Mit ‘Michael Herz’ getaggte Beiträge

Sergeant Harry Griswold (Rick Gianasi) gerät beim Besuch eines New Yorker Kabukitheaters in eine wilde Schießerei, bei der auch der Leiter der Kabukitruppe sein Leben lässt. In den letzten Sekunden kann dieser den zur Hilfe eilenden Griswold aber noch mit dem Geist des Kabukiman beatmen, der fortan mit Macht nach außen drängt und Griswold von einer peinlichen Situation in die nächste und schließlich um den Job bringt. Erst als Lotus (Susan Byun), die Tochter des Ermordeten, sich seiner annimmt, lernt er, die Kräfte des Kabukiman zu kontrollieren und zu nutzen und nimmt den Kampf gegen die Mörder auf …

„Inspiriert von Puccinis ,Madama Butterfly'“ heißt es in den Anfangscredits vollmundig, aber als Troma-geschulter Zuschauer ahnt man schon, dass diese Behauptung selbst wieder nur ein Witz ist. Statt einer bitteren Tragödie um eine  kulturelle und soziale Grenzen überschreitenden Liebe gibt es einen Amerikaner im japanischen Superheldenkostüm und es ist wohl dem bei aller anarchischer Energie im Grunde immer eher reaktionär-spießigen Troma-Humor geschuldet, dass traditionelle japanische Männertracht hier kurzerhand als „weibisch“ apostrophiert wird. Aber das hier soll gar kein Verriss werden. SGT. KABUKIMAN N.Y.P.D. vereint alle (streitbaren) Stärken, aber auch alle Schwächen einer Troma-Produktion: Einer herrlich beknackten Grundidee, die mit viel infantilem Verve und absurden Einfällen im Überfluss garniert ist, stehen ein unstrukturiertes Drehbuch und eine wieder einmal jeden Anflug von Nachhaltigkeit negierende Selbstironie gegenüber, die das Vergnügen trüben. Dabei beginnt KABUKIMAN sehr ordentlich, hat gegenüber anderen Troma-Filmen zudem den entscheidenden Vorteil, mit Rick Gianasi einen brauchbaren Hauptdarsteller zur Verfügung zu haben, sodass endlich einmal auch die Identifikation mit der Hautfigur gelingt. Die erste Hälfte gehört tatsächlich zum besten, was Troma zustande gebracht hat: Der Film legt ein hohes Tempo vor, die Gags zünden und sind nicht bloß hysterische Zoten, die zahlreichen Slapstickeinlagen sind gut getimt, es gibt – man höre und staune – tatsächlich Beispiele für gelungenen Wort- und Dialogwitz und das Superheldensujet bietet einen geeigneten Background für die überdrehte Troma-Kunterbuntheit. Ein paarmal habe ich tatsächlich herzhaft gelacht: Szenen wie jene, in der Griswold sich vor seinem cholerischen Vorgesetzten in einem Clownskostüm verantworten muss und alle Versuche, diesen zu beruhigen, nach hinten losgehen, weil ihm dafür nur typische Clowns-Scherzartikel zur Verfügung stehen, sind zwar alles andere als originell oder gar niveauvoll, aber sie sind einfach gut umgesetzt. (Und sie kommen meinem schlichten Gemüt sehr entgegen: Wenn Leute nassgespritzt werden und dann konsterniert dreingucken, gibt es für mich kein Halten mehr.) Letztlich ist SGT. KABUKIMAN N.Y.P.D. aber auch ein Film der leichtfertig vergebenen Chancen. Was hätte man aus der Grundidee, einen Mittelklasse-Amerikaner zum Wirt eines japanischen Geistes zu machen, alles rausholen können? Hier hätten sich einige Möglichkeiten für eine clevere Satire zum kulturellen Clash zwischen den USA und Japan geboten, eben der Anschluss an die zitierte Puccini-Oper, doch Troma ist leider mehr an harmlosen Stäbchen- und Sushiwitzchen interessert. Aber es ist ja nicht so, dass man das nicht schon gewusst hätte, als man die DVD in den Player schob. So bleibt unterm Strich ein Film, der anders als andere Troma-Werke am ehesten mit „normalen“ Filmen konkurrieren kann (mit Ausnahme von CLASS OF NUKE ‚EM HIGH, für mich ohne Frage die Sternstunde von Troma), insgesamt aber über Mittelmaß auch nicht herauskommt. Gerade gegen Ende zieht sich SGT. KABUKIMAN N.Y.P.D. wie ein Kaugummi und statt der opulenten 100 Minuten hätten 80 bis 90 dem Film besser zu Gesicht gestanden. Die Ermüdungserscheinungen, die sich bei mir irgendwann einstellten, haben den zunächst positiven Eindruck jedenfalls wieder etwas nivelliert. Trotzdem: Ein okayer Abschluss unter meine Troma-Retro, die die wichtige Erkenntnis brachte, dass es manchmal besser ist, Dinge in guter Erinnerung zu behalten, anstatt sich vom Gegenteil überzeugen zu lassen.

Die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes auf einer karibischen Insel stellen schnell fest, dass sie nicht allein sind: Von der Insel aus plant eine Guerrilla-Terroristen-Armee, die aus Mitgliedern aller möglichen Nationen zusammengsetzt ist, die Infiltration der USA. Wissend, dass sie die einzigen sind, die die Invasion verhindern können, nehmen sie den Kampf gegen die Übermacht auf …

Die Vorstellung, dass J. J. Abrams, Hollywood-Wunderkind und LOST-Erfinder, die Idee für seine Erfolgsserie bei der Sichtung von TROMA’S WAR gekommen ist, hat was, finde ich. High-Concept-Big-Budget-Entertainment, das seine Wurzeln im tiefsten Trash hat: der Gipfel der Subversion. Man kann nur hoffen, das J. J. Abrams niemandem von seiner Inspirationsquelle erzählt hat, sonst stünde das System Hollywood vor dem Kollaps. Spaß beiseite, in den ersten Minuten sind die Parallelen wirklich frappierend: Wie sich die Überlebenden zwischen den Wrackteilen am Strand langsam sammeln und dann zusammenraufen, dann schließlich erfahren, dass sie nicht allein sind, und daraufhin beschließen, den Strand zu verlassen, hat bei mir, der ich im Frühjahr die ersten fünf LOST-Staffeln geschaut habe, das ein oder andere Déjà-Vu ausgelöst.

Danach ergeht sich TROMA’S WAR aber nicht im kosmologisch-eschatologisch-selbstreferenziellen Mystery-Overkill, sondern in den längst von Troma bekannten Zoten, dem abjekten Humor und den schlechten Einfällen: Die verschiedenen Anführer der Guerilla-Armee sind ein Deutscher mit schönem Naziakzent, ein Amerikaner mit Schweinenase und ein am Kopf zusammengewachsener siamesischer Zwilling, der wohl so etwas wie die unheilige Allianz von Militär und Politik symbolisieren soll. (Vielleicht wollten die von Troma auch einfach nur einen siamesischen Zwilling im Film haben, den sie dann via Splattereffekt trennen konnten, who knows.) Außerdem gibt es da noch – wohl der geschmackloseste Einfall, den Troma je hatte – Senor Sida, einen mit Flecken übersäten Aidskranken, der die USA mit einer Gruppe Aidskranker verseuchen soll und gleich mal auf einer der Protagonistinnen losgelassen wird. Ihre Reaktion nach dem Akt: „I have Aids!“ Die Devianten befinden sich aber nicht nur unter den Schurken: Die Helden dürfen sich über die Unterstützung des Vietnamveterans Parker freuen, der während des endlosen Gemetzels, das den Film ausmacht, eine stattliche Sammlung feindlicher Ohren erbeutet, die er stolz um seinen Hals trägt. Ferner gibt es unter den Guten noch eine kämpfende Oma und eine Blinde, die immer in die richtige Richtung gedreht werden muss, wenn sie auf Feinde schießt. Das hört sich zwar genauso blöd an, wie es sich auf der Mattscheibe darstellt, trotzdem macht TROMA’S WAR einen Heidenspaß. Woran das liegt? Zum einen daran, dass der Film ein beachtliches Tempo vorlegt und sich nach kurzer Exposition von einer breit ausgewalzten Actionsequenz in die nächste stürzt. Die missratenen Gags fallen nicht weiter ins Gewicht, weil sofort die nächsten hinterher geschoben werden und das Ganze ist zudem so herrlich geschmacklos und bescheuert, dass es eine wahre Freude ist. Auch die Production Values sind ganz ordentlich: Zwar kann man wohl niemandem mit gesundem Menschenverstand glauben machen, dass der Film in der Karibik gedreht wurde (wenn doch, will ich da doch nicht hin), aber dafür gibt es einige gut gelungene Stunts, reichlich Explosionen und viele, viele blutige Effekte zu bestaunen.

Im Grunde ist TROMA’S WAR genau das, was dem doofen Uwe Boll wohl mit seinem abgrundtief drögen POSTAL vorschwebte: Ein Equal-Opportunities-Film, einer, in dem einfach alle Tabus gebrochen werden und jede Minderheit was auf die Mütze bekommt. Hier gelingt das Projekt allerdings. Wohl auch, weil die Macher sich selbst am meisten über ihren Quatsch beömmelt haben, anstatt sich in aus dem Neid des Minderbgabten hervorgehenden Rache- und Allmachtsfantasien zu suhlen.

Um sich ihres Erzfeindes, des Toxic Avengers (Ron Fazio/John Altamura), zu entledigen, versichert sich die Apocalypse Inc., die Tromaville in die Knie zwingen will, einfach seiner Dienste. Von seinem ersten dicken Gehaltsscheck zahlt er die Augenoperation für seine blinde Verlobte Claire (Phoebe Legere), die jedoch alles andere als begeistert ist, als sie feststellt, dass ihr Geliebter mit dem Bösen im Bunde ist und sich in einen gewissenlosen Karrieremenschen verwandelt hat. Toxie beginnt umzudenken und stellt sich dem Vorsitzenden von Apocalypse Inc. (Rick Collins). Doch der entpuppt sich als Leibhaftiger persönlich … 

Wer hätte das gedacht? Nach dem katastrophalen zweiten Teil, der außer hysterischen Albernheiten und japanischen Sehenswürdigkeiten nicht viel zu bieten hatte, gelingt Kaufman und Herz mit dem zweiten Sequel wieder ein Film, den man sich ansehen kann, der teilweise wirklich witzig ist und – man höre und staune – sogar annähernd so etwas wie emotionale Involvierung des Zuschauers erreicht. Das ist umso erstaunlicher, als THE TOXIC AVENGER PART III: THE LAST TEMPTATION OF TOXIE zu einem nicht unerheblichen Teil aus Material besteht, das eigentlich für den zweiten Teil gedreht worden war. Der Schlüssel zum Erfolg ist, dass Herz und Kaufman wieder eine richtige Geschichte erzählen, anstatt einfach nur körbeweise schlechter Ideen über dem Zuschauer ausschütten: Die Idee mit dem vom rechten Weg abkommenden Superhelden ist ein erprobter Standard der Superheldennarration, der deshalb ebenso unmittelbar Wirkung erzielt wie die Heilung des Love Interests (das dieses darüber hinaus meist nur in provokanter Reizwäsche bekleidet herumläuft und sich mit Vorliebe spreizbeinig im Bett herumrollt, hilft ungemein). Es sind wieder Bewegung und Zug drin, die dem Vorgänger völlig abhanden gekommen waren. Nun schaut man sich einen Tromafilm aber natürllich nicht wegen der tollen Handlung oder präziser Charakterzeichnungen an, sondern weil sie im Idealfall eine Vielzahl beknackter Gags, ebensolcher Einfälle und eine ordentliche Prise Gore bereithalten. Und auch hier erfüllt THE TOXIC AVENGER PART III seine Aufgabe mit Bravour: Er beginnt gleich mit einer ausgewalzten Splatterszene in einer Videothek, die ausschließlich Tromafilme zu bewerben scheint, präsentiert im weiteren Verlauf einen Toxie, der mit Lacoste-Hemd zum Yuppie avanciert, malt die Terrorherrschaft der Apocalypse Inc. über Tromaville in grellen Farben aus und kulminiert in einem ausgedehnten Duell zwischen Toxie und dem Teufel. Statt das alles einfach nur billig abzufilmen, leisten sich Herz und Kaufman endlich einmal den Luxus gelungener visueller Ideen: Eine Szene auf einer psychedelisch ausgeleuchtete Wendeltreppe lässt tatsächlich etwas Gialloflair aufkommen, die Make-up-Effekte sind nicht mehr absichtlich scheiße, es gibt sogar ein paar ansehnliche visuelle FX und richtige Gags, statt nur überdrehten Klamauks. Die Höhen subtilen Humors werden natürlich nicht erklommen, aber wenn sich ein depressiver Toxie zwecks Selbstmord vor einen Tunnel stellt und sich die Scheinwerfer des herannahenden Autos als die Scheinwerfer zweier Motorräder entpuppen, die ungerührt am den Tod erwartenden Toxie vorbeifahren, so zeugt das von einem Engagement und Einfallsreichtum, der dem vorherigen Film weitestgehend fehlte. Ansatz zur Kritik gibt es auch hier reichlich: Auch THE TOXIC AVENGER PART III ist mit 100 Minuten eindeutig zu lang, die Quote guter und mieser Einfälle ist ungefähr ausgeglichen und die endlosen Selbstreferenzen beginnen auch irgendwann zu nerven. Insgesamt fielen diese kritikpunkte für mich aber nicht wirklich zu Gewicht und weil sich selbst meine Gattin das ein oder andere amüsierte Lachen nicht verkneifen konnte, liege ich mit meiner Meinung wohl nicht ganz daneben. Einer der besseren Tromas also und meiner Ansicht nach ziemlich unterbewertet.

Die Firma Apocalypse Inc. plant, das beschauliche Städtchen Tromaville zu erobern, um dort ihren finsteren Plänen nachzugehen, doch bei diesem bösen Vorhaben steht ihr der Toxic Avenger (Ron Fazio/John Altamura) beharrlich im Weg. Der wird aber von argen Depressionen geplagt, weil es in Tromaville kaum noch etwas für ihn zu tun gibt. Als seine Therapeutin ihm rät, seinen verschollenen Vater in Japan aufzusuchen, ist für die Apocalypse Inc. der Weg frei …

In den ersten zwanzig Minuten legt THE TOXIC AVENGER PART II ein ordentliches Tempo vor, sprüht vor einfältigem, aber durchaus sympathischem Witz, versprüht zudem mehr Kunstblut als der Vorgänger in 90 Minuten und findet seinen absurden Höhepunkt in der Szene, in der ein Lilliputaner von Toxie in einen menschlichen Basketball verwandelt wird. Man erwartet den ultimativen Tromafilm: Offensichtlich wurden die gesamten Gewinne des ersten Teils zwecks Potenzierung dessen exploitativer Meriten in die Produktion von THE TOXIC AVENGER PART II gesteckt. Zwar ist auch das Sequel filmisch eher unterbelichtet, dennoch sieht alles größer, bunter und besser aus und sogar eine Reise nach Japan, der Heimat alles Bekloppten und Schrägen, konnten Herz und Kaufman ihrem Signature Hero zum Dank spendieren. Leider versumpft THE TOXIC AVENGER PART II jedoch just in dem Moment, in dem Toxie in Nippon anlegt. Vorbei ist es mit der schrägen Mischung aus Gore und Klamauk, regelrecht zahm wird der Film, ergeht sich in ödem Sightseeing und endlosen Albernheiten, ohne sich noch besonders darum zu scheren, ob das auch den Zuschauer interessiert. Das in der Exposition noch in Aussicht gestellte Zusammentreffen des Toxic Avengers mit den Apocalypse-Schurken von in Japan, wo diese hoffen, eine Waffe gegen ihren ärgsten Feind erstehen zu können, entfällt komplett, was nicht nur die entsprechende Szene zu Beginn vollständig überflüssig macht, sondern auch den Japan-Exkurs für den Film letzlich jeglicher Bedeutung beraubt. Erst kurz vor Schluss, wenn Toxie in seine Heimat zurückkehrt, die sich während seiner Abwesenheit vom friedlichen Tromaville ins dystopische „Apocalypseville“ verwandelt hat, findet THE TOXIC AVENGER PART II halbwegs zurück in die Spur, nur ist es dann bereits zu spät, die Geduld des Zuschauers aufgebraucht. Hier trifft der Vorwurf, den ich in meinem Text zum Vorgänger noch abgewiesen habe: THE TOXIC AVENGER PART II verpufft wirkungslos, weil er sich nicht eine Sekunde lang ernst nimmt und sich so geradewegs in die Beliebigkeit manövriert. Dieser quietschbunte Blödsinn wäre komprimiert auf 70 bis 80 Minuten vielleicht noch akzeptabel gewesen, aber breitgetreten auf 100 Minuten ist THE TOXIC AVENGER PART II vor allem eins: anstrengend. Was bleibt, sind die wirklich spaßigen ersten 20 Minuten, und das unerwartete Wiedersehen mit Michael Jai White und Diane Ladd, die als Mutter vom Toxic Avenger den unbestrittenen Tiefpunkt ihrer Karriere verbuchen darf. (My bad: Jessica Dublin sieht nur aus wie Diane Ladd.) Schade um das schöne Postermotiv.

Tromaville, New Jersey ist die Hauptstadt des Giftmülls. Und so ist es gar keine große Überraschung, als der Oberversager Melvin Junko (Mark Torgl) nach einem Streich gemeiner Bullies in einem Giftmüllfass landet. Aus dem schlaksigen Nerd wird dank der radioaktiven Brühe der „Toxic Avenger“ (Mitch Cohen): ein riesenhafter, mit übermenschlichen Kräften ausgestatteter Mutant, der sogleich den Kampf gegen das Übel auf Tromavilles Straßen beginnt. Dabei ist er jedoch ausgerechnet dem Bürgermeister Belgoody (Pat Ryan) und dessen Handlangern ein Dorn im Auge, weil dem daran gelegen ist, dass Tromaville das Dreckloch bleibt, das es ist …

Wie schon angedroht, habe ich mir also mal wieder THE TOXIC AVENGER angeschaut – auch um meine Troma-Schau, die ich hier vor ein paar Wochen angekündigt habe, endlich zu starten. Man kann trefflich darüber streiten, ob THE TOXIC AVENGER für eine solche Retrospektive nun der beste oder doch der schlechteste Startpunkt ist: Als wahrscheinlich populärster Troma-Film führt er zwar ideal in das bunte Schaffen der streitbaren Produktionsfirma ein, doch muss ich mich jetzt damit abfinden, den zweifelhaften Höhepunkt dieses Schaffens schon hinter mir gelassen zu haben. Von hier an geht es – vielleicht mit Ausnahme von CLASS OF NUKE ‚EM HIGH – nur noch bergab, wobei man abschwächend anmerken muss, dass die Fallhöhe nicht besonders hoch ist: Schon THE TOXIC AVENGER ist alles andere als ein guter Film – aber er funktioniert eben auf seine ihm eigene krude Art und Weise. Kritiker bemängeln an Tromafilmen zumeist, dass das Konzept „intendierten Trashs“ von vornherein fragwürdig sei, weil Trash seinen Charme dem unfreiwilligen Humor und einer blinden Aufrichtigkeit verdanke. Dem würde ich entgegen, dass man Trash mit dieser Definition unnötig einschränkt. Trashauteure wie Ted V. Mikels oder Al Adamson waren sich der Defizite ihrer Filme sicherlich genauso bewusst wie die Herren Kaufman und Herz von Troma, der Unterschied zwischen ihnen besteht eher darin, dass letztere diese Defizite noch betonen und hervorheben, was ich durchaus legitim finde. THE TOXIC AVENGER ist auch deshalb gelungen, weil er mit seiner plakativen, unentschlossen zwischen aufmüpfig und unendlich spießig, zwischen schrill-klamaukig und schlicht debil pendelnden Überhöhung realen US-amerikanischen Irrsinns den Nerv der Zeit sehr viel direkter trifft als mancher reflektiertere und intelligentere Film. Und die Tromafilme sind auch ein idealer Spiegel der 80er, während sie deren Eigenheiten – Musik, Mode, gesellschaftliche Zustände – noch auf die Spitze treiben. Sie fungieren ein bisschen als amerikanisches Gegenstück zu den deutschen Klamaukfilmen jener Zeit: Wer damals aufgewachsen ist, wird sich in ihnen sofort zurechtfinden. 

In Tromaville, einem verschlafenen Dreckskaff im Schatten Manhattans feiern sich die Jungen und Schönen im „Tromaville Health Club“, während Lkws den toxischen Abfall in offenen Fässern durch die Stadt kutschieren. Der Bürgermeister hat eine Schar von uniformierten Ja-Sagern um sich versammelt und arbeitet offensiv daran, seine Stadt möglichst lebensunwert zu machen. Polizisten reden mit deutschem Naziakzent und Jugendliche fahren zum Spaß kleine Kinder über den Haufen oder verprügeln alte Omas. Und der hässliche Melvin muss zum noch hässlicheren Giftmüll-Rächer zu werden, um schließlich zum Helden der kleinen Kommune zu avancieren, der gebrechlichen Mütterchen über die Straße hilft, Hausfrauen die Marmeladengläser aufschraubt und fiese Rowdys kurzentschlossen beseitigt. THE TOXIC AVENGER beackert ähnliches Terrain wie etwa Michael Winner ein Jahr später im fulminanten DEATH WISH 3 und selbst die Mittel beider Filme sind ähnlich: Beide überzeichnen die in den Achtzigern sehr realen Ängste vor einem Amoklauf des Verbrechens und urbanen Kriegszuständen und den aus diesen Ängsten folgenden Wunsch nach Zero Tolerance zu einer galligen Satire, in der das Spießertum gnadenlos zurückschlägt. Doch während Winner seine Absichten zum Zwecke der ultimativen Provokation und Bloßstellung verschleiert, machen Kaufman und Herz keinen Hehl aus ihrem satirischen Anliegen. THE TOXIC AVENGER ist schlicht und einfach strunzend blöd, nimmt die amerikanische Heldenverehrung ziemlich aufs Korn, ohne sich jedoch vollständig von ihr zu distanzieren. Ein Stück weit feiert sich die geistige Einfalt hier selbst.          

Will man den Film seriös kritisieren, liefert er einem reichlich Munition: Die Schauspieler haben die Lizenz zum Overacten und sehen schon aus wie die Karikaturen, die sie darstellen sollen, die Effektleute täuschen mit comichafter Drastik über die technische Limitierung hinweg, eine Dramaturgie ist kaum vorhanden, vielmehr hangelt sich THE TOXIC AVENGER von einer schwachsinnigen Sequenz zur nächsten, Schnitt, Schauspieler- und Kameraführung sind unterirdisch. Ich hatte dann auch schonmal mehr Freude an ihm: Das war in einer Zeit, als ich mir Filme noch wegen der in irgendwelchen schwachsinnigen Lexika verteilten „Gorepunkte“ angesehen und dann Best-of-Tapes kompiliert habe und eigentlich nur eine passende Untermalung für das gleichzeitige Vertilgen von Dosenbier suchte, das mir sonst zu langweilig gewesen wäre. Ob man THE TOXIC AVENGER auch jenseits solcher längst vergangener Zeiten noch etwas abgewinnen kann, hängt nicht zuletzt von der Fähigkeit ab, sich in selbige zurückzuversetzen. Ohne Nostalge geht hier gar nix.