Mit ‘Patrick Stewart’ getaggte Beiträge

Endlich bekommt Wolverine den Film, auf den ich schon seit Singers erstem X-MEN warte. Für mich, der den grimmigen Logan erst sehr spät wahrnahm, war er immer mit den Comics der späten Achtziger und fühen Neunziger verbunden, als er in sprechblasenarmen, monochromen Bildern als wettergegerbter Loner mit sozio- und psychopathischen Tendenzen gezeichnet wurde. In den bisherigen Comicverfilmungen um die Supermutanten wurde das bestenfalls angedeutet, vielleicht auch, um Jackmans Potenzial als Leading Man für oscarnominierte Crowdpleaser, Mainstreamvehikel und RomComs nicht zu unterminieren. Mit dem unsäglichen X-MEN ORIGINS: WOLVERINE (noch immer die mieseste der neuen Comicverfilmungen) und dem enttäuschenden THE WOLVERINE bewegte man sich zwar grundsätzlich in die richtige Richtung, schaffte es aber dennoch nicht, brauchbare Filme zu produzieren. Und nun LOGAN, vom selben Regisseur, der den Vorgänger noch zu einem solchen Schnarchfest hatte werden lassen. Ein Film, der nicht nur im Rahmen seines Genres eine Sternstunde darstellt (was ehrlich gesagt nicht allzu schwierig ist angesichts des vorherrschenden Mittelmaßes), sondern als erwachsener, harter Spätwestern und grimmiger Actioner in einer Art und Weise überzeugt und begeistert wie zuletzt etwa George Millers MAD MAX: FURY ROAD.

LOGAN referenziert zwar die Ereignisse aus den vorangegangenen Filmen und setzt einen kompromisslosen Schlusspunkt unter die Geschichte vom Konflikt der „normalen“ Menschen mit den begabten Mutanten, aber tonal bricht er völlig aus dem bisherigen Einerlei aus. Optisch nähert er sich dem Western an (einmal schaut Xavier George Stevens‘ SHANE im Fernsehen, bevor der Film sich während einer Episode tatsächlich in eine kleine Hommage an den Klassiker verwandelt), wirft allzu überkandidelten Effekt-Bimbam komplett über Bord und funktioniert so eher wie eine in einem Paralleluniversum angesiedelte Was-wäre-wenn-Variation. Was wäre, wenn die Welt dieses Wolverine eben nicht von Freaks in coolen Anzügen besiedelt würde, die sich mit außerirdischen Superschurken herumplagen, wenn er stattdessen in unserer Welt lebte, einer Welt, in der Menschen bluten, wenn er mit seinen Adamantium-Klauen auf sie losgeht, in der Schusswunden Schmerzen verursachen und das Leben als „Superheld“ kein großes buntes Abenteuer ist, sondern eine erschöpfende Aneinanderreihung von Verlusten und Niederlagen? Wenn Superhelden nicht ewig jung blieben, sich von Comiczyklus zu Comiczyklus, Reboot zu Reboot erneuerten, sondern alterten wie ganz normale Menschen, an Kraft einbüßten, ermüdeten und den Tod herbeisehnten? Logan blutet, schwitzt und leidet, für die smarte Coolness, die ihn in den Singerfilmen zum Rockstar der X-Men machte, fehlen ihm die Energie und die Freude an der eigenen Kraft. Er hat einfach zu viele Freunde verloren, zu viele Menschen kommen und gehen sehen, zu viele Rückschläge erlitten, um dem Leben noch etwas abgewinnen zu können. Sein Ziehvater Professor Xavier (Patrick Stewart) ist mittlerweile an Alzheimer erkrankt, ein jämmerlicher Greis, der aufgrund seiner Begabung nicht in einem friedlichen Seniorenstift dahindämmert, sondern von Logans in einem bunkerartigen Verschlag irgendwo in der Wüste unter Verschluss gehalten wird. LOGAN ist ein Film über das Altern und die Müdigkeit, die einen befällt, wenn man das ganze Leben über gekämpft hat. Sein „Held“ will nicht mehr, er hat genug, aber sein Ruf eilt ihm voraus und zwingt ihn ein letztes Mal, sich für die Belange der Seinen einzusetzen. Er tut dies ohne falschen Idealismus, mit dem Mut der Verzweiflung und letzter Kraft, weil er ahnt, dass er sich damit das Recht auf den langen Schlaf verdient, den er so lang herbeisehnt.

Hugh Jackman war immer der charismatische Kern der etwas leblosen X-Men-Filme, aber auch massiv unterfordert mit einer Figur, deren Untiefen zwar immer wieder erwähnt wurden, aber letztlich bloße Behauptung blieben. Man fragte sich immer, wann dieser Wolverine denn endlich von der Kette gelassen würde, aber natürlich geschah das nie, weil die Macher der um ihn herum gebauten Filme gar kein Interesse daran hatten, dahin zu gehen, wo es wirklich wehtat, echte Emotionen zuzulassen und den Zuschauer mit unangenehmen Erkenntnissen über seinen zentralen Charakter zu konfrontieren. LOGAN ist mitunter geradezu absurd brutal und leichtes Entertainment oder gar „Spaß“ bereitet er nicht. Von Anfang an, wenn sein Titelheld von einigen Strauchdieben angegriffen wird und sie gnadenlos hinrichtet, weiß man, dass man hier kein Happy End zu erwarten hat, doch der Weg, den Mangold einschlägt, wird dann sogar noch steiniger, als man das erhofft hatte. Auch LOGAN kommt nicht ohne Pathos aus, aber er verdient sich das Recht dazu, weil sein Protagonist nicht nur die Umstände und den Gegner, sondern vor allem sich selbst überwindet. Die Schlusseinstellung ist nahezu perfekt und rundet eine zweistündige Reise ans Ende der Nacht ab. Es wird einen neuen Sonnenaufgang geben, auch dank Logan, aber er wird ihn nicht mehr erleben. Er geht dahin, wo es keine Schmerzen mehr gibt, nur noch Schlaf. Ich fürchte zwar, dass ihm die Ruhe nach diesem fulminanten Kracher nicht vergönnt sein wird, aber der Zuschauer darf frohlocken. Mit LOGAN geht das Filmdasein Wolverines erst richtig los.

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gr_webThematisch ist sich Saulnier nach BLUE RUIN treu geblieben. Stellte der viel beachtete Rachethriller die Konventionen des Subgenres auf den Kopf, in dem er einen hoffnungslos überforderten Zivilisten zum Racheengel machte, dessen Feldzug dementsprechen chaotisch und schmutzig verlief, lässt er in GREEN ROOM eine Gruppe naiv-idealistischer Nachwuchspunks gegen eine Bande organisierter, schwerkrimineller Skinheads antreten. Im Schlüsseldialog des Films berichtet Pat (Anton Yelchin) dann auch von einem Paintball-Match, in dem er und seine Freunde von Marines mit Kriegserfahrung auseinandergenommen worden sein – bis sich einer seiner Kumpel ein Herz gefasst und in Kamikaze-Manier über die Soldaten hergefallen sei und sie so auf dem falschen Fuß erwischt habe. Wenn Taktiererei nicht funktioniert, hilft manchmal der Frontalangriff.

Auch stilistisch greift Saulnier auf die bewährte Gegenüberstellung von atemloser Suspense, brutaler körperlicher Gewalt und atmosphärischen Bildern, mit denen er den Zuschauer immer wieder in eine Art Schwebezustand versetzt. Dass das diesmal nicht ganz so gut aufgeht wie im großartigen Vorgänger liegt an der arg gimmickartigen Prämisse und der Fokussierung auf blutigen, aber auch eindimensionalen Suvrvival-Horror, bei dem man die leisen Zwischentöne weitestgehend vermisst. GREEN ROOM ist ein Gewaltreißer und funktioniert als solcher ausgezeichnet,  hat darüber hinaus aber nur wenig Substanz zu bieten. Als Debüt wäre er ein durchaus beachtliches Werk, das Hoffnung auf mehr macht, nach BLUE RUIN ist er allerdings schon ein wenig enttäuschend. Zumal da so ein latenter autoritärer Zug mitschwingt: Saulniers Punk-Protagonisten sind im Grunde genommen weniger politisch motiviert wie sie von sich behaupten, sondern in erster Linie ein paar frustrierter Teenies, die mit ihrem prekär-improvisierten Lifestyle gern kokettieren, aber eigentlich noch nie echte Härten haben erfahren müssen. Überdies stellt sich im weiteren Verlauf des Films auch noch heraus, dass sie noch nicht einmal hinter ihrer Musik zu 100 % stehen: Über eine Interviewfrage nachdenkend, welche Band sie mit auf eine einsame Insel nehmen würden, verwerfen sie ihre zunächst getroffene Aussagen im Verlaufe des Films zugunsten mainstreamiger oder gar poppigern Musiker. Man hat so ein bisschen den Eindruck, Saulnier nehme die Rolle des Altvorderen ein, der naseweisen Posern eine Lektion erteilen wolle.

Dazu konfrontiert er sie mit Antagonisten, die nicht nur schwerkriminell, sondern auch noch Nazis sind. Die Chance, in einem Nazischuppen aufzutreten, nehmen die Kids nicht gerade begeistert wahr, aber es bleibt ihnen nichts anderes übrig, der Sprit fürs den Bandbus will bezahlt werden. Ihre Entscheidung, ihr Set mit einer Coverversion des Dead-Kennedys-Klassiers „Nazi punks fuck off“ zu beginnen, ist eher eine Geste juvenilen Omnipotenzwahns denn echter Zivilcourage oder gar politischer Überzeugung und der Gesichtsausdruck von Gitarrist Pat verrät, dass zumindest er eine opportunistischere Songwahl unbedingt bevorzugt hätte. Wenig später ist die Kacke am Dampfen: Als Pat eine frische Leiche im Backstageraum entdeckt und die Jungpunks daraufhin erst in eine Geiselsituation geraten, sich dann schließlich vor den draußen lauernden Verbrechern unter der Führung des grauen Wolfs Darcy (Patrick Stewart) verbarrikadieren müssen.

GREEN ROOM ist durchweg spannend, gerade im schweißtreibenden Aufbau der verfahrenen Situation ziemlich stressinduzierend und ausgesprochen schmerzhaft, wenn es ans Eingemachte geht. Funsplatter ist das definitiv nicht, trotzdem wirkt die Art, wie Saulnier das ganze Szenario zur größtmöglichen Eskalation treibt, schon ein wenig infantil, kein Vergleich zum klugen BLUE RUIN. Das Talent des Regisseurs blitzt immer wieder auf, etwa in der schönen Episode, mit der der Film beginnt, oder im Finale, das eher unspektakulär ist, anstatt noch einmal eine Schippe draufzulegen. GREEN ROOM macht das, was er macht, sehr ordentlich, aber er bleibt dann doch seinen engen Konventionen verpflichtet.

 

 

Bei der Expedition zum Halleyschen Kometen entdeckt die Besatzung der „Churchill“ ein gigantisches, offenbar außerirdisches Flugobjekt. Colonel Tom Carlsen (Steve Railsback) ordnet die Erkundung des Raumschiffes an und findet drei nackte menschliche Wesen in gläsernen Särgen, die er an Bord der „Churchill“ bringt, nicht ahnend, dass es sich um eine Rasse von Weltraumvampiren handelt, die sich von Lebensenergie ernähren. Als seine gesamte Besatzung dem weiblichen Vampir (Mathilda May) zum Opfer fällt, zerstört Carlsen das Raumschiff und entkommt mit einer Rettungskapsel. Doch die Trümmer der „Churchill“ werden geborgen und dabei gelangt die vampirische Verführerin nach London, wo sie den Virus wie eine Seuche verbreitet …

LIFEFORCE ist einer von drei Filmen, die Tobe Hooper in einem Paketdeal für die Cannon inszenierte (neben THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE PART 2 und INVADERS FROM MARS), und ein recht eindrucksvolles Beispiel sowohl für die großen Ambitionen von Menahem Golan und Yoram Globus als auch für das Scheitern dieser Ambitionen. In jeder Sekunde des Films erkennt man den Wunsch der Produzenten, großes, spektakuläres, lautes Blockbusterkino zu machen: LIFEFORCE hat eine Lauflänge von 110 Minuten, in seinen Weltraumszenen orientiert er sich an so großen Vorbildern wie ALIEN oder gar Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY, die aufwändigen Effekte überwachte John Dykstra, der nach seiner Arbeit für STAR WARS auf Jahre hinaus der Mann für große Weltraumepen war, für die Kameraarbeit zeichnete Alan Hume verantwortlich, der zuvor THE RETURN OF THE JEDI sowie diverse James-Bond-Filme fotografiert hatte, den Soundtrack komponierte Henry Mancini und das London Philharmonic Orchestra sorgte für dessen Interpretation. Auf der Handlungsebene erkennt man deutliche Parallelen zu den britischen QUATERMASS-Filmen, deren etwas staubig-klaustrophobisches Flair hier aber in einer riesige Materialschlacht verwandelt wird, in der es um nichts weniger als die Zukunft der gesamten Menschheit geht, was auch die zahlreichen Schauplatzwechsel widerspiegeln.

Doch obwohl also alle Zutaten für großes Eventkino vorhanden sind, will der Coup nicht so recht gelingen: Hoopers Inszenierung geht die notwendige Leichtfüßigkeit ab, die ein Steven Spielberg für jeden seiner Filme in die Wagschale werfen kann, und das Budget reichte nach der Investition in die Spezialeffekte wohl nicht mehr aus, um auch noch ein paar zugkräftige Stars zu verpflichten. Nichts gegen Steve Railsback, den ich tatsächlich sehr mag, aber für eine große Heldenrolle ist er irgendwie zu schräg und dies beeinflusst den ganzen Film, der merkwürdig unentschlossen zwischen Big-Budget-Spaß und B-Movie-Abseitigkeit schwankt. Schwerer wiegt jedoch, dass LIFEFORCE unnötig umständlich erzählt ist und nach der zwar ausgedehnten, aber atmosphärisch wie inhaltlich äußerst viel versprechenden Exposition eine halbe Ewigkeit braucht, um endlich wieder zum Punkt zurückzukommen, sich stattdessen auf in die Irre führenden Nebenpfaden herumschlägt. Dieses Manko lässt sich vor allem auf die Überfülle des Drehbuchs zurückführen, dass zahlreiche interessante Elemente und Motive einführt, diese dann aber in der gebotenen Zeit nicht zu einem befriedigenden Abschluss bringt, vielmehr Probleme hat, einen roten Faden zu finden.

Exemplarisch dafür steht das Thema sexueller Besessenheit, das der eher bunten Seite des Films eine düstere, erwachsene entgegenhält und der interessanteste Strang des Films ist: Der Mathilda-May-Vampir hat Carlsen als Opfer auserwählt und sich deshalb die weibliche Form gegeben, die dessen Idealbild der Frau entspricht. Carlsen ist ihr quasi hilflos ergeben, obwohl er doch weiß, welche Gefahr von ihr ausgeht. Sein Kampf gegen die Vampire ist damit auch ein Kampf gegen das eigene sexuelle Verlangen, das ihn zu zerstören droht, wenn er sich ihm nicht widersetzt. Dieser Konflikt entfaltet leider nie diee apokalyptische Durchschlagskraft, die zu Beginn angedeutet wird, weil ja gleichzeitig noch ein „normaler“ Weltuntergangsplot abgewickelt werden muss. Die Beziehung zwischen Carlsen und dem Vampir wird im weiteren Verlauf auf eine letztlich schematische gefährliche Liebschaft reduziert, die den unheimlichen Aufbau nicht wirklich rechtfertigt. Das ist alles sehr, sehr schade, weil LIFEFORCE mit ein paar kleinen Kürzungen und Korrekturen ein richtig guter Science-Fiction-Horrorfilm hätte werden können, der sich mit seinen Abseitigkeiten wohltuend vom Mainstreamkram abgehoben hätte. In der vorliegenden Form verhält es sich genau andersrum: Seine schrägen Idee stehen seinem Gelingen im Weg. Ich muss relativieren, denn LIFEFORCE ist immer noch sehenswert und originell und außerdem eine schöne Antwort auf all die Stimmen, die behaupten, die Cannon hätte ja immer nur billigen Trash fabriziert. Aber dass trotz all der mit teurem Effektzauber veredelten Bilder von der Apokalypse auf den Straßen des brennenden Londons ltztlich die beiden wohlgeformten Brüste und der Apfelpo der mackten Mathilda May vom Film im Gedächtnis bleiben, spricht Bände.