Mit ‘Missy Peregrym’ getaggte Beiträge

Der Tierhorrorfilm ist nicht kaputtzukriegen. Sharxploitation ist mittlerweile ein eigenes Subgenre, ganz ähnlich verhält es sich mit Filmen über Krokodile, Piranhas, Riesen- oder Giftschlangen und Spinnen. Bären kommen als Monster hingegen eher selten vor: William Girdlers GRIZZLY fällt natürlich ein, aber sonst wird Meister Petz eher als Zwischengegner in Abenteuerfilmen wie THE REVENANT, THE EDGE oder auch SHOOT TO KILL eingesetzt. Über die Gründe kann man spekulieren, ich würde mal vermuten, dass sie darin zu suchen sind, dass Bären zum einen eher positiv konnotiert sind, Bärenattacken zum anderen tricktechnisch nicht eben leicht umzusetzen: Während früher Dutzende von Hai-, Krokodil-, Piranha- und Krakenfilme damit davonkamen, Archivmaterial mit Bildern wild im Wasser plantschender Menschen zu verbinden, funktioniert das mit Bären deutlich weniger gut. Umso bemerkenswerter, dass Adam MacDonald das Kunststück gelungen ist, mit bescheidenden Mitteln einen verdammt zupackenden Bärenfilm zu drehen. Bei mir rannte BACKCOUNTRY gewissermaßen offene Türen ein, denn der Film verbindet gleich mehrere Elemente, die mir todsicher ein Frösteln bescheren: er bedient die Angst, in der menschenleeren Weite der Wildnis verlorenzugehen, von einer reißenden Bestie verschlungen zu werden und grausam zu sterben, ohne eine Spur zu hinterlassen.

BACKCOUNTRY begleitet das Pärchen Jenn (Missy Peregrym) und Alex (Jeff Roop) bei einer Wandertour in die endlosen Wälder Kanadas. Er war schon häufiger dort und gibt sich der skeptischen Freundin gegenüber als erfahren aus, sie hat eigentlich keine Lust auf die ganze Sache, seinem Drängen aber schließlich nachgegeben. Schon früh mehren sich die Zeichen für Spannungen: Als sie einem Führer begegnen (Eric Balfour) und sie ihn zum Abendessen einlädt, brodelt Alex vor Eifersucht. Dann beginnt ihm sein Zeh Probleme zu bereiten, den er sich direkt zu Beginn des Trips verletzt hat. Als die beiden am vermeintlichen Ziel angekommen sind – wo er ihr einen Heiratsantrag machen will – stellen sie fest, dass er mit seiner Kenntnis der Gegend deutlich übertrieben hat und sie sich hoffnungslos verirrt haben: Und sie haben weder Karte, noch Kompass oder Telefon dabei. Wasser und Proviant sind rar, doch das ist nicht das Schlimmste: Ein gefräßiger Bär ist ihnen auf der Spur.

Es dauert eine ganze Stunde, bis der Bär zum ersten Mal in voller Gestalt in Erscheinung tritt, aber trotzdem verschwendet MacDonald bis zu diesem Zeitpunkt keine Sekunde. Die Spannung brodelt unterschwellig vor sich hin, die Wälder werden weniger in idyllischer Pracht eingefangen, sondern in herbstlicher Tristesse. Alles sieht gleich aus, unwirtlich und gleichgültig gegenüber den Menschen, die sich hierhin verirren. Als Betrachter folgen wir keinem in romantischer Liebe entbrannten Pärchen, sondern zwei Menschen, zwischen denen eine unsichtbare Barriere steht. Als die beiden mit der Tatsache konfrontiert sind, völlig auf sich gestellt zu sein, bricht es aus Jenn heraus: Er sei ein Versager, ein Angeber, der sich immer beweisen müsse. Was eigentlich das Ende ihrer Beziehung sein könnte, wird dann bezeichnenderweise zu einem Neuanfang. Aber der kommt zu spät. Die Bärenattacke ist kurz und heftig: Nachdem das Tier zuvor schon einmal von ihnen unbemerkt das Zelt beschnüffelt und ihren Proviant gefressen hatte, greift er sie schließlich an. MacDonald nutzt die Inszenierungstechniken des Found-Footage-Films, eine Handkamera, die Bestandteil der Szenerie zu sein scheint und im Eifer des Gefechts schon einmal ihr Motiv aus dem Fokus verliert. So wird natürlich auch die Tatsache kaschiert, dass da wahrscheinlich mit einem Prop gearbeitet wurde, das einer genaueren Betrachtung nicht standgehalten hätte. So krallt man sich zwangsläufig im Sessel fest: Wie da einer der Protagonisten seiner ewigen Bestimmung zugeführt wird, als ausgehöhltes, blutiges Abendessen im Dreck endet, mit einer feuchten Bärenschnauze in den dampfenden Eingeweiden, ist schon ein ziemlich derbes Ende für eine Figur, der man bis dahin eine Stunde lang auf Schritt und Tritt gefolgt ist. Aber die Art und Weise, wir MacDonald seine Geschichte erzählt ist cleverer, als dass man ihr damit gerecht würde, sie lediglich als Resultat ökonomischer Limitierungen zu begreifen oder sie auf einen Schlag in die Nieren zu reduzieren. Üblicherweise stilisiert der Tierhorrorfilm seine Monster zu intelligenten und unbesiegbaren Bestien (man denke nur an die Sequels zu JAWS, in denen der Hai eine echte Vendetta gegen die Familie Brody führt und sie geradezu verfolgt): Die Protagonisten werden belagert, immer weiter in die Enge gedrängt und schließlich dazu gezwungen, alles in die Waagschale zu werfen, um ihren tierischen Gegner zu besiegen. In BACKCOUNTRY ist das völlig anders: Der Bär ist einfach ein Bär, der zufällig den Weg der beiden Wanderer kreuzt und MacDonald verzichtet auf jegliche Dämonisierung. Als das Tier zum Angriff übergeht, lässt das Kräfteverhältnis halt einfach keinen Zweifel daran, wer den Kürzeren zieht. Demnach gibt es auch keinen Bossfight am Ende: Für die überlebende Jenn liegt das Heil einzig in der Flucht – und der Bär legt keine gesteigerte Motivation an den Tag, ihr lang nachzurennen, schließlich gibt es noch anderes Futter. BACKCOUNTRY ist weniger ein Tierhorror-, als vielmehr ein ziemlich bitterer, realistischer Abenteuerfilm über die Unbarmherzigkeit der Natur. Als solcher wirkt er ausgesprochen nachdrücklich: Verträumten Naturromantikern verpasst er einen ordentlichen Denkzettel. Ich bin eh kein Campingfreund, aber nach BACKOUNTRY noch weniger.