Mit ‘Orlando Bloom’ getaggte Beiträge

black-hawk-down_poster_goldposter_com_28BLACK HAWK DOWN ist die kontroverse Verfilmung des gleichnamigen Sachbuches von Mark Bowden, das sich mit den Bemühungen des US-Militärs im Jahr 1993 beschäftigte, den somalischen Warlord Mohamed Farrah Aidid dingfest zu machen. Aidid war einer der Fraktionsführer während des Bürgerkriegs in Somalia und zog den Zorn der Vereinten Nationen auf sich, als er sich gegen die im Land stationierten Hilfskräfte wendete und 23 pakistanische Blauhelme tötete. Der Versuch seiner Festnahme mündete schließlich in der Schlacht von Mogadischu, einer blutigen Auseinandersetzung, bei der 18 US-Soldaten und schätzungsweise 1.000 Somalis (die Zahlen gehen weit auseinander) ihr Leben ließen.

Ridley Scotts Verfilmung ist, wie bei solchen Filmen üblich, Anlass für heftige Kontroversen gewesen. Newsweek-Journalist Evan Thomas bezeichnete BLACK HAWK DOWN als „one of the most culturally significant films of the George W. Bush presidency“ und warf ihm vor, dass sich hinter seiner Antikriegsgesinnung in Warheit einer Pro-Kriegs-Haltung verberge. Auch dass die Somalis als „schwarze Bestien“ gezeichnet sowie die Realität hier und da zugunsten der Dramaturgie gebeugt wurde, wurde mitunter stark kritisiert. Die Kritikpunkte sind alle nicht so einfach wegzuwischen, wie auch beim ganz ähnlich gelagerten 13 HOURS nicht: Wie jener nimmt BLACK HAWK DOWN die eingeengte Perspektive der US-Streitkräfte ein, lässt grundsätzliche Kritik an der Interventionspolitik eher am Rand verklingen und singt am Ende das Heldenlied von Kameradschaft und Zusammenhalt, während die somalische Perspektive kaum eine Rolle spielt. Sein Kinostart kurz nach dem 9/11-Anschlag spielte der Regierung in ihrem Bemühen, den „war on terror“ zu legitimieren, zudem gewiss in die Karten.Trotzdem ist BLACK HAWK DOWN für mich einer von Scotts besten Filmen und als pures Affektkino auch heute noch eine ziemliche Dampfwalze.

Einige Jahre zuvor hatte Steven Spielberg mit SAVING PRIVATE RYAN und der Inszenierung der Landung in der Normandie neue Maßstäbe hinsichtlich des „Realismus“ des Kriegsfilms gesetzt. Scott setzte die Vorarbeit begeistert fort und noch einen oben drauf, indem er seine ausufernden Schlachten nicht auf offenem Gelände, sondern inmitten unübersichtlicher Straßenzüge in Szene setzte. Nach der Exposition begibt sich BLACK HAWK DOWN ins brodelnde, staubige, feindselige Mogadischu (gedreht wurde in den marokkanischen Städten Rabat und Salé) – und bleibt dort für die kommenden überaus blei- und explosionshaltigen 100 Minuten. Wenn er auch kein besonders differenziertes politisches Bild abgibt – recht früh wird einmal angedeutet, dass die Idee der militärischen Intervention möglicherweise gründlich überdacht werden sollte, aber BLACK HAWK DOWN mag sich nicht wirklich mit diesem Gedanken aufhalten -, so macht der Film doch ziemlich eindrucksvoll klar, was für ein Albtraum ein „Häuserkampf“ generell ist, was für eine unmenschliche Veranstaltung die „Schlacht von Mogadischu“ für alle Beteiligten im Besonderen war. Kugeln und Geschosse schlagen aus allen Richtungen ein, die gesamte Bevölkerung ist ein potenzieller Feind, die als halbstündiger Einsatz geplante Mission wird zum nervenzerrenden Himmelfahrtskommando, bei dem Körper zerfetzt und zerrissen werden. Dass die Somalikrieger als fanatischer Mob gezeichnet werden, mag aus humanistischer Perspektive untragbar sein, aber ich schätze, so muss ein in den Straßen von Mogadischu festgesetzter amerikanischer Soldat sie gesehen haben. (Und auch wenn ich weiß, dass meine Aussage unpopulär ist: Über die „Zivilisiertheit“ afrikanischer Milizen und der von ihr augehetzten Zivilbevölkerung möchte ich mir tatsächlich lieber keine Illusionen machen.) Der Fuß bleibt während dieser Schlachtinszenierung nahezu durchghend auf dem Gaspedal und wenn der Lärm dann doch einmal kurzfristig verstummt, ist die Spannung doch mit den Händen greifbar. BLACK HAWK DOWN ist eine der intensivsten filmischen Erfahrungen, die der moderne Kriegsfilm bietet, man fühlt sich danach platt und ausgelaugt.

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die ziemlich unglaubliche Besetzung: Als Hauptfiguren, so man denn solche wirklich herausheben möchte, fungieren Josh Hartnett als junger Einsatzleiter Eversmann, Ewan McGregor als durch einen Zufall zum Kampfeinsatz verpflichteter Bürohengst Grimes (der Name wurde geändert, da das reale Vorbild zwei Jahre vor dem Filmstart wegen sexuellen Missbrauchs verklagt worden war), Tom Sizemore als grimmiger Veteran McKnight, Eric Bana als cooler Loner Hoot und Sam Shepard als Einsatzleiter Garrison. Neben diesen agieren gern gesehene Charakterdarsteller wie William Fichtner, Jeremy Piven, Kim Coates, Ron Eldard, Jason Isaacs, Zeljko Ivanek sowie damals aufstrebende Jungdarsteller wie Ewen Bremner, Tom Hardy, Orlando Bloom oder Ioan Gruffudd, um nur einige zu nennen. Die Kameraarbeit von Slawomir Idziak gewährt wunderbare Übersicht, versetzt den Betrachter aber trotzdem mitten zwischen die Schusslinien. Lediglich der Score von Hans Zimmer nervt mit klischeehaftem Ethnogesäusel, das bei Filmen, die in Afrika spielen, anscheinend immer zum Einsatz kommt.

Ich mag BLACK HAWK DOWN immer noch sehr, wobei mir wahrscheinlich entgegen kommt, dass ich mir über das Wesen der Menschheit nicht mehr allzu viele Illusionen mache und außerdem selber aus einer Familie mit Militärtradition stamme. Ich kann die auch von Scott ptopagierte Kameradschaftsidee durchaus nachvollziehen, auch wenn ich aus Überzeugung den Wehrdienst verweigert habe und das auch heute noch so tun würde. Der einzelne Soldat ist ein armer Tropf, der einem Leid tun kann: Filmen wie diesen kommt der zweifelhafte Verdienst zu, das einerseits erkannt zu haben, andererseits aber auch dazu beizutragen, dass der Nachschub nicht endet. Das ist das Spannungsfeld, in dem sich diese Filme immer bewegen. Damit muss man klar kommen oder man muss es lassen. Ich wünschte mir jedenfalls, BLACK HAWK DOWN damals im Kino gesehen zu haben, wo er sicherlich reihenweise für in die Hosen gerutschte Herzen sorgte. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit irgendwann mal, wobei die Chance gewiss eher gering ist.

Frankreich ist in Aufruhr: Während es von Kriegen umringt ist, intrigiert Kardinal Richelieu (Christoph Waltz) mithilfe der verräterischen Milady DeWinter (Milla Jovovich) gegen den unerfahrenen Ludwig XIII. (Freddie Fox) und Königin Anne (Juno Temple). Die drei Musketiere Athos (Matthew Macfayden), Aramis (Luke Evans) und Porthos (Ray Stevenson), einst stolze Diener des Königs, sind bereits entmachtet, als sie dem jungen ungestümen D’Artagnan (Logan Lerman) begegnen, der sich nichts sehnlicher wünscht, als selbst ein Musketier zu werden und Frankreich zu dienen. Er wird bald Gelegenheit dazu bekommen, denn Richelieu und Milady planen Frankreich in einen Krieg mit Großbritannien zu stürzen, indem sie der Königin eine Affäre mit Lord Buckingham (Orlando Bloom) unterstellen. Um diesen Plan zu vereiteln, machen sich die Musketiere auf den Weg nach London, um in den schwer bewachten Tower einzudringen …

In der von ihm gewohnten Art reimaginiert Paul W. S. Anderson Alexandre Dumas‘ Klassiker der Unterhaltungsliteratur als leichtfüßiges Actionspektakel mit wunderschönen, in ihrer Textur an alte Gemälde erinnernden Bildern des barocken Paris, verspielten visuellen Effekten – Schauplatzwechsel werden mit dreidimensionalen Landkarten illustriert –, bombastischen Actionsequenzen und einem spitzzüngigen Humor, der die Titelhelden von ihrem steifen Pomp befreit und als rauhbeinige Loner charakterisiert. Wer also einen klassischen Mantel- und Degenfilm erwartet, der muss sich erst einmal neu orientieren: Auch mir erschien Andersons Film zunächst etwas zu sehr auf den Effekt hin inszeniert, zu wenig an seinen Figuren und den historischen Gegebenheiten interessiert. Doch das legt sich, wenn man sich einmal an seine Erzählweise gewöhnt hat, denn dann bemerkt man, dass man den Reichtum, den man zunächst vermisst hat, lediglich an der falschen Stelle gesucht hat. Am liebsten würde Anderson auf „Handlung“ im klassischen Sinne wohl ganz verzichten. Die Szenenübergänge, wenn in etwas steifen Dialogszenen Exposition förmlich abgehakt wird, wirken wie lästige Pflichtübungen, wie Zugeständnisse an ein Publikum, das für 90 Minuten reinsten Anderson’schen Expressionismus wohl noch nicht bereit ist. Es sind seine vor Einfallsreichtum, Lust, Raffinesse und visuellem Zauber nur so sprühenden Actionszenen, an denen sein Herz hängt, in denen er sich Ausdruck verleiht. Ich weiß nicht, ob ich jemals etwas Schöneres gesehen habe als jene grandiose Luftschlacht zwischen zwei Luftschiffen, die den Showdown des Films bildet. Da verwandelt man sich wieder in den Zehnjährigen, der mit der Taschenlampe unter der Bettdecke in Abenteuerromanen geschmökert hat (habe ich nie, aber wenn, dann hätte ich mich dabei bestimmt so gefühlt wie bei THE THREE MUSKETEERS) und die Buchstaben auf den Seiten sich in der Fantasie in prächtige, detailreiche Technicolor-Bilder verwandelten.

Visuell ist THE THREE MUSKETEERS ein Triumph, tatsächlich noch aufregender und vor allem ergreifender und wärmer als der auch schon tolle RESIDENT EVIL: AFTERLIFE. Das „Für Bernd“, mit dem der Film schließt, dürfte der verstorbene Produzent Eichinger sich nicht nur mit seinem unerwarteten Tod verdient, sondern darüber hinaus auch Einiges kosten lassen haben: Dem Stoff angemessen sieht THE THREE MUSKETEERS nämlich richtig kostbar und prunkvoll aus, da kann sich so manche Prestigeproduktion aus den USA eine Scheibe abschneiden. Die Effektarbeit ist großartig und hinzu kommt, dass Anderson für jedes Bild den richtigen Ton trifft, es meisterlich versteht, mithilfe von Lichtsetzung und Farbgebung die richtige Atmosphäre zu schaffen. THE THREE MUSKETEERS ist ein Bilderreigen, der seinen Zuschauer in immer höherer Frequenz mit unauslöschlichen Eindrücken bombardiert. (Einer davon, Milla Jovovich als barocker weiblicher Vorläufer Ethan Hunts mit sündhaft langen Beinen in Seindestrümpfen, wird mich wohl den Rest meines Lebens begleiten.)

Ich habe jetzt viel über die Oberfläche dieses Films gesprochen: Zu Recht, denn wenn sich jemand so viel Mühe gibt, zu glänzen, sollte das auch entsprechend honoriert werden. Aber es gibt auch diese Momente, in denen man bemerkt, dass diese Oberfläche nicht bloß die Verpackung für sonst gähnende Leere ist. Kurze Momente, zugegeben, aber sie fallen durchaus ins Gewicht. Da gibt es etwa diese eine Szene: D’Artagnan muss feststellen, dass der Gegner seine Geliebte in die Finger bekommen und damit auch ihn in der Hand hat. Er wägt ab, was er tun soll: Seine Liebe dem großen Ziel, dem König und Frankreich opfern? Oder das persönliche Glück wählen und ein größeres Unheil in Kauf nehmen? Athos gibt dem jungen, mit dieser Entscheidung überforderten Mann den entscheidenden Rat: Ein Leben ist nur lebenswert, wenn man es mit jemandem teilen kann, der Gedanke an Frankreich wird ihn in den Nächten seines Lebens nicht warmhalten. Das ist keine große Sache, aber in Zeiten, in denen sich Menschen darüber beklagen, dass sie keinen Nationalstolz zeigen dürfen, und Filme ganze Hundertschaften von Statisten für „die gute Sache“ über die Klinge springen lassen, finde ich diese Aussage bemerkenswert. Plötzlich haben auch überkommene Helden wie die drei Musketiere wieder Relevanz als unbeugsame Humanisten mit Zivilcourage.

Abschließend möchte ich noch mein Unverständnis für die Rezeption zum Ausdruck bringen, die dieser Film in weiten Teilen des Feuilletons erfahren hat. Dass Paul W. S. Anderson geradezu grotesk unterschätzt ist, habe ich in meinen vergangenen Texten (siehe hier zu SOLDIER, DEATH RACE und noch einmal zu RESIDENT EVIL: AFTERLIFE) schon ausreichend ausgeführt, aber wie einem die Freude und Frische dieses Films entgehen kann, ist mir wirklich ein Rätsel. Film besteht in erster Linie aus Bildern, nicht aus Worten. Und ein neues, scharfes Bild sagt tatsächlich mehr, als es Worte und Konzepte vermögen. Paul W. S. Anderson hat das verstanden. THE THREE MUSKETEERS zu hassen, heißt das Kino zu hassen.