Mit ‘Menahem Golan’ getaggte Beiträge

theappleGood things come to those who wait: Das vom von mir so verehrten Cannon-Mogul Menahem Golan inszenierte und von Atze Brauner mitproduzierte, sagenumwobene Musical THE APPLE befand sich zwar schon seit einigen Jahren in meinem Besitz, die Sichtung hatte ich aber ohne besondere Gründe immer wieder aufgeschoben. Ein Glück, denn so konnte ich meine Entjungferung mit diesem Wahnsinnsteil an diesem seligen Wochenende angemessen feiern: in einem altehrwürdigen Kino auf schön großer Leinwand, umgeben von lieben und begeisterungsfähigen Menschen, in einer zwar nur spanischen, aber dafür farblich keinerlei Wünsche offen lassenden 35-mm-Kopie.

THE APPLE wird auf all diesen schrecklichen Nerd-Filmwebsites, die sich vordergründig als aufgeschlossen, humorvoll und Anti-Mainstream präsentieren, sich dann aber doch immer wieder als ätzend dogmatisch und engstirnig erweisen, als – Megagähn – einer der schlechtesten Filme aller Zeiten bezeichnet. Das ist natürlich für jeden, der sich übers bloße Geil- oder eben Bescheuertfinden hinaus mit Film befasst, darüber hinaus vielleicht sogar schon einmal ein Musical und einen wirklich schlechten Film gesehen hat, sofort als kompletter Blödsinn zu enttarnen, ist aber – da ja kaum jemand THE APPLE kennt – gleichzeitig auch ein sicherer Weg, sich selbst als Oberchecker zu inszenieren- zumal auch die Profikritiker damals ins selbe Horn gestoßen hatten. Ist eben viel leichter, etwas auszulachen und runterzumachen, was man nicht versteht, als sich wirklich damit zu befassen und sich zu öffnen. Golan wusste natürlich genau, was er tat, und verballerte für dieses Herzensprojekt einen Riesenbatzen Kohle, was man THE APPLE auch zu jeder Sekunde ansieht: Wer der Meinung ist, dieses Musical sei „billig“, bloß weil der finale Spezialeffekt nicht so hundertpozentig gelungen ist, wer den immensen Aufwand, der hier betrieben wurde, und die handwerkliche Geschliffenheit nicht sieht, ist, sorry, ein Idiot. Was einen Uneingeweihten oder Unvorbereiteten sicherlich auf dem falschen Fuß erwischen kann, ist Golans unverstellter Offensivgeist. Der Mann war offenkundig nicht in der Lage, nüchtern, sachlich oder mit gedrosseltem Tempo zu inszenieren: Er gibt zu jeder Sekunde alles und davon dann noch besonders viel. Aber ehrlich: Das ist für ein Musical, das einen dystopischen Zukunftsstaat zeichnet, in dem ein diabolischer Musikproduzent namens Mr. Boogaloo (Vladek Sheybal) mittels seiner Musik die Macht ergriffen hat, ein braves Singer-Songwriterpärchen namens Bibi und Alphie (Catherine Mary Stewart und George Gilmour) von ihm auseinandergerissen wird und wieder zusammenfindet und schließlich der liebe Gott (Joss Ackland) mit seiner Limousine auf die Erde herabfährt, um die widerständigen Blumenkinder mit in den Himmel zu nehmen, doch der einzig denkbare Modus.

THE APPLE ist bunt, grell, übersteuert, campy und ultrakitschig, aber durchaus mit Humor inszeniert. Sicher, diese Dystopie ist in der Art und Weise, wie sie gezeichnet wird, reichlich naiv (was am wahren Kern nichts ändert), genauso wie Golans utopischer Gegenentwurf, eine Kommune friedlich und einträchtig herumsitzender Blumenkinder, im Jahr 1980 mehr als nur etwas überkommen wirkt (ebenfalls eines seiner Trademarks). Aber von einem Musical über die Kraft der Liebe und der Musik erwarte ich auch nicht unbedingt messerscharfe Analysen zur Gesellschaftspolitik, sondern in erster Linie knallige Bilder, schillernde Kostüme und bunte Lichter, knackige Songs, gutaussehende Helden und böse Schurken. In dieser Hinsicht landet THE APPLE weit im Plus: Der Film versetzt einen in einen wahren Rauschzustand und das einzige, das ich an ihm bemängeln würde, ist die Tatsache, dass er mit 90 Minuten für das, was er erzählen will, eigentlich zu kurz ist. Da wäre sicherlich noch mehr Raum gewesen, Bibis Aufstieg zum BIM-Star Nummer 1 zu zeigen, demgegenüber Alphie noch tiefer in die Gosse zu schicken. Golan packt so viel in seine 90 Minuten, dass gerade die Charaktermotivationen etwas leiden, aber das immense Tempo unterstreicht ja nur die koksgeschwängerte Atmosphäre des Ganzen. Für Eighties-Aficionados ist THE APPLE dann auch obligatorischer Stoff: Sehr viel greller und poppiger ist Kino auch in den zehn folgenden Jahren nicht mehr geworden. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Golans Film damals auf so unfruchtbaren Boden fiel, mit der Bezeichnung „Flop“ fast noch zu gut wegkommt: Er war seiner Zeit schon irgendwie voraus. Das sehen wir heute, wo uns die Idee von Wirtschaftsunternehmen, die ihre Kunden zwecks politischem Machterwerb quasiabhängig machen, längst nicht mehr so fremd vorkommt wie noch vor 35 Jahren. Golan selbst begab sich mit der Cannon ja selbst auf die Spuren von BIM: Seiner Idee zufolge sollten über die ganze Welt verteilte Cannon-Kinos nichts anderes als Cannonfilme zeigen. War es am Ende vielleicht gar göttliche Intervention, dass daraus nichts wurde?

 

Über meine besondere Beziehung zu Menahem Golan, Yoram Globus und ihrer Produktionsfirma Cannon, die sich in den Achtzigern anschickte, mit verfilmten Jungsfantasien Hollywood zu erobern, muss ich wahrscheinlich nicht mehr viel sagen. Die von vielen heiß erwartete Dokumentation von Mark Hartley hatte bei mir von daher eh schon einen schweren Stand: Mit ein paar bunten Ausschnitten und Interviews allein bin ich nicht zufriedenzustellen. Dass bei ELECTRIC BOOGALLO aber nicht nur keine „Untold Stroy“ erzählt wird, sondern letztlich kaum mehr herauskommt als eine wortreiche Entschuldigung für ein Jahrzehnt angeblich fehlgeleiteten Billigschrotts, hatte ich nicht unbedingt erwartet. Für den Cannon-Fan wahrscheinlich trotzdem ein Must-see, aber insgesamt eine massive Enttäuschung, da gibt es nichts zu beschönigen. Mehr dazu gibt’s in meiner aktuellen Rezension auf Critic.de.

Der ehemalige Söldner Cole (Franco Nero) ist in Japan zum Ninja ausgebildet worden – sehr zum Missfallen seines japanischen Konkurrenten Hasegawa (Sho Kosugi). Als Cole von seinem alten Kriegskumpel Frank (Alex Courtney) zu Hilfe gerufen wird, weil der von dem Immobilienhai Venarius (Christopher George) und dessen Männern behelligt wird, kann er seine Kampfkünste gleich im Ernstfall erproben. Und als Venarius erfährt, mit wem er es zu tun hat, engagiert er ausgerechnet Hasegawa zur Untersterstützung …

THE OCTAGON erblickte ein Jahr früher das Licht der Welt, trotzdem darf man ENTER THE NINJA als Auftakt des in den folgenden Jahren grassierenden Ninjatrends betrachten. Menahem Golan und Yoram Globus hatten mit ihrer Produktionsgesellschaft wie so oft das richtige Näschen und führten den maskierten Killer in einem Film ein, der als bunte Mischung aus Action- und Martial-Arts-Einlagen,  Abenteuerfilm-Flair, viel Exotik, wohldosierter Erotik, einer Prise Melodram und den obligatorischen komischen Elementen sowie einer beachtlichen Besetzung um die Gunst der Zuschauer warb. ENTER THE NINJA lässt eine klare Linie dann auch etwas vermissen und ich kann auch nach dieser zweiten Sichtung nicht so genau sagen, ob das jetzt ein harter Actionfilm oder doch eher ein jugendfreundlicher Abenteuerfilm ist. Vor allem die Anwesenheit Zachi Noys als rückgratloser Unterhändler mit Hakenhand verhindert, dass ich ENTER THE NINJA so richtig ernst nehmen kann, obgleich er in seinen Actionszenen von durchaus zupackender Härte ist.

Im Gegensatz zu THE OCTAGON jedoch, der mit seinen Ninjas rein gar nichts anzufangen weiß, sind hier schon fast alle Details, die im Subgenre später nicht mehr fehlen dürfen, vorhanden: die unterschiedlich farbigen Ninjaanzüge, das fantasievolle Waffenarsenal, der Ost-West- bzw. Bruderkonflikt, das Gewese um Spiritualität und Ninjaethos. Aber auch die Macken, die das Subgenre nie ganz losgeworden ist, weil sie tief in seine Struktur eingegarben sind, findet man schon: So ist Franco Nero zwar ein erstklassiger Schauspieler, aber ein nur mäßiger Kämpfer (der dann auch mehr als einmal gedoubelt wird). Und sein markantes Gesicht – also sein wichtigstes „Werkzeug“ – verschwindet in den Passagen, in denen er als Ninja unterwegs ist, unter der weißen Kapuze. Richtig gelesen: Cole ist ein weißer Ninja. Wahrscheinlich, weil man ihn farblich von seinem Gegner abheben musste und Schwarz konventionell den Schurken vorbehalten ist.