Mit ‘Nicholas Worth’ getaggte Beiträge

„Fist“ Sullivan (Sam Jones) arbeitet als Geldeintreiber und Schaukämpfer für die Familie von Mafiaboss Dino Diamond (Harry Guardino). Der hat soeben mit der Malucci-Familie einen trügerischen Friedenspakt geschlossen, um deren Anführer Victor Malucci (Abe Vigoda) in Sicheheit zu wiegen. Als sich die Gelegenheit bietet, ihn auszuschalten, schlägt Diamond eiskalt zu und schiebt den Mord Sullivan in die Schuhe …

Mit FIST OF HONOR versuchten sich die Köpfe der für krachige, gut aussehende DTV-Action bürgenden Produktionsgesellschaft PM Entertainment, Richard Pepin und Joseph Merhi, an einem etwas zurückgenommeren Mafia- und Rachefilm. Dieser Versuch ist jedoch nur bedingt als erfolgreich zu bewerten: Zwar gelingt es Pepin überraschend gut, die für das Mafiasujet angemessenen Bildwelten zu malen, wobei nicht zuletzt das tolle Mafia-Casting eine entscheidende Rolle spielt, doch bekommt er seinen Stoff erzählerisch nicht in den Griff. Es dauert eine gute Stunde, bevor sich überhaupt ein Plot herauskristallisiert, bis dahin gestaltet sich FIST OF HONOR als Aneinanderreihung mehr oder weniger zielloser Episoden, die mal den Konkurrenzkampf der Familien, mal Sullivan und seine Aufträge, mal sein Privatleben zum Inhalt haben. Die Besetzung Sullivans mit Sam Jones ist die höchste Hürde, die man zu nehmen hat, will man FIST OF HONOR etwas abgewinnen: Der grobe, eh nur wenig charmante und hier noch mit einem GI-Bürstenhaarschnitt gestrafte Jones, müht sich redlich, den Sympathieträger zu geben, doch sieht man immer nur den unbeweglichen Proleten, der sein Geld damit verdient, Leute zu vermöbeln, und trotzdem versucht als cooler Kumpel – etwa des Teenie-Nachbarmädchens – wahrgenommen zu werden. Im Grunde ist er nicht schlecht für die Rolle: Geldeintreiber wird man wohl kaum für seine zwischenmenschlichen Fähigkeiten oder wegen der sozialen Kompetenz und eine gewisse Grunddummheit ist wohl ebenfalls nötig, ein Engagement bei der Mafia niemals kritisch zu hinterfragen – vor allem, wenn man dem Chef die Freundin ausgespannt hat –, aber das ändert eben nichts daran, dass er als Identifikationsfigur schlichtweg ungeeignet ist. Das größte Manko des Films ist aber wahrscheinlich, dass das, worum es in FIST OF HONOR eigentlich hauptsächlich gehen sollte, nämlich die Rache Sullivans, in lausigen 20 Minuten abgesfrühstückt wird. Bemerkenswert ist Pepins Film in erster Linie für das überraschend niedrige Aggressionspotenzial des Helden: Als der den Mörder seine Freundin in die Finger kriegt, begnügt er sich damit, diesen durch eine Scheibe zu werfen. Das geht in anderen Filmen als Liebesbekundung durch!

In Los Angeles versetzt ein Serienmörder die weibliche Bevölkerung in Angst und Schrecken. Der Killer, ein Vietnamveteran namens Kirk Smith (Nicholas Worth), arbeitet unter anderem als Aktfotograf und verschafft sich so Zugang zu den Frauen, die er mit einem Strumpf erdrosselt. Nahezu besessen ist er von der Psychologin Dr. Lindsay Gale (Flo Lawrence), in deren Radiosendung er immer wieder anruft. Zwei Polizisten (James Westmoreland & Ben Frank) sind dem Killer auf der Spur und hoffen darauf, dass er einen Fehler begeht …

Im Horrorfilm-Lexikon von Hahn/Jansen wurde in der kurzen Inhaltsangabe von TODESSCHREI AM TELEFON (so der deutsche Titel) behauptet, der Killer vergewissere sich per anonymem Drohanruf, dass seine weiblichen Opfer allein zu Hause seien, bevor er sie dann aufsucht und umbringt. Das ist Unsinn und beweist, dass die beiden streitbaren Autoren sich den Film wohl gar nicht angeschaut haben, sondern lediglich anhand des Originaltitels ihre Vermutungen angestellt haben. Zu dumm, dass der einigermaßen unpassend ist, denn die einzigen Anrufe des Killers erhält die Psychologin und tut sehr gut daran, sie zu beantworten, weil sie die Polizei doch auf die Spur des Killers führen. Die Freude darüber, die beiden Autoren, die in ihrem Werk Zuschauer, die auch härterem Stoff nicht grundsätzlich abgeneigt sind, als Irre beschimpfen und ihnen einen Platz in der Gummizelle wünschen, als Faulpelze enttarnt zu haben, wird leider dadurch getrübt, dass ich gerade diese angebliche Prämisse so reizvoll fand: Wer mal einen anonymen Anruf bekommen hat, weiß, wie sehr einen das enervieren kann. Zum Glück gibt es EYES OF A STRANGER, der meine Phobie äußerst effektiv bedient, und so lässt es sich verschmerzen, dass Robert Hammers Film tatsächlich ziemlich dröge Kost ist. Man erkennt ihn relativ schnell als unambitionierten Exploiter, der aus der Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger wohl als Nachwirkung auf den Son of Sam bestehenden Angst vor Serienkillern Profit schlagen wollte, ohne wirklich etwas zum Diskurs beitragen zu können. Während der zur gleichen Zeit entstandene MANIAC einerseits die Grenzen des Mach- und Zeigbaren gehörig verschiebt, einen ultradüsteres New-York-Porträt zeichnet und mit Joe Spinell einen Hauptdarsteller hat, der sowohl furchteinflößend wie mitleiderregend ist, kommt DON’T ANSWER THE PHONE nie über die Kolportage disparater Elemente hinaus. Da wird der Zuschauer Zeuge der Therapiesitzungen von Dr. Gale, die zur Geschichte rein gar nichts beitragen, außer sie zu zerdehnen, driftet die Razzia der Polizisten in einem Puff  gar in komödiantische Bereiche ab, was zum einen der Schaffung einer Atmosphäre der Angst und Anspannung denkbar abträglich ist, zum anderen in der Verbindung mit den eher unangenehmen Szenen des Films ziemlich abgeschmackt wirkt. Nicholas Worth, der mir als Kind mit seiner Monstermetamorphose in Cravens SWAMP THING schlaflose Nächte bescherte (und auch in Raimis DARKMAN eine tolle Nebenrolle hat), wird als Killer fast zur Nebenfigur degradiert, was sehr schade ist, weil die Szenen mit ihm eindeutig die Höhepunkte des Films sind. Er liefert ein gelungenes Porträt eines derangierten Geistes ab, ist als freundlich-charmanter Verführer ebenso glaubwürdig (und gruselig), wie als Monster, das seinen Körper mit Hanteltraining stählt, oder als flennender Geisteskranker. In den Szenen mit ihm ist dann auch so etwas wie eine (visuelle) Linie erkennbar, die man im Film sonst vergeblich sucht.

Weil ich aufgrund akuter Langweile in den letzten 30 Minuten mehrfach in den Sekundenschlaf gesunken bin, kann ich kaum eine echte Empfehlung aussprechen: DON’T ANSWER THE PHONE lässt jeden Flow, der einen mitfiebern ließe, vermissen, hat – wie angesprochen – weder eine klare Linie noch eine funktionierende Dramaturgie aufzuweisen. Das ist schon fast wieder erstaunlich, wie ein Film mit einer solchen Thematik einen so dermaßen kalt lassen kann. Lediglich als Fenster in eine andere Zeit hat DON’T ANSWER THE PHONE einigen Reiz: Er bietet stimmungsvolle Bilder von einem schmuddeligen Los Angeles voller schmieriger Pornokinos, Plakatwänden, auf denen die Bee Gees in zeitlos schönem Airbrush beworben werden, und Kinos, die ALIEN zeigen und sich vor Zuschauern kaum retten können. Die Welt, die hier abgebildet wird, ist also fast genauso disparat wie ihre Abbildung. Das mag einen dann schon wieder für den Film einnehmen, der, wie ich oben schrieb, ein typischer Exploiter ist: Hammer kann sein überwiegend ökonomisches Interesse nie verleugnen und weil er daher eben versucht, alle möglichen Zuschauer anzusprechen, erinnert DON’T ANSWER THE PHONE eher an eine drittklassige Salatbar als an einen Film. Aber auch an einer solchen Salatbar findet man ja immer eine Kleinigkeit, die einem schmeckt.