Mit ‘Michele Lupo’ getaggte Beiträge

9o41stfgxelflc7dnnikGestern ist Bud Spencer gestorben. Ich erfuhr davon unmittelbar nach der Fußballübertragung und war glücklicherweise schon ein wenig angeschickert, sodass mich die Nachricht nicht mehr mit voller Wucht traf. Ich habe Angst gehabt vor diesem Tag, weil mir klar war, dass der Tod von Bud wie kein zweiter das endgültige Ende von Kindheit und Jugend signalisieren würde. Spencer hat mich mein ganzes Leben lang begleitet. Fotos von ihm in der BRAVO meines Onkels machten mich zum Fan, noch bevor ich einen Film von ihm gesehen hatte, sein PLATTFUSS RÄUMT AUF war bei der Wiederaufführung unter dem Titel BUDDY FÄNGT NUR GROSSE FISCHE 1982 der erste „richtige“ Spielfilm, den ich im Kino sah. Der Besuch von VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA ein paar Jahre später ist heute immer noch eine meiner schönsten Kinoerfahrungen und die ganzen Achtzigerjahre hindurch begleiteten mich Spencers Filme, die noch regelmäßig im Fernsehen ausgestrahlt und selbstverständlich mit dem Viderekorder aufgezeichnet wurden. Vor ein paar Wochen habe ich meiner Tochter DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS und eben VIER FÄUSTE vorgeführt und bei ihr hoffentlich den Grundstein für eine ebenso innige Liebe wie die meine gelegt. Bud Spencer war immer mehr als nur ein Schauspieler oder eine Filmfigur für mich: Er war ein Beschützer, ein Onkel, der zwar immer etwas mürrisch knurrte, wenn man von ihm in die starken Arme genommen werden wollte, aber trotzdem immer für einen da war. Dass Spencer in so vielen Filmen ein Kind zur Seite gestellt wurde, half immens, ihn zu einem meiner Helden zu machen, konnte ich mich so doch an seine Seite denken, mir vorstellen, wie er auch zu meinem Schutz die Fäuste schwang, mit mir zusammen „Grau, Grau, Grau“ sang oder auch nur seine lustigen Grimassen zog (über die er sich dann selbst immer am allermeisten zu freuen schien).

Aber da war noch etwas: Gerade in seinen Filmen mit Terence Hill füllte Spencer ja gerade nicht die Rolle des strahlenden Helden oder des gutmütigen Beschützers. Im Gegenteil war er dort ja immer der, der eigentlich auf seinen eigenen Vorteil bedacht war, sich aus allem Ärger, den er sich nicht selbst eingebrockt hatte, raushalten wollte. In den Trinity-Filmen war er der Ganove, der gern ein richtig rücksichtsloses Schwein gewesen wäre, aber immer wieder von seinem guten Herzen – an das sein Bruder wie kein anderer zu appellieren wusste – zurückgehalten wurde. Er war der Held wider Willen, ein Mann, der sich immer wieder gegen sich selbst entschied, um das Richtige zu tun. Diese Rolle erfüllte er nicht nur mit Bravour (all die Szenen, in denen er knurrend klein bei gibt, mit dem Schicksal hadert, dass er nicht ein anderer ist, und seinen Partner, dieses rechtschaffene Aas, verflucht), er zeigte damit auch, dass man kein leuchtender Wohltäter sein muss, um ein Held zu sein. Am Ende des Tages zählt, was man wirklich getan hat. Er war ein erreichbares Vorbild, auch wenn man nie so würde zuschlagen können wie er.

Ich musste gestern spontan noch LO CHIAMAVANO BULLDOZER schauen, wahrscheinlich mein liebster Solo-Film von Spencer, den ich seit meiner Kindheit schon unzählige Male gesehen habe. Ich kann den Film nahezu auswendig und werde von einer Woge nostalgischer Erinnerungen förmlich weggespült, wann immer ich ihn sehe. Ich bin also alles andere als objektiv, aber mein Gott, was ist das für ein wunderbarer Film! Alles was Kino sein kann, pure Traumerfüllung, und Spencer spielt nicht so sehr eine Rolle als vielmehr einen Mythos, eine Fantasie. Er kommt aus dem Nichts und seine bloße Anwesenheit scheint für die Jugendlichen des Films alles zu verändern. An ihm hängen sie ihre Wünsche auf, ihre Hoffnungen, ihre Träume, ihre Sehnsucht. Wie sie da am Zaun des Army-Sportplatzes stehen, ihm mit großen Augen und kaugummikauend dabei zuschauen, wie er den verhassten Amis eine Lektion lehrt: Dieses Bild ist ein perfekter Spiegel. Das bin ich, der da am Zaun steht, diesem stoischen Koloss bewundernd, der all das ist, was ich nicht bin, aber so gern wäre.

Ich werde dich vermissen, Mücke. Ruhe in Frieden.

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3ts22jvfmxmwes3424dcvdqomujEs kommt zusammen, was zusammengehört: Dank der dritten Ausgabe des Terza Visione und dieses Films hält nun auch nach viel zu langer Zeit der italienische Sandalenfilm, der so genannte Peplum, endlich Einzug in dieses Blog, und dies, gewissermaßen als Wiedergutmachung für diese lange Wartezeit, mit einem besonders erlesenen Vertreter des unübersichtlichen Genres. Der Peplum, eigentlich benannt nach einem antiken Kleidungsstück, war nicht nur ein wichtiger Bestandteil des italienischen Genrekinos, sondern auch meiner Kindheit. Es gab drei Fernsehsender, die zur besten Sendezeit um Viertel nach Acht tatsächlich noch Filme zeigten, die älter als zehn Jahre waren, nicht aus den USA stammten oder mit dem langweiligen Gütesiegel „Klassiker“ daherkamen. Und im Jahr 1982, als ich meine Einschulung erlebte, da gab es auf ARD oder ZDF eine ganze Reihe mit Peplums, die um 20:15 Uhr gezeigt wurden. Ich erinnere mich noch gut an die Ausstrahlung eines Ursus-Films oder an Duccio Tessaris ARRIVANO I TITANI, dessen deutscher Titel KADMOS, TYRANN VON THEBEN einem Prinzip folgte, nach dem etliche dieser Filme in Deutschland betitelt wurden. Für ein Kind waren diese Filme wie gemacht: Es gab einen muskelbepackten Helden, finstere Tyrannen mit bösen Plänen, schöne Prinzessinnen, die gerettet werden wollten, jede Menge Schwertkämpfe und Keilereien und manchmal auch Monster und Sagengestalten. Kein Wunder, dass ich mich in den Peplum verliebte und diese Filme am nächsten Tag Gesprächsthema Nr. 1 auf dem Schulhof waren: Selbst, wenn ich sie aufgrund meiner verordneten Zubettgehzeit nie zu Ende sehen konnte. Aber wie das so ist: Irgendwann kamen dann andere Filme und mit ihnen auch die Ansicht, dass vergleichsweise billige italienische Abenteuerfilme aus den Sechzigerjahren irgendwie albern seien. Und als die Wiederentdeckung des italienischen Genrekinos in den Neunzigern anstand, da waren es einfach andere, vielleicht auch weniger unschuldige Filme, die mich interessierten. Es wird Zeit für eine Wiederentdeckung, das heute klarer denn je.

Genug des Geplänkels: Michele Lupo, der später mit LO CHIAMAVANO BULLDOZER einen meiner absoluten All-Time-Faves und der besten Bud-Spencer-Filme überhaupt inszenierte, drehte 1965, als der Peplum schon in den letzten Zügen lag und in der Gunst der Zuschauer vom Italowestern überholt worden war, mit SETTE CONTRO TUTTI eine frühe Übung für die später mit Hill und Spencer so erfolgreich vermarkteten Prügelkomödien und einen Film, den man als spielerischen Abgesang auf das sterbende Genre betrachten kann. Es geht um einen römischen Zenturion namens Marcus Aulus (Roger Browne), der einen Putschversuch des schurkischen Morakeb (Erno Crisa) im fiktiven Land Aristea zu verhindern sucht, dabei aber in Gefangenschaft gerät und sich in der Arena, in der er eigentlich im Kampf sterben soll, mit den anderen Gladiatoren verbündet. Es folgt der gemeinsame Kampf gegen die Unterdrücker, die natürlich auch Assuer (Josí Greci), die schöne Tochter des Königs Krontal (Carlo Tamberlani), gekidnappt haben. Wichtiger als diese nur ein Gerüst bietende Handlung ist aber die nicht enden wollende und mit laufender Spielzeit immer frenetischer werdende Abfolge absurder, meist komischer Kämpfe, Keilereien und Albernheiten, als die sich die Mission der glorreichen Sieben entfaltet. Immer mit von der Partie, wenn es darum geht, den Finstermännern den Arsch zu versohlen oder den Kollateralschaden beiseite zu räumen, um Platz für neue Niederschläge zu schaffen, ist Goliath (Arnaldo Fabrizio), ein Kleinwüchsiger, der das quirlige Comic Relief gibt und Anlass für heutzutage herrlich politisch unkorrekten Humor gibt. Der Schauspieler wird seine Rolle und die Kollegen vermutlich gehasst haben: Seine Körpergröße ist immer Thema und auch wenn er ganz entscheidend am Weiterkommen und dem finalen Triumph der Helden beteiligt ist, wird er von seinen „Freunden“ stets wie ein drolliges Haustier behandelt, von ihnen herumgeworfen, rumgereicht oder sonstwie gedemütigt. Es ist alles völlig unfassbar und das Publikum sah sich in dieser ersten Festivalnacht einem wahren Bombardement an Zwerchfellattacken und haarsträubenden Actionchoreografien ausgesetzt. Lust, Liebe und Ausgelassenheit lagen nicht nur in der Luft, sie hingen als adrenalin- und endorphingeschwängerte Dunstglocke über dem feiernden Kinosaal.

Als kleinen Schwachpunkt dieses ansonsten vollends umwerfenden Films hatte ich zunächst das Fehlen eines herausragenden Darstellers empfunden, aber rückblickend scheint mir gerade das ein genialer Schachzug Lupos gewesen zu sein: Die Sieben funktionieren als perfekte Einheit, aus der niemand wirklich heraussticht, und SETTE CONTRO TUTTI erweist sich damit in erster Linie als eine wie geschmiert laufende Unterhaltungsmaschine, als ein akribisch vorgeplantes Spiel der von Lupo geschickt dirigierte Elemente. In seiner konsequent durchgehaltenen Eskalationsdramaturgie erinnert SETTE CONTRO TUTTI ein wenig an elaborierte Kettenreaktionen und Dominoeffekte: Manchmal gibt es einfach nichts Schöneres, als dabei zuzusehen, wie Dinge geplant und nach fantasievollem Muster umfallen und ein Zwerg dazu vor Freude glucksend im Dreieck springt.

 

 

Der Fischer Mücke Schiffskapitän Buddy Graziano (Bud Spencer) läuft liegt mit seinem Schiff in einem kleinen Hafen ein, nachdem wo es von einem U-Boot beschädigt wurde zu seiner Überraschung von eifrigen Hafenarbeitern auseinandergenommen wird. Vor Ort liefern sich die dort stationierten US-Soldaten, angeführt vom großmäuligen Sergeant Kempfer (Raimund Harmstorf) Rosco Dunn (Kallie Knoetze), und eine Gruppe kleinkrimineller hoffnungsloser italienischer Jugendlicher Boxsportler, geleitet vom sympathischen Möchtegern-Trainer Jerry (Jerry Calà), erbitterte Schlägereien Grabenkämpfe. In einem Football-Match Boxkampf sollen die Fronten endgültig geklärt werden. Und Mücke Buddy, selbst ein ehemaliger FootballBox-Profi, mit dem Kempfer Dunn noch eine offene Rechnung hat, nimmt sich des hoffnungslosen italienischen Haufens wie aus dem Nichts auftauchenden Boxtalents Giorgio Desideri (Stefano Mingardo) an …

Wer mein Blog in den letzten Wochen fleißig verfolgt hat, dem dürfte der obige Absatz samt der gestrichenen Passagen bekannt vorkommen: Es handelt sich um eine nur geringfügig abgeänderte Version meiner Inhaltsangabe zu LO CHIAMAVANO BULLDOZER, von dem BOMBER, wie man nun unschwer erkennen kann, eine Art Remake, wenn nicht gar eine nur leicht modifizierte Kopie ist. Der Footballsport wurde von Michele Lupo, der auch das Vorbild inszenierte, lediglich durchs Boxen ersetzt, was zugegebenermaßen zwar einige weitere Abweichungen nach sich zieht, die schlicht und einfach dadurch begründet sind, dass Football eben eine Mannschafts-, Boxen aber eine Einzelsportart ist, am groben Plotverlauf aber nichts Wesentliches ändert: Wieder nimmt sich der legendäre Ex-Profi, der aus zunächst undurchsichtigen Gründen einst seine Karriere beendete und Entsagung schwor, eines hoffnungslosen Haufens untalentierter Träumer an und führt sie zum Sieg gegen den amerikanischen Feind, der zufällig auch sein ganz persönlicher Feind ist. Der Gegner hält nichts von Fair Play und so ist der Ex-Profi gezwungen, selbst Hand anzulegen und somit auch sein eigenes Trauma aufzulösen. BOMBER ist zwar durchaus unterhaltsam – nicht zuletzt wieder einmal aufgrund der krachigen Synchro -, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Frische und Energie, die das Original auszeichnete weitestgehend futsch ist. Außerdem funktioniert die Story mit einem Einzelsportler nicht ganz so gut, weil ein nicht unerheblicher Teil der zunächst eingeführten Loser-Figuren im weiteren Verlauf der Handlung zur Tatenlosigkeit verdammt und schließlich ganz fallen gelassen wird. BOMBER ist einfach in allen Belangen ein Stück schwächer als LO CHIAMAVANO BULLDOZER: Der Titelsong „Fantasy“ ist klasse, aber eben kein „Bulldozer“; Kalli Knoetze hat einen fantastischen Namen, ist aber kein Raimund Harmstorf; die Amis sind zwar böse, aber eben nicht so herrlich over the top wie zuvor; der rosafarbene Buggy von Trainer Jerry ist hübsch, der verrostete Kahn von Mücke war aber noch hübscher; des Weiteren ist Tauziehen kein adäquater Ersatz für Armdrückwettbewerbe und die Keilereien waren vier Jahre zuvor auch spritziger. Aber was hat man denn erwartet: Lupo hat BOMBER wahrscheinlich im Schlaf inszeniert, einige Gags, wie etwa den Spargeltarzan, der vor Aufregung aus seinem Hot Dog trinkt, aber in seine Cola beißt, übernimmt er der Einfachheit halber gleich eins-zu-eins und irgendwie ist der Film auch symptomatisch für eine Periode in Spencers Schaffen, in der es wohl in erster Linie darum ging, noch möglichst viel Kohle aus dem Star rauszupressen, bevor sich die Zuschauer abwenden würden, was dann ja zwei bis drei Jahre später passierte. Als Exploiter ist BOMBER natürlich gerade wegen seiner Recycling-Praxis  Gold wert …

Der Ganove Buddy (Bud Spencer) schlägt sich mit seinem Partner, dem trotteligen Indianer Adelrauge (Amidou), mehr schlecht als recht durchs Leben. Bei einem Überfall auf einen Zug erbeuten die beiden nicht mehr als den Werkzeugkoffer eines Arztes, sodass Buddy wenig später im Nest Yucca die Rolle des Mediziners übernimmt. Das Städtchen hat aber noch ärgere Probleme: Von dem Ganoven Colorado Slim (Riccardo Pizzuti) und seinen Schergen terrorisiert, ergreifen mehr und mehr Bürger die Flucht, der einst blühende Ort verfällt mehr und mehr. Doch mit dem neuen „Arzt“ wendet sich das Blatt …

Michele Lupo, einer der fleißigsten Arbeitgeber für Bud Spencer in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren, bescherte dem Star mit EINE FAUST GEHT NACH WESTEN nicht nur einen achtbaren Erfolg, sondern auch eine mehr als willkommene Rückkehr zu dem Genre, dem dieser seinen Ruhm entscheidend zu verdanken hatte. Aus den filmisch bestenfalls zweckdienlich inszenierten Spencer&Hill-Filmen der Spätphase ragt diese Italowestern-Parodie mit den berühmten andalusischen Westernsettings, den liebevoll designten Kostümen, der herrlichen Scope-Fotografie und dem treibenden, dramatischen Score, der den Zuschauer in die Blütezeit des Genres mitte der Sechzigerjahre zurückversetzt, weit heraus.  Zwar fungiert der Komiker Amidou hier als Partner für Spencer und als halbherziger Hill-Ersatz, doch lässt sich an OCCHIO ALLA PENNA trotzdem erkennen, dass Spencer zu dieser Zeit auf Hill weniger angewiesen war als jener auf ihn. Während Hill den straight man neben ihm brauchte, den er mit seinen Streichen in den Wahnsinn treiben konnte, kommt Spencer  sehr gut ohne Pausenclown zurecht. Obwohl optisch eher unflexibel und unbeweglich, verkörpert er einen Typen, der sich überall zurechtfindet, weil er sich perfekt anpassen kann. Wenn der ungebildete Gauner Buddy in OCCHIO ALLA PENNA also einen Magenkranken behandeln muss, ohne auch nur die geringste Ahnung von Medizin zu haben, bietet das auch ohne anwesenden Narren mehr als ausreichend Witz, den Lupo für seinen Film reichlich zu nutzen weiß.

Ich muss hier mal wieder ein Loblied auf Spencer anstimmen, denn niemand hatte diese stoische Art so gut drauf wie er, niemand wusste der seufzenden Resignation des gewohnheitsmäßigen Verlierers ein so sympathisches Gesicht zu verleihen. Spencer ist dem Zuschauer ja auch deshalb so nah, weil er ein Durchschnittstyp ist, jemand der sich versucht, irgendwie durchs Leben zu schlagen, dabei auf Widerstand in Form von Spott, Niedertracht, Missgunst oder eben einen unverschämten Sidekick stoßend, der sich einen Spaß daraus machte, den Finger immer wieder in die Wunde zu legen. Hill ist sich selbst stets genug und kann deshalb am Ende der gemeinsamen Abenteuer auch geflissentlich darüber hinwegsehen, dass die eigenen Taschen leer sind, während Spencer, dem das irdische Dasein eben nicht egal ist, daran verzweifelt. Es ist nicht nur die Schwerkraft, die ihn am Boden der Tatsachen hält. In seinen Soloauftritten bekommt man den Beweis, dass dieser Koloss zu mehr in der Lage ist, als die kugelrunde Zielscheibe für Hills Spott oder aber bloß dessen schlagkräftigen enforcer abzugeben. So auch hier: Wenn er am Ende, wo der Goldstaub die Luft von Yucca verdichtet und der Reichtum also förmlich zu greifen ist, wieder einmal die Flucht ergreifen muss, nur um sich dann – weil er nun endgültig die Schnauze voll hat vom Wegrennen – einem ganzen Indianerstamm entgegenzustellen, dann ist das nicht bloß ein erzählerisches Klischee. Es bringt in wenigen Sekunden zum Ausdruck, was in dieser Figur seit mehr als 15 Jahren langsam am schwelen war. Ein fantastisches Ende für einen wirklich schönen Film und eigentlich auch für die Persona Spencer.

Seit Sheriff Hall (Bud Spencer) den kleinen Außerirdischen H7-25 (Cary Guffey) bei sich aufgenommen hat, befindet er sich auf der Flucht vor dem Militär, das den Kleinen für Experimente haben will. Auf ihrer Reise durch die USA gelangen die beiden ungleichen Flüchtlinge schließlich in das Städtchen Monroe, das dringend einen neuen Sheriff braucht, um dem grassierenden Verbrechen Einhalt zu gebieten. Hall ist genau der Richtige für den Job, doch die Probleme werden größer, als feindliche Außerirdische landen …

Das Sequel zu DER GROSSE MIT SEINEM AUSSERIRDISCHEN KLEINEN stellt zwar inhaltlich eine logische Fortführung der begonnenen Geschichte dar, kann qualitativ aber nicht an den Vorgänger anschließen. Die Geschichte schleppt sich müde und nur wenig zielstrebig voran und der Niedlichkeitsbonus, den man Lupos erstem Teil noch zugestehen musste, ist verbraucht, ohne dass der Verlust adäquat ausgeglichen würde. Ein paar Details sind dennoch nett und seien hier erwähnt, um meinen Text auf eine einem Spencer-Fan angemessene Länge zu bringen (ich könnte wohl selbst zu SUPERFANTAGENIO seitenweise schwafeln).

Besonders beeindruckt hat mich ein weiteres Beispiel für die infantile Logik, der so viele Filme um Bud Spencer und/oder Terence Hill folgen. Als der kleine H7-25 mit seiner Basketball-Schulmannschaft gegen die Konkurrenz antritt, wird aus dem Nachbarschaftsduell via Tonspur – der Radiomoderator des Monroer Radiosenders kommentiert das Spiel aus dem Off – just in dem Moment das entscheidende Spiel um die Meisterschaft, als der Außeriridsche – obwohl eben erst in der Stadt angekommen bereits Kapitän seines Teams – den Siegpunkt erzielt. Ungereimtheiten wie diese lassen für mich den geradezu selbstvergessenen Enthusiasmus erkennen, mit dem diese Filme gemacht wurden: Was gefällt, wird ins Drehbuch aufgenommen, egal, ob es dem bis zu diesem Zeitpunkt bereits Geschriebenen widerspricht. Man sieht die Autoren beim Brainstormen förmlich vor sich: „Ja, und dann gibt es da ein Basketballspiel …“ „Ja, genau und H7-25 verhindert mit seinen Kräften einen Korb der Gegner!“ „Sehr gut, sehr gut, das gefällt mir. Und dann nimmt er den Ball …“ „Er sollte außerdem Kapitän der Mannschaft sein!“ „Jajaja, exakt, aber warte … Er nimmt also den Ball und dribbelt … Es sind nur noch ein paar Sekunden zu spielen … Und er macht den Siegpunkt!“ „Volltreffer! Aber weißt du was: Damit wird die Mannschaft Meister!“ „Du bist ein Genie! Wo nimmst du nur diese Ideen her? Hast du alles aufgeschrieben?“ „Na klar!“ „OK, weiter im Text!“ Genau so spielen Kinder. 

Hübsch ist auch das Ende, natürlich eine Keilerei: Hall gerät scheinbar in den Bann der Außerirdischen, wird von diesen ferngesteuert und in ihr Raumschiff geführt, wo sich aber herausstellt, dass er sie nur getäuscht hat. Seine Hiebe auf die armen außeriridischen Leiber – die interessanterweise mit Elektronik vollgestopft und also eigentlich genau genommen Cyborgs oder Roboter sind – lösen bei diesen pittoreske Fehlfunktionen und Störungen aus, sodass die Szenerie am Schluss von tanzenden, stotternden und sogar auf den Händen laufenden Schurken bestimmt wird. Die letzte Einstellung, die zeigt, wie Hall und H7-25 in einem kleinen Raumschiff durchs unbewegliche Weltall schweben, ist einfach nur herrlich in ihrer Fadenscheinigkeit und macht es mir schwer zu sagen, dass man diesen Film eigentlich nur als Komplettist sehen muss. Aber auch aus der Perspektive des Liebenden: eher schwach.

Sheriff Hall (Bud Spencer) plagt sich in seiner kleinen Gemeinde Newnan in Georgia mit einer regelrechten UFO-Hysterie herum, bei der sogar die Army unter der Leitung des verbissenen Captain Briggs (Raimund Harmstorf) mitmischt. Als sich Hall ein kleiner Junge (Cary Guffey) als H7-25 von einem fremden Planeten vorstellt, hält der das in seiner geduldigen Art für einen Scherz. Die Beweise, die der Junge ihm liefert, sind jedoch eindeutig und rufen schließlich auch Briggs auf den Plan, der jedoch nichts Gutes im Schilde führt …

Wieder einmal so ein Stück filmgewordene Kindheit DER GROSSE MIT SEINEM AUSSERIRDISCHEN KLEINEN habe ich bestimmt seit rund 25 Jahren nicht mehr gesehen, damals aber heiß und innig geliebt. Ohne Zweifel von Spielbergs Erfolg mit ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND beeinflusst, was sich schon in der Besetzung Guffeys zeigt, hat Lupo aber auch einen nahezu perfekten Film für präpubertierende Jungs gedreht, die sich nichts Schöneres vorstellen können, als Bud Spencer zum Kumpel und Beschützer zu haben. Spencers Filme zielten ja nicht selten auf diese Zielgruppe ab und wussten dem gutmütigen Brummbären immer wieder einen kleinen naseweisen Jungen zur Seite zu stellen, der ihn aus der Defensive lockte: Man denke an PIEDONE A HONGKONG, PIEDONE L’AFRICANO, PIEDONE D’EGITTO, BANANA JOE oder Spätfilme wie SUPERFANTAGENIO. In UNO SCERIFFO EXTRATERRESTRE gelingt die Verbindung vielleicht am besten, was letztlich bedeutet, dass man es mit einem lupenreinen Kinderfilm zu tun hat, der vom einen Spielberg-Film klaut, dafür aber den nächsten – E.T., THE EXTRA-TERRESTRIAL – andeutend vorwegnimmt. Mit erwachsenen Augen betrachtet, erschließt sich Lupos Film dann auch nicht mehr ganz so unmittelbar: Ich vermisste etwas den grellen Humor anderer Spencer/Hill-Filme und die Handlung ist dann doch recht vorhersehbar, der Spannungspegel auf nur mittlerem Erregungsniveau. Aber das heißt nicht, der Film habe mir nicht gefallen, im Gegenteil. Die geradezu rührend naiven Spezialeefekte, etwa das Vor- und Zurückspulen des Films, das mehrfach zum Einsatz kommt, öffnen einem schier das Herz und Lupo gelingen auch einige tatsächlich magische Momente: so etwa, wenn Hall H7-25 zum ersten Mal in einem nächtlichen Vergnügungspark begegnet, und letzterer mit seinem Photonenstrahl die leuchtenden Karusselle zum Laufen bringt, oder im letzten Drittel, wenn Hall erst in einer langen Zeitlupensequenz von Briggs mit einem Pfeil gelähmt wird und mit schwindenden Kräften versucht, die Schurken abzuwehren, sein Schützling dann aber schließlich doch entführt und in einem dunklen Schießstand verhört wird. Da geht einem das harmlose Filmchen plötzlich richtig nahe. Die Keilereien verkommen bei so viel Gefühl unverkennbar zur Nebensache, daran ändert auch Backpfeifengesicht Joe Bugner nichts, der hier einen reuigen Ganoven spielt, der dem Sheriff im Kampf gegen Briggs zur Seite steht. Ansonsten: Toller Song wieder mal von Maurizio und Guido De Angelis und viel, viel Nostalgie, für den, der’s braucht. Einfach schön.

Der Fischer Mücke (Bud Spencer) läuft mit seinem Schiff in einem kleinen Hafen ein, nachdem es von einem U-Boot beschädigt wurde. Vor Ort liefern sich die dort stationierten US-Soldaten, angeführt vom großmäuligen Sergeant Kempfer (Raimund Harmstorf), und eine Gruppe kleinkrimineller italienischer Jugendlicher erbitterte Schlägereien. In einem Football-Match sollen die Fronten endgültig geklärt werden. Und Mücke, selbst ein ehemaliger Football-Profi, mit dem Kempfer noch eine offene Rechnung hat, nimmt sich des hoffnungslosen italienischen Haufens an …

Wer die letzte Ausgabe der Splatting Image und den dortigen Artikel „10 Lieblingsfilme“ gelesen hat, weiß bereits, welche innige Bindung ich zu SIE NANNTEN IHN MÜCKE, wie er hierzulande so wunderschön hieß, habe. Er dürfte zu den von mir mit Abstand am häufigsten gesehenen Filmen zählen und die Wiedersehen, die ich alle paar Jahre zelebriere, arten immer zu nostalgischen Exzessen zwischen ungebremster Ferkelsfreude und bleischwerer Melancholie aus. Es ist zwar ein schnöder Allgemeinplatz, aber das ändert nix daran, dass Filme wie SIE NANNTEN IHN MÜCKE heute einfach nicht mehr gemacht werden und dass das einfach nur schade ist. Das populäre italienische Kino ist schon lange tot und die Kinos, die vor 30 Jahren noch gute Erträge mit Bud-Spencer&Terence-Hill-Filmen feierten, gibt es auch nicht mehr. Fort sind sie, die Zeiten, in denen die De-Angelis-Brüder als „Oliver Onions“ mit ihren schmissigen Popsongs die Hitparaden stürmten und Filme gleichzeitig vollgestopft waren mit Schlägereien und Kraftausdrücken und dabei trotzdem so naiv und unschuldig. Im direkten Vergleich mit dem zuletzt gesehenen PIEDONE D’EGITTO, der allein wegen der Synchro von Rainer Brandt sehenswert war, ist LO CHIAMAVANO BULLDOZER tatsächlich ein schöner Film, der nicht erst durch die Berliner Schnodderschnauze gerettet werden muss. Bud Spencer hat eine seiner schönsten Rollen als in sich gekehrter Aussteiger, der dann doch über seinen Schatten springt. Mit Schlaghose, Strickpulli und Kapitänsmütze sieht er toll aus und die etwas ernstere und weniger geschwätzige Anlage seiner Rolle kommt ihm sehr entgegen. Überhaupt Spencer: Er mag schauspielerisch limitiert gewesen sein, aber ich behaupte, dass kein anderer diese Rolle besser hätte spielen können (kein Kunststück allerdings, sie wurde ihm ja auch auf den voluminösen Leib geschrieben). Das gilt auch für Raimund Harmstorf, der den stets kurz vor der Explosion stehenden Sergeant mit ebenso viel Herzblut spielt und auch gleich die Synchro besorgt hat: Sein kurzatmiger bellender Tonfall, der wohl auch einen Heriatsantrag noch wie einen Befehl klingen ließe, ist alles. Brandt hält sich demgegenüber eher zurück, stellt sich weitgehend in den Dienst des Films, ohne allerdings ganz auf seine unnachahmlichen Kreationen zu verzichten: Über eine Pistole sagt Mücke etwa: „Mit so einer Sargbegonie schießt man nicht nur Löcher in den Käse.“ Und Kempfer bezeichnet seinen weißen Schlagstock als „bleichen Migränestift“. Wirklich zu Herzen geht aber die fast kindliche Logik des Films, der seine klischierten Plotelemente in Rekordzeit abspult, dabei aber nicht herzlos ökonomisch, sondern regelrecht märchenhaft wirkt. Das ist wohl auch der Schlüssel zum Verständnis dieser Filme: Es sind Märchenfilme. Sie zeigen eine nicht rosarote, aber doch sehr einfache Welt, in der ein Fausthieb nicht einen Rattenschwanz an Problemen nach sich zieht, sondern alles auflösende Klarheit bringt. Das tut auch heute noch gut. Und vielleicht ist es besser, den Zeiten von Bud Spencer und Konsorten via DVD-Sichtung hinterherzutrauern, als sich vorzustellen dass jemand heute anträte, die klaffende Lücke zu füllen. Bis zum nächsten Mal, Mücke!