Mit ‘Michael Jai White’ getaggte Beiträge

Was ist besser als ein Actionstar in einem Film? Logisch, fünf Actionstars. TRIPLE THREAT macht seinen quantitativen Überbietungscharakter schon im Titel transparent, ist aber so bescheiden, dabei zwei bis drei martialische threats zu unterschlagen. Zu den drei asiatischen Helden Tony Jaa (ONG-BAK, TOM YUM GOONG), Iko Uwais (THE RAID, THE RAID 2) und Tiger Chen (KUNG FU TRAVELER, MAN OF TAI CHI) gesellen sich außerdem als Schurken der derzeit omnipräsente Brite Scott Adkins sowie der stets verlässliche Michael Jai White. Und CHOCOLATE-Star Jeeja Yanin mischt in einer kleinen Nebenrolle ebenfalls mit. Diese Ballung an Martial-Arts-Kompetenz sichert Jesse V. Johnson schon einmal die Aufmerksamkeit der Fans, aber der Regisseur, der dieser Tage daran interessiert scheint, den darbenden DTV-Actioner ganz allein am Leben zu halten, hat auch darüber hinaus noch Einiges zu bieten.

Wie so oft bei diesen Filmen mit Best-of-Compilation-Charakter bildet die sparsam skizzierte Story nicht viel mehr als das Fundament für eine explosive Abfolge von Fights, Shoot-outs und Verfolgungsjagden, die hier mit einigem Aufwand choreografiert und inszeniert wurden: Die beiden Söldner Payu (Tony Jaa) und Long Fei (Tiger Chen) werden von einer Gruppe Amerikaner für eine angeblich humanitäre Aktion im Urwald Indonesiens angeheuert. Tatsächlich geht aber es darum, den in einem Camp inhaftierten Schurken Collins (Scott Adkins) rauszuhauen. Nach getaner Arbeit werden die beiden Ausgenutzten zum Sterben zurückgelassen, kommen jedoch mit dem Leben davon. Jaka (Iko Uwais), der bei dem Überfall seine Frau verloren hat, sucht die beiden auf, um Rache zu üben, beschließt jedoch, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen, als er von ihrer Geschichte erfährt. Die Bösewicht planen derweil, die Millionenerbin Xian (Celina Jade) zu kidnappen, und wie es das Drehbuch will, kommen ihnen die drei Helden nun dabei in die Quere. Nach einem krachenden Feuergefecht im Polizeipräsidium gibt es eine rasante Verfolgungsjagd durch die engen Gassen eines wuseligen Marktes bevor der Showdown in einem heruntergekommenen, palastartigen Haus steigt. Hongkong-Legende Michael Wong schaut kurz einmal für einen Gastauftritt vorbei und erinnert an die goldenen Zeiten des asiatischen Actionfilms in den Achtziger- und Neunzigerjahren.

Johnson, der mit THE DEBT COLLECTOR und ACCIDENT MAN durchaus erzählerische Ambitionen hatte durchblicken lassen, begnügt sich mit TRIPLE THREAT wieder darauf, den Action-Logistiker zu geben und sich als professioneller und versierter Choreograf aufwändiger Action-Tableaus zu erweisen. Der geneigte Zuschauer bekommt 90 Minuten lang ordentlich auf die Glocke, ohne dabei lange Durststrecken erleiden zu müssen. Dem Titel gemäß könnte man zwar durchaus mäkeln, dass TRIPLE THREAT eher Masse statt Klasse bietet – wirklich Außergewöhnliches bietet der Film nicht und in Sachen Martial Arts scheinen vor allem Uwais und Jaa (der aber auch schon jenseits der Vierzig ist) mit angezogener Handbremse zu agieren -, aber es muss ja bekanntlich nicht immer Kaviar sein. TRIPLE THREAT ist kein Sattmacher, aber ein angenehmer Snack für Zwischendurch. In Zeiten, in denen man nun nicht gerade eine Flut geiler Actionfilme bejubeln darf, ist das ja auch schon etwas wert.

Ein Psychopath mit einer Axt. Eine Ausreißerin, die von einem Ronin in Japan lernte, das Katana zu schwingen. Zwei Special-Force-Soldaten, die sich darüber streiten, ob nun die USA oder das United Kingdom die meisten Diktatoren zur Strecke gebracht haben. Ein sabbernder Giftmörder mit Rattengesicht. Ein dicklicher Durchschnittsbrite mit Aktentasche. Nur einige der schillernden Charaktere, die Jesse V. Johnsons ACCIDENT MAN und einen Pub bevölkern, der ihnen als Zentrale einer exklusiven Gruppe von Auftragsmördern dient. War schon Johnsons THE DEBT COLLECTOR ein deutlicher Nineties-Throwback, erinnert auch dieser Film an die Zeit, in der skurrile Charaktere im Minutentakt mit Standbild eingeführt wurden. In Verbindung mit Einflüssen aus dem politisch inkorrekten Comicfilm à la DEADPOOL oder KICK-ASS ist ein überraschend schmackhafter Genrehybrid entstanden, der 90 Minuten gewalttätigen Fun mit viel Style und tollen Performances bietet.

Ich weiß, dass die obige Beschreibung nicht unbedingt Großes, sondern eigentlich sogar Abscheuliches verheißt. Hätte man mir die Reize von ACCIDENT MAN so nahegelegt, hätte ich wahrscheinlich das Gesicht verzogen und dankend abgewunken, schließlich gehört DEADPOOL für mich zu den unerträglichsten Gurken, die ich in den vergangenen Jahren ertragen musste. Auch ACCIDENT MAN ist grell und comichaft überzeichnet, gefällt sich im Tabubruch und der Grenzüberschreitung und ist im Grunde genommen nicht viel mehr als eine reichlich infantile Gewaltfantasie. Aber – oh Wunder – irgendwie funktioniert das Ganze und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich verständlich erklären kann, woran das liegt. Ganz sicher hat es etwas damit zu tun, dass ACCIDENT MAN schon aufgrund seines Stellenwertes als DTV-Film weniger marktschreierisch rüberkommt, weniger Aufmerksamkeit für sich reklamiert, als die genannten Großproduktionen, die ihre Unkorrektheit so unangenehm ostentativ vor sich hertrugen. Johnson inszeniert seinen Film aller stilistischen Extravaganzen zum Trotz auch vergleichsweise bodenständig: Es gibt hier keinen Helden, der sich augenzwinkernd dem Betrachter zuwendet und ihm seine Witzchen erklärt. Und das führt auch dazu, dass sich ACCIDENT MAN nicht in Spielereien und Gimmicks verliert, sondern letztlich sehr straightes Acionkino bleibt, das lediglich mit diesen skurrilen Figuren angereichert ist. Wobei sich Johnson seine bizarreren Kreationen für Kurzauftritte aufhebt: Im Wesentlichen konzentriert er sich auf das Vater-Sohn-Duell zwischen Scott Adkins‘ Mike Fallon, der feststellen muss, dass  ausgerechnet seine Ex-Freundin auf der Todesliste seiner Kollegen landete, und seinem Lehrmeister Big Ray (Ray Stevenson), von dem er als Teenie das Handwerk des Auftragsmords erlernte. Letzterer liefert mit seiner Darbietung dann auch schon genug Gründe, sich den Film anzuschauen. Weiterhin hervorzuheben sind die exzellenten Dialoge: Sonst sind sie gewiss nicht unbedingt die Stärke des DTV-Actioners, aber hier merkt man, wie viel Liebe und Kreativität in das Drehbuch flossen und dass man sich allergrößte Mühe gab, jedem Charakter eine unverwechselbare Stimme zu geben. Es hilft sicherlich, dass Johnson die britische Herkunft des Films nicht verschleiert, sondern mit Lust in den Vordergrund drängt: Man bekommt hier einfach etwas zu sehen, was man in dieser Form nicht an jeder Ecke geboten bekommt. Als hätten sich Michael Winner, Guy Ritchie, Isaac Florentine und Taika Waititi zusammengetan, die Verfilmung eines britischen Comics abzuliefern, den zu zeichnen sich noch niemand dann doch tatsächlich jemand getraut hat.

Selbst die wenigen Kritikpunkte spielen ACCIDENT MAN in die Karten: Dass der Protagonist unangenehm homophob rüberkommt, wenn er sich mit Charlie (Ashley Greene) anlegt, der lesbischen Lebenspartnerin seiner Ex, baut immer wieder kleine Hürden bei der Identifikation auf: Nicht nur, dass diese Idee der Freundin, die lesbisch wird, bzw. der Lesbe, die dem Mann die Freundin ausspannt, in sich schon ein frauenfeindliches Klischee ist: Die beleidigten bitchfights, die Fallon mit Charlie anzettelt, lassen ihn nicht gerade heldenhaft erscheinen. Johnson bekommt aber rechtzeitig die Kurve und so macht dieser Aspekt den Film tatsächlich noch eine Nummer interessanter: Man hätte diesen zusätzlichen Konflikt auch einfach ganz weglassen können, ohne dass ACCIDENT MAN Schaden genommen hätte, stattdessen baute man einen Störfaktor ein, der ja auch daran erinnert, dass wir uns in einem durch und durch streitbaren Milieu befinden, in dem Fortschrittlichkeit und Toleranz nicht die ausgeprägtesten Stärken sind. Auch hier erscheint mir der Film ehrlicher als DEADPOOL mit seinen Arschfick- und Pimmelwitzen.

 

 

Die Klage, dass Filme (vor allem aus Hollywood) heute nicht mehr so gut und bedeutsam sind, wie sie es vor Jahrzehnten einmal waren, gehört zum Standardrepertoire des leidgeprüften Cinephilen. Weitaus weniger oft gehört, aber kaum weniger zutreffend ist die Feststellung, dass Filme heute auch auf andere Art und Weise beschissen sind, eine bestimmte Spielart des Schrotts leider völlig verschwunden ist. Vorbei die Zeit, als mit markigen Airbrush-Covermotiven ausgestattete Billighuber von ahnungslosen Videothekaren im Regal neben den starbesetzten Actionknaller geräumt wurden, der Amateurhobel dank Kreativität und Fleiß des Effektmannes zum „Klassiker“ avancierte, berühmte Publikumsschlager unbeholfene Rip-offs aus aller Herren Länder erfuhren, die die Lachmuskeln der mehr oder weniger überraschten Zuschauer strapazierten. Sicher, Dilettanten gibt es im Filmgeschäft immer noch, aber es ist leichter geworden, das eigene Unvermögen zu kaschieren (oder natürlich es absichtlich zu betonen, um das verblödete SchleFaZ-Publikum abzuholen). Auch wenn mancher selbsternannte Digitalkameramann beim Wort „Achsensprung“ wahrscheinlich erschrocken unter seinen Golf GTI kriecht: Moderne Schnittprgramme erlauben es mit ein bisschen Fingerfertigkeit alle Spuren des Versagens zu tilgen und den aus der Portokasse des örtlichen Gebrauchtwagenhändlers finanzierten Film fast aussehen zu lassen wie den neuen McG. Dass Realismus und Authentizität das vorherrschende Paradigma geworden sind, hat ebenfalls dazu beigetragen, überbordende Absurdität, Albernheit und Infantilität, die manchen Actioner früher zur Lachnummer machten, zum No-Go zu erklären. Grimmigkeit und heiliger Ernst sind Trumpf und nicht gerade der beste Nährboden für Humor, egal ob freiwiliger oder unfreiwilliger Couleur. Aber manchmal wird man überrascht, was mich zu CHAIN OF COMMAND bringt, einem Billigfilm, der die Grenze zum Amateurbereich mehr als nur haarscharf streift und von Minute zu Minute blöder wird.

Zunächst beginnt der Film von Kevin Carraway ganz ordentlich, nämlich mit der besten Einstellung des Films, die wahrscheinlich irgendwo geklaut oder aber Archivmaterial ist, denn der Unterschied zum Rest des Films ist eklatant. CHAIN OF COMMAND (Alternativtitel: ECHO EFFECT) ist eines jener Werke, dessen Figuren allesamt in blitzblanken, völlig unbewohnt und seltsam steril aussehenden Fertighäusern wohnen und mit Autos herumfahren, die gerade frisch vom Fließband gerollt zu sein scheinen. Gedreht wurde im schönen Hamilton, Ohio, das mit seinen unbelebten Straßen an ein besonders attraktives Gewerbegebiet erinnert, auch wenn die meistens nicht über ein schlammfarbenes Flüsschen verfügen, an dessen begrünten Ufern Parkbänke zum gemütlichen Verweilen mit Aussicht auf Lager- und Fabrikhallen einladen. Star der Show ist Michael Jai White, der einem nur leid tun kann: Seine große Chance auf Ruhm und Stardom verflog einst mit dem Flop von SPAWN, danach konnte er immerhin in DTV-Actionern wie UNDISPUTED 2 oder BLOOD AND BONE punkten und war zuletzt bei mir in Form von TACTICAL FORCE und SKIN TRADE zu Gast. Hier bleibt ihm nichts anderes übrig als gute Miene zum bösen Spiel zu machen, was ihm nur bedingt gelingt. Ich meine, im Verlauf des Films eine gewisse Genervtheit und Ernüchterung in seinem Gesicht gesehen zu haben, die ich nur zu gut verstehen kann, denn was einem hier geboten wird, spottet jeder Beschreibung. Der zweite „Hauptdarsteller“ Steve Austin hat kaum mehr als einen verlängerten Cameo, der darauf schließen lässt, dass er eher zufällig in der Gegend war und engagiert wurde, um mit seinem Namen prahlen zu können. Er bekommt nichts zu tun und wird ziemlich traurig durch einen über Bande abgefeuerten Schuss getötet, was seine vorangegangenen Großmaulsprüche, mit denen er als unbesiegbarer badass charakterisiert wurde, umso armseliger erscheinen lässt. Alle anderen Darsteller sehen aus wie erfolglose Schuhverkäufer und gleichen mangelndes Talent oder Charisma durch überbordenden Enthusiasmus aus. Immer eine tödliche Kombination. So schleppt sich die uninteressante Geschichte höhepunktarm von einer miserabel geblockten, einfallslos abgelichteten und schlicht scheiße aussehenden Szene zur nächsten, in den kurzweiligen Schusswechseln immer wieder „ansprechend“ garniert von grottenschlecht animierten CGI-Blutspritzern. Der große „Twist“ am Ende schlägt dem Fass dann engültig den Zacken aus der Pfanne: Die Kohle, die die bösen Drogendealer vermissen, wurde beim Helden im Garten unter ca. 6 Zentimetern Erde vergraben, auf dass er sie dort irgendwann finden würde. Gern hätte ich hier gern spektakulärere Erkenntnisse oder Beobachtungen weitergeben, aber die Scheißigkeit von CHAIN OF COMMAND ist eher von der tristen Art. Plastikkraken oder an der Schnur gezogene Torpedos sucht man also vergebens, aber wer Freude an sinnlos eingestreuten reaction shots trantütiger Visagen, abscheulichen Bildhintergründen, mit dem Rücken zur Kamera stehenden Darstellern, einschläfernd pluckernder Spannungsmusik oder langweiligen Laufszenen hat, der findet hier einen treuen Freund fürs Leben.

Als Fan des DTV-Actioners ist man ja durchaus Tristesse gewohnt. Im ehemaligen Ostblock preisgünstig und mit anonymen Nebendarstellerfressen abgedreht, unter Zuhilfenahme von oft nur mäßig überzeugender Computertechnologie aufgehübscht, um die oft traurige Realität zu verbergen, erfordern sie manches Mal ein gehobenes Maß an Leidensfähigkeit vom Zuschauer. Da freut man sich über einen Film wie SKIN TRADE, der nicht nur mit einer namhaften Besetzung aufwartet, sondern auch richtig gut aussieht. Die exotische Kulisse Bangkoks und des umliegenden Landes fängt Kameramann Ben Nott in supercrispen Bildern ein, weiß den Farben- und Lichtreichtum der nächtlichen Metropole immer wieder effektiv zu inszenieren. Der Schnitt orientiert sich dankenswerterweise nicht an der Lichtshow einer Provinzdisco, sondern gestattet Orientierung und Übersicht. Und selbst wenn auf die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung auch hier nicht ganz verzichtet wurde, so wurde immerhin maßvoll damit umgegangen. Es ist noch gar nicht so lang her, da wäre SKIN TRADE ohne Zweifel als lupenreiner Kinofilm durchgegangen (und in manchen Ländern der Erde hatte er ja auch seinen Kinostart).

Es sind andere Faktoren, die einem ins Gedächtnis rufen, dass SKIN TRADE eher den weniger anspruchsvollen und langmütigeren Videotheken- und Streamingkunden anpeilt. Die Story um den Cop Nick Cassidy (Dolph Lundgren), den es nach der Ermordung seiner Frau und der Entführung seiner Tochter durch den Menschenhändler Viktor (Ron Perlman) auf Rachefeldzug nach Bangkok verschlägt, wo er sich mit seinem thailändischen Kollegen Tony (Tony Jaa) zusammentut, kommt über ein Ansammlung bekannter Versatzstücke nie hinaus, und um wirklich eine emotionale Bindung zu den Protagonisten aufzubauen, fehlen die spezifischen Details, die sie als Menschen aus Fleisch und Blut glaubhaft machten. Ähnliches gilt für die Action, die kompetent gemacht ist – eine lange Verfolgungsjagd sticht heraus – und fast die gesamte zweite Hälfte des Films einnimmt, aber auch nichts bietet, was man so noch nie gesehen hätte. Gut, das ist vielleicht auch ein etwas hoher Anspruch, aber gerade wenn man weiß, was Tony Jaa so drauf hat, wirkt er hier, als agierte er mit angezogener Handbremse. Gut, er ist in den vergangenen zehn Jahren auch nicht jünger geworden.

Das alles ist aber streng genommen Jammern auf hohem Niveau, denn SKIN TRADE sticht überaus positiv aus der Masse der überwiegend durchschnittlichen aktuelleren DTV-Actionern heraus. Dolph Lundgren ist einfach immer schön anzuschauen, vor allem, wenn er dann so gut eingesetzt wird wie hier, der Film geht ein immens hohes Tempo und bietet jede Menge Eye Candy, das Wiedersehen mit Veteranen wie Ron Perlman oder Peter Weller nimmt man gern mit, selbst wenn sie schauspielerisch keine Bäume ausreißen müssen. Ein durchweg runde Sache.

Nach HUNT TO KILL der nächste eher mittelprächtige Film um den ehemaligen Profi-Wrestler Steve Austin, der diesmal aber leider keine Aufwertung durch eindrucksvolle Naturaufnahmen erfährt. Der Plot, der sich um ein vierköpfiges SWAT-Team dreht, das sich bei einer Übung plötzlich mit einer Bande schießwütiger Schwerkrimineller konfrontiert sieht, läuft wieder einmal weitestgehend überraschungsfrei ab. Weder ist TACTICAL FORCE auch nur im Geringsten spannend, noch reißt einen die Inszenierung der Actioneinlagen vom Hocker. Heute, an einem verpennten Nachmittag, war das durchaus ganz adäquat und als Genrefan nehme ich auch solches Füllmaterial ganz gern mit, aber ein bisschen mehr Leben hätte es schon sein dürfen. TACTICAL FORCE lässt jegliche Details, die einem das Geschehen irgendwie nahebrächten, fast komplett vermissen. VIelleicht ist das auch ein Problem von Hauptdarsteller Steve Austin, der als stoischer Mann fürs Grobe nicht gerade der größte Spaßmacher des Fimbiz ist. Er arbeitet sich mit größtmöglicher Effizienz durch seinen Output und ist dabei gewiss nicht unsympathisch, aber echte Spuren lässt er nicht. Er hat noch keine echte Persona für sich entwickelt, kein Profil, und so lange sich das nicht ändert, ist er extrem von seinen Drehbüchern abhängig. Der großartige DAMAGE hat gezeigt, wohin die Reise gehen könnte, ist aber bisher leider eine Ausnahme in Austins Filmografie geblieben.

TACTICAL FORCE fängt immerhin sehr witzig und einigermaßen seltsam an, nämlich so als handele es sich um eine Parodie von Cop-Action-Filmen. Mit seinem Team nimmt der SWAT-Leader Tate (Steve Austin) einen Supermarkt und die Gang auseinander, die ihn überfallen, Angestellte und Kunden als Geiseln genommen hat. Am Ende sind die Schurken allesamt tot, diverse Unschuldige verletzt, das Geschäft vollkommen verwüstet. Der wutentbrannte Chef verdonnert die vier uneinsichtigen Cops zum Nachsitzen, wo sie sich gegenüber dem Dozenten verhalten wie schwer erziehbare 13-Jährige mit ADS. Es ist eine wunderbare Szene, weil sie so unverhohlen klar macht, worum es im Actionfilm nicht zuletzt geht: Eben nicht darum mit Maß und Weitsicht zu operieren, sondern mit massiver Feuergewalt und maximaler Zerstörungswut. Der bemitleidenswerte Ausbilder ist angesichts der idiotischen Vorschläge und der Beratungsresistenz von Tate und seinen Partnern mit seinem Latein völlig am Ende, während die reichlich spätpubertären Rüpel sich für ihre Dummheit high fives geben. Cultraro geht nicht etwa auf Distanz zu seinen Protagonisten, ihr Verhalten soll den Zuschauer im Gegenteil Bewunderung abnötigen. Was für geile Typen! Der infantile Blödsinn geht weiter, als sich die Vier anschließend zu einer Übung an einem verlassenen Flugplatz einfinden. Diese Übung, so will uns der Film glauben machen, findet unter Ausschluss jeder Kontrollinstanz oder Überwachung statt, die Polizisten dürfen im Gegenteil ganz allein Cowboy und Indianer spielen. Das ist dann die Ausgangssituation für den folgenden Konflikt: Denn die Cops sind lediglich mit Trainingsmunition ausgestattet und gegen die Gangster, die sich bald einfinden, zunächst machtlos. Aber das wird natürlich nicht lang so bleiben.

Sobald die Belagerungssituation eintritt, ist es mit dem Spaß vorbei, denn TACTICAL FORCE wird ab diesem Zeitpunkt zum bemühten Actioner ohne echte Vision. Inszenatorische Eleganz darf man nicht erwarten, filigrane Kampfchoreografien gestattet Steve Austins kantiger Körper auch nicht, und so wird die gute alte Brechstange ausgepackt. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, aber ist in der hier vorliegenden Form eher Unzulänglichkeit als ästhetische Entscheidung.

Als der knallharte Bone (Michael Jai White) aus dem Gefängnis kommt, zieht ihn gleich in die Welt illegaler Streetfights: Unter dem Veranstalter Pinball (Dante Basco) steigt er schnell zum neuen Champion auf. Das weckt das Interesse des Gangsterbosses James (Eamonn Walker), der in Bone die Möglichkeit sieht, ins ganz große Geschäft einzusteigen. Doch Bone hat eigene Pläne, in denen James eine ungeahnte Rolle einnimmt …

Ohne große Worte: BLOOD AND BONE ist einfach gutes, straightes Badass-Actionkino, wie man es leider nur noch im Heimkino zu sehen bekommt. Ohne modischen Schnickschnack oder fehlgeleitete Subplots erzählt Regisseur Ben Ramsey seine Rachegeschichte und holt aus seinen beiden Hauptdarstellern Michael Jai White und Eamonn Walker das Optimum heraus. Sein Film besticht nicht durch flashige Actionszenen, Dauerfeuerwerk oder formalen Overkill, vielmehr nähert er sich mit seiner ruhigen Dramaturgie und der klaren Bildsprache der Geradlingkeit, Entschlossenheit und Ehrlichkeit seiner Hauptfigur an. Von Beginn an verfolgt er sein Ziel, ohne große Worte darüber zu verlieren, er beugt sich niemandem, tut, was getan werden muss, ohne dabei zum kalten Zyniker zu werden. Es ist diese Ruhe, die seinen Widersacher gleichermaßen herausfordert wie anzieht. Eamonn Walker gibt seinen Gangsterboss als distinguierten Geschäftsmann, der ein Faible für das Kriegerethos hat, das Bone verkörpert. Er legt großen Wert darauf, festzustellen, dass er nicht trinkt, nicht raucht und keine Schimpfworte benutzt und zitiert zwischendurch gern Dschinghis Khan. Aber diese Begeisterung kann nicht verbergen, dass er damit seine körperliche Durchschnittlichkeit kompensiert. Es gibt eine tolle Szene, in der er von Franklin McVeigh (Julian Sands), dem schwerreichen Kingpin, von dem er sich Eintritt in die Spitzenregionen des internationalen Streetfighting-Geschäfts erhofft, provoziert wird: Er sei nur ein „Afroamerikaner“, und das einzige, wofür Weiße Verwendung für solche hätten, sei das Entertainment. Nie würden sie ihn als einen von sich erkennen. James vibriert förmlich, kann sich aber natürlich keinen Ausbruch erlauben. Das einzige, was ihm einfällt, ist der Mythos von der schwarzen Genitaldominanz: Er fordert McVeig sprichwörtlich zum Schwanzvergleich heraus. (In einer anderen singt er beim Dinner im Haus eines weißen Geschäftspartners, der ihn hintergangen hat, mit diesem gemeinsam Wang Chungs „Dancehall Days“, bervor er ihn umbringt.)

Bemerkenswert – und natürlich das, womit dieser Film steht und fällt – sind die Kampfszenen: Ramsey inszeniert sie ohne stilistische Winkelzüge, sehr übersichtlich und meistens in der Totalen, sodass alle Moves gut sichtbar sind. Er lässt die Taten sprechen, anstatt diese mit Effekten hervorzuheben, wie etwa sein Kollege Isaac Florentine. Er fährt sehr gut damit: Die sparsam gesetzten Fights sind dramaturgische Höhepunkte, fügen sich nahtlos ins überzeugende Gesamtbild ein. Es zeichnet den Film aus, dass er das bis zum Ende durchzieht: Ramsey verzichtet auf den Over-the-Top-Schlussfight, führt BLOOD AND BONE so aber letztlich zu einem befriedigenderen, weil treffenden Ende. Ein seltener Glücksfall: Ein Film, der vielleicht nicht mit brillanten Einfällen begeistert, aber damit, dass er die bestehenden Formeln perfekt und fehlerlos anwendet. Sehr schön.