Mit ‘Naomi Watts’ getaggte Beiträge

eastern-promises-posterDie Krankenschwester Anna (Naomi Watts) bringt das Kind einer 14-jährigen russischen Prostituierten zur Welt, die die Geburt nicht überlebt. Anna beginnt, Nachforschungen über die junge Frau anzustellen und macht dabei die Bekanntschaft einer russischen Mafiafamilie, die von  Semyon (Armin Müller-Stahl) geführt wird. Bald lernt sie auch dessen Sohn Kirill (Vincent Cassel) und den „Fahrer“ Nikolai (Viggo Mortensen) kennen, der das Vetrauen der Ärztin gewinnt …

Lange habe ich die Sichtung von Cronenbergs bislang letztem Spielfilm vor mir hergeschoben, aus welchen Gründen auch immer. Die Cronenberg-Rezeption spaltet sich ja seit A HISTORY OF VIOLENCE deutlich in zwei Lager: die einen, die einen Abstieg des Kanadiers in die Tiefen des langweiligen Mainstreams konstatieren, die anderen, die zwar eine größere „Zugänglichkeit“ konstatieren, aber immer noch den auteur erkennen, der mit Vorliebe über neue Körperformen und Geisteszustände nachdenkt. In HISTORY war dieses Thema noch sehr deutlich in der Spaltung der Hauptfigur in eine gegenwärtige und eine vergangene Identität angelegt, die Verbindung somit sehr klar, in EASTERN PROMISES ist sie loser. Zwar kann man die Figur des Nikolai – er stellt sich als Undercover-Polizist heraus – noch in dieser Richtung interpretieren, doch ist die Schizophrenität des Geheimpolizisten ja bereits Genrestandard und somit nur schwer als genuin Cronenbergisch zu beschreiben. Dass mir mit einmaligem Sehen noch nicht ganz klar geworden ist, wie sich EASTERN PROMISES im Cronenbergschen Kanon einsortieren lässt, bedeutet aber nicht, dass er mir nicht gefallen hat, im Gegenteil. Ich finde ihn sogar eine Spur interessanter als HISTORY; nicht zuletzt, weil jener mir von einem Fremdscham induzierenden Auftritt William Hurts vergrätzt wurde, vor allem aber weil mir EASTERN PROMISES Einfachheit, so imponiert hat. Man spürt förmlich, wie sich unter der vermeintlich spiegelglatten Oberfläche des Plots die Wellen des Subtextes kräuseln.

Neben den dann doch als typisch Cronenberg zu identifizierenden Szenen – natürlich der Kampf in der Sauna, aber generell die Inszenierung von Gewalt und Sex –, hat mich vor allem ein märchenhafter Zug der Handlung fasziniert. Die Begegnung Annas mit der Mafiafamilie wird als Begegnung des Guten mit dem Bösen inszeniert, eine Kontrastierung, die dadurch noch verstärkt wird, dass auch Anna zwei Familienmitglieder auf ihrer Seite hat. Auch in der in Kritiken manchmal bemängelten und  gar als rassistisch diffamierten Zeichnung der Russen schlägt sich meines Erachtens eher der Wunsch nach stilistischer Überhöhung nieder als ein Vorurteil. EASTERN PROMISES ist ja kein Film über die russische Mafia, er ist keine authentische Sozialstudie: Er ist ein Film über Familienbünde und darüber, wie unterschiedlich diese konstituiert sein können. Und betrachtet man die Familien hier als Körper hat man dann auch wieder den Anschluss ans Cronenbergsche Schaffen.