Mit ‘Nick Cassavetes’ getaggte Beiträge

wraith-movie-poster-1986-1020216120Viel mehr Achtziger als THE WRAITH geht kaum noch: Charlie Sheen gibt den coolen Loner, Nick Cassavetes den fiesen Autotuner mit Matte und geairbrushter Lederjacke, Sherilyn Fenn trägt Bräunungscreme für zwei und arbeitet auf Rollschuhen im Burgerladen, dem Treffpunkt der Wüstenjugend, der Sountrack spielt u. a. Ozzy Osbourne, Mötley Crüe, Bonnie Tyler und Billy Idol. Erwachsene gibt es gar nicht – mit Ausnahme von Randy Quaids Sheriff und seinen Leuten – und das titelgebende Phantom kommt mit coolen Blitzen auf die Erde und heizt dann in einem potthässlichen Custom Car über die Landstraßen. Das hat schon was, auch wenn der Film um diese Zeitmarker herum nicht so wirklich zünden mag.

Auf den Highways rund um sein Wüstenkaff veranstalten Packard (Nick Cassavetes) und seine Gang Autorennen mit aufgegriffenen und drangsalierten Teens (die allesamt geile Sportwagen von Papa und Mama unter den Weihnachtsbaum gestellt bekommen haben): Wer verliert, ist seine Karre los, und Packard verliert nie. Bis plötzlich ein ganz in schwarze Bikerkluft gewandetes Phantom auftaucht: Da sterben Packards Leute einer nach dem anderen und enden trotz feuersbrünstiger Unfaälle ohne Verbrennungen – dafür aber mit leeren Augenhöhlen. Das Auftauchen des Phantoms koinzidiert mit dem von Jake (Charlie Sheen), der sich gleich an die süße Keri (Sherilyn Fenn) heranmacht, die von Packard umworben wird. Wie sich herausstellt, wurde Keris Freund einst von Packard und seinen Leuten ermordet …

Dass THE WRAITH – oder auch INTERCEPTOR, benannt nach dem Auto des Phantoms – ziemlich doof ist, muss nicht besonders betont werden. Als Spannungs- oder auch nur als Erzählfilm funktioniert er zudem überhaupt nicht: Dem Film fehlt ein Protagonist, mit dem man mitfiebern könnte, ein Konflikt, dessen Ausgang nicht von vornherein klar wäre. Charlie Sheen, dessen Jake sowas wie der Held ist, hat vielleicht 10, 15 Minuten Screentime aber dass er da ist, ist der totale Spannungskiller, denn das eine große „Mysterium“ des Films – wer ist der Rächer im Interceptor? – wird durch seine Anwesenheit völlig nivelliert. Man weiß, dass er es sein MUSS, weil seine Figur sonst überhaupt keine  Daseinsberechtigung hat. Die Morde an Packards Leuten sind ebenfalls total spannungsarm, weil von Anfang an kein Zweifel daran gelassen wird, dass sie chancenlos sind – und man darüber hinaus auch keinerlei Grund hat, auch nur das geringste Mitleid mit ihnen zu empfinden. Was bleibt, sind die sehr eigenartige Stimmung, die der Film allen Unzulänglichkeiten zum Trotz entfaltet, und seine geleckten Bilder, die an Airbrush-Kunstwerke auf Motorhauben aufgemotzter Muscle Cars denken lassen. Der Auftakt mit ein paar Irrlichtern, die aus verschiedenen Richtungen über die nächtlichen Wüstenhighways flitzen, ist sehr hübsch, genauso wie die Bilder des dampfenden Burgerladens vor dem violetten Nachthimmel. THE WRAITH wäre wohl gern sowas wie die Teenie-Version von HIGH PLAINS DRIFTER gewesen, aber dafür fehlt ihm einfach jede Ambiguität: Die Bösen sind böse, Jake und Keri herzensgut, und love will conquer it all in the end fo‘ shizzle. Am besten, man betrachtet das Teil als den überlangen Videoclip, der er ist, dann kommt man auf seine Kosten.

Bei einer Nahost-Friedenskonferenz in Moskau verübt eine Selbstmordattentäterin einen Anschlag auf den Friedenspreisträger. Sie tut dies im Auftrag von Kadal (Jonathan Cherchi), dem Anführer des islamistischen Staates Sudalia, der die Gelegenheit nutzt, um die westliche Welt per Fernsehbotschaft zu erpressen: In den USA soll eine Atombombe von einem seiner Männer gezündet werden. Die Delta Force soll Kadal unter der Führung von Charlie (Nick Cassavetes) aus seiner Festung entführen und ihm den Namen des Attentäters entlocken. Die Mission steht jedoch zunächst unter einem schlechten Stern, denn unverhofft wird den amerikanischen Soldaten eine russische Einheit zur Seite gestellt. Die ehemals verfeindeten Männer müssen sich zusammenraufen, um die Katastrophe zu verhindern …

Es ist irgendwie putzig: Als DELTA FORCE 3 1991 in den deutschen Videotheken landete, da habe ich mich ihm verweigert. Als Verehrer der ersten beiden Teile (das Poster zum Sequel zierte damals meine Zimmertür) konnte ich es nicht gutheißen, dass man eine Fortsetzung ohne den von mir so verehrten Chuck Norris gedreht hatte. Ein Sakrileg! Der Blick auf die wenig beeindruckenden 08/15-Fressen auf dem Cover festigte meine ohnehin bestehende Meinung nur noch. Ich habe Firstenbergs Film jetzt nach fast 20 Jahren der selbstauferlegten Askese gesehen und kann nur sagen: Ich tat damals wohl ganz gut daran, mich ihm zu verweigern. Damit will ich nun aber keineswegs andeuten, dass DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME schlecht ist, sondern lediglich, dass er mir, dem von Eighties-Action geprägten Teenie, damals wahrscheinlich wirklich nicht gefallen hätte. Die Abwendung vom kernig-pflichtbewussten Supersoldaten Norris hin zu den unbekannt-durchschnittlichen Mimen, die den dritten Teil bevölkern, ist durchaus programmatisch und wird auch durch die Tatsache, dass es sich bei diesen um die Söhne weitaus berühmterer Schauspieler handelt (neben Cassavetes agieren Mike Norris, Matthew Penn und Eric Douglas), nicht abgefangen. Anstatt der ikonischen Inszenierung des ersten Teils, der trotz aller Anlehnung an reale Begebenheiten stets auch eifrig bemüht war, Norris als amerikanischen Mythos abzulichten (man denke nur an die Aufnahme, die ihn auf dem Motorrad sitzend als Silhouette vor der aufgehenden Sonne einfängt), gibt es hier sachlich-nüchternes Teamwork ohne herausstechende Helden. Die Mannschaft ist der Star. Zwar ähnelt Firstenbergs Film in Dramaturgie und Setting durchaus noch Golans DELTA FORCE – in seiner Erzählhaltung weckt er Erinnerungen an den dokumentarisch-unterkühlten Agenten- und Söldnerfilm der Siebzigerjahre -, doch verzichtet er auf jene markigen Übertreibungen, die Golan immer wieder einstreute: keine Ballereien mit Panzerfäusten, kein breit angelegter Endkampf gegen den Schurken, kein mit Raketenwerfern bestücktes Motorrad, keine mit dem Star-Spangled-Banner bedeckten Särge und tränenreichen Abschiedszeremonien. Hier wird der Krieg gearbeitet und nicht gelebt.

All diese Abweichungen und Modifizierungen haben natürlich eine Ursache: Der Konflikt zwischen den Amerikanern und Russen, der mit zunehmender Dauer erst dem gegenseitigen Respekt und dann der Freundschaft weicht, ist das deutlichste Zeichen für den geopolitischen Wandel, der sich in den Jahren zwischen Teil 1 und 3 vollzogen hat und sich entsprechend in einem anderen Ton von Firstenbergs Film niederschlägt. Zwar müssen sich – wie auch in Zitos RED SCORPION – vor allem die Russen ändern und bewähren, um als gleichwertige Menschen gelten zu dürfen, aber immerhin gesteht man ihnen diese Fähigkeit nun überhaupt zu. In der Partnerschaft zwischen Sam (Eric Douglas) und Pietre (Mark Ivanir) wird das ganz explizit gemacht: Als der Russe dem Amerikaner vor dem Einsatz gesteht, nach erfüllter Mission in den USA bleiben zu wollen, beziffert Sam die Wahrscheinlichkeit der Erfüllung dieses Wunsches mit 60 : 40, nur um dieses Verhältnis im Verlauf des Films immer weiter zu korrigieren. Freilich, man ahnt es schon, wird die 50 : 50-Marke erst erreicht, wenn Pietre sterbend darniederliegt, was Sam dann die Gelegenheit gibt, den genretypischen Amoklauf zu starten, der auch seinen Tod zur Folge hat. Die Annäherung der beiden Blöcke wird durch zwei Fakoren begünstigt: Zum einen durch die Anwesenheit der attraktiven Irenka (Hana Azoulay-Hasfari), die alle Zweifel mit ihrem Sex-Appeal wegwischt, zum anderen durch die Existenz eines neuen gemeinsamen Feindes, auf den man den Hass projezieren kann, den man vorher füreinander reserviert hatte. Die Moslems sind – natürlich – vollkommen undifferenziert gezeichnet, oszillieren zwischen den sympathischen Charaktereigenschaften „religiös verblendet“, „gewissenlos und machtgeil“ und „tierhaft brutal“. Selbst die Zivilbevölkerung kommt nicht gut weg: Als den verkleideten Soldaten ein Junge vor den Transporter läuft und erschrocken, aber ohne verletzt zu werden, zu Boden geht, bildet sich sogleich ein hysterisch kreischender, die Hände gen Himmel reckender Mob um den Wagen, der erst durch das Eingreifen des Militärs aufgelöst werden kann – wohlgemerkt nachdem Irenka die Waffen der Frau am Kommandanten entsprechend abgewetzt hat.

Man merkt DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME an, dass er in einer Zwischenperiode entstanden ist: Die Sowjetunion war zwar nicht mehr der Feind, aber was wirklich folgen würde, welche Konsequenzen sich daraus ergeben würden, war noch ungewiss. Man konnte sich die Welt offensichtlich noch nicht ohne das Blockdenken vorstellen und so ersetzte man die Russen einfach durch einen neuen gemeinsamen Feind. Es müssen zwar keine Fahnen mehr geschwenkt werden, um das eigene Ego zu stärken, aber ansonsten wird sich nichts Wesentliches ändern. Vielleicht ist es dieser Glaube, der im Untertitel THE KILLING GAME steckt: Der Mensch ist des Menschen Wolf und die Regeln des Spiels sind nun einmal wie sie sind. Aber die Welt vor dem Bösen zu retten, ist keine heilige Aufgabe mehr, sondern nur noch ein Job.  Die karatekämpfenden Superhelden sind passé, die nächste Generation kann ins Feuer geschickt werden, eine, die zwar ihre eigenen Methoden hat, aber durch deren Adern eben noch das Blut der Väter fließt. So ist DELTA FORCE 3: THE KILLING GAME: Ein bisschen was Anderes, aber eben noch nichts ganz Neues. Nicht mehr ganz Achtzigerjahre, aber längst noch nicht Neunzigerjahre. Die Witze sollten erst noch folgen.