Mit ‘Okkultismus’ getaggte Beiträge

Nicht mehr superaktuell, aber immer noch neu genug, um sie hier anzupreisen, sind drei Veröffentlichungen, an denen ich die Freude hatte, mitzuarbeiten.

Besonders freut es mich für die Blu-ray von Umberto Lenzis fantastischem MILANO ODIA: LA POLIZIA NON PUÒ SPARARE, mit der ich in diesem Leben schon nicht mehr gerechnet habe. Der Booklettext von mir dürfte mittlerweile zwei, wenn nicht gar drei Jahre alt sein – so lang hat es gedauert, bis das gute Stück endlich erschienen ist. Neben meinem Booklet gibt es außerdem einen Audiokommentar von meinen lieben Kollegen Christian Kessler und Pelle Felsch, der bestimmt superknorke ist.

Deutlich frischer ist der Text, den ich zu Alberto de Martinos tollem Exorzismus-Film L’ANTICRISTO beigesteuert habe. Das Booklet vereint Kurzessays von Pelle Felsch, Marcus Stiglegger, Christian Kessler und einigen anderen Autoren und bietet damit einen neuen Ansatz für die beliebten Beipackheftchen. Als dritter Teil in Wicked Visions Jean-Rollin-Reihe ist LES DEMONIAQUES, zu Deutsch DIENERINNEN DES SATANS. Auch hier habe ich einen längeren Text beigesteuert, Pelle Felsch liefert eine Biografie zum französischen Filmemacher, der auch mit eigenem Audiokommentar zu hören ist.

Drei Veröffentlichungen, mit denen man gewiss nichts falsch macht.

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horror-hotel-posterIch bin müde und habe keine Lust mehr zu schreiben, deshalb nur kurz: Auf Critic.de kann man meine Rezi zu Moxeys CITY OF THE DEAD lesen, der dieser Tage als schönes Mediabook erschienen ist. Haut rein.

kuwcdvm13vjlrbkgmkjrp6yzku8Dass ich mir diesen Film angeschaut – und auch noch meine Gattin mit hineingezogen – habe, gründet auf einem tragischen Missverständnis: Ich habe DEVIL DOG: THE HOUND OF HELL nämlich mit dem zwar angeblich auch beschissenen, zumindest den Bildern nach zu urteilen aber dennoch hundertmal lustigeren DRACULA’S DOG verwechselt, den ich seit meiner Kindheit sehen will, in der er als ZOLTAN, DRACULAS BLUTHUND über die Mattscheibe flimmerte und meine Fantasie anregte. Mit Dracula hat der titelgebende Wauwau dieses für das amerikanische Fernsehen produzierten Films rein gar nichts zu tun: Es handelt sich bei ihm vielmehr um einen Köter, der vom Teufel in Hunderperson gezeugt wurde – bei einer schwarzen Messe, die von Martine Beswick und R. G. Armstrong in einer alten Scheune organisiert wurde und den Höhepunkt eines Films darstellt, der danach nur noch ein laues Lüftchen produziert, das am besten mit einem leisen, aber dafür besonders faulig riechenden Furz zu vergleichen ist.

Curtis Harringtons Film ist ganz unverkennbar ein Nachzieher von Richard Donners THE OMEN, der zwar auch dusselig war, aber dabei wenigstens effektiv und spannend. Wenn hier eine spanische Haushälterin beim Anblick des knuddeligen (aber vom Teufel besessenen) Welpen wie vom Donner gerührt ihr Kruzifix greift und von einer Atmosphäre des Bösen spricht, die das Tier umgebe, wenn die Protagonisten den treudoof glotzenden Hund voller Angst anstarren und vor ihm wegrennen, während er ihnen gelangweilt hinterhertrottet, wenn die Gattin und Mutter sich unter dem bösartigen Einfluss des Köters in eine Femme fatale verwandelt, die den Ehemann mit Pelzrobe und Kippe empfängt und zum nächtlichen Nacktbad in des Nachbars Pool einlädt, dann ist das vor allem eins: albern. Der Todesstoß für die Ambitionen des Films, aber gewiss nicht sein Hauptproblem: Das ist nämlich, dass DEVIL DOG von geradezu herausfordernder Ödnis ist. Ich gestehe, beim ersten Anlauf irgendwann von der gähnenden Langeweile ins Land der Träume hinfortgerissen worden zu sein, aber tapfer wie ich bin, habe ich das Verschlafene nachgeholt. DEVIL DOG ist wirklich ideal zum Einpennen, auch zartbesaitete Gemüter müssen hier nicht fürchten, von Albträumen geplagt oder von kreischigen Horrorsounds wachgerissen zu werden. Auf dem Soundtrack pluckert plüschige Loungemusik, die auch auf dem Love Boat gut unterhalten hätte, der unter der Sonne L.A.s gedrehte Film hat insgesamt eher die Anmutung einer Familiensoap. Schlimmer als der fiese Hund ist es, dass sich Frau und Kind vom braven Familienoberhaupt abwenden. Statt blanken Entsetzens regiert milder Desorientierung, bei der man nicht weiß, ob es nicht eher die Darsteller sind – Richard Crenna und Yvette Mimieux -, die von akuter Ratlosigkeit heimgesucht werden, statt ihrer Figuren.

Der Film hat ein paar hübsch hirnrissige Szenen, etwa jene, in der der von den Geschehnissen in seinem Haus zunehmend beunruhigte Papa einen Bericht über einen Mann im Fernsehen sieht, der aus heiterem Himmel zum Massenmörder wurde. Die panische Ehefrau des Mörders weiß wer Schuld daran ist: der Hund, ganz wie bei der Familie des Protagonisten. Der Beweis! Bei einer schrulligen Alten erfährt der Papa dann, dass ein uralter Dämon in seinem Hundchen am Wirken dran ist, weshalb er sich in Ecuador Rat bei einem nahezu akzentfrei sprechenden Eremiten holt, der extra für ihn von seinem Berg klettert. Dann stellt er sich der Bestie zum Kampf, einem unfassbar dröge gefilmten Showdown, bei der er seine mit einem religiösen Symbol bemalte Hand solange hochhält, bis sich der Teufelswauwau in einer Wolke schlechter visueller Effekte auflöst. Die Offenbarung, dass der Killerköter noch neun Geschwister hatte, soll am Ende wohl präapokalyptische Anspannung auslösen, aber der Zuschauer ist zu diesem Zeitpunkt längst zu keiner Gefühlsregung mehr in der Lage. Da hat der eigentlich fähige Harrington wirklich ganze Arbeit geleistet.

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LA CHIESA, Michele Soavis zweiten Spielfilm, mochte ich damals nicht besonders, heute hat er mit hingegen ausgezeichnet gefallen. Da sage noch einer, man schaue ältere Filme nur aus nostalgischer Verklärung. Ich hatte es anlässlich einiger anderer Filme schon einmal geschrieben: Die italienischen Horrorfilme aus jener Zeit, als der Niedergang schon nicht mehr aufzuhalten war, mögen weniger gut beleumundet sein als die allgemein geliebten und verehrten Klassiker aus den Siebziger- und den frühen Achtzigerjahren, aber sie haben im Idealfall eine einzigartige sinnliche und ästhetisch Qualität, die eng mit dem zusammenhängt, was an ihnen gemeinhin kritisiert wird. LA CHIESA, eigentlich ein kaum verhohlenes, ins Sujet des Okkultschockers verlegtes Remake von Argentos INFERNO, ist ein guter Beleg dafür. Der gemeine „Italofan“ mag die Anwesenheit lieb gewonnener Stars vermissen (lediglich Giovanni Lombardo Radice ist mit von der Partie), die geleckte Eighties-Optik, das Fehlen gammliger italienischer Straßenzüge und die hohe Zahl uncharismatischer, gestriegelter und gegelter Hackfressen bemängeln, aber diese Elemente begünstigen auf der anderen Seite auch die enigmatische Atmosphäre des Films. Soavi interessiert sich rein gar nicht für eine wie auch immer geartete Realität – besonders rätselhaft wird es bei ihm immer, wenn er zu erkennen gibt, dass er tatsächlich ein Erdenbürger ist, wie in einer Discoszene im letzten Drittel des Films -, schirmt seine Geschichten und Charaktere geradezu hermetisch von jeder alltäglichen Banalität ab und kreiert Welten, in denen nichts sicher, aber alles möglich ist.

Der Film beginnt mit einem Gemetzel, dass ein christlicher Ritterorden an vermeintlichen Satanisten anrichtet: Arme, wehrlose Dorfbewohner werden brutal absgeschlachtet und in einem Massengrab verscharrt, auf dem dann die Kathedrale errichtet wird, der LA CHIESA den Titel verdankt. Dort passieren dann in der Gegenwart des Films äußerst merkwürdige Dinge: Im Keller tut sich ein bodenloser Schlund auf, Menschen erliegen seltsamen Visionen und verwandeln sich in sabbernde Monstren, einige Touristen werden eingeschlossen und fallen dann nacheinander dem dämonischen Treiben zum Opfer, bis das gothische Bauwerk schließlich einstürzt und alles unter sich begräbt.

Zu Beginn stehen die Restaurateurin Lisa (Barbara Cupisti) und der Bibilothekar Evan (Thomas Arana) im Mittelpunkt des Geschehens, aber irgendwann werden sie von den immer chaotischer werdenden Vorgängen an den Rand gedrängt und der schwarze Priester Gus (Hugh Quarshie) und die kleine Lotte (Asia Argento) geraten in den Fokus. Der Versuch, einen geschlossenen Plot aus dem wilden Bilderreigen zu filtern, bleibt einigermaßen erfolglos und übersieht die Stärken von Soavis Film: Die große Kreativität, die er bei der Zeichnung albtraumhafter Bilder und der Schaffung jener schon erwähnten Atmosphäre an den Tag legt. Unterstützt wird er dabei von Keith Emerson und Goblins sakral-fiebrigem Score und den tollen Effekten, die deutlich über dem Standard liegen, den man zu dieser Zeit aus Italien gewohnt war. Wenn sich am Ende der Erdboden auftut, und eine Statue aus lebenden, nackten Leibern emporfährt, ist das schon ziemlich großes, bildgewaltiges Kino, das den Vergleich mit Meister Argento nicht zu scheuen braucht. Aber auch die kleineren Momente verfehlen ihre Wirkung nicht: Die alte Frau, die die Kirchenglocke läutet, indem sie mit einem abgehackten Kopf dagegenschlägt, vergisst man nicht so schnell, genauso wenig wie die Vergewaltigung durch den Leibhaftigen höchstselbst. Man muss es Soavi hoch anrechnen, dass er solche Szenen mit Stil über die Bühne bringt: Bei einem weniger begabten Filmemacher wäre da gewiss Schicht im Schacht gewesen, hier werden die Augen von Minute zu Minute größer und das Chargieren der überwiegend talentfreien Nebendarsteller verstärkt den Verfremdungseffekt den Soavi anstrebt. Wie traurig, dass dieser  große Genrefilmer dem Niedergang der italienischen Filmindustrie zum Opfer fallen musste. Andererseits hat er der Nachwelt vier nahezu makellose Filme hinterlassen.

 

 

lasetta1Michele Soavis dritter Spielfilm wurde damals in Deutschland schwerst misshandelt auf Video verramscht: Unmotivierte Handlungsschnitte und eine gruselige Pornosynchro setzten dem Werk ziemlich zu. Nach den beiden vorangegangenen, visuell zwar beeindruckenden, inhaltlich aber eher „einfachen“ DELIRIA und LA CHIESA zeigt LA SETTA, was sich da in näherer Zukunft anbahnen sollte. Mit DELLAMORTE DELLAMORE sollte Soavi nur weniger Jahre später ein absolutes Meisterwerk des europäischen Genrefilms vorlegen – und danach dem Niedergang des italienischen Kinos zum Opfer fallen. Der damals 36-Jährige drehte in den 20 darauffolgenden Jahren sage und schreibe zwei Kinofilme, arbeitete sonst ausschließlich fürs Fernsehen. Traurig.

LA SETTA beginnt in der Wüste, irgendwo in den USA. Vom Soundtrack erklingt Americas Evergreen „A Horse with no Name“, während sich ein paar Hippies um ein Wohnmobil scharen. Sie bekommen Besuch aus dem Nichts, ein bärtiger, ebenfalls langhaariger Mann in einem langen Kaftan bittet sie um Wasser, stellt sich als „Damon“ vor und zitiert „Sympathy for the Devil“ von den Rolling Stones. Am nächsten Morgen sind die Hippies tot, niedergemetzelt von den Schergen Damons. Der Film springt ins Frankfurt der Gegenwart: Ein Mann (Freunde des Italofilms erkennen ihn als Giovanni Lombardo Radice oder auch „John Morghen“) verfolgt eine Frau, überfällt sie in ihrem Haus und sticht sie brutal nieder. In der U-Bahn wird er mit ihrem herausgerissenen Herzen gestellt. Er jammert, im Auftrag einer Sekte gehandelt zu haben, dann entwendet er einem Polizeibeamten die Waffe und bläst sich das Gehirn weg. Wieder ein Szenenwechsel: Ein alter Mann (Herbert Lom) packt ein Päckchen und begibt sich auf eine Busreise. Als der Bus an einer Landstraße hält, blickt er verträumt in die Sonne. Eine Frau (Kelly Curtis) rast mit ihrem Wagen heran und kann gerade noch ausweichen. Der Mann stürzt, scheint aber unversehrt. Die Frau nimmt ihn mit nach Hause, damit er sich ausruhen kann. Und jetzt beginnt LA SETTA wirklich.

Der verschachtelte Anfang suggeriert einen komplizierten Plot mit vielen verschiedenen Schauplätzen und Parteien, aber so, wie da schon in den ersten 20 Minuten immer wieder Geschichten abgebrochen werden oder enden, bevor sie richtig begonnen haben, macht Soavi auch im weiteren Verlauf jede Hoffnung auf eine geradlinige Storyentwicklung zunichte. Die Frau – Miriam – ist das Opfer der Bemühungen einer satanischen Sekte, der alte Mann ein Bote, der sie mit dem Bösen infiziert und dann verstirbt, ihr Haus ein Tor zur Hölle. Das ist ungefähr die Handlung, die sich in einem stetigen Wegbröckeln der Ratio entspinnt, Fulcis LA PAURA NELLA CITTA DEI MORTI VIVENTI oder L’ALDILA nicht unähnlich, nur dass das hier alles weniger albtraumhaft und grotesk, sondern eher enigmatisch und rätselhaft daherkommt. Die Wirkung von LA SETTA ist nicht leicht zu beschreiben: Er zeichnet keine überspannten surrealen Tableaus und Soavi akzentuiert auch nicht den Realitätsverlust seiner Protagonistin durch grelle Effekte, vielmehr nimmt er ihre Perspektive ein und teilt ihren Wahn, der sich meist eher in Kleinigkeiten zeigt. Es lässt sich nicht mehr genau sagen, ob sich die unheimlichen Vorgänge wirklich ereignen oder ob sie nur Halluzinationen sind, die Miriam eingeimpft wurden. Es spielt auch keine Rolle: Der Film folgt seiner eigenen Logik – und tut sich dann auch schwer damit, ein sinnvolles Ende zu finden, anstatt, wie es wahrscheinlich richtig wäre, bloß aufzuhören. Noch nicht alles ist voll und ganz ausgereift – mit DELLAMORTE DELLAMORE gelang es Soavi deutlich besser, eine Welt zu zeichnen, die gleichermaßen innere wie äußere Apokalypse ist. Aber faszinierend ist LA SETTA in jedem Fall und bietet einige fantastische Bilder und Regieeinfälle. Allein diese Schnittfolge im Prolog, wenn John Morghen sein Opfer überfällt, ist reines Kino und zeigt, was für ein Wunderkind mit Soavi einer ungünstigen Marktlage zum Opfer fiel. Was hätte man von ihm noch erwarten dürfen?

Anlass dieses Textes ist übrigens eine anstehende deutsche Veröffentlichung, zu der ich etwas beisteuern darf, und mit der die Schmach der alten Videoveröffentlichung dann auch vergessen sein sollte. Ich empfehle schon jetzt: Zuschlagen!

2qasp5yNeben der Frage nach den drei Dingen für die einsame Insel ist jene nach der Epoche, die man am gern mit einer Zeitmaschine bereisen würde, beliebter Bestandteil von Personality-zentrierten Fragebögen. Die Chance, dass Kenner von Walter Boos‘ berüchtigtem deutschen EXORCIST-Rip-off die Bundesrepublik der Siebzigerjahre als Wunschziel angeben, dürfte gegen null tendieren: Wenn MAGDALENA, VOM TEUFEL BESESSEN auch nicht so funktioniert, wie von den Machern wahrscheinlich intendiert, so verfehlt er als schauderhaftes Zeugnis einer niederdrückend staubigen und freudlosen Zeit voller Spießertum, dräuenden Katholizismus, onkelhaft-schmieriger Autoritätspersonen, fragwürdiger Freizeitgestaltung, scheußlicher Inneneinrichtungen, trauriger Büßermentalität und desillusionierender Tristesse seine Wirkung nicht. Die Geschichte einer vom Teufel Besessenen wird so eigentlich unverkennbar zu einer vom Zusammenbruch der Jugend unter der deprimierenden bundesrepublikanischen Realität. Und dass MAGDALENA, VOM TEUFEL BESESSEN selbst gar kein Bewusstsein von dieser eigentlich unübersehbaren Bedeutung entwickelt, macht ihn nur umso überzeugender.

Magdalena (Dagmar Hedrich), ein Waisen- und Heimkind, dessen Opa anscheinend mit dem Teufel im Bunde war, zeigt nach seinem gewaltsamen Kreuzigungstod rätselhafte Symptome. Sie bricht von  Krämpfen geschüttelt und schäumend zusammen, überzieht ihre besorgten Erzieherinnen (Elisabeth Volkmann & Eva Kinsky) und den herbeigerufenen Arzt (Peter Martin Urtel) mit öbszönen Beleidigungen, wälzt sich vor Geilheit nackt am Boden und bringt, wie es sich für einen echten Satansbraten gehört, Einrichtungsgegenstände zum Levitieren. Der stets besorgt dreinschauende Psychologe (Werner Bruhns) glaubt im Gegensatz zum Pfaffen (Rudolf Schündler) nicht an Überirdisches, und lädt Magdalena zur Therapie in sein Haus im tiefsten, dumpfesten Bayern ein, wo das Mädchen sogleich den örtlichen Wirtshausproleten den Kopf zu verdrehen beginnt. In einem denkwürdigen Finale erbricht sie eine schwarze Schlange und zieht daraufhin geheilt mit dem Assistenzarzt (Michael Hinz), der vom hippokratischen Eid anscheinend noch nichts gehört und außerdem eine Vorliebe für Problemweiber hat, in eine güldene Zukunft voller Prilblumen und zielloser Ping-Pong-Partien.

Während sich der Film fahrig an den erwartbaren Reminiszenzen entlanghangelt, in den Szenen mit den besorgten Ärzten an jene „Aufklärung“ erinnert, die die zahllosen Report-Filme zur selben Zeit kredenzten, und mit einem Krimiplot um zwei ratlos in ihrer Amtsstube sitzenden Kriminalisten aufwartet, der bis zum Ende kein Stück vorwärts kommt, schockiert MAGDALENA, VOM TEUFEL BESESSEN, wie oben angedeutet, als harsches Zeitzeugnis. Magdalena – die im Vorspann vollmundig als Neuentdeckung gepriesene Dagmar Hedrich überzeugt in erster Linie mit ihrer künstlich aufbereiteten Oberweite – schläft unter einem Katzenposter und neben dem gruseligen Bild der verstorbenen Eltern, schunkelt im Plattenladen lustig mit der leeren Birne und fristet ansonsten ein trauriges Dasein zwischen wohlmeinenden Erziehern und anderen Erwachsenen, die der Entnazifizierung auf rätselhafte Art und Weise entgangen sind. Alle sind entweder gnadenlos ungeeignet, eine junge Frau zu erziehen – als Magdalena ihren Anfall erleidet, glotzen die Heimleiterinnen dumm aus der Wäsche und rätseln dann, was denn nun zu tun sei -, oder können ihre finsteren Eigeninteressen (sprich: Altherrengelüste) nur schwer verbergen. Was ist von einem Arzt zu halten, der eine emotional labile Person zur Therapie in seinem Häuschen einquartiert und einen Assistent beschäftigt, der sich schon nach kurzer Zeit an die doch offensichtlich Unzurechnungfsähige heranschmeißt? Die Kluft, die sich da zwischen der Jugend und der Eltern- bzw. Großelterngeneration auftut, der Spalt, der zwischen Männern und Frauen klafft, ist für den Außenstehenden unschwer als unüberbrückbar zu erkennen (ein Thema, das Friedkin in THE EXORCIST wesentlich stärker reflektierte). Die Hauptdarstellerin (laut IMDb war sie zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits 39 Jahre alt), deren Karriere nach diesem Werk dann auch schon wieder beendet war, kann zwar kein Stück schauspielern, bringt dafür aber eine entwaffnende Ungeschliffenheit und Naivität mit, die dem Film durch die Hintertür zum Vorteil gereicht.

Als Okkultismus-Schocker funktioniert Boos‘ Film kaum: Wie man Schrecken und Thrill inszeniert, hat der Mann offensichtlich nie gelernt, sodass alle in diese Richtung gehenden Szenen dann auch eher belustigend und karnevalesk wirken. Hauptmotivation war es wohl, ein paar dralle Geschmacklosigkeiten aufzubieten und dementsprechend bleibt die Kamera auch immer etwas länger als unbedingt nötig auf die nackten Tatsachen gerichtet (zwei völlig unbedeutende weibliche Nebenfiguren bekommen eine kurze Lesbenszene geschenkt). Im Geiste steht MAGDALENA, VOM TEUFEL BESESSEN den genannten Report-Filmen sehr nahe, und man sieht die schwitzenden, mittelalten Herren, die sich mit ihren Regenmänteln im Kino einfanden und danach am Kiosk den FKK-Report in die Bild-Zeitung einrollen ließen, förmlich vor sich. Ob sie sich danach wirklich „erleichtert“ fühlten? Die Bundesrepublik dieses Films ist ein graubrauner Albtraum aus abblätterndem Putz, Schimmelbefall, gefährlichen Schlaglöchern und gescheiterten Existenzen, daran ändern auch ein paar Silikontitten nichts.

 

kp6765pkDas nebenstehende geile Covermotiv, veredelt durch den silbernen Prägedruck des Titelschriftzugs, veranlasste einen Freund und mich vor ca. 25 Jahren dazu, diesen Film in einer Krefelder Videothek auszuleihen. Wir hatten keine Ahnung, aber viel Zeit und eben Bock auf einen Horrorfilm. Nach dem Einlegen des Tapes dauerte es aber nicht lang, bis sich Ernüchterung bzw. großes Gelächter einstellte: HALLOWEEN NIGHT ist nicht nur gnadenlos billig und schundig, er verfügt auch über zahlreiche Zeitgeist-Elemente, die schon kurz nach Erscheinen des Films gnadenlos überkommen waren. Und natürlich ist er, wie es sich für einen solchen Hobel gehört – einen Slasherfilm der vierten Generation -, strunzlangweilig.

HALLOWEEN NIGHT beginnt mit einer Rückblende: Der kleine Tommy bekommt von seinem etwas seltsamen Opa (Hy Pyke) einen Kürbis fürs bevorstehende Halloween geschenkt. Seine Mama ist davon ganz und gar nicht begeistert, möchte die gute Beziehung zwischen ihrem Sohn und dem unerwünschten Großvater unterbinden. Das sieht auch ihr Ehemann so, der den Opa zur Rede stellen will, ihn aber bei einer seiner satanistischen Zeremonien überrascht und umgebracht wird. Jahre später ist Tommy (Gregory Scott Cummins) mittlerweile zum hünenhaften Grübler herangewachsen, der voll unter dem Einfluss des Satansopas steht, der anscheinend einen Plan mit seinem Enkel hat. Während sich alle in der Kleinstadt für eine Halloween-Party vorbereiten, geht ein Killer in Teufelsmaske um …

Was sich nach einem 08/15-Slasher mit Okkultismus-Schlagseite und Potenzial für mildes Entertainment anhört, verkommt und Mundhras uninspirierter Regie leider zu einem unentschlossen mäandernden Schnarchfest, dass immerhin mit der ein oder anderen Idiotie punkten kann. Die beste Szene gibt es schon nach ca. 20 Minuten, als Tommy einen Albtraum hat, in dem er Gitarrist einer grauenvollen Hardrock-Kapelle ist, die während ihrer Darbietung des Songs „Devil’s Son“ von einer schwarzen Tänzerin mit rot glühenden Laseraugen weggezappt wird. Auch später, im Verlauf der traurigen Halloween-Party, sind die Musik, bzw. die toupierten Poser, die sie zum Besten geben, und die Deppen, die sich zu ihr bewegen („tanzen“ wäre zu viel gesagt), für einen Lacher gut. Ich bin ja wirklich ein Fan des übel beleumundeten Eighties-Hardrocks, aber der generische Schwanzrock, den es in HALLOWEEN NIGHT zu hören gibt, rollt einem sämtliche Zehennägel hoch. Was gibt’s sonst noch? Jede Menge dusseliger Fake Scares, die aber niemals scary sind (einmal kommt eine bemitleidenswert unecht aussehende Gummispinne zum Einsatz), zwei kurze Splatterszenen, Sex auf einem Grab, ein DEAD END DRIVE-IN-Plakat, dämliche Charaktere, eine umständliche Handlung, die nirgendwo hin führt, einen plattgesessenen Spannungsbogen und ein mäßig überraschendes Ende. Selbst der Killer sieht beknackt aus.

Als Horrorfilm funktioniert HALLOWEEN NIGHT also kein Stück, auch wenn ich definitiv die Empfehlung aussprechen wprde, sich das Teil besser nicht allein anzuschauen. Im Verbund mit mehreren Leidensgenossen und eher als Zeitzeugnis betrachtet, könnte sich seine ultraschäbige Tristesse aber vielleicht sogar als bewusstseinserweiternd erweisen. Man spricht ja gemeinhin von der „Magie“ des Kinos, die selbst banale Vorgänger zu etwas Größerem macht. Insofern ist HALLOWEEN NIGHT wirklich ein schwarzmagischer Film, denn alles, was er versucht, sieht scheiße und traurig aus.