Mit ‘Norman Taurog’ getaggte Beiträge

249819.1020.A[1]Beim Versuch, das traurige Wüstenkaff Desert Hole mit dem Zug gen New York zu verlassen, landet der Bahnhofsangestellte Homer Flagg (Jerry Lewis) auf einem Atombombentestgelände und zieht sich eine Strahlenverseuchung zu. Schon bald berichtet das ganze Land über den Pechvogel, dem laut erster Diagnose seines Arztes Steve Harris (Dean Martin) ein baldiger Tod bevorsteht. Dies entpuppt sich zwar schon bald als Irrtum, doch als die New Yorker Zeitungsreporterin Wally Cook (Janet Leigh) vor der Tür steht, um den vermeintlich dem Tode Geweihten in die Metropole zu holen, wo er für eine große Story ausgeschlachtet werden soll, beschließen Homer und Steve gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Als Wally Homer aus Mitleid gar ehelichen will, obwohl sie mit Haut und Haaren dem Charme Steves verfallen ist, droht das Geheimnis der beiden Schwindler jedoch ans Licht zu kommen … 

Der vierte von sechs Filmen Taurogs mit dem Duo Martin und Lewis stellt eine nur lose zusammenhängende Folge von Sketchen und Musiknummern seiner Stars dar, die an deren Glanzleistungen zu keiner Sekunde heranreichen. Das Prinzip der Verwechslungskomödie, das in leichter Variation nahezu allen gemeinsamen Filmen seiner Stars zugrunde lag, wird hier sehr müde und einfallsarm abgespult. Wo der nachfolgende YOU’RE NEVER TOO YOUNG zwar ebenfalls nicht auf einem durchgehend hohen Niveau angesiedelt ist, aber wenigstens einige spektakuläre Sequenzen und gelungene Slapstickeinlagen aufweisen kann, wird man bei LIVING IT UP selbst nach langer Suche mit der Lupe nicht fündig. Und auch als Huldigung New Yorks und dessen vergangenem Glamour taugt er mangels Originalaufnahmen nicht – Großteile des Film sind augenscheinlich in Studiokulissen entstanden. Betrachtet man Taurogs Film als Zeitgeistprodukt, so kann man zwar durchaus Gefallen an ihm finden – seine bunten Bilder und seine generelle Naivität sind herzzerreißend – doch stellen sich selbst mit viel gutem Willen recht bald Ermüdungserscheinungen ein. Höhepunkt des insgesamt erstaunlich lauwarmen Films ist bezeichnenderweise eine jener Musicalnummern, die man in den wirklich guten Martin/Lewis-Filmen für den Gang zur Toilette oder zum Kühlschrank genutzt hat. 

Beim Eintrag zu PARDNERS hatte ich noch gemutmaßt, dass das abnehmende Interesse meinerseits mit einer generellen Abnutzung des Komikergespanns zu tun hat. Meine Bewertung von LIVING IT UP taugt nun nicht gerade zur Entkräftung dieses Verdachts, trotzdem erscheint mir der Taurog-Western immer noch amüsanter als diese müde Komplettistenübung, die zu den schwächsten Filmen gehört, die Lewis und Martin zusammen gedreht haben.

Pardners[1]Die Väter von Slim Moseley jr. (Dean Martin) und Wade Kingsley jr. (Jerry Lewis) starben im Kugelhagel, als sie ihre Ranch gegen den gewissenlosen Hollis (Sam Baragrey) und seine Bande verteidigten. Ein Vierteljahrhundert später machen sich die beiden Söhne nun auf den Weg in ihre alte Heimat und stehen vor denselben Schwierigkeiten wie ihre Väter: Die Bande der „Masked Raiders“ versucht alles, um die rechtmäßigen Besitzer von ihrer Ranch zu vertreiben … 

Der vorletzte Film des berühmten Duos endet mit einer direkten Ansprache an das Publikum: Dean Martin und Jerry Lewis bedanken sich für die anhaltende Treue der Zuschauer und laden diese ein, auch beim nächsten Film wieder dabeizusein. Vor dem Hintergrund der ein Jahr später im Streit vollzogenen Trennung, der eine fast zwei Jahrzehnte anhaltende Funkstille zwischen Martin und Lewis folgte, mutet diese kleine Szene doch eher wie eine leere Durchhalteparole und ein vorweggenommener Abschied, denn als ernstgemeintes Versprechen an. Der vorangegangene Film selbst befeuert diese Spekulation noch: PARDNERS ist, aller gewohnter Zutaten und Qualitäten zum Trotz, von deutlichen Ermüdungserscheinungen gekennzeichnet, denen auch der Genre- und Locationwechsel nichts entgegenzusetzen hat. Die Möglichkeiten, die das Westerngenre böten, bleiben zudem weit gehend ungenutzt: PARDNERS verbraucht gut die Hälfte seiner Spielzeit, um seine Protagonisten überhaupt in den Wilden Westen zu bringen, für den Humor sorgt dann lediglich Lewis mit seinen sattsam bekannten Eskapaden, die dem Film aber seine wenigen echten Höhepunkte bescheren, der Westernanteil beschränkt sich auf wenige, eher einfallslose Szenen (Saloonschlägerei, Verfolgungsjagd, Schießerei). Nun muss man Taurogs Film zugutehalten, dass er immer noch hübsche, kurzweilige Unterhaltung bietet und das ja nun nicht in unerreichbaren Höhen angesiedelte Niveau der Martin/Lewis-Filme (die beiden Tashlins natürlich ausgenommen) nicht weit verfehlt. PARDNERS ist hübsch bunt, Dean Martins Stimme immer noch gut geölt und die einzelnen Sequenzen geben sich in rascher Folge die Klinke in die Hand. Gemessen an dem, was möglich gewesen wäre, ist PARDNERS aber trotzdem eine kleine Enttäuschung. Daran können auch die mitwirkenden Jack Elam und Lon Chaney jr. nix ändern. Vielleicht muss ich aber nur mal wieder ein bisschen Abstand zu den beiden nehmen, um auch PARDNERS richtig schätzen zu lernen.

YOURE%20NEVER%20TOO%20YOUNG%20ARG[1]Weil ein vom Verbrecher Noonan (Raymond Burr) gestohlener Edelstein auf Umwegen in der Hosentasche des Friseurgehilfen Wilbur Hoolick (Jerry Lewis) landet, muss dieser die Stadt verlassen. Als er am Bahnhof ernüchtert feststellt, dass ihm für ein Erwachsenenticket das nötige Geld fehlt, klaut er kurzerhand einem Elfjährigen den Matrosenanzug und schleicht sich so an Bord. Die Lehrerin Nancy (Diana Lynn) hat Mitleid mit dem „Kleinen“ und lässt ihn in ihrer Kabine übernachten. Damit geht der Ärger erst los, denn Nancys Kollegin Gretchen (Nina Foch), die es wiederum auf Nancys Liebhaber, den Musik- und Sportlehrer Bob Miles (Dean Martin), abgesehen hat, streut sofort das Gerücht, dass Nancy ein Verhältnis mit einem Fremden habe. Das bringt Bob auf den Plan, der Wilbur nun auf den Zahn zu fühlen beginnt. Ist er wirklich ein Kind oder doch ein erwachsener Mann? Und in der Zwischenzeit hat auch Noonan die Verfolgung aufgenommen …

Nach der quasiavantgardistischen Herangehensweise von Tashlin in HOLLYWOOD OR BUST mutet YOU’RE NEVER TOO YOUNG wieder etwas bodenständiger an. Im Mittelpunkt stehen die Zoten Lewis‘ und die Gesangsnummern Martins, die dementsprechend beide ausreichend Gelegenheit bekommen, ihrem jeweiligen Talent zu frönen. Der eigentliche Plot gerät dabei ins Hintertreffen und mehr als einmal wird man vom Auftauchen Noonans förmlich überrascht: Ach ja, da war ja noch was. So treten die dramatischen Verwicklungen um Wilburs Identität in den Mittelpunkt: Dass er als Kind agieren muss, wird entgegen meinen Erwartungen nicht ausschließlich für grellen Slapstick genutzt – es gab eigentlich nur eine Szene, die sich so abspielt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Dennoch gibt es zahlreiche schreiend komische Momente: Am meisten gelacht habe ich bei Lewis‘ schlicht brillanter Humphrey-Bogart-Imitation, die einfach nur für die Ewigkeit gemacht ist. Wer mit den Martin/Lewis-Filmen vertraut ist, wird sich also auch hier sofort heimisch fühlen, die Leichtigkeit des Vortrags, die Unbeschwertheit und Naivität und auch diesen gewissen altmodischen Hollywood-Charme genießen. YOU’RE NEVER TOO YOUNG – übrigens ein Remake des Billy-Wilder-Frühwerks THE MAJOR AND THE MINOR der Ginger Rogers in der Lewis-Rolle aufbietet – ist eines jener berüchtigten Entertainment-Pakete, die Hollywood damals zu schnüren pflegte: ein bisschen Humor, ein bisschen was fürs Herz, ein bisschen Musik und Tanz und am Schluss eine zünftige Verfolgungsjagd – fertig ist der Film für die ganze Familie. Aber Vorsicht: Dieses Etikett täuscht nämlich nicht darüber hinweg, dass es hier gerade aus heutiger Sicht ziemlich abgründig zugeht. Wenn Wilbur den kleinen Jungen am Bahnhof mit rollenden Augen, diabolischem Grinsen und mithilfe wilder Spielzeugversprechungen auf das Klo lockt, um ihm dort die Kleidung zu stehlen, ist das nur der offensichtlichste Hinweis auf die sexuellen Implikationen der Verkleidungsposse. Überhaupt: Es geht nur um Sex. Auf der einen Seite hat man den im unerfüllten Liebesglück schwelgenden Wilbur, der seine Verkleidung und die Unbedarftheit Nancys zu zwar eindeutigen, aber eben immer als unschuldig interpretierten Annäherungen nutzt, auf der anderen den öligen Dean Martin, dem keine Gelegenheit und kein Ort unpassend erscheinen, um eines seiner schmalzigen Liebeslieder zu singen. Hinter seiner Gentlemanfassade verbirgt sich ein sexuelles Raubtier, das nicht zu bändigen ist und dessen mit jedem Film erneuerten Ehebemühungen man als Zuschauer kaum noch ernst nehmen kann. Je mehr Filme des Duos ich sehe, umso mehr Ebenen erhalten diese. Ich würde sie aber auch einfach „nur so“ gucken, weil sie so herrlich bunt sind.

the stooge (norman taurog, usa 1952)

Veröffentlicht: April 29, 2008 in Film
Schlagwörter:, , ,

New York in den 30er-Jahren: Der Sänger Bill Miller (Dean Martin) ist notorisch erfolglos. Zwar hat er Gold in der Kehle und einen Charme, der Frauenherzen zum Schmelzen bringt, was ihm zum Durchbruch fehlt, ist aber das gewisse Etwas, ein auflockerndes Element in seinem Programm. Sein Manager hat die Lösung: Bill braucht einen „Stooge“, einen scheinbar neutralen Zuschauer, der in Wahrheit jedoch mit dem Künstler unter einer Decke steckt und sich mit ihm in einstudierten Dialogen die Bälle zuspielt. Dieser Stooge ist bald gefunden: Es handelt sich bei ihm um den linkischen Theodore „Ted“ Rogers (Jerry Lewis), dessen komisches Talent die Shows von Bill Miller schon bald zu einem echten Renner macht. Doch Bill will seinen Platz im Rampenlicht nur ungern teilen …

THE STOOGE, die zweite Kollaboration von Dean Martin und Jerry Lewis mit Regisseur Norman Taurog, ist vielleicht nicht der witzigste Film des Duos, ganz sicher aber ihr bis dahin bester. Zum ersten Mal ist es nämlich gelungen die beiden Kunstfiguren in einen narrativen Rahmen einzubetten, der ihrer beider Stärken zur Geltung bringt, ohne den einen zugunsten des anderen zu „opfern“. Das Konzept von THE STOOGE ist dabei bestechend einfach: Im Grunde handelt es sich um einen lupenreinen Metafilm, der das Erfolgsrezept des realen Komikerduos Martin&Lewis zur Ausgangssituation nimmt und reflektiert – und dabei interessanterweise ein Zerwürfnis herbeifabuliert, das nur wenige Jahre später Realität werden sollte (erst nach 20 Jahren der Funkstille gab es Mitte der Siebzigerjahre die Versöhnung bei einem von Frank Sinatra eingefädelten Überraschungsauftritt Dean Martins in einer von Jerry Lewis veranstalteten Fernseh-Wohltätigkeitsveranstaltung – siehe hier). Im Unterschied zu den voherigen Filmen des Duos ist hier Dean Martin die treibende Kraft und das emotionale Zentrum des Films. Er wird zum tragischen Helden, weil seine Defizite – die ihn in den bisherigen Filmen mit Lewis immer wieder an den Rand drängten – ganz explizit thematisiert werden, seine Not somit gerade zur Tugend von THE STOOGE wird: Dean Martin ist (noch) zu perfekt, um unserer vollen Sympathie teilhaftig zu werden. Er ist der Prototyp des von der Muse geküssten Dreamboys und daher vor allem eines: langweilig. Erst in der Paarung mit dem grotesk unattraktiven und tolpatschigen Lewis, einem beinahe geschlechtslosen Kunstwesen, wird Martin lebendig: Zum einen, weil die Vaterrolle, die er fast schon zwangsläufig annehmen muss, ihn zum Sympathieträger macht, zum anderen, weil er, der immer gute Miene zu den Sabotageversuchen Lewis‘ macht, plötzlich als jemand erscheint, der über sich selbst lachen kann. So wie die Paarung mit Lewis Dean Martin zum Superstar machte, wird auch sein alter ego Bill Miller zum Bühnenstar in THE STOOGE. Dass der Clown Ted dennoch viel mehr ist als nur das komische Gegengewicht, wird in THE STOOGE aber ebenso offenkundig: Immer wieder muss Ted für seinen einem guten Gläschen niemals abgeneigten Arbeitgeber in die Bresche springen. Natürlich muss sich der Konflikt zwischen den beiden, der aus dem Neid Bills erwächst, der sich immer noch für den eigentlichen Star hält, am Ende in Wohlgefallen auflösen: Nach einem desaströsen Soloauftritt, erkennt Bill seine Fehler, entschuldigt sich bei seinem Publikum und erkennt Ted endlich als gleichwertigen Partner an. In der Realität war es leider nicht so einfach …

Der Komiker Hap Smith (Jerry Lewis) ist mit seiner Partnerin Betsy (Mona Freeman) auf Erfolgskurs und soll bald am Broadway auftreten, als ihn ein geheimnisvoller Brief zu einer streng geheimen Mission beruft. Urheber des Briefes ist Haps alter Kumpel Chick Allen (Dean Martin), seines Zeichens Fallschirmjäger und nebenbei für die Truppenunterhaltung verantwortlich. Weil sein Chef das Entertainment vollkommen streichen will, muss die nächste Show ein Kracher werden und dafür braucht Chick die Hilfe von Hap, der sich leider vollkommen verplappert und daraufhin unter falschem Namen bei den Fallschirmjägern landet. Es gibt die zu erwartenden Verwicklungen und Verwirrungen …

Nach vier Filmen mit Regisseur Hal Walker markiert diese erste Zusammenarbeit von Jerry Lewis und Dean Martin mit Regisseur Norman Taurog den Beginn der nächsten wichtigen Schaffensperiode: Mit Taurog zusammen realisierten die beiden zwischen 1952 und 1956 insgesamt fünf Filme: JUMPING JACKS, THE STOOGE, LIVING IT UP, YOU’RE NEVER TOO YOUNG und PARDNERS. Taurog hat seinen Platz in filmischen Geschichtsbüchern aber noch aus anderen Gründen sicher: 1931 erhielt er 32-jährig den Regieoscar für SKIPPY und ist somit der jüngste Regisseur, dem diese Auszeichnung zuteil wurde. Nebenbei ist er mit neun (!) gemeinsamen Filmen maßgeblich am filmischen Output Elvis Presleys beteiligt. Man tut Taurog wohl nicht ganz Unrecht, wenn man ihn eher als soliden Handwerker bezeichnet, denn als auteur. Bei JUMPING JACKS beschränkt sich seine Aufgabe dann auch darauf, Jerry Lewis im Zaum zu halten und darauf zu achten, dass der Rote Faden sich zwischen den nur lose verbundenen Comedy- und Gesangseinlagen nicht gänzlich verflüchtigt. Dies gelingt ihm auch ganz gut, dennoch will JUMPING JACKS keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Als Armykomödie hat Taurogs Film in nicht unerheblichem Maße damit zu kämpfen in unmittelbarer Konkurrenz zum ungleich besseren SAILOR BEWARE zu stehen. Lewis‘ Eskapaden, mit deren Niveau seine Kollaborationen mit Dean Martin zu diesem Stadium ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit stehen und fallen, wirken eher müde und festgefahren. Ähnliches gilt für Martins Gesangsnummern: Wenn man ihm keine Frau zum Anschmachten an die Seite stellt, verpufft sein schmieriger Charme im Nichts. JUMPING JACKS ist ganz sicher kein Totalflop, wirkt aber wie eine mit angezogener Handbremse und auf Autopilot inszenierte und gespielte Pflichterfüllung. Für die nächsten Filme mit Taurog ist nach oben noch Luft.