Mit ‘Monsterfilm’ getaggte Beiträge

Der fünfte Teil der Godzilla-Reihe ermöglicht Mothra den dritten Auftritt (nach MOSURA und MOSURA TAI GOJIRA), Rodan den zweiten (nach SORA NO DAIKAIJÛ RADON) und King Ghidorah, dem dreiköpfigen, armlosen Fettklops, den ersten. Godzilla kommt den Menschen zum ersten Mal zu Hilfe und zum ersten Mal verbündet er sich dafür auch mit anderen Monstern, wie das ab sofort gang und gäbe sein wird. So viel zum filmhistorischen Teil dieses Textes.

Hondas Film ist vergleichsweise komplex strukturiert: Es geht um rätselhafte Meteoriteneinschläge, aber auch um die Prinzessin (Akiko Wakabayashi) eines fiktiven Zwergstaates, die sich nach der Explosion ihres Flugzeugs als Außerirdische vom Planeten Venus, der von King Ghidorah vernichtet wurde und nun auf dem Weg zur Erde ist. Die beiden Zwergenmädchen von Mothras Heimatinsel tauchen auch wieder auf und rufen die Raupe herbei, um Godzilla und dem mittlerweile auferweckten Rodan im Kampf zur Seite zu stehen. Das ist alles sehr gefällig, quietschbunt und naturgemäß herrlich bescheuert, auch wenn die ganz große Begeisterung erst durch die Miniaturstadt-Zerstörungen der Monster und natürlich ihr hüftsteifes Gebalge hervorgerufen wird. Vor allem Rodan ruft mehr als einmal Mitleid hervor, sieht er doch aus wie ein gerupftes Suppenhuhn mit Triefauge und nicht gerade wie das ehrfurchtgebietende Supermonster, als das er dargestellt wird. Aber wie die drei Monster am Schluss sich zum Team gegen den Drachen vereinen und die Welt retten, die sonst hoffnungslos verloren wäre, ist schon herzig: Rodan nimmt Mothra auf den Rücken und während Godzilla King Ghidorahs Schwanz festhält, spuckt die Raupe ihre Seidenfäden auf ihn, die schließlich seine Niederlage herbeiführen. Toll ist aber auch der Zweikampf von Godzilla und Rodan, bei dem sie sich gegenseitig mit Steinen bewerfen und eine Art Tennis erfinden, das der arme Flattermann mangels Händen mit dem Kopf spielen muss. Autsch!

Wie der Vorgänger kollidieren die märchenhaften Plotelemente mit den Monsterszenen, wobei der Bruch hier nicht mehr ganz so hart ist: Alles läuft schon deutlich auf die große Schlacht hinaus und insgesamt wird den Monstern mehr Zeit eingeräumt. Und mit den Gangstern, die den Protagonisten das Leben schwer machen, ist auch der menschliche Teil des Konflikts etwas zupackender geraten – zwei der Übeltäter sehen aus wie japanische Antworten auf James Coburn und Xavier Naidoo! Wie ich schon im letzten Text sagte, ist es nicht ganz leicht, die Freude an diesem Quatsch in immer neue Worte zu kleiden. Die Godzilla-Kaijûs bieten einfach eine runde Mischung aus coolen Monstern, rührenden Effekten, sichtbarer Liebe und Leidenschaft, knalligen Farben und hoffnungslos hirnrissigen, oft haarsträubend pseudowissenschaftlichen Dialogen, die Spaß macht – selbst wenn es schwer ist, auch beim sechsten Mal noch große Begeisterung dafür zu zeigen. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf den nächsten.

 

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Zumindest als Laie, der ich in Bezug auf den japanischen Kaiju Eiga nun einmal bin, ist es schon nach wenigen gesehenen Filmen alles andere einfach, noch etwas Neues oder gar Gehaltvolles über sie zu sagen, was man nicht vorher schon gesagt hätte. MOSURA TAI GOJIRA, zu dem ich nach KAIJÛ DAISENSÔ wie versprochen zurückspringe, ist genau das, was die zuletzt gesehenen Teile auch schon waren: niedlich, naiv, ebenso liebenswert wie liebevoll, bunt und infantil. Godzilla ist auch hier wieder eher der Gaststar, was ja auch schon der Titel belegt, der ihn ins zweite Glied rückt.

In MOSURA TAI GOJIRA wird das alles aber noch potenziert: Hondas Film ist wärmer, märchenhafter, traumgleicher, verspielter, zärtlicher – und das Auftauchen der Riesenechse markiert einen harten Bruch. Man könnte sagen, sie zertrampelt nicht nur Städte, Strommasten und Panzer, sondern auch den Film selbst, ohne ihm aber wirklich Schaden zufügen zu können.

Nach einem Sturm wird vor der Küste ein Riesenei gefunden, das sich zwei zwielichtige Geschäftsleute unter den Nagel reißen, um damit den großen Reibach zu machen. Zwei däumlingsgroße Mädchen bitten sie, das Ei zurückzugeben: Es gehört der Riesenmotte Mothra, die auf einer entlegenen Insel wohnt und darauf wartet, dass sie endlich sterben kann, um durch das Ei zu neuem Leben zu erwachen. Die beiden Zwergenmädels nehmen Kontakt zum Reporter Ichirô Sakai (Akira Takarada) und dem Wissenschaftler Nakanishi (Yuriko Hoshi) auf und bitten um Hilfe. Indessen wacht Godzilla auf und droht wieder einmal die japanische Zivilisation plattzumachen …

Mothra und die beiden kleinen Mädchen sind eine wahre Schau, die surrealen Bildkompositionen, in denen die beiden letzteren eingefangen werden, so hoffnungslos kitschig, dass einem das Herz schmilzt. Und wenn sich die Riesenmotte erhebt und durch die Lüfte segelt, wird man wieder ein kleines Kind, das mit weit geöffnetem Mund vor der Glotze sitzt und noch näher heranrutscht, bis die Nasenspitze fast das Glas berührt. Toll ist auch der Ausflug zu Mothras Heimatinsel, wo riesige, völlig blank geputzte Skelette eine Mahnung vor Atombombe und Radioaktivität abgeben sollen. Das funktioniert nicht so ganz, denn so lange die bunte Riesenmotte unterwegs ist, kann es unmöglich so richtig schlimm sein. Das ist übrigens auch der Film, in dem Godzilla am Ende von zwei knuffigen Riesenraupen besiegt wird. Was soll ich dazu noch sagen?

Ich nehme an, dass ich die Godzilla-Filme als Kind „naiver“ gesehen habe, aber auch mit acht wusste ich schon, dass sich da keine echten Monster balgen, erkannte, dass ihre Riesenfüße Modelleisenbahn-Landschaften zertrampelten. Im Unterschied zu anderen Filmen, die die Immersion benötigen, glaube ich, dass die Godzilla-Filme von diesem Wissen nicht entzaubert werden, sondern noch davon profitieren. Der Budenzauber, den sie entfachen, wird ja eigentlich noch viel geiler und wunderbarer dadurch, dass man weiß, dass da erwachsene Menschen in Gummikostüme stiegen, um sich dann in liebevoll gestaltenen Miniatur-Landschaften auf die Mappe zu hauen. Ich sehe in den Godzilla-Filmen eine große Utopie: Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn die Menschen ihren Frust dadurch abbauten, dass sie in die Rollen von kulleräugigen Monstern schlüpften und Plastikhäuser zertrampelten, anstatt sich an ihren Mitmenschen zu vergreifen. Infantilität kann auch befreiend wirken.

In meiner Godzilla-Werkschau mache einen kleinen Sprung ins Jahr 1965 – die übergangenen Filme 4 und 5 hole ich in Kürze nach – und widme mich KAIJÛ DAISENSÔ, dem sechsten Film der Reihe. Wie im zuletzt besprochenen KINGU KONGU TAI GOJIRA ist Godzilla auch hier eher eine Nebenfigur: Die herrlich abstruse Story dreht sich um eine Expedition zum Planeten X, wo die tapferen Atronauten Glenn (Nick Adams) und Fuji (Akira Takarada) auf eine intelligente, menschenähnliche Spezies von Außerirdischen treffen, die vom Monster Nummer Zero bedroht werden. Bei diesem handelt es sich um King Ghidora, den Godzilla im vorangegangenen Abenteuer besiegt hatte. Die Außerirdischen bieten einen Deal an: Sie holen sich zur Bekämpfung ihrer Nemesis die schlafenden Monster Godzilla und Rodan und überlassen den Menschen ein Heilmittel gegen Krebs. Freudig stimmen alle ein, doch dann müssen sie feststellen, dass die Außerirdischen mitnichten friedliebend sind: Sie wollen nichts anderes als die Erde unterjochen und dafür haben sie ja jetzt geeignete Waffen …

KAIJÛ DAISENSÔ fügt sich wunderbar ein in die Tradition des naiven Sechzigerjahre-Science-Fiction-Films, wie er in Europa etwa von Antonio Margheriti gefertigt wurde: Astronauten sind kernige Typen, die auch in der aussichtslosesten Situation nicht das überlegene Lächeln verlieren und zu Hause ein braves Mäuschen warten habe. Ihre Auftraggeber sind grübelnde Kittelträger, die mit nachdenklichem Blick auf piepende Kontrollbilsdschirme schauen und ansonsten alle Energie daran setzen, dem waffenstarrenden Übereifer stahlgesichtiger Militärs einen kühlen Kopf entgegenzusetzen. Die Außerirdischen sind Superhirne mit lustigen Brillen und Antennen auf dem Kopf, deren intellektuelle Überlegenheit natürlich Anlass für Skepsis bietet. Die Settings sind allesamt detailverliebte Eisenbahn-Modelllandschaften, durch die niedlich Modellautos tuckern. Und der Blick aus der Rakete auf die zurückgelassenen Monstergiganten offenbart zwei glubschäugige Püppchen, die mäßig überzeugend mit ihren Ärmchen wedeln: Ein wunderbarer Kontrast zu den Suitmation-Sequenzen, in denen sich übermotivierte Schauspieler auf die Mappe hauen und anschließend einen hüftsteifen Freudentanz aufführen.

KAIJÛ DAISENSÔ braucht eine Weile, um in Fahrt zu kommen, und wer ihn sich wegen Godzilla und der typischen Monsterbalgereien anschaut, ist vielleicht enttäuscht. Aber er bringt eine ganz eigene Qualität mit und funktioniert für Menschen, die mit den klassischen Kaijû Eiga nicht so viel anfangen können, möglicherweise sogar besser. Ich finde ihn mindestens genauso rührend und herzerwärmend wie die anderen Filme der Reihe und gestehe ihm darüber hinaus noch den Bonus einer originelleren Story zu.

Der dritte Godzilla-Film folgte nach einer siebenjährigen Pause und bedeutete auch für ein anderes berühmtes Monster der Filmgeschichte eine Rückkehr: KINGU KONGU TAI GOJIRA ist, wie der Titel andeutet, eigentlich eher ein King-Kong-Film mit dem Saurier als Schurken und zudem das erste Farbabenteuer des Riesengorillas. Nach den beiden eher ernsten Vorgängern vollzieht Regisseur Honda zudem endgültig den Wandel zum bunten Kindergeburtstag: KINGU KONGU TAI GOJIRA lässt einem das Herz aufgehen mit seinen liebevollen Modellbaulandschaften, den naiven Matte Paintings, einem von Lochfraß und Motten geplagten King Kong, der aussieht wie der Kulisse einer maroden Geisterbahn entsprungen, den Anleihen beim klassischen Abenteuerfilm und der Bonbon-Optik der frühen Sechzigerjahre. Es muss sich einfach um einen der schönsten Filme der Welt handeln.

Mr. Tako (Ichiro Arishima), Chef eines Pharmaunternehmens, ist entsetzt über die bislang getroffenen Marketingmaßnahmen. Als er von einer Insel hört, auf der ein Monster sein Unwesen treiben soll, will er es filmen und für Werbefilme benutzen. Während er und seine Leute sich auf den Weg zu der Insel machen, auf der auch einige buntgefederte Eingeborene leben, um dort den Riesenaffen King Kong anzutreffen und einzufangen, steht an anderem Ort Godzilla aus seinem eisigen Grab auf. Die beiden Giganten treffen sich und drohen in ihrem Duell Japan zu verwüsten …

KINGU KONGU TAI GOJIRA ist einfach herzallerliebst. Die (latent rassistischen) Szenen auf der Insel mit den klischiert gezeichneten Eingeborenen, die von Japanern mit blackface gegeben werden, wirken wie einem alten Pulproman entsprungen, der Angriff einer Riesenkrake ist effekttechnisch höchst fadenscheinig umgesetzt (nämlich mit einer echten Krake und ins Bild kopierten Statisten), aber trotzdem oder gerade deswegen wunderbar, und King Kong ist in genau demselben Maße herzerwärmend wie das Kostüm gammlig ist. Die Großaufnahmen seines schlecht animierten Gesichts mit den kullerigen Schielaugen sind herrlich und der Kampf zwischen ihm und dem sich wie ein übergewichtiger Vierjähriger mit zu kurzen Armen gebärdenden Godzilla ein humoristischer Höhepunkt. Schlichtweg herrlich sind die unzähligen Modellbau-Sequenzen: Wie da kleine Plastikpanzer und andere Fahrzeuge durch liebevoll gestaltete Miniaturstädte und -wälder kullern, ist Balsam auf CGI-geschädigte Herz, und das Finale, bei dem King Kong mit Ballons durch die Luft getragen und Godzilla quasi auf den Kopf geschmissen wird, treibt einem beinahe Tränen der Rührung in die Augen. Wer will angesichts solcher Schönheit und solchen Ideenreichtums noch über „den hässlichsten King Kong der Filmgeschichte“ lästern (selbst wenn er schlagkräftige Argumente hat)? Dieser King Kong macht solche Mängel durch ein großes Herz und Charakter wieder mehr als wett. Man muss nur den Riesenkrakenkampf hier mit dem langweiligen Gerangel in KONG: SKULL ISLAND zu vergleichen, um zu dem Schluss zu kommen, dass KINGU KONGU TAI GOJIRA ein Meisterwerk ist, nicht nur des Kaiju Eiga.

 

 

Es dauerte nur ein Jahr, um aus der dunklen, geradezu verzweifelt traurigen Atombomben-Allegorie namens GOJIRA den unschuldigen Monsterquatsch zu machen, den man mit dem Namen „Godzilla“ in erster Linie verbindet. Das einzige, was in Odas Sequel noch an Ishirô Hondas Vorgänger erinnert, sind das Schwarzweiß und eine längere Film-im-Film-Sequenz, in der Material aus dem ersten Teil gezeigt wird. Atombomben und die Gefahr, die von ihnen über die unmittelbare Zerstörung hinaus ausgehen, werden zwar ebenfalls thematisiert, aber das geschieht eher aus alter Verbundenheit denn aus echter Überzeugung. Auffällig ist auch die Kluft zwischen der Monsterkeilerei und dem human factor: GOJIRA NO GYAKUSHÛ kommt mit großem Krachen zum Stillstand, wenn er sich seinen menschlichen Protagonisten zuwendet, die vollkommen willkürlich ausgewählt scheinen.

Kobayashi (Minoru Chiaki) und Tsukioka (Hiroshi Koizumi) sind Piloten für eine Großfischerei. Als Kobayashi auf einer Insel notlanden muss, entdeckt er dort ein neues Godzilla-Exemplar sowie ein weiteres Riesenmonster, das von Wissenschaftlern wenig später als Anguirosaurus bzw. Anguirus identifiziert wird – weitere Folgen der Atombombenversuche. Godzilla walzt auf Osaka zu, wo er sich mit Anguirus prügelt, dass die Häuser umstürzen. Auf Hokkaido verrennt sich die Riesenechse schließlich in einer Schlucht, wo es gelingt, ihn mithilfe von Lawinen festzusetzen. Leider verliert Kobayashi, der doch gerade eine Frau gefunden hatte, sein Leben. The End.

Eine wirklich kohärente, konsequent entwickelte Handlung hat GOJIRA NO GYAKUSHÛ nicht, dafür eben ein zweites Monster, sodass es hier erstmals zu den ausgedehnten Balgereien kommt, die später charakteristisch werden sollten. Eine schöne, aber kurze Actionsequenz behandelt einen Gefangenenausbruch, in dessen Folge ein Großbrand ausbricht, der Godzilla anlockt, nachdem es zuvor gelungen war, ihn mit Leuchtbomben aufs offene Meer hinauszuscheuchen. Wer die Serie für ihre unverstellte, geradezu mit offenen Armen empfangene Naivität liebt, wird auch jene Szene in sein Herz schließen, in der ein Wissenschaftler anhand eines Was-ist-Was-Buches erklärt, dass der einzige natürliche Feind des Anguirosaurus im Jura-Zeitalter „der Godzilla“ war. Keine Ahnung, ob das im japanischen Original ähnlich Banane klang, in der deutschen Synchro biegen sich jedesmal die Balken, wenn die Protagonisten da todernst über „den Godzilla“ sprechen. Ja, auch dieser Film ist natürlich herzallerliebst, aber er hängt noch etwas zwischen den Stühlen: In Schwarzweiß funktioniert dieser Unfug einfach nicht so gut wie das dann in Farbe ohne Zweifel der Fall sein sollte. Bis es soweit war gingen aber sieben lange Jahre ins Land …

Wahrscheinlich sind die späteren, bunten Filme der GODZILLA-Reihe bekannter als das Original – zumindest hierzulande. Die Kaiju Eiga, die in den Sechziger- und Seibzigerjahren in den Toho-Studios und bei der Konkurrenz erschienen, erfreuten sich sowohl in Deutschland als auch in den USA großer Beliebhtheit und versüßten die Kindheit so manches Heranwachsenden. Am Rande bekam man dann vielleicht auch irgendwann mit, dass Ishirô Hondas erster GOJIRA und seine Titelkreatur eine Atombomben-Allegorie waren – was in den immer kindischer und absurder werdenden Sequels kaum noch eine Rolle spielte.

GOJIRA ist deutlich näher dran am klassischen Monsterfilm der Fünfzigerjahre, der ja auch in seiner US-amerikanischen Ausprägung als Reaktion auf die Entwicklung der Atombombe gelesen werden konnte/musste, aber atmosphärisch noch einmal etwas ganz anderes. Über weite Strecken widmet er sich dem Protagonistenpärchen Hideto (Akira Takarada) und der schönen Emiko (Momoko Kochi), der Tochter des Wissenschaftlers Professor Yamane (Takashi Shimura), der das Auftauchen des Monsters sofort mit den Atombombenversuchen im Pazifik in Verbindung bringt und mahnt, man möge damit aufhören. Emiko ist dem Erfinder Dr. Serizawa (Akihiko Hirata) versprochen, einem seit einem Unfall zurückgezogen lebenden Forscher, der ein Mittel erfunden hat, mit dem auch das Monstrum besiegt werden soll. Der einfach gestrickte Plot tritt gegenüber einer Atmosphäre der Trauer und eines niederdrückenden, greifbaren Schuldgefühls in den Hintergrund. Was später zu einer Art running gag wird, die Machtlosigkeit des Militärs gegenüber den verschiedenen Riesenmonstren, ist hier noch Anlass für echte Todesangst. Und die sandbox destruction, die nie länger als für einen Film Bestand hat, erinnert hier tatsächlich an den Kriegsfilm oder gar alte Wochenschau-Berichte.

Dass GOJIRA Ausdruck einer zutiefst gekränkten, gedemütigten und verunsicherten Nation ist, muss gar nicht ausformuliert werden. Ishirô Honda, der in den späteren Kaiju Eiga um keinen Jux verlegen war, zieht die Zügel an und zeigt seine angsterfüllten Protagonisten in lange gehaltenen, kontrastreichen Einstellungen, die ihre ganze Angst zum Ausdruck bringen. Godzilla walzt in einer ausgedehnten Sequenz durch Tokio, das er dem Erdboden gleichmacht, dabei auch keine Rücksicht auf die zwischen seinen Pranken herumlaufenden Menschen nehmend. Menschliche Opfer fordern die Monsterkämpfe in den Kaiju Eiga eigentlich nie, das ist hier anders. Und keine Szene bleibt so nachhaltig im Gedächtnis wie der Besuch in einem überfüllten Krankenhauses, in dem die zahllosen Opfer der Attacke – Kinder und Erwachsene gleichermaßen – behandelt werden. Wenn man weiß, worum es in GOJIRA tatsächlich geht, ist es unmöglich, diesen Film danach noch als gewöhnlichen Monsterfilm zu rezipieren, oder die weinenden Opfer als Schauspieler. GOJIRA ist mehr als das.

Am Ende aber triumphieren die Menschen über das Monster aus der Tiefe: Japan wird das Trauma der Atombombe überwinden, das ist die klare Botschaft. Und Ishirô Hondas Film hat dabei geholfen, mit den Mitteln der Kunst und des Science-Fiction-Films. Vielleicht lässt sich so erklären, wie aus dem Monster später ein Held werden konnte, der den vor neuerlichen Bedrohungen zitternden Menschen immer wieder zur Hilfe eilte – und zum Dank gar mit einer Statue in Tokio belohnt wurde: GOJIRA war die Konfrontationstherapie, die das Land damals brauchte, das Urviech verkörperte nicht nur die Atombombe, sondern auch ihre Überwindung. Und Godzilla wurde so vom Schreckgespenst zum Zeichen der Wiedererstarkung (interessant, dass der neue Film international den Untertitel „Resurgence“ trägt, was genau das bedeutet), dem man in immer wieder neuen Filmen seine Dankbarkeit erwies. Ich finde GOJIRA heute ja ein kleines bisschen ermüdend, aber man kann seine Bedeutung gar nicht hoch genug einschätzen. Und das nicht nur filmhistorisch.

Diese Fortsetzung zu FURANKENSHUTAIN TAI CHITEI KAIJÛ BARAGON war mein allererster Kaijû. Es muss so 1984 gewesen sein, der Film lief zur besten Sendezeit im Sommerprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens (was anderes gab es ja eigentlich auch noch nicht), nicht irgendwo im Spät- oder Frühstücksprogramm eines Privaten versteckt oder gar als lustiger Schrott im Rahmen einer Schiene wie SchleFaZ verheizt, sondern als selbstbewusst angekündigte Abend-Attraktion für ein erwachsenes Publikum. Die Szenen, wie der „Grüne“ mit einer Riesenkrake ringt, von oben durch die Wasseroberfläche beim Auftauchen gezeigt wird oder am Horizont mit den Tauen und Netzen verzweifelter Fischer kämpft, haben damals mächtig Eindruck auf mich gemacht – so sehr, dass ich sie bis heute nicht vergessen habe.

Auch beim Wiedersehen hat mir das erste Drittel von Hondas Film am besten gefallen. Die Eröffnungsszene mit der Krake ist spitzenmäßig, genau jene Mischung aus grellem Groschenroman-Pulp und wohligem Grusel, die es heute eigentlich gar nicht mehr gibt, die Effekte um den „Grünen“ und seine Attacken auf Städte und Flughäfen sind einfach wunderschön anzuschauen. Addiert man dazu die hoffnungslos naiven bis hirnrissigen „Wissenschafts“-Dialoge zwischen Russ Tamblyns Dr. Paul Stewart (auf Deutsch seltsamerweise Dr. Kitei) und seinen Gehilfen, ergibt das einen herrlich unschuldigen Spaß, der wie gemacht ist für einen Sonntagvormittag. Ich bedauere es wirklich, nicht mehr die Zeit erlebt zu haben, als die japanischen Monsterfilme in den Matineen der Lichtspielhäuser von begeisterten Kindern abgefeiert wurden, aber immerhin hatte ich das Glück, sie noch im Fernsehen sehen zu können. Wie bemitleidenswert sind da doch heutige Generationen, die darauf bauen müssen, einen Verwandten mit Geschmack in ihrer Familie zu haben, der sie in diese farbenfrohe Welt der Riesenmonster und der schnarchnasigen „Frankenstein-Experten“ in ihren weißen Wisschenschaftler-Kitteln einführt. Gibt es besseres Entertainment für Kinder als die japanischen Kaijûs? Ich glaube nicht.

Diese Überzeugung wird auch dadurch nicht abgeschwächt, dass ich die ellenlangen Balgereien, auf die die meisten Kaijûs hinauslaufen, immer etwas ermüdend finde. Viel lieber würde ich die Seiten tauschen, in einen der klobigen Gummianzüge schlüpfen und selbst durch die liebevoll aufgebauten Miniaturstädte und -wälder pflügen. Ich weiß allerdings nicht, ob ich zum Monster getaugt hätte: Wahrscheinlich hätte ich zu viel Respekt vor der Arbeit der Modellbauer gehabt, als dass ich sie guten Gewissens hätte zertrampeln mögen. Ich frage mich, was es mit einem Menschen macht, wenn er – so wie Haruo Nakajima, der hier den „Grünen“ spielte, aber auch etliche Male den Godzilla verkörpern durfte – immer wieder die göttliche Perspektive eines Giganten einnimmt, auf Wolkenkratzer herabschaut, Straßen, Brücken und Autos zertrampeln darf. Wie seltsam muss das gewesen sein, nach einem Arbeitstag in seine normalen Klamotten zu schlüpfen und in den Alltag hinauszutreten, in dem man plötzlich genauso groß war wie alle anderen? In meinem Kopf sehe ich eine Tragikomödie vor mir, die sich genau um einen solchen Menschen dreht, einen Mann der mit der Differenz klar kommen muss, im echten Leben auf Normalgröße zu schrumpfen und der dann in seinem Monsterkostüm durch die Straßen läuft. Das wäre ein toller Film, den ich gern sehen würde! Bis es dazu kommt, gibt es aber glücklicherweise noch ein paar Kaijûs, die dafür sorgen, dass ich mir ein Stück kindliches Gemüt bewahre.