Mit ‘Mitch Pileggi’ getaggte Beiträge

Jonathan Parker (Peter Berg), als Kind Zeuge der Ermordung seiner Eltern, sieht in seinem Traum nicht nur das Gesicht eines seine Heimatstadt unsicher machenden Serienmörders, sondern auch dessen neueste Gräueltat detailgenau vorher, den Mord an Jonathans Pflegemutter und seiner Stiefschwester, ohne ihn jedoch verhindern zu können. Jonathans Pflegevater, der Polizist Don Parker (Michael Murphy), ist skeptisch, geht den Hinweisen aber nach, macht den Mörder Horace Pinker (Mitch Pileggi) schließlich gemeinsam mit Jonathan dingfest und bringt ihn auf den elektrischen Stuhl. Doch der lässt sich von ein bisschen Strom nicht unterkriegen und jagt den Jungen, der ihm das alles eingebrockt hat, fortan in wechselnden Körpern …

Ich habe SHOCKER jetzt zum dritten Mal in einem Zeitraum von ca. 20 Jahren gesehen, immer wieder in der Hoffnung, ihn jetzt mögen zu können, immer wieder mit dem Ergebnis, von seiner grenzenlosen Blödheit und seinen zahlreichen unergründlichen inszenatorischen wie erzählerischen Fehlentscheidungen verprellt zu werden. Ich muss dazu sagen, dass ich es mit Wes Craven eh nicht so habe, ihn für einen intelligenten Mann, aber bestenfalls für einen mittelmäßigen Regisseur halte. Beides ist für mich kausal durchaus miteinander verbunden: Er scheint mir einfach zu klug, um einen Horrofilm zu machen, der einem so richtig die Luft raubt, weil er sich von seiner humanistischen Ader nicht losmachen kann. Seine heterogene Filmografie – einige gute, aber auch schon nicht makellose Filme (mein Liebling von ihm ist und bleibt THE SERPENT AND THE RAINBOW) tummeln sich zwischen echtem Schott der Marke DEADLY FRIEND oder VAMPIRE IN BROOKLYN und viel Durchschnitt – lässt darüber hinaus nur den Schluss zu, dass er echte Probleme damit hat, gute von schlechten Ideen zu unterscheiden und SHOCKER ist geradezu ein Paradebeispiel für diese These. Es mag sein, dass das nicht seine Schuld allein ist: SHOCKER riecht auch Meilen gegen den Wind nach der Geldgeilheit des Studios, das mit Horace Pinker wohl einen neuen Freddy Krueger heranzüchten wollte, auf dass man etliche Sequels und Merchandising unters willige Volk bringen könne. Ein bisschen Slasher, etwas greller Humor, ein bisschen gut dosierte Medienkritik, die niemandem wehtut, ein bisschen Selbstreferenzialität für die Fans, ein bisschen Gewalt, aber bloß nicht zu viel, und stattdessen einen aufdringlichen Rocksoundtrack: Fertig ist der Horrorhit. Die Rechnung ging verdientermaßen nicht auf und wenn es einen Grund gibt, sich diesen aufgeblähten Quark anzusehen, dann wohl darum, um sich zu vergewissern, dass damals definitiv nicht alles besser, manches sogar noch viel, viel schlimmer war. Da overactet sich ein unterentwickelter Killer in unmotivierter Körpertausch-Manier durch den Film, verfolgen sich Held und Schurke am Schluss in einer videoclippigen Sequenz durchs Fernsehprogramm als seien sie das amerikanische Pendant zu Mike Krüger und Thomas Gottschalk in DIE EINSTEIGER, lassen einen miese visuelle Effekte die modernen CGI-Orgien als Balsam für die Augen empfinden, quäken Megadeth ihr unwürdiges Alice-Cooper-Cover „No More Mr. Nice Guy“ über eine der potenziell spannendsten Szenen des Films und rettet am Schluss die Kraft der jugendlichen Liebe in Form eines Herzchenanhängers den Tag, bevor sie noch einmal als Blinksternchen vom Himmel grüßt. Es gibt ein paar inspirierte Momente, manchmal wirkt SHOCKER gar wie ein modernes Märchen, das nicht sein durfte, weil es ja die Kids ins Kino locken sollte, und vielleicht kann ein Medienwissenschaftler auch die idiotische Elektrizitätsmetaphorik des Films mit Sinn füllen: Mir ist das ziemlich latte, weil ich den Film so grotesk unansehbar finde, dass mir dazu kaum noch was einfällt.