Mit ‘Osvaldo Civirani’ getaggte Beiträge

Julie Harrison (Caroll Baker) sucht Hilfe bei dem Anwalt Dave Barton (Stephen Boyd), nachdem erst ihre Schwester Mary ihr am Telefon mitteilte, sie schwebe in Gefahr, und dann einige mysteriöse Gestalten in ihrer Nähe auftauchten. Daves Kumpel, der Rennfahrer Tony Shane (George Hilton), der sich gleich in die schöne Julie verguckt, bemüht sich im Folgenden gemeinsam mit dem Anwalt, der Frau zu helfen. Offensichtlich liegt eine Verwechslung vor und Julie muss nun dafür büßen, dass Mary einem Maharadscha einst einen wertvollen Diamanten entwendete. Gleich mehrere Ganoven haben es auf sie abgesehen …

Nur im weitesten Sinne ein Giallo, nämlich einfach verstanden als italienischer Thriller, ist IL DIAVOLO A SETTE FACCE viel eher ein munterer Mittelklasse-Krimi, kaum blutig und nur wenig sexuell aufgeladen, dafür aber von naivem Charme und einer sympathischen Unbeholfenheit geprägt. Den finalen Twist um die Identität Marys bzw. Julies sieht man zwar schon von Weitem kommen, dennoch wirkt er so umständlich und holprig konstruiert, dass man sich sachte am Kopf kratzen muss. Wirklich verstanden habe ich die ganzen Wendungen des Schlussaktes nicht, aber ich bezweifle, dass mir wirklich etwas entgangen ist. Auch wenn Civirani Professionalität vorgaukelt – die Besetzung mit Italo-Star Hilton, Italien-Exilantin Carroll Baker und Ex-BEN-HUR-Star Stephen Boyd, die Musik von Stelvio Cipriani, die auf den Spuren von Morricones Säusel-Scores wandelt, und die Impressionen aus der niederländischen Metropole Amsterdam schlagen entsprechend zu Buche –, so wirkt IL DIAVOLO A SETTE FACCE ein bisschen wie das Werk eines Kindes, das die Erwachsenen imitiert. Nicht unerheblichen Anteil daran hat auch die deutsche Synchro, die eindeutig von Rainer Brandts Schnodderschnauze inspiriert ist. Gleich zu Beginn gibt es etwa einen Fake Scare (zu diesem frühen Zeitpunkt bereits der zweite!) um einen chinesischen Kollegen Julies, der sich mit Gorillamaske und Katzendolch an sie anschleicht und nach seiner Enttarnung im schönsten Rassistenchinesisch jedes R als L ausspricht. Auch Tausendsassa Tony ist ein Held, wie ihn sich eigentlich nur zehnjährige Jungs ausdenken können: Sein anstehendes Profi-Autorennen hält ihn nicht davon ab, sich in einem Kriminalfall einzuschalten und fleißig Drinks zu sich zu nehmen, ohne gleichzeitig jedoch seine Ambitionen zurückzuschrauben, außerdem ist er ein As am Schießeisen und nie um einen dummen Spruch verlegen. Als Julie ihn danach fragt, ob er Zucker in seinen Kaffee wolle, antwortet er wie aus der Pistole geschossen: „Zwei Zentner!“ und wenig später, als in einem umständlichen Dialog endlich die überaus simple Tatsache etabliert worden ist, dass Julies Schwester Mary ihr zum Verwechseln ähnlich ist – „Bis auf die etwas längere Nase“, wie Julie einwirft –, muss er, Sonnyboy, der er ist, noch einmal explizit und ausgesprochen dummdreist nachhaken: „Ist sie also genauso hübsch wie Sie?“ Dass sie die Frage geflissentlich ignoriert, sollte ihm zu denken geben, tut es aber nicht. Mit Dave gibt er wirklich ein Superteam ab: Trotz der ihr drohenden Gefahr, die sich auch in einem Einbruch niederschlägt – während ihres gemeinsamen Besuchs! –, lassen sie die Dame die Nacht einfach allein in ihrem Waldhäuschen verbringen. Was soll schon passieren, wo sie ihr doch den Spitzenrat gegeben haben, neben dem Telefon zu pennen! (Julies in Angst verbrachte Nacht nutzt Civirani dann auch für eine wirklich gruselige Szene.) Echte Gentlemen eben. Das sieht man auch daran, dass Dave sogleich Julies Sekretärin abschleppt, als er seine Mandantin in ihrem Büro einmal nicht antrifft. Wenn er halt schon mal da ist … (Dass sie zugibt, verlobt zu sein, hält ihn auch nicht ab.) Kaum weniger ulkig ist auch Franco Ressel – bekannt als blasierter Oberkellner aus … CONTINUAVANO A CHIAMARLO TRINITÀ – als Kommissar, der einmal gelangweilt mit einer Lupe im Zimmer herumsteht und die Welt dadurch bewundert. Es gibt nicht nur für ihn viel zu entdecken.

Wie gesagt: Der „Spitzen Giallo“ (sic!) den das Cover der deutschen Bootleg-DVD ankündigt, ist IL DIAVOLO A SETTE FACCE ganz sicher nicht, aber er entschädigt für mangelnde Klasse mit seinem lockeren Plauderton und den liebenswerten Unzulänglichkeiten. Nettes, kurzweiliges Entertainment, zwar durch und durch mittelmäßig, aber eben keinesfalls identitätslos, sondern absolut wiedererkennbar in seiner putzigen Einfalt. Mich persönlich haben zudem die Bilder aus dem in der Nähe von Amsterdam gelegenen Badeörtchen Zandvoort gefreut, wo ich gerade vor ein paar Wochen mal wieder einen Kurzurlaub verbracht habe.