Mit ‘R. G. Armstrong’ getaggte Beiträge

angels_die_hard_poster_01Biker- und Rockerfilme gab es zwar auch schon vor EASY RIDER und THE WILD ANGELS, doch für die Renaissance des Genres zum Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre waren diese beiden natürlich maßgeblich. Man sieht das an ANGELS DIE HARD, der die wesentlichen Elemente beider Filme – den Kampf mit den Spießern und ein wenig christliches Rockerbegräbnis – aufgreift, sie mit einem dünnen roten Faden verbindet und den Rest der Zeit mit Impressionen des wilden Rockerlebens auffüllt.

In einer kalifornischen Kleinstadt wird die Rockergang um Tim (William Smith) in eine Massenkeilerei mit entrüsteten Rednecks verwickelt. Der Sheriff verweist sie des Ortes, behält nur Seed (R. Michael Stringer) zurück, den er zwei Tage später aus dem Knast entlässt. Doch Seed  erreicht seine Kumpels nicht mehr: Kurz hinter der Countygrenze wird er von seinem Chopper geschossen. Der Wunsch, ihn angemessen zu beerdigen, führt die Rocker zurück ins County, wo man nur auf sie gewartet hat. Auch ihre Hilfsbereitschaft, als es darum geht, einen Jungen aus einem Minenschacht zu befreien, kann an der grundsätzlichen Ablehnung der Bürger nichts ändern. Als auch noch die Tochter des Sheriffs verletzt wird – nicht von den Bikern, sondern von ihrem eifersüchtigen Freund – eskaliert die Situation …

Die allgemeine Feindseligkeit der Spießer gegenüber den freiheitsliebenden Rockern, die mit bürgerlichen Wertvorstellungen nichts am Hut haben, führt im Bikerfilm regelmäßig zu lynchmobartigen Szenen, feigen Exekutionen und hinterhältigen Schuldzuweisungen. Mit dem organisierten Verbrechen, in das die Hell’s Angels bekanntermaßen involviert waren, haben die Protagonisten dieser Filme selten etwas zu tun. Zwar geht es bei ihnen etwas rauer zur Sache, eine zünftige Prügelei gehört zur Freizeitgestaltung ebenso dazu, wie die stets in Reichweite befindliche Bierdose und natürlich der abgenudelte Joint, dessen kargen Überreste im „Notfall“ mit schlafwandlerischer Sicherheit aus der Jeansjackentasche geborgen werden, aber im Grunde ihres Herzens sind es gute Typen. Ihr Leben ist eine Utopie mit dem Makel, dass sie keinen eigenen, autonomen Raum besitzt. Schon ihre bloße Existenz wird somit von den „Normalos“ als Provokation empfunden. Das war in EASY RIDER so und ist auch in ANGELS DIE HARD nicht anders, der sich kaum Mühe macht, den etablierten Motiven etwas eigenes hinzuzufügen. So wird Comptons Film weniger von klassischer Narration als von dokumentarischem Impressionismus und Improvisation charakterisiert, die über die gesamte Laufzeit mehr als nur etwas ermüdend sind. ANGELS DIE HARD ist ein Zeitdokument, nicht zuletzt, weil es sich um den ersten Film von Cormans neu gegründeter Produktionsschmiede New World Pictures handelte, dessen Bedeutung sich einem heute aber kaum noch erschließen mag. Erstaunlich hingegen ist der Sprung, den der Regisseur zwischen diesem, seinem zweiten Film und dem nur ein Jahr später folgenden, um Lichtjahre besseren WELCOME HOME, SOLDIER BOYS hinlegte. Man mag kaum glauben, dass da derselbe Mann verantwortlich zeichnete.

 

ghettoblaster„Zu Hause ist es am schönsten“: Von diesem Irrglauben muss sich  Travis (Richard Hatch), ein mittelalter Vietnamveteran, schleunigst verabschieden, als er seine Eltern  besucht. Die „Hammers“, eine lateinamerikanische Gang unter der Führung des teuflischen Jesus (Del Zamora), haben die Kontrolle über das Viertel übernommen, Gewalt und Angst beherrschen die einst so idyllischen Straßen, die immer mehr verkommen. Als auch sein Vater (R. G. Armstron) den Hammers zum Opfer fällt, nimmt Travis den Kampf gegen sie auf …

GHETTO BLASTER ist typische Spätachtziger-Videoware, die mehr als nur ein Stichwort von Michael Winners unvergesslichem DEATH WISH 3 entgegennimmt, sich aber mit Bezug auf die damals eskalierende Bandenproblematik stärker als jener an der gesellschaftlichen Realität orientiert. Direktes Vorbild für Stewarts Film dürfte Dennis Hoppers kurz zuvor erschienener und heiß diskutierter COLORS gewesen sein, doch an Aufklärung oder auch nur Authentizität war ihm augenscheinlich weniger gelegen als an krachiger Action und kathartischer Triebabfuhr. Die Doppelmoral äußert sich am stärksten darin, dass an den Bandenmitgliedern einerseits kaum ein gutes Haar gelassen wird, die entsprechenden ästhetischen Merkmale – Graffiti und Hip-Hop – aber geradezu zelebriert werden. Gleich mehrere im Rhythmus der Musik geschnittene Montagesequenzen beschwören die ideelle Verwandtschaft zu den damals populären Musikvideos herauf, von denen sich der gutbürgerliche All-American Hero Travis wohl kaum repräsentiert geühlt haben dürfte.

Der Protagonist ist gleichzeitig Segen und Fluch des ordentlich inszenierten, aber insgesamt doch etwas enttäuschenden, weil hoffnungslos durchschnittlichen Films. Richard Hatch ist sympathisch und relatable, trägt wesentlich dazu bei, dass GHETTO BLASTER mit wenigstens einem Fuß in der Realität verhaftet bleibt und nicht zur völlig hohlen Ballerorgie für Testosteronjunkies verkommt. Andererseits fehlt ihm aber auch jeglicher Wahnsinn: Selbst, wenn er auf Rachefeldzug geht, verliert er nie die Kontrolle, überschreitet nie die Grenze zum Sadismus. Er verrichtet seine Arbeit effektiv, aber ohne jene Freude an der Selbstermächtigung, die den Selbstjustizfilm erst zu einer solch prickelnden und ambivalenten Angelegenheit macht. Selbstjustiz funktioniert hier tatsächlich. Was nicht heißt, das GHETTO BLASTER ohne Brutalität wäre, im Gegenteil. Die Pistolenschüsse klingen wie Atombombenexplosionen und es gibt etliche eindrucksvolle Squib Shots und explodierende Brustkörbe zu bestaunen, nur gehen die fast alle auf das Konto der Schurken. In Verbindung mit der braven Biederkeit des Helden, der am Ende lächelnd über die endlich wieder sicheren Straßen flanieren darf, für seine Heldentaten zahlreiche Schulterklopfer erhält, ist das schon ein Problem, mehr als es die absurde Überspitzung Winners im genannten DEATH WISH 3 je sein könnte.

Weil Burt (Peter Horton) in Nebraska seinen erste Stelle als Arzt antreten soll, fährt er mit seiner Freundin Vicky (Linda Hamilton) in den ländlichen Staat mitten im konservativen Bible Belt. Als sie einen Jungen überfahren und entdecken, dass dem Toten kurz vorher die Kehle aufgeschnitten wurde, machen sie sich auf die Suche nach Hilfe. Das ist schwieriger als gesagt: Der nächste Ort, Gatlin, ist völlig ausgestorben. Was Burt und Vicky nicht ahnen: Gatlin befindet sich in der Hand religiös fanatischer Kinder, deren Gottheit ihnen vor drei Jahren befohlen hat, alle Erwachsenen umzubringen …

Das war meine Erstbegegnung mit dieser King-Verfilmung, die ich bisher aufgrund der durchweg schlechten Rezensionen, die ich von ihr kenne, stets gemieden habe (möglicherweise habe ich eines der Sequels, ich glaube Teil 3 oder 4, gesehen). Und siehe da: CHILDREN OF THE CORN ist keinesfalls so schlecht, wie man so oft lesen muss. Die Verrisse kann ich mir eigentlich sogar nur so erklären, dass Kierschs Film zwischen all den gr0ßbudgetierten Studioproduktionen, die sich des Bestsellerautors in den Achtzigerjahren annahmen, einfach zu sehr den B-Movie-Traditionen verpflichtet war, um wirklich ernst genommen zu werden. Sein Film fühlt sich – nicht untypisch für die Verfilmung einer Kurzgeschichte – eher klein an, erzählt seine Geschichte nur wenig ambitioniert als Abfolge mal mehr, mal weniger spannender Set Pieces, zitiert in seinem Score die Musik berühmterer Werke (etwa THE OMEN und diverser Carpenter-Kompositionen) und mündet schließlich in einen actiongeladenen Showdown, dessen visuellen Effekte wahrscheinlich schon damals als enttäuschend empfunden wurden. Kiersch offenbart kein allzu großes Gespür für das eigentlich Beunruhigende der Geschichte, läuft so aber auch niemals Gefahr, aufgebaute Erwartungen zu enttäuschen, wie das so viele andere getan haben, die sich an King versuchten. Er liefert aber einen durchweg spannenden, unterhaltsamen kleinen Schocker ab, bei dem in kleinen Momenten angedeutet wird, was in CHILDREN OF THE CORN auf dem Spiel steht : jene Szenen, in denen Burt und Vicky, gelangweilt von der Einöde Nebraskas, das Autoradio anstellen und sofort auf die Hasspredigten fundamentaler Christen stoßen, die dann Widerhall in den Worten Isaacs (John Franklin), des Anführers der Kinder, finden. Die metaphysische Präsenz von „He who walks behind the rows“ – dem Gott aus dem Maisfeld, den die Kinder anbeten – schwächt den religionskritischen Tenor der Geschichte leider etwas ab: Es spricht viel dafür, dass die allesamt nach biblischen Figuren benannten Kinder vor allem durch das intolerante, verblendete religiöse Geschwätz der Eltern zu den kleinen Teufeln geworden sind, als die sie sich dann entpuppen (keine Ahnung wie King die beiden Elemente miteinander verbindet). Kein Wunder, dass sie die liberalen Protagonisten als Gefahr und Todfeinde betrachten müssen – und Burt ihnen mit der Pose des modernen Aufklärers gegenübertritt:“Any religion without compassion and love is false. It’s a lie!“ (Ein typisches Element des King’schen Schaffens: Man denke nur an den vor ein paar Jahren gelaufenen THE MIST.)

Mir hat CHILDREN OF THE CORN also sehr gut gefallen und die Abstriche, die man machen muss, fielen für mich nicht sonderlich ins Gewicht. Fakt ist aber, dass man aus der Geschichte sicherlich noch mehr hätte machen können. Dass Kiersch sie nicht in den Sand gesetzt hat, ist aber eine Leistung die man honorieren muss, vor allem wenn man bedenkt, was andere, bessere Filmemacher mit deutlich mehr Möglichkeiten aus Kings Vorlagen gemacht haben. Kiersch fängt die schier endlose Ödnis Nebraskas in tollen Bildern ein, die nachvollziehbar machen, warum das fundamentale Christentum hier Fuß fassen konnte, und gruppiert seine fanatischen Kinder um die brillant besetzten Isaac – Darsteller John Franklin war schon über 20, sieht aber viel jünger aus und es ist diese alterslose Weisheit, die seine Figur so eindrucksvoll macht – und seinen henchman Malachai (Courtney Gains): Was potenziell lächerlich hätte werden können, ist so einer jener Aspekte, die dem Film zu seinem Erfolg verhelfen. Fein.

the pack (robert clouse, usa 1977)

Veröffentlicht: Dezember 1, 2011 in Film
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Auf einer Urlaubsinsel haben sich von Touristen ausgesetzte und ausgehungerte Hunde zusammengerottet und eine Gruppe von Urlaubern als Mittagessen auserkoren. Das ist umso schlimmer, als ein Unwetter die Abreise unmöglich macht und zudem die Funkverbindung zum Festland unterbrochen ist. Der auf der Insel lebende Meeresbiologe Jerry (Joe Don Baker) hat alle Hände voll zu tun, die Menschen um ihn herum – darunter auch seine Partnerin und seine beiden Söhne – zu schützen und die wilden Hunde unschädlich zu machen …

Die Veröffentlichung des Films in der Warner Archive Collection macht’s möglich: ein Wiedersehen mit diesem kleinen vergessenen Vertreter des Tierhorrorfilms, mit dem ich gemütliche Videostunden vor der Glotze meines Großonkels verbinde. Später konnte ich dann auch das Warner-Verleihtape erstehen, dessen Cover allerdings deutlich weniger beschissen aussah als das hier verwendete. Ein paar Aspekte des Films mag ich heute immer noch sehr: das herbstlich-rurale Setting und die mit diesem einhergehende Farbpalette aus satten Grün- und schlammigen Erdtönen, Joe Don Baker – eh ein ewiger Fave von mir – in seinem Holzfällerhemd, die Auftritte des Hunde-Anführers, eines räudigen Monsters mit furchteinflößendem Gebiss, die Zurückhaltung des Films, der nie so ganz zum Monsterhorror mutieren möchte.

Trotzdem war die erste Sichtung nach zig Jahren schon etwas ernüchternd. THE PACK ist einfach nicht besonders spannend, was vor allem daran liegt, dass die anwesenden Charaktere mit Ausnahme des Protagonisten überaus nachlässig gezeichnet sind, was soweit geht, dass ihre Anwesenheit auf der Insel komplett unglaubwürdig ist. Es handelt sich bei der mehrköpfigen Gruppe um Bänker, die den Urlaub wohl als Teambildungsmaßnahme betrachten, was allerdings überhaupt nicht weiter herausgearbeitet wird. Alles, was man als Zuschauer sieht, ist eine denkbar heterogene Gruppe von Menschen, denen man einfach nicht abnimmt, dass sie zusammen in Urlaub fahren würden und schon gar nicht auf eine sturmgepeitschte Insel: Unter ihnen befinden sich unter anderem ein fetter mittdreißigjähriger, bebrillter Jammerlappen, der im ewigen Clinch mit seinem ebenfalls anwesenden autoritären Vater liegt, und eine hohle Blondine, die wohl für Sexappeal sorgen soll, aber nicht verhehlen kann, dass sie die Vierzig weit hinter sich gelassen hat. Man interessiert sich einfach nicht für das Schicksal dieser Nasen, weil sie entweder unsympathisch oder aber völlig leer sind. Ein weiteres Manko besteht in der Inszenierung von Robert Clouse, die mit ihren komischen Anwandlungen nicht so recht zum bodenständigen Sujet des Films passen will. Clouse neigt zur grellen Emphase, Zurückhaltung und Subtilität sind überhaupt nicht sein Ding, aber was bei Filmen wie dem quietschbunten Exploitationklassiker ENTER THE DRAGON oder einem trashigen Absurdion wie dem unbeschreiblichen GYMKATA durchaus angemessen ist, diesen sogar noch den entscheidenden Kick gibt, rückt THE PACK, der doch eigentlich die Versöhnung von Mensch und Tier propagiert und den Menschen zum verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur ermahnt, mehr als einmal in die Nähe einer Zirkusveranstaltung.

Es ist ja nicht verkehrt, die verwilderten Hunde NICHT völlig undifferenziert als reißende Bestien darzustellen, zu zeigen, dass erst menschliche Verantwortungslosigkeit sie dazu machen konnte und die Natur nunmal keine Alternative zum rücksichtslosen Überlebenskampf kennt. Aber Clouse fehlen die inszenatorischen Mittel dazu, dies in Bilder zu fassen, die nicht mit seinem Tierhorror-Ansatz kollidieren. In den Szenen, in denen das Hunderudel bei seinen Streifzügen beobachtet wird, fühlt man sich fast in einen Kinderfilm versetzt, wartet insgeheim auf den kleinen braven Jungen, der die Hundchen auf den rechten Pfad der Liebe zurückbringt; eine Tatsache, die durch die bunte Mischung des Rudels, in dem sich nicht bloß potenziell aggressive Hunde, sondern auch ein paar treudoof guckende Schoßhündchen befinden, noch verstärkt wird. Ein Stilmittel, mit dem Clouse zwar absolut nicht umzugehen weiß (das ist mir jetzt schon mehrfach aufgefallen), aber trotzdem immer wieder gern darauf zurückgreift, ist die Zeitlupe: Wann immer sie in THE PACK zum Einsatz kommt, scheint dies nicht so sehr zum Zweck der Spannungssteigerung oder der Dynamik zu geschehen, als vielmehr, um die Leistungen der Tiertrainer herauszustellen. Ich fühlte mich an Jackie-Chan-Filme erinnert und ihren Brauch, besonders gefährliche und spektakuläre Stunts noch einmal in Zeitlupe zu zeigen. Anstatt den Zuschauer bei der Gurgel zu packen und ihn tiefer in den Film zu ziehen, bewirken die Zeitlupen in THE PACK das Gegenteil, weil sie immer nur die Gemachtheit des Films betonen, vom Geschehen distanzieren.

Tja, so ist das manchmal. Ich hatte mich doch sehr gefreut auf das Wiedersehen mit dieem Film, den ich doch gern als vergessenenes Kleinod angepriesen hätte. So ist er letztlich nur für Tierhorror-Komplettisten oder eben die wenigen Nostalgiker, die mit THE PACK etwas verbinden, sehenswert. Schnüff.