Mit ‘Monsterfilm’ getaggte Beiträge

Wahnsinn, meine Gattin und ich habe es tatsächlich mal wieder in einen aktuellen Film ins Kino geschafft!

Etwas ganz Ähnliches kann man auch über THE MEG sagen, den Riesenhaifilm um den aus einem tiefen Schlummer geweckten Urzeithai Megalodon. Der Film nach einem Roman von Steve Alten sollte bereits vor über zehn Jahren gedreht werden – damals war Jan de Bont als Regisseur im Gespräch – und schlingerte ca. zwei Jahre lang durch die „development hell“, bevor New Line beschloss, das Projekt auf unbestimmte Zeit auf Eis zu legen (hier die entsprechende Nachricht dazu). Haifisch-Film-Fans wie ich dürfen nun frohlocken, denn der in mehrerer Hinsicht reanimierte Hai ist besser, als man es eigentlich erwarten durfte.

Die Handlung ist mehr oder weniger unwichtig: Ein vom unsympathischen Millionär Morris (Rainn Wilson) finanziertes Forschngsteam hat herausgefunden, dass die tiefste Stelle im Meer tatsächlich noch tiefer liegt als angenommen. Der Boden des Mariannengrabens ist nämlich gar kein Boden, sondern eine Art Nebelschicht, unter der sich ein völlig unerschlossenes Ökosystem befindet. Doch das erste Team, das sich in die unbekannten Tiefen begibt, wird sogleich von etwas sehr, sehr großem attackiert und liegt nun hilflos auf dem Meeresboden. Hinzugezogen wird der Rettungstaucher Jonas Taylor (Jason Statham): Der ist nicht nur der Ex-Mann der verunglückten Lori (Jessica McNamee), er hat seinen Job eigentlich an den Nagel gehängt, seitdem er bei der Bergung eines Atom-U-Bootes mit etwas sehr, sehr Großem konfrontiert, danach aber für verrückt erklärt wurde …

Das Wichtigste an einem Film um einen Monsterhai sind natürlich die Haiszenen selbst, die tricktechnisch sehr gut gelungen sind und viel Abwechslung bieten: Es gibt diese ominösen Bilder, in denen sich das Monster langsam aus dem Dunkel des Meeres schält, plötzliche Attacken, kurz vor der Kamera zuschnappende Mäuler, überraschende Sprungangriffe, Asichten der aus der hungrigen Ego-Perspektive, Blicke von oben, die das Ungetüm in voller Größe zeigen, und immer wieder die bedroliche Rückenflosse. THE MEG funktioniert als eine Art Best-of filmischer Haiattacken: Wer sich in den vergangenen 40 Jahren mit gefräßigen Meeresbewohnern und Unterwasser-Expeditionen im Film beschäftigt hat, wird naturgemäß einiges wiedererkennen. Die Ausgangssituation erinnert etwas an Camerons THE ABYSS und wartet mit einem schönen Panorama des neuen Lebensraumes auf. Das Hickhack auf der Forschungsstation kennt man natürlich aus Harlins DEEP BLUE SEA, manche Aufnahme zitiert den seligen JAWS 3-D. Später, wenn es auf die Jagd nach dem Monster geht, erkennt man die Spielereien mit Harpune und Haikäfig aus Spielbergs Klassiker JAWS wieder und sogar der oft verlachte ORCA wird referenziert. Und am Ende, wenn sich der Hai dem beliebtesten Urlaubsstrand der Welt nähert, wird manche JAWS-Einstellung nahezu eins zu eins übernommen.

Dem großen Vorbild kann Turteltaub erwartungsgemäß nicht das Wasser reichen: THE MEG ist Monsterfilm-nach-Zahlen und er begnügt sich damit, bekannte Situationen zu modifizieren und quantitativ einen draufzusetzen: Spielbergs Hai war sechs Meter lang, der Meg misst 20 Meter. Auch die Charaktere sind nicht mehr als hingeworfene Folien, die man sofort in die schon offene Schublade stecken kann und ihre kleinen Problemchen interessieren wirklich niemanden. Aber die Schauspieler machen das beste aus dem eng gesteckten Rahmen und sorgen dafür, dass man am Ball bleibt. THE MEG ist eigentlich eine mit viel Geld aufgeblasene Videopremiere (wenn es sowas denn noch gäbe) und es freut mich immer wieder, wenn solcher Käse mit viel Geld zum Summer-Event-Movie aufgeblasen wird, insofern hat er eh einen Bonus bei mir. Aber auch ohne diesen hätte ich gestern meinen Spaß gehabt.

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Die armen Bürger von Seriphos stehen im Clinch mit dem Königreich Argos: Wenn sie zum Meer wollen, um dort Handel zu treiben, werden sie von den Soldaten Argos‘ mit Waffen empfangen und geraten dabei entweder in die Fänge eines gefräßigen Sumpfmonsters oder der Medusa. Es scheint nur eine Möglichkeit zu geben, den Konflikt beizulegen: Andromeda (Anna Ranalli), die Tochter des Königs von Serephos, an den fiesen Galenor (Leo Anchóriz) zu verheiraten, seinerseits Thronfolger von Argos. Doch in einem Turnier, in dem Galenor seine Eignung beweisen will, wird ervon Perseus (Richard Harrison) besiegt: Und den weist ein Muttermal als dazu bestimmt aus, Galenor zu töten …

PERSEO L’INVINCIBILE hat zwei Stars: das Sumpfmonster, ein Dinosaurier, das von Effektpionier Carlo Rambaldi geschaffen wurde und noch so manches 20 Jahre später entstandene Gummimonster hinsichtlich Größe und Beweglichkeit in den Schatten stellt. Und dann die Medusa, die hier aussieht wie ein Lovecraft’sches Krakenmonster mit Spinnenbeinen und Zyklopenauge. Ihr Design ist tatsächlich sensationell, weil es absolut fremdartig wirkt: Ich mag gar nicht daran denken, wie mich dieses groteske Biest verstört hätte, wenn ich den Film damals im Abendprogramm aufgeschnappt hätte. Dazu kreierte Mario Bava ihr via grandiosem Glas-Matte den passend apokalyptischen Lebensraum, eine von versteinerten Menschen übersäte Einöde mit einem Vampirzahnbewehrten Höhleneingang am Horizont. Toll! (Die versteinerten Figuren stammten von Marios Vater Eugenio, der im Gegensatz zum Sohnemann dann auch in den Credits genannt wird.)

Leider begeht der Film einen folgenschweren Fehler: Er verheizt seine beden großartigen Spezialeffekte schon in den ersten zehn Minuten und beraubt sich so selbst eines echten Höhepunkts. Machen wir uns nichts vor: Die Story um den zu Großem berufenen Helden Perseus, der die Unterdrückten rettet, die Schurken bestraft, nebenbei zwei Monster abschlachtet und am Ende die Schöne in die Arme schließen darf, ist ganz nett, recht actionreich in Szene gesetzt, aber nichtsdestotrotz völlig vorhersehbar. Und der Kampf des Helden gegen die beiden Ungetüme wird eben dadurch erheblich an Wirkung beraubt, weil man beide Biester schon vorher in voller Pracht zu Gesicht bekommen hat. Ich habe mich dann auch über weite Strecken königlich gelangweilt, nachdem ich zu Beginn schier frohlockt habe. Ich würde PERSEO L’INVINCIBILE Fans des fantastischen Films auch dennoch empfehlen, denn diese Medusa muss man einfach gesehen haben. Einfach grandios unheimlich …

 

 

Godzilla mag der König des Kaijû Eiga sein, aber mein Herz schlägt für Kingu Kongu! Der Riesenaffe sieht in seiner japanischen Inkarnation so herzerwärmend derangiert aus – dümmlich-verschlafener Blick aus trüben Glubschaugen, Überbiss, unreine, krustige Affenhaut, Altherrenbusen und ein motten- und wanzenzerfressenes Fell, das bestimmt nach nassen Hund riecht -, das man ihn einfach liebhaben muss. Die Fortsetzung zu KINGU KONGU TAI GOJIRA ist für mich einer der schönsten Toho-Kaijû der Sechzigerjahre, ein einziges Wunderwerk, vollgestopft mit allem, was man an diesen Filmen immer schon toll fand: putzige Modellbauten, erwachsene Menschen in Gummianzüge, tolldreisten Ideen, einem schier wahnwitzigen Plot und dusseligen Dialogen in rasanter Folge.

Der böse Dr. Who (Hideyo Amamoto) will mithilfe eines dem Riesenaffen King Kong nachempfundenen Roboters ein wertvolles Mineral aus dem Erdreich unterhalb des Nordpols bergen, doch er hat die Rechnung ohne die magnetischen Ströme gemacht, die seine Erfindung kurzerhand lahmlegen. Schnell auf die Insel, die der echte Affe bewohnt, ein bisschen Ether auf den Dez geknallt und ab dafür. Am Nordpol prallen King Kong und sein Blechdouble aufeinander – und verlagern ihre Keilerei nach eine kurzen Plantscherei ins japanische Tokio. Die UN-Soldaten Carl Nelson (Rhodes Reason), Jiro Nomura (Akira Takarada) und Susan Watson (Linda Miller), in die sich King Kong ein bisschen verliebt hat, beobachten den Kampf …

Ganz ehrlich: Der Verlauf der Handlung hält nicht ganz, was der Aufbau verspricht. Aber das kennt man als Kaijû-Zuschauer ja schon. Am Ende läuft eben alles auf eine große Balgerei hinaus, bei der Pappkulissen zertrampelt werden, Plastikpanzer lustig in der Gegend herumkullern, zerrissene Stromleitungen Funken sprühen und erwachsene Darsteller an die kostümbedingten Grenzen der Mobilität stoßen. Das ist immer schön und herzig anzuschauen, aber nicht unbedingt spannend. Aufregendes ist der Weg, der bis dahin zurückgelegt wird. Der Stützpunkt des bösen Dr. Who ist ähnlich größenwahnsinnig wie die Behausungen der zur selben Zeit aktiven Bond-Schurken, seine faulige Kauleiste der Stoff aus dem die Albträume sind. Der Robokong hingegen macht einiges her und ist natürlich der Gipfel der Absurdität, den der Kaijû in den Sechzigerjahre erklomm. Auf Kongs Heimatinsel werden die Protagonisten unterdessen von dem obligatorischen alten Zausel willkommen geheißen, bevor sie einem Kampf zwischen King Kong und dem Gorosaurus, einem missgebildeten T-Rex mit Schunkelbirnensyndrom, beiwohnen dürfen. Richtig toll ist das Talent Hondas, Schauplätze die Tausende von Kilometern voneinander entfernt sind, in der Handlung wie Nachbarorte zu verbinden. Dr. Who fliegt mit einem Hubschrauber zu Kongs Insel (ohne einmal zu tanken) und entführt das Biest nur wenige Minuten, bevor Nelson und Co. dort aus New York eintreffen. Nelson, der Fuchs, weiß angesichts der zurückgebliebenen Kampfspuren sofort, was los ist: Das kann nur Dr. Who gewesen sein, „the international Judas“. Und wo könnte der wohl besser sein Unwesen treiben als am Nordol?

Das ist die Logik, nach der KINGU KONGU NO GYAKUSHÛ vorgeht – und wer wollte es ihm verübeln? Ein Film, der einen potthässlichen, zurückgebliebenen und unter Maul- und Klauenseuche leidenden Riesenaffen zu seinem erklärten Helden macht, muss sich nicht mit eitlen Details aufhalten, denn er hat alles, was es braucht. Ich finde es ein bisschen schade, dass dem Robokong nicht noch weitere Filmauftritte spendiert wurden, denn da wäre noch so Einiges möglich gewesen. So sollten wir aber alle dankbar sein für das, was wir haben und das Positive sehen: Immerhin konnte dem Blechaffen kein missratenes Sequel den Zauber stehlen. KINGU KONGU NO GYAKUSHÛ ist reine Kinomagie, die in der Szene zu sich kommt, in der King Kong mit dem Arsch voran ins Wasser des Nordpols hüpft.

Arbeiter in einem Bergwerk verunglücken unter mysteriösen Umständen. Bei Nachforschungen wird die Ursache der Unfälle entdeckt: riesige Käfer, sogenannte Meganulons. Kurz nach der Entdeckung der Krabbelviecher wird ein zweites Monster gesichtet, ein Rodan, ein an den Pteranodon erinnerndes Flugungeheuer. Aber auch der ist nicht allein …

Zwei Jahre nach dem Erfolg von Hondas GOJIRA schickte der Regisseur ein weiteres Riesenmonster in die Welt hinaus, diesmal in einem prächtigen Farbfilm. Der Name „Rodan“ (bzw. „Radon“ im japanischen Original, angelehnt an den PteRAnoDON) wurde hier noch als Gattungsbegriff verwendet, den gleich zwei der Flattermänner trugen. Im acht Jahre später entstandenen SAN DAIKAIJÛ: CHIKYU SAIDAI NO KESSEN  bezeichnete er dann nur noch einen Vogel, der gegenüber den Ursprungsmonstern eine ganze Nummer dämlicher aussah, nämlich ungefähr wie ein brauner Hühnerhabicht mit Gesicht zum Reinschlagen.

Hier lassen sich die Rodans ganz schön Zeit bis zu ihrem Auftritt, dafür gibt es die putzigen Meganulons, die die Bergarbeiter dezimieren und tricktechnisch gleichermaßen rührend wie toll anzusehen sind: Offensichtlich steckten auch hier Schauspieler in den detailverliebten Kostümen und mussten auf allen Vieren in der Gegen rumkrauchen. Was diese Käfer eigentlich mit dem Auftauchen der Riesenvögel zu tun haben, hat sich mir nicht ganz erschlossen: In einer Rückblende sieht man noch, wie ein gerade schlüpfender Rodan ein paar der für ihn winzigen Tierchen aufpickt und verschlingt, danach werden die Meganulons mit keiner Silbe mehr erwähnt. Stattdessen gibt es Vögelaction (höhö), die sich sehen lassen kann: erst ein Duell zwischen einem Kampfflugzeug und dem Tier hoch zu Luft, dann die typische Modellstadtvernichtung. Wie Rodan da mächtig Wind mit seinen Flügeln macht und so dafür sorgt, dass Häuser  einstürzen und Panzer wegfliegen, ist in der Tat ziemlich toll und man versteht auch, warum das Vieh für spätere Filmeinsätze reanimiert wurde – allerdings nicht, warum er in keinem seiner weiteren Auftritte auch nur annähernd an seine Frühform herankommt. Das Ende, in dem der Vogel in der Lava eines ausgebrochenen Vulkans verglüht, ist geradezu avantgardistisch in seiner distanzierten Langgezogenheit und rundet einen Kaijû ab, der sich von den GOJIRA-Filmen der Showa-Staffel (unter diesem Namen werden die ersten 15 Filme zusammengefasst) deutlich unterscheidet.

SORA NO DAIKAIJÛ RADON hat mich vor allem visuell an Hayao Miyazakis brillanten TONARI NO TOTORO erinnert: Das inmitten grün bewaldeter Hügel gelegene Bergbau-Dörfchen mit seinen bescheidenen Einwohnern, in dem Hondas Film spielt, sieht jedenfalls ganz ähnlich aus wie die Gegend, in der die kleine Satsuki den freundlichen Waldgeist trifft – und auch die Zeit passt ja ungefähr. Während die GOJIRA-Filme eher städtisch anmuten, zigarettenrauchende, perfekt frisierte Journalisten, kluge Wissenschaftler oder strenge Militärs aufbieten, ist SORA NO DAIKAIJÛ RADON bodenständiger, langsamer, erdiger und ruhiger. Ein Garant für Hochspannung ist Hondas Film nicht unbedingt, auch wenn Rodan in den Zerstörungsmodus schaltet, behält der Film seine rurale Unaufgeregtheit. Aber das macht eigentlich gar nichts: SORA NO DAIKAIJÛ RADON fließt mit großer Ruhe dahin wie das ländliche Leben seiner Bewohner, nimmt sich seine Zeit wie der außerirdische Monstervogel, der unter der Erde wartet, bis es Zeit ist, aus seinem Riesenei auszuschlüpfen. Und bis es soweit ist, kann man den Blick wandern lassen und sich fragen, welche Wunder da zwischen Himmel und Erde auf ihre Entdeckung warten.

Das Internet und sämtliche verfügbaren Nachschlagewerke sind sich einig, das BLOOD TIDE ein ziemlicher Heuler ist. Es ist schwer, ihnen da zu widersprechen. Die Story um einen Schatzsucher, der ein uraltes Monstrum aus seinem Schlaf weckt, ist wahrlich nicht der Stoff, aus dem die Superhits gemacht sind, und dass man besagtes Monster lediglich einmal ganz kurz sieht, in einer Szene, die nicht gerade angetan ist, einen vor Schrecken zusammensacken zu lassen, ist auch kein Argument für den Film, an dem immerhin Nico Mastorakis und Brian Trenchard-Smith sowie solche Akteure wie James Earl Jones und Jose Ferrer beteiligt waren. Aber es ist nicht zuletzt die mit diesen Personen verbundene Professionalität, die den Film über den Status des Billigschlocks hebt – und mich für BLOOD TIDE einnahm. Dass ich dem Film seit Jahrzehnten hinterherlaufe – der Verriss aus dem berüchtigten „Horror-Film-Lexikon“ von Hahn/Jansen hatte mich schon als Kind neugierig gemacht – hat sicher auch nicht geschadet.

Das Ehepaar Sherry (Mary Louise Weller) und Neil Grice (Martin Kove) segelt zu einer griechischen Insel, auf der Neil seine Schwester Madeline (Deborah Shelton) vermutet, eine Künstlerin. Vom verschwiegenen Bürgermeister Nereus (Jose Ferrer) werden sie alles andere als freundlich empfangen, offensichtlich mag er keine Eindringlinge auf der Insel. Kein Wunder, denn Madeline, eine Exzentrikerin, die sich der Aufgabe angenommen hat, alte Ikonen zu restaurieren und dabei in eine Art kultischer Exstase geraten ist, und Frye (James Earl Jones), ein versoffener Schatzsucher und ehemaliger Shakespeare-Darsteller, sind schon mehr als genug. Zumal Frye mit einer unterirdischen Sprengung ein Seeungeheuer aufweckt, das nach Menschenopfern verlangt.

Setting und Atmosphäre von BLOOD TIDE erinnern den Horrorfilm-Connoisseur natürlich unweigerlich an Joe D’Amatos Ägäis-Schocker ANTHROPOPHAGUS, was nicht die schlechteste Referenz ist. Jefferies Film ist dunkel,  hypnotisch und langsam, dabei außerdem von seiner Wirkung überzeugt. Nie hat man den Eindruck, der Regisseur versuche nur das Beste aus seinen geringen Möglichkeiten zu machen. Dass man vergeblich auf das Monster wartet, ist ein bisschen schade, denn was könnte es cooleres geben als eine Auseinandersetzung mit einem Seeungeheuer, aber BLOOD TIDE lebt sowieso mehr von einer diffusen Bedrohung, von der Ahnung, dass da etwas Böses, Dunkles lauert, von dem Gefühl, dass wir Menschen viel, viel weniger wissen, als wir glauben, von der Macht, die Aberglauben und dunkle Mythen über uns haben. Und dieses dunkle Gefühl, dass sich tief unten in unserer Magengrube eingenistet hat, das fängt BLOOD TIDE meiner Meinung nach perfekt ein. Man muss sich nur darauf einlassen und sollte besser keinen spaßigen Monsterfilm erwarten. BLOOD TIDE schlafwandelt traumgleich an der Grenze zwischen Schlock und Kunst und wirft am Ende die Frage auf: Was war das denn? Filme, denen das gelingt, haben bei mir immer einen Stein im Brett.

 

 

Der letzte Beitrag der ersten GODZILLA-Reihe ist nicht nur ein Sequel zum unmittelbar vorangegangenen GOJIRA TAI MEKAGOJIRA, sondern auch die letzte Regiearbeit des großen Ishirô Honda. Er beschert dem Franchise einen versöhnlichen Abschluss, nachdem die unmittelbar vorangegangenen Teile  Ermüdungserscheinungen und konzeptionelle Ratlosigkeit nicht mehr verbergen konnten. MEKAGOJIRA NO GYAKUSHU erinnert wieder mehr an die frühen, naiven Monsterabenteuer mit Sci-Fi-Einschlag und muss sich nicht noch zusätzlich bei Kleinkindern und Pärchen anbiedern.

Nach den Ereignissen des Vorgängers versuchen Wissenschaftler die Trümmer des Mechagodzilla vom Meeresboden zusammenzuklauben, um ihn zu rekonstruieren, doch ihr U-Boot wird dabei von einem Monster, dem Titanosaurus, attackiert und zerstört. Den Titanosaurus hatte einst der mittlerweile verstorbene Professer Mafune entdeckt, der dafür aber nur Hohn und Spott erntete und in der Versenkung verschwand. Nun stellt sich heraus, dass er nicht nur quicklebendig ist, sondern auch mit außerirdischen Kräften paktiert, um sich mithilfe des Mechagodzilla an den Menschen zu rächen …

Die Story ist so herzhaft Banane, wie man das von der Reihe erwartet und der neue Titanosaurus, dessen Superpower das Windmachen mit seiner Schwanzflosse ist, sieht aus wie ein Riesenseepferdchen mit Wendehals und Schunkelbirne. Das sind schon einmal zwei Grundzutaten für ein putziges Vergnügen, das zwar mit den frühen GOJIRA-Filmen nicht mithalten kann, aber eben doch wieder angenehm naive Unterhaltung bietet. Zusätzliches Drama liefert der Subplot um das menschliche Hirn, das Mechagodzilla zum perfekten Funktionieren braucht und das ausgerechnet Professor Mafunes Töchterlein ihm geben soll. Aber wie gehabt ist das letztlich alles nur Vorgeplänkel für die ausufernde Schlacht der Monstren am Schluss, die noch einmal all das aufbietet, was man von Anfang an so geliebt hat. Man merkt es meinen Texten an: Wenn man über einen dieser Filme geschrieben hat, fällt es schwer, noch Neues über die anderen zu sagen. MEKAGOJIRA NO GYAKUSHU markiert gehobenen Godzilla-Film-Durchschnitt, was für seinen Status als Abschlussfilm nicht so verkehrt ist. Wer mehr wissen will, sollte ihn sich selbst anschauen.

Eine konzeptionelle Linie in dieser Endphase der ersten Godzilla-Reihe zu finden, ist schwierig. Hatte man die stärkere Hinwendung zum Kinder- und Pärchenfilmmarkt (KAIJÛTO NO KESSEN: GOJIRA NO MOSUKO und GOJIRA – MINIRA – GABARA: ORU KAIJÛ DAISHINGEKI) versucht, um dann wieder ernstere Töne anzuschlagen (CHIKYU KOGEKI MEIREI: GOJIRA TAI GAIGAN), nur um sich dann doch wieder um die Kinder zu kümmern (GOJIRA TAI MEGARO). GOJIRA TAI MEKAGOJIRA ist nun also die erneute Rückbesinnung auf die Wurzeln im Abenteuer- und Science-Fiction-Film. Wieder einmal wollen Böslinge die Welt erobern, wieder einmal wissen sie, dass sie es zuerst mit Godzilla aufnehmen müssen. Ihre Antwort: der Mechagodzilla, ein dem Original nachempfundener Roboter (auch wenn sie noch so oft „Cyborg“ sagen), der auch fliegen sowie Raketen aus Fingern und Zehen abschießen kann.

Godzilla zur Seite steht wieder einmal der weitestgehend nutzlose Anguirus, dem vierbeinigen Dinomonster, das den auf den Knien herumkriechenden Schauspieler leider/zum Glück nicht verbergen kann. Und dann kommt da noch die zweite Neuschöpfung ins Spiel der löwengleiche King Cäsar, der von einer holden Maid mit lieblichem Gesang aus tausendjährigem Schlaf geweckt wird und Godzilla zur Hilfe kommt. Das klingt wahrscheinlich genauso bunt, banane und potenziell spaßig wie bei anderen Godzilla-Filmen auch, aber die Luft ist doch merklich raus. Die Monsteraction und der erzählerische Anteil des Films stehen merklich unverbunden nebeneinander, zum ersten Mal musste ich an Godfrey Ho denken. Mechagodzilla ist eine Schau, kommt aber erst spät und dann zu selten zum Einsatz. King Cäsar stört nicht wirklich, ist aber auch kein neuer Star am Kaiju-Himmel, am schönsten ist die oben genannte Erweckungsszene. Vielleicht ist die Folge dieser Sichtung aber auch viel weniger ein Urteil über den Film als die Erkenntnis, dass man vielleicht nicht drei Godzilla-Filme nacheinander schauen sollte.