Mit ‘Monsterfilm’ getaggte Beiträge

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Letztes Jahr war es der hongkongchinesische Bruceploiter MENG LONG ZHEN DONG, der sich in die Spitzengruppe meiner imaginären Jahrescharts katapultierte, dieses Jahr dürfte es nicht allzu vielen Filmen gelingen, UCHÛ DAIKAIJÛ DOGORA aus dem Führungsfeld zu verdrängen. Das in Deutschland unter dem Titel X3000 – FANTOME GEGEN GANGSTER firmierende Crossover aus klassischem Sci-Fi-Monster- sowie Gangster- und Agentenfilm ist eh schon eine Schau, aber es hat zudem noch den Bonus einer echten Rarität, was die Vorführung im Rahmen des 3. Mondo Bizarr Weekenders in Düsseldorf zu einer cinephilen Galaveranstaltung machte. Die Kopie, die zur Aufführung kam, ist möglicherweise die letzte in Existenz, zumindest in Deutschland ist keine weitere bekannt. Man kann ja nur hoffen, dass der Schatz bald in Form einer digitalen Version für die Nachwelt erhalten bleibt, denn UCHÛ DAIKAIJÛ DOGORA ist denkwürdig. Ein Film, der alles hat und davon auch noch eine Menge.

Zur Handlung: Weltweit werden vermehrt Diamanten gestohlen. Die Polizei steht vor einem Rätsel, aber auch die Gangster sind beleidigt, denn sie haben ausnahmsweise mal nichts damit zu tun. Komisch außerdem: Zeitgleich mit den Diamanten verschwinden auch immer Unmengen an Kohle. Bei seinen Ermittlungen stoßen der Polizist Kommei (Yôsuke Natsuki) und der rätselhafte Wolf Hanter (Robert Dunham) aneinander. Ist letzterer ein Ganove oder doch eher ein Geheimagent? Nachdem die beiden sich zusammengerauft und mit dem Wissenschaftler Dr. Munakata (Nobuo Nakamura) kurzgeschlossen haben, der daran arbeitet, Diamanten als Energiequelle nutzbar zu machen, kommen sie dem Geheimnis auf die Spur: Kohlenstoffe, die sowohl in Diamanten wie auch in Kohle enthalten sind, dienen einer riesigen Weltraumqualle namens „Dogora“ als Nahrung. Aber was, wenn alle Diamanten und Kohlen aufgefressen sind?

Zunächst mal ist der Film von vorn bis hinten einfach nur liebenswert: Kommei ist so einer dieser naiven, kantenlos-schwiegersohnartigen Helden, wie sie in Mode waren, bevor sie von den unrasierten James Bonds dieser Welt abgelöst wurden, der froschmäulige „Wolf Hanter“ in der unbestechlichen Logik des Films allein deshalb ein Teufelskerl, weil er Amerikaner ist. Seine Überlegenheit, die ihm da ständig attestiert wird, ist eigentlich eher in der totalen Hilflosigkeit aller Japaner im Film begründet, die sich wohl auch mit dem alten „Guck mal da!“-Trick noch ins Bockshorn jagen ließen. Dr. Munakata ist der obligatorische alte Wissenschaftszausel, der ganz in seiner eigenen Welt lebt und dessen hirnrissigen Hypothesen beständig fassungslose Gesichtsentgleisungen und Kulturschocks bei den handfesten Helden hervorrufen. UCHÛ DAIKAIJÛ DOGORA gehört zu jenen Science-Fiction-Filmen, für die „Wissenschaft“ in erster Linie bedeutet, dass allerhand verrückte Sachen möglich sind, an die der Ottonormalverbraucher nie zu denken gewagt hätte. So kommt es dann auch, dass die Riesenqualle am Ende mithilfe von Bienengift unschädlich gemacht werden kann, das eilends von allen Fabriken des Landes synthetisch hergestellt wird – wo die die Energie nach der Kohlenfressorgie des Monsters hernehmen, bleibt unbeantwortet: Recht so!

Hondas Film ist ein herrliches, rührendes, endlos spaßiges Filmerlebnis, aber es bekommt durch seine Effektsequenzen noch einmal einen zusätzlichen Schub, der es in andere Sphären katapultiert. Alles beginnt mit den schon nicht üblen Szenen, in denen Fabrikschornsteine, Autos, Züge und Kohlenberge „abgesaugt“ werden, der Auftritt Dogoras toppt dann aber alles: Die Sequenz, in der die Qualle in voller Pracht zu sehen ist, hat psychedelische Qualitäten, ist tricktechnisch höchst einfach gestaltet, aber so saumäßig effektiv umgesetzt, dass man sich fragt: Wie haben die das gemacht? Marc hat in seiner Einführung den Namen „Lovecraft“ in die Runde geworfen und damit ziemlich genau ins Schwarze getroffen: Dieses majestätische Biest, das da aus einem kosmischen Nebel herabschwebt und mit seinen fluoreszierenden Tentakeln herumwirbelt, ist wahrscheinlich eine bessere Cthulhu-Darstellung als alle „echten“ Versuche, den Großen Alten filmisch abzubilden. Dann kommen auch noch wunderschöne Zeichentrick-Effekte zum Einsatz, wenn Dogora mit seinen Greifarmen nach einer großen Brücke schnappt und sie kurzerhand einstürzen lässt. Fantastisch! Episch! Gänsehaut!

In UCHÛ DAIKAIJÛ DOGORA vereint sich das eigentlich Unvereinbare auf höchst glückliche Art und Weise zu einem wunderbar unterhaltsamen, schwungvollen und schlicht endlos sympathischen Werk, das größere Bekanntheit definitiv verdient hat und jeden, ich behaupte jeden, der ein Herz für den poppig-bunten Exploiter der Sechzigerjahre, für Monster und einfach für tolle Filme hat, um den Verstand bringen wird. Volle Punktzahl.

pumpkinhead2bby2bpj2bmcquadeEin ewiger Favorite und m. E. einer der schönsten Horrorfilme seines Jahrzehnts: PUMPKINHEAD begleitet mich seit dem Erscheinen des Films auf Video in den späten Achtzigerjahren und verzückt mich bei jeder Auffrischung immer wieder aufs Neue. Er genießt wohl unter Horrorfans einen kleinen Kultstatus, den man unter anderem an solchen Liebesdiensten wie dem nebenstehenden Poster-Fandesign oder an der Verfügbarkeit von Pumpkinhead-Actionfiguren und Modellen sowie natürlich den diversen Sequels erkennt, aber die Anerkennung, die er eigentlich verdient hätte, wird ihm nicht zuteil.

PUMPKINHEAD war seinerzeit das Regiedebüt des Special-Effects-Zauberers Stan Winston, dem dann aber leider nichts wirklich Bedeutsames mehr folgte (A GNOME NAMED GNORM, ärx). Auch wenn man sich ein paar Jahre später dazu entschloss, ein (ebenfalls hübsches) Sequel nachzuschieben: An der Kasse ging PUMPKINHEAD mit einem Einspielergebnis von etwas über 4 Millionen Dollar gnadenlos baden und versetzte den Ambitionen Winstons einen herben Dämpfer. Wahrscheinlich war dieser Film den auf den neuesten FRIDAY THE 13TH-Flick wartende Teenies dann doch zu düster und ungemütlich. In überaus sparsamen 82 Minuten erzählt PUMPKINHEAD eine finstere Rachegeschichte ohne Firlefanz, in der es am Ende keinen Sieger gibt, nur Tote und Kriegsversehrte. Die Storyline, aber auch der verschlankte Plot erinnern etwas an die Crime-does-not-pay-Moralkeulen der TALES FROM THE CRYPT-Reihe, aber wo diese am Ende dem alttestamentarischen Gerechtigkeitsempfinden frönen, räumt Winson gnadenlos auf mit der Idee, das Rache irgendetwas lösen könnte, bestraft den Mann, der den Tod seines geliebten Sohnes hinnehmen musste, gewissermaßen doppelt. Der Aderlass von PUMPKINHEAD steht den lustigen, gewissermßaen folgenlosen Body Counts, die in jenen Tagen gefragt waren, stimmungsmäßig diametral entgegen.

Was mich aber in erster Linie so einnimmt für den Film sind zwei andere Dinge: Ich finde es enorm bemerkenswert, wie es Winston gelungen ist, in nur wenigen Szenen die Grundlage zu schaffen, auf der sein Film dann seine emotionale Durchschlagskraft entfaltet. Das ist vor allem Lance Henriksen anzurechnen, der PUMPKINHEAD eben nicht als schnelles Cash-in betrachtet, durch das man sich auf Autopilot durchmogeln kann, wie das einige seiner Kollegen zweifellos getan hätten, sondern aufspielt, als bewerbe er sich bei der Academy. Das macht schon Sinn, wenn man bedenkt, dass es sich hier – mit Ausnahme der späteren Fernsehserie MILLENNIUM – um die vielleicht einzige echte Hauptrolle in der langen Karriere Henriksens handelt. Vermutlich betrachtete er PUMPKINHEAD als Chance, sich für Größeres zu empfehlen. Dieser Plan ging leider nicht auf, aber der Zuschauer darf sich über eine erstkassige Darbietung freuen, die diesen vermeintlich „kleinen“ Timewaster auf eine höhere Ebene hievt. Wo ich schon Kürze und Würze anspreche: PUMPKINHEAD ist einer jener Glücksfälle, in denen ausnahmsweise einmal nichts toterklärt wird. Das Mysterium um die Titelkreatur wird einfach gesetzt, nicht lang und umständlich hergeleitet, der Zuschauer in ein rätselhaft-magisches Backwood-Szenario geworfen, in der latzhosige und stets verdreckte Landeier in knotigen Holzhütten fernab der Zivilisation leben und eine Hexe im Sumpf böse Wünsche erfüllt. Winston kreiert mit wenigen Pinselstrichen eine Welt, in deren Nebel sich einen ganze düstere Mythologie verbirgt. Visuell entspricht PUMPKINHEAD diesem Konzept mit einer  visuellen Gestaltung, die ungefähr die Schnittmenger von Tim Burton, wenn der weniger sterile Ausstattungen bevorzugte, und Mulcahys RAZORBACK widerspiegelt. Die eindrucksvolle Titelkreatur wird überaus effektreich eingesetzt, der Film in seinem letzten Drittel, angetrieben von Kamera und einer kakophonischen Tonspur, sogar äußerst übergriffig und schmerzhaft. Wie gesagt: In den knapp 80 Minuten ist alles drin, was man sich von einem solchen Film aus Angst, enttäuscht zu werden, meist gar nicht erst zu wünschen wagt.

Und für mich persönlich, der ich PUMPKINHEAD nun zum ersten Mal als Vater gesehen habe, wiegt die zentrale Tragödie heute sogar noch ungleich schwerer als bei den letzten, schon über zehn Jahre zurückliegenden Sichtungen. Dieses Bild, wenn Ed Harley (Lance Henriksen) den leblosen Körper seines Jungen in den Armen hält … Niederschmetternd, einfach nur niederschmetternd.

 

land-that-time-forgot-brit-quadDer Abschlussfilm eines erneut überaus gelungenen Wochenendes hinterließ beim Abgang genau jene leicht giftig anmutende Schärfe von in Würde gereiftem Stilton und diesen unverwechselbaren Geruch von Ammoniak, den man aus Unterführungen in Bahnhofsnähe kennt und der einem den Kopf ganz leicht macht, wenn man ihn nur tief genug in die Lunge gesogen hat. Irgendwas hat dieser 40 Jahre after the fact mehr als nur leicht angeranzte Monster- und Abenteuerschinken, das mich schon bei Erstsichtung für ihn eingenommen hat und sich auch gestern im Kino wieder beinahe erotisch bemerkbar machte, aber ich habe keine Ahnung, was es genau ist.

Ich vermute, es ist diese Aus-der-Zeit-Gefallenheit, die Verbindung der pulpigen Naivität alter Abenteuerschinken und Monsterfilme, die man eher in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verortet, und dem unverkennbar staubigem Siebzigerjahre-Flair, der gleichzeitigen Ambitioniertheit, die dazugehört, wenn man eine Urzeitwelt auf der Leinwand entstehen lassen möchte, und der Bescheidenheit der effekttechnischen Mittel, die dafür zur Verfügung standen. Man kann THE LAND OF TIME FORGOT Liebe und Sorgfalt definitiv nicht absprechen, ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass er diesen Wundertütencharakter, den solche Filme im Idealfall besitzen, besser verkörpert als etliche objektiv betrachtet „bessere“ Filme. Es gibt einfach wahnsinnig viel zu gucken, Connor trifft exakt den Ton zwischen heiligem Ernst und kaum merklichem Augenzwinkern, die Künstlichkeit der Effekte betont noch die Fremdartigkeit der neu entdeckten Welt und den sense of wonder, der damit einhergeht, und die Patina, die er über die Jahrzehnte entwickelt hat, hilft bei der Immersion, anstatt ihr im Weg zu stehen. Man taucht tief ein in eine wundersame Paralleldimension, die der eine „Caprona“, der andere „Sonntagsmatinee im Bahnhofskino“ nennen mag.

THE LAND THAT TIME FORGOT bringt einen nicht um den Schlaf, aber er macht enorm Bock, Bock auf mehr solcher gnadenloser Timewaster mit schunkelbirnigen Gummimonstern, Matte Paintings, stumpfer Helden in Uniform, in der Badewanne sinkender Modellbötchen, bizarrer Urwaldpanoramen und grunzender Höhlenmenschen. Das einzige, was mir zum totalen Glück gefehlt hat, war eine Riesenkrake, aber soweit ich weiß, gibt es die ja in WARLORDS OF ATLANTIS. Ein Kandidat für die dritte Ausgabe von Mondo Bizarr im nächsten Jahr? Ich freue mich jetzt schon.

curucu_beast_of_amazon_poster_05Um über diesen Film überhaupt einen brauchbaren Text schreiben zu können, werde ich hier hemmungslos spoilern. Wer CURUCU, BEAST OF THE AMAZON noch sehen will und der Meinung ist, dass er dafür nichts über die Handlung wissen darf, sollte hier also aufhören zu lesen. Ich darf eine Empfehlung mit auf den Weg geben, allerdings sollte man besser keinen knalligen Monsterspaß erwarten …

Kurz zur Handlung: Im brasilianischen Amazonasgebiet laufen westlichen Industriellen die einheimischen Arbeiter davon, weil immer wieder Tote mit unerklärlichen Verletzungen aufgefunden werden. Sie glauben, dass ein Ungeheuer dahinter steckt (und wir wissen, dass sie Recht haben), doch die weißen Herrenmenschen, allen voran der heißblütig undiplomatische Rock Dean (John Broomfield), sind natürlich der Überzeugung, dass das Hirngespinste von unzivilisierten Primitivlingen sind. Es hilft alles nix: Um ihnen das zu beweisen, muss die Reise zu den Curucu-Fällen im Kopfjäger-Gebiet angetreten werden, wo das Monster angeblich beheimatet sein soll. Dean macht sich gemeinsam mit seinem Führer Tupanico (Tom Payne) und der eigensinnigen Ärztin Dr. Andrea Romar (Beverly Garland) auf den Weg.

CURUCU, BEAST OF THE AMAZON ist einer von nur knapp zwei Handvoll Filmen, die Siodmak, ein dafür umso fleißigerer Drehbuchautor, während seines langen Lebens inszenierte, und er wird damit zitiert, sich von den Dreharbeiten on location körperlich nie wirklich erholt zu haben. Gegenüber anderen Monsterschinken aus jener Zeit ist CURUCU nicht nur erheblich bunter, weil in knalligem Eastmancolor gedreht, sondern eben auch eine Ecke aufwändiger. Klar, hier und das wird das im Amazonas gedrehte Material mit stock footage gestreckt, aber weitestgehend fühlt sich Siodmaks Film eben echt an und nicht wie Kasperletheater in Pappkulissen. Ansonsten ist er aber geradezu archetypisch: Der Held ist ein ultrakerniger Mannmann, der in erster Linie aus Bartstoppeln und Muskeln besteht, Whiskey in den Adern hat und selbst beim ärztlichen Gesundheitscheck die Fluppe nicht aus dem Mund nimmt. Frauen gehören von Natur aus in seine starken Arme oder an den Herd, ganz gewiss aber müssen sie keine Karriere machen. Und tun sie das doch, so wie die selbstbewusste Ärztin, die der gute Rock geradezu reflexhaft angräbt, kaum dass sie sich in einem Raum mit ihm befindet, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder bei Sinnen sind und sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Ach ja, und „Eingeborene“, sprich: alle Menschen, die außerhalb der Industrienationen leben, sind ein primitives Völkchen, das man mit der gleichen mitleidigen Herablassung behandelt wie Haustiere. Das Monster, ein gockelhafter Riesenvogel, den man ein paarmal kurz zu Gesicht bekommt, ist von nur minderem Interesse. Dass man es gleich am Anfang sieht, lässt den späteren Twist des Films schon erahnen: Es ist nämlich gar kein Tier, sondern Tupanico, der in ein Kostüm geschlüpft ist, um so den Vormarsch der Weißen in das Gebiet der Ureinwohner, deren Häuptling er ist, zu stoppen. Natürlich kann Rock Dean das nicht auf sich sitzen lassen.

Interessant an CURUCU ist, wie er sich vor den förmlich aufdrängenden Erkenntnissen verschließt, um ein typischer chauvinistisch-konservativer Film jener Zeit bleiben zu können. Die weibliche Protagonistin beginnt als selbstbestimmte, selbstbewusste Wissenschaftlerin, die sich deutlich Besseres vorstellen kann als ein Leben als Anhängsel eines dumpfen Macho-Arschs, nur um sich im Verlauf der Expedition – wahrlich eine Reise ins Herz der Finsternis – in ein jammerndes Weibchen zu verwandeln, das erst durch Aufgabe ihres Singlestatus eine „ganze“ Person werden kann. Rock Dean hingegen, ein Kotzbrocken vor dem Herrn, der jedem, der nicht seiner Meinung ist, sofort aufs Maul haut (ich glaube, er weiß gar nicht, was „Kommunikation“ ist), sich selbst für absolut unwiderstehlich hält und seine grenzenlose Borniertheit wie eine Auszeichnung vor sich her trägt, bleibt als Held unhinterfragt, einfach weil das eben die Konvention dieser Filme ist. Genau andersherum verhält es sich bei Tupanico: Seine antikolonialistisch-ökologische Position ist sofort und unmittelbar einsichtig, noch nicht einmal die beiden Helden können ihm Argumente entgegensetzen (OK, von Rock war das auch nicht unbedingt zu erwarten), trotzdem muss er den Schurkentod sterben, ohne dass sein Handeln auch nur den geringsten Nachhall finden würde. Die ganze, jeden vernunftbegabten Menschen schier wahnsinnig machende Weigerung, sich von guten Argumenten anstatt von vorformulierten Glaubenssätzen leiten zu lassen, die das Zusammenleben in komplexen Gesellschaften oft so qualvoll und schmerzhaft macht, verkörpert Siodmaks Film gewissermaßen in sich.

CURUCU, BEAST OF THE AMAZON war ein optimaler Einstieg in den letzten Tag des Wochenendes, auch wenn das Vergnügen durch einen mir gänzlich neuen Universal-Brauch milde getrübt wurde: Die Studios verfolgten wohl eine zeitlang den ätzenden Brauch, auf 4:3 gedrehte Filme „aufzublasen“, indem sie einen entsprechenden Ausschnitt vergrößerten. Das führte, wie bei der Kopie von CURUCU, nicht nur zu Unschärfen, sondern auch dazu, dass das Bild bei erheblichem Kopfraum unten massiv beschnitten war. Wieder was gelernt.

greenslimeposterEine echte Science-Fiction-Kuriosität, dieser Film: Im Jahr von Kubricks bahnbrechendem 2001: A SPACE ODYSSEY entstanden, handelt es sich um eine amerikanisch-japanische Koproduktion mit ausschließlich nicht-asiatischer Besetzung, die vom späteren Wandler zwischen Arthouse und Exploitation, Kinji Fukasaku, mithilfe der Modellbauten aus Antonio Margheritis Weltraumabenteuern inszeniert wurde. Die japanische Fassung ist dem Vernehmen nach eine ganze Ecke kürzer, spart sich das Ringen der beiden Helden, Commander Jack Rankin (Robert Horton) und seinem Kumpel/Rivalen Vince Elliott (Richard Jaeckel), um die schöne Ärztin Lisa Benson (Luciana Paluzzi), das zwar nicht kriegsentscheidend ist, THE GREEN SLIME aber eben das nötige menschliche Drama verleiht. Die deutsche Fassung ist wiederum identisch mit der US-Version, verzichtet aber aus unerklärlichen Gründen auf den absolut fantastischen Titelsong.

Auch abseits solcher Details ist THE GREEN SLIME beachtlich: In der ersten Viertelstunde beweist Fukasaku, dass man die Story von ARMAGEDDON nicht auf drei endlose Stunden dehnen muss, dann nimmt er ALIEN um runde zehn Jahre vorweg und haut in seinem Showdown, bei dem sich schwerbewaffnet durchs All fliegende Astronauten ein heiß umkämpftes Feuergefecht gegen auf der Oberfläche der Raumstation hockende Monsterbrut liefern, noch einmal schwer auf die Kacke. Für Schadenfreude sorgen die putzigen Monsterkostüme – in denen laut IMDb Kinder steckten, die bestimmt die Zeit ihres Lebens hatten – und der unerträgliche Chauvinismus des selbstgefälligen Rankin, der einem aber dessen ungeachtet als echter Supertyp verkauft wird. Was unter anderen Umständen lediglich einer von Dutzenden, ach was, Hunderten preisgünstig runtergekurbelter Sci-Fi- und Monsterschinken geworden wäre, gewinnt unter der versierten Regie Fukasakus beachtlich an Drive und Klasse. Er weiß einfach, wie man wenig nach viel aussehen lässt, wann man mithilfe geschickt gesetzter Schnitte die Illusion aufrechterhält (etwa bei einem fulminant montierten Kart-Unfall, der in einer Totalen wahrscheinlich eher armselig ausgesehen hätte). Auch das Scope-Format hilft: THE GREEN SLIME ist ein visuelles Leckerli, toll fotografiert, in jeder Ecke des Bildes warten die Attraktionen – oder auch doof guckende Statisten, wie sich das für so ein Werk gehört. Und die Kopie, die die Veranstalter Christian Rzechak und Marc Ewert aufgetrieben haben, war nahezu makellos und strahlte in prachtvollen Farben. Einfach wunderbar!

Mein Favorit war indessen eine eher unspektakuläre Szene, in der einer der Darsteller eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass man mit der richtigen Einstellung  auch dann noch eine gute Figur beim Telefonieren macht, wenn das Ohr von einem Helm abgedeckt wird. Wie so oft im Leben alles eine Frage der richtigen Technik.

LEGENDARY: TOMB OF THE DRAGON ist einerseits viel besser, als es die diversen Onlinerezensionen vermuten lassen, die in dem Bedürfnis, den Film schlechtzumachen, teilweise haarstäubenden Unsinn herbeifabulieren, andererseits aber eigentlich noch dröger, als es so richtig handfester Schrott wäre. Regisseur Styles versucht sich an einem klassischen Creature Feature, dem es aber entschieden an jener Naivität mangelt, die die Filme aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren so liebenswert macht. LEGENDARY wurde an Originalschauplätzen in China gedreht, weist eine saubere Scope-Fotografie auf, der leider aber, wie bei so vielen neuen auf Digivideo gedrehten Filmen, die Farben abhanden gekommen sind, und über Effekte, die ihre niedrige Preisklasse zwar nicht ganz verbergen können, aber dann doch eine Ecke besser sind als in den berüchtigten Asylum- oder Syfy-Produktionen. Mit Scott Adkins und Dolph Lundgren sind zwei Darsteller an Bord, die ihren unterentwickelten Klischeecharakteren Leben verleihen, aber leider auch nicht verhindern können, dass der Film irgendwann in der Mitte in der Belanglosigkeit versumpft.

Die Suche nach einer gefräßigen Rieseneidechse läuft arg redundant und spannungsarm ab, der Konflikt zwischen den beiden Kontrahenten Adkins und Lundgren verfolgt keinerlei Spannungsbogen. So tritt LEGENDARY über 85 Minuten auf der Stelle und macht dann den Fehler mit dem hässlichsten Pixelverbrechen des Films abzuschließen. Wie gesagt: Handwerklich kann man, unter Berücksichtigung des Budgets, nicht allzu viel Negatives sagen, von daher würde ich den Film gegen die Netztrolle immer verteidigen wollen (einer mokiert sich bei der IMDb über die „Plastikhöhlen“-Settings, dabei wurde das Finale sehr offenkundig in einer echten Höhle gedreht), nur liefert der Film nicht allzu viele echte Argumente für eine Gegenoffensive. Laut der Website Dolph Ultimate ist LEGENDARY: TOMB OF THE DRAGON nur der Auftakt zu einer sechsteiligen Reihe von Filmen über das Thema Kryptozoologie. Ich hoffe, dass da noch was kommt, denn Luft nach oben ist reichlich vorhanden.

Dass Steven Spielberg 1993 mit JURASSIC PARK eine sprudelnde Geldquelle angezapft hatte, war nach der insgesamt doch eher enttäuschenden Performance von JURASSIC PARK 3 etwas in Vergessenheit geraten. Es dauerte 14 Jahre, bis man sich bei Universal an das immense kommerzielle Potenzial erinnerte und ein Update in Angriff nahm. Die in der Zwischenzeit gemachten Fortschritte auf dem Gebiet der Effekttechnologie verhießen enorme neue Möglichkeiten – noch realistischer als in Trevorrows Film werden Dinosaurier auf der Kinoleinwand wahrscheinlich allerhöchstens dann aussehen, wenn man sie tatsächlich, wie in den Labors des Filmvon JURASSIC WORLD, eigenhändig klont. Die Investition von knapp 100 Millionen Dollar hat sich für das Studio dann auch mehr als rentiert: JURASSIC WORLD spielte bislang mehr als das Sechsfache ein – ganz ohne zugkräftige Namen – und ist der erfolgreichste Film des Jahres. Jede Debatte um die Qualität des Ganzen hat sich damit eigentlich bereits erübrigt, frei nach dem Motto „Eine Milliarde Fliegen können sich nicht irren.“ Das Sequel ist bereits in Planung und es würde mich sehr wundern, wenn diesmal auch wieder nach drei Teilen Schluss wäre. Zu verlockend sind die grafischen Möglichkeiten, zu perfekt die Prämisse des Franchises, was mich auch direkt zu des Pudels Kern bringt.

Schon Spielbergs JURASSIC PARK zog seinen Reiz in allererster Linie aus der Aussicht, „lebensecht“ animierte Dinosaurier auf der Leinwand bewundern zu können. Crichtons Romanvorlage mag mit ihrem Wissenschafts- und Gentechnologiediskurs inhaltlich nicht gänzlich uninteressant gewesen sein, aber ich wage zu behaupten, dass damals niemand ins Kino ging, weil er eine bahnbrechend neue Geschichte oder psychologisch ausgefeilte Charakterportraits erwartete: Ich wäre damals auch zufrieden gewesen, wenn es einfach nur 120 Minuten lang Dinoaction gegeben hätte. Dass Spielberg weiß, wie man Spannung aufbaut und das Optimum aus einer Actionsequenz herausholt, war dem Gelingen des Films sicherlich nicht abträglich, aber was bei mir damals am meisten Eindruck hinterließ, das war ein Bild: dieses erste große Dinopanorama, unterlegt von dem majestätisch-pathetischen Score von John Williams, war die Wiederbelebung einer alten Kindheitsfantasie, löste ein unbeschreibliches Gefühl von Ehrfurcht und Wunder in mir aus und trieb mir ein Freudentränchen in die Augen. JURASSIC PARK war Kino als Jahrmarkt, ganz nah dran an den Wurzeln des Mediums. Das fängt schon bei der rahmenden Idee eines Theme Parks an: Im Vergnügungspark, einer der Fantasie des Schöpfers entsprungene, Wirklichkeit gewordene Fantasiewelt, manifestiert sich die Idee des Kinos, eine Welt zu erschaffen, die echter und besser als unsere ist.

Trevorrow erinnert sich für sein Reboot – Remake und Sequel zu gleichen Teilen – an diesen Charakter und macht nicht den Fehler, seinen Film mit raffinierten erzählerischen Ideen vollzupacken. Er weiß, worum es geht. Die Krise des Franchises, die 14-jährige Zwangspause, spiegelt sich in der Krise des Themenparks, der nach der Katastrophe von einst erst jetzt wieder seine Pforten öffnet (die Teile 2 und 3 werden komplett ausgeblendet). Wieder einmal kommt seine Hybris den Menschen teuer zu stehen, wieder einmal erweist sich die Technik nicht als narrensicher, wieder einmal bricht ein Dinosaurier aus und bedroht neben den Massen anonymer Parkbesucher auch die ihre persönlichen Probleme herumschleppenden Protagonisten. Die Steigerung zu den Vorgängern besteht darin, dass der Hauptsaurier, der sogenannte Indominus Rex, eine superaggressive Eigenkreation der Parkwissenschaftler ist (auch hier: der Wirklichkeit ein Schnippchen schlagen), der Park selbst mit reichlich Science Fiction vollgestopft wurde, eine Vielzahl unterschiedlicher Dinos zu bewundern ist und der Held des Films sich als eine Art Raptorflüsterer erweist. Hier und da wurde kritisiert, dass JURASSIC WORLD kaum mehr sei als eine mit Zitaten und Anspielungen gespickte Best-of-Compilation. Das kann man so sehen, aber welche Geschichte, wenn nicht diese eine, die schon Spielberg einst erzählte, wollte man über den Dino-Park denn erzählen? (Mal ausgenommen vielleicht von der, wie sich ein kleiner Waisenjunge mit einem Triceratops anfreundet, ihn vor bösen Geschäftemachern beschützt und darüber den Tod von Papa und Mama verarbeiten lernt. Doch nicht? Eben.) Ja, richtig, das Frauenbild ist nicht gerade revolutionär, das aber daran festzumachen, dass Bryce Dalls Howards Parkleiterin Claire ihre High Heels nicht auszieht, durchaus auch etwas kleinlich. Hier und da wurde JURASSIC WORLD auch zum Anlass genommen, die Abhängigkeit Hollywoods von CGI-Künstlern zu monieren und „handgemachte“ Effektarbeit zu vermissen, eine Kritik, die immer gut klingt und der auch ich beizupflichten neige. Aber die Spezialeffekte in JURASSIC WORLD sind zumeist großartig und bedeuten m. E. tatsächlich noch einmal einen Fortschritt in Sachen Plastizität gegenüber „billigeren“ Werken. Der einzige echte Kritikpunkt, den ich habe, ist der, dass Trevorrow eben kein Spielberg ist. Er hat weder die Geduld noch das Talent, eine Suspense-Szene so langsam aufzubauen, dass der Betrachter bereits vor der Auflösung mit den Nerven am Ende ist. Eine Sequenz wie jene mit dem über einer Klippe baumelnden Anhänger aus THE LOST WORLD: JURASSIC PARK sucht man hier vergebens. Die Vielzahl an Dinos und die Entscheidung, den Film in einem vollbesuchten Park spielen zu lassen, sind auch ein Grund dafür, dass JURASSIC WORLD das ganz große Spektakel den eher kleinen, dafür aber teuflisch-gemeinen Szenen vorzieht. Nichts bekommt wirklich Zeit, Leben und Wirkung zu entfalten, der ganze Film ist auf das schnelle PAy-off hin konzipiert und eben nicht auf Nachhaltigkeit. Das zeigt sich dann auch in dem unerwartet sadistischen Tod, der eine harmlose Nebenfigur ereilt: Wäre ein Schurke so abgetreten, hätte die Szene die gewünschte kathartische Wirkung erzielt, so befremdet sie nur in ihrer unangemessenen Grausamkeit. Dennoch: Mir hat der Film durchaus Spaß gemacht. Das reicht mir in diesem Fall.