Mit ‘Mc G’ getaggte Beiträge

2018: John Connor (Christian Bale) kämpft mit der Resistance verzweifelt gegen die Maschinenherrschaft des Konzerns Skynet, als ein Unbekannter namens Marcus Wright (Sam Worthington) bei ihnen eintrifft und berichtet, dass der zivile Widerstandskämpfer Kyle Reese (Anton Yelchin) in die Hände der Mschinen gefallen ist. Das ist überaus dramatisch, denn die Zukunft hängt entscheidend von Kyle Reese ab: Der soll nämlich von John Connor in die Vergangenheit geschickt werden, um dort dafür sorgen, dass John überhaupt gezeugt wird. Doch als Wright sich selbst als neues Terminatormodell entpuppt – zu seiner eigenen Überraschung -, steht Connor vor der Frage, ob er in eine Falle tappt, wenn er versucht, Kyle zu befreien … 

Ich hatte im Vorfeld – und nachdem, was ich gelesen hatte – arge Bedenken, ob der vierte Teil der TERMINATOR-Reihe mir gefallen würde. Mc Gs CHARLIE’S ANGELS habe ich damals als absolute Katastrophe empfunden, als Paradebeispiel für das, was ich am zeitgenössischen Videoclip-Film hassenswert finde, und weil noch nicht einmal dessen Actionsequenzen zu ertragen waren, standen die Vorzeichen für einen Actionfilm unter seiner Regie doch ziemlich schlecht. Nach der Sichtung muss ich zwar einräumen, dass er sich sehr achtbar aus der Affäre gezogen hat und ein gutes, sehenswertes Sequel vorgelegt hat, doch so richtig warm geworden bin ich nicht mit dem Film. Es fällt mir schwer, überhaupt eine Meinung zu formulieren, was eher ungewöhnlich ist: Klar, gibt es immer mal Filme, die man sacken lassen muss, bevor man etwas über sie sagen kann, aber ob einem eine Film nun gefallen hat oder eher nicht, ist ja nicht unbedingt eine Frage der Reflexion, sondern eine eines sich meist unmittelbar einstellenden Gefühls. Und dieses Gefühl – ganz egal ob es mir nun sagt „Toll!“ oder auch „Mist!“ – habe ich bei TERMINATOR SALVATION einfach vermisst. Nun zeichnete sich ja die ganze Reihe bislang durch einen kalt-zynischen Ton aus, war demzufolge nichts, was man im eigentlichen Wortsinn „liebhaben“ konnte. Selbst der familienfreundliche zweite Teil hatte in der abgehärmten Sarah Connor eine Figur, deren Fundamentalismus dem Zuschauer ziemlich auf den Magen schlagen musste, und Mc Gs Film setzt da nahtlos an.

Der strahlende Held John Connor wird von einem mit „unterkühlt“ noch freundlich umschriebenen Christian Bale als emotionsloser Stratege gegeben, den der jahrelange, ausweglose Kampf gegen einen überlegenen Gegner in einer postapokalyptischen Welt innerlich komplett ausgehöhlt hat, der eigentliche Protagonist des Films ist eine Maschine, deren überwiegend positiven Charaktereigenschaften wiederum nur zur Tarnung dienen und  das eigentlich Teuflische an ihr sind, und das Finale schlägt zwar eine menschliche Note an, perpetuiert aber letztlich nur den Status quo, an dem der Film zuvor schon angesetzt hatte. Und die formale Gestaltung passt sich dieser Tristesse mit der gewohnt ausgeblichenen Farbgebung, dem originellen Sounddesign, mit den im Gegensatz zum sonst sehr gleichförmig gehandhabten Actionfilm-Sound eher gedrosselten, authentisch wirkenden Maschinengeräuschen, und den zwar spektakulären, aber nur wenig euphorischen Actionsequenzen an. TERMINATOR SALVATION kennt keinerlei emotionalen Höhen und Tiefen, ist vielmehr von einer durchgehend gedrückten Stimmung, die dem Stoff zwar angemessen ist,  bei mir aber eben auch dazu geführt hat, dass ich dem Film in einem Zustand regungslosen Interesses gefolgt bin. Das Hauptproblem sehe ich aber eher auf der inhaltlichen Seite: Zwar darf man die Entscheidung begrüßen, dass die Reihe sich nach drei in der Gegenwart spielenden Filmen endlich der Figur des erwachsenen John Connor zuwendet, von dem man bis dato so viel gehört, aber nur wenig gesehen hat, und auch, dass sich Mc G in der Zeichnung dieser Zukunft nicht an Camerons Bildern orientiert, sondern eher an dem Endzeit-Look,  der sich in den letzten Jahren in Hollywood offensichtlich etabliert hat, ist zu verschmerzen. Problematischer scheint mir hingegen die Einführung einer komplett neuen Figur, die in der bislang bereits vollständig etablierten Mythologie wie ein Fremdkörper wirkt. Weil die TERMINATOR-Reihe durch ihre zahlreichen Zeitreise-Paradoxien und die daraus folgende vollständige reziproke Bedingung von Vergangenheit und Zukunft beinahe hermetisch abgeriegelt ist, gibt es ja eigentlich nur noch eine wirklich nachhaltige Geschichte zu erzählen: die vom Sieg oder der Niederlage der Menschen. Dummerweise ist dies auch die einzige, die Hollywood mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals erzählen wird, weil sie damit ein ertragreiches Franchise aufgeben würden. So bleibt Mc G nur, ein komplett neues Zwischenkapitel aufzuschlagen, das dem bislang bestehenden Zyklus eigentlich gar nichts hinzufügt. Um dennoch für etwas Gravitas zu sorgen, greift er zum erprobten Allheilmittel: der Jesusmetaphorik. Marcus Wright darf seine von der präapokalytischen Vergangenheit bis in die postapokalyptische Zukunft reichende Passion erleben, wird zwischendurch selbstredend gekreuzigt und bringt am Schluss das Opfer, das das zumindest vorübergehende Fortbestehen der Menschheit sichert.

Das ist alles nicht wirklich schlecht, vor allem vor dem Hintergrund deutlich mieserer Sequels, aber eben alles andere als zwingend. Im Grunde genommen krankt TEMINATOR SALVATION am EMPIRE STRIKES BACK-Syndrom: Es gibt jede Menge zu staunen und zu sehen, aber eine echte Lösung wird einem vorenthalten. Ab in die Warteschleife bis zum nächsten Sequel (in 3D vermutlich), das auch wieder nur Zwischenstation auf dem Weg zu einem nie kommenden Endpunkt sein wird. Irgendwie reizt mich das nur noch bedingt, auch wenn es hier objektiv betrachtet nur wenig zu bemängeln gibt.