Mit ‘Paul Hubschmid’ getaggte Beiträge

Das amerikanische Kino der Siebzigerjahre wird unter Cinephilen gemeinhin sehr hochgehalten: Das New Hollywood brachte mutige, begeisternde und vor allem erwachsene Filme hervor, denen der Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung perfekt gelang. Das Jahrzehnt ist reich an unsterblichen Klassikern, die bis heute nichts von ihrer Kraft verloren haben. Aber die Siebziger sind auch deshalb faszinierend, weil die Kräfte des „old Hollywood“ längst noch nicht überwunden waren, dessen Erzeugnisse heute umso bizarrer wirken. Das Festhalten an etablierten, aber überkommenen Formeln und der verzweifelte Versuch, diese zu modernisieren, führten auch zu einem Film wie SKULLDUGGERY, der gewiss mit den besten Intentionen produziert wurde, aber beim heutigen (und wahrscheinlich auch schon dem damaligen) Betrachter nur noch ein Gefühl höchster Befremdung auslöst. Was um Himmels Willen hatten sich die Verantwortlichen dabei nur gedacht? Hatten sie überhaupt gedacht? Kam ihnen im Verlauf der Produktion wirklich nie in den Sinn, dass die Mär, die sie da auf die Leinwand zu bringen gedachten, haarsträubend idiotisch und dazu noch heftigst geschmacksunsicher war? Kaum vorzustellen, dass die Konstellation, in der man SKULLDUGGERY das grüne Licht geben konnte, ein zweites Mal irgendwo auf der Welt gegeben war bzw. sein wird. SKULLDUGGERY ist fürchterlich, aber eben auch sehr einzigartig. Ich liebe solche Querschläger, die die langweilige Professionalität Hollywoods durchbrechen und die Fehlbarkeit des Systems belegen. Und „Fehlbarkeit“ ist noch freundlich ausgedrückt angesichts der Unfassbarkeit dieses Teils …

Douglas Temple (Burt Reynolds) und sein Kumpel Otto Kreps (Roger C. Carmel) arbeiten auf einem Flugfeld in Neuguinea, saufen, leben in den Tag hinein und träumen von der großen Chance. Die ergibt sich, als eines Tages die Anthropologin Dr. Sybil Greame (Susan Clark) vorbeikommt. Sie will im Urwald das „missing link“ finden, das Bindeglied zwischen Mensch und Affe. Temple weiß, dass es im Forschungsgebiet große Phosphorvorkommen gibt, die er mit großem Gewinn verkaufen will. Zusammen mit Kreps dient er sich der Wissenschaftlerin erfolgreich als Helfer an. Am Ziel der Expedition angekommen, stoßen die Forscher tatsächlich auf einen bislang unentdeckten Stamm von freundlichen Affenmenschen, die sie flugs „Tropis“ taufen. Der Finanzier Vancruysen (Paul Hubschmid) will die Forschungsarbeit Greames unterstützen, aber er hat auch Interesse am Phosphor, das die Tropis nach einem genialen Einfall Temples selbst abbauen sollen. Als die sich bei der Arbeit bewähren, hat er aber eine noch einträglichere Idee: Er will die Tropis züchten und sie als billige Arbeitskräfte verkaufen. Temple ist empört, weil er die Tropis als Menschen betrachtet. Doch an genau dieser Definition scheiden sich die Geister. Dass sein Kumple Kreps eine Liebesbeziehung zu einem Tropi-Weibchen unterhält, das infolgedessen ein Kind von ihm erwartet, kommt gerade recht: Wenn ein Tropi das Kind eines Menschen austragen kann, kann es sich nicht um ein Tier handeln. Die Ereignisse kulminieren in einer Gerichtsverhandlung, in der die Frage gestellt wird, was den Mensch eigentlich zum Menschen macht …

Ja, ihr habt richtig gelesen: SKULLDUGGERY ist der Film, in dem ein Alkoholiker ein Kind der Liebe mit einem Affenmenschen zeugt und dies letztlich als zutiefst humanistische Handlung gezeichnet wird. Bevor ich die ziemlich haarsträubende Argumentation des Films betrachte, muss aber vorausgeschickt werden, dass das nicht alles ist, was an SKULLDUGGERY daneben ist. Der Film ist stilistisch dem bunten, exotistischen und kolonialistischen Abenteuerfilm verpflichtet, wie er 1970 schon reichlich vollreif vor sich hin gärte. Wie es für das Genre typisch war, gibt es den kernigen männlichen Helden, der die Schnapsflasche immer in Griffweite hat und sich seiner Herrlichkeit in Gegenwart eines weiblichen Wesens besonders bewusst ist. Diese weibliche Protagonistin verfügt zwar über Bildung und Intelligenz, ist dem moschusgeschwängerten Charme Temples aber hoffnungslos erlegen.  Flora und Fauna des exotischen Schauplatzes werden ausgiebig gewürdigt, natürlich darf auch der Besuch bei einem Eingeborenenstamm nicht fehlen, bei dem man freundlich empfangen wird, sich großzügig am Kokosnussbüffet bedient und den Häuptling mit einem Lippenstift belustigt. Hier ahnt man noch nicht, dass gut sechzig Minuten später Herrenmenschentum und Rassismus kritisiert werden.

Wenn die Tropis auftreten, nimmt SKULLDUGGERY fast disneyeske Züge an: Sie sind aber auch zu putzig, diese blonden, ganzkörperbehaarten Geschöpfe mit der lustigen Onga-Bonga-Sprache. Die Forscher sind geradezu entzückt von der arglosen Freundlichkeit der Tropis, die sie fortan wie liebgewonnene Haustiere behandeln. Dr. Greame beklagt einmal das Dilemma der Wissenschaft, die das, was sie betrachtet, durch diese Betrachtung immer auch verändert, aber als es darum geht, die Affenmenschen zu taufen oder sie in den Phosphorminen malochen zu lassen, sind diese Zweifel praktischerweise weit weg. Ist aber auch zu niedlich, wie ein besonders quirliger Tropi da mit Temples roter Schirmmütze und Latzhose in einer Lore aus der Mine gefahren kommt, die ein bisschen aussieht wie die kindgerechte Attraktion eines Vergnügungsparks. Gut, dass irgendwann Vancruysen auftritt, der den Part des geldgeilen, unmoralische Schurken bereitwillig annimmt und die Tropis schließlich zu Fortpflanzungszwecken wegsperrt. Temple platzt der die Hutschnur: Man dürfe die Tropis nicht versklaven, sie seien Menschen. Auf Vancruyens berechtigten Einwand, das habe ihn bei der Phosphormine ja auch nicht interessiert, entgegnet Temple sehr wenig überzeugend, dass da ja etwas „ganz anderes“ sein. Ähm, nein, denkt man da nur, aber SKULLDUGGERY schickt sich da schon an, die nächste Entgleisung zu vollziehen. Als Greame suggeriert, dass man das Menschsein der Tropis dadurch belegen könnte, dass sie sich mit einem Menschen fortpflanzen, ist Temple sofort ganz Ohr: „Wenn ein Mensch sie bumst, könnte man beweisen, dass sie Menschen sind?“ Die Pläne, ein attraktives Tropiweibchen zu prostituieren, werden schnell geschmiedet, mit Unterstützung der Wissenschaft. Gottseidank, dass der armselige Kreps schon längst zum Vollzug gekommen ist.

Ja, und dann wird diese haarsträubende Geschichte tatsächlich noch zum Gerichtsfilm, in dem ein weißer rassistischer Wissenschaftler Schwarze als minderwertig bezeichnet und das Mitglied einer Black-Panther-artigen Organisation die These zum besten gibt, dass die Tropis doch eigentlich weiß seien. Das arme Tropiweibchen, um das es geht, wird am Schluss in einem Käfig hereingerollt und kommt im anschließenden Tumult ums Leben: trauriges Schicksal für das Geschöpf, dem der Film so richtig übel mitspielt, um am Schluss seine „Der Mensch ist die wahre Bestie“-Message loswerden zu können. Nicht nur, dass sie von einem Säufer geschwängert wird, sie muss dann auch noch eine Totgeburt über sich ergehen lassen – eine Tatsache, die Temple, der Humanist, sogleich für sich zu nutzen weiß. Es ist schon erstaunlich, dass ein Film wie SKULLDUGGERY, der es wahrscheinlich gut gemeint hat und an dessen grundsätzlicher Aussage nichts auszusetzen ist, so gnadenlos daneben liegt in allem, was er tut. Ich saß nach dem milden Amüsement, das die erste, furchbar altbackene halbe Stunde des Films bringt, später nur noch mit offenem Mund da, war mir nach Reynolds „Bums“-Spruch zunächst ganz sicher, mich verhört zu haben: Irrtum! Der Verve, mit dem die Macher hier für die Menschlichkeit kopfüber in die Jauche sprangen, ist beachtlich. So, wie am Ende des Films für die Protagonisten viele offene Fragen bleiben, wirft SKULLDUGGERY auch so manche auf. Aber er bringt immerhin auch eine Erkenntnis: Der Weg in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Und das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

mann_mit_den_tausend_masken_der_querPaul Finney (Paul Hubschmid), Codename „Supersieben“ (in der internationalen Fassung und im wunderbaren Titelsong „Upperseven“), ist der Topagent des britischen Geheimdienstes. Besonders berüchtigt sind seine Verwandlungskünste: Er stellt nicht nur seine eigenen, den Originalen aus Fleisch und Blut täuschend echt nachempfundenen Masken her, sondern ist auch ein Meister der Stimmenimitation. Diese Wandlungsfähigkeit hat zur Folge, dass nicht einmal sein ärgster Feind, der Superschurke Kobras (Nando Gazzolo), weiß wie Supersieben wirklich aussieht. Das kommt dem Agenten bei den Ermittlungen in seinem neuesten Fall besonders zugute: Es geht um Goldschmuggel, die Befreiung eines berühmten Juwelendiebes aus dem Arbeitslager und das Abzweigen von Millionen, die eigentlich als Gegenleistung für eine Diamantenlieferung als Entwicklungshilfe nach Südafrika gehen sollten. Supersieben zur Seite steht die amerikanische Agentin Helen Farheit (Karin Dor) …

Ich gestehe, dass ich der Handlung, die die Protagonisten im Eiltempo von Kopenhagen über London nach Rom, Basel und schließlich nach Johannesburg und Kapstadt führt, nicht wirklich folgen konnte. Als megalomanischer Superverbrecher wäre ich ein totaler Reinfall, denn was genau Kobras mit seinem übermäßig komplizierten Plan eigentlich bezwecken wollte, ist mir im Tohuwabohu durch die Lappen gegangen. Aber irgendwie ist das bei diesem Film auch reichlich egal. Wer es bis hierhin noch nicht mitbekommen hat: DER MANN MIT DEN TAUSEND MASKEN ist ein typischer Vertreter der Eurospy-Welle, die in den Sechzigerjahren durch die europäischen Kinos schwappte, ausgelöst durch das Seebeben der immens erfolgreichen Bond-Serie. Die Besetzung von Paul Hubschmid als Connery-Surrogat ist gewissermaßen ein no brainer: Der Schweizer genoss seinerzeit großen Ruhm im europäischen Filmgeschäft, galt als Frauenschwarm und präsentierte sich nach außen als distinguierter Gentleman, dessen Image auch die vielen Weibergeschichten nichts anhaben konnten, im Gegenteil (so wie Will Tremper es in seinen Filmmemoiren „Große Klappe“ erzählt, trieb Hubschmid mit seiner Vielweiberei nicht nur seine ihm treu ergebene Ehefrau in den Selbstmord, sondern anschließend auch die Schauspielerein Renate Ewert, die Frau, mit der er seine Gattin betrogen hatte). Er war zumindest auf dem Papier so etwas wie die Idealbesetzung für den cleveren, weltgewandten „Supersieben“, dem die Kollegin Farheit schon nach dem ersten Blickkontakt nicht mehr widerstehen kann. Was Hubschmid in der Praxis dann jedoch fehlt, ist jenes Maß an Selbstironie, das Connery trotz ausgestelltem Chauvinismus zum Sympathieträger machte, von seiner körperlichen Präsenz mal ganz abgesehen. Ähnliches lässt sich auch über De Martinos Regie sagen: Die wenigen Filme, die ich von ihm kenne (L’ANTICRISTO und HOLOCAUST 2000), unterscheiden sich von den Werken seiner italienischen Kollegen durch eine gewisse Ruhe und Sachlichkeit, die er dem Griff in den Schweinetrog vorzieht. Was im Falle seines THE EXORCIST-Rip-offs zu einem Werk unerwarteter Klasse führt, macht seinen DER MANN MIT DEN TAUSEND MASKEN aber zu einer zwar professionell gefertigten, aber dabei irgendwie freudlosen Angelegenheit, für die lediglich ein paar stullige Drehbucheinfälle und eine auffallende Ruppigkeit sprechen.

Gleich zu Beginn bringt Supersieben einen kleinen Kasten an einem Wagen an, der sich jedoch mitnichten als Peilsender erweist: Stattdessen tropft daraus eine fluoreszierende Flüssigkeit, die eine Spur hinterlässt, der der Agent dann auch in der tiefsten Nacht zu folgen in der Lage ist. Seine Verwandlungsfähigkeit demonstriert er wenig später einem Multimillionär (Paul Hubschmid), den er vor dessen eigenen Angestellten imitiert und sie sogar dazu bewegen kann, ihm die geheimen Geschäftsbücher zu zeigen. Er präsentiert dem staunenden Mann diese Stippvisite als Super-8-Film, der die Frage nach dem Kameramann aufwirft, der das alles unbemerkt mitfilmen konnte. Als hinterhältiges Supersieben-Girl findet Rosalba Neri ein mitleidloses Ende. Zwar becirct sie den Agenten mit einem hübschen Liedchen, doch lässt der sich von ihr nicht täuschen. Er prügelt sie ohne jede Vorwarnung mit dem Handrücken durchs Schlafgemach und stößt sie dann kurzerhand und voller Abischt in die Schusslinie des eigentlich für ihn bereitstehenden Killers. He’s got 99 problems but a bitch ain’t one. Die eigentliche USP dieses Agenten, seine schon im Titel gepriesene Verwandlungsfähigkeit, ist auch eher ein müder Vorwand. Erst ganz am Ende kommen zwei Gummimasken (= Doubles) im besten MISSION: IMPOSSIBLE-Stil zu Einsatz, vorher begnügt sich Supersieben mit Klebeschnurrbärten aus dem Karnevalsbedarf, die seine markanten Gesichtszüge nur vor vollkommen Merkbefreiten verbergen können.

Bleibt unter’m Strich also ein Eurospy-Film, der handwerklich vielleicht ein Stück besser ist als der Durchschnitt, gerade dadurch aber einen Gutteil des Charmes, der dem Genre eigentlich innewohnt, einbüßt. Für einen „richtigen“ Agentenfilm ist DER MANN MIT DEN TAUSEND MASKEN einfach nicht spannend genug, für bonbonbunte Psychotronik zu seriös. Eher langweilig also.

In einem im Urwald von Thailand versteckten Diamantencamp quält der Menschenschinder Yakiris (Gianni Rizzo) arme, mittellose Teufel zu Tode. Die wertvollen Steinchen schmuggelt er nach Europa, wobei er ihm ein Gauner namens „der gelbe Tiger“ (Philipe Lemaire) immer wieder zusetzt. Das „Syndikat“, eine internationale Gruppe von Diamantenhändlern, beobachtet dieses illegale Treiben mit Sorge und schickt deshalb einen Mann nach Thailand. Vor Ort treffen wenig später der Journalist Werner Homfeld (Paul Hubschmid), der an einer Geschichte über den Diamantenhandel recherchiert, die Wissenschaftlerin Dr. Vivian Lancaster (Marianne Hold), die auf einer Schlangenfarm arbeitet, der schlagkräftige Amerikaner Joe (Brad Harris), die abenteuerlustige amerikanische Millionärin Gloria Pickerstone (Dorothee Parker) und ihr Butler Archibald (Chris Howland) sowie der mysteriöse Vermeeren (Horst Frank), der alle im Unklaren lässt, welche Interessen er verfolgt, aufeinander. Sie geraten in die Kämpfe zwischen Yakiris und dem gelben Tiger und setzen ihr Leben schließlich bei einer Reise an den Mekong, in die titelgebende „Diamantenhölle“ aufs Spiel …

Wenn man dieses mit exotischen Schauplätzen, prächtigen Farben, kernigen Typen und schönen Frauen, Explosionen, Faustkämpfen und Schießereien, wilden Tieren, funkelnden Diamanten und markigen Sprüchen auf die Vollbedienung eines nach Unterhaltung lechzenden Publikums abzielende Spektakel bewundert, kann man nur um das Ableben des Abenteuerfilms trauern. Das einst so beliebte Genre ist völlig im Actionfilm und im Drama aufgegangen und niemand käme mehr auf das schmale Brett, die Massen allein mit der Erwähnung irgendeines weit entfernten Ortes ins Kino locken zu können. Damals war das anders, den Pauschaltourismus, wie wir ihn heute kennen und längst als selbstverständlich erachten, gab es noch nicht, und während wir das Flugzeug mittlerweile als ganz normales Fortbewegungsmittel wahrnehmen, lud der Durchschnittsbürger vor 50 Jahren eben noch die ganze Familie ins Auto und führ mit ihr an die Nordsee. Das Kino bot vielen mithin die einzige Möglichkeit, all jene Orte, von denen man im Erdkundeunterricht gehört hatte, zu besuchen und Produzenten wie Wolf C. Hartwig wussten, das auszunutzen. Die Geschichte von DIE DIAMANTENHÖLLE AM MEKONG ist dann auch merklich zweitrangig: Wichtig ist, dass die Zutaten stimmen, und das ist hier ganz ohne Zweifel der Fall.

Mit Paul Hubschmid und Marianne Hold bot Hartwig zwei der zu jener Zeit beliebtesten Kinostars auf, Horst Frank stand damals schon für Zwielichtigkeit und Coolness, die Anwesenheit von Brad Harris versprach schlagkräftige Action und mit Chris Howland war auch für den nötigen Witz gesorgt. Die Personenkonstellation wird immer wieder bunt durcheinandergewirbelt, an jeder Ecke wartet irgendein Finstermann, der Böses im Schilde führt, und garantiert endet jede zweite Szene mit einem Faustkampf, einem vereitelten Mordanschlag oder einem Toten mit Blei in der Brust bzw. der Ansichtskarte aus Solingen zwischen den Schulterblättern. Besonders rührend wird es, wenn mittels Archivmaterial ein paar Elefanten in den Film geschnitte werden, die nicht nur anhand der sie umgebenden Savannenlandschaft unschwer als afrikanischen Ursprungs identifiziert werden können. Egal, Hauptsache, es ist immer was los. DIE DIAMANTENHÖLLE AM MEKONG ist erstaunlich ruppig, der Body Count beachtlich und die Schindereien, die Yakiris seinen Sklaven angedeihen lässt, kündigen bereits die Gewaltzelebrierungen an, mit denen das Exploitationkino seine Zuschauer im folgenden Jahrzehnt  locken würde. Aber diese Härten können das sonnige Gemüt des Films nicht wirklich trüben. Am Ende fliegt alles in die Luft, nur die Hütte, in der die fesche Vivian gefangen gehalten wird, bleibt verschont, weil Homfeld die brennende Zündschnur mit einem gezielten Messerwurf durchtrennt, die Schurken beißen ins Gras oder werden verhaftet und alle haben sich lieb.Ich diesen Film auch, allein für diesen tollen Dialogsatz, mit dem der gemeine Yakiris Vivian an sich binden will: „Entweder sie leben mit mir im Wohlstand oder ich richte ihre Freunde!“ Wer die Wahl hat …

Die Geschichte von PLAYGIRL, oder BERLIN IST EINE SÜNDE WERT, wie er ursprünglich heißen sollte, Trempers viertem und vorletztem Spielfilm, seinem letzten in Deutschland, beginnt schon während der Dreharbeiten zu DIE ENDLOSE NACHT: Schon da tauchte die Renzi, die damals noch Evelyn Renziehausen hieß, am Set auf und bat um die Möglichkeit, in seinem Film mitzuspielen. Tremper bot ihr an, im Bildhintergrund ihren Freund zu küssen, vergaß sie jedoch über der Arbeit und vertrieb die schon damals über ein, ähem, „gesundes“ Selbstbewusstsein verfügende Frau, die wutentbrannt über diese Schmach den Drehort verließ. Laut Trempers Buch „Große Klappe“ soll sie auf der Party, auf der sie nach ihrer Flucht landete, geschwängert worden sein: Anouschka Renzi wäre demnach das Ergebnis eines gescheiterten Filmengagements.

Nach dem Ende der Dreharbeiten, DIE ENDLOSE NACHT lief mittlerweile im Kino, begegnete Tremper der Renzi erneut. Sie war schwanger und gab ihm offen die Schuld daran – schließlich wäre nichts passiert, hätte er sie damals nicht vergessen –, war aber immer noch erpicht darauf, als Schauspielerin Karriere zu machen. Ihrer Schönheit und ihrem forschen, frechen Auftreten erlegen, plante Tremper sogleich einen Film mit dem Titel „Das Ärgernis“, der von der ungewollten Schwangerschaft einer jungen, hübschen Frau handeln sollte. Doch auch dieser Film scheiterte noch in der Planungsphase am Eigensinn der Renzi, die sich damals schon für einen Superstar hielt, der genau das zustand, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte: Sie hatte sich gegen eine Vertragsklausel widersetzt, die ihr verbat, über den Film zu reden oder gar eigenmächtige Promotermine wahrzunehmen. Tremper, wissend, dass er sie an der kurzen Leine halten musste, um nicht völlig die Kontrolle über sie zu verlieren, blieb konsequent und ließ „Das Ärgernis“ kurzerhand platzen. Es bedurfte einer dritten Begegnung der beiden, um der Renzi mit PLAYGIRL, ihrem Spielfilmdebüt, zu einer kurzen Weltkarriere – ihr Eigensinn und ihre Unfähigkeit zur Diplomatie verhinderten einen anhaltenden Erfolg – und ihrer 13 Jahre dauernden Ehe mit Paul Hubschmid zu verhelfen.

Bildschirmfoto 2014-02-22 um 12.02.46Angeblich meldete sich Eva Renzi via Telefon bei Tremper, um ihm von ihrem Entschluss zu berichten, nach New York zu gehen und es am Broadway zu versuchen. Immer noch begeistert von ihrer Art und von ihrer umwerfenden Schönheit sowieso, „überredete“ er sie schließlich zu einem erneuten Anlauf. Flugs improvisierte Tremper eine Prämisse für den Film – eine  gebürtige Berlinerin, ein Starlet, das den Männern gewohnheitsmäßig die Köpfe verdreht, Alexandra Borowski, kehrt als Erwachsene in die deutsche Metropole zurück und versucht dort ihren Weg zu gehen, wobei natürlich diverse Männergeschichten nicht fehlen dürfen. Es war kaum mehr als ein leichter Story-Überwurf für seinen weiblichen Star, der Tremper mit PLAYGIRL eine Bühne bereitete, auf der sie ihre Persönlichkeit ungehindert entfalten durfte. Das tat sie dann auch, allerdings nicht nur zu seinem Vergnügen. Als sie an einem wichtige Drehtag einfach nicht erschien, unauffindbar blieb und alle in Sorge versetzte, nur um dann doch noch aufzutauchen und sich damit zu entschuldigen, dass sie lieber einen Fototermin wahrgenommen hatte, hätte Tremper sie nach eigener Beschreibung beinahe mit einem Stuhl erschlagen. Das Verhältnis der beiden erholte sich nicht mehr davon, Tremper gab Regieanweisungen nur noch über einen Dritten an sie weiter und kurbelte den Film danach mehr oder weniger leidenschaftslos herunter:

„[…] nun fehlte nur noch der Schluß. Meine Leidenschaft für die Renzi aber war inzwischen auf Null gesunken. Ich saß mit meiner Cutterin Ursula Wöhrle bei Geyer im Schneideraum und mußte mich täglich fragen lassen: Wie endet das Ganze? Um hilflos immer wieder zu antworten: Ach, irgendwie, ist doch scheißegal. Wahrscheinlich heiratet der Leipnitz sie, und sie kriegen Kinder. So what? […] Das Ergebnis wirkte, in der Tat, wie ein Eimer Wasser ins Gesicht der Zuschauer, die sich anderthalb Stunden lang an einem relativ originellen Film erfreut hatten. Die Kritiker, die durch die Bank Gefallen an PLAYGIRL gefunden hatten, wurden ohne Ausnahme wütend über diesen Schluss. Aber mir war das zu diesem Zeitpunkt wirklich ,scheißegal‘. Die Luft war raus aus dem Unternehmen Eva Renzi. Ich war ja nicht angewiesen darauf, daß ich Filme machte.“

Dieser Haltung, die am Ende verantwortlich dafür war, dass PLAYGIRL die Kritiker verärgerte, verdankte der Film aber auch erst jene Frische und Unbekümmertheit, die ihn auszeichnen und ihm auch heute noch jenen Charme und jene Atmosphäre verleihen, die ihn einzigartig machen. Tremper verfolgt wie schon bei DIE ENDLOSE NACHT keinen strikten Plan, er entwirft lediglich Situationen für seine Darsteller, gibt ihnen Stichworte, um dann zu schauen, was passiert, sich überraschen zu lassen. Viele Szenen werden auf dem Fleck improvisiert und gewinnen dadurch eine Lebendigkeit, die ein ausgefeiltes Drehbuch nicht ersetzen kann. Dann immer wieder brillante Dialogeinfälle: Die Szene, in der Alexandra Borowski (Eva Renzi) den 20 Jahre älteren Unternehmer Joachim Steigenwald (Paul Hubschmid) – als sein Büro diente das von Axel Springer – auf den Krieg und „diesen Hitler“ anspricht, zwei Dinge, die für sie so fremd sind wie Märchen, für ihn aber ein Stück lebendige Vergangenheit bedeuten, sagt mehr darüber aus, wie es in Deutschland, vor allem im geteilten Berlin der ersten Nachkriegsjahrzehnte, gewesen sein muss, als Dutzende von pädagogisch wertvollen Dokumentationen. Ein kurzer Auftritt von Paul Kuhn am Klavier, einen verschlafenen Blues improvisierend, kristallisiert jenen Schwebezustand zwischen Müdigkeit und Euphorie nach einer tollen Nacht, Dutzende interessanter Figuren streifen durch den Film, wecken kurz unsere Aufmerksamkeit und verlassen uns dann wieder, wenden sich ihrem Leben jenseits der Kamera zu, ohne noch weitere Gedanken an uns zu verschwenden.Bildschirmfoto 2014-02-21 um 23.25.48Und dann immer wieder Eva Renzi: Die verzaubert die Kamera, spielt ihr Spiel mit ihr, wird von ihr zärtlich und bewundernd umschmeichelt, umgarnt und angeflirtet, genießt es im Gegenzug, den männlichen Zuschauer anzumachen, zu teasen, wie sie das wahrscheinlich mit Tremper, Leipnitz und Hubschmid tat. Sie zeigt ihre Reize, ohne sich aufzudrängen, bewahrt ihr Mysterium und eine gewisse Unnahbarkeit. Sie macht wahrscheinlich 75 % des Films aus, bringt jene Unbekümmertheit mit, die wohl nur ein Amateur besitzt, jemand, der keinerlei Wissen über Schauspielerei mitbringt, aber trotzdem ganz genau weiß, wie er sich vor der Kamera bewegen muss. Aber ein Film, der sich ganz seiner Hauptdarstellerin ausliefert, sie gerade in ihrer Impulsivität und Spontaneität bestärkt und sie möglichst wenig einengt, macht sich eben auch entscheidend von ihr abhängig: PLAYGIRL mäandert zwischendurch ziellos umher, auf der Suche nach dem Leben. Er ist Ebbe und Flut, hat die Aufmerksamkeit des Zuschauers mal ganz fest in der Hand, nur um sie dann wieder loszulassen. Und man spürt, wie ihm (und Tremper) gegen Ende die Geduld und die Puste ausgeht, den Launen der Renzi weiter zu folgen. Sie ist ein Playgirl: Ganz Ich, und alles um sie herum ist für sie immer nur im Bezug auf ihr eigenes Selbst interessant. PLAYGIRL kulminiert dann auch in einem Solotanz: Die Renzi allein auf der Bühne einer menschenleeren Halle, völlig aufgelöst und verloren in der Musik, Leipnitz und Hubschmidt auf der Balustrade, das Objekt ihrer beider Begierde gleichermaßen bewundernd wie resigniert beobachtend: Sie werden sie niemals ganz besitzen.

Bildschirmfoto 2014-02-22 um 12.12.57

blondefrachtDer Pilot Brad Webster (Steve Cochran) ist arbeitslos, seitdem er vor einigen Monaten einen Absturz verursachte, den er als einziger überlebte. Als er nach einer Kneipenschlägerei in Lissabon im Knast landet, holt ihn der Polizeichef Commarro (Paul Hubschmid) raus und überreicht ihm ein neues Jobangebot, dessen eigentlicher Überbringer ermordet wurde. Webster soll in Mozambique als Pilot für einen gewissen Colonel Valdez arbeiten. Aus Mangel an Alternativen nimmt er das Angebot an. Auf dem Weg in die portugiesische Kolonie lernt er die blonde Sängerin Christina (Vivi Bach) kennen, die auch dem Ruf Valdez‘ folgt und ebenso wenig weiß, was sie dort erwartet. Vor Ort muss Webster erst einmal feststellen, dass sein Arbeitgeber bereits tot ist. Stattdessen arbeitet er nun für den zwielichtigen Da Silva (Martin Benson), der im Clinch mit Valdez‘ Witwe Ilona (Hildegard Knef) liegt. Fragen nach dem genauen Zweck des Unternehmens mag ihm niemand beantworten und dann verschwindet auch noch Christina. Neben anderen kriminellen Tätigkeiten betreibt Da Silva offensichtlich auch einen gut gehenden Mädchenhandel …

Nach 24 HOURS TO KILL ein weiterer bunter, an exotischen Originalschauplätzen entstandener Abenteuerfilm mit internationaler Starbesetzung aus der Schmiede von Harry Alan Towers. Der klassische Noir-Beginn – der ausgebrannte, aber unverdrossene, raubeinige, aber korrekte Held, der an einem fremden Ort in eine dubiose Organisation gezogen wird und auf der Suche nach Antworten eine Mauer des Schweigens und eine mysteriöse Frau trifft – zieht den Betrachter gleich in den Film hinein, vom Start weg ist das Geschehen interessant und angemessen mysteriös. Leider bleibt das nicht über die gesamte Spielzeit so. Der deutsche Verleihtitel BLONDE FRACHT FÜR SANSIBAR ruiniert die Spannung mehr als nur ein wenig, klingt aber dafür zugegebenermaßen gut und versieht den Film mit eben jener Schmierschicht, die der Originaltitel schamhaft vermeidet. Wenigstens in einer Hinsicht wird der deutsche Zuschauer also getäuscht, denn auf krasse Geschmacklosigkeiten wartet man vergebens. Es geht alles sehr gesittet und züchtig zu und selbstverständlich rettet Brad seine Christina, bevor man sich an ihr vergreifen kann. Letzten Endes wird eine recht handelsübliche Verbrecherklamotte abgespult, bei der es um das Vermögen des toten Valdez geht. Verschiedene Parteien beanspruchen das Vermögen für sich und geraten sich dabei in die Haare. Am Ende beißen die Schurken ins Gras oder werden verhaftet und der Held darf die blonde Schöne als Prämie mit nach Hause nehmen.

Nach dem viel versprechenden Auftakt pendelt sich MOZAMBIQUE also auf mittlerem Erregungsniveau ein, in sicherer Distanz zu den entgegengesetzten Polen „Spannung“ und „Langeweile“. Das alles ist ganz nett anzusehen, Steve Cochran gibt einen schön lässigen, vor allem nicht zu attraktiven Helden ab – er starb leider noch im selben Jahr mit gerade mal 48 Jahren an einer Lungeninfektion auf hoher See –, unsere Hildegard schlonzt auf ihre unnachahmliche Art das schöne Lied „Das geht beim ersten Mal vorbei“ herunter und das Finale an den Victoria Falls liefert die gewünschten Schauwerte – und serviert das Sahnehäubchen mit Kirsche obendrauf wenn Dietmar Schönherr zu Tode stürzt. Ein paar nette, für die Zeit typische politische Unkorrektheiten gibt es als Bonus, wenn etwa Brad seiner Christina vorschlägt, man könne ja in Mozambique bleiben und „Buschneger werden“. Ich habe 95 Minuten schon besser verbracht, aber ganz sicher auch noch deutlich schlechter.