Mit ‘R. J. Kizer’ getaggte Beiträge

Nach dem Atomkrieg liegt die Menschheit am Boden: Von der einstigen Zivilisation gibt es nur noch Überreste und die wenigen überlebenden Menschen müssen sich zudem mit einer Rasse mutierter zweibeiniger Frösche herumschlagen. Der Konzern Med Tech versucht indessen sein Bestes, die Erde wiederzubevölkern. Zu diesem Zwecke schnappen sie den für seinen immens promiskuitiven Lebenswandel berüchtigten und nun herumstreunenden Max Hell (Roddy Piper), den sie als einen der wenigen übrig gebliebenen zeugungsfähigen Männer ausgemacht haben, und spannen ihn für ihre Dienste ein. Seine Mission: Unter der Führung der Wissenschaftlerin Spangle (Sandahl Bergman) soll er in Frogtown einmarschieren, ein paar weibliche Geiseln befreien und anschließend befruchten. Sam Hell willigt ein: Nicht zuletzt, weil Med Tech sein wichtigstes Organ mit einem Sprengsatz versehen hat, der hochgeht, sobald er sich zu weit von seiner Chefin entfernt …

hell_comes_to_frogtown_poster_011Damals in seligen Videothekenzeiten gingen solche Perlen im reichhaltigen Angebot gern unter, heute freut man sich, wenn man sie wiederentdeckt und ihnen dann auch noch – wie in diesem Fall – eine solch hübsche Edition von Anchor Bay spendiert wurde. HELL COMES TO FROGTOWN ist, wie man anhand der Inhaltsangabe nur unschwer erkennen kann, eine überspitzte und versexualisierte Variation von Carpenters ESCAPE FROM NEW YORK, die die im Endzeitfilm der Achtzigerjahre meist mehr als nur unterschwellig vorhandenen sexuellen Diskurse aufgreift und mit einem Augenzwinkern versieht. Seine Strategie ist es, die Klischees zu enttarnen, nur um sie dann unter neuen Vorzeichen wieder einzuführen: In FROGTOWN findet der Wiederaufbau unter einem Matriarchat (ähem!) statt, das seine Militärfahrzeuge rosafarben lackiert und auch solche virilen Haudegen wie William Smith in seine Schranken verweist. Sam Hell, von Roddy Piper kongenial zwischen Testosteronbomber und -trottel verkörpert, wird von den Med Tech-Frauen geradezu dazu gezwungen, sich dem männlichen Rollenklischee gemäß zu verhalten, weil es ja gerade seine Potenz ist, auf die man es abgesehen hat. Solchermaßen des freien Willens beraubt und zur Zeugungsmaschine, zum bemannten Penis mit der Lizenz zum Ficken degradiert, beginnt er jedoch zu rebellieren. Wie soll er unter matriarchalischer Ägide auch dem Chauvinismus frönen, Kolonialpolitik mit dem Pillermann betreiben, ohne über diesen Widerspruch in eine handfeste Schizophrenie zu stürzen? Immer feste rumhuren, aber abends schön in den Schoß der Mutter, um ihr artig Bericht zu erstatten? Wie soll das gehen? Schließlich findet er genau in dem Moment zur alten männlichen Stärke zurück, als seine Herrin die Zügel schleifen lassen muss: Nun verhält er sich genau so, wie Spangle  zuvor umsonst von ihm gefordert hatte. Nun folgt er dem männlichen Instinkt, der ihn morden, brandschatzen und erobern lässt – und er genießt es. Die Streitgespräche zwischen Hell und Spangle sind absolut herrlich:  Nachdem ihnen ein vollkommen verstörtes weibliches Opfer der Froschmenschen in die Arme rennt, fordert Spangle Hell nach ein paar Stunden dazu auf, die Frau doch nun endlich zu befruchten. Diese Direktheit ist dem Proleten jedoch zuwider. Als er sichtlich beschämt einräumt, dass er die Frau doch kaum kenne, hält Spangle ihm vor, dass ihn das bei den unzähligen anderen Geschlechtspartnern, die er in seiner sagenumwobenen Vergangenheit hatte, doch auch nie interessiert habe. Ein Argument, dem Hell nichts entgegenzusetzen hat und dem er sich treudoof fügen muss. In einer anderen Szene, in der sich die attraktive Spangle ihm in aufreizender Tarnfleckunterwäsche (mit Spitzenbesatz!) mit der Absicht nähert, ihn zu verführen, nur um schließlich im letzten Moment den Schockmechanismus an seinem Geschlechtsteil auszulösen, entgegnet sie den wütenden Protesten Hells lapidar, dass sie den Auftrag habe, ihn in einem Zustand konstanter Erregung zu halten, um die Spermienproduktion anzuregen.

Über den Wendepunkt am Ende werden sich die Feministinnen wahrscheinlich streiten: HELL COMES TO FROGTOWN ist als B-Movie eben doch auch für den männlichen Blick  inszeniert, der um die oben konstatierte Bestätigung der Klischees nicht ganz herumkommt. Hell muss sich als der ganze Kerl entpuppen, der er ist, die Frauen in die Rollen der hilflosen Bewunderer zurückfallen. Doch halt, so einfach ist das nicht: Denn sie ziehen sich durchaus aus freien Stücken von ihrer Machtposition zurück und überlassen ihm das Feld freiwillig, weil sie wissen, dass sie erst damit seine volle Kraft aktivieren, er erst dadurch zu dem wird, was sie brauchen. HELL COMES TO FROGTOWN gibt sich wie so viele voreilig als frauenfeindlich diffamierten B-Filme keinen Illusionen über das Wesen des Mannes hin: Er ist qua Bestimmung herumhurender Haudrauf und die ihm kognitiv überlegenen Frauen fahren am besten damit, ihm das nicht auszutreiben. „Der Klügere gibt nach“, sagt man dazu im Volksmund. HELL COMES TO FROGTOWN ist nicht unclever und hält einige richtige Erkenntnisse parat, bricht aber leider in der zweiten Hälfte ein bisschen ein. Der Showdown in Frogtown ist lustig anzusehen und brüstet sich mit seinem Kuriositätenbonus, den er aber noch vor Ende des Films aufgebraucht hat. Das Finale, in dem ein ganz zu Beginn eingeführter und dann vergessener Schurke wieder aus dem Hut gezaubert wird, ist letztlich nichts anderes als Formelkino, das den guten Einfällen der ersten Hälfte nicht gerecht wird. Aber man darf eben nicht vergessen, was HELL COMES TO FROGTOWN ist: Die größte Leistung seiner Regisseure ist das erste CLASS OF NUKE ‚EM HIGH-Sequel, Jackson drehte sonst in Reihe Produktionen mit solchen Titeln wie LINGERIE KICKBOXER, für den ich morden würde, um ihn zu sehen. Unter diesen Vorzeichen betrachtet ist HELL COMES TO FROGTOWN absolut bemerkens- und sehenswert. Lustige Gummimonster und skurrile Titel haben viele Exploiter zu bieten, dieser hier verfügt auch noch über Originalität, Witz und das nötige Quäntchen handwerklichen Geschicks, die ihn aus dem Müllberg herausragen lassen. Dicke Empfehlung, aller Schwächen zum Trotz!