Mit ‘Ninjas’ getaggte Beiträge

thunderboltWenn ich spontan zwei Filme nennen müsste, die mich in diesem noch jungen Jahr am meisten gekickt haben, dann wären das MENG LONG ZHENG DONG und eben NINJA THUNDERBOLT, beide gesehen als wunderschöne 35-mm-Kopien in Düsseldorf, beide Hongkong-Martial-Arts-Actioner vom eher unteren Ende des Preisspektrums, beide komplett wahnsinnig, Actionkino in Hyperspeed, ohne Airbag und Seitenaufprallschutz, beide von einer räudigen Power, die man wohl nur im Kino so richtig mitbekommt.

NINJA THUNDERBOLT (die IMDb gibt als O-Titel ZI ZHUN SHEN TOU an, aber ihre Inhaltsangabe stimmt nicht mit dem Film überein, den ich gesehen habe, deshalb halte ich mich an die OFDb) so gesehen zu haben, ist zudem ein besonderer Glücksfall, denn der Film ist in Deutschland eigentlich nie gelaufen, sondern – wie alle Ninja-Klopper von Godfrey Ho – direkt auf Video ausgewertet worden, wo sein prachtvolles Scopeformat auf ein karges 4:3 beschnitten wurde, das die Protagonisten schon einmal hinter dem rechten und linken Bildrand verschwinden ließ. Die vorliegende, synchronisierte Kopie war also nicht für den Kinoverleih bestimmt, sondern nur das Master, von dem dann das Video gezogen wurde. Und da stellt sich dann schon die Frage, warum man diese Blendgranate nicht einfach auf die Leinwände gebracht hat, wenn sie schon in dieser herrlichen Fassung vorlag. Hatte man vielleicht Angst vor der zersetzerischen Kraft, die dieses Werk entfachen würde, vor durch die Großstädte tobenden Jugendlichen, die alles in Schutt und Asche legen? Vor dem Dawn of the German Ninja? Wer wollte es den Verleihern in Zeiten von PAPA, MAMA, ZOMBIE verdenken?

DER NINJA, wie er bei uns hieß, ist der erste von rund 20 Ninjafilmen Godfrey Hos (die Angaben variieren), in denen Richard Harrison auftrat. Und wenn man Harrison Glauben schenken mag, war es auch der einzige, den er mit ihm zusammen drehte und für den er bezahlt wurde. Dummerweise hatte Harrison keine Ahnung, mit wem er es zu tun hatte: Ho wurde berühmt-berüchtigt für seine Cut&Paste-Technik, die es ihm erlaubte, selbst gedrehtes Material immer wieder neu (und oft ziemlich geschickt) mit anderswo geklautem Material zu kombinieren und so Dutzende von Filmen in kürzester Zeit auf den Markt zu schmeißen. Das Ninagenre, das für einige wenige Jahre in den Achtzigern die Videotheken einnahm, bestritt er zu wahrscheinlich weit mehr als 90 % selbst und in etlichen seiner Vertreter tauchte eben Harrison auf, der heute noch klagt, Ho habe ihm mit dieser dubiosen Methode die Karriere ruiniert (worüber man streiten kann). Sicherlich unstrittig ist hingegen, dass Ho aufgrund seiner Masche selbst keinen guten Ruf genießt, vielmehr bis heute als zynischer Ramschfilmer verschrien ist. Dass er neben dem ausgebufften Geschäftsmann tatsächlich ein verdammt guter Handwerker war, sieht man daran, dass er heute als Dozent an der Filmhochschule von Hongkong tätig ist, aber auch an NINJA THUNDERBOLT, der mit ziemlich geringen Mitteln ein rasendes Actionfeuerwerk entfacht. Die Fights sind hyperkinetisch und ultradynamisch, wahnwitzig schnell und überdies brillant geschnitten, gleiches gilt für die diversen Verfolgungsjagden. Selbst, wenn es mal ruhiger zueght, sprich: nicht geschossen oder gefightet wird, wird man da in einem Tempo mit Attraktionen beworfen, dass man kaum Zeit hat, in Deckung zu gehen. Von der fastpornösen Sexszene mit sichtbarem Sackansatz im Tittenzelt bis zur Synchronschwimmeinlage reicht das vielseitige Spektrum und fliegt teilweise so schnell an einem vorbei, dass man sich nur noch verwundert die Augen reiben kann.

NINJA THUNDERBOLT dürfte tatsächlich ganz „traditionell“ gedreht worden sein: Zwar stand Harrison wohl nur für wenige Drehtage zur Verfügung  – mit einigen seiner Kollegen ist er nie gemeinsam zu sehen, der Großteil des Films muss ohne ihn auskommen, Auftakt und Finale mit ihm wirken wie angeklebt und passen inhaltlich kaum zum Rest -, aber immerhin wurden nicht fremde, ganz anders aussehende Filme geplündert und mit Selbstgedrehtem verschnitten, vielmehr zeichnete Ho recht offenkundig komplett selbst für sein Werk verantwortlich. So sucht man zwar auch diese höchst faszinierenden Momente vergebens, in denen da zwei völlig verschiedene Filme und die in ihnen beheimateten Figuren miteinander in Kontakt treten, aber dafür wirkt NINJA THUNDERBOLT wie aus einem Guss (plus Harrison). Der ellenlange, sich in eine wahre Prügelorgie hineinsteigernde Finalkampf raubte mir fast den Atem und hätte von mir aus ewig weitergehen dürfen, der bizarre Schluss lässt einen von einem Universum träumen, in dem Ho ein großes, krawalliges Harrison-Ninja-Franchise begründet und so Aberhunderte von japanischen Mittelklassewagen auf fantasievolle Art und Weise geschrottet hätte, die Fotografie fängt herrlich abgerissene Ecken Hongkongs in spannungsreichen Kompositionen ein und findet immer den perfekten Background für die nächste Keilerei. Geiler geht es nicht. DER NINJA? Die Offenbarung.

Vieles spricht dafür, OPERATION DANCE SENSATION im weitesten Sinne dem weiten Feld des „Amateurfilms“ zuzurechnen, aber irgendwie sträuben sich mir dabei die Nackenhaare: und das nicht nur, weil die Brüder Gosejohann längst Profis sind. Klar, auch sie versammelten überwiegend Freunde und Bekannte vor der Kamera, die sie in und um ihre Heimat in der Nähe des westfälischen Gütersloh aufbauten, Effekte, Requisiten und Kostüme wurden liebevoll aus dem, was der heimische Keller hergab, selbst gebastelt und dann fleißig improvisiert. Was OPERATION DANCE SENSATION aber von mit unter ähnlichen Bedingungen entstandenen und Papas Super-8-Kamera abgedrehten „Jungmutation“ unterscheidet, ist ein (meist) ins Schwarze treffender Humor (statt tumber Zoten), ein gutes Auge für die inneren Mechanismen des Actionfilms (statt bloß langweilig angehäufter Zitate), ein unübersehbares Talent für dynamische Inszenierung (statt technischem Dilettantismus) und ein sich tatsächlich auf den Zuschauer übertragender Spaß an der Sache (statt peinlicher Nabelschau).

Zwischen all dem liebenswerten Unfug um aus dem Vietnamkrieg geklaute Waffen, die nun in einem verborgenen Kellerraum einer Discothek im US-amerikanischen Neverhorst lagern und vom schurkischen Zorc (Oliver Piper) an die Irakis verkauft werden sollen, um die Rivalität zwischen den Veteranen Jackson (Thilo Gosejohann) und seinem Erzfeind Atlas (Simon Gosejohann) und die frappierende Unfähigkeit von Ninjas rührt OPERATION DANCE SENSATION auf sehr liebevolle und kluge Art und Weise an die subkutanen Wahrheiten des Actionfilms, die eben nur echten Experten auffallen: Jackson, Atlas, Zorc und Ralf Eden (Alexander Clarke) sind Kriegsversehrte in dem Sinne, dass ein bürgerliches Leben längst nicht mehr denkbar für sie ist. Außer dem Umlegen von Feinden haben sie nicht nur nichts gelernt, das ist auch genau das, was ihnen Spaß macht. Am Ende bejubeln sie die Tatsache, dass die USA Liechtenstein den Krieg erklärt hat und es für sie zum ersten Mal seit dem Vietnamkrieg wieder etwas zu tun gibt. Und plötzlich ist auch die sonst eher pazifistisch und liberal eingestellte Gesellschaft wieder ganz froh, dass es Profis wie Atlas und Jackson gibt, die mit Feuereifer und Freude an der Sache ihrem Job nachgehen. Natürlich geht es in OPERATION DANCE SENSATION nicht darum, irgendeine politische Aussage über die „echte“ Welt zu machen, vielmehr setzt er sich in Beziehung zum Actionfilm allgemein. Es ist ein handfester Metafilm, der ohne falsche Prätention sden kathartischen oder „seelenhygienischen“ Effekt des gepflegten Männer- und Ballerkinos herausarbeitet. Und „Neverhorst“ ist gewissermaßen der utopische Ort, an dem sich diese Funktion zeigen darf. Direkt an der US-irakischen Grenze und gegenüber von Vietnam gelegen, ist es das prototypisch brave Örtchen, wo alles nur vordergründig bieder und brav ist. Der Diskothekenking Eden konsumiert bergeweise Koks und muss sich rechtkonservativer Politiker erwehren, denen sein Etablissement ein Dorn im Auge ist. Durch Jacksons Garten stapfen Skinheads und Ninjas, ohne dass jemand daran Anstoß nähme und in einer Talkshow wird der Veteran, der sein Geld in mangels Alternativen als Kopfgeldjäger verdienen muss, bequem als Sündenbock ausgemacht, während man Atlas für die Einstellung von Ninjas und die Schaffung von Arbeitsplätzen lobt. Eine einfache Wahrheit wie die, dass die härtesten Kerle die dicksten Knarren haben, schafft da Trost und Klarheit.

In erster Linie ist OPERATION DANCE SENSATION aber ein Partyfilm. Simon Gosejohann ist zum Totlachen als tumber Muskelprotz Atlas, der die Ninjas verbraucht wie andere Leute Socken, und sich mit Jackson in einem Fort kindische Handgreiflichkeiten liefert (dieser auf Kindergartenniveau ausgetragene Streit, wer denn nun die bessere „Einheit“ im Krieg hatte, ist alles). Schöne Ideen wie die mit dem Kindergeburtstag, bei dem sich die Kerle bei einem Kinderspiel in die Wolle kriegen, der absurde Showdown, bei dem überdimensionierte Waffen auf Stützrädern herumgekarrt werden, und die schnoddrigen Dialoge in schönster westfälischer Diktion sorgen dafür, dass der Film auch nach über zehn Jahren nichts von seinem Charme eingebüßt hat. Allerdings, das muss man der Fairness halber sagen, ist er mit knapp 110 Minuten mehr als nur einen Hauch zu lang geraten. Einige Straffungen hätten dem Film gut getan und mancher Witz verpufft, weil das Timing nichts stimmt, Szenen zu lang dauern. Ein Paradebeispiel ist die erwähnte Talkshow-Szene (mit Bela B. als Gaststar), die nicht richtig auf den Punkt kommt, weil da einfach zu viel auf einmal gewollt wurde.  Aber ich kann das durchaus verstehen: Wenn man mit Herzblut bei der Sache ist, fällt es manchmal schwer, sich hinterher von liebgewonnenen Ideen zu trennen, den Auftritt des Freundes zu kürzen oder den einen Effekt rauszuschmeißen, auf den man so stolz ist. Echten Schaden können solche kleinen Mängel dem Film dann auch nicht zufügen, der immer noch eine Ausnahmeerscheinung im überschaubaren deutschen Genrekino ist. Mit anderen Worten: Klassiker.

MV5BMTA5MjI3NTE5NzleQTJeQWpwZ15BbWU4MDc2Mjg5ODAx._V1_SX640_SY720_Es ist noch gar nicht lang her, da habe ich hier regelmäßig von einer neuen Welle aufregender Actionfilme geschrieben, die aus dem DTV-Bereich auf die heimischen Bildschirme schwappten und den geneigten Betrachter mit sich fortrissen in eine Zeit, als das Actionkino noch Körperkino war, reine Kinetik, und kein mit allen zur Verfügung stehenden technischen Mitteln aufgeblasener Eventkinoquark. Doch wie das mit Wellen so ist: Irgendwann brechen sie, branden an der Küste und was nicht im Sand versickert, das rollt zurück ins Meer. In den letzten beiden Jahren ist nicht viel aufregendes passiert im Actionfilm. Vielleicht war UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING tatsächlich der von mir beschworene Endpunkt, wenn auch auf ganz andere Art und Weise als gedacht. Der Erfolg der EXPENDABLESFilme dürfte bei dieser Entwicklung ein nicht zu unterschätzender Faktor gewesen sein: Für viele seiner Stars brachte er eine neue, ungeahnte, breite Form der Aufmerksamkeit, die Chance, vor der Rente noch einmal Kasse zu machen, die sie nicht mehr für künstlerisch anspruchsvolle Actionfilme „vergeuden“ wollten. Dolph Lundgren hat sich nach drei herausragenden Filmen (THE MECHANIK, MISSIONARY MAN, ICARUS) bedauerlicherweise aus dem Regiegeschäft zurückgezogen und fällt mit mäßiger Quality Control bei der Projektwahl in alte Muster zurück. Jean Claude Van Damme scheint noch nicht so recht zu wissen, wo er hin will, was er mit dem zurückerlangten Ruhm anfangen will, Steven Seagal ließ auf das späte Karrierehoch (URBAN JUSTICE, PISTOL WHIPPED, DRIVEN TO KILL, THE KEEPER) mit MAXIMUM CONVICTION prompt den Rückschlag folgen, und auf den Befreiungsschlag von Steve Austin wartet man auch noch, nachdem er mit DAMAGE großes Potenzial offenbarte. Die Actionhelden von einst werden nicht jünger, die Erben stehen nicht gerade Schlange und den Actionregisseuren gehen die geeigneten Darsteller aus. Scott Adkins, vielleicht noch am ehesten so etwas wie ein Nachfolger, fehlt das darstellerische Profil und die Persönlichkeit, um es mit den Stars von einst aufnehmen zu können. Auf John Hyams neuesten Film warten wir seit zwei Jahren, potenziell interessante Leute wie Roel Reiné oder William Kaufman sind abhängig von dem, was sich ihnen anbietet, und Isaac Florentine, einer der wichtigsten Auteurs des neuen Actionfilms, erlaubte sich mit ASSASSIN’S KISS eine kleine Pause von der superreduzierten Retro-Action (zumindest nach dem, was ich gelesen habe, denn gesehen habe ich ihn noch nicht). Das alles ließ den Eindruck entstehen, der Actionfilme befände sich in einer unerwarteten Krise. Kann der mit Spannung erwartete NINJA 2: SHADOW OF A TEAR daran etwas ändern?

Die vorweggenommene Antwort lautet: Ja und nein. Inszenatorisch bedeutet er für Isaac Florentine eine Rückkehr zur alten, gewohnten Stärke. Die Kampfszenen, von denen es etliche gibt, sind selten übermäßig spektakulär, dafür aber wunderbar choreografiert, mit großem Gespür für Bewegung und Geschwindigkeit in Szene gesetzt, traumhafte Körperstudien, in denen dem Zuschauer nichts verborgen bleibt, die aber trotzdem ihr Mysterium bewahren. Die Sachlichkeit und Dynamik, die in diesen Fights zum Ausdruck kommt, zeichnet den ganzen Film aus. Ohne ein Gramm Fett, perfekt austrainiert, jeder Muskelstrang scharf definiert, schreitet er unaufhaltsam voran, ohne Pausen, ohne Umwege, ohne selbstverliebte Schlenker, und kommt so zu großer Klarheit. Aber ein bisschen ist das auch sein Problem: Es bleibt nicht irrsinning viel hängen von NINJA 2: SHADOW OF A TEAR, es fehlt ihm sowohl der Sinn für das wenn auch nicht ornamentale, so aber doch authentifizierende Detail, als auch eine das ganze überragende Vision. Florentines Reduktionismus stand in Filmen wie THE SHEPHERD, UNDISPUTED 2 oder UNDISPUTED 3: REDEMPTION stets auch im Dienste einer Freilegung von verschütteter Bedeutung. Das zentrale Drama trat durch seine Behandlung glasklar hervor und konnte wieder seine ganze Wirkung entfalten. Vielleicht versucht er das auch hier: Seine Geschichte – ein aufs nackte Gerüst reduzierter Racheplot – erlaubt sich genau einen Twist zum Finale, aber genau das wirkt hier inkonsequent. Nicht nur, weil man diesen Twist von Anfang an kommen sieht, sondern weil er etwas liefern soll, was vorher versäumt wurde. Der Schmerz seines Protagonisten wird durch Florentines Entblätterung eben nicht fühlbar, er gerinnt zum reinen Plotvehikel. Was ich ebenfalls, vielleicht noch mehr, vermisst habe, sind die kleinen poetischen, cartoonesken Einfälle. Das Comichafte, was noch NINJA auszeichnete ist hier zugunsten grimmiger Ernsthaftigkeit gewichen. Und beglückende, beinahe rührende Szenen wie jene aus UNDISPUTED 3: REDEMPTION, in der der Freund dem Helden ein Blümchen aus dem Dreck pflückte, um damit seine Verletzung zu heilen, gibt es hier auch nicht zu entdecken. Die Idee der superökonomischen Thrillmaschine stößt hier an ihre Grenzen.

Letzten Endes ist das Jammern auf hohem Niveau: NINJA 2: SHADOW OF A TEAR ist rein von seiner Dynamik her betrachtet, wahrscheinlich der beste reine Actionfilm seit Hyams Überfilm UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING (der seinerseits natürlich sehr viel mehr war als ein reiner Actionfilm), und handwerklich reicht Florentine in den USA derzeit keiner das Wasser, wenn es um die Inszenierung von Martial-Arts-Fights geht. Aber man ist von dem Mann bislang nun einmal sehr verwöhnt worden und deshalb vermisse ich hier einfach den letzten Kick, das Neue, das, was über sein bisheriges Schaffen hinausragt. Sein neuester Film ist ein wunderbarer Arschtritt, rasant, temporeich, schön anzusehen. Aber emotional hat er bei mir fast gar nichts ausgelöst. Die leise Enttäuschung kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht verhehlen.

Der Terrororganisation Cobra war es zum Ende des Vorgängers gelungen, den Präsidenten der USA unbemerkt durch einen ihrer Männer auszutauschen. Der nächste Schritt ihres Planes zur Erlangung der Weltherrschaft besteht nun darin, die Spezialeinheit G.I. Joe auszulöschen. Doch der Plan geht nur bedingt auf, denn 5 Mitglieder überleben. Für Roadblock (Dwayne Johnson), Flint (D.J. Cotrona), Jaye (Adrianne Palicki), Snake Eyes (Ray Park) und Jinx (Elodie Yung) geht es nun darum, den Verräter in den eigenen Reihen ausfindig zu machen, um Cobra zu stoppen. Die sind nämlich im Besitz einer neuen Superwaffe, deren zerstörerische Energie jede Atombombe in den Schatten stellt. Und sie sind bereit, sie einzusetzen. Bei ihrem Kampf gegen das Böse bekommen die Joes unerwartete Hilfe von ihrem Gegner Storm Shadow (Lee Byung-hun), der herausgefunden hat, dass er von den Mächten Cobras benutzt wurde, und ihrem einstigen Gründer, General Joe Colton (Bruce Willis) …

G.I. JOE: RISE OF THE COBRA markierte vor drei, vier Jahren einen Höhepunkt im Bereich des auf Popkultur basierten Trivialkinos der letzten 15 Jahre. Regisseur Stephen Sommers, dessen Filme meist den ungesunden Geruch von Plastik, Farbstoffen und umweltbelastendem Verpackungsmüll verströmen (mit Ausnahme des grandiosen DEEP RISING natürlich), war genau der Richtige, der Actionfiguren-, Zeichentrick- und Comicserie zum Sprung auf die Leinwand zu verhelfen. Er stopfte seinen Film randvoll mit bombastischen, kinetischen Set Pieces und gewaltigen Bildern, die sich unweigerlich im Gedächtnis festbrennen. Der dem Franchise inhärenten Absurdität trug er mit einer nur rudimentär entwickelten Plotline, einem Sammelsurium starker Figuren und einer entfesselten Cinematografie Rechnung.  In Jon M. Chus oft verschobenem Sequel weicht der unschuldig-naive Spaß nun dem Bemühen um Ernsthaftigkeit. Mit der Auslöschung der Eliteeinheit und dem verräterischen falschen Präsidenten im Weißen Haus gründet der Film auf einer düsteren Prämisse, die die Stimmung des Films deutlich prägt. Die Geschichte wird über mehrere parallel laufende Stränge erzählt und erhält so einen epischeren Anstrich, zudem deutliche Schlagseite Richtung des Spionage- und Agentenfilms mit seinen Schauplatz- und Frontwechseln. Es gibt viel mehr Handlung als noch im Vorgänger und das geht etwas zulasten der Oberflächenreize, die hier meines Erachtens nach im Vordergrund stehen sollten. Zu guter letzt geraten die Actioneinlagen etwas „realistischer“: Over-the-Top-Sequenzen wie die Verfolgungsjagd mit den Highspeed-Anzügen aus Sommers‘ Vorgänger sucht man eher vergebens, vergleichsweise „normale“ Schießereien und Gefechte machen den Löwenanteil der Actionszenen aus. Das spektakuläre Centerpiece des Sequels, ein ausdauernder Ninjafight im Hochgebirge, steht eher in der Tradition des Hongkongkinos der Neunzigerjahre, der Science-Fiction-Anteil beschränkt sich weitestgehend auf die Superwaffe von Cobra und kleinere Details. Dieser tonale Wandel beraubt G.I. JOE: RETALIATION leider auch des naiven Camp-Charmes, der den vorangegangenen Teil so unwiderstehlich machte, ihn zu einer nahezu perfekten Umsetzung einer Spielzeugreihe, die sich ganz der martialischen Fantasie heranwachsender Jungs verschrieben hatte. Das Streben nach Respektabilität, das man Chus Film anmerkt, wirkt dagegen vergleichsweise fehlgeleitet, weil es die Wurzeln der Herkunft des Quellmaterials verleugnet. Ein Fehler, den Hollywood bei der Umsetzung solcher Franchises immer wieder macht: Anstatt eben jene Leute mit farbenfrohem Nonsense restlos zu beglücken, die schon damals mit den Figuren im Sandkasten spielten, die Zeichentrickfilme verschlangen oder einst das Computerspiel auf dem C64 spielten, versucht man auch „normale“ Actionfans ins Boot zu holen, denen der erste Teil zu abgehoben war. Der Kompromiss gelingt hier zugegebenermaßen besser als bei anderen Filmen, die Hollywood in dem Bemühen, es allen Recht zu machen, zu Tode optimierte, wohl auch, weil es nahezu unmöglich ist, eine mit diesem Figureninventar ausgestattete Reihe komplett auf den Boden der Tatsachen zu holen. Mir hat G.I. JOE: RETALIATION jedenfalls trotz der genannten Schwächen noch gut gefallen und Spaß bereitet. Er ist schön bunt, bietet herrlich überzogene Schurken- und Heldenfiguren, jede Menge Krawumm und Krawall, „The Rock“ Dwayne Johnson in einer grandiosen Comic-Rolle, die erwähnte Ninja-Sequenz, die allein das Ansehen des Films lohnt, RZA als blinden Kung-Fu-Meister, mit Snake Eyes (Ray Park) eine der schönsten „stummen“ Figuren der Popcorn-Filmgeschichte, viele, viele große Bilder (die bildgewaltige Zerstörung Londons sei hier auch deshalb erwähnt, weil der Film sie fast beiläufig einstreut) und einige weitere Ideen, die mir unweigerlich ein breites Grinsen ins Gesicht zauberten. Dass Roadblock am Ende von General Joe Colton als Geschenk die Handfeuerwaffe Pattons überreicht bekommt und sie in Ehrfurcht entgegennimmt, kann man nur einem solchen Film verzeihen. Allein dafür bin ich froh, dass es ihn gibt. Und hoffe inständig, dass weitere G.I. JOE-Filme folgen werden.

Nachdem sie dem Tod – siehe DAREDEVIL – knapp von der Schippe gesprungen ist, hat Elektra (Jennifer Garner) die Laufbahn eines Profikillers eingeschlagen und dabei erstaunliche Erfolge gefeiert. Traumatisiert vom Verlust ihrer Eltern tötet sie gnadenlos und ohne jede Gefühlsregung. Das ändert sich, als sie den Auftrag bekommt, Mark Miller (Goran Visnjic) und seine 13-jährige Tochter Abby (Kirsten Prout) umzubringen. Als sie sich weigert, den Auftrag auszuführen, tritt „die Hand“ auf den Plan: eine japanische Geheimorganisation, deren Killer über magische Kräfte verfügen. Elektra beschließt, Mark und seine Tochter zu beschützen …

Das Spin-off zum Überrraschungshit DAREDEVIL widmet sich einer Figur, die eher am Rande des Marvel-Universums existiert: Die melancholische Killerin passt nicht wirklich in eine Welt, die sonst von Männern in Strumpfhosen, Außerirdischen, Mutanten und Halbgöttern bevölkert wird. Kein Wunder also, dass auch Rob Bowmans Film nicht allzu viel mit dem „klassischen“ Superheldenfilm gemeinsam hat. ELEKTRA ist ein reinrassiger Action- respektive Martial-Arts-Film mit einigen fantastischen Beigaben und ohne die Anflüge von Epik, die dem Superheldenfilm sonst seinen Ereignischarakrer verleihen und andeuten, dass er immer nur einen Ausschnitt aus einem unendlich großen Ganzen darstellt. ELEKTRA ist 90 knackige Minuten lang, beschränkt seine Origin-Story auf einige kurze Flashbacks, die so umso größere Wirkung entfalten, und erzählt eine Geschichte, die in erster Linie Gelegenheit bietet, das moralische Dilemma seiner Hauptfigur in Bilder zu gießen. Das bringt mich auch zum eigentlichen Punkt, denn ELEKTRA sieht wirklich fantastisch aus (und Elektra natürlich auch, aber dazu später mehr).

Bowmans Film ist überwiegend in edel wirkenden Braun- und Goldtönen gehalten – dann und wann kommt ein stählernes Blaugrau dazu –, das von tiefschwarzen Schatten durchzogen ist, aus denen sich die lautlosen Killer unerwartet herausschälen und in denen sie wieder verschwinden können. Wärme und Kälte stehen noch unversöhnt nebeneinander. ELEKTRA erzählt dann auch davon, wie seine Hauptfigur, eine Person, deren schweres persönliches Schicksal ihr den Glauben an das Gute genommen hat, den Weg ins Licht zurückfindet. Das ist nicht wirklich neu, sondern sogar ein Standard des Killerfilms, aber in der hier dagebotenen Form und im Rahmen der Comicverfilmung durchaus ansehnlich. ELEKTRA beginnt mit einer enorm starken Sequenz: Während Elektra in das Haus einer ihrer Zielpersonen eindringt, sich wie ein Schatten lautlos ihren Weg durch die Leibwächter bahnt und sie ausschaltet, ohne sichtbar zu werden, berichtet das Opfer einer anderen Person von der Unaufhaltsamkeit der Killerin, die ihn mehrfach hat entkommen lassen. Er weiß, was auf ihn zukommt, dass sein Leben ausschließlich von ihrer Gnade abhängt. Schließlich stehen sich die beiden gegenüber. Bowman etabliert Elektra gerade in ihrer schattenhaften Abwesenheit als tragische Figur: Elektra flüchtet vor ihren Ängsten, findet in ihrer Profession die Möglichkeit, förmlich körperlos zu werden. Ihr Zorn wird nicht von ihr verarbeitet, sondern mit eisiger Präzision auf anonyme Zielpersonen umgelenkt, deren Schicksal ihr egal ist und die sie stellvertretend für die Mörder ihrer Eltern richtet. Natürlich findet ein Umdenken erst statt, als sie mit Abby jemandem begegnet, der als Spiegel fungiert.

ELEKTRA ist kein großer Film, krankt ein bisschen an seiner Blutarmut (der farbliche Mangel an Scharlach wird durch Elektras Outfit wettgemacht), erinnert mich aber psoitiv an solche visuell herausragenden B-Movies der Neunzigerjahre wie etwa Christophe Gans‘ CRYING FREEMAN oder J. F. Lawtons THE HUNTED. Filme, die nicht lang irgendeinen nicht vorhandenen inhaltlichen Anspruch vortäuschen mussten und sich ganz darauf beschränkten, ihre düster-moralischen Märchen in ansprechende, griffige Bilder zu gießen. Mit Jennifer Garner verfügt Bowman über eine Darstellerin, die in Zeitlupe (und auch sonst) knackig aussieht und der man die Martial-Arts-Verrenkungen jederzeit abnimmt. Bei der Inszenierung der Actionszenen hat sich Bowman sichtlich vom asiatischen Kino inspirieren lassen (beim Schlussfight mit den wehenden weißen Tüchern etwa): Sie sind nicht bloß Nummern, sondern bilden das Zentrum seines Films, der sonst nicht viele Worte verschwenden muss. So, wie es sein muss.

Der abtrünnige Colonel Marshall (Mike Monty) betreibt in Vietnam ein Ausbildungslager für kommunistische Terroristen. Der Soldat Python Lang (Miles O’Keeffe) wird beauftragt, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen und den Überläufer auszuschalten. Er rekrutiert ein paar heruntergekommene Vietnamveteranen, die sich mittlerweile als Drogendealer verdingen, und schickt sie zusammen mit Marshalls Sohn durch ein hartes Training. Am Ende sind sie besser als je zuvor, beherrschen Ninjitsu und sind bereit, ein paar Kommies aufzumischen …

Man fragt sich bei Betrachtung von PHANTOM RAIDERS unweigerlich, wie viele arglose philippinische Bürger in den Achtzigerjahren wohl den zahlreichen Sprengungen zum Opfer fielen, die für billige Actionklopper wie diesen im Urwald gezündet wurden. Der Film sieht aus wie alle anderen, die in jenen Tagen dort entstanden, weist natürlich auch MIke Monty auf und ist von denselben Unzulänglichkeiten geprägt, für die man diese Filme zu lieben gelernt hat: enthusiasmierte Statisten, die mit hochgerissenen Armen in die Luft hüpfen, wenn hinter ihnen eine Sprengladung expodiert, schäbige Settings, ein Bodycount im hohen dreistelligen Bereich und eine Interpretation von Action als zielloses Rumrennen und Rumballern. PHANTOM RAIDERS ist dann auch ein besonders orthodoxer Vertreter seiner Zunft, wartet im Mittelteil vielleicht mit fünf Minuten Exposition und Dialog auf und begnügt sich sonst damit, seine Darsteller wild alles niedermähen zu lassen, was ihnen über den Weg läuft. Das ist prinzipiell natürlich lobenswert, in diesem speziellen Fall aber vor allem ermüdend. Nach 20 Minutend des Dauerfeuers und Dauersterbens war ich jedenfalls ziemlich froh, als der böse Colonel Marshall vom kernigsten aller kernigen Superdudes, MIles O’Keeffe, mittels kurz angebundenem Schuss ins Kreuz seiner Bestimmung zugeführt wurde.

Richtig geil ist allerdings der Mittelteil des Films: Da wird der coole Python Lang – den die deutsche Syncho beharrlich „Peiten“ nennt – von einem Staatsmann rekrutiert, der sich sein nach Abstellkammer aussehendes Büro mit einer schicken Karibik-Fototapete aufgepeppt hat, die mit dem orangefarbenen Plastikaschenbecher auf seinem Schreibtisch eine extravagante Verbindung eingeht. Beide sind sich zum Glück sofort einig, dass Marshall eine immense Bedrohung darstellt, weil er „einer der Besten“ war, wenn nicht gar „der Beste“. Warum man meint, diesem „Besten“ ausgerechnet mit ein paar aus der Form geratenen Pennern gegenübertreten zu müssen, ist nicht ganz klar. Möglicherweise steckt da auch sozialer Goodwill dahinter, denn nach der Ausbildung durch Peiten sind die drei bärtigen Rednecks, die in jedem Arbeitsamt zur Inneneinrichtung gezählt werden müssten, „besser als je zuvor“. Diese Ausbildung in Durch-den-Busch-Rennen, Boobie-Traps-Ausweichen und Ninjitsu ist dann auch der Höhepunkt des Films. Die von Peiten im Wald aufgebauten Fallen werden von den tumben Haudraufs ohne Ausnahme ausgelöst und es ist ein Wunder, dass sie den Hinderniskurs überleben. Ihre Freude darüber währt aber nur kurz, denn Peiten klärt sie gnadenlos darüber auf, dass sie in dieser Form bestenfalls Kanonenfutter für die „Schlitzaugen“ darstellen. Die harsche Kritik löst dann auch das nötige Umdenken bei den Reintegrationskandidaten aus, die die nächtlichen Sauf- und Pokerrunden künftig ausfallen lassen, um Peiten und seinem Anstandswauwau, Marshalls Sohn, bei ihrem nächtlichen Kontrollgang aufzulauern. Mit einem Lebensvorrat an Wurfsternen, Handgranaten und Munition und schicken Tarnfleck-Ninjaanzügen werden die neuen Elitesoldaten dann in die Schlacht geschickt, schießen ganze Hundertschaften von übermotiviert in ihr Verderben rennenden Soldaten über den Haufen und außerdem des Marshalls asiatische Ehefrau – vor den Augen ihres Sohnes. Das wird ihm bestimmt eine Lehre sein! Am Schluss sind die Veteranentrottel natürlich trotzdem tot: Das Ende suggeriert, das Peiten ihnen keine Träne nachweint und stattdessen eine neue Existenz mit dem Sohn vom Marshall gründet. Der sehnsüchtige Blick aufs offene Meer spricht jedenfalls Bände. Ich hätte mich in jenen Zeiten auch nach etwas Besinnlichkeit gesehnt.

Japan im 16. Jahrhundert: Der machthungrige Kriegsherr Hideyoshi entsendet seinen Krieger Shogen (Sonny Chiba), um mit dem verhassten Momochi-Clan aufzuräumen. Der jüngste Spross des Clans, Takamaru, wird von seiner Mutter nach China in Sicherheit geschickt. Jahre später kehrt er, nun ein junger Mann (Hiroyuki Sanada), zurück ins eine Heimat, um die letzten Überlebenden seines Clans zum Kampf gegen Shogen zusammenzutrommeln …

Ein Überbleibsel meines NinjaMarathons aus dem vergangenen Jahr, ist NINJA BUGEICHO MOMOCHI SANDAYU (ab jetzt kurz SHOGUN’S NINJA) ein moderner Vertreter des Jidai-Geki, jenes Genres, das sich mit den Kaisern, Samurais, Shoguns (Shogunen?), Clans und Dynastien der japanischen Geschichte und ihren Schlachten auseinandersetzt. Steht man diesen Filmen als westlicher Zuschauer aufgrund ihrer Bezüge zu Begebenheiten, die einem völlig fremd sind, eh schon meist ratlos gegenüber, verliert man schon nach kurzer Zeit den Überblick über die zahlreichen handelnden Figuren, ihre Namen, Zugehörigkeiten und Motivationen, so potenziert sich die Verwirrung bei SHOGUN’S NINJA dank bizarrer moderner Regieeinfälle, der unbeholfenen deutschen Synchronisation (ein ausgesuchtes Zitat: „Diese Flöte ist mehr als ein Musikinstrument.“) und der eigenwilligen Struktur des Films, der Actionszene an Actionszene reiht, dabei von Höcksken auf Stöcksken kommt und nahezu auf jede Orientierung schaffende Exposition verzichtet, gleich um ein Vielfaches.

Um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie SHOGUN’S NINJA seine Geschichte erzählt: Suzuki beginnt seinen Film mit der Beauftragung Shogens und dem sich anschließenden Gemetzel an den Momochis, wendet sich dann schließlich einer Frau desselben Clans zu, die ihren Sohn an einen Diener abgibt und sich selbst hinrichtet. Nach satten 12 Minuten beginnt die Title-Sequenz zu rollen und mit ihr erhascht man den ersten Blick auf den eigentlichen Protagonisten des Films, den zurückkehrenden Takamaru. Der sucht seine Freunde auf – die ihn, der doch seine gesamte Jugend in China verbracht hat – gar nicht (mehr) kennen dürften – und trommelt sie zum Widerstand zusammen. Erfolge und Misserfolge wechseln sich in rascher Folge ab, führen entweder zum nächsten Kampf oder aber zu einer nötigen Befreiungsaktion, mehrfach werden zwei kostbare Schwerter der Momochis erwähnt, auf deren Klingen jeweils ein Teil einer Karte eingraviert ist, die zu einer Goldmine führen soll, und irgendwann erzählt Takamaru via Rückblende, was er in China erlebt hat und dass er dort von einer attraktiven jungen Frau in die Geheimnisse der Kampfkunst eingeweiht worden sei, die dann viel später – man hat sie schon fast wieder vergessen – auch noch ihren Auftritt in der Gegenwart des Films feiern darf. Die seit KILL BILL auch westlichen Kinogängern bekannte Figur des Hattori Hanzo taucht auch immer wieder am Rande des Films auf und am Ende sind die Bösen besiegt, die Momochis haben ihre Rache bekommen und die beiden Schwerter mit der Schatzkarte, die doch angeblich so wichtig waren, werden ins Meer geworfen. Untermalt wird das Ganze von entspannt groovendem Discofunk, der die Wirkung der Bilder völlig auf den Kopf stellt, außer in jener denkwürdigen Trainingsszene, in der Takamaru zu diesem Sound tatsächlich zu tanzen beginnt, als sei der Geist Jennifer Beals‘ in ihn gefahren. No shit!

SHOGUN’S NINJA ist dafür, dass er sich inhaltlich eigentlich überhaupt nicht von anderen Jidai-Geki unterscheidet, reichlich bizarr. Ich hatte keine Ahnung, was da eigentlich genau passiert, trotzdem war das bunte Treiben in höchstem Maße kurzweilig. Was dem Film aber total abgeht, ist die Kohärenz, die einem begreiflich machen würde, dass seine Szenen nicht nur chronologisch angeordnet sind, sondern eben auch in einem kausalen Zusammenhang stehen. Ich fühlte mich während des Films, als befände ich mich auf einer langen Reise, deren einzelnen Etappen zwar allesamt sehr interessant sind, deren Ziel mir aber völlig unbekannt ist. Der mit 110 Minuten schon nicht gerade kurze Film dehnte sich demzufolge in meiner Wahrnehmung ins Uferlose, weil er einen klaren Handlungsbogen zugunsten vieler ineinander fließender Episoden mit wieder eigenen Spannungskurven vernachlässigt und mit dieser Strategie so viel Raum und Handlung abreißt, dass alles in einem einzigen Nebel verschwimmt. Wenn der Film nach den knapp zwei Stunden, die einem wie vier vorkommen, schließlich zu Ende ist, hat man zwar keine Ahnung mehr, wie das eigentlich alles angefangen hat, aber man weiß noch, dass es irgendwie gut war. Sehr, sehr merkwürdig. Aber das gilt ja auch für Suzukis zumindest in Deutschland wohl bekanntesten Film, der bundesdeutschen Justiziaren den ein oder anderen Schluckauf verursachte und auf den schönen deutschen Titel EXZESSE IM FOLTERKELLER hört …