Mit ‘Peplum’ getaggte Beiträge

In Mersabad, einer asiatischen Stadt im römischen Reich, plant der böse Oniris (Erno Crisa) einen Putsch gegen die gutmütige Königin Thalima (Scilla Gabel): Mithilfe der sieben schlagkräftigen Gladiatoren des Geschäftsmannes Rufo (Vittorio Sanipoli) will er sie vom Thron stürzen und ihre verräterische Schwester Resia (José Greci), mit der er ein Verhältnis hat, an ihre Stelle setzen. Doch der tapfere Maciste bzw. Marcellus (Mark Forest) kommt den Bösewichten auf die Schliche.

Michele Lupos erster Spielfilm lief, wie man am Titel meines Eintrags unschwer erkennen kann, in Italien als Beitrag der im Zuge des Peplum-Booms der späten Fünfziger- und frühen Sechzigerjahre neue Popularität erlangten Maciste-Reihe im Kino. Der Held einer populären Romanreihe war ursprünglich keinesfalls ein antiker Heros, vielmehr konnte er in ganz unterschiedlicher Gestalt und verschiedenen historischen Kontexten auftreten und hatte das bereits zur Stummfilmzeit in diversen Filmen getan. In MACISTE, IL GLADIATORE PIÙ FORTE DEL MONDO wird er nun aber, der Mode der Zeit folgend, vom italoamerikanischen Muskelprotz Mark Forest in Sandalen und schickem Minirock verkörpert und muss es mit einer ganzen Horde von Schurken aufnehmen, um eine auf der Seite der armen Leute stehende Herrscherin zu verteidigen. Der Film liefert die genreüblichen Kostüme und Settings, finstere Bösewichter, die man schon an ihrem verschlagenen Gesichtsausdruck erkennt, eine wunderschöne, brave Königin, finstere Kerker, offene Arenen und einen wortkargen Helden, der aus purem Altruismus und Edelmut sein Leben für das Gute riskiert, ist aber ein gutes Stück schwungvoller, frischer und moderner als seine Zeitgenossen.

Man erkennt sehr deutlich die Handschrift Lupos, der 1962 gerade 30 Jahre alt war und eine eigene Vorstellung vom Kino mitbrachte. (Zum Vergleich: Pietro Francisci, der die Peplum-Welle vier Jahre zuvor mit seinem LE FATICHE DI ERCOLE losgetreten hatte, war 26 Jahre älter als Lupo, hatte sein Debüt bereits in den Dreißigerjahren absolviert und stand Ende der Fünfziger schon kurz vor seinem Karriereende.) In MACISTE, IL GLADIATORE PIÙ FORTE DEL MONDO gibt es gleich zu Beginn eine ausufernde Keilerei, bei der die sieben schurkischen Gladiatoren eine Taverne in Schutt und Asche legen und dabei jene Tricks und Scherze zeigen, die Lupo später in einer ganz ähnlichen Sequenz in seinem großartigen LO CHIAMAVANO BULLDOZER erneut zum Einsatz bringen sollte. Die bei Spencer so wichtige Komik, geht hier allerdings noch ziemlich ins Leere: Da es die Bösen sind, die die Dresche verteilen und dabei völlig Unschuldige in Mitleidenschaft ziehen, mutet die Freude, mit der Lupo die Zerstörungsorgie inszeniert, ziemlich deplatziert an. Generell ist der Witz des Films problematisch, um es mal freundlich auszudrücken, und Kind seiner Zeit: Es gibt einen schwarzen Sidekick namens Wambo (Jon Chevron), der mit leicht tuntiger Hilflosigkeit als Comic Relief fungiert und zu allem Überfluss auch noch einen putzigen Schimpansen im Schlepptau hat, der immer wieder für „Späße“ sorgt. Ich stehe auf solche Albernheiten, vor allem, wenn sie mit diesem Drive und Tempo dargeboten werden. Ein echter Schwachpunkt ist aber ganz eindeutig der Hauptdarsteller Mark Forest: Große mimische Fähigkeiten sollte man eh nicht erwarten, aber der gute kommt gänzlich charmefrei daher, jede Leichtigkeit geht ihm ab und er wirkt furchtbar angestrengt. Da war Steve Reeves schon ein anderes Kaliber.

fürs regal

Veröffentlicht: November 17, 2018 in Film
Schlagwörter:, , , , , ,

Anzunehmen, dass es die meisten, die hier mitlesen, schon mitbekommen haben: Koch Media bringt dieser Tage mit ERCOLE AL CENTRO DELLA TERRA den nächsten Film in der Bava Collector’s Edition und macht sich damit besonders verdient, denn Bavas Eintrag in die HERKULES-Reihe erscheint weltweit zum ersten Mal in HD. Für die Prachtveröffentlichung eines der opulentesten Filme des Meisters wurde zudem niemand anderes als Bava-Experte Tim Lucas gewonnen, der den exklusiven Audiokommentar beisteuerte. Dazu gibt es mit QUEL BANDITO SONO IO einen weiteren Film von Bava, diverse Interviews und Featurettes sowie ein ausführliches Booklet von mir, in dem ich Bavas Anteil am italienischen Peplum und Abenteuerkino beleuchte. Der Kauf des Mediabooks sollte eine Pflichtübung sein.

Die armen Bürger von Seriphos stehen im Clinch mit dem Königreich Argos: Wenn sie zum Meer wollen, um dort Handel zu treiben, werden sie von den Soldaten Argos‘ mit Waffen empfangen und geraten dabei entweder in die Fänge eines gefräßigen Sumpfmonsters oder der Medusa. Es scheint nur eine Möglichkeit zu geben, den Konflikt beizulegen: Andromeda (Anna Ranalli), die Tochter des Königs von Serephos, an den fiesen Galenor (Leo Anchóriz) zu verheiraten, seinerseits Thronfolger von Argos. Doch in einem Turnier, in dem Galenor seine Eignung beweisen will, wird ervon Perseus (Richard Harrison) besiegt: Und den weist ein Muttermal als dazu bestimmt aus, Galenor zu töten …

PERSEO L’INVINCIBILE hat zwei Stars: das Sumpfmonster, ein Dinosaurier, das von Effektpionier Carlo Rambaldi geschaffen wurde und noch so manches 20 Jahre später entstandene Gummimonster hinsichtlich Größe und Beweglichkeit in den Schatten stellt. Und dann die Medusa, die hier aussieht wie ein Lovecraft’sches Krakenmonster mit Spinnenbeinen und Zyklopenauge. Ihr Design ist tatsächlich sensationell, weil es absolut fremdartig wirkt: Ich mag gar nicht daran denken, wie mich dieses groteske Biest verstört hätte, wenn ich den Film damals im Abendprogramm aufgeschnappt hätte. Dazu kreierte Mario Bava ihr via grandiosem Glas-Matte den passend apokalyptischen Lebensraum, eine von versteinerten Menschen übersäte Einöde mit einem Vampirzahnbewehrten Höhleneingang am Horizont. Toll! (Die versteinerten Figuren stammten von Marios Vater Eugenio, der im Gegensatz zum Sohnemann dann auch in den Credits genannt wird.)

Leider begeht der Film einen folgenschweren Fehler: Er verheizt seine beden großartigen Spezialeffekte schon in den ersten zehn Minuten und beraubt sich so selbst eines echten Höhepunkts. Machen wir uns nichts vor: Die Story um den zu Großem berufenen Helden Perseus, der die Unterdrückten rettet, die Schurken bestraft, nebenbei zwei Monster abschlachtet und am Ende die Schöne in die Arme schließen darf, ist ganz nett, recht actionreich in Szene gesetzt, aber nichtsdestotrotz völlig vorhersehbar. Und der Kampf des Helden gegen die beiden Ungetüme wird eben dadurch erheblich an Wirkung beraubt, weil man beide Biester schon vorher in voller Pracht zu Gesicht bekommen hat. Ich habe mich dann auch über weite Strecken königlich gelangweilt, nachdem ich zu Beginn schier frohlockt habe. Ich würde PERSEO L’INVINCIBILE Fans des fantastischen Films auch dennoch empfehlen, denn diese Medusa muss man einfach gesehen haben. Einfach grandios unheimlich …

 

 

Pietro Francisci hatte mit seinen Herkules-Filmen LE FATICHE DI ERCOLE und ERCOLE E LA REGINA DI LIDIA nicht nur zwei absolute Megahits geschaffen (tatkräftige Hilfe erhielt er dabei von Mario Bava) und das Subgenre des Peplum begründet, sondern auch das am Boden liegende italienische Kino wiederbelebt. In den Jahren bis ca. 1966/67 schossen die Pepla nur so aus dem Boden, vor allem nachdem Franciscis Filme mit einiger Verspätung auch in den USA einschlugen wie eine Bombe. Eine Renaissance erfuhr auch der Stummfilmheld Maciste, ursprünglich ein nubischer Sklave, den es in seinen frühen Filmen dann und wann aber auch sehr postmodern mit Anzug und Hut in Abenteuer in der Gegenwart verschlug. MACISTE CONTRO IL VAMPIRO ist der dritte der „neuen“ Maciste-Filmen und haut gleich mal ordentlich rein.

Direkt zu Beginn gibt es ein zünftiges Massaker an den Einwohnern von Macistes (Gordon Scott) Dorf, bei dem Männer Pfeile ins Auge bekommen, Kehlen augeschlitzt und an den Füßen aufgehängt und dann angezündet werden. Maciste kommt zu spät, um das Unheil abzuwenden: Männer, Kinder und Frauen sind tot, die jungen Mädchen wurden auf die Insel Salmanak verschleppt. Mit seinem jungen Freund Ciro (Rocco Vidolazzi) macht sich der Muskelprotz auf den Weg, um die Mädels, darunter seiner Freundin Guja (Leonora Ruffo), zu befreien. Hinter dem Frauenraub steckt der bösartige Dämon Kobrak, der mit hypnotischem Einfluss eine ganze Armee willenloser Mörder befehligt und auch die Frau von Salmanaks Herrscher, die schöne Astra (Gianna Maria Canale), unter seine Einfluss gebracht hat. Maciste zur Seite tritt Kurtik (Jacques Sernas), seinerseits legitimer Thronfolger …

Die Kopie, die mir zur Verfügung stand, war leider in einem etwas traurigen Zustand, was stichhaltige Aussagen über die visuelle Gestaltung etwas schwer macht. MACISTE CONTRO IL VAMPIRO schwankt beständig zwischen staubiger Rumpelkammer und gothischer Prä-Psychedelik, wie sie Maestro Bava himself nur wenig später in seinem eigenen ERCOLE AL CENTRO DELLA TERRA perfektionieren sollte. Er stellte sein Talent für Trickaufnahmen und Ausleuchtung wohl auch hier zur Verfügung, zumindest behauptet das Tim Lucas in seinem Bava-Standardwerk; und wer wäre ich, ihm da zu widersprechen? Langweilig ist Gentilomos Film nie, er geht von Anfang an ein hohes Tempo und wirft seinem schlagkräftigen Helden im Zwei-Minuten-Takt Gegner zum Wegboxen in den Weg, aber richtig interessant wird er in der letzten halben Stunde, wenn das Geschehen immer fantastischer wird. Alles beginnt mit einem fadenscheinig, aber effektiv inszenierten Sandsturm, in dem Maciste und seine Guja die Übersicht verlieren und in eine Grotte stürzen, in der Kurtik mit der Blue Man Group haust. Wenn sich Maciste dann auf den Weg macht, Kobrak zu stürzen, erreicht MACISTE CONTRO IL VAMPIRO seinen Höhepunkt und man ist wieder der sechsjährige Knirps, der die Eltern anbettelt, diesmal doch länger als bis halb neun aufbleiben zu dürfen, um den Höhepunkt des Abendprogramms zu schauen.

Angeblich hat Sergio Corbucci – der gemeinsam mit Duccio Tessari auch das Drehbuch verfasste – Gentilomo zur Seite gestanden, aber darüber weiß ich nichts. Ein paar Szenen wirken zugegebenetwas holprig: Ganz zu Anfang erhascht man etwa einen so kurzen Blick auf ein Seeungeheuer, dass man sich schon fragt, ob da nicht möglicherweise mehr Material gedreht worden war. Aber es ist ja auch diese Unbekümmerheit und eben der Mangel an Perfektion, der diese Filme auszeichnet gegenüber den durchoptimierten, am Reißbrett entstandenen Eventmovies von heute. MACISTE E CONTRO IL VAMPIRO mal in einer richtig schnieken HD-Version: Das wär’s!

ERCOLE SFIDA SANSONE ist wahlweise der zehnte Herkules- oder der dritte Samson-Film: 40, 50 Jahre vor dem MCU haben die Italiener es vorgemacht, wie man eine Welt aus muskulösen Helden auf der Leinwand errichtet, die sich in den Filmen dann gegenseitig zur Seite springen konnten. Naja, jedenfalls fast. Auf dem Regiestuhl dieses Crossovers (bei dem auch noch Odysseus mitmischt, in den internationalen und deutschen Verleihversionen sogar im Titel) nahm erneut Pietro Francisci Platz, der schon den ersten Herkules-Film LE FATICHE DI ERCOLE inszeniert hatte. Gerade am Anfang musste ich dann auch einige Déjà Vus überwinden, bevor ich mir sicher war, hier wirklich einen mir noch unbekannten Film zu sehen: Es gibt während der Exposition einige offensichtliche Parallelen zwischen den beiden Filmen, ganze Szenen, die ähnlich aufgebaut sind und den Eindruck erwecken, es hier mit einem Remake zu tun zu haben. Doch das gibt sich dann zum Glück und Francisci kredenzt uns ein ganz neues Abenteuer um die muskelbepackten Haudraufs der Antike.

Alles beginnt damit, dass Herkules (Kirk Morris) ein paar griechische Seeleute gemeinsam mit dem etwas spiddeligen Odysseus (Enzo Cerusico) bei der Jagd auf ein Seeungeheuer begleitet, das die Männer regelmäßig dezimiert. Das Ungeheuer entpuppt sich dann als Nilpferd (?), das man im eingesetzten Stock Footage aber nur rudimentär erkennen kann. Noch dazu tobt ein Sturm, der schließlich dazu führt, dass Herkules, Odysseus und ein paar andere als Schiffbrüchige an fremdes Festland getrieben werden. Es handelt sich um Judäa, wo der Philisterkönig (Aldo Guiffré) das arme Volk knechtet, weil er Samson (Richard Lloyd) unter ihnen vermutet, der geschworen hat, ihn umzubringen. Weil Herkules dasselbe Talent zur barhändigen Ermordung gefährlicher Löwen an den Tag legt, wird er mit dem Gefürchteten verwechselt. Das alles mündet in einem von der geilen Philisterqueen Delilah (Liana Orfei) initiierten Intrigenspiel, bei dem sich die beiden Helden gegenseitig umlegen sollen. Doch natürlich kommt alles ganz anders: Herkules und Samson verbünden sich und fügen den Philistern eine empfindliche Schlappe bei.

Ganz am Anfang des Films gibt es eine Szene, die einen anderen, einen „realistischen“ Peplum antizipiert, der dann leider ausbleibt: Herkules kommt nach Hause zu seiner Familie, erklärt seiner Frau Leria (Diletta D’Andrea), dass er für ein paar Tage weg müsse, während sein vielleicht fünfjähriger Sohn anfängt, mit seinen kleinen Fäusten die Oberschenkel des Papas zu traktieren. Der reagiert darauf wie ein Landwirt, der von einer Fliege belästigt wird und gibt dem Filius einen Schubs, sodass der unter den Tisch rollt. Nur noch mehr angestachelt kriecht er wieder hervor und kloppt erneut auf den Vater ein, bis sein greiser Lehrer endlich ein Einsehen hat und den Buben an den Schultern fortzerrt, damit die Eltern ihre Ruhe haben. Alltag im Hause Herkules eben. Leider lässt Francisci die Gelegenheit, den ersten komplett ereignislosen Peplum, einen, der von den Problemen handelt, die ein Halbgott bei der Erziehung und im Eheleben hat. zu drehen, liegen und konzentriert sich im Folgenden auf die bekannte und beim Publikum beliebte Abfolge von Abenteuern. Da werden dann Ochsen totgeschlagen, Löwen erwürgt, Heerscharen schurkischer Soldaten platt- und uralte Tempelanlagen dem Erdboden gleichgemacht, bis die Helden am Schluss mit triumphierendem Lächeln gen Heimat rudern und ihrem neuen Freund zum Abschied winken. Hervorzuheben ist noch das eminent homoerotische Geflirte zwischen Herkules und Samson, deren Balgerei ein bisschen wie Vorspiel für etwas wirkt, was uns dann leider vorenthalten wird. Hat Bruno Mattei eigentlich schwule Hardcore-Pepla gedreht?

Nach ERCOLE E LA REGINA DI LIDIA verabschiedete Steve Reeves sich von der Rolle des Herkules: Er hatte den Eindruck, dass er seinen Darbietungen nichts mehr hinzuzufügen hatte. Dem Peplum blieb er aber dennoch erhalten, zum Beispiel in den beiden SANDOKAN-Filmen von Umberto Lenzi, wie Leser meines kleinen Blogs wissen. Den dritten HERKULES-Film, LA VENDETTA DI ERCOLE, mit Mark Forest in der Titelrolle, konnte ich leider nicht in nicht Augenkrebs verursachender Qualität ausfindig machen, weshalb ich gleich zu Nummer vier springe: Bragaglias GLI AMORI DI ERCOLE, in dem Mickey Hargitay den Halbgott an der Seite seiner damaligen Gattin gibt, Busenwunder Jayne Mansfield.

Hargitay, der 1955 den Titel „Mr. Universum“ errungen hatte, bringt gegenüber dem holzfällerartigen Reeves eine jungenhaft-überschwängliche Qualität mit, die gut zu Bragaglias Film passt. Er beginnt mit der Ermordung von Herkules‘ Gattin durch den gemeinen Licos (Massimo Serato). Der Mann will Herkules‘ Zorn anstacheln, um in der Folge seine Königin Deianira (Jayne Mansfield) vom Thron zu stoßen und ihn selbst zu besteigen (den Thron, nicht Herkules). Zunächst bringt er dafür aber auch noch Deianiras Verlobten um und schiebt Herkules diesen Mord in die Schuhe. Der nimmt die Fährte des wahren Mörders auf, besiegt im Vorbeigehen einen dreiköpfigen Drachen und landet schließlich im Reich der Hexe Hippolyta (Jayne Mansfield), die ihm in Gestalt Deianiras den Kopf verdreht.

GLI AMORI DI ERCOLE geizt nicht mit Schauwerten, von denen der Drache natürlich der schönste ist: Gut, ein bisschen fühlt man sich an die Geisterbahn erinnert, wie das Monstrum da mit seinen Köpfen wackelt, mit den Augen rollt und mechanisch ein kleines Flämmchen spuckt, ohne wirklich von dem sich an ihm abarbeitenden Herkules Kenntnis zu nehmen. Aber dennoch muss man die Handarbeit, die in die Konstruktion des Drachen gegangen ist, honorieren. Wie ich überhaupt den oft gehörten Vorwurf, die Pepla seien „billig“ nicht so recht nachvollziehen mag: Der betriebene Aufwand ist ziemlich hoch, von den Kostümen bis hin zu den elaborierten Bauen und toll ausgestatteten Sets. Wem da nicht die Augen übergehen, dem ist eigentlich kaum zu helfen oder er ist von den maximal perfektionistischen, aber eben auch lebloseverdorbenn CGI schon. Wenn am Schluss dann auch noch ein behaarter Affenmann auftritt, ist das Glück eigentlich perfekt. Der tollste Einfall sind aber definitiv die verwunschenen Ex-Liebhaber von Hippolyta, die als knorrige Baumwesen ein trauriges Dasein auf einem Stück Ödland fristen und noch ein bisschen bluten, wenn man ihnen ein Ästlein abknickt.

Insgesamt wird die mit REGINA eingeschlagene Richtung von Bragalia mit AMORI fortgesetzt, was bedeutet, dass die zugrundeliegenden Mythen lediglich noch eine motivische Basis liefern, von der aus dann wild in alle möglichen Richtungen fantasiert wird. Interpretiert man Herkules‘ Gesichtsausdruck richtig, dann kann er selbst kaum glauben, was ihm da alles widerfährt und dem Zuschauer geht es ganz ähnlich. Ein beknackter Einfall reiht sich an den nächsten, das alles wird in quietschbunte Bilder mit ebensolchen Kostümen verpackt. Den Vogel schießt gewiss Leicos ab, dessen Frisur und lilafarbener Jumpsuit auch Eighties-Hardrock-Gniedelgöttern wie Yngwie Malmsteen oder Steve Vai gut zu Gesicht bzw. Schritt gestanden hätten, aber Herkules‘ meterbreite Lederhosenträger sind auch nicht verkehrt. Jayne Mansfield hat demgegenüber deutlich mehr an und ist vollends ausgelastet mit der Aufgabe, nicht vorn über zu fallen. Alles in allem eine sehr runde Sache.

Ich will hier nicht behaupten, dass es sich beim Vorgänger LE FATICHE DI ERCOLE um seriöses Historienkino handelt, aber mit diesem Sequel kehrt nun der Camp ein, den man mit dem Peplum gemeinhin assoziiert. Die englische Synchro, die für den ein oder anderen Schenkelklopfer sorgt, trägt gewiss ihren Teil dazu bei, aber auch so gibt es deutlich mehr zu schmunzeln als noch zuvor. Wenn Hercules (Steve Reeves) durch den Genuss verzauberten Quellwassers sein Gedächtnis verliert und fortan als fauler Lustsklave der nuttigen Omphale (Sylvia Lopez) in den Tag hineinlebt, sein verzweifelter Sidekick Odysseus (Gabriele Antonini) wie ein Flummi durch die Gegend hüpft, um seinen Kumpel von seinem Schicksal zu erlösen, dann ist das schon sehr putzig. Zumal Hercules in seinem roten hüftbetonten Minikleidchen wirklich herzallerliebst aussieht. Die schönste vollbärtige Dame, die ich je gesehen habe!

Mario Bavas Talent als Lichtmagier und Effektzauberer kommt ebenfalls deutlich mehr zum Tragen als in LE FATICHE, mit dem Ergebnis, dass ERCOLE E LA REGINA DI LIDIA auch mehr fürs Auge bietet, als der diesbezüglich eher erdfarbene Erstling. Der Höhlenpalast der titelgebenden Königin ist ein wunderbar kitschiger Hingucker und die Gruppenbilder, in denen leichtbeschürzte, bronzen glänzende Herren dekorativ im Sonnenuntergang stehen, möchte man sich gleich rahmen lassen und übers herzförmige Bett hängen. Mutete LE FATICHE immer etwas gebremst an, geht es hier in die Vollen und man hat den Eindruck, das jeder im ersten Teil vielleicht noch bestehende Anspruch, den literarischen Vorlagen halbwegs gerecht zu werden, hier beherzt in die Tonne getreten wird. Oder vielmehr besinnt sich Francisci auf das, was ich in meinem letzten Text angemerkt habe: In REGINA DI LIDIA wird alles, was der herzzerberstenden Emotion im Wege stehen könnte, merklich zurückgefahren.

Der Beleg: Auch wenn man das Drehbuch wieder als Fehlschlag verbuchen muss, ist es doch auffällig, dass es den Film überhaupt nicht anficht. Die Episode um Hercules‘ Gefangenschaft bei Königin Omphale ist eigentlich nur ein Subplot, der mit der eigentlichen Geschichte – einem Bruderkampf um die Herrschaft über Hercules‘ Heimatstadt Theben – rein gar nichts zu tun hat und einer reinen Verzögerungstaktik gleichkommt,  aber gut dreimal so viel Laufzeit einnimmt. Was aus künstlerischer Sicht streng genommen ein Offenbarungseid ist, fungiert hier als Beleg dafür, dass Francisci verstanden hat, worauf es ankommt: Denn natürlich ist es ein kluger Schachzug, sich ganz auf das sadomasochistische Treiben von Omphale zu konzentrieren, die ihre abgelegten Liebschaften in Stauen zu verwandeln pflegt, und Hercules‘ Ringen um die eigene Virilität. Wer interessiert sich da schon für den albernen Schwanzvergleich zweier Deppen mit Topfhaarschnitt?