Mit ‘Peter Markle’ getaggte Beiträge

Zunächst Enttäuschung: Nach dem phänomenalen HAMBURGER: THE MOTION PICTURE hatte ich eigentlich gehofft, mit HOT DOG … THE MOVIE! den nächsten Film mit Fast-Food-Bezug vor mir zu haben. Leider bezieht sich der Titel jedoch nicht auf die Knackwurst im Labberbrötchen, sondern aufs Freestyle-Skiing, das, aus welchem Grund auch immer, ebenfalls „Hot-Dog“ genannt wird (da ich in den Eighties dem C64-Spiel „Winter Games“ verfallen war, hätte ich das eigentlich wissen können). HOT DOG … THE MOVIE! ist also ein lupenreiner Sportfilm, der allerdings mit Elementen des Teenie(sex)films garniert wird, der in diesen heißen Tagen einen passenden Schwerpunkt in meinem Blog bildet. Peter Markle, der junge Regisseur dieses Vehikels, landete einen veritablen Hit mit dem Teil und qualifizierte sich damit für den nächsten Wintersportfilm, den er mit dem noch unglaublicheren YOUNGBLOOD vorlegen durfte.

HOT DOG … THE MOVIE! spult eine tausendfach bewährte Story ab: Das junge, unerfahrene Ski-As Harkin (Patrick Houser) reist in seinem gammeligen Truck nach Lake Tahoe, um dort an den internationalen Meisterschaften im Freestyle-Skiing teilzunehmen. Unterwegs gabelt er die hübsche Sunny (Tracy Smith) auf, die sich zunächst störrisch gibt, dann aber erwartungsgemäß zum heißblütigen love interest avanciert. Am Ziel findet Harkin Aufnahme in die amerikanische Freestyling-Clique um den Veteran Dan (David Naughton): Gemeinsam tritt die muntere Truppe nicht nur gegen das arrogante österreichische Ski-As Rudi (John Patrick Reger) und bestechliche Wettkampfrichter an, sie lässt es auch abseits der Piste bei Wet-T-Shirt-Contests und Saufgelagen ordentlich krachen. Zum großen Konflikt kommt es, als das berüchtigte Pistengroupie Sylvia Fonda (Shannon Tweed) das hoffnungsvolle Talent  ins Jacuzzi zerrt: Das sieht Sunny gar nicht gern …

Wie gut einem HOT DOG … THE MOVIE! gefällt, hängt wahrscheinlich stark davon ab, wie sehr man sich für Wintersport begeistert – oder wie gut man ausblenden kann, dass ein gutes Drittel der Laufzeit mit Bildern der verschiedenen Wettbewerbe bestritten wird. Ich nehme da eine neutrale Position ein: Da die abgebildeten sportlichen Leistungen von ansprechendem Niveau sind und auch die Inszenierung sich nicht deutlich hinter den Standards verstecken muss, die etwa Willy Bogner mit seinen James-Bond-Kollaborationen setzte, konnte ich mich ganz gut damit arrangieren. Fakt ist aber dennoch, dass HOT DOG … THE MOVIE! mit ganz heißer Nadel gestrickt ist und den Vorwurf der frechen Geldschneiderei nicht ganz von sich weisen kann. Was aber ja eigentlich eh klar gewesen sein dürfte. Innerhalb des Teeniesexfilms sticht Markles Film mit guten Production Values und qualifizierten Darstellern hervor. Letzteres gilt nicht zuletzt für die Damen: Busenfetischisten kommen voll auf ihre Kosten, denn alle blankziehenden Darstellerinnen sind überaus gut gebaut. Allen voran natürlich Shannon Tweed, die im Verlauf der Achtziger- und frühen Neunzigerjahre zu einem veritablen Exploitation-Film-Star aufstieg und es dann nicht mehr nötig hatte, sich vor der Kamera auszuziehen. Die Freizügigkeit des Gebotenen überrascht innerhalb des polierten Rahmens und belegt wieder einmal, wie sich die Maßstäbe in den vergangenen Jahrzehnten verschoben haben. So offenherzig wie HOT DOG … THE MOVIE! ist heute nicht mal mehr ein Film wie 50 SHADES OF GREY, von dem man das eigentlich erwarten dürfte.

Der Boobfaktor ist aber nicht das einzige, was hier für Verwirrung sorgt: HOT DOG … THE MOVIE! zeigt einen etwas unangenehmen nationalen Chauvinismus, der die Nebenwirkungen des damals noch köchelnden Kalten Krieges erkennen lässt. Rudi wird mit deutschem Akzent als Arschloch oberster Güte gezeichnet, der sich schon bei seinem ersten Auftritt von den (durchaus etwas verbissenen) Ami-Helden als „Nazi“ beschimpfen lassen muss, hinzukommen die Ressentiments gegen die Ausrichter des Wettbewerbs, die lieber europäische Sportler in die Startliste hieven und angeblich bessere US-Boys aussortieren. Hintergrund sind kommerzielle Erwägungen, gegen die die Schar durch und durch idealistischer Protagonisten nichts ausrichten kann. Dan stellt einen der Verantwortlichen erbost zur Rede: Eines seiner Argumente, mit denen er sich gegen die himmelschreiende Ungerechtigkeit zur Wehr setzt, lautet, dass die amerikanischen Sportler zum Teil mehrere tausend Meilen angereist seien, nur um nun so bitter enttäuscht zu werden. Ob ihm bewusst ist, dass jemand aus Europa wahrscheinlich noch größere Reisestrapazen auf sich genommen hat? Warum die Wettkampfrichter mit ihren bisweilen verblüffenden Fehleinschätzungen immer auf der Seite Rudis sind, erklärt das Drehbuch ebenfalls mit keiner Silbe. Die dahinterliegende Strategie ist durchsichtig und billig ohne Ende: Die (amerikanischen) Zuschauer sollen einfach voll und ganz auf die Seite der Helden gezogen werden und nichts eint bekanntlich so sehr wie ein gemeinsamer Feind und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Der Betrachter kommt dank dieser Dramaturgie immerhin in den Genuss eines zünftigen Showdowns: Beim finalen „Chinese Downhill“ heizen Dutzende von Skifahrern mit MAD MAX-artigen Accessoires den Abhang hinunter und rammen sich unsanft in die Botanik entlang der Piste. Das macht Gaudi und ist ein angemessener Abschluss für HOT DOG … THE MOVIE!, der als eine gesunde Mischung aus Wichsvorlage, sportlichem Highlightvideo und Pannenshow durchgeht. Es gibt weiß Gott schlechtere Konzepte.

Der 17-jährige Dean Youngblood (Rob Lowe) führt mit seinem Vater und seinem älteren Bruder ein tristes Dasein auf dem Land. Er hofft auf eine Karriere als professioneller Eishockeyspieler und erhält eine Chance, sich beim kanadischen Amateurteam der Hamilton Mustangs für größere Taten zu empfehlen. Doch dort wird ihm sowohl vom Trainer Chadwick (Ed Lauter) als auch von den rauhbeinigen Teamkollegen um den Leader Derek Sutton (Patrick Swayze) alles abverlangt. Als letzterer in einem wichtigen Meisterschaftsspiel vorsätzlich brutal verletzt wird, steht Dean vor der wichtigsten Entscheidung seines Lebens …

Um den Wahnsinn auf Kufen namens YOUNGBLOOD angemessen zu würdigen, bedarf es einer detaillierteren Beschreibung, weil Regisseur Markle es sich zum Ziel gesetzt zu haben scheint, auf jede einzelne bescheuerte Szene eine noch bescheuertere folgen zu lassen. YOUNGBLOOD, inhaltlich eigentlich ein wenig origineller und vor allem klischeehafter Jugend- bzw. Sportfilm, mausert sich mit dieser Strategie aber zu einer beträchtlichen Stimmungskanone, die für Freunde des plakativen Achtzigerjahrekinos ein absolutes Muss darstellt. Gleich zu Beginn wird der Vater-Sohn-Konflikt, der in keinem Sportfilm fehlen darf, eingeführt: Papa Youngblood will nicht, dass sein Filius Eishockeyprofi wird, weil dessen älterer Bruder beim selben Versuch ein Auge einbüßte. Dem Sohnemann ist es aber zu langweilig auf der Farm und mithilfe des genannten Bruders kann er den Papa dann doch überzeugen. Ab geht es für den Amerikaner nach Kanada und nun scheint Markle eine Fish-out-of-Water-Geschichte anzustreben, die sich die Rivalität der beiden benachbarten Nationen zunutze macht – und mit ihr die Vorurteile, die beide voneinander haben. Die „Canucks“ sind einfältige Landeier, die aber leider mit dem Eishockeyschläger aufgewachsen sind und für den „Yank“ nur Spott übrig haben; jedenfalls sofern es sich bei Youngbloods Teamkollegen tatsächlich um Kanadier handelt und nicht ebenfalls um Amerikaner, die sich in diesem Fall ausgiebig darüber beklagen, in Kanada sein zu müssen. Dieser Ansatz, den Markle schnell wieder fallen lässt, führt den Zuschauer immerhin in den Genuss, Keanu Reeves als Frankokanadier mit französischen Akzent bewundern zu können.

Danach verwandelt sich YOUNGBLOOD aber kurzerhand in einen „Männerfilm“: Erst gibt es verschwitzte Männerleiber und angespannte Muskeln in einer dampfenden Umkleidekabine, dann schließlich als zweifelhaften Höhepunkt Rob Lowe in den nackten Arsch entblößenden Jockstraps. Weiter im Text folgen die üblichen Initiationsriten, die auch bei der Fremdenlegion kaum charmanter sein könnten. Youngblood muss erst eine Schamhaar-Rasur von seinen mit der Nächstenliebe eines Lynchmobs auftretenden „Kameraden“ ergehen lassen, dann machen sie ihn in einer Bar betrunken. Swayze gibt als Sutton den Leitwolf und belegt einmal mehr, dass nur wenige Schauspieler die prollig-selbstverliebt-barbarische Fratze des Normalos so gut draufhatten wie er. Aber natürlich soll er hier ein Sympathieträger sein, ein echter Kerl eben. Einer Dame, die von dem testosteronhaltigen Zellhaufen offenbar sehr angetan ist, schmeißen die lustigen Eishockeyspieler zum Abschluss noch eine Zahnprothese in die Bloody Mary. Ein Höhepunkt in der Geschichte des menschlichen Humors, der von allen mit lautem Grölen angemessen quittiert wird – auch von der Frau! Auf die Szene, in der Rob Lowe von der Tochter seines Coachs (Cynthia Gibb) Melvilles „Moby Dick“ geschenkt bekommt, sich heimlich noch den Schundroman „Nympho“ kauft und dann natürlich prompt diesen aus der Tüte zieht, als er seinem Coach erzählt, dass er „Moby Dick“ von seiner Tochter geschenkt bekommen habe, gehe ich hier nicht weiter ein, um schneller auf die frivole Vermieterin Youngbloods eingehen zu können, die die Eishockeyrookies, die bei ihr regelmäßig eine Wohnung finden, bei einem Tässchen Tee professionell bedient. Und was echte Männer sind, wird am nächsten Tag in der Kabine ausführlich über ihre Talente geplaudert. Man könnte meinen, YOUNGBLOOD sei von einer militanten Feministin gedreht worden, die der Welt den Mann als sexuelles Raubtier vorführen wollte, aber das soll alles ganz normal und lustig sein.Umso merkwürdiger, wenn man bedenkt, dass YOUNGBLOOD sich mit dem Teenieschwarm Rob Lowe wohl vor allem an junge Mädchen richtete. Ich erinnere mich jedenfalls an die Bravo-Ausgaben meiner Kindheit, die den Kinostart dieses Films (bei uns unter dem Titel BODYCHECK, was in seiner unbeabsichtigten (?) Zweideutigkeit sehr viel treffender ist) Woche für Woche mit Rob-Lowe-Bilderstrecken feierten. Man darf nicht weiter darüber nachdenken. Für heterosexuelle Mäner gibt es immerhin eine Sexszene zwischen Lowe und Cynthia Gibb, in der diese deutlich mehr zeigt, als man zu hoffen gewagt hatte. Und wie die beiden braven Teenies da über die Matratze fegen, jeder gut geölte Muskel ihres Körpers im Kaminlicht glänzend, könnte man meinen, die verfügten über eine jahrelange Ausbildung mit zahlreichen erfolgreich absolvierten Fortbildungskursen im Ficken.

Den Gipfel hat sich Markle aber für das Schlussdrittel seines Sportpornos aufbewahrt. Beim größten Konkurrenten der Mustangs spielt nämlich ein fieser Schläger namens Racki (George Finn). Der hatte zuvor bei eben jenen angeheuert, musste aber dem jungen unerfahrenen Youngblood Platz machen. Vor lauter Hass auf den jungen Schnösel trinkt Racki daraufhin vor jedem Spiel gegen den Erzfeind einen Eimer heißen Schweinebluts, um so richtig in Stimmung zu kommen. Seine absurd brutalen Fouls werden – sehr praktisch für Markle und die Affektsteuerung des Zuschauers – vom Schiedsrichter konsequent übersehen, was schließlich dazu führt, dass Sutton mit einer schweren Kopfverletzung im Krankenhaus landet. Youngblood hat daraufhin keine Lust mehr aufs Eishockeyspielen, will lieber über das Leben nachdenken, und lässt seine Mannschaft und den Trainer kurz entschlossen im Stich. Zurück auf der Farm seines Vaters redet ihm aber der Bruder ins Gewissen und lehrt ihn nicht nur Mores, sondern auch, wie man einem Gegenspieler ordentlich was aufs Maul gibt. Man muss dazu wissen, dass Youngbloods größtes Manko ist, dass er weder austeilen noch einstecken kann. Und vor allem ersteres wurde ihm immer wieder vorgeworfen. Fleißig trainiert Youngblood mit dem Bruder und schließlich sogar mit dem Papa, der seinem Sohn noch die letzte fehlende Motivation zum Aufsmaulhauen mitgeben will und ihn daher zwingt, sich mit ihm zu prügeln. Man muss das wirklich gesehen haben: Das ist nicht etwa als abschreckendes Beispiel für fehlgeleitete Kindererziehung, sondern als sentimentaler, ergreifender Moment der Versöhnung inszeniert! Was ich mich während der obligatorischen Trainings-Montage außerdem gefragt habe: Warum ist Youngblood denn so überzeugt, dass er überhaupt zurückgenommen wird, nachdem er feige die Biege gemacht hat? Dass sein Plan aufgeht, wird vom Film aber auch nie infrage gestellt, was umso absurder ist, wenn man bedenkt, dass es im Sportfilm ja auch immer um Disziplin und die Unterordnung des Einzelnen geht. Hier nicht, obwohl dann doch auch oder wie oder was? Nachdem Youngblood also eine Woche trainiert hat, kehrt er zurück und wird vom Trainer tatsächlich ohne größere Probleme wieder aufgenommen. Er schießt drei Tore und gewinnt das Spiel quasi im Alleingang – so wie Markle Eishockey inszeniert, könnte man eh meinen, dass eine Mannschaft nur zwei Spieler und einen Torhüter braucht –, doch wir alle wissen, dass er als Spieler und Mensch erst gereift ist, wenn er beweist, dass er einen anderen Menschen umhauen kann. Obwohl nur noch drei Sekunden zu spielen sind – das Spiel also faktisch gelaufen ist –, tritt er noch gegen den bösen Racki an, den er mit ein paar gezielten Fausthieben und unter dem Jubel der Masse, der auch Papa und Bruderherz – schluchz! – angehören, aufs Eis schickt. Zum Erwachsenwerden gehört eben zwingend hinzu, anzuerkennen, dass es manchmal notwendig ist, jemandem die Fresse zu polieren – und das dann auch zu tun. Willkommen in der Realität, Youngblood. Herzlichen Glückwunsch.

Ich hatte eine Riesengaudi mit diesem Film, dessen geiler Achtzigerjahre-Abschlussong einem nochmal so richtig einheizt und Bock macht, YOUNGBLOOD gleich nochmal von vorn zu gucken. So ein absurder Quatsch wird ja heute gar nicht mehr gemacht. Und hier ist wirklich jede Szene komplett daneben. Wahnsinn. Als Sportfilm ist er hingegen eher schlecht: Es ist eine denkbar miese Idee, ein Eishockeyspiel nur in Zeitlupe und ohne jede Totale einfangen zu wollen. Passt dann aber auch wieder.