürlich trotz ihrer Mission einen unheilbaren Crush für ihn, bis sie von seiner Wette erfährt und sich die beiden nach einem heftigen Streit trennen. HOW TO LOSE A GUY IN 10 DAYS strickt eifrig an dem Bild der selbstbewussten Frau, das auch SEX AND THE CITY vermittelte: Frauen sind karriereorientiert, erfolgreich und sexuell aktiv – aber dann doch nur so lange, bis der Mr. Right aus dem Märchen vor der Tür steht. Die Sympathieverteilung kippt im Laufe des Films immer weiter zugunsten Bens, auch weil Andies Dilemma, wie oben geschildert, einfach nicht glaubwürdig ist. Das Drehbuch knüpft den von ihr angepeilten Karrierefortschritt hin zur ernsten Journalistin an den Erfolg ihrer How-to-Story, doch es scheint von Anfang an naiv von ihr anzunehmen, für ein seichtes Frauenmagazin irgendwann anspruchsvolle Politstories schreiben zu dürfen. Und genau das eröffnet ihr ja dann auch die Chefin, die nie vorhatte, Andie den journalistischen Freifahrtschein auszustellen. So hat sie alles verloren und es bleibt ihr nur, die Zelte in New York abzubrechen und es woanders zu versuchen. In einer Last-Minute-Aktion macht Ben ihr klar, dass die Karriere nichts ist gegen das Liebesglück, das sie mit ihm erlebt hat. Und sie landet dann doch noch in seinen Armen. Was 99 % aller anderen RomComs üblicherweise den ideologischen Todesstoß verpasst, verzeiht man hier vor allem, weil Kate und Matthew einfach gut zusammen passen. So wenig Freiraum das Konzept ihnen auch zur Entfaltung lässt, die beiden wirken echt zusammen, wenn sie die Knicks anfeuern, miteinander flirten oder sich zu Besuch bei Bens Eltern beim Kartenspiel bescheißen. Das rettet den Film in der zweiten Hälfte, wenn Andies Verhalten zunehmend überzogener wird und der anfängliche Witz sich abgenutzt hat. Ein Film, der Kate Hudson und Matthew McConaughey einfach nur bei der Gestaltung eines netten Wochenendes verfolgt, hätte gar das Potenzial, es mit Linklaters BEFORE SUNRISE aufzunehmen.

Westeuropäern dient HOW TO LOSE A GUY IN 10 DAYS außerdem mal wieder als Anschauungsmaterial dafür, wie seltsam ritualisiert das Datingverhalten in den USA ist. Beim ersten Date darf auf gar keinen Fall was laufen, akribisch wird über die Anzahl der Dates Buch geführt, nach der sich bemisst, wie weit man gehen darf und wie ernst die Lage ist. Andies allererster Versuch, Ben zu verprellen, ist dann auch die Ermutigung zum Sex am ersten Abend. Irgendwie freudlos. Das ganze Beziehungsspiel ist voller Codes und Regeln, denen HOW TO LOSE A GUY IN 10 DAYS seine Prämisse verdankt. Wie hochgradig gestört ist das eigentlich, einem Mann nicht einfach direkt zu sagen, dass man kein Interesse (mehr) an ihm hat, sondern sich stattdessen wie ein kompletter Soziopath zu benehmen, um ihn zu verscheuchen? Selbstbewusstsein sieht definitiv anders aus. Ich frage mich, ob sich diese Idee in eine deutsche Beziehungskomödie übertragen ließe. Ich glaube nicht. Aber das hat hierzulande ja noch niemanden abgehalten.