Mit ‘Pierfrancesco Favino’ getaggte Beiträge

In Rom löst ein unvorhergesehener Schicksalsschlag eine unaufhaltsame Ereigniskette aus, die nicht nur das Leben mehrerer unterschiedlicher Individuen maßgeblich beeinflusst, sondern bis in die höchsten Etagen des Staates reicht.

Die einzelnen Parteien und Personen der Geschichte und ihre Verflechtung miteinander aufzudröseln, würde an dieser Stelle zum einen zu weit führen, zum anderen einen wesentlichen Teil des Vergnügens schmälern. Es macht nämlich einfach Freude, dabei zuzusehen, wie elegant und geduldig Stefano Sollima seine Geschichte entwickelt und zunächst unabhängig voneinander laufende Plotfäden und Figuren auf unvorhergesehene Art und Weise zusammenführt. Im Mittelpunkt der Handlung stehen die Bemühungen des organisierten Verbrechens, den heruntergekommenen römischen Küstenbezirk Ostia in ein italienisches Las Vegas zu verwandeln. Dafür nötig ist ein Gesetz, das zur Verabschiedung zu bringen die Aufgabe des korrupten Abgeordneten Malgradi (Pierfrancesco Favino) ist. Alles ist vorbereitet, doch dann stirbt eine minderjährige Prostituierte bei einer der kleinen Sexorgien Malgradis. Ihre „Entsorgung“ durch einen überehrgeizigen Jungganoven, der nicht weiß, worauf er sich einlässt, tritt die scicksalhafte Ereigniskette los, die in einer politischen und privaten Apokalypse endet.

Das erzählerische Muster, nach dem Sollima vorgeht, ist nicht wirklich neu. Wie fast immer in diesen Polit- und Mafiathrillern sind es die individuellen Charakterzüge und -mängel, Eitelkeiten und Irrationalitäten, die den todsicheren Plan zum Scheitern bringen. Dass der amtierende Premierminister sowie der Papst – dessen Involvierung in schmutzige Geschäfte hier nur angedeutet wird – zurücktreten wollen und das fragile italienische Staatssystem noch mehr unter Druck setzen, ist fast nebensächlich. Es scheint auch nur Ausdruck des allgemeinen Chaos, das alle Beziehungen zu bestimmen scheint. Doch Sollima geht es nicht nur um die elegante erzählerische Konstruktion (die sich auch in den erlesen kühlen Bildern widerspiegelt): Im korrupten System schlummert ein inhärenter Baufehler. Denn da, wo alle in schmutzigen Geschäften miteinander verwickelt sind, muss sich ein offen ausgetragener Konflikt fast zwangsläufig zum unkontrollierbaren Flächenbrand ausweiten. SUBURRA zeigt das ziemlich eindrucksvoll, wie selbst noch Randfiguren des Geschehens in den Sog aus Gewalt und Rache hineingesogen werden, sich die Hände schmutzig machen und letztlich dazu beitragen, dass sich die Gewaltspirale immer schneller dreht.