Mit ‘Profikiller’ getaggte Beiträge

Dem New Yorker Ableger der Mafia-Familie ist eine Ladung Heroin in Mailand geraubt worden: Zwei Killer (Henry Silva & Woody Strode) werden nach Italien geschickt, um den kleinen Zuhälter Luca Canali (Mario Adorf) umzubringen. Nicht, weil man wirklich glaubt, dass er hinter dem Raub steht, sondern um an ihm ein Exempel zu statuieren und den tatsächlich Schuldigen – den Mailänder Mafiaboss Don Vito Tressoldi (Adolfo Celi) – einzuschüchtern. Die Jagd auf Luca wird eröffnet, doch der weiß sich zu wehren …

Nach MILANO CALIBRO 9 ist LA MALA ORDINA der zweite Teil in Di Leos Mailand-Trilogie. Thematisch bleibt er dem Vorgänger treu: Auch hier geht es um den verzweifelten Kampf eines Kleinkriminellen gegen die Machtstrukturen der Mafia: Der Zuhälter Luca wird zum sprichwörtlichen Bauernopfer, zur hilflosen, entbehrlichen Spielfigur in einem Spiel ungleich mächtigerer Männer, denen ein Menschenleben nichts bedeutet. Doch es zeigt sich, dass das große Herz des kleinen Mannes eine Waffe ist, die den Bossen gewaltigen Ärger machen kann. Es ist der Mut der Verzweiflung, ein heiliger, ungebremster Zorn, der Luca am Ende obsiegen lässt. Doch er muss dazu erst alles verlieren, was er hat.

LA MALA ORDINA ist nicht ganz so kompakt und fokussiert wie MILANO CALIBRO 9, der von der ersten Sekunde an ohne Umwege auf sein unausweichliches Ende zuläuft. Während letzterer eine Welt zeigt, in der der kleine Gauner keine Chance hat, sein Leben ein einziger sinnloser Kampf gegen das Ertrinken ist, der am Ende dann doch verloren wird, gestattet Di Leo seinem Helden im ersteren zumindest einen Etappensieg. Es bleibt zwar kein Zweifel daran, dass Luca zerstört ist, für immer gezeichnet von den Ereignissen und ohne Hoffnung, seinem Schattendasein jemals zu entrinnen, aber für den Moment hat er sich freigekämpft, den Mächtigen eine Niederlage zugefügt. LA MALA ORDINA ist also nicht von dieser bleiernen Traurigkeit und sein ganzer Rhythmus ist lebhafter. Untermalt wird er nicht von den herzzerreißenden Kompositionen Bacalovs, sondern von den treibenden, pumpenden Bässen Armando Trovaiolis. Mehr als MILANO CALIBRO 9 ist LA MALA ORDINA ein Film einzelner Szenen, Momente und herrausstechender Spitzen als eines stetigen Flows.

Zu Beginn erhalten die Killer ihren Mordauftrag von einem großväterlichen, liebenswerten Herren (Cyril Cusack) mit der Sachlichkeit eines Museumsdirektors, während Luca parallel seine Nutten vor zwei Schlägern bewahrt: Schon dieser Anfang etabliert den ganzen Konflikt des Films zwischen den distanzierten, mitleidlosen Bossen in ihren Glashäusern und den kleinen Straßengaunern, die Tag für Tag ums Überleben kämpfen. Dann ist da natürlich das dramatische Center Piece des Films, eine Verfolgungsjagd, die für mich zu den größten Errungenschaften des italienischen Crimefilms zählt: Luca jagt den Mörder seiner Frau und Tochter mit dem Auto und dann schließlich zu Fuß. Er steigert sich dabei in einen wahrhaft berserkerhaften Rausch, getrieben von einem fast animalischen Instinkt. Als er den Killer gestellt und umgebracht hat, bricht schließlich alles zusammen: Seine Rache ändert nichts, jetzt ist er mit der schrecklichen Gewissheit des Todes seiner Lieben und seiner Trauer ganz allein. Diese Sequenz allein rechtfertigt die Sichtung von LA MALA ORDINA und ist gehaltvoller, spannender und bewegender als mancher ganze Film. Mario Adorf explodiert förmlich, schreit, schwitzt, rennt, stolpert, heult – und zerschlägt Windschutzscheiben mit seiner Stirn.

Wie MILANO CALIBRO 9 Gastone Moschins Film ist so beherrscht Adorf LA MALA ORDINA. Der Film ist ohne ihn gar nicht denkbar: Adorf ist Luca Canali, der kleine, herzensgute Zuhälter, immer am Limit, ein Bauchmensch, wie er im Buche steht. Und was ein beliebiger Gangsterfilm hätte sein können, wird durch seine Darbietung zum ganz großen Drama, zu einem Film großer emotionaler Kraft. Aber er ist nicht allein und LA MALA ORDINA ist tatsächlich noch spektakulärer besetzt als sein Vorgänger: Bond-Girl Luciana Paluzzo, Femi Benussi und Sylvia Koscina sorgen für weibliche Schauwerte, Nebenrollen sind unter anderem mit Peter Berling und Ulli Lommel besetzt. Henry Silva ist eine Schau als geckenhafter, vergnügungssüchtiger Killer, der seinem wortkarge Kollegen Woody Strode mächtig auf die Nerven geht. Adolfo Celi spielt den Mafiaboss, der an die Grenzen seiner Autorität stößt, Cyril Cusack brilliert als sein „seriöses“ Gegenstück: Wer seine Macht besitzt, der braucht keinen aggressiven Machismo. Genug der langen Rede: LA MALA ORDINA ist ein Film, der endlos glücklich macht. Wer ihn noch nicht kennt, hat keine Ausrede.

Der Profikiller Jeff Heston (Charles Bronson) wird von seinem Auftraggeber und seiner Geliebten Vanessa (Jill Ireland) hintergangen. Nach einem Gefängnisaufenthalt begibt er sich in die USA, um sich an ihnen zu rächen. Vanessa ist mittlerweile mit dem Gangsterboss Al Weber (Telly Savalas) liiert, der großes Interesse daran hat, Jeff unter seine Fittiche zu nehmen. Seine Abneigung macht sich wiederum Vanessa zunutze, die ganz eigene Pläne verfolgt und Jeff dazu um den Finger wickelt …

Sergio Sollimas Film beginnt furios mit einer spannenden Verfolgungsjagd und einem Shootout, bei dem sein Protagonist schwer verwundet wird. Erst im Verlauf der nächsten halben Stunde liefert er den Kontext zu dieser Actionszene, bis dahin übt er sich – unterstützt von Morricones Beat-Score – in psychedelisch-fiebriger Lückenhaftigkeit. Zwar findet CITTÀ VIOLENTA bald eine klarere Linie, doch die Motivationen seiner Protgaonisten bleiben rätselhaft. Das liegt zum einen im Plot begründet, der alle Gegenspieler und auch vermeintlichen Freunde Jeffs mit geheimen Interessen und dunklen Geheimnissen ausstattet, zum anderen aber auch in strukturellen Schwächen: Charles Bronson ist als wortkarger Killer mit menschlichem Kern zwar idealbesetzt, nicht aber als leidenschaftlicher Liebhaber, der sich von einer Frau die Sinne vernebeln lässt. Das Auf und Ab seiner Beziehung zu Vanessa, das von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Geschichte ist, bleibt unnachvollziehbar und unglaubwürdig. Und so versandet CITTÀ VIOLENTA mit zunehmender Laufzeit immer mehr: Die furiose Unmittelbarkeit, mit der der Film begann, ist wie weggeblasen. Es wird einfach nicht klar, was Sollima genau erzählen will. Mehrere Dialoge legen nahe, dass es darum geht, Betrug, Gier und Mord als Status quo des menschlichen Zusammenlebens zu kennzeichnen: Alle haben nur ihren eigenen Vorteil im Sinn und verstricken immer mehr Menschen in das von ihnen ausgelegte Netz des Verbrechens. Aber wenn das Sollimas Thema war, dann geht es zwischen den ganzen Plottwists und Wendungen unter. CITTÀ VIOLENTA hat einige schöne Szenen und Bilder, aber neben dem Auftakt bleibt eigentlich nur das bittere Finale im Gedächtnis, das alles das richtig macht, was in der vorangegegangenen Stunde falsch gelaufen ist: Es lässt keinerlei Fragen offen.

Die beiden Killer Cohen (Roy Scheider) und Tate (Adam Baldwin) dringen in das Haus in der Einöde Oklahomas ein, in dem die Familie Knight vom CIA bewacht wird, weil der Vater gegen die Mafia aussagen soll, und bringen alle bis auf den neunjährigen Sohn Travis (Harley Cross) um. Mit ihm gemeinsam machen sie sich auf die Reise zu ihren Auftraggebern. Es dauert nicht lange, bis Travis erkennt, wie er sein Leben retten kann: Die beiden Killer sind sich spinnefeind und so beginnt der Junge, sie unbemerkt gegeneinander aufzuhetzen …

Mit THE HITCHER, dessen Drehbuch er verfasste, machte Eric Red auf sich aufmerksam und legte den Grundstein für einen der großen kleinen Filme der Achtzigerjahre. Für sein Regiedebüt COHEN & TATE begibt er sich erneut in den kleinen, abgeschlossenen, fahrbaren Raum, der den Schauplatz von THE HITCHER darstellte und den die Amerikaner so sehr lieben: das Auto. Ein Großteil des Films spielt sich im Innenraum der wechselnden Autos der Killer ab und mehr als physische Action ist es das Psychoduell zwischen den drei Insassen, das den Film bestimmt. Das fordert raumgreifende Persönlichkeiten: Scheider gibt den Cohen als souveränen, routinierten Vollprofi, dessen Anspruch es ist, seinen Auftrag ohne Pannen und unnötige Exzesse zu Ende zu bringen. Baldwin ist als Tate hingegen der unkultivierte, psychopathische Adrenalinjunkie, der es förmlich darauf anlegt, Gewalt anzuwenden. Der unausweichliche Streit, der zwischen beiden entsteht, ist auch ein Genrationenkonflikt: Dem ruhigen, distinguierten Cohen ist der mit Lederjacke gekleidete, kaugummikauende Prolet Tate ein Graus und Tate reagiert auf die Herablassung des Älteren mit zunehmend aggressiver werdender Trotzigkeit. Travis schaut sich das Schauspiel an und entwickelt langsam seine Strategie. COHEN & TATE ist somit fast zwangsläufig aus der Perspektive des Kindes erzählt und das verzerrt die Vorgänge zum grimmigen Gegenwartsmärchen. Der mit Gusto overactende Baldwin wird zum bösen, zähnefletschenden Wolf, Cohen zur bösen Vaterfigur, die es zu überwinden gilt, die Reise über nächtliche Straßen in eine fremde Stadt zur Wanderung in unbekanntes Land. COHEN & TATE funktioniert demnach auch nicht so sehr als authentischer oder realistischer Actionfilm, dafür ist er zu abstrakt und pointiert. Im Grunde ist Reds Debüt ein auf 90 Minuten gestreckter Kurzfilm und es spricht für den Debütanten, dass das nicht negativ ins Gewicht fällt, der Film seine Idee nicht überstrapaziert, sondern mit vielen Wendungen und Ausbrüchen interessant bleibt. Dass COHEN & TATE einer der „100 besten Action-Filme“ ist, wie es das gleichnamige Buch aus der Heyne-Kinobibliothek behauptet, möchte ich zwar bestreiten, ein sehr origineller Beitrag zum Genre ist Red aner fraglos gelungen.

Prag: Der Profikiller Ray Carver (Cuba Gooding jr.) wird von der Mafiaorganisation der Suverovs engagiert, die konkurrierenden Crime-Family der Tavanians auszulöschen. Den entscheidenden Anschlag überleben aber einige der Zielpersonen und wollen nun Rache üben. Die Suverovs rüsten infolgedessen auf, indem sie den berüchtigten Aleksey Andreev (Dolph Lundgren), genannt „der Wolf“, auf ihre Gegner ansetzen. Und zu diesen gehört seit seinem Versagen auch Ray, der außerdem um Karmaausgleich bemüht ist …

Nach seinem THE HIT LIST, der weniger durch Authentizität und Rohheit, sondern mit einer geschliffenen, konstruierten Storyline auffiel, kehrt Regisseur Kaufman mit ONE IN THE CHAMBER wieder zur No-Nonsense-Action zurück, die weniger mit originellen Ideen aufwartet, als vielmehr mit äußerst konsequenter Aufbereitung des Altbekannten. Unterstrichen wird dies durch den Schauplatz des Films: ONE IN THE CHAMBER reiht sich nahtlos in die immer länger werdende Liste der Ostblock-Actioner ein, sodass sich der Vergleich mit Filmen wie ASSASSINATION GAMES, BORN TO RAISE HELL oder DIRECT CONTACT geradezu aufdrängt. Wie diese zeichnet sich Kaufmans Film durch seine skrupellosen russischen Schurkenfiguren aus, deren Vulgarismus und Brutalität nicht zuletzt in ihrem Akzent Ausdruck findet, durch die zwischen barockem Pomp und ruinösem Verfall befindlichen Settings und die Betonung eines brutalen, völlig aus den Fugen geratenen Kapitalismus, in dem das Verbrechen einen fruchtbaren Nährboden gefunden hat. Wo anders als hier könnte ein Killer zu dem Schluss kommen, dass es an der Zeit ist, Abbitte zu leisten?

Dieser Aspekt des Films ist zwischen etlichen dynamisch inszenierten Actionszenen der einzige erzählerische Kniff, der einzige ornamentale Schlenker im unaufhaltsamen Geradeaus, den sich Kaufman erlaubt: Und er bleibt dabei gnadenlos unterentwickelt. Auch die Reue des Killers ist nur noch ein Zitat, bloße Konvention, die gar nicht mehr mit Leben gefüllt wird. Dazu passt auch, dass es den Killer, dem ein geradezu mythischer Ruf vorauseilt, schon in THE PRODIGY gab und Goodings Carver als Vorstufe zu seinem Charakter aus THE HIT LIST gesehen werden kann.) Aber in der tristen Welt von ONE IN THE CHAMBER erscheint es wie ein unerklärliches Rätsel, dass ein Killer der Frau nachstellt, die er einst zur Halbwaise gemacht hat, um seine Fehler wiederguzumachen. Da drängt sich ein anderer Film in den Film, einer, in dem für solche Sentimentalitäten tatsächlich Platz ist, in einen, der weiß, dass das es sowas nur im Kino gibt. Gleiches gilt für den Noir-inspirierten Voice-over Rays: Hier wird versucht, etwas festzuhalten, was längst entglitten ist. Der, der die konfligierenden Qualitäten des Films in sich vereint, ist Dolph Lundgren als Andreev, ein wandelnder Cartoon, der trotzdem glaubwürdig ist. Im kecken Leinenhut, in grelle Hawaiihemden und kleinbootgroße Designerschuhe gekleidet, walzt er durch den Film, seinen Beruf gleichermaßen mit Freude und Humor wie großer Effizienz und Sachlichkeit ausführend. Er ist eine Figur, die im kommerziellen Idealfall ein Spin-off inspirierte, ein buchstäblicher Farbtupfer im allumfassenden Grau. Und Lundgren spielt diese Figur mit großer Energie und sichtbarem Spaß. Die Rolle, die ihm eigentlich Stallone für THE EXPENDABLES auf den hünenhaften Leib schreiben wollte, hat er von Kaufman bekommen.

Obwohl ONE IN THE CHAMBER hinischtlich seiner Inszenierung wie aus einem Guss ist, meisterlich in der Gestaltung der Actionszenen und der Schauspielerführung und darüber hinaus immens kurzweilig, bin ich doch ein bisschen enttäuscht. Anstatt seinen eigenen, in THE PRODIGY und SINNERS & SAINTS etablierten Stil weiterzverfolgen und auszuarbeiten, wirken seine beiden letzten Filme auf mich eher unpersönlich, so als hätte er in seinem Vorhaben der Formalisierung ein Stück seiner Identität verloren. Ich bin trotzdem gespannt, wie es mit ihm weitergeht, denn eine gewichtige Stimme im Bereich des DTV-Actioners ist er immer noch.

Allan Campbell (Cole Hauser) hatte einen Scheißtag: Die fest eingeplante Beförderung ging an seinen schleimigen Kollegen, zu Hause erwischt er seine Frau (Ginny Weirick) mit seinem besten Freund im Bett und außerdem plagen ihn Schulden bei einem lokalen Gangster. Als er abends in der Bar die Bekanntschaft von Jonas (Cuba Gooding jr.) macht, will er einfach nur reden. Doch der Fremde gesteht ihm nach einiger Zeit, dass er ein Profikiller ist und überredet Allan fünf „Ziele“ auf eine Serviette zu schreiben. Der glaubt an einen Spaß und schreibt die Namen all jener auf, die für seine missliche Lage verantwortlich sind. Doch am nächsten Tag erfährt er, dass sein Chef ermordet wurde …

Nach dem düsteren Copfilm SINNERS & SAINTS, der sich ästhetisch etwas an der Authentizität der Fernsehserie THE SHIELD orientierte, versucht sich Kaufman mit THE HIT LIST erfolgreich an einem Was-wäre-wenn-Szenario, das in seiner Grundkonstellation ein bisschen an Hitchcocks STRANGER ON A TRAIN erinnert. Der Ottonormalverbraucher Allan, ein „Opfertyp“, wird endlich mal beim Wort genommen, obwohl er das gar nicht will, und sieht sich plötzlich im Mittelpunkt eines Kampfes um Leben und Tod. Aber natürlich wächst er an dieser Aufgabe: Er wird von dem Killer mit dem Gottkomplex dazu gezwungen, endlich einmal die Initiative zu ergreifen und zu handeln. Natürlich geschieht das nicht aus reiner Nächstenliebe: Der Profikiller hat Allan die Erfüllung einer ganz besonderen Rolle in seinem Leben zugedacht. Was im schlechtesten Fall eine leblos-überkonstruierte Posse hätte werden können, die sich selbst für cleverer hält als sie tatsächlich ist, gerät dank Kaufmans trockener Inszenierung, aber auch aufgrund der beiden gut aufgelegten Hauptdarsteller zu einem glaubwürdigen und lebendigen Thriller. Der ehemalige Oscar-Preisträger Gooding hat natürlich die attraktivere Rolle, aber es ist Hauser, der als sympathischer Prügelknabe die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sein Allan wirkt einfach echt und das wirkt sich positiv auf den ganzen Film aus, genauso wie die knackig-kurze Laufzeit von 80 Minuten: Kaufman verkneift sich jeden überflüssigen Schnörkel und bringt THE HIT LIST zum Ende, bevor sich Abnutzungserscheinungen einstellen könnten. Mir hat dieser Film zwar nicht ganz so gut gefallen wie seine beiden Vorgänger, aber das ist wohl eher Neigungssache. Mit diesem Film beweist Kaufman, dass er auch größere, prestigeträchtigere Filme inszenieren kann und etabliert sich endgültig als Spezialist für modernes, aber geschichts- und traditionsbewusstes Actionkino. Nice!

Für Hard Sensations habe ich William Friedkins viel gerühmten neuen Film KILLER JOE besprochen, der dieser Tage mit dem Fantasy Filmfest durch die Lande zieht. Klick hier.

Joe (Nicolas Cage) ist ein Killer, der seinen Ausstieg plant. Er weiß, dass er sonst irgendwann selbst auf der Abschussliste landet. Bevor er sich zur Ruhe setzen kann, warten vier Aufträge in Bangkok. Während er eine Zielperson nach der anderen erledigt, verliebt er sich in eine taubstumme Apothekerin. Doch die Beziehung zu ihr lässt den Killer weich werden: Als er erfährt, dass sein letztes Opfer statt der üblichen Ekelpakete ein beliebter Politiker ist, beginnt er zu zweifeln …

Die Formkurve der Pang Brothers zeigt nicht erst seit ihrer Emigration nach Hollywood nach unten: Ihren frühen Erfolgen BAGKOK DANGEROUS (1999) und GIN GWAI (aka THE EYE) hatten sie nichts annähernd Gleichwertiges mehr nachzusetzen. Vielleicht ist es verständlich, dass sie sich nach ihrem katastrophal egalen US-Debüt THE MESSENGERS nun mit einem lose auf dem eigenen Original basierenden Remake wieder ihren eigenen Wurzeln zuwenden. Leider bestätigen sie aber nur den Eindruck der letzten Jahre. BANGKOK DANGEROUS sieht gut aus, fängt die Atmosphäre der Stadt Bangkok sehr schön ein, schafft Stimmung mit dem Blick auf nächtliche, stark bevölkerte Straßen, versiffte Gassen und dreckige Hinterhöfe, hat auch einige hübsche visuelle Einfälle, aber inhaltlich kaum etwas Neues zu bieten, findet noch nicht einmal zu einem entspannten spielerischen Umgang mit den Klischees des Killerfilms. Humor etwa ist völlig abwesend, was nicht nur Cages Möglichkeiten erheblich einschränkt, sondern angesichts des Mangels jeder erzählerischen Finesse auch einige Fragen aufwirft: Was wollten die Pangs eigentlich erzählen? Was interessierte sie an ihrer eigenen Geschichte? Was unterscheidet diese Geschichte in ihren Augen von jenen zahlreichen anderen, ganz ähnlichen, die bereits von anderen Filmemachern erzählt worden sind? Tatsächlich findet BANGKOK DANGEROUS in den romantischen Szenen zwischen Joe und der Apothekerin auch dank Cages entwaffnendem Spiel zu einer anrührenden naiven Unschuld, das Problem, dass diese ganze Liebesgeschichte trotzdem nicht über den Standard-Plotentwurf aus Abschnitt 5.4 aus dem Scriptlehrbuch für Dummies hinauskommt, bleibt davon aber unangetastet. Wenn wenigstens die Actionszenen richtig kicken würden … Nee, nee, auch BANGKOK DANGEROUS ist nicht mehr als nett, eher aber weniger.