Mit ‘Penelope Ann Miller’ getaggte Beiträge

Als ein Ladenbesitzer und ein Polizist kurz hintereinander von einem Täter erschossen werden, wird der ausgebrannte Jerry Beck (Don Johnson) mit dem Fall betraut. Sein Verdacht fällt schnell auf den Vorbestraften Bobby Burns (Frank Military), der auf Bewährung frei ist und aus dem Hell’s-Angels-Umfeld stammt. Wie Becks Ermittlungen ergeben, ist Burns einer der Fußsoldaten einer paramilitärischen Neonazi-Bewegung, die von einem reichen Prediger finanziell unterstützt und ideologisch unterfüttert wird …

Das Poster verspricht einen Badass-Actioner um einen entschlossenen Cop mit locker sitzender Wumme, aber über weite Strecken ist Frankenheimers DEAD BANG ein eher gemäigter Copfilm mit einem sehr menschlichen Helden. Don Johnsons Beck unterscheidet sich fundamental von den das Kino seiner Zeit bevölkernden, am Rande der Legalität agierenden und soziale Kompetenz vermissen lassenden Cops. Er ist intelligent, ordentlich gekleidet und sich nicht zu schade, Ermittlungsarbeit am Schreibtisch zu leisten. Er ist in der Lage, sich zu artikulieren und wenn er über die Stränge schlägt, gibt es zwar Beschwerden, aber keine gebrochenen Nasen, zerstörten Autos oder verwüstete Straßenzüge. Allerdings hat auch er ein Problem: Seine Frau hat ihn verlassen und verbietet ihm, seine Kinder zu sehen. Aus der Verzweiflung darüber resultiert ein Alkoholproblem, das ihn aber nie so stark beeinträchtigt, dass er seine Arbeit nicht mehr machen könnte. Beck ist ein differenzierter, glaubwürdiger und sympathischer Charakter und es ist vor allem Johnsons Spiel, das DEAD BANG sehenswert macht, einen Film, der insgesamt eher flüchtig und unbedeutend scheint.

So richtig kicken will er nicht, auch wenn er durchweg gutes Entertainment bietet. Das liegt wohl auch daran, dass diese Art von Film heute ziemlich überkommen wirkt: Actionkrimis ohne Gimmick und Over-the-Top-Effekte, aber auch ohne ostentativ vor sich her getragenen Authentizitätsanspruch gibt es heute einfach nicht mehr. DEAD BANG erinnert ein bisschen an eine aufpolierte und ernstere Version einer Episode einer beliebigen in den Achtzigerjahren populären Serie. Natürlich ist das alles größer, aufregender und aufwändiger, aber man hat auch nie wirklich den Eindruck, dass hier ein unangenehmes Thema aufgegriffen würde, eine ernsthafte Auseinandersetzung stattfände, es wirklich um etwas ginge. Die Neonazis bieten in erster Linie ein illustres Schurkenpotenzial, das vom US-amerikanischen Alltag aber relativ weit weg scheint. Und wenn DEAD BANG dann doch einmal richtig bissig wird, etwa als Beck im amerikanischen Hinterland einem rassistischen Sheriff begegnet, dann wendet er sich schnell genug wieder anderen Dingen zu, sodass kein allzu beunruhigendes Gesambild entsteht. Ich möchte DEAD BANG keinesfalls als verlogen oder feige bezeichnen, aber das alles trägt dazu bei, dass einen das Geschehen nie direkt betrifft.

Richtig schön ist der Auftritt von William Forsythe, der als spießiger FBI-Agent weit abseits seiner sonstigen Rollenprofile agiert und dabei eine durch und durch überzeugende Vorstellung abgibt. Ein anderer Regisseur hätte ihn wahrscheinlich zum grellen Comic Relief degradiert, unter der Regie von Frankenheimer bleibt seine Figur eine ständiger Quell der Irritation. Einmal konfrontiert er Beck in völliger Ernsthaftigkeit, dass er dessen rüden Umgangston nicht dulde und als gläubiger Christ keine Unflätigkeiten erlaube. Beck kann nicht anders, als völlig entgeistert dreinzugucken. Er glaubt an einen Scherz, erkennt dann aber, dass es seinem Gegenüber ernst ist. Das bleibt ebenso im Gedächtnis wie die Szene, in der Beck einem Verdächtigen nach einer langen Verfolgungsjagd zu Fuß volles Programm auf die Brust kotzt. Schnell vergessen hingegen ist Penelope Ann Miller, die den Credit nach Johnson bekommt, aber lediglich vier Szenen hat (eine davon eine kurze Sexszene). Die Notwendigkeit ihrer Rolle erschließt sich nicht wirklich, sie wirkt wie ein Überrest aus einem früheren Drehbuchentwurf. Insgesamt ein guter, angenehm unaufdringlicher Film, dem aber das gewisse Etwas fehlt. Mir hat er vor allem wegen Don Johnson gefallen, der hier beweist, was hätte sein können, wenn das Publikum ihn auch außerhalb von Miami und ohne pastellfarbene Anzüge, Espandrillas und Alligatoren akzeptiert hätte.

Der Amerikaner Lamont Cranston (Alec Baldwin) hat sich nach dem Krieg eine Zweitexistenz als verbrecherischer, Opium produzierender Warlord Ying Po in Tibet zugelegt. Für seine Morde wird er  jedoch mit einem Fluch belegt: Mit der Gabe ausgestattet, die Sinne anderer Menschen zu manipulieren, wird er als „The Shadow“ dazu verdonnert, in New York einen Kampf gegen das Unrecht zu führen. Als Shiwan Khan (John Lone), ein Nachfahre Dschinghis Khans, in der Metropole auftaucht, um mithilfe einer Bombe die Weltherrschaft an sich zu reißen, ist The Shadow gefordert: Gemeinsam mit der hübschen Margo Lane (Penelope Ann Miller), der Tochter des Wissenschaftlers (Ian McKellen), der die Bombe gebaut hat, nimmt Cranston den Kampf auf …

Mit dem Flop von THE SHADOW, einer Figur, die in den 1930er-Jahren in etlichen popkulturellen Medien – Radiohörspiele, Pulpmagazine, Comics – zu Popularität gelangt war, war Mulcahys Hollywood-Karriere erst einmal beendet, nachdem er in den Jahren zuvor zahlreiche prestigeträchtige Filme realisiert hatte. Auch THE SHADOW ist im besten Wortsinne großes Kino: Unter den Klängen von Jerry Goldsmiths typisch schwelgerischem Score geht es zunächst nach Tibet, bevor Mulcahy den Fokus dann auf ein mithilfe von Matte Paintings, visuellen Effekten, prächtigen Bauten, Settings und Kostümen realisiertes New York der Dreißigerjahre verlegt. THE SHADOW ist ein echter Augenschmaus (fotografiert vom DePalma-Stammkameramann Stephen H. Burum) und vielleicht einer der letzten Filme, die noch ganz dem (leider schon verflogenen) Geist des Eventkinos der Achtzigerjahre, mit seinen megalomanischen Set Pieces, aufwändigen Massenszenen und „griffigen“ Effekten, verpflichtet waren. Man fühlt sich an pulpiges, fantastisches und spektakuläres Entertainment im Stile der INDIANA JONES-Filme, Richies THE GOLDEN CHILD oder auch Carpenters BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA erinnert und da macht es auch nichts, dass der eigentliche Plot des Films nur wenig zwingend wirkt und der Titelheld eigentlich zur Randfigur verkommt.

Auch Mulcahys Regie scheint etwas gehemmt zu sein, so als habe ihn bei dem Bemühen, der Arbeit der Setbauer, Kostümbilnder und Effekttechniker zu ihrem Recht zu verhelfen,  die Inspiration verlassen. Die Expressivität des Ausdrucks, die etwa HIGHLANDER, RAZORBACK oder zuletzt RESIDENT EVIL: EXTINCTION auszeichnete, sucht man hier vergebens. Vielleicht hätte solcher Überschwang aber auch nicht gepasst zu der doch eher behäbigen, aus heutiger Sicht sympathisch-naiven Geschichte, die eben noch aus einer anderen Zeit stammt. So ist THE SHADOW trotz des betriebenen Aufwands angenehm unaufgeregt, ruhig und entspannt. Das Erregungslevel steigt nie zu hoch, trotzdem gibt es immer was zu gucken und das leise Gefühl, dass der Film nicht ganz das geboten hat, was man sich von ihm erhofft hat, ist eigentlich gar nicht so unsympathisch. Besser jedenfalls als das ununterbrochene Bombardement der Sinne, nach dem man sich förmlich betäubt fühlt, das heute die Blaupause für „Entertainment“ darstellt. Was mich dann endgültig für den Film einnimmt, ist seine Besetzung: Alec Baldwin ist hier noch im Romantic-Lover-Modus zu sehen, der ihm aufgrund schnell zunehmender Körperfülle bald verwehrt bleiben sollte, und Penelope Ann Miller ist entzückend als stilvolles, intelligentes und selbstbewusstes Glamour Girl (sie verschwand leider viel zu schnell von der Bildfläche). In Nebenrollen agieren Veteranen wie Peter Boyle, Joseph Maher, Ian McKelllen und Tim Curry, es gibt ein Wiedersehen mit Max Wright, ALFs Willy Tanner, und Hollywoods Go-to-Man für väterliche Asiaten, James Hong. Einziger Minuspunkt ist vielleicht John Lone, der mit angeklebtem Vollbart nie das diabolische Potenzial entfesselt, dass ein guter Superschurke braucht. Letztlich kann ich schon verstehen, warum THE SHADOW sein Publikum im Jahr eins nach JURASSIC PARK nicht finden wollte und konnte. Aber für eine Wiederentdeckung auf DVD, bei der man darüber nachsinnen kann, wie cool es gewesen wäre, den auf großer Leinwand zu sehen, ist er perfekt.

Die 17-jährige Chris Parker (Elisabeth Shue) ist von ihrem Freund versetzt worden und verbringt den Abend nun als Babysitterin bei Brad Anderson (Keith Coogan) und seiner kleinen Schwester Sara. Als ihre Freundin (Penelope Ann Miller), die von zu Hause weggelaufen ist, in panischer Angst vom Chicagoer Busbahnhof anruft und um Hilfe bittet, muss Chris die Kinder – zu denen sich noch Brads Freund Daryl (Anthony Rapp) hinzugesellt – mit in die Stadt nehmen. Und dort reiht sich eine Panne an die nächste. Sind sie rechtzeitig wieder zu Hause, bevor die Andersons zurückkommen?

Zuletzt hatte ich bei GOTCHA! noch darüber schwadroniert, wie eine nostalgische Bindung an einen Film die Rezeptionshaltung bei späteren Sichtungen positiv beeinflusst. ADVENTURES IN BABYSITTING mag als Fave nicht ganz so cool sein wie der genannte Film, aber er profitiert eben bei mir ganz erheblich davon, dass ich ihn in jungen Teeniejahren xmal gesehen habe. Die gestrige Sichtung – die erste seit etlichen Jahren – war dann auch eine lustige Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit, die etwas davon beeinträchtigt wurde, dass mir nur die Originalfassung vorlag und nicht die deutsche Synchronisation. Aber auch abseits von solcher persönlicher Bindung finde ich, dass ADVENTURES IN BABYSITTING ein sehr unterhaltsamer, witziger und schwungvoller Film ist, der recht geschickt eine kindliche Perspektive einnimmt, die Millionenmetropole geradezu märchenhaft verzerrt und dabei niemals infantil ist. Mit dem Subplot um den unrettbar in die etwas ältere Chris verliebten Brad trifft Columbus zudem ins Herz jedes pubertierenden Jungen (und in das des Mannes, der sich an seine unerwiderten Crushes von damals noch allzu leb- und schmerzhaft erinnert): Elisabeth Shue ist aber auch einfach zum Anbeißen mit ihrem charmanten Lächeln und der Coolness, mit der sie auch die schwierigsten Sitautionen noch meistert. Meine Lieblingsepisode ist der unfreiwillige Ausflug in die rauchige Blueskneipe, aber auch Vincent D’Onofrio als Lookalike des Marvel-Superhelden Thor (für den ich auch ein absolutes Faible habe) ist ein Volltreffer, ebenso wie Penelope Ann Miller, die als Chris‘ Freundin von einer Panikattacke in die nächste stürzt. Rundum feine Unterhaltung für Menschen, die sich ein kindliches Gemüt bewahrt haben.