Mit ‘Peter Billingsley’ getaggte Beiträge

Weihnachten ist ja – machen wir uns nichts vor – in erster Linie ein Fest für Kinder und dass auch Erwachsene in Scharen dem Reiz tagelanger Schlemmerei und tüdeliger Harmonie in der gut beheizten Stube erliegen, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass sie sich ein Stück Kindheit zurückholen wollen. A CHRISTMAS STORY, der seine Weihnachtsgeschichte als Rückblick in die Kindheit seines Protagonisten in den 1940er-Jahren erzählt, ist da nur konsequent. Und er gewinnt, weil er die saccharine Süßlichkeit anderer Weihnachtsfilme immer wieder satirisch unterfüttert. Er kommt mit diesem ketzerischen Ansatz davon, weil er den Zuschauer vom Haken lässt: Es ist nicht „unser“ Weihnachten, sondern eines von vor heute über 60 Jahren.

Ralphie (Peter Billingsley) wünscht sich zu Weihnachten nichts sehnlicher als ein Luftgewehr. Doch das kommt seinen Eltern (Darren McGavin und Melinda Dillon) nicht in die Tüte, sind sie doch überzeugt, dass der Sohnemann sich damit „das Auge ausschießen“ werde. Bis zum Weihnachtsfest muss Ralphie einen Weg finden, dass sein Wunsch erfüllt wird. Und der ist gesäumt von Hindernissen aller Art …

Der Plot um das Luftgewehr ist eigentlich nur das Gerüst für ein munteres Panorama nostalgischer Episoden um das Leben als Kind in einer amerikanischen Stadt der Vierziger. Da gibt es die Bullies, die in einer Gasse warten und einem das Leben zur Hölle machen, die seltsamen Marotten und Erziehungsmethoden der Lehrer und Eltern und natürlich die Verlockungen der Warenwelt. Regisseur Bob Clark – am ehesten bekannt für seine Horrorfilme CHILDREN SHOULDN’T PLAY WITH DEAD THINGS, DEAD OF NIGHT und BLACK CHRISTMAS, aber in den Achtzigern dann ein echter Komödienspezialist mit Filmen wie PORKY’S und PORKY’S II, FROM THE HIP, TURK 182 und LOOSE CANNONS – gelingt ein munterer, stimmungsvoller und warmherziger Bilderbogen, der von den guten Beobachtungen, liebevollen Charakterzeichnungen und gezielten Überspitzungen lebt: Wir sehen die Welt immerhin durch die Augen eines leicht zu beeindruckenden Kindes. In der Fantasie schlägt Ralphie mit seinem Luftgewehr eine Bande von Einbrechern in die Flucht, er stellt sich vor, wie er seine Familie damit bestraft, auszureißen, nur um dann Jahre später erblindet (aber immer noch in Kindergestalt) zurückzukehren, und er stellt sich in einem Kaufhaus einem offensichtlich schwer betrunkenen Santa Claus und seinen mies gelaunten Elfen, um seinen Wunsch zu äußern. Die Eltern haben mit der Erziehung der beiden Söhne alle Hände voll zu tun, packen den jüngsten regelmäßig viel zu warm ein, sodass der sich kaum bewegen kann, waschen ihrer Brut den Mund mit Seife aus, wenn sie das F-Wort hören müssen (mit dem der Vater selbst ziemlich freigiebig ist) und drücken ein Auge zu, als Ralphie sich seiner Nemesis stellt und die erste Schlägerei hat. Sehr schön ist auch die Episode um den ersten Preis in einem Gewinnspiel, eine potthässliche Stehlampe in Form eines bestrumpften Frauenbeins, das der Vater eigentlich nur deshalb aufs Fensterbrett stellt, weil es eben ein Hauptgewinn war.

A CHRISTMAS STORY ist über 90 Minuten beschwingt, unterhaltsam, witzig und so anheimelnd, wie Weihnachtsfilme das eben sind, allerdings ohne hart auf die Kitschtube zu drücken. Nervig-scheinheilige „Wir wollen uns alle lieb haben“-Botschaften verkneift sich Clark dankenswerterweise: Es gelingt ihm, das Weihnachtsfest zu feiern, ohne alles mit Zuckerguss und Lametta zuzukleistern. Im Gegenteil, das Fest ist ja auch deshalb so schön, weil sich darin so manche menschliche Blödheit so wunderbar spiegelt. Und natürlich, weil wir uns vor dem Weihnachtsbaum alle noch einmal ein bisschen wie Kinder fühlen können.

Weil es in der Ehe von Jason (Jason Bateman) und Cynthia (Kristen Bell) kriselt, das paradiesische Partnerschaftsresort „Eden West“ aber nur erschwinglich ist, wenn man den Aufenthalt als Gruppe bucht, landen auch die drei befreundeten (Ehe-)Pärchen um Dave (Vince Vaughn) und Ronnie (Malin Akerman), Joey (Jon Faveau) und Lucy (Kristin Davis) und Shane (Faizon Love) und Trudy (Kali Hawk) in der Ehetherapie. Die glauben zwar, dass sie keine Probleme haben, doch das ändert sich im Programm von Monsieur Marcel (Jean Reno) relativ schnell …

Komödien dieser Art sehe ich eigentlich immer mal ganz gern, um von dem ganzen Horrorgeschnatter zu entspannen. An COUPLES RETREAT hatte ich einige Hoffnungen geknüpft, die der Film leider nicht ganz einzulösen in der Lage ist. Die Gags sind nur selten überraschend, bieten lediglich den Standard, den man bei diesem Thema erwarten darf. Da gibt es den muskelbepackten Yoga-Lehrer, der mit den Damen in scheinbar nur für ihn harmlosen Clinch geht, die Paartherapeuten, die die Therapiestunden stets in dem Moment mit einem Lächeln beenden, wenn sie mit ihren Fragen den Keim des Zweifels gelegt haben und natürlich die unvermeidlichen Masturbations- und Erektionswitzchen. Dass COUPLES RETREAT dann doch noch leicht überdurchnschnittlich ist, ist zum einen der Besetzung zu verdanken – vor allem Vaughn, Favreau und Davis sind einfach perfekt in ihren Rollen und gern gesehene Nebendarsteller wie Peter Serafinowicz oder Ken Jeong werten auch potenziell uninteressante Figuren noch auf –, zum anderen der aus dem Reisekatalog ausgeschnittenen Südsee-Kulisse. „Reisekatalog“ trifft auch in anderer Hinsicht zu, denn im Grunde genommen ist das hier ebenso Stangenware wie ein Pauschalurlaub.