Mit ‘Michel Jacot’ getaggte Beiträge

bullenkloster_dasDie wenigsten Filme brauchen ein Sequel, und die Zahl von Sequels, die besser sind als ihr Vorgänger, ist wahrscheinlich noch geringer. Vielleicht markieren LASS JUCKEN, KUMPEL! und LASS JUCKEN, KUMPEL II. TEIL: DAS BULLENKLOSTER (im folgenden schlicht DAS BULLENKLOSTER genannt) zwei goldene Ausnahmen von diesen Regeln. Machen wir uns nichts vor: Ganz sicher hätte es DAS BULLENKLOSTER nie gegeben, wenn seinem Vorgänger nicht so ein bahnbrechender Erfolg an der Kinokasse beschieden gewesen wäre: Satte vier Millionen Zuschauer beschertem den Sexfilm um eine Gruppe von immergeilen Malochern im Pott eine Goldene Leinwand. Heute absolut undenkbar. Und genauso sicher existierte kein Plan, die Geschichte des Bergarbeiters Heiner Lenz (Michel Jacot) über mehrere Teile zu strecken. Man kann sich somit ganz sicher darüber streiten, inwiefern die Fortsetzung zum Erfolgsfilm tatsächlich notwendig gewesen ist. Aber meines Erachtens ist das hinfällig, weil es Franz Marischka im zweiten Teil besser als im Vorgänger gelungen ist, eine homogene Stimmung und so etwas wie ein Thema herauszuarbeiten. Er profitiert massiv davon, dass Personal und Setting bereits etabliert sind, er sich nicht mehr lange mit der Einführung (höhö) aufhalten muss und stattdessen gleich in medias res gehen kann. (Vielleicht liegt der Fall aber auch ganz anders und lediglich ich benötigte erst etwas Anlauf, um mithin erst beim zweiten Teil voll auf der Höhe des Geschehens zu sein.)

DAS BULLENKLOSTER beginnt mit maroder Ruhrgebietstromantik: graue Betonfassaden, grauer Himmel, irgendwo ragt immer ein Förderturm in den Himmel wie ein Mahnmal. Es ist der Blick Heiners aus dem Fenster eines Busses auf dem Weg zu einem noch unbekannten Ziel. Dann hält der Bus, der Fahrer bezeichnet die Station als „Bullenkloster“ und Heiner steigt aus. Eine ältere Frau fragt den Fahrer, was das denn sei, ein Bullenkloster, und der erzählt ihr in Ruhrgebietsmundart, dass es sich dabei um ein Ledigenheim handle, ein Haus, in dem alleinstehende Männer wie in einem Kloster leben, also ohne Frauen, und daher immer geil wie die Bullen seien. Die Frau ist empört über diese grobe Beschreibung, während der Zuschauer bereits versucht, sich ein Bild von jener nach altem Schweiß und getrocknetem Sperma riechenden Tristesse zu machen, die das „Bullenkloster“ wahrscheinlich beherbergt. Vor Ort angekommen, trifft Heiner gleich einen alten Bekannten: Opa Wagner (Willy Krause), sein alter Nachbar, hat nach dem Tod seiner Ehefrau eine Bleibe und einen neuen Beruf als Hausmeister im Ledigenheim gefunden. Von ihm auf seine Ex-Frau Gisela und seinen Sohn angesprochen, reagiert Heiner gereizt: Er will von ihr nichts mehr hören. Auf seinem kleinen Zimmer bekommt er sofort Besuch von Lucky (Rinaldo Talamonti), der in der Kantine des Bullenklosters arbeitet, dort für 80 Mark ein Zimmer – später sehen wir: es ist kaum mehr als ein Verschlag – bezogen hat und ihm erzählt, dass auch der alte Kollege Kaltofen (Hans-Henning Claer) hier wohnt. Lucky lenkt Heiners Aufmerksamkeit auf die Putzfrau Trudi (Helga Bender), die den türkischen Gastarbeitern beim Putzen tiefe Einblicke bietet, sich danach durch das Schlüsselloch vergewissert, die entsprechende Wirkung bei ihnen erzielt zu haben. Luckys Ausführungen zufolge ist die ganze Belegschaft geil auf Trudi, die aber niemanden heranlasse; eine Aussage, die den Ehrgeiz Heiners weckt, der keine zehn Minuten später schon über Trudi drübergerutscht ist.

In der Kantine trifft er später noch einige Türken, mit denen niemand so recht etwas anzufangen weiß, sowie Erwin Kutter (Johannes Buzalski), der zur Freude aller Anwesenden die alte Geschichte erzählt, wie er von der Napola kommend mit „Adolf“ und „Hermann“ zu Abend gegessen habe. So geht das weiter: Nach dem Wiedersehen mit Kaltofen beschließen die beiden, zusammen einen saufen zu gehen und landen schließlich in dem Striplokal „Zum schwarzen Ferkel“, dessen Besitzer sich als der alte Kumpel Georg (Walter Kraus) herausstellt. Auch er hat sich von seiner Gattin getrennt und ist nun mit dem Star seines gammeligen Etablissements liiert, der französischen Tänzerin Minouche (Julia Thomas), die er den besoffenen Gästen ankündigt wie einen Weltstar. Es entspinnt sich im Folgenden vor allem aufseiten von Lucky und Kaltofen ein zähes Ringen um die Gunst von Trudi: Kaltofen lässt sich zu einem Boxkampf überreden, bei der er sich als echter Kerl erweisen will (und verliert), Lucky will die flatterhafte Person nach einem bedeutungslosen Sexerfolg sogar heiraten. Und Heiner treibt indessen von einem flüchtigen Abenteuer zum nächsten, ohne jemals wirklich Feuer zu fangen. Am Ende trifft er Gisela (Anne Graf) wieder und beide zeigen sich wenig glücklich mit ihrem derzeitigen Leben. Der freudige Blick des gemeinsamen Sohnes beim Wiedersehen mit dem Papa, lässt beide den Entschluss fassen, wieder zusammenzuziehen.

Was ein Happy End sein könnte und sollte, bietet nach 90 Minuten voller gescheiterter und bindungsunfähiger Existenzen, angesiedelt in einem krankmachenden Milieu ohne Aussicht auf Besserung, nur wenig Raum zur Freude. Das Vertrauen in Heiner und Gisela ist arg beschädigt, es scheint unwahrscheinlich, dass sie sich so fundamental verändern, wie es nötig ist, um eine gute Beziehung zu führen, zumal sich an den äußeren Rahmenbedingungen ihrer Existenz rein gar nichts geändert hat. Wie schon im Vorgänger wird die Arbeit im „Pütt“, im Bergbau, als eine Art Sucht beschrieben, von der die Kumpel nicht loskommen, auch wenn sie sie zugrunde richtet. Diese Sucht, das Nicht-Loskommen und das Gefangensein in den Zuständen, ist das Thema des Films, das ihn trotz aller vorgegaukelten Heiterkeit zu einer solch desillusionierenden, deprimierenden Erfahrung macht. Im Zentrum des Ganzen steht natürlich das Bullenkloster, eine fast schon absurde Einrichtung, in der sich die ganze Unmenschlichkeit von Industrialisierung und Kapitalismus spiegeln. Auf engstem Raum in schmucklosen Zimmern zusammengepfercht, bleibt den hier lebenden Männern nichts anderes übrig, als zu saufen, zu rauchen, zu zocken und zu wichsen. Kein Wunder, dass sich die beiden einzigen Frauen des Etablissements, Putzfrau Trudi und die junge Kantinenaushilfe Evelyn (Marisa Feldy), vor den Avancen der ausgehungerten Männer kaum retten können. Sex, das zeigt DAS BULLENKLOSTER sehr deutlich, ist eine Waffe, die sich das System hier ganz gezielt zunutze macht. Das Aushungern im Bullenkloster gehört genauso dazu wie das Anteasern im direkt nebenan gelegenen Striplokal, in dem die Männer sich gegen Bezahlung ihr Vergnügen erkaufen können, um sich kurzfristig abzureagieren. Es wird alles getan, die Männer bei der Stange, aber ebenso an der kurzen Leine zu halten, um sie nicht zu verlieren.

Ich würde nicht so weit gehen, DAS BULLENKLOSTER als kapitalismuskritischen Film zu beschreiben. In seiner ökonomischen Verteilung von Sexszenen bedient er sich ja einer ganz ähnlichen Strategie, wie das System, dem die Kumpel unterworfen sind. Aber umso erstaunlicher ist es, zu welchen Einsichten er verhilft. Die Schauspieler, allen voran Jacot, Claer und Talamonti, aber auch die Nebendarsteller wie die genannten Buzalski, Kraus und Krause, leisten Beachtliches und sind gerade deshalb so überzeugend, weil ihnen der Blick für das große Ganze wahrscheinlich genauso abgeht wie ihrem Regisseur Marischka. Es ist auch ihre Blindheit gegenüber der bleiernen Schwere, mit denen ihre Charaktere am Boden gehalten werden, die DAS BULLENKLOSTER zu einem so außergewöhnlichen, eigenständigen und überzeugenden Vertreter des deutschen Films irgendwo in der Grauzone zwischen Sexklamotte und Arbeiterdrama machen.

 

 

Der Anfang ist richtig toll: Der Bergarbeiter Heiner Lenz (Michel Jacot) läuft da morgens durch die Ruhrgebietstristesse zur Arbeit, die Pappe schon früh am Tag bereits total auf, wie man seinem gereizten inneren Monolog entnehmen kann. In der schnoddrigen regionalen Mundart beklagt er sich über das schmerzende Kreuz, den kaputten Magen, das Sodbrennen, die beschissene Maloche, den klammen Geldbeutel und das auf dem Nullpunkt angelangte Liebesleben mit der Gattin Gisela (Anne Graf) und kommt über diesen Umweg unweigerlich bei dem an, was das Leben noch erträglich macht, zumindest vorübergehend – das Saufen. Eine Rückblende zögert seine Einkehr in der Pinte seines besten Freundes Georgie (Walter Kraus) aber noch ein wenig hinaus. Der Versuch, sich der Gattin zärtlich zu nähern, wird vom Klingeln des Postboten unterbunden, der einen unangenehmen Brief bringt. Wegen sich häufender Fehlzeiten – Bandscheibe – wird Heiner der Lohn gekürzt. Ein grausamer Kreislauf aus Maloche, Krankheit, Frustration und Armut, dem zu entkommen ihm auch die nötige Bildung fehlt. Dann also: Pinte, Frust wegsaufen, und dem ausbeuterischen Obersteiger Eichel (Marcel Nissimoff) die Meinung geigen. Das Wissen über dessen berufliche Verfehlungen bringt Heiner die alte Anstellung zurück, auch wenn sein Arzt ihm eigentlich dringende Schonung verordnet hat.

Franz Marischka erweckt in den ersten zehn Minuten nicht nur den Eindruck, er habe wirklich etwas zu erzählen, sondern auch, als nehme er eine Haltung zu seinen Charakteren ein, die über jene ausbeuterische des fiesen Eichel hinausginge. Der Auftakt von LASS JUCKEN, KUMPEL! suggeriert eine Vielzahl von Geschichten hinter den verschiedenen Gesichtern und den braungrauen Häuserfassaden, eine Tiefe der Figuren und eine hohe Authentizität in der Milieubetrachtung, ein Feingefühl und eine erzählerische Vision, die ich von diesem Film zunächst nicht unbedingt erwartet habe. Leider enttäuscht Marischka an diese Andeutungen geknüpfte Erwartungen im Folgenden weitestgehend und konzentriert sich stattdessen auf ein sexfilmtypisches Kommen und Gehen letztlich folgenloser Nümmerchen, die kaum noch durch einen erzählerischen roten Faden, allenfalls durch das Setting zusammengehalten werden. Heiner will es mit Gisela, kann aber nicht so, wie sie es gern hätte. Gisela mag es häufig, weshalb sie jede sich bietende Gelegenheit wahrnimmt, etwa mit Fritz (André Eismann), einem aus der DDR rübergemachten Amateurfußballer, der bei dem alten, den Lenzens nur wenig wohlgesonnenen Ehepaar Wagner im Erdgeschoss zur Untermiete wohnt. Georgie, ehemals Berliner Polizist, der für die Nummer mit einer Prostituierten aus dem Dienst entlassen wurde, will es mit allen, nimmt Heiner auch mal mit in einen Privatpuff, ist ebenfalls scharf auf dessen Ehefrau und außerdem auf die minderjährige Aushilfe Ute. Seine Frau Rosemarie (Elke Boltenhagen) wiederum wird von dem heißblütigen Italiener Lucky (Rinaldo Talamonti) umgarnt, dessen unermüdliche Manneskraft sich angeblich daraus speist, dass er Wein statt Bier trinkt. Diese kurze Aufzählung des Personals dekliniert Marischka dann in allen möglichen Paarungen durch. Sein Milieu, das einen wunderbar unverbrauchten Kontrast zu den unzähligen Lederhosen-Sexfilmen jener Zeit bildet, verkommt trotz attraktiver Abbildung von maroder Industrieromantik zur Kulisse, die nicht weiter erkundet wird, und auch die inneren Monologe, in die seine Figuren immer wieder verfallen, sind weniger Beleg für eine auszulotende Tiefe, als für die Unbeholfenheit von Drehbuch und/oder Inszenierung. Besonders augenfällig wird das am Ende, wenn wie aus dem Nichts das Drama in Form eines Arbeitsunfalls Heiners zuschlägt, sich jedoch nach nur einer Szene genauso unvermittelt wieder in Wohlgefallen auflöst. Oder steckt doch mehr dahinter?

Wie viele dieser nach traditionellem Verständnis von filmischem Erzählen als Mängel zu bezeichnendne Unzulänglichkeiten aus der „literarischen“ Vorlage von Hans Henning Claer stammen, der auch eine Nebenrolle als Zechenkumpel absolviert, kann ich nicht beurteilen, sicher scheint mir aber, dass seiner Milieukenntnis die Einblicke in den Zechenalltag und die Mundart der Kumpel entspringen: Claer wusste wovon er schrieb und war selbst Bergmann gewesen (außerdem Boxer und Polizist). Und vielleicht ist die oben bemängelte wenig gebügelte, letztlich anscheinend hinter den Möglichkeiten bleibende äußere Form von LASS JUCKEN, KUMPEL! ja auch nur der kongeniale Ausdruck für das Leben der Kumpel. Die fahrige Art von Marischkas Film, in dem sich die tollen und die blöden Momente abwechseln, ein schlüssiger Gesamtentwurf immer wieder durch möglichst „aufregende“Sex-Episödchen torpediert wird, spiegelt, wenn man so will, auch das ziel- und perspektivlose Leben seiner Protagonisten wider, für die die einzigen Lichtblicke in einem ansonsten wenig beglückenden Leben die gelegentlichen Schäferstündchen und das Saufgelage im Kreise der Kollegen sind. Für große Lebensentwürfe ist da längst kein Platz mehr.

SexSpelunkeVonBangkokA1Man kann eine Reise ganz unterschiedlich begehen: Im Vorfilm GESCHÄFTLICHE REISE ZUR ERHOLUNG IN AFRIKA zeigen distinguierte Geschäftsreisende in Südafrika, wie man eine von Apartheid und Rassismus gepeinigte Nation besucht und trotzdem gut gelaunt bleibt. Nach getaner Arbeit fliegen sie auf Kosten des Gastgebers mit dem Flugzeug übers Land und lassen sich dabei von einer unermüdlichen Reiseleiterin erklären, was sie aus höchster Höhe an vermeintlichen Sehenswürdigkeiten zu bestaunen haben. Abends geht es zum Empfang beim wohlhabenden Firmenchef, der während eines ausufernden Diavortrags anpreist, was noch nicht genug gepriesen wurde: Traumstrände, Tierleben, Naturschönheiten. Wie gut, dass man von unbeachteten schwarzen Dienern, Caddys und Kellnern jederzeit gut versorgt wird und so Hände, Augen und Ohren frei hat, um alles aufzusaugen. Die naheliegende Frage, ob der Wirtschaftsboss sich seine Bemühungen vom Fremdenverkehrsamt bezahlen lässt, stellt niemand. Woher GESCHÄFTLICHE REISE ZUR ERHOLUNG IN AFRIKA kommt und wann er entstanden ist, lässt sich (noch) nicht nachvollziehen. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um einen Imagefilm handelt, den der Staat Südafrika vermutlich in den Fünfziger- oder frühen Sechzigerjahren in Auftrag gegeben hatte, um ausländische Geschäftsleute ins Land zu locken. Die deutsche Tonspur – ein Voice-over, der in den ersten Minuten nebem dem Originalton zu hören ist – ist von jener staubtrockenen Redseligkeit und zugeknöpften Euphorie, die den euphorischen Superlativ zur offiziellen Amtshandlung erhebt. Noch die letzte Banalität wird in blumigen, aber niemals wirklich überschwänglichen Worten besungen, immer kommt jene typisch deutsche Unfähigkeit zum Vorschein, irgendetwas als selbstverständlich annehmen zu können, darauf zu verzichten, es in menschliche Wertkategorien zu pressen. Und wenn ein Bergmassiv beschrieben wird und das Bergsteigen als attraktive Freizeitmöglichkeit, so darf die sich bietende Gelegenheit, den Wert der „Kameradschaft“ zu besingen, keinesfalls ausgelassen werden. Solchermaßen zugeschwallt, verabschieden sich die Geschäftsleute mit der festen Absicht, wiederzukommen, und vollgepackt mit Souvenir-Dias, die zum Abschluss auch vom Gastgeber bewundernd abgesegnet werden.

Wie anders nimmt sich gegen diese brave Bildungsbürgerbegeisterung die Protagonistenschar aus Erwin C. Dietrichs (unter dem Pseudonym „Michael Thomas“ gedrehten) DIE SEX-SPELUNKE VON BANGKOK aus. Wie Wehrmachtspiloten fallen die notgeilen und vergnügungssüchtigen Teutonen in Bangkok ein, der Bumsbomber ersetzt die Stuka. Ein blondes Mädel fungiert als Reiseleiterin und Stewardess, zunächst sichtlich genervt von den überschäumenden Anzüglichkeiten, die von den virilen Samenschleudern wie aus der Stalinorgel geschossen über ihr herniedergehen, dann jedoch offensichtlich mürbe geklopft und willig. Erst einmal zeigt sie den Kumpels jedoch den heißesten Vögelschuppen in Bangkok, wo die liebevoll als „Schlitzaugen“ titulierten Damen ihnen die wildesten Wünsche erfüllen. Was sich für manchen vielleicht auf- und erregend anhören mag, gerät unter Dietrichs unmotivierter Regie leider zum weniger animierenden Trockengerödel in Zeitlupe. Wer sich ob des wirklich furchtbaren Rassismus, der den Film durchtränkt wie ein fettiger Kartoffelpuffer eine Serviette, oder der kompletten inszenatorischen Einfallslosigkeit des Gebotenen noch nicht hat abschrecken lassen, für den bedeutet spätestens der Blick auf trotz wildesten Georgels vollständig erschlaffte Pimmel die hormonelle Endlösung. Mit Bangkok-Archivmaterial auf knappe 60 Minuten gedehnt und in drei, vier Settings runtergekurbelt, endet der Film damit, wie die befriedigten Touris auf dem Heimflug nacheinander von der aufgegeilten Reiseleiterin durchgezogen werden. Nach dem Schlussgag, der noch eine zweite Dame an Bord auftreten und dann gleich blankziehen lässt, findet der filmische Tiefschlag dankenswerterweise ein Ende.

Ich muss fairerweise gestehen, dass DIE SEX-SPELUNKE VON BANGKOK mich am Ende eines aufregenden Tages irgendwie in der richtigen Stimmung erwischte. Leicht angetrunken und mit einer Koffeintablette versorgt, verfolgte ich das trübe Spektakel menschlicher Niedertracht und Ereignislosigkeit mit jener unschlagbaren Mischung aus Müdigkeit und herzflimmernder Erregung; völlig unfähig, einzuschlafen oder auch nur die Augen abzuwenden, wie festbetoniert im Kinosessel, saß ich da, von der nicht enden wollenden Wiederkehr des Immergleichen immer mehr an den Rand der Hysterie getrieben. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte der Film noch 30 Minuten länger gedauert. (Vermutlich dürften deutschsprachige Menschen heute noch nicht wieder in Thailand einreisen.) Ja, ich war fast ein bisschen enttäuscht, als DIE SEX-SPELUNKE VON BANGKOK dann doch noch das Ende fand, das wohl alle außer mir zitternd herbeigesehnt hatten. Ein zweites Mal muss ich ihn aber beim besten Willen nicht sehen. Ich bin zurück in den Händen der Vernunft und damit immun gegen die zweifelhaften Reize der SEX-SPELUNKE. Aber welche Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die Kopie dieses Machwerks aus der untersten Schublade in den prächtigsten Farben auf die Kongress-Teilnehmer herabstrahlte …

EDIT 18.09.2013: Der Verdacht bezüglich GESCHÄFTLICHE REISE ZUR ERHOLUNG NACH AFRIKA hat sich bestätigt.