Mit ‘Michelle Rodriguez’ getaggte Beiträge

Nach Sichtung der siebten oder sechsten Beitrags des derzeit wahrscheinlich erfolgreichsten Action-Franchises überhaupt, hatte ich mich – auch in Verteidigung der Filme, die von Kostverächtern leider immer noch gemieden werden, obwohl seit Teil 5 konstant Großes geleistet wird – zu der Aussage hinreißen lassen, dass es in ihnen „um Menschen“ gehe. Ich gebe zu, dass das eine großzügige Interpretation ist: Die coolen Bros und Sistaz um Dom Toretto (Vin Diesel) sind nun alles andere als facettenreiche Charaktere mit augefeilter Psychologie, zumindest wenn man die Maßstäbe eines Dramas an sie anlegt. Trotzdem bezog die Reihe ihren Charme ganz wesentlich aus dem Miteinander der Figuren, der Beziehung, die sie zueinander pflegten. Wie da immer wieder „Familie“ thematisiert wurde, mit der obligatorischen Versammlung zum Grillen am Schluss, bei dem „Papa“ Dom es sich nie nehmen ließ, das Tischgebet zu sprechen, war natürlich reichlich konservativ, die Männerkumpeleien und Broisms mitunter eher peinlich für Menschen, die sich auch mit Grausen an die „lustigen“ Späße in Gemeinschaftsumkleiden erinnern, aber innerhalb des F&F-Kosmos wirkte das Ganze eben echt, hatte die Betonung von Loyalität und Freundschaft etwas zutiefst Liebenswertes. Dieser Aspekt der Serie kulminierte mit dem Tod von Darsteller Paul Walker, der während der Dreharbeiten zum siebten Teil verunglückt war und in einer tränentreibenden Schlussmontage verabschiedet wurde. Das war nicht gerade zurückhaltend inszeniert, aber das überbordende Pathos fühlte sich dennoch ehrlich an. Das Franchise hatte einen plumpen Charme entwickelt, dem zumindest ich mich längst nicht mehr entziehen konnte.

Diese Entwicklung war nach einem holprigen Einstand nicht unbedingt zu erwarten gewesen (der lange Zeit beste Teil der Reihe, Lins TOKYO DRIFT, verzichtet gänzlich auf das heute nicht mehr wegzudenkende Figureninventar) – und der mittlerweile achte Teil wirft die Frage auf, wie lange der mit FAST 5 begonnene Lauf noch fortgesetzt werden kann. Für THE FATE OF THE FURIOUS nimmt F. Gary Gray auf dem Regiestuhl Platz, der bisher mit solider, aber auch etwas altmodischer Thrillerware auf sich aufmerksam gemacht hatte. Die Action ist nicht mehr ganz so elegant wie zuvor, dafür tatsächlich noch absurder: Der kreative Höhepunkt ist der Amoklauf hunderter von Cipher (Charlize Theron) per Computerhack übernommener Pkw, die nun wie eine blecherne Flutwelle fahrerlos durch die Straßen Manhattans jagen und schließlich sogar vom Himmel fallen; deutlich beknackter dagegen der Showdown, bei dem sich die Schnellen und Furiosen mit ihren Boliden auf dem russischen Packeis gegen ein Atom-U-Boot behaupten müssen, das sich unter ihnen befindet. Doms Special Move scheint es in diesem Film, bei rasendem Tempo mid-air aus seinen Fahrzeugen zu springen, ohne sich dabei auch nur eine Schramme zuzuziehen, am Ende überlebt er sogar die Explosion des besagten U-Boots, weil seine Wahlfamilie rechtzeitig eine Wagenburg um ihn herum aufbaut, die ihn vor der Feuersbrunst abschirmt. Is klar. Inhaltlich setzt Gray die Strategie fort, den Kreis der „Familie“ um einstige Kontrahenten zu erweitern: Nach dem FBI-Agenten Hobbs (Dwayne Johnson) gehört nun auch Deckard (Jason Statham) dazu, der zuletzt noch erbittert bekämpft worden war. Dahinter mögen in erster Linie kommerzielle Erwägungen stehen, aber während in den letzten Jahren selbst Kinderfilme immer wieder verlässlich auf Krieg und Konflikt hinauslaufen, finde ich es sehr schön, wie der kameradschaftliche Spirit von Doms Familie immer größere Kreise zieht.(Und Stathams Schwanzvergleich mit Johnson sind einer der Höhepunkte des Films.)

Leider ist THE FATE AND THE FURIOUS ein bisschen zu geschäftig, um von der beschriebenen Liebenswürdigkeit wirklich profitieren zu können. Alles wirkt etwas pro forma, hingeworfen. Gray hetzt von Set-Piece zu Set-Piece und der Film büßt dabei an Seele ein. Ich habe auch das Gefühl, dass der Verlust von Walker dem Franchise weitaus schwerer wiegt, als man das vielleicht angenommen hat. Neben dem immer etwas tumb wirkenden Diesel und den Karikaturen von Ludacris, Tyrese und Dwayne Johnson fungierte er nicht nur als Identifikationsfigur, sondern auch als Herz und Anker: Er war ganz wesentlich dafür verantwortlich, dass das Franchise bei aller PS-getriebenen Absurdität die Bodenhaftung nie ganz verlor. Ohne ihn fehlt etwas: THE FATE AND THE FURIOUS fühlt sich nicht mehr ganz so unverwechselbar an wie die Vorgänger, ohne den bisherigen Kontext ist die Action nur leerer Krawall, der zwar viel Spaß macht, aber auch relativ flüchtig an einem vorbeischießt. Mag sein, dass man der Meinung war, den Fans der Reihe ginge es in erster Linie um Autostunts, aber das wäre ein verhängnisvoller Fehlschluss. Ich hoffe, dass man für den kommenden Teil eine Lösung findet, wie man die durch Walkers Tod gerissene Lücke füllen kann.

Advertisements

Man kann gar nicht oft genug betonen, welches Wunder die Entwicklung der FAST & FURIOUS-Reihe bedeutet. Mit den vergangenen beiden Installationen avancierte das Franchise endgültig zum Actionphänomen, das derzeit keine Konkurrenz hat. In keiner anderen Reihe wurde und wird so beherzt das Gaspedal durchgetreten – bildlich wie wörtlich –, keine andere ist so ungebremst kreativ in der Konzeption ihrer größenwahnsinnigen Action-Set-Pieces, keine andere hat dabei aber gleichzeitig eine solche Bodenhaftung. Man kommt für die Highspeed-Zerstörungsorgien und bleibt wegen Dom Toretto (Vin Diesel), Brian O’Connor (Paul Walker), Letty (Michelle Rodriguez) und ihrer Crew, die eigentlich eine große Familie ist. Zu dieser Familie gehörte seit dem grandiosen dritten Teil THE FAST AND THE FURIOUS: TOKYO DRIFT auch Regisseur Justin Lin, der für die Entwicklung der Reihe vom potenziellen DTV-Stoff hin zum Box-Office-Giganten maßgeblich verantwortlich war. Dass er sich nach dem sechsten Teil verabschiedete und der nun nicht gerade actionerprobte und generell streitbare James Wan ihn ersetzen sollte, durfte durchaus skeptisch stimmen. Was ein herber Schlag schien, wurde jedoch noch überschattet vom tragischen Unfalltod des erst 40-jährigen Paul Walker: Nun werden Schauspieler in Sequels immer wieder durch andere ersetzt, das ist das Geschäft. Aber für die FAST & FURIOUS-Reihe, die doch ganz wesentlich über die natürlich gewachsene Chemie zwischen ihren Protagonisten und eine jederzeit authentisch wirkende Kameradschaft funktionierte, war der Tod Walkers eine mittlere Katastrophe, dazu geeignet, das ganze Unternehmen entgleisen zu lassen. Dass FURIOUS 7 der Film geworden ist, der er ist, ist kaum angemessen zu würdigen. Nicht nur setzt er in puncto Action noch einmal einen auf die auch schon nicht gerade zurückhaltenden Vorgänger drauf, er schenkt dem viel zu jung verstorbenen, endlos sympathischen Walker einen wunderbaren Abschied, der noch einmal deutlich macht, worin der eigentliche Erfolg der Serie besteht: in ihrer Menschlichkeit.

Sicher, die Protagonisten sind allesamt keine komplexen Charaktere, zeichnen sich im Wesentlichen durch ein bis zwei markante Wesenszüge und Talente aus, mit denen sie das Kollektiv vervollständigen, das Beschwören von konservativen Werten wie Loyalität und Treue ist manchmal arg pathetisch und der Habitus des Ganzen eher prollig. Dom Toretto machte sich mit angewachsenem Wifebeater-Unterhemd und kiloschwerem Kettchen gut an jedem Autoscooter, die Musik bewegt sich in der Schnittmenge zwischen Eurodance und Hip-Hop, die Bilderwelt sieht bisweilen aus, wie aus dem Urlaubsprospekt entsprungen, und lediglich durchschnittlich attraktive Menschen sucht man gänzlich vergebens. Es ist nicht so, dass die Reihe immun gegen Kritik wäre, aber das ist ja auch gut so. Sie trägt ihr Herz offen am Revers, versucht nicht, sich als etwas auszugeben, was sie nicht ist, kommt vielmehr genauso so zum Ziel wie ihre Protagonisten: durch Einsatz, Herzblut, Kreativität und Teamgeist. Und so gelingt es ihr auch, es gleichzeitig vollkommen ernst zu meinen mit all dem PS-Overkill, den von Film zu Film unglaubwürdiger werdenden Stunts, den stoisch vorgetragenen One-Linern und albernen Witzchen (die meist auf das Konto von Tyrese Gibson gehen), der sich bis zum Ende unaufhörlich überbietenden Zerstörungsorgie und den warmherzigen Freundschaftsbekundungen, und sich trotzdem nie zu ernst zu nehmen. Ich weiß nicht, ob ich in den vergangenen Jahren bei einem anderen neuen Film so oft und so herzhaft gelacht habe wie bei FURIOUS 7. James Wan umarmt die Idee der sich ins Nirvana katapultierenden Überbietungslogik, scheißt auf Airbag, Seitenaufprallschutz und Antiblockiersystem und tritt das Gaspedal beherzt durchs Bodenblech in den dampfenden Asphalt. Da lassen sich die Helden mit ihren Autos an Fallschirmen aus einem Flugzeug fallen, um auf einer Gebirgsstraße einen Konvoi zu attackieren. Da springen Dom und Brian mit einem superteuren, superseltenen Rennauto von einem Hochhaus ins nächste und übernächste. Da werden die Kumpels von einer wild um sich ballernden Drohne durch die Straßenschluchten von Downtown L.A. gejagt. Da rast Dom aus einem hinter ihm einstürzenden Parkhaus über ein Rampe auf einen Hubschrauber zu, um midflight einen Rucksack mit Handgranaten an diesem zu befestigen. Tony Jaa läuft als fleischgewordener Spezialeffekt durch den Film und erinnert einen daran, wen man seit Jahren im Actionkino vermisst. Das Umsteigen einer Beifahrerin zwischen zwei sich in einer 360°-Schleuderbremsung umkreisenden Wagen ist dagegen schon fast als realistisch zu bezeichnen. Besonders absurd ist das alles, wenn man bedenkt, dass FURIOUS 7 aufgrund seines Ratings ohne echte Gewalt auskommt. Dass Menschen sterben, sieht man nie, und wie da Explosionen, metertiefe Stürze, Hochgeschwindigkeits-Unfälle und Ballereien überlebt werden, erinnert mehr als einmal an das selige A-TEAM, dessen Feinde auch stets mit Kopfschmerzen davonkamen, selbst wenn sie zuvor mit einer Handgranate in die Luft gejagt worden waren. Spätestens wenn zu guter letzt der den ganzen Film tatenlos mit einem Gipsarm im Krankenhausbett liegende Hobbs (Dwayne „The Rock“ Johnson) aufsteht, die Manschette durch Anspannen des Bizeps platzen lässt und mit einer Riesenkanone ballernd durch die Stadt läuft, ist alles aus. James Wans Film ist wish fulfillment für kleine Jungs und junggebliebene Erwachsene, ein zweieinhalbstündiges Fest, ein nicht enden wollender Adrenalinrausch. Und wenn am Ende Paul Walker verabschiedet wird, können auch die härtesten Kerle ein Tränchen nicht verkneifen. Noch nie war tearjerking schöner, herzergreifender, verdienter.

Dass James Wan es aber auch durchaus versteht, die kleinen Nuancen hinzubekommen, zeigt der großartige Anfang: Oberschurke Deckard Shaw (Jason Statham) steht da am Krankenhausbett seines Bruders und schwört Rache. Es ist ein unscheinbarer, intimer, ruhiger Moment, doch dann zieht die Kamera auf und zeigt, welche Zerstörung Deckard bereits hinterlassen hat, um die Besuchszeit wahrzunehmen. Wie Vern sagen würde: „Oh shit, it’s on.“ Das ist einfach überaus clever gemacht und stimmt einen für das, was kommt, optimal ein. FURIOUS 7 mag, wie die gesamte Serie, auf die niederen Instinkte, auf vordergründige Reize ausgerichtet sein, wenig subtil, sondern stattdessen immer frontal und überlebensgroß, aber er ist dabei niemals plump oder ungeschickt, sondern immer witzig und originell. Keine Ahnung, wie die das immer wieder hinbekommen. Man darf gespannt sein, wie es jetzt weitergeht und wie man den Verlust Walkers im nächsten Film ausgleicht. Nach FURIOUS 7 würde es mich aber fast schon wundern, wenn nicht auch das mit Bravour gelänge.

 

Dom Toretto (Vin Diesel) und Brian (Paul Walker) haben sich mit den im Vorgänger erworbenen Reichtümern zur Ruhe gesetzt und sehen einem ruhigen Familienleben entgegen. Doch daraus wird nichts, denn eines Tages steht der Elite-Polizist Hobbs (Dwayne „The Rock“ Johnson) bei Dom auf der Matte: Eine Bande von hochspezialisierten und motorisierten Ex-Soldaten treibt in London ihr Unwesen und Dom soll Hobbs dabei helfen, sie zur Strecke zu bringen. Nachdem die alte Mannschaft wieder vereint ist, geht es ans Eingemachte …

Nach FAST FIVE nun also FURIOUS 6: Über die kuriose Entwicklung, die das FAST & FURIOUS-Franchise bis heute genommen hat, habe ich mich vor nicht allzu langer Zeit in aller angemessenen Ausführlichkeit ausgelassen. In Kurzform geht die Geschichte so: Nach rumpeligem Start mit einem leicht überdurchschnittlichen, aber nur wenig außergewöhnlichen Auftakt und einem miserablen Sequel übernahm der damals nahezu unbekannte Justin Lin ein Reihe, die zum schnellen Abstieg ins DTV-Genre wie prädestiniert schien. Das Gegenteil trat ein: Mit großem visuellem Gespür und ausgezeichnetem Actionhandwerk machte er aus der filmischen Totgeburt ein Erfolgsfranchise, das sich mit seinen beiden letzten Installationen verdientermaßen an die Spitze des großbudgetierten Hollywood-Actionkinos setzte. Verfügte die Serie zu Beginn weder über eine eigene Identität noch über einen ausgeprägten eigenen Stil, hat sie nun ein ganz und gar unverwechselbares Gesicht und einen Charakter, der ihr innerhalb des Actiongenres den ihr vorbehaltenen Platz zuweist.

Man mag über die machohaften Bro-isms der Serie geteilter Meinung sein – gerade die männlichen Protagonisten wirken wie in einem Stadium suspendierter Postpubertät gefangen und der Hip-Hop-Cool, den sie in ihren Dialogen bemühen, kann durchaus etwas anstrengend werden –, aber die damit verbundene Betonung von Freundschaft, Familie, Loyalität und Zusammenhalt sendet ein starkes Signal an den Zuschauer. Trotz ihrer umfassenden Over-the-Topness, die sich nicht nur in den die Grenzen der Plausibilität weit überschreitenden Actionsequenzen, sondern auch in den Charakteren und dem audiovisuellen Styling der Filme niederschlägt, bleiben die Filme aufgrund dieser bodenständigen Moralität für den Zuschauer menschlich und emotional nachvollziehbar. Der ganze High-Tech- und Markenfetischismus zieht nie die ganze Aufmerksamkeit auf sich, stiehlt den menschlichen Protagonisten nicht die Show, wie das bei anderen modernen Actionern  oft der Fall ist (man denke an Birds MISSION: IMPOSSIBLE – GHOST PROTOCOL). Im Zentrum stehen Dom, Brian, ihre Freunde und die Beziehung, die sie zueinander haben. FURIOUS 6 thematisiert das sogar auf Handlungsebene: Das Schurkenteam um Shaw (Luke Evans) wird als spiegelbildliches Negativ von Torettos Crew vorgestellt und setzt der Familiarität der Protagonisten eiskalten Zynismus entgegen. Shaws Code lautet nicht „Familie“, sondern „Funktionalität“: Er betrachtet jedes einzelne Mitglied seiner Mannschaft nicht als Individuum, sondern als eine Funktion erfüllendes Zahnrad im Getriebe. Wenn es fehlerhaft ist, muss es ersetzt werden, für Sentimentalitäten ist dabei kein Platz. Dieser krasse Pragmatismus muss sich gegenüber dem menschlichen Ansatz von Dom und Brian natürlich als unterlegen erweisen. Wer mit dem Herzen bei der Sache ist, ist eben auch bereit, die extra mile für seine homies zu gehen, während der ersetzbare Lohnsklave bald an seine Grenzen stößt. Am Ende versammelt sich die ganze Familie wieder zum gemeinsamen Barbecue um Doms Tisch, wie sie das schon im ersten Teil getan hat. Wer den ersten Bissen nimmt, wird zum Sprechen des Tischgebets verdonnert. Man kann das mit einigem Recht als spießigen Konservatismus kritisieren, aber dieses feste Wertesystem ist es, das die Ausnahmestellung des FAST & FURIOUS-Franchises in einer Actionfilm-Welt ausmacht, die zunehmend von Zynikern bevölkert wird. Die Helden von FURIOUS 6, sie sind nicht die maulfaulen Loner, sondern die Typen von nebenan, mit denen man auch mal ein Bierchen trinken und Playstation spielen kann.

Der Vorgänger hatte mit der Verfolgung durch die Favelas von Rio De Janeiro vielleicht die bessere, einprägsamere, zupackendere Actionszene, doch ich glaube, mir hat der neueste Teil sogar noch etwas besser gefallen. Den absurden Größenwahn, der die aktuellen Action-Set-Pieces auszeichnet, muss man dabei zu nehmen wissen: Freunde des Realismus steigen möglicherweise  aus, wenn die Flugzeug-Startbahn, auf der sich der 15-minütige Showdown abspielt, immer länger und länger wird, oder der Bösewicht Shaw mit einem Panzer Chaos und Zerstörung auf einer Autobahnbrücke anrichtet. Aber Justin Lin weiß im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, wie man solche Szenen inszeniert, sodass sie nicht wie Trickfilme aussehen. Das visuelle Geschick, das er dabei an den Tag legt ist erstaunlich. Auch komplexe Actionsequenzen – man muss bedenken, dass an den ausufernden Verfolgungsjagden immer ein ganzes Arsenal handelnder Figuren an verschiedenen Orten beteiligt ist, zwischen denen hin und her geschnitten wird – werden nie chaotisch, sondern bleiben glasklar und nachvollziehbar. Keine Spur vom hektischen Kameragewackel, mit dem weniger talentierte Leute auf billige Art und Weise Dynamik vortäuschen, weil sie sie anders nicht hinbekommen. Man sollte FURIOUS 6 ganz sicher nicht zu Ernst nehmen. Aber man verzeiht ihm gern auch die absurderen Einfälle, weil er die richtige Einstellung zu sich selbst findet. Ein größeres Lob kann man einem großen Event-Actioner kaum machen. Ich freue mich schon sehr auf den kommenden siebten Teil. Diesen Enthusiasmus hervorzurufen, wäre bei jeder anderen so weit fortgeschrittenen Reihe schon eine echte Leistung; denke ich an die Ernüchterung zurück, die der mit viel Tamtam gestartete erste Teil vor nunmehr 12 Jahren bei mir auslöste, kann man nur von einem handfesten Wunder sprechen.

Nach eher gewöhnlichem Einstieg hat sich die RESIDENT EVIL-Reihe ca. ab Mulcahys drittem Teil, RESIDENT EVIL: EXTINCTION, in ein experimentelles Spielfeld für visuell ambitionierte Regisseure (oder vielleicht auch nur für Paul W. S. Anderson) verwandelt. Seitdem wurde diese Entwicklung mit jedem weiteren Beitrag forciert, sodass man bei Andersons RESIDENT EVIL: RETRIBUTION als Zuschauer nur noch zwei Optionen hat: Entweder man akzeptiert, dass die Geschichte um die von einem Superkonzern ausgelöste Zombie-Apokalypse endgültig nur noch den mehr oder minder willkürlichen Rahmen für visuelle wie narrative Experimente bietet, oder man hofft, dass ein mit Sicherheit folgender sechster Teil die einst begonnene Story wieder etwas konsequenter fortsetzt, RETRIBUTION sich nur als ein unabdingbares Zwischenspiel in einem großen Ganzen entpuppt.

Überzeugte schon der Vorgänger RESIDENT EVIL: AFTERLIFE vor allem als rasante Aneinanderreihung spektakulärer Set Pieces und weniger als sinnhafte erzählerische Einheit, so treibt Anderson dies im neuesten Teil noch weiter auf die Spitze: Der Shootout wird zum dominierenden Strukturelement: „Pausen“ – Dialoge, Szenen, in denen Exposition unabhängig von Bewegung „abgewickelt“ würde – gibt es eigentlich fast gar nicht mehr. Das Abenteuer der durch denT-Virus zum Übermenschen mutierten Alice (Milla Jovovich) hat sich hier so weit von ihrer ursprünglichen Mission abgelöst, dass ihr Fortschritt nur noch virtuell diagnostizierbar ist. Auch wenn sie sich durch Moskau, Tokio oder ein prototypisches amerikanisches Suburbia kämpft, bewegt sie sich dabei doch nicht von der Stelle: Alle diese Orte sind schließlich nur Simulationen im gigantischen unterirdischen Hauptquartier von Umbrella, dem serieninternen, schurkischen Superkonzern. Was Alice am Ende von RETRIBUTION eigentlich erreicht hat, bleibt mehr als fraglich. Konnte man in den ersten Teilen noch einen Fortgang der Handlung erkennen, muss man gemeinsam mit der Protagonistin nun feststellen, dass die Macht Umbrellas so weit reicht, zeitliche und räumliche Distanzen ins Unendliche zu zerdehnen und Menschen so zum kräftezehrenden – und aussichtslosen – Sprint auf der Stelle zu verdammen.

Das reflektiert auf Handlungsebene den Experimentalcharakter, den die Reihe formal längst hat. Die Umbrella Corporation und Alice sind Alter egos des Regisseurs, der das Franchise dazu nutzt, selbst gestellte konzeptionelle Probleme in Bewegung aufzulösen. Die übermächtige Firma kann ganze Welten im Rechner hochziehen, Menschen mit vollwertigen Erinnerungen und Biografien in der Retorte züchten, Alice findet mit ihren Fähigkeiten ihrerseits immer wieder eine passende Lösung für die ihr gestellten Aufgaben, zumindest bis zr nächsten Installation. Das macht die RESIDENT EVIL-Reihe zu einer der ambitioniertesten und spannendsten, ja avantgardistischsten Erscheinungen des Mainstream-Kinos, speziell diesen RETRIBUTION aber auch zu einer eher langweiligen Angelegenheit. Nach dem wirklich phänomenalen AFTERLIFE mutet RETRIBUTION ermüdend und monoton an. Es ist spannender und fruchtbarer, über ihn und seine formalästhetischen Implikationen nachzudenken, als ihn sich anzusehen. Die nicht abreißende Abfolge von Schießereien hat zumindest mich irgendwann mehr gelangweilt als berauscht, zumal die großen visuellen Ideen, mit denen der Vorgänger noch gespickt war, hier ausbleiben: Die während der Title-Sequenz erst rückwärts, dann vorwärts laufende Actionszene stellt ein einsames Highlight dar, ansonsten ist Anderson diesmal nicht allzu viel eingefallen. Schade, weil er wieder einmal beweist, dass er zu den besten derzeit tätigen Actionregisseuren zählt: Während so viele zeitgenössische Actionfilme an ADS leiden, keine Einstellung länger als zwei Sekunden zu halten in der Lage sind und Action vor allem hektisch und chaotisch gerät, zeichnen sich seine Tableaus durch eine überragende Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit aus, ohne dass dies auf Kosten der Dynamik ginge.

Vielleicht gelingt es ihm beim nächsten Mal ja auch wieder, dieses Talent in einen rundum befiredigenden Rahmen zu überführen.

 

Seinen Verbleib bei der Polizei sichert sich der S.W.A.T.-Cop Jim Street (Colin Farrell), indem er seinen skrupellosen, draufgängerischen Kollegen Brian Gamble (Jeremy Renner) beim Vorgesetzten anschwärzt. Fortan muss er zwar Frondienste in der Waffenkammer verrichten, doch als Sergeant „Hondo“ (Samuel L. Jackson), ein alter S.W.A.T.-Veteran, seinen Dienst als Teamleiter wieder aufnimmt, erhält er eine neue Chance. Gemeinsam mit seinen Kameraden bekommt er gleich eine schwere Bewährungsprobe: Der international gesuchte Schwerverbrecher Alex Montel (Olivier Martinez) konnte durch einen Zufall gefasst werden und muss nun in ein anderes Gefängnis überführt werden. Dass er medienwirksam eine Belohnung von 100 Millionen Dollar auf seine Befreiung auslobt, macht die Ausführung des Jobs nicht einfacher. Und so gibt es dann auch ein Wiedersehen zwischen Speed und Gamble, diesmal auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes …

S.W.A.T., Verfilmung einer mir unbekannten Serie aus den Siebzigerjahren, hat mich durchaus positiv überrascht (vielleicht auch nur, weil ich wirklich das Schlimmste erwartet habe). Zwar ist er alles andere als makellos, mit vielen Fehlern behaftet, die solche Megabuck-Produktionen üblicherweise auszeichnen, und letztlich nur leicht überdurchschnittlich, aber er ist dies auf sehr viel sympathischere Art und Weise, als ich das erwartet habe. Was den Film positiv aus den Massen total egaler, nur auf kurzfristige Bedürfnisbefriedigung abzielender Mainstream-Actioner heraushebt, ist seine Anlage: Johnson macht ein weites Feld auf, führt seinen Protagonisten ein, beleuchtet die Zusammenstellung des Teams und die Ausbildung seiner Mitglieder, baut nebenbei den finalen Konflikt auf und lässt sich dann viel Zeit, den Showdown vorzubereiten. In seinen 115 Minuten deckt S.W.A.T. ein enormes Spektrum ab und vermeidet Langeweile, auch wenn er selten wirklich Neues erzählt. Das ist dann auch sein eigentliches Problem: Er beißt mehr ab, als er eigentlich kauen kann.

Clark Johnson hat nur wenige Filme in seinem Lebenslauf, dafür aber unzählige Serienbeiträge, darunter mehrere Episoden für die brillante Copserie THE SHIELD, deren Einfluss man auch hier zu spüren meint. Für S.W.A.T. bemüht er sich, den Realismus dieser Serie, die Vielzahl interessanter und wichtiger Figuren mit eigenen Geschichten, die Akribie, mit der der Arbeitsalltag und die mit der Polizeiarbeit verbundene Bürokratie und Politik gezeichnet wurden,  auf einen zeitlich enorm komprimierten Film zu übertragen. Das muss misslingen. S.W.A.T. erzählt viel, bleibt dabei aber zwangsläufig immer nur an der Oberfläche. Die Charaktere sind eindimensional, die harte Ausbildung mutet wie ein Spaziergang an, die finale Mission ist ohne rechte Anbindung an den Rest, auf feiste Actioneinlagen, die bebildern, was es mit den „Special Weapons and Tactics“ eigentlich auf sich hat, wartet man vergeblich. Auch wenn das alles viel größer produziert ist und bis in die letzte Nebenrolle mit fähigen Leuten besetzt, ist S.W.A.T. dann doch irgendwie nur Fernsehen. Mit den vielen guten Ansätzen, die nicht richtig zu Ende geführt werden, erinnert er ein bisschen an eine Serie, die nach zwei Episoden wegen schlechter Einschaltquoten abgesetzt wurde. Das haut ja auch von der Länger her hin. Aber immerhin ist es eine Serie, von der man gern mehr gesehen hätte. Wenn ich es mir recht überlege, ist eigentlich nur eine Sache richtig unverzeihlich: Die Besetzung von Samuel L. Jackson in der Rolle eines Ausbilders namens „Hondo“. Gegen dessen immergleichen Shtick muten selbst die wie immer betanktoppte Michelle Rodriguez und der stolz das Sixpack präsentierende LL Cool J wie gegen den Strich besetzt an.

Fünf Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils: Dominic Toretto (Vin Diesel), seines Zeichens motorisierter Autobahnpirat, zieht sich aus dem „Geschäft“ zurück. Als er wenig später die Nachricht vom gewaltsamen Tod seiner Geliebten und Partnerin Letty (Michelle Rodriguez) erhält, ist er fest entschlossen, ihren Mörder zu stellen. Die Spur führt ihn in die Kreise eines mysteriösen Drogenbarons, auf den es auch der reaktivierte FBI-Agent O’Conner (Paul Walker) abgesehen hat. Dieser hatte sich einst als Undercover-Mann in Dominics Organisation eingeschlichen, ihn aber schließlich laufen lassen. Auch Doms Schwester Mia (Jordana Brewster) hat mit Brian noch ein Hühnchen zu rupfen, doch schließlich raufen sie sich zusammen, um dem Kriminellen das Handwerk zu legen und Lettys Tod zu rächen …

Bei der Suche nach einem Plakatmotiv, das diesen Beitrag zieren soll, bin ich auch auf eines gestoßen, das vollmundig „The Original Cast is Back!“ verspricht. Das finde ich  ziemlich lustig und auch irgendwie symptomatisch für das ganze Franchise: Nach zwei vom ersten Teil mehr oder weniger abweichenden Sequels, von denen das zweite, der spaßige THE FAST AND THE FURIOUS: TOKYO DRIFT, den mit weitem Abstand besten Beitrag zur Reihe darstellte, meinten die Produzenten nun also, es sei an der Zeit „the original cast“ zurückzubringen. Ganz so, als sei Cohens Original nicht das kreuzbiedere Filmchen für Zwischendurch gewesen, sondern der „real deal“, nach dem sich alle nach irgendwelchen von unerklärlichen Einfällen gebeutelten Sequelenttäuschungen zurücksehnten. Und so, als böte diese Reihe nicht in erster Linie einen letztlich vollkommen arbiträren Anlass, um Autos kaputtzumachen, sondern erzähle tatsächlich eine Geschichte mit Charakteren, nach denen man sich zurücksehnte.  Naja, wie dem auch sei: „New Model. Original Parts“, wie es die Tagline treffend besagt.

Dabei muss man einräumen, dass das neue Modell mit den Originalteilen wesentlich besser läuft als das alte Modell. Justin Lin bringt einen visuellen Einfallsreichtum mit, der Cohen weitestgehend fehlte, und auch die peinlichen Bro-isms sowie die marktschreierische Attitüde, die THE FAST AND THE FURIOUS in den Werbespot zum eigenen Soundtrack verwandelten, sind verschwunden. FAST & FURIOUS kommt der Beschreibung „ernster Actionkrimi“ schon recht nahe, weil es nicht Lins oberstes Interesse ist, seine Zuschauer möglichst unterbrechungsfrei mit geilen Bildern und obercoolen Sprüchen zu versorgen. Wenn es aber kracht, dann richtig. Die Eröffnungssequenz mit dem MAD MAX-artigen Überfall Torettos und seiner Leute auf einen fahrenden Tanklastzug toppt so ziemlich alles, was in der Reihe bisher aufgefahren wurde, und auch die Verfolgungsjagd durch einen stillgelegten Minenschacht kann sich sehen lassen. Und habe ich mich oben noch über die Werbestrategie lustig gemacht, so muss ich nun kleinlaut zugeben, dass zumindest die Rückkehr Vin Diesels sich bezahlt gemacht hat. Man mag von ihm als Schauspieler halten, was man will, dass er unbestreitbar Charisma und Präsenz hat, lässt sich meines Erachtens nicht leugnen und genau das fehlte den durchweg schwach besetzten Vorgängern. Ob sich das Gleiche aber über Paul Walker sagen lässt? Immerhin sind seine blonden Strähnchen weg.

Als Erzählfilm funktioniert FAST & FURIOUS sicherlich bis hierhin am besten von den vier bisherigen Filmen, aber das scheint mir auch sein Manko zu sein: Denn diese Geschichte ist einfach nicht besonders interessant. Im Mittelteil hängt FAST & FURIOUS gewaltig durch und das stupide, aber doch spaßige Rumgeheize,  in aufgemotzten Karren, das bislang immer im Vordergrund stand, wird neben dem austauschbaren Räuber-und-Gendarm-Spiel fast zur Nebensache. Schade, denn Lin hatte im direkten Vorgänger doch gezeigt, dass man durchaus einen ganzen Film auf so etwas Singulärem wie einer bestimmten Kurventechnik aufbauen und damit großartiges Entertainment bieten kann. Anstatt diesen Weg der Dekonstruktion konsequent weiter zu beschreiten, unterwirft sich Lin dem merkwürdigen Plan, an einer Art Fast-and-the-Furious-Universum zu stricken und Kohärenz vorzugaukeln, wo bisher nur das gemeinsame Thema „schnelle Autos“ stand. So springt der Film in der Timeline zurück vor TOKYO DRIFT und lässt dessen Nebenfigur Han (Sung Kang) in der Auftaktsequenz als Partner Dominics mitwirken; wahrscheinlich um damit nachträglich eine eigentlich sehr unwichtige Drehbuchzeile und das Cameo von Vin Diesel – die beide wohl nur da waren, um die Zugehörigkeit zur Serie herzuleiten – aus dem Vorgänger zu legitimieren. Das ist alles ziemlich eigenartig: das filmische Äquivalent zur Fälschung des eigenen Lebenslaufs. Original Model, New Parts quasi.

Der Cop Brian O’Conner (Paul Walker) wird in die Street-Racing-Szene von L.A. eingeschleust, um die Verantwortlichen für eine Serie motorisierter Raubüberfälle zu überführen. Dreh- und Angelpunkt der Szene ist Dominic Toretto (Vin Diesel), dessen Vertrauen Brian gewinnt. Zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine Freundschaft, die auf eine harte Belastungsprobe gestellt wird, denn die Zeichen dafür, dass Dominic hinter den Verbrechen steht, verdichten sich …

Der Titel ist Programm: THE FAST AND THE FURIOUS ist schnell zu Ende, sprich äußerst kurzweilig, und furios prollig. Beste Voraussetzungen für reuelose Unterhaltung, die vom ambitionsfreien Handwerker Rob Cohen in ansehnlichem Gewand optisch geschliffen und rasant geschnitten dargeboten wird. Das L.A. des Films wird von einer andauernden Abendsonne beschienen, die alles in ein goldenes Licht taucht: Aus den monochromen Bildern stechen die grellbunten Boliden als die eigentlichen Hauptdarsteller des Films hervor. Ihre knalligen Farben, die großflächigen Sponsorensticker, mit denen sie gepflastert sind, ihre chromblitzenden Felgen und Motorenteile, die von der Kamera fetischistisch umschmeichelt werden, signalisieren auch, dass hier alles, aber auch alles an der Oberfläche verhandelt wird, nichts subtil ist, sondern stets bedacht um den größtmöglichen Effekt ins Bild gerückt wird. THE FAST AND THE FURIOUS ist die filmgewordene Proletenfantasie, aber erträumt von kühnen Marketingstrategen und ohne einen Funken von Humor dargeboten. In Verbindung mit dem fürchterlichen Soundtrack, auf dem sich schlechter Mainstream-Hip-Hop (der mittlerweile karrierelose Ja Rule ist mehrfach vertreten und spielt auch eine kleine Nebenrolle), NuMetal und andere Kleinkindermusik die Hand reichen, ergibt das zumindest in der ersten Hälfte des Films ein Festival der Fremdscham und des unfreiwilligen Humors.

Paul Walker gibt den zwischen Pflichtgefühl und Männerfreundschaft hin und hergerissenen Cop mit blondierten Strähnchen und Schmelz im Blick, der von Dominics alten Kumpels sofort mit lodernder Eifersucht gestraft wird, als handelte es sich um eine Bande abgelegter Geliebter. Diese Kumpels sind zwei tätowierte Dumpfbirnen, von denen sich eine sogleich auf einen Bitchfight mit dem süßen Brian einlässt, ihm aber natürlich hoffnungslos unterlegen ist, der andere ein unter ADD leidender Motoren- und Technik-Nerd mit schwarz lackierten Fingernägeln und den unvermeidbaren Heulattacken, wenn es hart auf hart kommt. Michelle Rodriguez trägt wieder ihre obligatorischen Tank Tops und gibt die tough bitch, auf die sie abonniert ist, darf aber immerhin eine Liebesbeziehung mit Dominic unterhalten, Jordana Brewster Dominics Herzensgute Schwester, die das Herz des Cops erobert und seinen späteren Gewissenskonflikt so noch verstärkt. Und der obercoole Zampano Dominic wird von Vin Diesel tatsächlich zum glaubhaften Charakter befördert, der nicht unerheblichen Anteil daran hat, dass es THE FAST AND THE FURIOUS nicht schon in der ersten Kurve zerlegt.

Denn die „Szene“, die hier „porträtiert“ wird, gleicht einem Affenzirkus, in dem Männer sich in einem nie enden wollenden Schwanzvergleich befinden und Frauen das ganz fantastisch finden. Kein Vergleich also zum rohen Realismus von Monte Hellmans TWO-LANE BLACKTOP. Die Rennen zwischen den aufgemotzten Sportwagen werden mitten in der Stadt vor Hunderten vergnügungssüchtiger Prolos und silikonbehandelter Ischen abgehalten, die ihrerseits allesamt mit ihren protzigen Autos angereist sind: Wie der Polizei dieses Spektakel entgehen kann, bleibt ein großes Rätsel, genauso wie die Frage – zum Glück – unbeantwortet bleiben muss, ob es tatsächlich diese geilen Schlampen gibt, die davon magisch angezogen werden, wenn ein Mann ein Autorennen gewinnt. Das ist alles so absurd, dass man den Blick unmöglich abwenden kann. Die witzigste Szene des Films ist sicherlich das gute amerikanische BBQ, das Dominic gemeinsam mit seiner Schwester für seine Crew im Vorgarten schmeißt und sogar ein Tischgebet sprechen lässt: Diese PS-süchtigen Verkehrsrowdies sind wahrlich ein Vorbild für uns alle.

Eigentlich unglaublich, aber der Film bekommt im letzten Drittel noch die Kurve, lässt den himmelschreienden Stuss hinter sich und schwingt sich im Showdown zu einem sehr soliden, einpeitschenden Actioner empor. THE FAST AND THE FURIOUS gewinnt am Ende quasi trotz seiner Selbst und hat so ziemlich überraschend den Grundstein für ein Franchise gelegt, dem zuletzt ein gemessen an seinen Anfängen doch überraschendes Wohlwollen entgegengebracht wurde. Dieser erster Teil ist vor allem ein Triumph des Marketings: Ein eigentlich höchst stromlinienförmiger Thriller leitete einen wahren Tuning-Craze aus, der sich bis heute in zahlreichen Doku-Formaten im Fernsehen niederschlägt.