Mit ‘Michael Winslow’ getaggte Beiträge

police-academy-7-mission-to-moscowMan soll ja mit Superlativen vorsichtig sein, gerade im Netz, wo es an jeder Ecke von Meisterwerken; Hitlers und den schlimmsten Katastrophen seit Hiroshima wimmelt. Aber es fällt mir sehr, sehr schwer den siebten POLICE ACADEMY-Film nicht als eines der miesesten und traurigsten Werke aller Zeiten zu bezeichnen. Dass Alan Metter es geschafft hat, auch noch das jämmerliche Niveau der Teile 4 und 6 zu unterbieten (mal ganz außen vor, dass die ganze Reihe nun nicht gerade durch Eleganz und Subtilität bestach), ist eine beachtliche Leistung, die mit der konsequenten Verbannung ins TV belohnt wurde. Aber er kämpfte natürlich auf verlorenem Posten. Brauchte wirklich irgendwer im Jahr 1994, fünf Jahre nach dem letzten Film der Reihe, ein weiteres Abenteuer der dämlichen Polizisten? MISSION TO MOSCOW reiht sich ein in die Phalanx solch vollkommen rätselhafter Werke wie GARFIELD, ALF – THE MOVIE, THE SMURFS, SIN CITY 2 oder auch OTTO’S ELEVEN; Filme, die darauf schließen lassen, dass die Executives, die sie durchwinkten, gerade erst aus einem mehrjahrzehntigen Koma erwacht oder aber von Außerirdischen ausgetauscht worden waren. Aber Metter scheint einen hartnäckigen Fetisch für überkommene Popkultur-Relikte zu haben: Sein letzter IMDb-Eintrag aus dem Jahr 2005 ist eine Videoclip-Collection von Olivia Newton-John.

MISSION TO MOSCOW ist gewiss ein heißer Anwärter auf den Preis der unwitzigsten Komödie ever. Selbst gemessen an den niedrigen Humormaßstäben, die die Vorgänger etablierten, ist Metters Beitrag erschreckend dröge und trist. Es ist noch nicht einmal so, dass er seine „Pointen“ in den Sand setzen würde: Der Film hat einfach keine. Die besseren Teile der Reihe entwickelten eine Art irrsinnigen Charme in ihrer Mischung aus Brachialität und Furchtlosigkeit, ließen den Zuschauer gewissermaßen vor der Zote kapitulieren: Irgendwann musste man schon aus Verzweiflung lachen. In MISSION TO MOSCOW gibt es aber gar keine Witze. Und wenn dann doch einer der üblichen Pups-Pipi-Kacka-Versuche unternommen wird, ist die Ernüchterung groß. Wie konnten sich Ron Perlman und Christopher Lee in dieses Fiasko verlieren? Hatten David Graf, Michael WInslow und Leslie Easterbrook Schulden bei Russisch Inkasso? War George Gaynes aus dem Seniorenheim entführt worden? Bekam er überhaupt noch mit, dass er in einem Film mitspielte? Selbst G. W. Bailey, sonst der einsame Lichtblick, kämpft auf verlorenem Posten, bekommt nichts, womit er arbeiten könnte.Es ist zum Verzweifeln.

So sieht der Versuch von Humor des Filmes aus: Lassard ekelt sich vor dem Borschtsch, der ihm vorgesetzt wird, und schüttet ihn in den Ausguss. Darunter steht Harris und bekommt die Suppe ins Gesicht. Wenig später bespitzelt er den Gangsterboss Konali (Ron Perlman) mithilfe eines durch den Fußboten gestecktes Periskops. Konalis Hund pinkelt dagegen und die Pisse läuft durch das Guckrohr in Harris‘ Auge. Wow. Und dieser „Gag“ ist eben nicht einer von Dutzenden Kalauern, von denen auch mal einer danebengeht, sondern fällt in eine 80 Minuten währende kreative Ödnis. Der Film existiert ganz einfach, wirkt wie eine Strafarbeit von Verzweifelten. Hart, ganz hart. Ich musste genau einmal schmunzeln, und das lag an der Synchro: Lassard sagt „Kotzmauer“ statt „Moskauer“. That’s it. Das ist MISSION TO MOSCOWS Beitrag zu jenem Phänomen, das wir „Humor“ zu nennen pflegen.

Original Cinema Quad Poster - Movie Film PostersDass ich mich mit meinen EIS AM STIEL- und POLICE ACADEMY-Retros am unteren Rand der Filmkultur bewege, begünstigt einige lustige Koinzidenzen und Déjà-vus. So konnte ich unlängst nach zwei unerträglichen Rohrkrepierern protokollieren, wie die israelisch-deutsche Softsex-Reihe mit ihrem letzten Teil einen wunderbaren Abschluss feierte. Und nun passiert etwas ganz ähnliches eben mit dem interpunktionsreich betitelten POLICE ACADEMY 5: ASSIGNMENT: MIAMI BEACH, dessen Existenz man nach dem unerträglichen vierten Teil nur unendlich mutig finden kann. Ich würde natürlich nicht so weit gehen, hier von einem Meisterwerk der amerikanischen Komödie zu sprechen, aber das vierte Sequel knüpft dann doch wieder an die entfesselten Albernheiten der ersten drei Teile an und wirkte in seiner atemlosen Aneinanderreihung infantiler Zoten sehr ansteckend auf mich.

Es geht wieder einmal um die Rivalität zwischen dem gutmütig-tolpatschigen Commandant Lassard (George Gaynes) und dem karrieregeilen Harris (G. W. Bailey): Letzterer findet heraus, dass ersterer eigentlich schon längst pensioniert worden sein müsste, und erwirkt dass Lassard mit einer Auszeichnung in den Ruhestand weggelobt werden soll. Bei der Zeremonie in Miami Beach will er natürlich unbedingt dabei sein. Zur gleichen Zeit stiehlt der gockelig-schmierige Juwelendieb Tony (Rene Auberjonois) mit seinen dämlichen Kompagnons einige Diamanten im Auftrag eines feisten Gangsterbosses. Doch wie es das Drehbuch will, landen die Steine im Besitz Lassards, der daraufhin entführt wird. Seine Schüler setzen alles daran, ihn zu befreien …
Es gibt vor allem zwei Gags im Film: Der eine setzt den eitlen Harris unablässigen Demütigungen aus, der andere lässt die dusseligen Gangster an Lassards Tolpatschigkeit verzweifeln, die erneut an NAKED GUN-Held Frank Trebin oder auch an die Cartoonfigur Mr. Magoo denken lässt. Dazwischen gibt es den üblichen Schmonzes: Jones macht Geräusche nach, Tackleberry ist waffengeil, Callahan hat dicke Titten, Hightower ist groß, Hooks hat eine Piepsstimme, aber ein großes Herz, Tommy Conklin ist fett und stark. Man merkt dem Film an, dass die Beteiligten großen Spaß daran hatten, die Dreharbeiten in Miami wahrscheinlich einem großen Ferienlager glichen. Dass dabei ein Kinofilm rumkam, ist eine positive Begleiterscheinung, aber wahrscheinlich ist das Ergebnis auch deshalb so liebenswert, weil sich keiner so recht dafür zu interessieren schien. Die deutsche Synchro leistet, wie Berti Vogts einst sagte, „Unmenschliches“, überschlägt sich förmlich mit rammdösigen Wortwitzen und Versprechern, setzt überall noch einen drauf, was angesichts der humoristischen Tiefen, in denen hier gegraben wird, wirklich etwas heißt. Die Anwesenheit Auberjonis‘, seines Zeichens Altman-Veteran, macht den großen Unterschied, denn der hat offensichtlich eine Riesengaudi an seiner Idiotenrolle und muss eigentlich fast gar nichts machen, um Lacher zu ernten. Gesprochen wird er von Jürgen Thormann, dessen Darbietung dem manischen Witz des Films sehr angemessen ist. Dazu das Idiotentrio aus Lassard, Harris und seinem Sidekick Proctor (Lance Kinsey), fertig ist ein wahrlich infernalisches Humor-Panoptikum, an dem man entweder verzweifeln oder dass man lieben muss. Ich habe mich für letzteres entschieden. Ein Film, der einen der schönsten Furzgags der Filmgeschichte aufbietet, darf sich meiner ewigen Zuneigung gewiss sein.

police-academy-3-back-in-trainingDer dritte Teil kehrt nach dem Ausflug auf die Straßen von Los Angeles zurück auf das bekannte Terrain der Ausbildungsakademie von Commandant Lassard (George Gaynes), bringt einige Figuren zurück, die man im direkten Vorgänger (vielleicht) vermisst hat und ergänzt sie um einige, die sich in THEIR FIRST ASSIGNMENT als würdige Neuzugänge der Serie erwiesen haben. Der Plot ist einfach: Weil die Stadt zu Sparmaßnahmen gezwungen ist, soll eine der beiden existierenden Polizeiakademien geschlossen werden. Um zu ermitteln, welche dies sein wird, werden die Schulen einer Serie von Tests unterzogen. Die eine Akademie ist natürlich die des liebenswert trotteligen Lassard, der wieder einmal darunter zu leiden hat, dass seine Kadetten zwar engagiert, aber auch ziemlich chaotisch sind, die andere untersteht dem um keinen Sabotageakt verlegenen Mauser (Art Metrano), der seine Schurkenrolle aus Teil zwei wiederholt. Diese Handlung wird in einer munteren Reihe von meist ziemlich tumben Sketchen abgewickelt, bevor sich die eigentlich hoffnungslos abgeschlagenen Kadetten in einer echten Mission beweisen dürfen und schließlich triumphieren.

POLICE ACADEMY 3: BACK IN TRAINING ist – das dürfte klar sein – gewiss kein komödiantischer Triumph, aber man muss den Drive, den er in seiner Aneinanderreihung hirnrissiger Possen entwickelt, bewundern. Jeder „Charakter“ hat genau eine Eigenschaft, die gnadenlos ausgereizt wird: Hightower (Bubba Smith) ist schwarz, groß und stark, weshalb es natürlich urkomisch ist, dass er sich in einer Szene als Frau verkleiden muss. Tackleberry (David Graf) ist der schießwütige Waffennarr, der gleich mehrfach gezwungen wird, eine Rambo-Parodie zu absolvieren. Jones (Michael Winslow) macht Furzgeräusche nach, Hooks (Marion Ramsey) hat eine Piepsstimme und Callahan (Leslie Easterbrook) dicke Titten. Zed (Bobcat Goldthwait) ist ein neurotisches, unberechenbares Nervenbündel, Sweetchuck (Tim Kazurinsky) ein kleiner, biederer Brillenträger, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, und der japanische Kadett Nogata (Brian Tochi) kann – Achtung! – Karate und ist Anlass für einfältige Arigato-Alligator-Witze. Mauser ist ein mieser Speichellecker, der andere Speichellecker für seine Zwecke einspannt, darunter natürlich wieder den dämlichen Proctor (Lance Kinsey), aber auch die Wiederkehrer Copeland (Scott Thomson) und Blanks (Brant von Hoffman). Ja, und Mahoney (Steve Guttenberg) hält das Ganze als einzig halbwegs normale Figur zusammen und darf seinen aufdringlichen Stalker-Charme erneut in einer unterentwickelten Romanze mit einer langweiligen Blondine (Shawn Weatherly) zum Besten geben. Auch die sich ständig prügelnden Kirkland-Männer sind wieder dabei, dafür bleibt die zugehörige Tochter respektive Schwester, Tackleberrys Gattin, außen vor. Bei so viel Potenzial für blühenden Blödsinn bleibt keine Zeit, sich zu langweilen.

Den Rest besorgt dann die „Augen zu und durch“-Inszenierung von Jerry Paris, der sich beim Schnitt des großen Finales – einer endlosen Verfolgungsjagd mit grellbunten Jetskis, die ganz offensichtlich als großer Schauwert eingesetzt werden – nicht lange um Raumerklärung und Continuity schert. Raum und Zeit sind in Auflösung begriffen, die Zote diktiert die Logik. Der Mann konnte auf zwei Jahrzehnte Regieerfahrung vor allem mit Fernsehserien wie THE MUNSTERS, TAMMY, THE DICK VAN DYKE SHOW oder THE ODD COUPLE vorweisen und wusste wahrscheinlich sehr genau, wie man auf eine Szene in kürzester Zeit den Deckel draufmacht. POLICE ACADEMY 3: BACK IN TRAINING wird von diesem atemlosen „Immer weiter“ angetrieben, das Rohrkrepierer verzeihlich macht. Hier ist Komödie noch echtes, bisweilen schmutziges Handwerk, bei dem halt auch mal ein Nagel krumm ins Holz geschlagen wird. Scheiß drauf, weitermachen. Leider war für Paris nur kurze Zeit später Schluss: Er starb nur zehn Tage nach der Premiere von POLICE ACADEMY 3 an einem Gehirntumor. Ich verkneife mir einen entsprechenden Witz und schließe versöhnlich: Ich hatte nämlich einen Mordsspaß mit diesem herrlich blöden Film.

police-academy-2-their-first-assignment-30426Über POLICE ACADEMY schrieb ich, dass er vor allem durch die Besetzung von George Gaynes als Commandant Lassard und G. W. Bailey als Lieutenant Harris über das Niveau einer bloßen Blödelkomödie gehoben wird. Was heißt es also für POLICE ACADEMY 2: THEIR FIRST ASSIGNMENT, dass die Präsenz des ersten auf eine Gastrolle reduziert wird und letzterer gar ganz abwesend ist? Die Antwort: nichts Gutes. Trotzdem ist das Sequel noch einigermaßen amüsant.

In L.A. steht Captain Pete Lassard (Howard Hesseman), der Bruder des Akademieleiters, kurz vor dem Rausschmiss als Chef seines Precincts, das von einer steigenden Anzahl von Verbrechen heimgesucht wird, derer der gutmütige Staatsbeamte einfach nicht Herr wird. Der hinterhältige Lieutenant Mauser (Art Metrano) steht schon in Lauerstellung, um seinen Vorgesetzten abzulösen, seinen dämlichen, stiefelleckerischen Adjutanten Proctor (Lance Kinsey) immer im Anschlag. Lassard fragt schließlich seinen Bruder um Hilfe und lässt sich von diesem die frisch gebackenen Absolventen der Polizeiakademie als Problemlöser andrehen, was die zu erwartenden Albernheiten und Turbulenzen, schließlich aber auch ein Happy End nach sich zieht.

Echte Höhepunkte sind rar gesät in POLICE ACADEMY 2: Was wirklich schön ist, sind die kleinen Signale, die einen daran erinnern, welch beschissenen Ruf US-amerikanische Großstädte in den Achtzigerjahren hatten. Richtige Gewalt gibt es hier natürlich nicht, aber wenn ein verhuscht-panischer Geschäftsmann sein Ladenlokal nach Feierabend eilig mit einem elektrifizierten Stacheldraht-Rolltor verbarrikadiert und sich dann gehetzt über die Schultern blickend auf den Heimweg durch ausgestorbene und heruntergekommene Straßen macht, dabei von ein paar fantasievoll gekleideten Punks heimgesucht wird, kommen einem unweigerlich all die DEATH WISHs und ROBOCOPs in den Sinn, die maßgeblich dazu beitrugen, die USA als Land am zivilisatorischen ABgrund zu zeichnen. Ob sich POLICE ACADEMY 2 vielleicht sogar ein wenig lustig macht über die Endzeitstimmung, die die Law & Order-Apologeten damals beschworen? Die Rowdys um den Anführer Zed (Bobcat Goldthwait) muten jedenfalls nicht so sehr wie gefährliche Gewaltverbrecher, sondern eher wie gelangweilte und vernachlässigte Lausebengel an, die nicht wissen, wo sie mit ihrer Energie hin sollen. Dass Zed im kommenden Teil in den Kreis der Polizei aufgenommen wird, spricht jedenfalls Bände hinsichtlich der humanistischen Gesinnung der Reihe: Gebe den größten Versagern eine Aufgabe (und eine Uniform) und sie werden zu nützlichen Dienern der Gesellschaft. Dass das umgekehrt natürlich wenig schmeichelhaft für die staatliche Organisation der Polizei ist, macht die schöne Ambivalenz der Reihe aus. Bobcat Goldthwait ist vor allem in der deutschen Synchro eine Schau und wird leider mit viel zu wenig Screentime bedacht. Sein postverbales Gekreisch und Gejammer ist eine Schau. Im Mittelpunkt steht der Zickenkrieg zwischen den neuen Cops und ihrem Fürsprecher auf der einen Seite und dem blöden Mauser auf der anderen. Das ist meist nicht so aufregend, zumal Mauser ein denkbar einfaches Ziel abgibt, aber das helmartige Toupet, dass er nach einer Spezial-Haarbehandlung mit Epoxitharz tragen muss, ist dann doch ziemlich toll. Waffennarr Tackleberry (David Graf) bekommt mit der nicht minder schießwütigen Kirkland (Colleen Camp) eine Freundin (und zum Abschuss dann sogar Ehepartnerin) zur Seite gestellt und mit dem schmuddeligen Hundepolizisten Schtulman (Peter van Norden) gibt es noch eine weitere neue Figur, die u. a. mit klebenden Stinkesocken um sich wirft.

Wie gesagt: Der Film bleibt deutlich unter dem Niveau des Vorgängers, aktiviert aber noch  ausreichend Goodwill im Zuschauer, um als „liebenswert“ eingestuft zu werden.

police_academy_filmIch behaupte: Wer 1984, als POLICE ACADEMY in deutschen Kinos mit über 5 Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten Film des Jahres avancierte (zuvor hatte er schon in den USA abgeräumt, wo er immerhin auf Platz 6 der Jahrescharts abschloss), so um die zehn Jahre alt war, für den war dieser Film eine der „top priorities of the year“. Ich habe ihn damals zwar nicht im Kino gesehen, sondern erst später auf Video, aber auch für mich gab es keinen Zweifel daran, dass POLICE ACADEMY ein Geschenk der Götter war. Die stattliche Zuschauerzahl lässt kaum einen Zweifel daran, dass sich auch genug Erwachsene für die derbe Komödie interessierten, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sie erst von Eltern in solch astronomische Höhen getrieben wurde, die ihre hysterischen Buben ins Kino begleiten mussten.

So richtig ist das Phänomen POLICE ACADEMY heute aber nicht mehr nachzuvollziehen: Der wesentlich vom Drehbuchautor Pat Proft erdachte Stoff traf voll ins Schwarze und zog bis 1989 im Jahresrhythmus fünf Sequels (erst Teil 7 folgte dann mit einigem Abstand 1994) sowie etliche Nachahmer nach sich. Dabei erschöpfen sich die eher durch eine Idee als durch eine Story nur lose verbundenen Gags meist in sehr offensichtlichen Kalauern und tumben Slapstick-Nummern, die nie das Niveau und die Mehrdeutigkeit der strukturell verwandten ZAZ-Komödien erreichen (Proft schrieb später die Drehbücher für die NAKED GUN-Filme und die beiden HOT SHOTS!-Teile). Auch Schauwerte oder Stars sind Mangelware: Zwar erlangte Steve Guttenberg dank seiner Rolle als smarter Carey Mahoney kurzzeitigen Ruhm, und machte One-Trick-Pony Michael Winslow das Beste aus seinem überschaubaren Talent, aber im Wesentlichen ist der Erfolg des Films auf ein immens glückliches Händchen der Macher und eine günstige Konstellation der Sterne zurückzuführen. Darauf, sowie auf die generelle Antipathie, die dem Polizisten, jenem sich in einer Uniform versteckenden Besserwisser und Kontrolletti, seit jeher zuteil wurde und die auch POLICE ACADEMY gekonnt bedient. Alle Vorurteile, die man gegen die Polizei je hatte, kommen zum Tragen, und die hochrangigen Offiziere werden als Deppen oder eitle Klugscheißer enttarnt, deren Job selbst ein paar Taugenichtse erledigen können.

Was aber nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass POLICE ACADEMY tatsächlich ziemlich witzig ist, witziger jedenfalls, als ich das vermutet hatte. Auch dank des großartigen Castings – nur Typen: Tackleberry (David Graf), Hightower (Bubba Smith), Hooks (Marion Ramsey), Callahan (Leslie Easterbrook), Barbara (Donovan Scott) – gelingt es Regisseur Wilson nämlich, die Defizite seines Films für sich arbeiten zu lassen. Die beiden Asse im Ärmel sind dabei die großartigen G. W. Bailey als eisenharter, missgünstiger Ausbilder Lieutenant Harris sowie George Gaynes als gutmütig-verpeilter Commandant Lassard, der schon ein bisschen Leslie Nielsens Frank Trebbin vorwegnimmt und bei ZAZ wahrscheinlich von Lloyd Bridges verkörpert worden wäre. Die größten Lacher gehen auf ihr Konto und zwar nicht, weil man ihnen solch granatenstarken Gags in den Mund gelegt hätte, sondern weil sie das mimische Handwerk der Reaktion zur wahren Kunstform erhoben haben. Dass Harris bei einem Motorradsturz kopfüber in einem Pferdearsch verschwindet, ist sicherlich keine Sternstunde der amerikanischen Komödie, aber wie er danach zum ersten Mal wieder mit indigniertem, leicht verstörtem Gesichtsausdruck vor seine grienenden Kadetten tritt, rehabilitiert die gesamte Sequenz und ist zum Schießen. Von Gaynes Performance, als sein Lassard bei einer Rede von einer unter seinem Rednerpult verborgenen Prostituierten (Seventies-Pornoikone Georgina Spelvin) einen Blowjob bekommt, ganz zu schweigen. Die ausgestellte Blödheit und Albernheit des Films wirkt auf Dauer tatsächlich ansteckend, weil die Darsteller voll in ihr aufgehen und auch die größte Idiotie noch mit jener vergeblichen Würde versehen, aus der hier mehr als einmal wenn schon nicht komödiantisches Gold, so doch sehr gepflegtes Silber entsteht. Meine Gattin sagte eben, sie habe den Film außerdem „unerwartet progressiv“ gefunden. Ich weiß nicht, ob ich das unbedingt so formulieren würde, aber es ist schon was dran: Männer und Frauen, Schwarz und Weiß sind gleichrangig und es ist weniger das Abweichen von der sexuellen Norm, dass der Film in seinen Zoten aufs Korn nimmt, als das krampfige Aufrechterhalten einer verlogenen Fassade. POLICE ACADEMY hat ein Herz für Außenseiter.

ZÄRTLICHE CHAOTEN II, der Film, den sich das deutsche Publikum selbst zuzuschreiben hat, weil es den Vorgänger zum Hit machte. In einem sehr, sehr unerwarteten Anflug von Ambition und Fantasie eröffnet der wieder von Gottschalk gescriptete Film in der Zukunft des Jahres 2043, wo Frank Nordmann (Thomas Gottschalk) von seinem Radio mit Nachrichten über die neueste Schönheitsoperation von Michael Jackson und den 75- Geburtstag von Boris Becker geweckt wird (man ahnt da schon, dass „Ambition und Fantasie“ dann doch nur in mikroskopischen Dosen vorhanden waren), sich dann per Fernbedienung einen Hamburger macht, das Bett zusammenfalten und von einem kegelförmigen Helm die Morgenhygiene besorgen lässt. Mit einem an einen Golfwagen erinnernden Gefährt begibt er sich an die Arbeit im Patentamt, wo ihm und seinem Kollegen Prielmayer (Helmut Fischer) der fiese Chef Dr. Kneitz (Georg Marischka) im Nacken setzt. Die neueste Erfindung eines nervtötenden Dauerkunden (Jochen Busse), eine Zeitmaschine, bringt Nordmann und Prielmayer auf eine Idee: Sie wollen nach Gran Canaria ins Jahr 1988 reisen, wo Kneitz einst gezeugt wurde, und seine Mutter am Beischlaf hindern. Weil die Zeitmaschine aber immer alle Menschen erfasst, die gerade anwesend sind, nehmen sie aus Versehen auch die Reinigungskraft Ronny (Michael Winslow) mit, der zur falschen Zeit den Raum betritt. Auf Gran Canaria angekommen, machen sie eine schöne Brünette (Deborah Shelton) als Kneitz‘ Mama aus, an die sich Nordmann sofort ranschmeißt. Der Plan scheint also voll aufzugehen, doch was die Zeitreisenden nicht wissen, ist dass ihnen eine Verwechslung unterlaufen ist: Am Ende ist ihr Chef ein Schwarzer, der Ronny wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Höhö.

Schon der erste Teil nutzte seine lieblos hingeklöppelte Geschichte nur als fadenscheiniges Alibi für mehr oder weniger zusammenhängende Sketche, die dummerweise selten lustig waren. Im zweiten Teil wird diese „Erfolgs“-Strategie beibehalten, mit dem Unterschied, dass nun auch die Prämisse komplett idiotisch ist. Die Freude über den Größenwahn, der nötig ist, um unter den gegebenen Vorzeichen tatsächlich eine Science-Fiction-Komödie zu machen, weicht schnell der Ernüchterung, wenn man merkt, dass andere Dinge wichtiger waren als wenigstens ein Hauch von visionärer Vorstellungsgabe. So beginnt der übliche haarsträubende, geisttötende Mumpitz bereits nach nur kurzer Exposition just in dem Moment, in dem die Protagonisten auf der Urlaubsinsel gelandet sind. Das Bedürfnis, sich der Epoche entsprechend zu kleiden, mündet in eine ausgedehnte Modenschau mit zum Erbrechen absurder Sommerkleidung, in der sich offenkundig nur Gottschalk wohlfühlte. Der Mann kann bekanntlich alles tragen und tut das ja auch. So läuft er dann während des restlichen Films rum wie ein gescheiterter Rhönradturner, der von der demenzkranken Mutter eingekleidet wird. Der Gipfel der Dreistigkeit ist, dass wir glauben sollen, er könne so tatsächlich die ziemlich leckere Deborah Shelton abgreifen, die ein paar Jahre zuvor noch in De Palmas BODY DOUBLE mitgewirkt hatte. Zu sehen, wie die selbstverliebte Supernase ihre in den Bikini gehüllten Gardemaße befingert, ist genug, um einem die Zornesröte ins Gesicht zu treiben. Ich bin mir sicher, dass bei Gottschalks hier zum Ausdruck kommenden Omnipotenzwahn noch nicht einmal Koks im Spiel war, was ihn noch unerträglicher macht, als er ohnehin schon ist. Und es ist bezeichnend, dass die US-Schauspielerin, sicherlich nicht die Größte ihres Fachs und wohl vor allem wegen ihres Aussehens bekannt geworden, ihre drei männlichen Kollegen in punkto Charme und Natürlichkeit nicht nur an, sondern gleich durch die Wand spielt. Die beste Szene des Films hat dann auch sie, gemeinsam mit einem gewohnt selbstironischen David Hasselhoff, was mir als Hauptdarsteller und Drehbuchautor zu denken gäbe. Winslow und Fischer machen sich auffallend rar und man möchte sie dazu beglückwünschen. Harald Leipnitz, dessen Urteilskraft ihn hier nach dem Vorgänger zum zweiten Mal im Stich ließ, hat dafür mein vollstes Mitleid, anders als die knapp eine Million verlorener Seelen, die sich vom Grauen des ersten Teils nicht hatten abschrecken lassen und auch für diese filmische Prostatauntersuchung ihre Karte an der Kinokasse lösten. Andererseits: Ich habe mir die DVD ja auch gekauft, ich dummes Schwein.

 

zaertliche_chaoten_dEine „romantische Komödie“, geschrieben von Thomas Gottschalk, das ist tatsächlich so krank und pervers, wie es sich anhört. Ricky (Thomas Gottschalk), Walker (Michael Winslow) und Schmidgruber (Helmut Fischer) fliegen vom Set des neuen Winnetou-Films – Hauptdarsteller: Pierre Brice, Regie: Harald Leipnitz –, wo sie als Old Shatterhand, Soundmann und Caterer versagt haben. Auf der Heimfahrt begegnen sie der Blondine Rosi (Dey Young), die völlig hilflos neben ihrem liegengebliebenen 2CV steht. Die drei sind sofort hin- und weggerissen von der dümmlich-netten Dame und machen ihr fortan den Hof, betrachten das gleichzeitige Buhlen als eine Art Wettbewerb, den sie vor ihr noch nicht einmal verheimlichen. Rosi schaltet mitnichten die Polizei ein, um sich die drei Stalker vom Leib zu halten, sondern findet ihr Verhalten offensichtlich ganz normal und sogar „süß“. Nach einer gemeinsam durchsoffenen Nacht, bei der die Freunde eine Art „Nichtangriffspakt“ abschließen, heuern sie im Schlosshotel am Wörthersee an, wo sie bald eine Nachricht von ihrer Holden bekommen: Sie ist schwanger und hat keine Ahnung, wer der Vater ist. Die Drei entscheiden, Rosi bis zur Entbindung gemeinsam zu unterstützen, dann soll der Schuldige für den „Vertragsbruch“ von den beiden anderen verdroschen werden. Doch bis dahin sind noch viele Hürden zu nehmen, weil unqualifizierte Vollhonks auf dem Arbeitsmarkt nicht gerade gefragt sind …

ZÄRTLICHE CHAOTEN ist, wie oben erwähnt, der (gleichermaßen spektakulär wie kläglich gescheiterte) Versuch einer leichten romantischen Komödie, der deutlich von dem französischen 85er-Erfolgsfilm TRES HOMMES ET UN COUFFIN inspiriert ist (dessen US-Remake THREE MAN AND A BABY im selben Jahr wie ZÄRTLICHE CHAOTEN in die deutschen Kinos kam). Dem traditionellen Rollenverständnis und dem Schmelz dieses Genres setzen Gottschalks analphabetisches Drehbuch und Gottliebs mechanistische Regie aber ein geradezu soziopathisches Liebesverständnis und puren Autismus entgegen, der die Sexfilme eines Jürgen Enz wie aufrichtige Sozialdokumentationen erscheinen lässt. Wie die drei Hauptfiguren vom Fleck weg ihr Herz an diese durch und durch langweilige Person verschenken, dann miteinander in einen offenen Wettbewerb um sie treten, bei dem die Auserwählte, überglücklich über die Zuneigung dreier verhaltensgestörter Komplettversager, auch noch mitspielt, ist schon befremdlich genug, aber die typischen LISA-Film-Beigaben setzen dem ganzen noch die Kotkrone auf. Mit dem „Umzug“ ins bekannte Schlosshotel beginnen die episodischen Zoten mit ihrem berückend simplizistischen Humor, den popkulturellen Referenzen – der damalige Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff ist Teil einer besonders blöden Slapstick-Nummer – und den wahllos hineingeworfenen Gimmicks. Der beste Wortwitz ist Gottschalks Kommentar zu einem alten Paar Turnschuhe, das er im neuen Quartier der Freunde findet: „Turnschuhe gebraucht, Marke: Gorgonzola“. Aber was will man auch von einem Film erwarten, der ein One-Trick-Pony wie Michael Winslow zu seinem „Star“ macht? Der Amerikaner hatte seine Masche 1987 bereits in vier POLICE ACADEMY-Filmen ausgereizt und darüber hinaus nicht viel zu bieten. Neben einem Antischauspieler wie Gottschalk sieht er freilich immer noch wie die schwarze Reinkarnation Robert DeNiros aus, aber das Lustigste an ZÄRTLICHE CHAOTEN ist eigentlich der indignierte Gesichtsausdruck von Helmut Fischer, der mit zunehmender Resignation vergeblich versucht, seine Würde zu bewahren.

Die finale Pointe schlägt dem Fass dann endgültig den Boden aus: Es stellt sich heraus, dass die brave Rosi in jener alkoholberauschten Nacht mit ihren drei Verehrern nicht etwa nur von einem, sondern gleich von allen dreien begattet wurde. Mit viel Goodwill könnte man das ja als Ja zu einem nicht-traditionellen Familienbild und zur polygamen Beziehung werten, aber damit täte man diesem Film, bei dem Harry Nilssons anästhesiertes Liebesbekenntnis „Without you“ in Dauerschleife rotiert, entschieden zu viel des Guten. Man weiß nicht, ob die Masterminds hinter dem Film schier zu blöd waren, um die eindeutige Implikation hinter ihrem genialen Plottwist zu bemerken, oder ob nicht doch eher Gottschalks eigenes höchst konservatives Rollenbild dahintersteckt: Für die Dreifach-Befruchtung einer betrunkenen Frau durch drei verschiedene (miteinander befreundete) Männer in einer Nacht hätten Rechtsanwälte sicherlich einen passenden strafrechtlich relevanten Begriff parat, der ironischerweise auch beschreibt, was ZÄRTLICHE CHAOTEN mit dem Zuschauer anstellt. Kein Wunder, dass das Offensichtliche nicht ausgesprochen wird, denn in Rosis dumpfer Dankbarkeit, Empfänger eines lupenreinen Gangbangs geworden zu sein, spiegelt sich ja auch die schafherdengleiche Blödheit des deutschen Publikums, das in Scharen ins Kino rannte und dafür sogar mit einer Fortsetzung belohnt wurde. ZÄRTLICHE CHAOTEN ist so vollkommen idiotisch und bescheuert, dass man ihn sich als Bewohner dieses Landes wenigstens einmal angesehen haben muss. Empfindsame Seelen sollten jedoch Abstand von der Sichtung nehmen oder sich dafür wenigstens qualifizierten Beistand suchen.