Mit ‘Mila Kunis’ getaggte Beiträge

Der Titel erklärt schon den Appeal und den Witz, den dieser Film haben könnnte und sollte. Es ist ein doofer, eindimensionaler Witz, aber einer, den man selbst dann verstehen kann, wenn man sich selbst nicht zum Mitlachen berufen fühlt. SANTA WITH MUSCLES hat dann auch die inhaltlichen Zutaten, die es braucht: den unter Amnesie leidenden Muskelmann als Santa, ein Waisenhaus mit knuffigen Kids (darunter eine sehr junge Mila Kunis), einen Mad-Scientist-Schurken und eine ganze Horde von dämlichen Gehilfen. Was er nicht hat, ist ein brauchbares Drehbuch, ein Gefühl für die billigen Pointen und vor allem Tempo.

Üblicherweise sind solche Filme meist so albern, dass man sich angesichts des Gag-Tornados, der da über einen hereinbricht, wie ein Spielverderber fühlt. Man sieht förmlich vor sich, wie Regisseur und Produzent vor jedem Drehtag mit dem Megafon vor Crew und Cast treten und alle mit Nachdruck auffordern, gefälligst Spaß zu haben und witzig zu sein. Was ich sagen will: Selbst wenn der Schuss dann nach hinten losgeht, hat es an verzweifelten bis übermotivierten Versuchen meist nicht gefehlt. Außer eben bei SANTA WITH MUSCLES, der irgendwie meint, zu dem Kunststück berufen zu sein, eine Komödie ohne Gags zu vollbringen. Der Film wird nie unangenehm aufdringlich oder grob inkompetent, aber man fragt sich als Zuschauer unweigerlich, warum man sich das eigentlich ansehen soll. SANTA WITH MUSCLES plätschert mit einer solchen Engelsgeduld seinem Ende entgegen, dass der familienfreundliche Weihnachtsfilm auf Umwegen zum echten Nervenzerrer wird. Das geht so weit, dass der Titel, der einen schlagkräftigen Weihnachtsmann suggeriert, leidglich die Tatsache beschreibt, dass dieser Santa tatsächlich Muskeln macht. Das muss ja nun wirklich nicht zwangsläufig bedeuten, dass er diese auch einsetzt.

Wenn etwas an diesem von Minute zu Minute trauriger, trister und einschläfernder werdenden Werk im positiven Sinne bemerkenswert ist, dann der Anfang, der den ganzen Blödsinn lostritt. Wobei „Anfang“ nicht ganz der richtige Ausdruck ist, denn um sein rammdösiges Geschichtchen anzubahnen, benötigt SANTA WITH MUSCLES eine gute halbe Stunde – die allerdings auch das unterhaltsamste am ganzen Film ist. Unternehmer, Ernährungs- und Gesundheitsguru Blake Thorn (Hulk Hogan) erzürnt beim Paintball-Spiel mit seinen Lakaien den örtlichen Sheriff (Clint Howard) und es entbrennt eine wilde Verfolgungsjagd. Sie findet ihr Ende in einer Mall, in der Thorn kurzerhand in die Rolle des Weihnachtsmanns schlüpft. Ein Unfall sorgt für den Gedächtnisverlust, und einige Verwicklungen weiter landet Thorn schließlich in dem Waisenhaus, dessen Existenz durch den gemeinen Ebner Frost (Ed Begley jr.) gefährdet ist. Was dann passiert, kann ich nicht mehr wirklich rekonstruieren, aber es ist auch egal, denn das Fazit steht ja eh schon. Und so komme ich dann auch hier zum Ende, anstatt noch lange weiter rumzumachen wie SANTA WITH MUSCLES.

bad_moms_posterAmy Mitchell (Mila Kunis) ist eine Bilderbuchmama wider Willen: Mit 20 ungewollt schwanger geworden, muss sie das Leben ihrer beiden Kinder organisieren und nebenbei ihren Job bewältigen, derweil ihr Ehemann Mike (David Walton) faul zu Hause herumlungert – und sie mit einer Netzbekanntschaft betrügt. In der Schule leidet sie unter dem eisernen Regime der PTA-Präsidentin Gwendolyn (Christina Applegate), die selbst noch einen Bake Sale zum kaum zu bewältigenden Spießrutenlauf der Political Correctness macht. Als Amy nach einem Tag voller Rückschläge auf die ebenfalls frustrierten Carla (Kathryn Hahn) und Kiki (Kristen Bell) trifft, beschließen die drei, ab sofort fünfe gerade sein zu lassen und „bad moms“ zu werden …

BAD MOMS ist, da führt kein Weg drum herum, ein formula movie: Filme mit „bad“ irgendwas haben Konjunktur, ebenso Komödien, die in Opposition zu braven Rom Coms realistischere Lebenssituationen als Grundlage nehmen und diese dann mit bisweilen vulgären Exkursen sowie Raum zur Improvisation aufpeppen. Nach ihrem Schwur benehmen sich die drei Moms in einem Supermarkt daneben, saufen Wodka und gröhlen herum, auf einer Party, die Amy anlässlich ihrer Kandidatur als PTA-Präsidentin schmeißt, lassen die geladenen Mütter sichtlich gelöst den Alltagsstress fallen und die Sau raus: Da werden dann Schnapsflaschen „gewichst“ und Mamas zu lesbischen Experimenten überredet. Der Witz über den fleischfarbenen, die Libido abtötenden „Mom Bra“ darf in diesem Zusammenhang natürlich genauso wenig fehlen wie die sich neu anbahnende Liebesbeziehung, bei der der Mann seine Eignung durch Cunnilingus beweisen kann. Kathryn Hahn übernimmt die Rolle des vulgären motormouths, derweil Kristen Bell das schüchterne Mauerblümchen gibt, das im neuen Lebenskonzept aufblüht und auf dem Gipfel ihres „coming-outs“ dann sogar dem Ehemann Paroli bietet, der sich bei der Führung des Haushalts bis dahin allzu sehr auf sie verlassen hat. Am Ende ist alles gut: Die Idee der „bad mom“, also einer Mutter, die nicht wie eine Besessene von Termin zu Termin hetzt und sofort Repressalien befürchten muss, wenn sie ihrem Spross kein selbstgebackenes glutenfreies Brot mit veganem Dinkelaufstrich und frisch gepressten Spitzkohlsaft zum Frühstück einpackt, setzt sich an der Schule durch. Offensichtlich sind Amy, Kiki und Carla nicht die einzigen, die den Druck nicht mehr aushalten. Und selbst die perfekte Gwendolyn zeigt am Schluss Schwächen und wird als Mensch rehabilitiert.

BAD MOMS ist, und das ist gar nicht so abfällig gemeint, vor allen Dingen eins: nett. Die Botschaft darf man nur begrüßen, auch wenn der Film noch überzeugender darin gewesen wäre, wenn er eine weniger brave Form gewählt hätte. Die wie mit dem Vorschlaghammer in die allgemeine Harmlosigkeit gedroschenen Zoten fallen krass aus dem allgemeinen Tenor des Films heraus, auch wenn sie durchaus witzig sind. BAD MOMS ist kein BRIDESMAIDS und schon gar keine mütterliche Antwort auf BAD SANTA. Gut hätte es auch getan, wenn der Film bei der Zeichnung seiner Männer weniger stereotyp vorgegangen wäre (zwei der drei Männer des Films übernehmen keinerlei Verantwortung zu Hause und der dritte, ein Bilderbuch-Dad, wie er im Buche steht, ist natürlich Witwer), aber das ist wahrscheinlich part of the deal. Hier geht es um die Frauen, die sich nach über 100-jähriger Filmgeschichte, in der sie oft auf das Heimchen am Herd oder Fels in der hemischen Brandung reduziert wurde, etwas Luft verschaffen darf. Dass sich an der Rollenverteilung am Ende gar nicht wirklich etwas ändert, die Frau immer noch die Kompetenz in Sachen Erziehung und Haushaltsführung ist, ihr der Mann lediglich etwas bereitwilliger als zuverlässigerer Assistent zur Seite steht, gehört wohl dazu. Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut.

Nach dem Abtritt der Startänzerin des New Yorker Balletts sucht der Regisseur Thomas Leroy (Vincent Cassel) eine Hauptdarstellerin für seine neuartige Interpretation von Tschaikowskis „Schwanensee“. Die neurotische Nina Sayers (Natalie Portman), die immer noch mit ihrer wachsamen Mutter (Barbara Hershey) zusammenlebt, macht sich Hoffnungen, scheitert jedoch immer wieder an der Rolle des schwarzen Schwans. Zu kontrolliert, zu wenig verführerisch sei ihre Darbietung, kritisiert Thomas und fordert von ihr loszulassen, sich zu verlieren. Dabei hilft ihr schließlich die Mittänzerin Lily (Mila Kunis): Doch je mehr sich Nina von ihren Zwängen befreit, umso mehr driftet sie in Wahnvorstellungen ab …

Hmmm. Wie schon bei Aronofskys THE WRESTLER fühle ich mich auch nach BLACK SWAN reichlich underwhelmed. Von den vielen euphorischen Kritiken, die einen visionären und verstörenden Film beschrieben, habe ich mich nach der Erfahrung von THE WRESTLER gar nicht zu sehr beeindrucken lassen, zumal es in meinem weiteren Bekanntenkreis auch einige weniger begeisterte Reaktionen gab, aber die Einfalt, mit der die Geschichte der verhärmten Balletttänzerin Nina Sayers teilweise dargeboten wird, hat mich dann doch ziemlich überrascht. Aronofskys Film handelt von dem Konflikt zwischen dem, was Nietzsche als das apollinische und das dionysische Prinzip identifiziert hat: Nina ist fast ausschließlich Geist, Ratio und Kontrolle, um die Rolle des schwarzen Schwans meistern zu können, muss sie aber genau das Gegenteil werden, nämlich Körper, Wahn und Rausch. Etwas, das ihr nahezu unmöglich ist, weil sie ihren Körper doch mit Skepsis, wenn nicht sogar mit Abscheu betrachtet. Die Selbstaufgabe, die dazu nötig ist, diese Barriere zu überwinden, zerstört Nina letzten Endes vollständig. Sie muss sterben, damit der schwarze Schwan lebendig werden, sie als Tänzerin triumphieren kann.

Der „Schwanensee“ liefert mit seiner Geschichte einer unschuldigen Schwanenkönigin und ihrer dunklen Widersacherin eine geeignete Basis, um den philosophischen Essay über den Gegensatz von Körper und Geist und die Frage, inwiefern man ein anderer werden und dabei trotzdem seine Identität wahren kann, in Bilder zu kleiden – und das Ballett ein passendes Sujet, das selbst im Spannungsfeld zwischen den Extremen von Kontrolle und Freiheit, Disziplin und Inspiration existiert. Aber Aronofsky geht es gar nicht um den Ballettbetrieb. Er interessiert ihn nur insoweit, als er eine Bildwelt bereitstellt, die zu seinem Thema passt. Trotzdem war ich erstaunt, wie klischeehaft und oberflächlich das alles ist. Die ganze Geschichte ist nur auf den Zusammenbruch Ninas hinkonstruiert, ohne sich dabei allzu lang mit Plausibilität aufzuhalten.

Die Klischees sind zahlreich: Nina ist magersüchtig und hat Angst vor ihrer eigenen Körperlichkeit, Sexualität ist für sie lediglich eine Quelle der Scham, etwas über das sie nicht nachdenken kann, ohne zu erröten oder sich unwohl zu fühlen. Ihre Mutter ist eine Kontrollfanatikerin, die ihre Tochter benutzt, um die eigene gescheiterte Karriere zu kompensieren: eine Karriere, die natürlich durch die Schwangerschaft mit Nina beendet wurde. Sie mahnt Nina zur Disziplin, steht wie ein Wärter bereit, wenn ihre Tochter mal zu spät nach Hause kommt, belohnt sie bei Erfolgen mit einer Sahnetorte und ist beleidigt, wenn sie darauf keinen Appetit hat. Regisseur Thomas ist einer jener Künstler, die Menschlichkeit bedingungslos der eigenen Vision und dem Erfolg unterordnen: Schonungslos knallt er der zerbrechlichen Tänzerin seine Meinung an den Kopf, steckt ihr auch schon mal die Zunge in den Hals, um sie aus der Reserve zu locken. Er weiß ganz genau, was er will, aber seine Entscheidung, die neurotische Nina entgegen seiner richtigen Einschätzung ihrer Fähigkeiten in der Doppelrolle zu besetzen, ergibt nur vor dem Hintergrund seines diabolischen Bedürfnisses, Menschen wie Schachfiguren zu benutzen, einen Sinn, widerspricht sowohl seinem künstlerischen Instinkt als auch seinem Wissen um die kommerzielle Bedeutung seines Stücks für das Haus, für das er arbeitet. Und die tätowierte Lily fungiert als Verführerin und Versucherin für Nina, nimmt sie mit in Bars, verkuppelt sie mit Jungs, bietet ihr Drogen an und erregt schließlich amouröse Gefühle in der verwirrten jungen Frau. Dabei bleibt einerseits unklar, was die ungezwungene Lily überhaupt an der verschlossenen und steifen Nina interessiert, wirkt es andererseits wenig glaubwürdig, dass Lily es mit ihrem Lebenswandel an die Spitze des Balletts geschafft hat. Jedes einzelne dieser Klischees ist verschmerzbar: Aber in der Anhäufung muss man den Drehbuchautoren eine gewisse Faulheit bescheinigen, die Probleme, die ihnen ihre Geschichte stellte, auf kreative Art und Weise lösen zu wollen.

Was an BLACK SWAN ohne Frage begeistert, ist seine formale Gestaltung und das entbehrungsreiche Spiel Natalie Portmans. Visuell ist Aronofskys Film unheimlich reich, ohne dabei jemals überladen zu wirken. Sowohl Kameramann Libatique als auch die Effektkünstler arbeiten sehr effizient, erreichen viel mit kleinen Mitteln, anstatt den Zuschauer unter Dauerbeschuss zu nehmen und zu überwältigen. Die Transformationseffekte, denen Natalie Portman etwa unterworfen wird, sind bis zum Finale sehr subtil: Wenn man zwinkert, übersieht man sie. Mittlerweile klischierte Kameraeffekte, die Aronofksy mit REQUIEM FOR A DREAM zu etablieren noch mitgeholfen hatte, sucht man weitestgehend vergebens. Das herannahende Unheil bricht bis zum Schluss nicht deutlich hervor, stattdessen brodelt es unter der Oberfläche des Films, die nur manchmal durchlässig wird für die Signale, die andeuten, was da kommen wird. Und so sehr man auch von Beginn an weiß, wie BLACK SWAN ausgehen wird, sind es die letzten Einstellungen, die dann in einer Form überraschen und emotional einnehmen, die Aronofksy sonst leider zu selten anstrebt. Ein guter Film sicherlich. Das Meisterwerk, das so viele in ihm gesehen haben wollen, ist BLACK SWAN aber genauso wenig wie THE WRESTLER.