Mit ‘Noomi Rapace’ getaggte Beiträge

Liegt es an mir oder sind es die anderen? Als PASSION rauskam, las ich überall, der Film sei fremdschämig und theatralisch, lediglich als übersteuerter Trash zu gebrauchen, wenn man denn versteht, sich darauf einzulassen. Nun ja, De Palma spielte auch schon in seinen Glanzleistungen der Siebziger- und Achtzigerjahre immer wieder mit den Versatzstücken aus Trivialkultur und Exploitation, war weniger an Realismus interessiert als daran, der Wahrheit durch gezielte Überhöhung, Übertreibung und Artifizialität auf die Schliche zu kommen. Wer meint, dass PASSION da aus der Art schlage, der hat bei SISTERS, DRESSED TO KILL, BODY DOUBLE oder RAISING CAIN ganz einfach nur nicht richtig hingesehen. Meine Meinung. Wenn ich seinem bislang letzten Film etwas vorwerfen möchte, dann in erster Linie, dass er ein bisschen zu typisch geraten ist, nichts wirklich neues ausprobiert, sondern nur das bietet, was man gemeinhin mit De Palma assoziiert: schöne Frauen, vermeintlich anzüglichen Sex, eine Prise Melodrama, gemeine Intrigen und Morde und das alles abgelichtet in erlesenen, doppelbödigen Bildern voller vordergründiger Reize und spiegelglatter Oberflächen. Auch eine der Splitscreen-Sequenzes, für die De Palma einst bekannt war, darf nicht fehlen. Hätte man den Begriff früher schon gekannt, man hätte De Palma nicht immer wieder als Hitchock-Epigonen diffamiert, sondern als amerikanischen Giallo-Botschafter bezeichnet. Bei PASSION, der in Europa entstand, sind die Parallelen nun überhaupt nicht mehr zu übersehen.

PASSION ist das Remake von Alain Corneaus letztem Film, dem nur zwei Jahre zuvor entstandenen CRIME D’AMOUR, in dem sich Ludivine Sagner und Kristin Scott-Thomas gegenüberstanden. De Palma vertauscht die Haarfarben und verringert den Altersunterschied zwischen den beiden Protagonistinnen, ändert aber sonst nur wenig (zumindest wenn man eine kurze Inhaltsangabe als Anhaltspunkt nimmt): Christine (Rachel McAdams), Leiterin des Berliner Büros einer internationalen Werbeagentur, unterhält eine kleine Affäre mit Isabelle (Noomi Rapace) einer aufstrebenden Kreativkraft – die zudem eine Liaison mit Christines Freund Dirk (Paul Anderson) unterhält. Als Christine eine von Isabelles Ideen als ihre ausgibt, um ihre Karriere voranzutreiben, bekommt die Partnerschaft erste Risse. Isabelle schlägt mit ihren Mitteln zurück und zieht den Zorn der intriganten Chefin auf sich. Als sie wenig später ermordet wird, fällt der Verdacht auf Isabelle, die jedoch beteuert, ein Alibi zu haben …

Wer keine Tiefe oder stilistischen Überraschungen erwartet und sich mit De Palma auf verlässlichem Autopilot abfinden kann, wird mit PASSION zufrieden sein. Nach dem gescheiterten Versuch, mit REDACTED etwas Neues zu versuchen, hat mir die Rückkehr auf sicheres Terrain sehr gut gemundet. Klar, nichts an PASSION gerät jemals in den Verdacht, eine ähnliche Wirkung wie seine großen Meisterwerke zu hinterlassen und selbst an Spätwerke wie den genannten RAISING CAIN oder FEMME FATALE kommt PASSION mit seinen holzschnittartigen Charakteren und seiner etwas beliebigen Thrillerstory nicht annähernd heran. Aber die stilistische Handschrift ist unverkennbar und ich kann mich an De Palmas Bildkompositionen, seinem Einsatz von Musik und dieser Mischung aus Subversion und Altersgeilheit einfach nicht sattsehen. Die beiden Hauptdarstellerinnen haben mir ausgezeichnet gefallen und die Ballettsequenz hätte ich gern im Kino bewundert. Wer sich über die neuen Argentos ärgert und sich nichts sehnlicher wünscht, als eine Rückkehr des Italieners zu seinen Wurzeln, der sollte es ruhig mal mit PASSION versuchen. Ich mochte ihn!

Eine von der Weyland Corporation und ihrem sich nach Unsterblichkeit sehnenden Namensgeber (Guy Pearce) gesponserte Mission macht sich auf den Weg zu einer fernen Galaxie, in der die Schöpfer des Menschen beheimatet sein sollen. Höhlenzeichnungen aus unterschiedlichsten Epochen der Menschheitsgeschichte und in weit voneinander entfernten Regionen haben die Geologen Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) davon überzeugt, dass es nicht Gott war, sondern eine intelligente außerirdische Rasse, die auf der Erde einst die Saat menschlichen Lebens ausgesät hat. Auf dem fremden Planeten findet das von Meredith Vickers (Charlize Theron) geführte und vom Androiden David (Michael Fassbender) ärztlich überwachte Team tatsächlich Spuren einer hoch entwickelten Zivilisation, die jedoch von irgendetwas ausgerottet wurde. Und dieses „Irgendetwas“ fordert auch bald schon die ersten Opfer unter den Wissenschaftlern …

Mal ehrlich jetzt: Das ganze Schwadronieren darüber, ob PROMETHEUS nun tatsächlich ein ALIEN-Prequel ist oder nicht doch eher als eigenständiger Film mit nur geringfügigen und vernachlässigbaren Verbindungen zum Klassiker angesehen werden muss, kann ja wohl nicht ernst gemeint gewesen sein. Ist es das, wo Filmrezeption und Filmjournalismus gelandet sind: beim Fanboy-mäßigen Debattieren über die Sinnhaftigkeit von Marketing-Strategien und über Banalitäten, die gar nicht diskutiert werden müssten, widmete man sich einfach dem Film, der da vor einem abläuft? Zieht man all die Vorfreude und die Erwartungen ab, die PROMETHEUS auslöste, ignoriert man all den Effektbombast, die von getragener, unheilvoller Musik unterlegten Bilder galaktischer Tristesse und das Bedeutungsschwere vortäuschende Gefasel über Gott, das Leben und die Unsterblichkeit, bleibt am Ende ein erschreckend stromlinienförmiges und einfallsloses Remake des einflussreichen Originals, das statt des ikonischen Alien-Monsters eine Vielzahl anderer schleimiger, Giger-inspirierter Kreaturen und eine schunkelbirnige und gurkennasige Rasse menschenähnlicher „Ingenieure“ aufbietet. Das ist durchaus unterhaltsam, weil das Konzept, Astronauten auf einem fremden Planeten von einer bizarren Monstren auslöschen zu lassen, nie ganz verkehrt ist und 95 % der Kreativität in Eye Candy und Effektgematsche gesteckt wurden. Wenn man aber bedenkt, das Ridley Scott mancherorts als „Meister“ gilt und ALIEN einst eine Innovation darstellte, die eine der originellsten Kreaturen der Filmgeschichte zum Leben erweckte und auch heute noch die Fantasie der Zuschauer anregt, dann ist PROMETHEUS schon reichlich ernüchternd. Fast Eins zu Eins kupfern Scott und seine Autoren den Plotverlauf des Klassikers ab: Anreise im Hyperschlaf mit Vorstellung der Besatzung, Besichtigung einer dunklen, biomechanisch anmutenden Grotte, Einschleppung des fremden Organismus, Befall der Crew, Verrat durch die Weyland Corporation und den Androiden, finales Überleben einer Frau nach dem Kampf gegen das Monster. Damit es nicht allzu frappierend auffällt, dass PROMETHEUS wirklich gar keinen neuen Einfall aufbietet, wird wortreich über Ursprung und Ziel der Menschheit schwadroniert, eine Parallele zwischen den „Engineers“ und dem Menschen gezogen, der ja auch in der Lage ist, neues Leben zu kreieren. Außer der Heldin natürlich, denn die ist unfruchtbar, bis sie – haha, welch bittere Ironie! – als Wirtskörper der Alienbrut fungieren muss. Das ist in seiner pseudo-auf- und -abgeklärten Art, hintenrum doch wieder nur den lieben Gott zu retten, nicht nur schreiend unoriginell (Brian De Palma hat man dieselbe Idee vor 13 Jahren für seinen deutlich tiefsinnigeren MISSION TO MARS um die Ohren gehauen), sondern schlicht und ergreifend dumm. Was ALIEN allein durch ein geschicktes Script und die bahnbrechenden Designs Gigers andeutete, die enge Verbindung von Tod und Sexualität, verkommt hier zum leeren Zierrat, der dafür aber schön breit ausformuliert wird. Auch deshalb finde ich die oben angedeuteten Diskussionen über PROMETHEUS absurd: Der ist mit seiner erklärbärigen Art einfach nur typischer Prequelstoff wie er jedes Jahr dutzendfach ins Kino gelangt. Damit der zahlende Kunde bei der Stange gehalten wird, gibt es natürlich ein offenes Ende, an das man ein weitere Prequel-Sequel dranhängen kann. Stünde hier nicht „Ridley Scott“ drauf, ginge es nicht um ALIEN, PROMETHEUS erzeugte kaum mehr als wohlwollendes Gähnen.

Wenn man sich damit arrangiert, dass diesen Film auch ein uninspirierter Handwerker wie Brett Ratner problemlos über die Rampe gebracht hätte, kann man sich immerhin über den hübschen Look, eklig-unterschwellige Effekte wie die Minitentakel im Augapfel!, ein glibbriges Krakenalien, brachiale Transformationen und eine angemessen blutige Alien-Abtreibung freuen. Aber das wäre auch mit weniger Getöse gegangen. Den wahren Kern des Films reflektiert nichts so sehr wie das selbstzufriedene Antlitz des androgynen Maschinenmenschen David: Pure, glattgebügelte Oberfläche, ordentlich gescheitelt, die man sich gern anschaut, hinter der sich aber nur Leere verbirgt.