Mit ‘Patrick McGoohan’ getaggte Beiträge

Der große Elmore Leonard adaptierte für diesen Film, der in Deutschland unter dem schönen Titel WHISKY BRUTAL erschien, seinen eigenen, gleichnamigen Roman von 1969. Es war sein erstes Drehbuch, weitere sollten folgen. Es geht um den Regierungsagenten Frank Long (Patrick McGoohan), der während der Prohibition in ein Kaff in Kentucky kommt, wo Son Martin (Alan Alda) seinen berühmten „Moonshine“ – selbst gebrannten Whiskey – verkauft. Long will an Martins Gewinn beteiligt werden und verspricht als Gegenleistung, beide Augen zuzudrücken. Als Son sich weigert, ruft Long den Zahnarzt-turned-Gangster Dr. Taulbee (Richard Widmark) und dessen Partner Dual Metters (Songwriter Lee Hazlewood) zu Hilfe. Um Son zur Herausgabe seines Whiskys zu bringen, versuchen die Männer die Bootlegger der Gegend gegen ihn aufzubringen. Ein erbitterter Kampf beginnt …

THE MOONSHINE WAR war seinerzeit ein gewaltiger Flop und ist heute nur noch über die On-Demand-Schiene der Warner Archive Collection verfügbar. Alles andere als ein guter Film, ist er eine jener kleinen, vergessenen Kuriositäten, über deren Entdeckung man sich heute selbst dann freut, wenn die eigene Welt nicht aus den Angeln gehoben wird. Eine Vorliebe für die Gangsterfilme der Depressionszeit und das Schnapsbrenner-Hillbilly-Südstaaten-Szenario hilft, diesen Film, der bestenfalls Durchschnitt repräsentiert, aber einige Kuriositäten für sich verbuchen kann, mit Gewinn zu betrachten. Als erstes ist natürlich die wirklich bizarre Besetzung zu nennen, mit gleich zwei haarsträubenden „Coups“ in den Hauptrollen: Der vor allem mit der britischen Serie NUMBER SIX assoziierte Patrick McGoohan war zwar gebürtiger Amerikaner und sprach weitestgehend akzentfreies Englisch, dennoch fällt es schwer, ihn sowohl als US-amerikanischen Regierungsbeamten als auch als Elmore-typischen Helden zu akzeptieren. Ein Makel, den er wohl selbst spürte: Er wird in der wichtigsten Rolle des Films nie heimisch. Noch fragwürdiger ist die Besetzung von Alan Alda als Bootlegger. Zwar war er zu diesem frühen Zeitpunkt seiner Laufbahn noch nicht auf den liberalen Bildungsbürger der Upper Middle Class festgelegt, den er später idealtypisch verkörpern sollte, aber den Schnapsbrenner nimmt man ihm trotzdem zu keiner Sekunde ab. Zum Glück lenken Richard Widmark, der seinen Part mit sichtlichem Spaß an der Sache spielt, und Lee Hazlewood als zurückgebliebener Psychopath von diesen Fehlgriffen ab, Ihre Leistung reicht jedoch nicht aus, um THE MOONSHINE WAR vom Ruch des Fehlschlags zu befreien. Regisseur Richard Quine stand 1970 bereits am Ende seiner Filmkarriere. Er war ein fleißiger Handwerker, der jedoch nie wirklich auf sich aufmerksam machen konnte. Warum, das zeigt dieser, sein drittletzter Film: Die Regie ist uninspiriert und unoriginell, fernsehhaft und weiß aus den sich bietenden Möglichkeiten nichts zu machen. Die für Elmore charakteristische Verbindung von Humor und Gewalt bekommt er etwa nie richtig in den Griff und auch spannend oder involvierend ist THE MOONSHINE WAR zu keiner Sekunde. Der Film plätschert gefällig vor sich hin und ist dann irgendwann zu Ende.

So bleibt ein Film, der – wie erwähnt – lediglich für Elmore-, Gangsterfilm- und Hillbilly-Fans von Interesse ist, die die Highlights schon alle kennen und gern nach Abseitigem fahnden. Ich möchte die Sichtung dann auch nicht missen, und wenn es nur wegen oberflächlicher Details ist. Wer die Augen offen hält, sieht hier z. B. viele bekannte Gesichter wieder: Bo Hopkins ist mit von der Partie, Will Geer, Harry Carey, jr., Charley Tyner und Altman-Regular John Schuck.

ice_station_zebra_xlgUm ICE STATION ZEBRA, der heute meist als verkappter Trashfilm im teuren Gewand des Blockbusters belächelt wird, rankt sich eine wunderbare kleine Anekdote, derzufolge dies der erklärte Lieblingsfilm des Moguls Howard Hughes war. In seinem Privatkino soll er eine Kopie des Films weit über 100 mal laufen lassen haben, und wenn er in Las Vegas war, wo er einen lokalen Fernsehsender besaß, pflegte er dort stets anzurufen, um die Ausstrahlung des Films zu bestellen. Paul Anka schrieb in seiner Autobiografie, dass man daran erkennen konnte, dass Hughes in der Stadt war: „You’d get back to your room, turn on the TV at 2 a.m. and the movie ‚Ice Station Zebra‘ would be playing. At 5 a.m., it would start all over again. It was on almost every night. Hughes loved that movie.“ Ich liebe diese Geschichte vor allem deshalb so sehr, weil sie so viel über Filmleidenschaft sagt. ICE STATION ZEBRA ist objektiv betrachtet – was immer das bedeuten mag – ganz gewiss kein Film, der solche Hingabe unbedingt erfordert. Und wären mir solche apodiktischen Behauptungen nicht zuwider, würde ich mich wahrscheinlich gar dazu hinreißen lassen, ihn als „schlecht“ zu bezeichnen – was nicht heißt, dass er mir nicht gefallen hat, doch dazu später mehr.

Der mit zweieinhalbstündiger Laufzeit viel zu lange Film ist ein recht kläglich gescheiterter Versuch, großes, buntes Abenteuerkino im Stile von THE GUNS OF NAVARONE (oder Sturges‘ THE GREAT ESCAPE) zu machen. Wie ersterer basiert auch ICE STATION ZEBRA auf einem Roman von Alistair MacLean, und er sollte 1963 unter Mitwirkung der NAVARONE-Stars Gregory Peck und David Niven in Produktion gehen. Daraus wurde jedoch nichts und als 1967 nach etlichen Rewrites endlich die erste Klappe fiel, war eine gänzlich neue Besetzung an Bord. Dem Erfolg tat das keinen Abbruch, auch wenn die Kritiker nicht gerade begeistert waren. Aber von der Größe des Vorbilds ist in ICE STATION ZEBRA nichts mehr zu sehen: Die ersten 90 Minuten des Films spielen ausschließlich an Bord eines U-Boots, danach begeben sich die Stars auf Expedition über einen im Studio nachgebauten Nordpol (wo sie in ihren dicken Jacken sicherlich brutal geschwitzt haben müssen). Die Geschichte ist durchaus interessant, die Spannung wird langsam aufgebaut, darf sich dann aber nie in dem Finale entladen, das man sehnsüchtig erwartet. Selbst der Showdown im Eis ist nicht mehr als eine zähe Verhandlung zwischen den von Captain Ferraday (Rock Hudson) angeführten Amerikanern und den Russen. 

Trotzdem übte ICE STATION ZEBRA einen mir unerklärlichen Reiz auf mich aus. Einen Teil meines Gefallens kann ich sicherlich auf die Schauspieler zurückführen: Vor allem Patrick McGoohan ist spitze als mysteriöser Geheimagent, aber auch Ernest Borgnine als neugierig-freundlicher Russe ist gewohnt toll und Rock Hudson ist halt Rock Hudson. Ich mag ihn einfach. Aber genauso wichtig ist diese mit äußerstem Ernst und Geduld erzählte Geschichte, die Suggestion, dies sei eben nicht bloß Kintopp, sondern großes, vielleicht gar tagesaktuelles Kino. Der Aspekt des Make-believe, der hier noch eine größere Rolle spielt als bei anderen Filmen, weil man ihm abnehmen muss, dass seine Studiosettings das Interieur eines U-Boots und der Nordpol sind. ICE STATION ZEBRA ist fürchterlich aus der Zeit gefallen, wirkt streckenweise wie ein B-Movie aus den Fünfzigern, das man mit einer Multimillionen-Dollar-Injektion gedopt hat. Diese Kluft zwischen dem was sein sollte und dem was ist, dazu diese fast comichaft-surreale Künstlichkeit: Das macht seinen Reiz aus. Es wundert mich nicht, dass zu den Fans des Films auch John Carpenter zählt, der ihn als ausgewiesenes guilty pleasure beschreibt, ohne jedoch genau erklären zu können, was er an ihm genau schätzt. Während des Films dachte ich noch, dass seine Settings und die Atmosphäre in der titelgebenden Eisstation etwas an sein THE THING erinnern, nun weiß ich, dass sich Carpenter hier ganz sicher hat inspirieren lassen. Und die Frage nach „gut“ und „schlecht“ macht dann tatsächlich keinen Sinn mehr. Warum an etwas herummäkeln, das so vielen tollen Menschen so viel Freude bereitet?