Mit ‘Pete Postlethwaite’ getaggte Beiträge

Damals, als das Sequel zu JURASSIC PARK in die Kinos kam, war ich, glaube ich, einfach mit anderen Sachen beschäftigt: Ich habe nicht viel mitbekommen von dem Film und davon, wie er aufgenommen wurde, habe ihn dann erst etwas später auf Video zum ersten Mal gesehen – und mochte ihn. Vielleicht ist es nur meine subjektive Wahrnehmung oder meine lückenhafte Erinnerung, aber gemessen an dem Wirbel, den der Vorgänger verursacht hatte, und den Erwartungen, die damals regelmäßig an einen neuen Spielberg geknüpft wurden, hinterließ das Sequel kaum Spuren. Und 25 Jahre später lässt sich der Eindruck, es hier zwar mit einem wie immer hoch professionell gefertigten, aber doch seltsam unambitionierten Film zu tun zu haben, kaum wegwischen.

Tricktechnisch ist THE LOST WORLD erwartungsgemäß noch eine ganze Ecke besser als der Vorgänger, überzeugt in dieser Hinsicht auch heute noch, und hat natürlich mehr Dinos und mehr direkte menschliche Interaktion mit ihnen. Die Hauptattraktionen sind eine T-Rex-Familie, die eine ebenso verschworene Einheit bildet, wie ihre menschlichen Konterparts, natürlich die Velociraptoren und eine ganze Horde kleiner hühnerähnlicher Saurier, die zwar für sich genommen wenig furchteinflößend sind, aber im Rudel dann doch ausreichen, um es mit dem fiesen Peter Stormare aufzunehmen. Die spannendste Sequenz spielt an Bord eines über eine Klippe hängenden Anhängers, in dem sich die drei Helden – Jeff Goldblums Chaostheoretiker Malcolm, seine Ex-Flamme Sarah (Julian Moore) und der Fotograf und Umweltaktivist Nick (Vince Vaughn) befinden, während die Tyrannosaurier versuchen, ihn über den Abhang zu schubsen. Im Gedächtnis hängen bleibt auch eine schöne Szene, in der die Velociraptoren den Saurierjägern um Roland Tembo (Pete Postlethwaite) in hohem Gras nachstellen, dafür mutet das Finale, in dem der T-Rex in einer deutlichen Reminiszenz an KING KONG die Straßen von San Diego unsicher macht, wie eilig hinten angeklebt an. Dazu kommt eines der krassesten Plotholes, die ich kenne: Das Schiff mit dem T-Rex treibt führerlos in den Hafen, an Bord sind alle tot, aber das Dinosaurier, das für den Tod der Besatzung verantwortlich sein soll, ist nach wie vor in seiner Kammer im Rumpf des Schiffes eingesperrt. Ich habe normalerweise kein Problem damit, die Logik bei einem Film hinten anzustellen, aber hier fügt sich diese Schlamperei nur zu gut ins Gesamtbild eines Filmes, der sehr deutlich erkennen lässt, wo die Prioritäten lagen. Gegenüber den großen schuppigen Stars und der Technik, mit der sie zum Leben erweckt wurden, war ein schlüssig konstruiertes Drehbuch offensichtlich zu vernachlässigen.

Nun war auch JURASSIC PARK kein großer erzählerischer Wurf, aber man fieberte dennoch mit seinen Protagonisten mit. Hier sind die privaten Probleme, die Malcolm, seine Tochter Kelly (Vanessa Chester) und Sarah zu überwinden haben, jederzeit als müde Drehbuchkniffe durchschaubar, die Spielberg mit Leben zu füllen, sich kaum Mühe macht, und Vince Vaughns Nick verschwindet sogar, ohne auch nur ein kleines „Auf Wiedersehen“ geschenkt zu bekommen. Dafür hätte es das „Wunderkind“ gewiss nicht gebraucht. Auch wenn sich das wie ein Verriss liest, finde ich THE LOST WORLD durchaus unterhaltsam und kurzweilig. Er macht Spaß und liefert hinsichtlich seiner Titelkreaturen ordentlich ab. Aber von seinem Macher ist man dann doch andere Kaliber gewöhnt. In Spielbergs Werk rangiert THE LOST WORLD ohne Zweifel eher im unteren Drittel.

Wir schreiben das 17. Jahrhundert: Für die britische Krone hat der Adlige Solomon Kane (James Purefoy) auf zahlreichen Feldzügen unbeschreibliche Gräueltaten verübt, für die ihn der Leibhaftige schon sehnsüchtig erwartet. Dem Teufel eben noch von der Klinge gesprungen begibt sich Kane für den Karmaausgleich ins Exil in ein Kloster, aus dem er nach Jahren der Einkehr jedoch verstoßen wird. Auf seinen Irrwegen durch ein von Pest, marodierenden Banden und den Armeen des teuflischen Zauberers Malachai (Jason Flemyng) geplagtes Land begegnet er dem Ehepaar Crowthorn (Pete Postlethwaite und Alice Krige) die nach Amerika auswandern wollen. Von ihnen freundschaftlich aufgenommen, fühlt er sich in seinem Plan bestätigt, nie wieder Gewalt anzuwenden und ein neues tugendhaftes Leben zu führen. Doch als er bei einem Überfall hilflos zusehen muss, wie die Familie ermordet und die jüngste Tochter Meredith (Rachel Hurd-Wood) entführt wird, erkennt er, dass es für ihn keinen anderen Weg als den der Gewalt gibt …

SOLOMON KANE basiert auf den Pulp-Romanen von „Conan“-Schöpfer Robert E. Howard und wurde vom nie um einen fantasievollen Film verlegenen Samuel Hadida produziert. Für das ganz große Eventkino, nach dem die Vorlage eigentlich schreit, hat das Geld wohl nicht ganz gereicht: ein großer Star fehlt – Max von Sydow absolvierte seine zwei Szenen nach bester Exploitationtradition an geschätzt ebenso vielen Drehtagen und verabschiedete sich danach wahrscheinlich feixend und herausfordernd mit seinem üppigen Gehaltsscheck wedelnd vom Set – und die CGI-Effekte, die vor allem im Prolog epische Breite schaffen sollen, erreichen eher das Gegenteil. Dennoch ist SOLOMON KANE durchaus beachtlich, vielleicht gerade weil sich Regisseur Bassett mangels Budget auf klassische handwerkliche Tugenden besinnen musste, anstatt alles mit Pomp und Tamtam zuzukleistern.

Das 17. Jahrhundert des Films sieht wunderbar schlammig, trist und regnerisch aus, die Settings sind sehr realistisch und klein gehalten: SOLOMON KANE erhält so eine ungemeine Physis und ist herrlich texturiert, ganz im Gegensatz zu jenen Filmen, die ihre pompösen Fantasiewelten ganz im Rechner entstehen lassen und am Ende seltsam leer und leblos erscheinen. Auch Hauptdarsteller Purefoy passt da gut ins Bild: Optisch eine weniger gut aussehender Doppelgänger von Hugh Jackman, wirft er sich mit sichtlichem Spaß in seine Rolle und verhilft auch potenziell peinlichen Szenen noch zum Erfolg. SOLOMON KANE schafft manchmal sogar den Quantensprung und liefert richtig großes Kino, wo er seiner Anlage nach doch eigentlich nur ein kleiner Fantasy-Exploiter für Zwischendurch ist. Zum rundum begeisternden, ganz großen Wurf fehlt logischerweise noch ein Quäntchen, aber das ist sehr verzeihlich. SOLOMON KANE hat nämlich vielen vergleichbaren Großproduktionen etwas voraus, das sich eben nicht kaufen lässt: Er hat Herz und Seele. Und weil man genau diese Eigenschaften im Eventkino von Heute allzu oft vermisst, darf man über die (Geringfügigen) Schwächen von Bassetts Film großzügig hinwegsehen. Schön!