Mit ‘Rainer Basedow’ getaggte Beiträge

In Köln tobt ein Kampf um die Vorherrschaft im Rotlichtmilieu: Auf der einen Seite die Brüder Paul (Arthur Brauss) und Gustav Keil (Jos Hartmann) mit ihren Kompagnons Willy (Klaus Löwitsch) und Helmut (Rainer Basedow), auf der anderen Seite die verhassten Wiener um den Edelbordell-Besitzer Poldi (Walter Kohut). Als einer der Wiener von Gustav umgebracht wird und dieser daraufhin gefasst wird, plädiert der für eine harte Hand stehende Staatsanwalt Stauffer (Richard Münch) für 15 Jahre Zuchthaus. Paul, selbst von der Polizei gesucht, will das verhindern …

HEISSES PFLASTER KÖLN erlebte im vergangenen Jahr eine kleine Wiederentdeckung, als er als regionale Filmkuriosität in Kön aufgeführt wurde. Von der deutsch-österreichischen Lisa-Film produziert und vom Exploitationmeister und SCHULMÄDCHEN-REPORT-Regisseur Ernst Hofbauer inszeniert, handelt es sich um einen jener deutschen Actionfilme, die gern als „Sittenreißer“ bezeichnet wurden und heute nahezu vergessen sind. Während man in der Gegenwart immer wieder versucht, das weit verbreitete Bild des deutschen Films als langweilige Ansammlung spießiger Beziehungskomödien und Problemfilme durch die Produktion von nach Hollywood schielendem Eventschrott zu korrigieren, wusste man damals ganz genau, wie genuin deutsche Exploitation auszusehen hatte. Leider eine Tradition, die komplett abgerissen ist. Welch einen Verlust das bedeutet, sieht man in HEISSES PFLASTER KÖLN, der nicht nur schön reißerische Action bietet, sondern auch ein aufschlussreiches Stück Zeitgeschichte. Hier erfährt man, wie sich der Bundesbürger in den späten Sechzigerjahren den kulturellen Niedergang vorstellte: In Köln regieren die Loddel und Verbrecherbanden, „terrorisieren“ die Metropole mit ihren Konkurrenzkämpfen, derweil der Spießbürger große Reden schwingt, sich aber abends die Hörner bei den Nutten abstößt. In Kneipen und Bars verkehrt das Milieu und zieht schon die nächste Generation heran: Für sexuelle Gefälligkeiten seiner minderjährigen Gäste lässt der Kneipenbesitzer Benno (Eric Pohlmann) auch mal einen Whisky springen, das Bargeld ziehen die frechen Früchtchen der hilflosen Tante (Lisa Helwig) ab und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück, wenn sie sich zur Wehr setzt. Kein Wunder, dass Staatsanwalt Stauffer die Lösung in einer härteren Gangart sieht. Er kämpft aber nicht nur gegen immer rücksichtsloser werdende Schurken, sondern auch gegen liberale Kräfte. Der Landgerichtsrat (Günther Ungeheuer) hält nichts von Stauffers Vorgehen, glaubt nicht daran, dass die Erhöhung des Strafmaßes wesentliche Veränderungen bringt. Hofbauer überlässt letztlich dem Zuschauer die Entscheidung, wer von beiden Recht hat, sympathisiert aber naturgemäß mit Stauffer, dem es dann höchstselbst an den Kragen – und an den seines Sohnes – geht. Am Ende ist der Tag gerettet, aber der sich einschaltende Voice-over-Kommentator weiß ganz genau, dass nur ein Etappensieg errungen wurde.

Einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Reizes bezieht HEISSES PFLASTER KÖLN naturgemäß aus der Tatsache, dass wir heute wissen, dass die kriminelle Großstadtapokalypse, die der Film drohend verkündet, nicht eingetreten ist. Und das, obwohl Gangster wie Paul Keil mit ihren Methoden heute wahrscheinlich kein Bein mehr auf den Boden bekämen, man längst eine deutlich härtere Gangart gewohnt ist: Das einzige, was sich tatsächlich gar nicht verändert hat seit damals, ist die Überzeugung, dass es schlimmer nicht mehr kommen kann und die Zeiten früher viel besser waren. Auch hier gibt es sie schon, die gewaltbereite, moralisch verkommene und nach Alkohol und nächtlichen Vergnügungen dürstende Jugend, die jede Begabung zu menschlicher Empathie längst verloren hat: Sie ist keineswegs eine Erfindung unserer Zeit: Die Szene, in der sie das wehrlose Tantchen in der kleinen Wohnung überfallen und den geliebten Wellensittich der alten Frau wegfliegen lassen, nimmt dann auch am meisten mit, gibt Hofbauer Gelegenheit, sein ganzes agitatorisches Potenzial auszuspielen. Überhaupt ist HEISSES PFLASTER KÖLN – und das ist ja auch das wichtigste – ungemein packend, rasant und griffig inszeniert und erzählt. Das Kölner Lokalkolorit inklusive lokaler Mundart trägt ebenso zum Charme des Films bei wie seine markante Besetzung – besonders angetan hat es mir, neben dem immer tollen Arthur Brauss, Walter Kohut mit seinem unbezahlbaren Wiener Schmäh – , die Kameraarbeit von Hans Jura und der schmissige Score von Claudius Alzner. Eine runde Sache und Pflichtprogramm für alle Psychotroniker und Freunde deutscher Exploitation.