Mit ‘Priscilla Lane’ getaggte Beiträge

Als der Polizist Mike Carter (Lawrence Tierney) wegen seiner ruppigen Methoden erst suspendiert und nach dem folgenden wütenden Angriff auf seinen Vorgesetzten Lieutenant Borden (Frank Fenton) ganz entlassen wird, wird er von Freddie Dysen (Phillip Reed) als Bodyguard für dessen Tante angeheuert, die Fleischfabrikantin Gene Dysen (Elisabeth Risdon), auf die es angeblich ein Mörder abgesehen hat. Als Carter wenig später selbst nur knapp einem Anschlag entgeht und dabei zudem über die Leiche Bordens stolpert, weiß er, dass ihm die Rolle des „Fall Guy“ in einem großen Komplott zugedacht ist …

Wäre es nicht bloßer Zufall, dass meine Richard-Fleischer-Retro mit seinem fünften Spielfilm beginnt (es ist der früheste, der auf DVD erhältlich ist), ich müsste mir dafür selbst auf die Schulter klopfen: Die Geschichte zu BODYGUARD erdachte nämlich kein Geringerer als Robert Altman, der hier zuletzt ausgiebig behandelt wurde. Man sollte sich davon aber nicht zu viel versprechen: BODYGUARD ist nicht mehr als ein kleiner, unaufgeregter, unspektakulärer und etwas steifer Krimi, der von RKO für den B-Slot eines Double Features produziert wurde: ein B-Picture eben. Das ist nicht verwerflich und manchmal gibt es kaum was besseres, als so einen knackig kurzen Krimi voller kantiger Herren in maßgeschneiderten Anzügen und eleganten Autos, die zwar kein Kung-Fu beherrschen, aber dafür die Kunst des gepflegten Kinnhakens zur Perfektion gebracht haben, und darüber hinaus kaum weniger stilvoll gekleidete Damen an ihrer Seite haben, die genau wissen, wann Intelligenz und Selbstständigkeit gefragt sind und wann es an der Zeit ist, in Ohnmacht zu fallen.

BODYGUARD ist insgesamt etwas zu stromlinienförmig, um wirklich begeistern zu können, aber ein paar Szenen und Momente bleiben doch haften und lassen erahnen, dass Fleischer zu Größerem in der Lage war: In der Szene, in der Carter in einem Auto neben der Leiche seines ehemaligen Chefs zu Bewusstsein kommt und ein Licht auf sich zukommen sieht, das er erst in letzter Sekunde als einen auf ihn zurasenden Zug erkennt, wird recht effektv mit dem Kontrast von Licht und Schatten gearbeitet, und eine spätere Sequenz, in der der wegen Mordverdacht gesuchte Leibwächter sich zu Nachforschungen in das Geschäft eines Optikers begibt und ihm dort erst ein schlagkräftiger Gangster auflauert und dann zu allem Übel auch noch ein Polizist mit Augenschmerzen eintritt, kann man als den durchaus gelungenen Versuch bezeichnen, die Suspense-Strategien Hitchcocks mit bescheidenen Mitteln nachzuahmen. Auch visuell gibt es immer wieder kleine Lichtblicke, die aus dem sonst eher einfach gehaltenen Film herausstechen. BODYGUARD ist sicher nichts, was man unbedingt gesehen haben müsste, aber wer Crimefilme jener Zeit mag, wird auch diesem hier etwas abgewinnen können. Ein guter, wenn auch kein spektakulärer Start in meine Fleischer-Retro also.

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