Mit ‘Rachel Ward’ getaggte Beiträge

Unter dem wie immer geschmackvoll zurückhaltenden Titel TERROR EYES – DER FRAUENKÖPFER erschien NIGHT SCHOOL in Deutschland, wahrscheinlich um potenzielle Freunde von FRIDAY THE 13TH und Konsorten ins Kino zu locken. Die werden sich dann eher gelangweilt haben: Hughes‘ Film ist kein Kreischfilm für paarungswütige Teenies, sondern ein atmosphärischer Thriller, der vor allem von den herbstliche Stimmung vermittelnden Bildern Bostons – wunderschön eingefangen von Kameramann Mark Irvin (u. a. SCREAM und WES CRAVEN’S NEW NIGHTMARE) – und dem fragil-melancholischen (für seine Zeit typischen) Pianoscore von Brad Fiedel lebt. Die Geschichte ist weder originell noch innovativ, wird aber kompetent erzählt und gut gespielt und bietet angenehme, gediegene Unterhaltung mit der ein oder anderen Überraschung. Nichts, worüber man in freudige Verzückung geraten muss, keine vergessene Perle der Filmgeschichte, deren Bergung Anlass zu ungebändigter Freude böte, aber ein Film von jener sauberen Handwerkskunst und geschmackvollen Zurückhaltung, die man heute, wo jeder Film etwas Besonderes sein will und das marktschreierisch verkündet, wieder zu schätzen gelernt hat.

In Boston geht ein Frauenmörder um. Seine Opfer werden enthauptet, die abgetrennten Köpfe jeweils in Wasser gefunden: in Tümpeln, Eimern, Aquarien. Die Ermittlungen führen Lieutenant Austin (Leonard Mann) an eine renommierte Abendschule für junge Studentinnen und zum Anthropologie-Professor Vincent Millett (Drew Snyder), der dort über „primitive“ Stammesriten doziert, zu denen eben auch Enthauptungen gehören. Auffällig ist sein wenig professionelles Verhältnis zu seinen Studentinnen: Ihm werden Liebschaften mit den Mordopfern nachgesagt. Ist er der Mörder? Und ist seine schöne Assistentin Eleanor (Rachel Ward), mit der er zusammenlebt, die nächste?

Um zu erkennen, wie hübsch NIGHT SCHOOL ist, kann man sich ja mal den Spaß machen, darüber nachzudenken, wie diese Geschichte wohl heute umgesetzt werden würde: Die Morde würden drastisch ins Bild und mit allen modernen Mitteln des sogenannten Terrorkinos ins Bild gerückt werden, mit Gekreisch von der Tonspur und heftigen Schnittgewittern. Boston zeigte sich dreckig und schleimig-grün als Vorhof zur Hölle. Sex wäre explizit, wahlweise schwül inszeniert oder aber doch eher abstoßend, möglicherweise unter Integration devianter Praktiken. Hughes macht nichts davon: Die Enthauptungen finden im Off statt, die abgetrennten Häupter sieht man nie im Detail, so als solle die Würde der Opfer gewahrt werden. In der Inszenierung orientiert sich Hughes eindeutig an Meister Hitchcock, baut die Spannung in den entsprechenden Sequenzen langsam auf, um sie dann bis zum Zerreißpunkt zu steigern (es gibt sogar eine sehr schöne Duschszene). Und die eine Liebesszene kommt trotz des befremdlichen Einsatzes roter Kriegsbemalung sinnlich und keineswegs gewollt pervers daher. Alles, was NIGHT SCHOOL also von heutigen Vertretern des Genres abhebt, spiegelt sich schon in den feinen Gesichtszügen der schönen Rachel Ward wider, deren Sex Appeal sich in einer züchtigen Verschlossenheit äußert und der graziösen Gelassenheit, mit der sie sich dann doch entkleidet. Fast möchte man ihr etwas um den Oberkörper legen, weil der Blick auf ihren üppigen Busen das heilige Mysterium, das ihre Gestalt darstellt, zerstört. Das Ködern mit T&A appelliert hier plötzlich an viel tiefer liegende Instinkte als nur an die eigene Geilheit. Dann ist da ihre Stimme: Ein rauchiges, tiefes Hauchen, das so gar nicht zu ihrem mädchenhaften Gesicht mit den runden, dunklen Augen passen mag. Es wundert nicht, dass sie Steve Martin in DEAD MEN DON’T WEAR PLAID zum Wahnsinn trieb, Richard Chamberlain in THE THORN BIRDS die Priesterwürden vergessen ließ, und auch hier ist sie eine denkbar raffinierte Besetzung. Raffiniert, weil sie ihr wahres Gesicht erst spät offenbart. Aber offenbart sie wirklich etwas? Es ist auch ihr noch etwas unbeholfenes, ungeschliffenes Spiel – NIGHT SCHOOL war nach einem Fernsehfilm ihr Kinodebüt – das sie über dem Geschehen schweben lässt und Hughes dabei hilft, die Konventionen sanft zu unterwandern.

NIGHT SCHOOL ist ein Film mit Tücken, die einem erst auffallen, wenn man drüber nachdenkt. Er ist so gut, wie man es zulässt. Nach diesem Text finde ich ihn noch besser als zuvor.

Wie bei den meisten Parodien – die ja immer eine spezielle Art der Referenzwerweisung sind – gibt es auch über DEAD MEN DON’T WEAR PLAID nicht wahnsinnig viel zu sagen: Der Stil der alten Noir-Klassiker wird von allen Beteiligten vor und hinter der Kamera perfekt eingefangen. Wohl auch, weil einige der Mitwirkenden bereits den in Wort und Bild zitierten Werken ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt hatten. Miklós Rósza steuerte den letzten Score seines bis 1938 zurückreichenden Werkes bei, Kostümbildnerin Edith Head, die den Look zahlreicher klassischer Leinwand-Diven und -Helden geprägt hatte, noch einmal ihre unnachahmlichen Kostüme und Anzüge.

Dass DEAD MEN DON’T WEAR PLAID näher dran ist am Original als viele andere Filme, die sich am Noir versuchten, liegt aber in erster Linie natürlich daran, dass er in gewisser Hinsicht um eben diese Originale drum herum konstruiert wurde. So interagiert der Protagonist Rigby Reardon (Steve Martin), ein Kollege von Philip Marlowe, Mike Hammer oder Sam Spade, direkt mit den Akteuren von damals. Der geschickte Schnitt lässt ihn auf Veronica Lake, Humphrey Bogart, Bette Davis, Kirk Douglas, Alan Ladd, Ingrid Bergman, Charles Laughton, Lana Turner, James Cagney, Joan Crawford, Ray Milland, Barbara Stanwyck, Ava Gardner, Burt Lancaster, Fred MacMurray oder Cary Grant treffen, setzt Szenen aus den alten Klassikern in neuen, komischen Kontext. Auffallend dabei, dass Reiner gerade nicht die berühmten, ikonischen Szenen verwendet, sondern meist kleine, eher unauffällige Momente. Die viel beschworene „Magie“, die jene Filme aus der Vergangenheit über den heutigen Betrachter ausüben, die Aura des Unantastbaren, Kultischen und Heiligen, wird so wunderbar unterwandert. Am auffälligsten wird diese Strategie im Zusammentreffen Reardons mit der schönen Veronica Lake in einer Szene aus THE GLASS KEY: Nachdem er via typischem Voice-over in bewährt machohafter Art verkündet hat, dass er sie (bzw. ihren Charakter) so schätze, weil die Worte „I can’t“ sich nicht in ihrem Vokabular befänden, antwortet sie ihm auf die kurze Frage, ob sie ihm helfen könne, genau so: „I can’t“. Die bedeutungsschwer aufgebaute Szene endet abrupt, Veronica Lake sieht man nicht mehr wieder und Reardon bleibt nichts anderes übrig, als resigniert festzustellen, dass sie seit ihrem letzten Treffen etwas dazugelernt habe.

Im Kleinen spiegelt sich so die Strategie des Großen wider: Zum Lachen ist weniger der konkrete Witz selbst, sondern der Aufwand, der betrieben wird, ihn aufzubauen. So wird Reardon ein Trauma angedichtet, dass ihn Tobuschtsanfälle erleiden lässt, sobald er das Wort „cleaning woman“ vernimmt, nur um einen Grund dafür zu finden, ihn Bette Davis würgen zu lassen. Es sind auch diese absurden Schleifen und Winkelzüge, die DEAD MEN DON’T WEAR PLAID auszeichnen.