Mit ‘Patrick Macnee’ getaggte Beiträge

thIch mag A VIEW TO A KILL ja irgendwie, aber es führt trotzdem kein Weg an der Wahrheit vorbei: Es ist der schlechteste Film der Moore-Ära und zusammen mit DIAMONDS ARE FOREVER bis zu diesem Zeitpunkt der schwächste Beitrag der ganzen Reihe. Die Auswechslung des Hauptdarstellers war 1985 längst überfällig, Moore selbst wird damit zitiert, dass er nach eigenem Bekunden „only about four hundred years too old for the part“ gewesen sei (er war damals 57), und streckenweise fühlt man sich wie in einem der DTV-Filme von Steven Seagal: Roger Moore ist fast nur noch in den Close-ups zu sehen, sein Stunt Double dürfte annähernd so viel Screen Time haben wie er selbst und der Einsatz von Rückprojektionen wird zum bestimmenden Stilmittel. Aber der viel zu alte Hauptdarsteller ist nicht das größte Problem: Nachdem die letzten Bondgirls allesamt als starke Frauen bezeichnet werden konnten, kommt Tanya Roberts‘ Stacy Sutton einem Rückfall in die Steinzeit gleich. Sie ist wirklich zu keiner einzigen selbstständigen Handlung fähig und ihr Hauptbeitrag zum Film besteht darin, um Hilfe zu rufen oder gerettet zu werden. Immerhin sieht sie dabei immer recht adrett aus und ihr Talent, die High Heels auch in der widrigsten Situation noch an den Füßen zu behalten, such seinesgleichen. Aber die Beziehung zwischen ihr und Bond ist weder romantisch, noch sexy, noch lustig. Sie wirkt stattdessen furchtbar billig und amerikanisch.

Diese beiden Faktoren sind schon eine schwere Bürde, die aber allein noch zu bewältigen wäre, wenn A VIEW TO A KILL nach dem abenteuerlastigen OCTOPUSSY nicht wieder einen Schritt Richtung geradliniges Actionkino vollzöge. Die beiden nur wenig überzeugenden Helden bremsen jeden Versuch in diese Richtung vollkommen aus. Sehr schade, denn Vieles ist hier sehr richtig: die Plotidee um die Flutung des San-Andreas-Grabens und Silicon Valleys, die Zweiteilung des Films und dann natürlich die Schurken. Dass Christopher Walken einmal einen Bondschurken gespielt hat, klingt heute wie eine Erfindung, aber hier ist er, als Großindustrieller Zorin, blondierter, genmanipulierter Zögling eines deutschen Altnazis. Wenn es einen Grund gibt, A VIEW TO A KILL in Erinnerung zu behalten, dann ist er das. Wild in die Menge seiner Handlanger ballernd, alle Mitwisser rücksichtslos kaltmachend wie ein Pharaoh seine Pyramidenbauer, setzt er neue Maßstäbe in einer an Wahnsinnigen nicht armen Reihe. Das spitzbübische Lachen, mit dem er Sekunden vor seinem Tod realisiert, das sein letztes Stündlein geschlagen hat, ist einer der wenigen entspannten, freien Momente in einem sonst sehr angestrengt und verkrampf wirkenden Film. Grace Jones ist als Zorins persönliche Killerin mit dem Supernamen May Day kaum weniger eindrucksvoll. Sie hat zwar vor allem ihre Physis ins Rennen zu werfen, ist damit im Gegensatz zu manchem anderen Darsteller des Films, adäquat ausgestattet (sie brachte außerdem ihren damaligen Lover Dolph Lundgren für einen Miniauftritt als russischer Leibwächter mit und verschaffte ihm sein Spielfilmdebüt).

Ich scheue mich davor, meinen Text an dieser Stelle schon abzubrechen, aber mir fällt wirklich nicht viel ein zu A VIEW TO A KILL. Ich liebe den Titelsong, das Finale auf der Golden Gate Bridge ist toll, Christopher Walken in einem Bondfilm zu sehen wie gesagt eine reine Freude. Die Geschichte ist interessant und es gibt auch den ein oder andren netten Einfall: Ich mochte die per Fernbedienung veränderbaren Hindernisse auf Zorins Pferderennbahn, und natürlich fällt auch der ein oder andere schöne Stunt ab. Aber insgesamt ist das der Film dann doch eher weniger inspirierend. Das sahen wohl auch die Produzenten so. Mit Moore konnte es nicht weitergehen, wollte man ein Mindestmaß an Respektabilität waren, die Luft war deutlich raus. Eine Frischzellenkur war dringend nötig und so ernannte man Timothy Dalton zum neuen Bond-Darsteller, schlug mit dem folgenden THE LIVING DAYLIGHTS eine neue Richtung ein.