Mit ‘Rachel McAdams’ getaggte Beiträge

Über einige der Probleme von Terrence Malicks „neuem“ Stil, hatte ich ja schon in meinem Text zu THE TREE OF LIFE geschrieben: Diese hymnische Inszenierung, mit der er Bilder, Musik und Dialogfetzen zu einer Eloge auf die (göttliche) Schöpfung komponiert, läuft stets äußerste Gefahr, zum philosophisch-religiös-spirituellen Ethnokitsch zu kippen. Beim Vorläufer gelang es ihm meines Erachtens noch weitestgehend, die Balance zu halten: Nicht nur, weil er die eben ziemlich große, ewige Frage nach dem Ursprung und Sinn des Lebens stellte, sondern auch, weil er einen Blick zurück durch die Zeit auf die Fünfziger- und Sechzigerjahre und eine dem Zuschauerhorizont schon ziemlich entrückte Epoche warf – was dann auch seinen collagenhaften Erzählstil gewissermaßen rechtfertigte. Auch da wurde es aber mitunter schmerzhaft, wenn er nämlich in die Gegenwart schaltete und einen desorientiert-bedeutungsvoll ins Nichts glotzenden Sean Penn dabei ablichtete, wie der – auf der Suche nach der großen Wahrheit – über die schroffen Wüsteneien und endlosen Strände der menschlichen Existenz wandelte.

In TO THE WONDER verkommt Malicks Stil nun zur gnadenlosen Selbstparodie, die meine Gattin und ich nur im gehässigen Waldorf-und-Stadler-Modus unbeschadet überstanden haben. Der Film handelt, soweit man das so sagen kann, von der wandelhaften Beziehung zwischen dem Amerikaner Neil (Ben Affleck) und der Französin Marina (Olga Kurylenko). Sie ist Mutter einer zehnjährigen Tochter aus einer vorigen, gescheiterten Ehe und begleitet ihn schließlich nach Amerika, ins endlose Oklahoma, wo er Bodenuntersuchungen vornimmt. Die elfenhafte Marina findet sich in der neuen Heimat aber genauso wenig zurecht wie die Tochter, sodass sie gemeinsam nach Paris zurückkehren. Während er sich die Zeit mit einer alten Schulfreundin (Rachel McAdams) vertreibt, findet sie keinen Job und verliert die Tochter an den Ex-Mann. Nach ihrer reuigen Rückkehr in die USA heiratet sie Neil, doch die große Romanze ist längst vorbei. Am Ende verlässt sie ihn, nach nicht enden wollenden Streitereien, deren Ursachen im Verborgenen bleiben, und fliegt nach Europa zurück. That’s life.

Der Stoff eines Ehedramas, könnte man meinen, SZENEN EINER EHER: THE RETURN gewissermaßen, aber Malick interessiert sich überhaupt nicht für das Nitty-gritty dieser gescheiterten transatlantischen Ehe, auch nicht  für den Konflikt zwischen alter und neuer Welt, obwohl der zwischen den Bildtableaus eine Rolle spielt. Dazu hätte es ja eines genaueren Blicks auf die Charaktere bedurft, überhaupt wäre es nötig gewesen, Charaktere zu entwickeln, die über ein Innenleben verfügen, das sich nicht bloß in Klischees äußert. Weil Psychologie aber überhaupt nicht Malicks Sache ist, er immer nur das irgendwie „wunderbare“ Schwurbeln des Seins mit all seinen ach so kuriosen Grillen anhimmelt, kommt während der zwei Stunden von TO THE WONDER nicht viel mehr rum als ein zugegebenermaßen ganz hübsch anzusehendes Ambientvideo, das man statt des Kaminfeuers über den Bildschirm flackern lassen kann. Wobei der Film dem Vorgänger auch hier keine Konkurrenz machen kann: Irgendwann hat man sich an fließendem Wasser und Wolkentürmen im Sonnenuntergang einfach satt gesehen. Und Dinos gibt’s hier auch nicht.

Und weil es eben kaum Überraschungen gibt und nichts, woran man sich sonst klammern könnte, treten die Schwächen umso stärker in den Blick. Besonders genervt hat mich die Figur der Marina, die Malick im Stile des väterlichen Trenchcoat-Onanisten als fragiles Feenwesen mit Schmollmund und unzähmbarer Haarpracht inszeniert, das sich nur in Pirouetten fortzubewegen weiß, in ständiger Verzückung noch vor den banalsten Selbstverständlichkeiten zerfließt (Oh, Dreck an meiner Hand!) und sich ausschließlich in dahingehauchten französischen Poesiealbums-Sentenzen artikuliert. Affleck agiert hingegen im Batman-Modus und stapft kantig durch die Prärie, wenn er sich nicht gerade mit seinen jeweiligen Gespielinnen in kreativen Liebesbezeugungen ergeht: Bei Malick sieht romantischer Liebesalltag aus, wie die Outtakes eines 9 1/2 WEEKS-Remakes mit Freigabe ab 6: Da wälzt man sich stundenlang angezogen auf dem Hochflorteppich herum, beobachtet ergriffen Bauchnabel und Schulterblatt des Partners oder wickelt dessen Gesicht in die Seidengardine ein. Nach hochgezogenem und ins Waschbecken gespucktem Orgasmus – für richtigen Sex, so mit Reinstecken, Schwitzen, Abspritzen und wieder Rausziehen, ist in Malicks Welt kein Platz – geht es dann raus zum enthemmten Hasch-mich im Kornfeld. Vergeblich wartete ich auf die Szene, in der sich die Verliebten einen Berg runterrollen lassen: eine leichtfertig vertane Chance. Und damit wir nicht vergessen, dass wir all diese mannigfaltigen Wunder dem alten Mann mit dem Rauschebart (nein, nicht dem Weihnachtsmann!) zu verdanken haben, kommt dann noch Javier Bardem als Priester ins Spiel, der die Armen besucht und kluge Ratschläge verteilt, dessen weitere Funktion sich mir aber nicht erschlossen hat.

Ehrlich, wenn ich Ben Affleck gewesen wäre, hätte ich Olga Kurylenko schon nach einer halben Stunde einen Arschtritt verpasst. Oder dem Terrence mit seinen Regieanweisungen: „Ben, kannst du das Gefühl ein bisschen gelber machen?“

 

Liegt es an mir oder sind es die anderen? Als PASSION rauskam, las ich überall, der Film sei fremdschämig und theatralisch, lediglich als übersteuerter Trash zu gebrauchen, wenn man denn versteht, sich darauf einzulassen. Nun ja, De Palma spielte auch schon in seinen Glanzleistungen der Siebziger- und Achtzigerjahre immer wieder mit den Versatzstücken aus Trivialkultur und Exploitation, war weniger an Realismus interessiert als daran, der Wahrheit durch gezielte Überhöhung, Übertreibung und Artifizialität auf die Schliche zu kommen. Wer meint, dass PASSION da aus der Art schlage, der hat bei SISTERS, DRESSED TO KILL, BODY DOUBLE oder RAISING CAIN ganz einfach nur nicht richtig hingesehen. Meine Meinung. Wenn ich seinem bislang letzten Film etwas vorwerfen möchte, dann in erster Linie, dass er ein bisschen zu typisch geraten ist, nichts wirklich neues ausprobiert, sondern nur das bietet, was man gemeinhin mit De Palma assoziiert: schöne Frauen, vermeintlich anzüglichen Sex, eine Prise Melodrama, gemeine Intrigen und Morde und das alles abgelichtet in erlesenen, doppelbödigen Bildern voller vordergründiger Reize und spiegelglatter Oberflächen. Auch eine der Splitscreen-Sequenzes, für die De Palma einst bekannt war, darf nicht fehlen. Hätte man den Begriff früher schon gekannt, man hätte De Palma nicht immer wieder als Hitchock-Epigonen diffamiert, sondern als amerikanischen Giallo-Botschafter bezeichnet. Bei PASSION, der in Europa entstand, sind die Parallelen nun überhaupt nicht mehr zu übersehen.

PASSION ist das Remake von Alain Corneaus letztem Film, dem nur zwei Jahre zuvor entstandenen CRIME D’AMOUR, in dem sich Ludivine Sagner und Kristin Scott-Thomas gegenüberstanden. De Palma vertauscht die Haarfarben und verringert den Altersunterschied zwischen den beiden Protagonistinnen, ändert aber sonst nur wenig (zumindest wenn man eine kurze Inhaltsangabe als Anhaltspunkt nimmt): Christine (Rachel McAdams), Leiterin des Berliner Büros einer internationalen Werbeagentur, unterhält eine kleine Affäre mit Isabelle (Noomi Rapace) einer aufstrebenden Kreativkraft – die zudem eine Liaison mit Christines Freund Dirk (Paul Anderson) unterhält. Als Christine eine von Isabelles Ideen als ihre ausgibt, um ihre Karriere voranzutreiben, bekommt die Partnerschaft erste Risse. Isabelle schlägt mit ihren Mitteln zurück und zieht den Zorn der intriganten Chefin auf sich. Als sie wenig später ermordet wird, fällt der Verdacht auf Isabelle, die jedoch beteuert, ein Alibi zu haben …

Wer keine Tiefe oder stilistischen Überraschungen erwartet und sich mit De Palma auf verlässlichem Autopilot abfinden kann, wird mit PASSION zufrieden sein. Nach dem gescheiterten Versuch, mit REDACTED etwas Neues zu versuchen, hat mir die Rückkehr auf sicheres Terrain sehr gut gemundet. Klar, nichts an PASSION gerät jemals in den Verdacht, eine ähnliche Wirkung wie seine großen Meisterwerke zu hinterlassen und selbst an Spätwerke wie den genannten RAISING CAIN oder FEMME FATALE kommt PASSION mit seinen holzschnittartigen Charakteren und seiner etwas beliebigen Thrillerstory nicht annähernd heran. Aber die stilistische Handschrift ist unverkennbar und ich kann mich an De Palmas Bildkompositionen, seinem Einsatz von Musik und dieser Mischung aus Subversion und Altersgeilheit einfach nicht sattsehen. Die beiden Hauptdarstellerinnen haben mir ausgezeichnet gefallen und die Ballettsequenz hätte ich gern im Kino bewundert. Wer sich über die neuen Argentos ärgert und sich nichts sehnlicher wünscht, als eine Rückkehr des Italieners zu seinen Wurzeln, der sollte es ruhig mal mit PASSION versuchen. Ich mochte ihn!

Als ich meine kurze, aber heftige Marvelphase hatte – es muss so Anfang der Neunzigerjahre gewesen sein – da war Doctor Strange ein Relikt aus einer vergangenen Zeit, an das sich nur die Veteranen noch erinnertern. Dass er nun mit einem eigenen Film geadelt und den Avengers künftig im Kampf gegen zerfahrene Drehbücher und unterentwickelte Schurkenfiguren zur Seite stehen wird, zeigt mir einmal mehr, dass die Comicwelt, die die Filme abbilden, nicht mehr die ist, die ich damals kennengelernt habe. Aber die Inklusion des über fernöstliche Esoterik zu magischen Kräften gelangten Neurochirurgen Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ins Marvel Cinematic Universe ist in jedem Fall eine willkommene, weil  die Figur das seit etlichen Filmen bestehende Einerlei doch ein wenig aufzumischen vermag. Was nicht heißt, dass DOCTOR STRANGE erzählerisch oder gar formal besonders aus der Reihe fiele: Derricksons Werk zeigt genau dieselben Schwächen, die mich auch bei den vorangegangene drölfzig Marvel-Filmen schon gelangweilt haben, nur mutet dieses Werk insgesamt etwas kurzweiliger, witziger und aufgrund seiner Figur minimal origineller an. Nach ANT-MAN darf DOCTOR STRANGE also für sich in Anspruch nehmen, einer der besseren Filme der dritten Marvel-Welle zu sein.

Leider muss man sich als Zuschauer, wie immer in diesen Filmen, wieder einmal durch eine ellenlange Exposition kämpfen, die umso sinnloser erscheint, als man jeden ihrer Schritte punktgenau vohersagen kann. Strange ist der brillante, witzige und auch irgendwie charmante Held, dem jedoch aufgrund einer mustergültigen Laufbahn jegliche Demut völlig fremd ist. Naturellement macht ein schwerer Autounfall seiner güldenen Karriere ein jähes Ende: Plötzlich steht das Wunderkind vor dem Nichts und er reagiert darauf wie ein Arschloch, das dringend eine Lektion braucht. Die gibt es in Nepal, wo er eigentlich die Heilung für seine verkrüppelten Hände sucht, aber weitaus mehr findet: Nicht nur mystische Zauberkräfte, sondern auch die Einsicht, dass es zwischen Himmel und Erde Dinge gibt, die ein reicher Schnösel nicht begreift. Weil das für einen Film aber noch nicht reicht, wird er noch in einen uralten Konflikt zwischen seiner Lehrerin „The Ancient One“ (Tilda Swinton) und einem abtrünnigen Schüler (Mads Mikkelsen) hineingezogen, der wieder einmal notdürftig übergestülpt wirkt und mit dem Rest des Films keine rechte Bindung eingehen mag.

Wie gesagt, im Grunde ist alles wie zuvor; dass ich DOCTOR STRANGE diese Mängel aber eher verzeihe als meinetwegen dem letzten CAPTAIN AMERICA-Film, liegt daran, dass Benedict Cumberbatch durch seine bloße Anwesenheit einen kultivierten Witz und Stil mitbringt, den andere Marvel-Filme weitestgehend vermissen lassen, und die Zaubershow, die er und seine Gegner abbrennen, darüber hinaus viel Stoff für visuell aufregende Effekte bietet. Über die von Nolans INCEPTION inspirierte Sequenz, in der sich eine ganze Stadt in einen Zauberwürfel zu verwandeln scheint, wurde schon viel geschrieben, fast noch schöner fand ich Stranges Flug durch bunte Space-Dimensionen, der an eine Achterbahnversion des berühmten Sternenfluges aus 2001: A SPACE ODYSSEY erinnert. Derrickson und seine Effektleute zaubern einfach jede Menge Eye Candy aus dem Zylinder und es ist eine willkommene Abwechslung, endlich einmal nicht mit diesem ganzen nach x Filmen doch etwas müden Politthriller-Gedöns der Avengers-Filme konfrontiert zu werden. DOCTOR STRANGE ist Quatsch im positivsten Sinne und als solcher recht erfrischend.

Ein Innovator ist Antoine Fuqua sicherlich nie gewesen. Für seine Filme hat er immer auf archetypische Stoffe zurückgegriffen und diese einer sparsamen Modernisierung unterzogen. Aber in den vergangenen Jahren sind ihm mit dieser Methode immer wieder kleine Perlen gelungen, ich denke da vor allem an SHOOTER, BROOKLYN’S FINEST und THE EQUALIZER. Mit SOUTHPAW hat er sich nun an einem weiteren klassischen Hollywood-Genre versucht, dem Boxerfilm, ohne jedoch an seine Glanztaten anknüpfen zu können. Er fügt der bestehenden Schablone nichts wesentlich Neues hinzu, begnügt sich damit, die schon vor Jahrzehnten zur Perfektion gebrachten dramaturgischen und formalen Muster zu adaptieren, und kann sich dabei auf seine grandiosen Hauptdarsteller und die formidable Arbeit seines Stabs verlassen. Der Film funktioniert leidlich, aber er hinterlässt kaum Spuren.

Der Niedergang des amtierenden, ungeschlagenen Boxweltmeisters Billy „The Great“ Hope (Jake Gyllenhaal), eines aus einfachsten Verhältnissen an die Spitze gekommenen jungen Familienvaters, der ihn bis an den Nullpunkt führt, von dem aus er sich zurück ins Business und damit ins Leben kämpfen muss, ist vor allem ein Plotvehikel. Fast alle Boxfilme verwenden es in der ein oder anderen Variation, weil im obligatorischen Finalkampf mehr auf dem Spiel stehen muss als nur sportlicher Erfolg. (In einem Interview mit Stallone, das ich vor kurzem gelesen habe, sagte er, dass ROCKY langweilig gewesen wäre, wenn es nur um die Boxkarriere des Titelhelden gegangen wäre. Er musste auch das Mädchen kriegen.) So muss also Billy nicht nur den neuen Weltmeister schlagen, aus dessen Entourage in einem Handgemenge der tödliche Schuss auf Billys Frau Maureen (Rachel McAdams) abgefeuert worden war, der Billys Absturz einleitete, er kämpft auch für seine wirtschaftliche Zukunft und damit verbunden um das Sorgerecht für seine Tochter, die ihm nach einem Selbstmordversuch unter Drogeneinfluss abgenommen worden war. Und natürlich geht es auch darum, den Selbstrespekt zurückzuerlangen, sich zu beweisen, dass er das Leben auch ohn die Gattin meistern kann, die ihm alle Sorgen abgenommen hatte, dass er sich weiterentwickelt hat, dass er nicht immer wieder dieselben Fehler machen wird. Dass diese Dramaturgie funktioniert, wurde zigfach unter Beweis gestellt: Die Stilmittel, die im Finalkampf dafür sorgen, dass sich die Pulsfrequenz erhöht und die Handflächen feucht werden, dieser Wechsel von langen und kurzen Einstellungen, das Einbinden der reaction shots von Publikum, Trainer und Vertrauten, der Blick auf die Klingel und die Nummerngirls, die den Ablauf der Zeit symbolisieren, die Zeitlupen und Montagen, ja selbst der Verlauf des Kampfes selbst, haben schon besagtem ROCKY zu seinem durchschlagenden Erfolg verholfen und verfehlen auch hier nicht ihre Wirkung. Und wenn Billy am Ende seine Tochter in den Arm schließen kann, werden nicht nur Vätern die Augen feucht. Aber der Weg dahin, der fühlt sich forciert, unglaubwürdig, übertrieben und klischeehaft an.

Wenn da behauptet wird, dass Billy nur kurz nach dem Tod der Ehefrau – und der erneuten Titelverteidigung – vor der Insolvenz stehe, ist man zur nötigen suspension of disbelief noch gern bereit, wenn ihm aber wenig später die Tochter weggenommen wird und er sie zum Abschied noch nicht einmal in den Arm nehmen darf, fühlt man sich als denkender Zuschauer doch etwas verschaukelt. Vom riesigen Lustschloss, das er mit seiner Familie bewohnte, führt der Weg direkt in eine supertristes Mietloch und dann als nächstes gleich ins gammlige Gym des halbblinden Boxphilosophen Tick Wills (Forest Whitaker), der Billy einen Job als Kloputzer (!) gibt und ihn mit den bekannten Tricks auf den Weg der Tugend zurückführt. (Whitaker reißt hier wieder einmal die Nummer ab, die ihm seit gut zwei Jahrzehnten ein einträgliches Einkommen einbringt, und man läge nicht daneben, beschriebe man seine Figur als rassistisches Klischee.) Am Ende dauert die „Odyssee“ Billys gerade einmal zwei, drei Monate, dann ist alles wieder im Lot. Hat er nochmal Glück gehabt, der Billy. Der ganze Build-up, den SOUTHPAW vollzieht, um sein Finale herbeizuführen, ist als Zuschauermanipulation so transparent, dass es einer Arbeitsverweigerung des Autors nahekommt. Fuqua kann sich das nur erlauben, weil er Gyllenhaal an Bord hat, mit dem man gern mitleidet, und manweiß, dass es am Ende ordentlich was auf die Fresse und die gewünschte Katharsis gibt. Trotzdem: SOUTHPAW ist eher enttäuschend.

Mit Adam Sandler widme ich mich derzeit einem Komödianten, der in den USA viel Häme und Verachtung für seine Filme erntet. Noch deutlich schlechter kommt sein ehemaliger Stand-up-Kollege und Freund Rob Schneider weg. Zugegeben: Der glubschäugige Schneider hat mit Komödie wie DEUCE BIGALOW, THE ANIMAL, DEUCE BIGALOW: EUROPEAN GIGOLO, THE HOT CHICK oder BIG STAN nicht gerade High Art fabriziert, sondern sich immer wieder mit Lust und Verve in die von Zoten, Pimmel- und Herrenwitzen durchsetzten Comedyniederungen begeben (wenn er nicht gerade den nervenden Comic Relief in Actionfilmen wie JUDGE DREDD oder KNOCK OFF gegeben hat), aber ich kann daran noch nichts per se Verwerfliches finden. Am Ende zählt meiner Meinung nach einzig und allein das Ergebnis und über THE HOT CHICK kann ich nur sagen, dass ich einige Male herzhaft gelacht habe, Rob Schneiders Darbietung als zickiges It-Girl wunderbar fand und den Film keineswegs so dumm, wie man anhand der Prämisse vielleicht vermuten durfte. Wie die Sandler-Filme auch ist THE HOT CHICK keineswegs ein Film, der mit dem Finger auf Minderheiten zeigt und sich wegschreit, sondern einer, der die ganze Blödheit von Heteronormativität und Spießertum bloßstellt.

Jessica (Rachel McAdams) ist eine typische High-School-Königin: Blond, hübsch (aber enthaltsam), Cheerleaderin und Anführerin ihrer Clique, heiße Kandidatin für den Titel der Prom-Queen, beliebt bei denen, die sich in ihrem Licht baden können, aber mit Inbrunst verachtet von allen anderen. Durch ein Missgeschick mit einem magischen Ohrring findet sie sich eines morgens unversehens im Körper einen nichtsnutzigen Kleinkriminellen (Rob Schneider) wieder, während der fortan im Körper der attraktiven Blondine die Straßen unsicher macht. Für Jessica geht es nun darum, herauszufinden, wie es zu ihrem „Missgeschick“ kommen konnte, um so einen Weg zurück in ihren echten Körper zu finden. Währenddessen findet ihre beste Freundin April Gefallen am neuen Aussehen von Jessica …

Körpertausch-Komödien haben immer einen „transgressiven“ Charakter: Die Tauschenden sind unterschiedlichen Alters, Geschlechts oder sozialer Herkunft und dürfen für kurze Zeit die andere Seite der Medaille kennenlernen. Am Ende haben sie dann ihr Spektrum erweitert, gelernt, dass das Gras auf der anderen Seite auch nicht grüner ist, und herrschende Vorurteile abgebaut. Die zuvor noch unvereinbar gegenüberstehenden Gegensätze sind sich ein Stück näher gekommen. Das ist aber nicht das, was in THE HOT CHICK passiert, denn er konzentriert sich ausschließlich auf die Frau im Mannskörper und darauf, wie die mit der neuen Situation umgeht. Es geht nicht darum, Männer und Frauen miteinander zu versöhnen, sondern sie mit Homosexualität zu konfrontieren. Natürlich bietet The HOT CHICK in erster Linie Rob Schneider eine Plattform für seine Albereien, nutzt begeistert die Gelegenheit, ihn in superenge pinkfarbene T-Shirts zu stecken, ihn im Girlie-Slang reden oder verweichlichte Gesichter ziehen zu lassen. Und weil Schneider viel Spaß daran zu haben scheint, diese Drehbucheinfälle in die Tat umzusetzen, er einfach eine umwerfend komische Figur als Frau macht, trifft THE HOT CHICK meist mitten ins Schwarze. Aber hinter der grellen Wackiness verbirgt sich ein durchaus aufklärerischer Impetus. So sehr der Film seine Lacher daraus bezieht, dass sich ein Mann, der noch dazu ausieht wie Rob Schneider eben aussieht, benimmt wie ein It-Girl: Letztlich gehen die Lacher nicht auf Kosten der Gayness, sondern auf Kosten jener, die sich von ihr angegriffen oder irritiert fühlen. Klassische Männlichkeitsideale werden umgeworfen: Die ganzen harten Heteros kriegen ihren Denkzettel, klassische Beziehungsbilder und Rollen werden über den Haufen geworfen. Das kulminiert am Ende darin, dass April mit Jessica zum Abschlussball geht, ihrer besten Freundin – die nun den passenden mänlichen Körper hat – ihre Liebe gesteht und ihr eine Beziehung anbietet. So viel Gender-Progressivität hatte ich von einem Rob-Schneider-Film definitiv nicht erwartet. Super!