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twisted nightmare (paul hunt, usa 1987)

Veröffentlicht: Oktober 27, 2017 in Film
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Wenn ich manchmal nichts Besseres zu tun habe, versuche ich mir meine anhaltende Liebe für den Slasherfilm der Achtzigerjahre zu erklären. Ich frage mich dann, warum ich mir immer wieder solche Sachen wie TWISTED NIGHTMARE anschaue, wo ich doch weiß, dass die Chance, mal wieder etwas halbwegs Brauchbares erwischt zu haben, langsam aber sicher gen null tendiert. Noch mehr wundert es mich aber, warum ich selbst an solchem Bodensatz immer noch ein perverses Vergnügen finde. TWISTED NIGHTMARE ist großer Käse, aber ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ein Teil von mir diesen Käse nicht ziemlich schmackhaft fand.

Was ist es also?  Sind es die furchtbaren Teenie-Darsteller in ihren gruseligen Klamotten? Die rätselhafte Vorstellung von jugendlichem Vergnügen, die diese Filme immer wieder transportieren? Der staubige Billiglook? Die selbstgebastelten Slasherkostüme? Die unbeholfene Art, Zeit zu schinden? Ich schätze, es ist die Kombination aus all diesen Elementen. TWISTED NIGHTMARE habe ich gestern im Zustand fortgeschrittenen Rausches und zu später Stunde gesehen. Teilweise bin ich weggedriftet, dann kurz vor Schluss eingepennt. Teile des Films sind einfach weg, da wo sie hingehören, anderes werde ich aus unerklärlichen Gründen wahrscheinlich nie mehr vergessen: dieses arme Pärchen, das von den Kumpels erst in eine Blockhütte am Arsch der Welt geladen wird und dann auch noch das Pech hat, beim Verlosen der Schlafplätze den Wohnzimmerfußboden zu ziehen. Warum wundern sich alle, dass er daraufhin ausrastet? Mein Verständnis von „Spaß“ sieht auch definitiv anders aus. Dieser Streit führt zur Spaltung der Gruppe und zu einer weiteren Fragmentierung der eh schon nur rudimentär vorhandenen Handlung, denn nun gilt es gleich mehreren kleinen Splittergrüppchen beim Totschlagen der Zeit beizuwohnen. Es wird irrsinnig viel im Wald rumgelatscht, bevor es dann auch der letzte bemerkt, dass ein Killer sein Unwesen treibt. Die Mordszenen sind sogar ganz effektiv und zupackend geraten, aber mehr als an der Regie liegt das am Score, der mit preiswertem Industrialgeschepper und unheilvollem Dröhnen viel Stimmung macht, wo einfach nur ein paar Knallchargen in Clinch gehen.

Meine Lieblingsszene ist gewiss der Auftritt des ca. hundertjährigen Sheriffs, der im Schneckentempo durchs Bild latscht, stehenbleibt, um sich etwas bedeutungsschwer anzuschauen, und dann einfach weitergeht. Die Sinnlosigkeit des Daseins und die Hybris des Menschen wurden nie prägnanter in Szene gesetzt. Für solche Unzulänglichkeiten liebe ich Slasherfilme, deren Langeweile für mich mittlerweile eine fast meditative Wirkung hat. Man muss es so sehen: Viele Menschen hätten ohne das Aufkommen des Slashers niemals einen Film gedreht. Viel Schrott wäre mir erspart geblieben, aber wahrscheinlich erinnern sich die Darsteller von TWISTED NIGHTMARE heute noch gern an dieses tolle Wochenende im Wald, wo der eine Dünnschiss hatte und der andere dem Kameramann aufs Maul gehauen hat. Ist der Slasherfilm gar ein entfernter Verwandter des Urlaubsvideos? Gerade die Tatsache, dass die Filme alle gleich sind, macht ihre ureigene, genuine Scheißigkeit ja so leuchtend. Man sieht hier Fressen, die man so nirgendwo sonst zu sehen bekommt, an Orten, wo man nie hinwollte, bei Tätigkeiten, die für sich genommen hohl sind, aber auf Zelluloid gebannt und für ein HD-Medium restauriert zum Denkmal für die menschliche Dummheit erhoben werden.