Mit ‘Noomi Rapace’ getaggte Beiträge

Der zweite Teil von Stieg Larssons Millennium-Trilogie nimmt im Gesamtkonstrukt eine ähnliche Rolle ein wie THE EMPIRE STRIKES BACK in George Lucas‘ STAR WARS-Trilogie: Beide malen den menschlichen Background ihrer Hauptfigur aus, beide warten dazu mit einer überraschenden Enthüllung auf und beide enden mit einem krassen Cliffhanger.

Nachdem der Journalist Mikael Blomqvist (Michael Nyqvist) in MÄN SOM HATAR KVINNOR die verstörte, eigenbrötlerische, aber brillante Hackerin und Researcherin Lisbeth Salander (Noomi Rapace) in der Ermittlung zu einem spektakulären Serienmordfall kennengelernt hatte, wird die junge Frau in der in Deutschland unter dem Titel VERDAMMNIS erschienenen Fortsetzung selbst zum Gegenstand eines Kriminalfalls, als sie wegen dreifachen Mordes verdächtigt und gesucht wird. Um ihre Unschuld zu beweisen, muss Blomqvist erst das Geheimnis ihrer Vergangenheit aufklären. Wie im Vorgänger stößt er dabei auf skurpellose Männerbünde und dubiose politische Machenschaften, deren Opfer erneut die Frauen sind: Lisbeth Salander zum einen, minderjährige zwangsprostituierte Immigrantinnen aus dem Ostblock zum anderen. Larsson verbindet im zugrunde liegenden Roman Elemente des Krimis, des Serienmörder- und Horrorfilms sowie des Psycho- und Politthrillers und zieht – wie bereits im Vorgänger – mit der geschickten Verflechtung der verschiedenen Handlungsstränge sowie dem ständigen Perspektivwechsel zwischen den handelnden Personen, vor allem natürlich zwischen den getrennten Verbündeten Mikael und Lisbeth, in Bann.

In der Verfilmung von Daniel Alfredson gelingt die Übertragung diesmal leider deutlich weniger gut als noch im ersten Teil. Vor allem der Aufbau wirkt überhastet und holprig: Während die Romanvorlage epischen Drive entwickelt und die Ahnung historischer, schicksalsträchtiger, tragischer Tiefe langsam einsinken lässt, gerät der Stoff in Alfredsons Händen zur wüsten Räuberpistole, die eine sorgfältige Konstruktion über weite Strecken gänzlich vermissen lässt. Das Hauptproblem des Films offenbart sich schon, wenn man sich anschaut, wie sich die beiden Teile des Director’s Cuts zum Buch verhalten: Teil 1 deckt die ersten rund 500 Seiten ab, Teil 2 die letzten 250. Kein Wunder, dass FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN „hinten raus“ deutlich an Klasse gewinnt, die erste Hälfte hingegen den Eindruck macht, die Produzenten hätten ständig zur Eile gemahnt. Der Tiefpunkt ist gewiss der Kampf zwischen dem Boxer Paolo Roberto (Paolo Roberto) und einem hünenhaften Killer, im Buch ein dramatisches Highlight: Alfredson lässt jedes Gefühl für Action, Kinetik und Drive vermissen, das die Szene gebraucht hätte, stattdessen wirkt sie billig, unbeholfen und mit ihren fehlgeleiteten Wisch- und Slomo-Effekten zudem ästhetisch hässlich. Für die Größe, die Larsson ohne Zweifel anstrebte, fehlten offensichtlich die Mittel. Das zeigt sich auch im Verzicht auf die Verfilmung des fulminanten Prologs des Buches, der schon beim Lesen aufwändig produzierte Filmbilder vor dem geistigen Auge vorüberziehen ließ und Larssons Ambitionen ziemlich deutlich machte. So muss man sagen: Gottseidank, dass die Produzenten die Finger davon gelassen haben.

Zur Ehrenrettung Alfredsons muss ich allerdings einräumen, dass Larssons Roman weit weniger dankbar zu verfilmen war als dessen Vorgänger. Oplev, Regisseur von MÄN SOM HATAR KVINNOR, profitierte auch davon, dass die Vorlage eine (mehr oder weniger) abgeschlossene Geschichte erzählte, die auch räumlich mit der Verortung auf einer winterlichen schwedischen Insel klar umrissen und stimmungsvoll zu bebildern war. FLICKAN SOM LEKTE MED ELDEN kann nicht allein für sich stehen und die Handlungsfäden, die er aufgreift und weiterspinnen muss, sind weit weniger klar voneinander abgegrenzt. Dazu kommt, dass die beiden Protagonisten, deren Freundschaft im Vorgänger das menschliche Zentrum bildete, nun getrennt voneinander kämpfen müssen. Das Buch bezieht seine Spannung im Wesentlichen daraus, dass es ganz langsam auf die Enthüllung hinarbeitet, während es die Schlinge um den Hals seiner Protagonistin kontinuierlich enger zieht. Larsson spielt sehr geschickt mit der Ökonomie der Informationsweitergabe. Um das filmisch adäquat umzusetzen, hätte es eines Scripts bedurft, dass nicht verzweifelt versucht, möglichst viel aus dem Buch in den Film zu retten, stattdessen stärker aussortiert und dafür die Zügel fester im Griff behält. Gerade im Bedürfnis, die Fans des Buches mit einer „originalgetreuen“ Adaption zu erfreuen, hat man den Bestseller seiner größten Stärke beraubt.

 

Wie die Millennium-Trilogie („Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“) von Stieg Larsson zum Kulturphänomen geworden ist, habe ich nicht mitbekommen. Ich erinnere mich an eine großformatige Werbeanzeige im Programmheft des Fantasy Filmfests, als die Verfilmungen erschienen, und war erst einmal skeptisch. Ich habe mich nie wirklich dafür interessiert, was sich hinter den Beststellern und den Bildern des gepiercten Emo-Mädels verbarg, vermutlich weil ich irgendeinen halbgaren Hype dahinter vermutete. Und ich weiß auch nicht, was mich letztlich dazu bewog, mir doch alle drei Romane zu kaufen – außer der Tatsache, dass ich irgendeinen leichten, spannenden Lesestoff als Urlaubslektüre brauchte und Lust auf einen Thriller hatte. „Verblendung“, der erste Band, lief dann zu meiner Überraschung rein wie nix. Längst keine selbstverständlichkeit, denn mit Romanen habe ich mich in den letzten zehn Jahren mehr als schwer getan, eigentlich fast nur noch Sachbücher und Biografien gelesen. Während des Lesens wuchs auch das Bedürfnis, den Filmen eine Chance zu geben: tatsächlich aus diesem recht einfachen Impuls heraus, zu sehen, wie Larssons Ideen (die schon in den Romanen so wirken, als habe er eine Verfilmung im Kopf gehabt) in Bilder umgesetzt worden waren. Hatte Regisseur Oplev das so hinbekommen, wie ich es mir beim Lesen ausgemalt hatte? Würde der im Director’s Cut immerhin dreistündige Film der ausladenden Struktur des 750-Seiten-Wälzers gerecht werden? Ich weiß gar nicht, wann mich solche Fragen zum letzten Mal beschäftigt hatten.

MÄN SOM HATAR KVINNOR wird der schwierigen Aufgabe gerecht – begnügt sich aber auch damit, das Buch unfallfrei ins Medium „Film“ zu übersetzen. Erwartungsgemäß ist der Film etwas straffer und etwas weniger elegant konstruiert und Oplev macht es sich bei der visuellen Gestaltung ziemlich leicht: Er bedient sich einer monochromen, kalten Optik, die zu Larssons von gewalttätigen Machtmännern, geknechteten Frauen und über Generationen gewachsenen oppressiven Strukturen bestimmten Welt wie auch zum skandinavischen Winter passt, und die – welch Zufall – seit Demmes THE SILENCE OF THE LAMBS der Standard für nihilistische oder zumindest pessimistische Serienmord- und Profiler-Thriller ist. Wer das Buch mochte, keine Zeit hat, es noch einmal zu lesen, und eine griffige visuelle Zusammenfassung braucht, ist mit der Adaption also gut bedient. Noomi Rapace, für die der Film Sprungbrett zu einer internationalen Karriere war, verleiht der verstörten, eigenbrötlerischen Goth-Hackerin ein einprägsames Gesicht und eine Körpersprache, in der man die zurückliegenden, noch verborgenen Peinigungen erahnt. Und es gelingt ihr auch, den „Freak“ atraktiv zu machen, ohne dass seine Ecken und Kanten abgeschliffen würden. Wer von einer Literaturverfilmung allerdings erwartet, dass sie einen eigenen Ansatz zur Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Stoff findet, den wird MÄN SOM HATAR KVINNOR eher nicht vom Stuhl hauen. Ich hätte mir ein bisschen mehr stilistischen Eigensinn gewünscht, vielleicht auch den Mut, von der erfolgreichen Vorlage ein Stück abzuweichen und eigene Wege zu gehen, aber vielleicht ist es auch einfach unrealistisch anzunehmen, dass die (vom deutschen ZDF mitfinanzierte) europäische Verfilmung eines Bestsellers, der vom Teenie bis zur Hausfrau auf Millionen von Nachttischen lag, mit künstlerischem Wagemut auftrumpfen würde.

Ich weiß nicht, ob die Verachtung, die vom Slant Magazine über dem Film (und en passant auch über Larssons Bücher) ausgekippt wurde, repräsentativ für die „intellektuelle“ Rezeption war, aber sie kommt für mich nicht ganz überraschend. Larssons Bücher sind sicherlich „Reißer“, die auf einige gut angehangene Exploitation-Motive zurückgreifen und sie zu einer makabren Mordgeschichte zusammenrühren. Erfolgreiche Männer mit aktivem Sexleben, Altnazis, berechnende Wirtschaftsverbrecher, schmierige, onkelhafte Vergewaltiger, perverse Frauenmörder, Judenhass und religiöse Verblendung  sowie mittendrin eine traumatisierte, bisexuelle Femme fatale mit Missbrauchsvergangenheit aber nichtsdestotrotz großem sexuellen Appetit:  Das ist nicht unbedingt eine subtile Mischung und Larsson (sowie sein Nachfolger Oplev) weiß zwar, wie er diese saftigen Elemente effektreich in eine bis zum Schluss spannende Geschichte integriert (bzw. diese aus ihnen heraus konstruiert), aber er kann auch nicht ganz verbergen, dass er ein Kerl ist. Die ausladende Geste, mit der die epische Kriminalgeschichte erzählt wird, kann die ihr inhärente Schmierigkeit und Sensationslust nicht vollständig verbergen. Im Film, der seinen Zuschauern die Aufgabe abnimmt, die Schöpfung des Autors selbst in Bilder zu kleiden, tritt dieser Sensationalismus erwartungsgemäß stärker in den Vordergrund. Alles wirkt gegenüber dem Fluch flacher, greller und, ja, auch irgendwie auf etwas unangenehme Art geiler. Wahrscheinlich ist es unvermeidlich, dass eine Seite wie Slant davon massiv getriggert wird und zu einer Tirade über „misogynistischen Trash“ ansetzt. Ich nehme es dem verstorbenen Autor Larsson voll und ganz ab, dass es ihm ernst war mit seiner Thematisierung der langen Geschichte gesellschaftlich geduldeter männlicher Gewalt gegen Frauen. Er wählte dafür aber das Sujet des massentauglichen Reißers, anstatt eine spitzfindige Anklage zu formulieren, die zwar auf die Zustimmung des intellektuellen Feuilletons gestoßen, aber leider von sonst niemandem gelesen worden wäre. Seine Lisbeth Salander ist vielleicht der Fantasie eines „weißen alten Mannes“ entsprungen, aber immerhin erdachte der eine Frau, die sich zu wehren weiß und sich nicht über die Zugehörigkeit zu einem edlen Ritter definiert. (Zum Vorwurf der Küchenpsychologie: Ich bezweifle, dass die Slant-Redaktion ihre Redakteure durch ein Psychologie-Studium schickt.) Ich finde es jedenfalls immer wieder überraschend, wie das Attribut „trashig“ mal als Lob, dann wieder als Abkanzelung verwendet wird. Wahrscheinlich liegt der Fehler von Larssons Buch und von Oplevs Verfilmung tatsächlich eher darin, dass sie ein Stück zu seriös, zu psychologisierend und eben nicht „trashig“ genug sind. Egal. Mir hat „Verblendung“ ausgezeichnet gefallen. Und der Film ist auch okay.

 

 

 

 

Liegt es an mir oder sind es die anderen? Als PASSION rauskam, las ich überall, der Film sei fremdschämig und theatralisch, lediglich als übersteuerter Trash zu gebrauchen, wenn man denn versteht, sich darauf einzulassen. Nun ja, De Palma spielte auch schon in seinen Glanzleistungen der Siebziger- und Achtzigerjahre immer wieder mit den Versatzstücken aus Trivialkultur und Exploitation, war weniger an Realismus interessiert als daran, der Wahrheit durch gezielte Überhöhung, Übertreibung und Artifizialität auf die Schliche zu kommen. Wer meint, dass PASSION da aus der Art schlage, der hat bei SISTERS, DRESSED TO KILL, BODY DOUBLE oder RAISING CAIN ganz einfach nur nicht richtig hingesehen. Meine Meinung. Wenn ich seinem bislang letzten Film etwas vorwerfen möchte, dann in erster Linie, dass er ein bisschen zu typisch geraten ist, nichts wirklich neues ausprobiert, sondern nur das bietet, was man gemeinhin mit De Palma assoziiert: schöne Frauen, vermeintlich anzüglichen Sex, eine Prise Melodrama, gemeine Intrigen und Morde und das alles abgelichtet in erlesenen, doppelbödigen Bildern voller vordergründiger Reize und spiegelglatter Oberflächen. Auch eine der Splitscreen-Sequenzes, für die De Palma einst bekannt war, darf nicht fehlen. Hätte man den Begriff früher schon gekannt, man hätte De Palma nicht immer wieder als Hitchock-Epigonen diffamiert, sondern als amerikanischen Giallo-Botschafter bezeichnet. Bei PASSION, der in Europa entstand, sind die Parallelen nun überhaupt nicht mehr zu übersehen.

PASSION ist das Remake von Alain Corneaus letztem Film, dem nur zwei Jahre zuvor entstandenen CRIME D’AMOUR, in dem sich Ludivine Sagner und Kristin Scott-Thomas gegenüberstanden. De Palma vertauscht die Haarfarben und verringert den Altersunterschied zwischen den beiden Protagonistinnen, ändert aber sonst nur wenig (zumindest wenn man eine kurze Inhaltsangabe als Anhaltspunkt nimmt): Christine (Rachel McAdams), Leiterin des Berliner Büros einer internationalen Werbeagentur, unterhält eine kleine Affäre mit Isabelle (Noomi Rapace) einer aufstrebenden Kreativkraft – die zudem eine Liaison mit Christines Freund Dirk (Paul Anderson) unterhält. Als Christine eine von Isabelles Ideen als ihre ausgibt, um ihre Karriere voranzutreiben, bekommt die Partnerschaft erste Risse. Isabelle schlägt mit ihren Mitteln zurück und zieht den Zorn der intriganten Chefin auf sich. Als sie wenig später ermordet wird, fällt der Verdacht auf Isabelle, die jedoch beteuert, ein Alibi zu haben …

Wer keine Tiefe oder stilistischen Überraschungen erwartet und sich mit De Palma auf verlässlichem Autopilot abfinden kann, wird mit PASSION zufrieden sein. Nach dem gescheiterten Versuch, mit REDACTED etwas Neues zu versuchen, hat mir die Rückkehr auf sicheres Terrain sehr gut gemundet. Klar, nichts an PASSION gerät jemals in den Verdacht, eine ähnliche Wirkung wie seine großen Meisterwerke zu hinterlassen und selbst an Spätwerke wie den genannten RAISING CAIN oder FEMME FATALE kommt PASSION mit seinen holzschnittartigen Charakteren und seiner etwas beliebigen Thrillerstory nicht annähernd heran. Aber die stilistische Handschrift ist unverkennbar und ich kann mich an De Palmas Bildkompositionen, seinem Einsatz von Musik und dieser Mischung aus Subversion und Altersgeilheit einfach nicht sattsehen. Die beiden Hauptdarstellerinnen haben mir ausgezeichnet gefallen und die Ballettsequenz hätte ich gern im Kino bewundert. Wer sich über die neuen Argentos ärgert und sich nichts sehnlicher wünscht, als eine Rückkehr des Italieners zu seinen Wurzeln, der sollte es ruhig mal mit PASSION versuchen. Ich mochte ihn!

Eine von der Weyland Corporation und ihrem sich nach Unsterblichkeit sehnenden Namensgeber (Guy Pearce) gesponserte Mission macht sich auf den Weg zu einer fernen Galaxie, in der die Schöpfer des Menschen beheimatet sein sollen. Höhlenzeichnungen aus unterschiedlichsten Epochen der Menschheitsgeschichte und in weit voneinander entfernten Regionen haben die Geologen Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) davon überzeugt, dass es nicht Gott war, sondern eine intelligente außerirdische Rasse, die auf der Erde einst die Saat menschlichen Lebens ausgesät hat. Auf dem fremden Planeten findet das von Meredith Vickers (Charlize Theron) geführte und vom Androiden David (Michael Fassbender) ärztlich überwachte Team tatsächlich Spuren einer hoch entwickelten Zivilisation, die jedoch von irgendetwas ausgerottet wurde. Und dieses „Irgendetwas“ fordert auch bald schon die ersten Opfer unter den Wissenschaftlern …

Mal ehrlich jetzt: Das ganze Schwadronieren darüber, ob PROMETHEUS nun tatsächlich ein ALIEN-Prequel ist oder nicht doch eher als eigenständiger Film mit nur geringfügigen und vernachlässigbaren Verbindungen zum Klassiker angesehen werden muss, kann ja wohl nicht ernst gemeint gewesen sein. Ist es das, wo Filmrezeption und Filmjournalismus gelandet sind: beim Fanboy-mäßigen Debattieren über die Sinnhaftigkeit von Marketing-Strategien und über Banalitäten, die gar nicht diskutiert werden müssten, widmete man sich einfach dem Film, der da vor einem abläuft? Zieht man all die Vorfreude und die Erwartungen ab, die PROMETHEUS auslöste, ignoriert man all den Effektbombast, die von getragener, unheilvoller Musik unterlegten Bilder galaktischer Tristesse und das Bedeutungsschwere vortäuschende Gefasel über Gott, das Leben und die Unsterblichkeit, bleibt am Ende ein erschreckend stromlinienförmiges und einfallsloses Remake des einflussreichen Originals, das statt des ikonischen Alien-Monsters eine Vielzahl anderer schleimiger, Giger-inspirierter Kreaturen und eine schunkelbirnige und gurkennasige Rasse menschenähnlicher „Ingenieure“ aufbietet. Das ist durchaus unterhaltsam, weil das Konzept, Astronauten auf einem fremden Planeten von einer bizarren Monstren auslöschen zu lassen, nie ganz verkehrt ist und 95 % der Kreativität in Eye Candy und Effektgematsche gesteckt wurden. Wenn man aber bedenkt, das Ridley Scott mancherorts als „Meister“ gilt und ALIEN einst eine Innovation darstellte, die eine der originellsten Kreaturen der Filmgeschichte zum Leben erweckte und auch heute noch die Fantasie der Zuschauer anregt, dann ist PROMETHEUS schon reichlich ernüchternd. Fast Eins zu Eins kupfern Scott und seine Autoren den Plotverlauf des Klassikers ab: Anreise im Hyperschlaf mit Vorstellung der Besatzung, Besichtigung einer dunklen, biomechanisch anmutenden Grotte, Einschleppung des fremden Organismus, Befall der Crew, Verrat durch die Weyland Corporation und den Androiden, finales Überleben einer Frau nach dem Kampf gegen das Monster. Damit es nicht allzu frappierend auffällt, dass PROMETHEUS wirklich gar keinen neuen Einfall aufbietet, wird wortreich über Ursprung und Ziel der Menschheit schwadroniert, eine Parallele zwischen den „Engineers“ und dem Menschen gezogen, der ja auch in der Lage ist, neues Leben zu kreieren. Außer der Heldin natürlich, denn die ist unfruchtbar, bis sie – haha, welch bittere Ironie! – als Wirtskörper der Alienbrut fungieren muss. Das ist in seiner pseudo-auf- und -abgeklärten Art, hintenrum doch wieder nur den lieben Gott zu retten, nicht nur schreiend unoriginell (Brian De Palma hat man dieselbe Idee vor 13 Jahren für seinen deutlich tiefsinnigeren MISSION TO MARS um die Ohren gehauen), sondern schlicht und ergreifend dumm. Was ALIEN allein durch ein geschicktes Script und die bahnbrechenden Designs Gigers andeutete, die enge Verbindung von Tod und Sexualität, verkommt hier zum leeren Zierrat, der dafür aber schön breit ausformuliert wird. Auch deshalb finde ich die oben angedeuteten Diskussionen über PROMETHEUS absurd: Der ist mit seiner erklärbärigen Art einfach nur typischer Prequelstoff wie er jedes Jahr dutzendfach ins Kino gelangt. Damit der zahlende Kunde bei der Stange gehalten wird, gibt es natürlich ein offenes Ende, an das man ein weitere Prequel-Sequel dranhängen kann. Stünde hier nicht „Ridley Scott“ drauf, ginge es nicht um ALIEN, PROMETHEUS erzeugte kaum mehr als wohlwollendes Gähnen.

Wenn man sich damit arrangiert, dass diesen Film auch ein uninspirierter Handwerker wie Brett Ratner problemlos über die Rampe gebracht hätte, kann man sich immerhin über den hübschen Look, eklig-unterschwellige Effekte wie die Minitentakel im Augapfel!, ein glibbriges Krakenalien, brachiale Transformationen und eine angemessen blutige Alien-Abtreibung freuen. Aber das wäre auch mit weniger Getöse gegangen. Den wahren Kern des Films reflektiert nichts so sehr wie das selbstzufriedene Antlitz des androgynen Maschinenmenschen David: Pure, glattgebügelte Oberfläche, ordentlich gescheitelt, die man sich gern anschaut, hinter der sich aber nur Leere verbirgt.