Mit ‘Rainbeaux Smith’ getaggte Beiträge

THE INCREDIBLE MELTING MAN wurde in Deutschland mit dem humorigen Titel PLANET SATURN LÄSST SCHÖN GRÜSSEN veröffentlicht, der dem sehr tragischen Schicksal seines Protagonisten zwar nicht gerecht wird, aber doch eines der schöneren Beispiele kreativer deutscher Titelschmiedekunst darstellt. Wer auch immer auf die Idee gekommen war, hatte des Pudels Kern getroffen: THE INCREDIBLE MELTING MAN ist ein ziemlich absurder Film und ein wüstes Mischmasch aus verschiedenen Einflüssen und Elementen, gleichermaßen aus der Zeit gefallen wie up to date. Er ein throwback zu den fortschrittsskeptischen Sci-Fi- und Monsterfilmen der Fünfzigerjahre, mit dem Look & Feel der damals so zahlreich in Südkalifornien entstehenden Serienepisoden und natürlich den schleimigen Spezial- und Make-up-Effekten von Rick Baker, mit denen Sachs die Brücke zum damals populär werdenden Splatterfilm schlug. Angeblich hatte Baker noch einige ekligere Masken in petto, die aber nicht zum Einsatz kamen, weil der Hauptdarsteller Rebar mit allzu heftigen Schweinereien nichts zu tun haben wollte. So oder so ist der Film vor allem wegen dieser Effekte in Erinnerung geblieben: Wie der arme Astronaut Steve West da langsam, blutig und überaus schleimig zerfließt, ist tatsächlich immer noch überaus effektiv, auch wenn Baker zur Umsetzng des Effekts wahrscheinlich nichts verwendete, was man nicht im heimischen Baumarkt finden und mit etwas Geschick und Know-how selbst zusammenbasteln kann. THE INCREDIBLE MELTING MAN ist damit auch der Pionier des Mini-Subgenres des „Schmelzfilms“, dessen bis heute unerreichte Sternstunde JIm Muros wunderbarer STREET TRASH ist.

Erzählerisch-dramaturgisch lässt sich der Film auf die Monster-on-the-loose-Formel reduzieren, die anno 1977 schon gut abgehangen war: Der kurze Prolog zeigt, wie der Astronaut Steve West der Sonnenstrahlung ausgesetzt wird. Nach einem Schnitt liegt er dann schon komplett vermummt im Krankenhausbett. Er ist der einzige Überlebende der Besatzung, warum ihn nicht dasselbe Schicksal ereilte wie seine Kollegen, ist unklar. Neben einer ekligen Hautkrankheit hat er auch ziemlich schlechte Laune mitgebracht: Als er allein ist, reißt er sich die Bandagen vom Leib, bringt seine Krankenschwester um und flieht. Der Rest des Films handelt von den Bemühungen des Wissenschaftlers Ted Nelson (Burr DeBenning) ihn zusammen mit dem Militärmann General Michael Perry (Myron Healey) ausfindig zu machen, bevor er weiteren Schaden anrichten kann – zumalungewiss ist, inwiefern seine Symptome ansteckend sein könnten. Steve murkst sich derweil durch die Landschaft, bis er am Haus Nelsons angekommen ist.

Vor allem die erste Hälfte des Films macht Laune, weil THE INCREDIBLE MELTING MAN so schön unbedarft ist, wie oben beschrieben auf sympathische Art und Weise die sorglose Naivität alter Sci-Fi-Heuler mit der eKaltschnäuzigkeit zeitgenössischer Schocker verbindet. In der zweiten Hälft versandet die Chose dann aber merklich: Die Geschichte ist zu diesem Zeitpunkt bereits auserzählt und Sachs hat Mühe, die Spannung aufrechtzuerhalten, zumal die Situation nicht weiter dramatisiert wird. Wir erfahren nichts weiter über den „Schmelzmann“, die Gründe für seine rätselhafte Krankheit oder seinen Rachefeldzug. Das Stalk and Slash wird so etwas ermüdend: Man erwartet, dass die Geschichte weitergeht, aber das tut sie nicht. Erst mit dem Showdown besinnt sich Sachs wieder auf die Stärken der ersten Hälfte, namentlich die krude Mischung aus Ekel und Mitleid. Die Schlussminuten sind je nach Perspektive entweder tieftraurig oder aber bitterböse und schwarzhumorig und zeichnen sich durch jene Liebe zum Detail und zur Beobachtung aus, die man in arg formelhaften den 30 Minuten zuvor vermisst hat.

Trotzdem hat sich THE INCREDIBLE MELTING MAN seinen Platz in den Annalen des Spaltterfilms redlich verdient, gerade weil er zeigt, dass die Hinwendung zu Blut und Gekröse weder zwingend mit Zynismus und Misanthropie noch mit grotesk und comichaft überzeichneter Alberei einhergehen muss. In der Brust des Schmelzmannes wohnt eine alte Seele, die ihn zu einem Leidensgenossen etwa seines schrumpfenden Kollegen aus dem Jack-Arnold-Film macht. Sachs‘ etwas altbackene Inszenierung kehrt diese Parallelen hervor, selbst wenn sein titelgebender Antiheld sich nur als schwindende Spur durch den Film zieht, der nie selbst die Stimme heben darf. Eigentlich wird sein Schicksal dadurch nur noch bewegender: Wir können nur ahnen, was in ihm vorgeht, während er sich selbst zwischen den Fingern zerrinnt.

In Nebenrollen sind Lisle Winters, der unglückliche Liebhaber aus DePalmas SISTERS, Janus Blythe aus Cravens THE HILLS HAVE EYES sowie der Regisseur Jonathan Demme zu sehen.

Da THE CHEERLEADERS drei Jahre zuvor ein überaus ertragreiches Geschäft darstellte, war das Sequel nur eine Frage der Zeit, die dann 1976 abgelaufen war. Dabei könnte REVENGE OF THE CHEERLEADERS gut und gern auch ein eigenständiger Film sein: Sieht man mal davon, ab, dass es erneut um die meist sexuellen Abenteuer der titelgebenden Motivierdamen geht, bestehen zwischen beiden Filmen keinerlei inhaltliche Gemeinsamkeiten.

Ein handfester Skandal erschüttert die heruntergekommene kalifornische Aloha High School in ihren Grundfesten: Heather (Rainbeaux Smith), eine der Cheerleaderinnen, ist schwanger und diese Entgleisung sieht der fiese Unternehmer Hartlander (William Bramley) als Chance, die Schule zugunsten einer Shopping Mall dem Erdboden gleichzumachen. Vorher wird jedoch ein neuer Rektor installiert, um dem unmoralischen Treiben ein Ende zu machen. Dem begegnen die Cheerleaderinnen mit vereinten Kräften, Hinterlist und gespreizten Beinen, bevor sie sich des Kapitalisten annehmen.

Der Plot bietet erneut den Hintergrund für all jene Exzesse, die schon den ersten Teil zum Hit in einschlägigen Kinos machten zuzüglich einiger Tanznummern, die erheblich dazu beitragen, REVENGE OF THE CHEERLEADERS auf Spielfilmlänge zu bringen: Schon die Titlesequenz zeigt die sechs ethnisch diversen Heldinnen, wie sie auf ihrer Fahrt durch die Vororte von L.A. am Steuer des Wagens lachend und gut gelaunt blank ziehen, ganz eins mit sich und ihrer weiblichen Natur. David Hasselhoff spielt einen der männlichen Tänzer, die die Cheerleader begleiten, und wird nur wenig später in einer öffentlichen Toilette von der feixenden Blondine Sesame (Patrice Rohmer) durchgezogen, seinem Namen „Boner“ offensichtlich alle Ehre machend. (Dem langen Lulatsch, der später mit seiner Musik die Berliner Mauer zum Einsturz brachte und Deutschland quasi im Alleingang wiedervereinigte, beim Tanzen zuzusehen, ist eine der Freuden, die dieser Film spendet.) Später gibt Tishi (Susie Elene), die Asiatin der Truppe, dem glucksenden Angestellten der örtlichen Eisdiele einen Blowjob hinter dem Tresen, während er einer nichts ahnenden Dame einen Banana Split zubereitet. Seinen frühzeitigen Höhepunkt findet REVENGE OF THE CHEERLEADERS, als die Mädels anlässlich des Besuchs des Schulamts die Mensa-Bolognese mit Marihuana und LSD versetzen und daraufhin eine zügellose Schaumparty samt Rudelbums auslöse.

Im Finale schrammt REVENGE OF THE CHEERLEADERS gar den (preiswerten) Actionfilm und sucht die Nähe zu Werken wie Ted V. Mikels THE DOLL SQUAD, als nämlich der Kampf mit den Schergen Hartlanders aufgenommen und sogar dessen unterirdisch gelegenes, an einen Bondfiesling gemahnendes Schurken-Hauptquartier geentert wird. Das alles ist ohne Sinn für visuelle Gestaltung in ultrabillig aussehenden Settings, dafür aber mit jeder Menge Verve, Freude am Chaos und Sinn für das „Wesentliche“ inszeniert. Absurder Gipfel des Ganzen ist aber eindeutig die Anwesenheit des schwangeren Softsex-Stars Rainbeaux Smith, der seinen Neun-Monats-Bauch beim besten Willen nicht mehr verbergen konnte: Flugs wurde ihre Schwangerschaft im Drehbuch aufgenommen. Man hat ein bisschen Mitleid mit ihr, wie sie da in den „erotischen“ Animierszenen immer an den Rand des Bildes gedrängt wird, damit ihre speziellen Rundungen nicht zu sehr von den anderen ihrer Kolleginnen ablenken: Zur Wiedergutmachung darf sie am Ende mit ihrem echten Kind voll erfülltem Mutterglück in die Kamera lächeln. Ein denkwürdiges Ende für dieses Werk.