Mit ‘Meg Ryan’ getaggte Beiträge

Was man hatte, weiß man erst, wenn man es nicht mehr hat. Das trifft auch auf die spezielle Spielart des actionlastigen Hochglanz-Thrillers zu, die Hollywood bis in die frühen Neunzigerjahre produzierte, bis diese dann schließlich aus der Mode kamen. THE PRESIDIO vom hier vielfach gepriesenen Peter Hyams, einem der Spezialisten der Form, ist einer der Vertreter und buhlte im Jahr 1988 um die Gunst der Kinozuschauer. Verglichen mit den heutigen Eventmovies wirkt THE PRESIDIO geradezu klein und unspektakulär, aber vor 30 Jahren wurde er tatsächlich mit einigem Nachdruck beworben. Er war nicht unbedingt eine große Sache, aber doch ein Titel, von dem sich Paramount einiges versprach: Sean Connery war einer der größten Filmstars überhaupt, von Mark Harmon erhoffte man sich immer noch, er könne vielleicht ein zweiter Tom Cruise werden und Meg Ryan stieg in jener Zeit zu einer der gefragtesten weiblichen Darstellerinnen auf. Das Drehbuch stammte von Jay Ferguson, der die Scripts zu HIGHLANDER und BEVERLY HILLS COP II auf dem Kerbholz hatte. Der Aufwand zahlte sich dann leider nicht so aus wie erhofft, auch wenn THE PRESIDIO nicht unbedingt als „Flop“ zu bezeichnen ist.

Die Geschichte ist angenehm unaufdringlich: Auf dem Armeestützpunkt Presidio in San Francisco wird eine Militärpolizistin erschossen, die einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt hatte. Zur Ermittlung wird der Cop Jay Austin (Mark Harmon) abgestellt, der den Militärdienst vor einigen Jahren nach einem Zwischenfall quittiert hatte. Er nimmt Kontakt zu Lieutenant Colonel Alan Caldwell (Sean Connery) auf, der damals maßgeblich zu Austins Entscheidung beitrug, als er ihn nach einem Disziplinarverfahren degradierte. Dass der Cop eine Liebesbeziehung mit Donna (Meg Ryan), der Tochter Caldwells anfängt, verkompliziert die Beziehung der beiden Männer, die sich dann aber zusammenraufen, um den Mordfall zu klären.

Fergusons Script ist eine einzige Ansammlung von Klischees, denen Hyams leider kein Leben einflößen kann: Die Freundschaft zwischen den ungleichen Männern, hier der aufbrausende, undiszplinierte Cop, da der konservative, im Krieg gestählte alte Hund, die ihre Antipathie überwinden müssen und schließlich zu Freunden werden. Die zwischen beiden stehende Frau, die in der Rebellion gegen das rigide System des Vaters über die Stränge schlägt. Es gibt die Nebenrolle des väterlichen Freundes, die zu namhaft besetzt ist, weshalb man weiß, dass er Bestandteil einer großen Überraschung im dritten Akt ist. Gewürzt wird das alles mit Verfolgungsjagden und Schießereien, bis der Täter aus dem Hut gezaubert wird. Das alles kennt man, meist aus besseren Filmen, auch wenn die vielleicht nicht immer so makellos aussahen wie THE PRESIDIO. Man merkt Hyams‘ Filmen immer an, dass er von der Kamera kam – und das ist es auch, was diesen schwächeren Film von ihm noch sehenswert macht. Die nächtliche Auftaktsequenz ist ein Augenschmaus mit ihren satten Farben und der spannungsreichen Ausleuchtung, überhaupt trägt die Kulisse San Franciscos viel dazu bei, dass man sich THE PRESIDIO gut anschauen kann und sich nicht langweilt, selbst wenn man jederzeit genau weiß, was als nächstes passieren wird. Aber speziell der ganze Beziehungskram sorgt für einiges Augenrollen: Mark Harmon ist definitv kein zweiter Tom Cruise und für die Rolle des toughen Street Cops zu langweilig und irgendwie auch zu spießig – als berechnender Jurist/Serienmörder Ted Bundy in Marvin Chomskys TV-Film THE DELIBERATE STRANGER war er ungleich besser besetzt. Meg Ryans Rolle ist viel zu unterentwickelt, um über die peinliche Männerfantasie hinauszukommen: Die Sequenz, in der sie sich mit Jay eine wilde Verfolgungsjagd durch die Küstenstadt liefert, um ihn dann auf der Motorhaube ihres Sportflitzers zu verführen, wirkt 30 Jahre später nur noch peinlich. Und Caldwells abschließende, tränenreiche Rede am Grab des toten Freundes hebelt fast den ganzen Film aus.

Aber wie weiter oben gesagt: Ich vermisse diese von echten Routiniers gefertigten Unterhaltungsmaschinen, die im Wesentlichen noch durch ehrliches Handwerk bestachen. Insofern betrachte ich auch die knapp 100 Minuten, die ich mit THE PRESIDIO verbracht habe, nicht als verschwendet.

Für das Magazin „Reveal“ enttarnt der Journalist John Baxter (Tony Roberts) gemeinsam mit seiner Kollegin Melanie (Candy Clark) und dem Wissenschaftler Eilliott West (Robert Joy) zwei Trickbetrüger, die die Kulisse des berüchtigten Amityville-Spukhauses nutzen, um Ahnungslosen das Geld für ihre inszenierten Seancen aus der Tasche zu ziehen. Dabei verliebt sich John sogleich in das alte Haus und weil es für einen Spottpreis zu haben ist, kauft er es kurzentschlossen. Die merkwürdigen Phänomene, die seine Mitmenschen danach in Angst und Schrecken versetzen, tut er mit der gelassenen Geste des Rationalisten ab. Bis seine Tochter (Lori Loughlin) ums Leben kommt …

Als jemand, der noch keinen Film der AMITYVILLE-Reihe gesehen hat (mit der Verarsche des ersten Teils in einem MAD-Heft war mein Bedarf gestillt), bin ich vielleicht nicht der Richtige, um die folgende Behauptung aufzustellen: Das Potenzial war bereits mit dem ersten Teil mehr als erschöpft, es hätte keiner weiteren Fortsetzungen mehr bedurft. Fleischers in 3D gedrehter dritter Teil, wahrscheinlich ein Freundschaftsdienst für Dino De Laurentiis, der an dem schnurstracks auf die 70 zugehenden Regisseur festhielt als gäbe es sonst keine Filmemacher, ist schlecht, aber auf eine gänzlich unaufregende Art und Weise. Die stimmungsvolle Eröffnungsszene verspricht noch kompetent gefilmten Hochglanzgrusel, danach fällt AMITYVILLE 3-D leider einem unfokussierten Drehbuch zum Opfer, das mit Banalitäten langweilt, sich ewig Zeit lässt, ohne irgendwohin zu führen, nur um gegen Ende, wenn irgendein Höhepunkt vonnöten ist, in Hektik und Konfusion zu verfallen. Die unheimlichen Szenen sind entweder von vornherein nicht unheimlich (laufende Wasserhähne: uiuiui), inszenatorisch schlecht umgesetzt (der Tod von Johns Kollegin und seiner Tochter) oder werden von den mäßigen visuellen Effekten torpediert: AMITYVILLE 3-D scheint fast ein Lehrstück dafür zu sein, Filmstudenten zu zeigen, wie man es nicht macht. Wie ich eben sagte: Der Film ist keine totale Katastrophe, die Schauspieler (u. a. Meg Ryan in ihrer ersten größeren Filmrolle) und die ordentlichen Production Values (eben bis auf die Effekte) halten bei der Stange, verhindern ein totales Versumpfen, aber sieht man es als gegeben, dass so ein Film eigentlich spannend sein sollte, dann wurde das Ziel hier meilenweit verfehlt.