Mit ‘Polizeifilm’ getaggte Beiträge

die-zielfahnder-flucht-in-die-karpatenNormalerweise kann ich mich nur selten dazu aufraffen, mein eigenes Heimkino-Angebot links liegen zu lassen, um mich dem Fernsehprogramm zu widmen. Für Dominik Grafs ZIELFAHNDER: FLUCHT IN DIE KARPATEN habe ich gestern eine Ausnahme gemacht, die sich gelohnt hat. Der Film lässt seinen Autoren unschwer erkennen in den kleinen Details der Inszenierung, vor allem in der Art, wie die Figuren miteinander sprechen, wie Räume und Orte erkundet werden und die kleinen Exkurse, die sich die Handlung erlaubt, nie bloße Ablenkungsmanöver sind.

Graf kehrt für seinen neuesten Film zunächst in meine Heimat des Herzens Düsseldorf zurück, wo auch schon DIE KATZE und DIE SIEGER gespielt hatten: Aus dem Gefängnis in Solingen ist der rumänische Schwerverbrecher Caramitru (Dragos Bucur) ausgebrochen, dem die Fahndungsbeamtin Hanna Landauer (Ulrike C. Tscharre) ein handfestes Trauma zu erdanken hat. Sein Fluchtziel ist Rumänien, Landauer und ihr Kollege Sven Schröder (Ronald Zehrfeld) heften sich an seine Fersen, müssen ihn aber an der Grenze ziehen lassen. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen in Bukarest erweist sich anschließend als etwas schwierig, doch dann gibt es einen Hinweis, dass Caramitru die Hochzeit seiner Schwester in einem Dorf am Fuß der Karpaten aufsuchen wolle …

ZIELFAHNDER: FLUCHT IN DIE KARPATEN ist ein geradliniger Actionfilm, was bedeutet, dass der Zuschauer nicht allzu viele Überraschungen hinsichtlich des Handlungsverlaufs erwarten darf, wohl aber einen ereignisreichen Weg dahin. Highlights waren für mich die Szenen im Besprechungsraum des LKA, weil Graf es wie kein zweiter in Deutschland versteht, diese in anderen Filmen lustlos hingeworfenen Momente so zu inszenieren, dass sie nicht bloß lästige Exposition sind, sondern ein Gefühl für die Welt schaffen, der seine Protagonisten entstammen. Wunderbar ist das Zusammentreffen der deutschen und rumänischen Kriminalbeamten: Letztere betrachten die „Eindringlinge“  natürlich mit kaum verhohlenem Spott und Ablehnung, aber die Annäherung funktioniert dann doch – ein Standard des Polizeifilms natürlich, aber es fühlt sich hier trotzdem echter an als üblich. Bukarest, das man aus zahlreichen DTV-Actionern der letzten 15 Jahre kennt, erstrahlt hier in einem ganz anderen Licht und in den bunten Farben eines rauschhaften Nachtlebens, in das sich auch die beiden Helden stürzen. Richtig toll wird es dann aber im Karpatendorf, wo Landauer und Schröder erst eine peinliche Niederlage einstecken, dann in die Feierlichkeiten mithineingezogen werden, mit dem Fund einer gestohlenen Kirchenglocke zu Lokalhelden avancieren und dann schließlich in einem Showdown auf Caramitru treffen, der mich im positivsten Sinne an die alten Karl-May-Filme erinnert hat. Auch wenn ZIELFAHNDER: FLUCHT IN DIE KARPATEN das Rad keineswegs neu erfindet: Es gibt hier einfach Sachen zu sehen, die man so im deutschen Fernsehen noch nicht gesehen hat und die deutlich machen, dass Graf eigentlich auf die große Leinwand gehört. Allein wie am Ende die Schatten der Wolken über die grünen Gebirgswiesen ziehen, hat das Einschalten gelohnt …

unbenanntMehr durch Zufall kam das Karen-Arthur-Double-Feature bestehend aus THE MAFU CAGE und diesem Fernsehfilm aus dem Jahr 1985 zustande. Ich kannte die Regisseurin überhaupt gar nicht, bis mir auffiel, dass mir gleich zwei Filme von ihr vorliegen. Und welchen besseren Zeitpunkt hätte es also für THE RAPE OF RICHARD BECK geben können?

Es gibt im Netz eine kleine Huldigung für diesen TV-Film, die darauf basiert, dass es eben Richard Crenna – auf ewig verbunden mit Rambos Mentor Colonel Trautman – ist, der hier einer Vergwaltigung unterzogen wird. Ich gebe zu, dass das durchaus nicht ohne Humor ist: Es fällt einfach irrsinnig schwer Crenna von seiner ikonischen Rolle zu trennen, auch wenn es natürlich ungerecht ist, ihn auf diese festzunageln: Die Filmografie des Mannes umfasst über 100 Einträge und seine Karriere begann in den Fünfzigerjahren, satte drei Jahrzehnte vor FIRST BLOOD. THE RAPE OF RICHARD BECK gibt zudem eine gute Zielscheibe für Spott ab, weil es einer jener Fernsehfilme ist, die ihren aufklärerischen Impetus kaum verbergen können, dabei aber ungemein marktschreierisch und konstruiert daherkommen. Es ist Regisseurin Karen Arthur zu verdanken, dass der Film zunächst trotzdem sehr leichtfüßig voranschreitet, bisweilen gar einen unerwarteten Witz an den Tag legt, der das mitgelieferte Entrüstungspotenzial sanft, aber bestimmt unterläuft. Anders als etwa ein Jahrzehnt später ein prestigeträchtiges Werk wie Barry Levinsons DISCLOSURE, das zeigte, dass auch arme Sexsüchtige wie Michael Douglas von ekligen Frauen wie Demi Moore sexuell belästigt werden können, geht es Karen Arthur auch nicht darum, chauvinistischen Relativismus zu betreiben: Der Punkt von THE RAPE OF RICHARD BECK ist eben nicht, dass – *gasp* – auch Männer vergewaltigt werden können. Vielmehr verfolgt der Film eine ähnliche Strategie wie unzählige TWILIGHT ZONE-Folgen vor ihm: Der Protagonist, der Kriminalbeamte Richard Beck (Richard Crenna), ein Chauvi, wie er im Buche steht, wird durch die Vergewaltigung durch zwei schmierige Kriminelle (einer davon der unvergessene Nicholas Worth) gezwungen, sich mit den meist weiblichen Opfern sexueller Gewalt zu identifizieren, für die er zuvor nicht allzu viel Empathie und noch weniger Geduld übrig hatte. Und natürlich hält der geläuterte Hardliner am Ende eine ergreifende Rede vor den Frischlingen, in der er sie dazu mahnt, eine Ehepartnerin, Schwester, Tocher, Freundin oder sich selbst im Vergewaltigungsopfer zu sehen und entsprechend zu handeln.

THE RAPE OF RICHARD BECK fängt sehr gut an, mit einem als tough guy nicht ganz optimal besetzten Crenna. Aber gerade das ist eine Stärke des Films: Dieser Beck ist im ständigen Kampf mit sich selbst und seinem Männlichkeitsbild und wenn er sich in einer dunklen Seitenstraße vor den Augen seines verdutzten Partners (George Dzundza) mit gleich drei Strauchdieben anlegt, ist das beinahe lebensmüde zu nennen. Er scheint den Moment, in dem ihm jemand seine Grenzen aufzeigt, förmlich herbeizusehnen. Von der Gattin ist er geschieden, den Sohn nimmt er zu Angeltrip mit seinem Vater (Pat Hingle), selbst ein Ex-Cop, mit, weil er dort mehr lerne übers „Mannsein“, als von den doofen Büchern in der Schule. Vergewaltigungsopfer sind für ihn vor allem unkooperativ mit ihrer Scham, Sexualdelikte irgendwie zweitklassig. Und nachdem er eine vergewaltigte Frau in eine Decke gehüllt zum Krankenwagen tragen muss, erzählt er den Kumpels beim Bier danach lachend, dass er dabei beinahe „hart“ geworden sei. Aber das Machogehabe fällt von ihm ab wie Herbstlaub, als er selbst Opfer einer Vergewaltigung wird.

Leider ist genau dieser zentrale Moment auch der, in dem es mit dem Film bergab geht. Alles, was danach kommt, ist vorhersehbar und unangenehm gefühlsduselig. Crenna ist gut, erhielt einen Emmy für seine Darbietung, aber trotzdem kann er den Eindruck, der ganze Film sei ein konstrurierter Medienstunt, nicht zerstreuen. Und irgendwie ist es ja dann auch doch so, dass die Vergewaltigung für Beck „schlimmer“ ist als für eine „gewöhnliche“ Frau, eben weil er ein Mann ist, ein Polizist dazu. THE RAPE OF RICHARD BECK tut alles, um die Demütigung für ihn besonders groß zu machen. Sein Vorgesetzter freut sich insgeheim, dass der aufmüpfige Cop zurechtgestutzt wurde, sein Partner redet auf ihn ein, dass man die ganze Angelegenheit unter den Teppich kehren solle, weil man Beck sonst vor seinen Kollegen „zerstöre“, der Vater wendet sich verständnislos ab von seinem Sohn, der sich, so seine Sicht der Dinge, lieber vergewaltigen ließ, statt den Tod zu wählen. Die Fokussierung auf Becks Seelenpein und den inneren Wandel wirkt dann tatsächlich etwas albern, weil er einer fadenscheinigen Fernsehdramaturgie unterworfen ist: Der zu Beginn noch so ambivalente Charakter wird gnadenlos gestreamlinet und so letzten Endes unglaubwürdig.

headhunter01Ich habe drei oder vier Anläufe gebraucht, um HEADHUNTER zu schauen und nach dem ersten gescheiterten Versuch, bei dem ich gleich mehrfach weggepennt war, hatte ich eigentlich noch vorgehabt, es dabei zu belassen. Der auf der Halbsichtung basierende Text war schon geschrieben, was ich ja eigentlich sonst nicht mache: Es war meine Gattin, die mich davon überzeugte, dem Film noch eine Chance zu geben. Und sie hatte ja auch einen Punkt, denn HEADHUNTER ist schon irgendwie faszinierend: Ihn einfach als Gurke zu bezeichnen, wird ihm nicht gerecht. Es handelt sich nicht, wie ich dachte, um einen typischen Horror-/Slasherfilm der Achtzigerjahre-Prägung, sondern eigentlich um einen trotz aller Klischees recht ungewöhnlichen Copfilm mit übersinnlichen Elementen. Regisseur Schaeffer orientierte sich nicht, wie das Postermotiv glauben macht, an Freddy Krueger und Konsorten, sondern eher an Alan Parkers ANGEL HEART oder Schlesingers THE BELIEVERS. Seine Geschichte um die beiden befreundeten Miami-Cops Katherine Hall (Kay Lenz) und Pete Giuliani (Wayne Crawford), die in einer Serie von Ritualmorden in der nigerianischen Gemeinde der Stadt ermitteln und sich dabei von gefestigten Realitätsvorstellungen verabschieden müssen, ist eigentlich sehr interessant.

Schaeffer scheint das auch zu wissen: Seine Protagonisten sind keine souveränen Supercops, sondern höchst durchschnittliche Typen, die schnell merken, dass sie auf verlorenem Posten kämpfen, mit ihren Hilfegesuchen aber immer wieder in beinahe kafkaesker Manier bei ihrem rassistischen Chef auf taube Ohren stoßen. Der will einen Fall, in dem eh nur ein paar „negroes“ sterben, und zwar noch nicht einmal „our negroes“, keinesfalls verkomplizieren. Die Beziehung zwischen Katherine und Pete nimmt relativ viel Raum ein: Er ist gerade von seiner Frau vor die Tür gesetzt worden, weil sie sich eine Geliebte zugelegt hat und leidet darunter wie ein Hund, hat aber auch ein Faible für die Partnerin, die indessen mit einem etwas weniger weinerlichen Kollegen liiert ist. Die Freundschaft der beiden Cops ist fast wichtiger als der Fall, in dem sie ermitteln, und so wie sie sich darstellt, recht originell und liebenswert. Auch im letzten Drittel wird es nicht zur sonst unvermeidlichen Sexszene kommen. Die nigerianische Gemeinde Miamis, eigentlich ein überaus reizvoller Hintergrund, bleibt demgegenüber leider ein bloß ornamentales Detail. Doch so klischeehaft die afrikanischen Immigranten mit ihren natürlich heidnischen Ritualen auch gezeichnet sein mögen, das Streben Schaeffers nach einer Verständigung zwischen den beiden fremden Welten wirkt ernst gemeint. Die exzellente Fotografie des deutschen Hans Kühle liefert tolle, stimmungsvolle und farbintensive Bilder und rückt immer wieder den Kontrast zwischen der gläsernen Glitzerwelt der US-Metropole und der unbekannten Subkultur der Afrikaner in den Mittelpunkt. Toll ist etwa eine Szene, in der Katherine nachts ein altes, schon von der Natur zurückerobertes Fabrikgelände erkundet und dort dann auf eine Zeremonie der Nigerianer stößt. Oder die Szene bei einem verarmten Afrika-Spezialisten, der mit seiner schwerkranken, hinter einer Atemmaske verborgenen Frau in einem winzigen, völlig zugestellten Zweizimmerappartement haust.

Doch leider, leider vereinen sich die verheißungsvollen Ansätze nie zu einem kohärenten Ganzen. HEADHUNTER ist nicht unbedingt langweilig, wohl aber gnadenlos umständlich erzählt. Er kommt einfach nicht in die Gänge, tritt endlos auf der Stelle, teasert immer wieder einen Spannungsanstieg an, nur um dann wieder zurückzuschalten. Das Finale ist reiner Horror-Kintopp, der mit seinem Gummidämon nicht so recht zum ernsten und bodenständigen Rest passen mag, übereilt und nahezu antiklimaktisch wirkt, selbst wenn zum ersten Mal so richtig die Fetzen fliegen. Wo genau liegt das Problem? Zum einen verfügt Regisseur Schaeffer einfach nicht über das Talent, das dafür nötig war, aus den vielen vorhandenen Ideen den wohl geplanten atemlosen Hochspannungsthriller zu machen. Das Drehbuch ist mitunter zerfahren, häuft einfach zu viele Ansätze an, ohne sie konsequent zu Ende zu entwickeln. Und dann sind da die aus dem Fernsehen entsprungenen und nicht gerade mit einem Übermaß an Charisma ausgestatteten Hauptdarsteller, die auf Distanz halten (Wayne Crawford ausdrücklich ausgenommen). Auch die technische Seite lässt mitunter zu wünschen übrig: Vor allem die Tonmischung ist unterirdisch, die Dialoge dumpf und mitunter nur schwer zu verstehen, offensichtliche Overdubs sollen Schwachstellen kaschieren, verstärken aber nur den Eindruck, dass hier mit ganz heißer Nadel gestrickt wurde.

Mit einem abschließenden Urteil tue ich mich sehr schwer: Ich finde es durchaus lobenswert, dass die Macher mit HEADHUNTER versuchten, eigene Wege zu gehen, und würde es dem Film immer zugute halten. Richtig gelungen ist das alles aber trotzdem nicht.

police-academy-3-back-in-trainingDer dritte Teil kehrt nach dem Ausflug auf die Straßen von Los Angeles zurück auf das bekannte Terrain der Ausbildungsakademie von Commandant Lassard (George Gaynes), bringt einige Figuren zurück, die man im direkten Vorgänger (vielleicht) vermisst hat und ergänzt sie um einige, die sich in THEIR FIRST ASSIGNMENT als würdige Neuzugänge der Serie erwiesen haben. Der Plot ist einfach: Weil die Stadt zu Sparmaßnahmen gezwungen ist, soll eine der beiden existierenden Polizeiakademien geschlossen werden. Um zu ermitteln, welche dies sein wird, werden die Schulen einer Serie von Tests unterzogen. Die eine Akademie ist natürlich die des liebenswert trotteligen Lassard, der wieder einmal darunter zu leiden hat, dass seine Kadetten zwar engagiert, aber auch ziemlich chaotisch sind, die andere untersteht dem um keinen Sabotageakt verlegenen Mauser (Art Metrano), der seine Schurkenrolle aus Teil zwei wiederholt. Diese Handlung wird in einer munteren Reihe von meist ziemlich tumben Sketchen abgewickelt, bevor sich die eigentlich hoffnungslos abgeschlagenen Kadetten in einer echten Mission beweisen dürfen und schließlich triumphieren.

POLICE ACADEMY 3: BACK IN TRAINING ist – das dürfte klar sein – gewiss kein komödiantischer Triumph, aber man muss den Drive, den er in seiner Aneinanderreihung hirnrissiger Possen entwickelt, bewundern. Jeder „Charakter“ hat genau eine Eigenschaft, die gnadenlos ausgereizt wird: Hightower (Bubba Smith) ist schwarz, groß und stark, weshalb es natürlich urkomisch ist, dass er sich in einer Szene als Frau verkleiden muss. Tackleberry (David Graf) ist der schießwütige Waffennarr, der gleich mehrfach gezwungen wird, eine Rambo-Parodie zu absolvieren. Jones (Michael Winslow) macht Furzgeräusche nach, Hooks (Marion Ramsey) hat eine Piepsstimme und Callahan (Leslie Easterbrook) dicke Titten. Zed (Bobcat Goldthwait) ist ein neurotisches, unberechenbares Nervenbündel, Sweetchuck (Tim Kazurinsky) ein kleiner, biederer Brillenträger, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, und der japanische Kadett Nogata (Brian Tochi) kann – Achtung! – Karate und ist Anlass für einfältige Arigato-Alligator-Witze. Mauser ist ein mieser Speichellecker, der andere Speichellecker für seine Zwecke einspannt, darunter natürlich wieder den dämlichen Proctor (Lance Kinsey), aber auch die Wiederkehrer Copeland (Scott Thomson) und Blanks (Brant von Hoffman). Ja, und Mahoney (Steve Guttenberg) hält das Ganze als einzig halbwegs normale Figur zusammen und darf seinen aufdringlichen Stalker-Charme erneut in einer unterentwickelten Romanze mit einer langweiligen Blondine (Shawn Weatherly) zum Besten geben. Auch die sich ständig prügelnden Kirkland-Männer sind wieder dabei, dafür bleibt die zugehörige Tochter respektive Schwester, Tackleberrys Gattin, außen vor. Bei so viel Potenzial für blühenden Blödsinn bleibt keine Zeit, sich zu langweilen.

Den Rest besorgt dann die „Augen zu und durch“-Inszenierung von Jerry Paris, der sich beim Schnitt des großen Finales – einer endlosen Verfolgungsjagd mit grellbunten Jetskis, die ganz offensichtlich als großer Schauwert eingesetzt werden – nicht lange um Raumerklärung und Continuity schert. Raum und Zeit sind in Auflösung begriffen, die Zote diktiert die Logik. Der Mann konnte auf zwei Jahrzehnte Regieerfahrung vor allem mit Fernsehserien wie THE MUNSTERS, TAMMY, THE DICK VAN DYKE SHOW oder THE ODD COUPLE vorweisen und wusste wahrscheinlich sehr genau, wie man auf eine Szene in kürzester Zeit den Deckel draufmacht. POLICE ACADEMY 3: BACK IN TRAINING wird von diesem atemlosen „Immer weiter“ angetrieben, das Rohrkrepierer verzeihlich macht. Hier ist Komödie noch echtes, bisweilen schmutziges Handwerk, bei dem halt auch mal ein Nagel krumm ins Holz geschlagen wird. Scheiß drauf, weitermachen. Leider war für Paris nur kurze Zeit später Schluss: Er starb nur zehn Tage nach der Premiere von POLICE ACADEMY 3 an einem Gehirntumor. Ich verkneife mir einen entsprechenden Witz und schließe versöhnlich: Ich hatte nämlich einen Mordsspaß mit diesem herrlich blöden Film.

police-academy-2-their-first-assignment-30426Über POLICE ACADEMY schrieb ich, dass er vor allem durch die Besetzung von George Gaynes als Commandant Lassard und G. W. Bailey als Lieutenant Harris über das Niveau einer bloßen Blödelkomödie gehoben wird. Was heißt es also für POLICE ACADEMY 2: THEIR FIRST ASSIGNMENT, dass die Präsenz des ersten auf eine Gastrolle reduziert wird und letzterer gar ganz abwesend ist? Die Antwort: nichts Gutes. Trotzdem ist das Sequel noch einigermaßen amüsant.

In L.A. steht Captain Pete Lassard (Howard Hesseman), der Bruder des Akademieleiters, kurz vor dem Rausschmiss als Chef seines Precincts, das von einer steigenden Anzahl von Verbrechen heimgesucht wird, derer der gutmütige Staatsbeamte einfach nicht Herr wird. Der hinterhältige Lieutenant Mauser (Art Metrano) steht schon in Lauerstellung, um seinen Vorgesetzten abzulösen, seinen dämlichen, stiefelleckerischen Adjutanten Proctor (Lance Kinsey) immer im Anschlag. Lassard fragt schließlich seinen Bruder um Hilfe und lässt sich von diesem die frisch gebackenen Absolventen der Polizeiakademie als Problemlöser andrehen, was die zu erwartenden Albernheiten und Turbulenzen, schließlich aber auch ein Happy End nach sich zieht.

Echte Höhepunkte sind rar gesät in POLICE ACADEMY 2: Was wirklich schön ist, sind die kleinen Signale, die einen daran erinnern, welch beschissenen Ruf US-amerikanische Großstädte in den Achtzigerjahren hatten. Richtige Gewalt gibt es hier natürlich nicht, aber wenn ein verhuscht-panischer Geschäftsmann sein Ladenlokal nach Feierabend eilig mit einem elektrifizierten Stacheldraht-Rolltor verbarrikadiert und sich dann gehetzt über die Schultern blickend auf den Heimweg durch ausgestorbene und heruntergekommene Straßen macht, dabei von ein paar fantasievoll gekleideten Punks heimgesucht wird, kommen einem unweigerlich all die DEATH WISHs und ROBOCOPs in den Sinn, die maßgeblich dazu beitrugen, die USA als Land am zivilisatorischen ABgrund zu zeichnen. Ob sich POLICE ACADEMY 2 vielleicht sogar ein wenig lustig macht über die Endzeitstimmung, die die Law & Order-Apologeten damals beschworen? Die Rowdys um den Anführer Zed (Bobcat Goldthwait) muten jedenfalls nicht so sehr wie gefährliche Gewaltverbrecher, sondern eher wie gelangweilte und vernachlässigte Lausebengel an, die nicht wissen, wo sie mit ihrer Energie hin sollen. Dass Zed im kommenden Teil in den Kreis der Polizei aufgenommen wird, spricht jedenfalls Bände hinsichtlich der humanistischen Gesinnung der Reihe: Gebe den größten Versagern eine Aufgabe (und eine Uniform) und sie werden zu nützlichen Dienern der Gesellschaft. Dass das umgekehrt natürlich wenig schmeichelhaft für die staatliche Organisation der Polizei ist, macht die schöne Ambivalenz der Reihe aus. Bobcat Goldthwait ist vor allem in der deutschen Synchro eine Schau und wird leider mit viel zu wenig Screentime bedacht. Sein postverbales Gekreisch und Gejammer ist eine Schau. Im Mittelpunkt steht der Zickenkrieg zwischen den neuen Cops und ihrem Fürsprecher auf der einen Seite und dem blöden Mauser auf der anderen. Das ist meist nicht so aufregend, zumal Mauser ein denkbar einfaches Ziel abgibt, aber das helmartige Toupet, dass er nach einer Spezial-Haarbehandlung mit Epoxitharz tragen muss, ist dann doch ziemlich toll. Waffennarr Tackleberry (David Graf) bekommt mit der nicht minder schießwütigen Kirkland (Colleen Camp) eine Freundin (und zum Abschuss dann sogar Ehepartnerin) zur Seite gestellt und mit dem schmuddeligen Hundepolizisten Schtulman (Peter van Norden) gibt es noch eine weitere neue Figur, die u. a. mit klebenden Stinkesocken um sich wirft.

Wie gesagt: Der Film bleibt deutlich unter dem Niveau des Vorgängers, aktiviert aber noch  ausreichend Goodwill im Zuschauer, um als „liebenswert“ eingestuft zu werden.

police_academy_filmIch behaupte: Wer 1984, als POLICE ACADEMY in deutschen Kinos mit über 5 Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten Film des Jahres avancierte (zuvor hatte er schon in den USA abgeräumt, wo er immerhin auf Platz 6 der Jahrescharts abschloss), so um die zehn Jahre alt war, für den war dieser Film eine der „top priorities of the year“. Ich habe ihn damals zwar nicht im Kino gesehen, sondern erst später auf Video, aber auch für mich gab es keinen Zweifel daran, dass POLICE ACADEMY ein Geschenk der Götter war. Die stattliche Zuschauerzahl lässt kaum einen Zweifel daran, dass sich auch genug Erwachsene für die derbe Komödie interessierten, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sie erst von Eltern in solch astronomische Höhen getrieben wurde, die ihre hysterischen Buben ins Kino begleiten mussten.

So richtig ist das Phänomen POLICE ACADEMY heute aber nicht mehr nachzuvollziehen: Der wesentlich vom Drehbuchautor Pat Proft erdachte Stoff traf voll ins Schwarze und zog bis 1989 im Jahresrhythmus fünf Sequels (erst Teil 7 folgte dann mit einigem Abstand 1994) sowie etliche Nachahmer nach sich. Dabei erschöpfen sich die eher durch eine Idee als durch eine Story nur lose verbundenen Gags meist in sehr offensichtlichen Kalauern und tumben Slapstick-Nummern, die nie das Niveau und die Mehrdeutigkeit der strukturell verwandten ZAZ-Komödien erreichen (Proft schrieb später die Drehbücher für die NAKED GUN-Filme und die beiden HOT SHOTS!-Teile). Auch Schauwerte oder Stars sind Mangelware: Zwar erlangte Steve Guttenberg dank seiner Rolle als smarter Carey Mahoney kurzzeitigen Ruhm, und machte One-Trick-Pony Michael Winslow das Beste aus seinem überschaubaren Talent, aber im Wesentlichen ist der Erfolg des Films auf ein immens glückliches Händchen der Macher und eine günstige Konstellation der Sterne zurückzuführen. Darauf, sowie auf die generelle Antipathie, die dem Polizisten, jenem sich in einer Uniform versteckenden Besserwisser und Kontrolletti, seit jeher zuteil wurde und die auch POLICE ACADEMY gekonnt bedient. Alle Vorurteile, die man gegen die Polizei je hatte, kommen zum Tragen, und die hochrangigen Offiziere werden als Deppen oder eitle Klugscheißer enttarnt, deren Job selbst ein paar Taugenichtse erledigen können.

Was aber nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass POLICE ACADEMY tatsächlich ziemlich witzig ist, witziger jedenfalls, als ich das vermutet hatte. Auch dank des großartigen Castings – nur Typen: Tackleberry (David Graf), Hightower (Bubba Smith), Hooks (Marion Ramsey), Callahan (Leslie Easterbrook), Barbara (Donovan Scott) – gelingt es Regisseur Wilson nämlich, die Defizite seines Films für sich arbeiten zu lassen. Die beiden Asse im Ärmel sind dabei die großartigen G. W. Bailey als eisenharter, missgünstiger Ausbilder Lieutenant Harris sowie George Gaynes als gutmütig-verpeilter Commandant Lassard, der schon ein bisschen Leslie Nielsens Frank Trebbin vorwegnimmt und bei ZAZ wahrscheinlich von Lloyd Bridges verkörpert worden wäre. Die größten Lacher gehen auf ihr Konto und zwar nicht, weil man ihnen solch granatenstarken Gags in den Mund gelegt hätte, sondern weil sie das mimische Handwerk der Reaktion zur wahren Kunstform erhoben haben. Dass Harris bei einem Motorradsturz kopfüber in einem Pferdearsch verschwindet, ist sicherlich keine Sternstunde der amerikanischen Komödie, aber wie er danach zum ersten Mal wieder mit indigniertem, leicht verstörtem Gesichtsausdruck vor seine grienenden Kadetten tritt, rehabilitiert die gesamte Sequenz und ist zum Schießen. Von Gaynes Performance, als sein Lassard bei einer Rede von einer unter seinem Rednerpult verborgenen Prostituierten (Seventies-Pornoikone Georgina Spelvin) einen Blowjob bekommt, ganz zu schweigen. Die ausgestellte Blödheit und Albernheit des Films wirkt auf Dauer tatsächlich ansteckend, weil die Darsteller voll in ihr aufgehen und auch die größte Idiotie noch mit jener vergeblichen Würde versehen, aus der hier mehr als einmal wenn schon nicht komödiantisches Gold, so doch sehr gepflegtes Silber entsteht. Meine Gattin sagte eben, sie habe den Film außerdem „unerwartet progressiv“ gefunden. Ich weiß nicht, ob ich das unbedingt so formulieren würde, aber es ist schon was dran: Männer und Frauen, Schwarz und Weiß sind gleichrangig und es ist weniger das Abweichen von der sexuellen Norm, dass der Film in seinen Zoten aufs Korn nimmt, als das krampfige Aufrechterhalten einer verlogenen Fassade. POLICE ACADEMY hat ein Herz für Außenseiter.

300px-delladrogaHongkong bei Nacht, Neonlichter. Fabio (Fabio Testi) im Späthippie-Schmuddellook mit Cap, fransigen Haaren, Fünftagebart, Jeansjacke, Jeanshosen, Stiefeln. Enzo G. Castellari als Straßendealer mit Schiebermütze, wild diskutierend und gestikulierend. Hongkong bei Tag, Fabio auf einer Dschunke, das ausgezogene T-Shirt um den Hals gelegt, zwei Holzketten baumeln um die starke männliche Brust. Carthagena, Kolumbien: Ein dubioser, gutsituierter Herr ergreift die Flucht aus seinem Luxushotel, als drei uniformierte Herren auftauchen. Amsterdam, Keilerei zwischen Drogenhändlern, ein Mann im Anzug schreitet mit einer Waffe ein. New York: In einem Wolkenkratzer unterbricht die Sekretärin das Gespräch zweier Geschäftsleute, ein wichtiger Anruf sei eingegangen. Schließlich Rom: Der Interpol-Beamte Hamilton (David Hemmings) ereifert sich gegenüber sienem italienischen Kollegen über die miese Absteige, in der sie seine zur Zerschlagung eines international agierenden Drogenhändlerrings formierte Spezialeinheit untergebracht haben. Wenig später landen Fabio und der Pistolenmann aus Amsterdam am Flughafen und während in Fabios Gepäck mehrere Kilo Heroin gefunden werden, kann der andere unbemerkt durch den Zoll schlüpfen.
Die Anfangssequenz von LA VIA DELLA DROGA veranschaulicht nicht nur, welcher Aufwand für Castellaris Drogenkrimi betrieben wurde, er weist auch den Weg für die folgenden 90 Minuten. Auf welchen Bahnen die Verbrecher da ihre Drogen auf die Reise um den Erdball schicken, wer mit wem kollaboriert und wie der Undercover-Cop Fabio gedenkt, die Organisation von innen heraus zu zersetzen, geht für den braven Zuschauer im Trubel der Ereignisse weitestgehend unter. Wie der zuletzt besprochene IL GRANDE RACKET ist LA DELLA DROGA eine eineinhalbstündige Achterbahnfahrt, bei der die grobe Richtung – steil abwärts und immer nach vorn – zwar irgendwie klar ist, alles andere aber im Geschwindigkeitsrausch verschwimmt. Anders als im genannten Film macht das hier aber insgesamt mehr Sinn, weil nicht Einzelschicksale im Mittelpunkt stehen, sondern der Film nur ein Schlaglicht auf das Tagesgeschäft längst weltumspannend agierender Organisationen wirft, in der Individuen völlig austauschbar geworden sind. Es dauert 40 Minuten, bis man erfährt, wer dieser Fabio eigentlich ist, von dem man sonst nichts weiß, außer dass er aus ungeklärten Gründen unsere Identifikationsfigur sein soll. Wie bei seinem späteren Kollegen Sonny Crockett ist man sich aber nie ganz klar, ob er der Verlockung des großen Geldes und des ständigen Nervenkitzels nicht doch erliegt und die Seiten wechselt oder schon jetzt ein gerissenes Doppelspiel spielt. Und Hamilton, sowas wie das Gewissen und der gesunde Menschenverstand des Films, tritt in dessen zweiter Hälfte weit in den Hintergrund: Er ist eben doch nur ein kleines Licht, ein hilfloser Bauer in einer Schachpartie, bei der ein unsichtbar bleibender Großmeister die Figuren zieht.

Zum treibenden Score von Goblin – meines Erachtens eine ihrer besten Arbeiten – verwickeln sich die einzelnen Fäden so hoffnungslos, bis nur noch der radikale Einsatz einer Schere Abhilfe schaffen kann. Der Showdown des Films, der zu Fuß und auf dem Motorrad über die Etagen eines im Bau befindlichen Hochhauses, durch eine ebenfalls noch unfertige U-Bahn-Station, auf die riesige Bühne eines imposanten Freilichttheaters und schließlich in einen Hangar führt, von wo aus sich die Konfliktparteien zum Schluss dann in die Lüfte erhebt – einfach geil, wie Fabio kurzentschlossen in den Flieger steigt, und beschließt, das Ding selbst zu fliegen: Kann so schwer ja nicht sein -, ist eine einzige Actionorgie, wie sie in Italien nur Castellari mit dieser Rasanz und Konsequenz zu verstehen wusste. Wenn der letzte (?) Schurke mit seiner Cessna an einem Brückenpfeiler zerschellt, ist dann auch alles gesagt, großes Gesäusel ist danach überflüssig. Wer erwartet, von einem Actioner menschlich involviert oder gar berührt zu werden, der ist bei LA VIA DELLA DROGA fehl am Platze. Wer aber gern mal wieder ordentlich durchgepustet werden will, liegt hier goldrichtig.