Mit ‘Ray Winstone’ getaggte Beiträge

king-arthurWährend ihres Eroberungszugs durch Europa und Vorderasien unterwerfen die Römer auch das kampfeslustige Volk der Sarmaten, von deren Kraft und Durchhaltevermögen sie so begeistert sind, dass sie einige von ihnen gleich in die eigene Armee integrieren. Darunter befindet sich auch der junge Lancelot (Ioan Gruffudd), der mit einigen seiner Landsleute unter dem römischen General Artorius Castus (Clive Owen) – Sohn einer Britin – am Hadrianswall stationiert wird, um die Grenzen des römischen Reichs vor den von Norden herandrängenden Woads zu beschützen. Nach vielen Jahren im Dienste Roms erhalten sie schließlich die Erlaubnis, in die Heimat zurückzukehren. Doch vorher wartet eine letzte Mission: Sie sollen ins Gebiet der Woads eindringen, um den dort lebenden Patensohn des Papstes vor den einfallenden Sachsen zu retten.

KING ARTHUR hat es sich zum Ziel gesetzt, die Artussage auf ein historisches Fundament zu stellen, entzieht dem Mythos damit aber leider jeden Zauber und verstrickt sich darüber hinaus auch noch in zahlreichen Ungereimtheiten. Zwar wurde vonseiten der Macher nie geleugnet, dass es sich bei ihrer Interpretation der Geschichte um reine Spekulation handelte, trotzdem geht hier so viel drunter und drüber, dass Sinn und Zweck der ganzen Übung reichlich fragwürdig erscheinen. Vor allem, weil man letztlich wieder einmal nichts anderes zu erzählen weiß, als die sattsam bekannte und reichlich pathosgetränkte Geschichte um Patriotismus, Freiheitsdrang und die „wahre Bestimmung“. Da muss der ständig dumpf-brüterisch in die Gegend blickende Artus in endlosen bedeutungsschwangeren, dazu noch furchtbar gespreizt klingenden Dialogen zu der banalen Erkenntnis geführt werden, dass er Britannien eigentlich ganz gern hat und Rom doch nicht sooo geil ist, wie er es in Erinnerung hat. Die Entscheidungsfindung wird zum Glück dadurch erleichtert, dass die Römer ein verlogenes Volk grausamer Potentaten sind, die von Norden kommenden Sachsen zottelige Barbaren, die zudem Till „Drei Ausrufezeichen!!!“ Schweiger in ihren Reihen haben, die Briten aber eine Lady Guinevere (Keira Knightley) vorweisen können, die es genauso gut versteht, schutzbedürftig und begehrenswert in Walle-walle-Kleidern durch den winterlichen Wald zu schweben wie auch als kampfeslustige Amazone in geilem Fetisch-Ledergeschirr und Corpsepaint mit der Armbrust herumzuballern. Die Männer von Artus‘ Tafelrunde sind die üblichen groben, aber ehrlichen Haudraufs, auf die immer Verlass ist und unter denen der feingeistige Lancelot als Eye Candy und Orlando-Bloom-Ersatz hervorsticht. Am Ende wird in einer elend lang ausgedehnten Schlacht klar Schiff gemacht, gemetzelt und gestorben, bis alle das geeinte Britannien feiern und sich darüber freuen können, dass die Freunde für den „common cause“ ins Gras gebissen haben.

KING ARTHUR ist schrecklich dröge und unelegant als Puzzle aus den Einflüssen zahlreicher vorangegangener und auch schon öder Filme wie BRAVEHEART, GLADIATOR, LORD OF THE RINGS, PEARL HARBOR oder PIRATES OF THE CARIBBEAN erzählt, mit den üblichen Mitteln der Postproduction visuell aufgepimpt und bar jeder Subtilität. Passend dazu dröhnt, wimmert, posaunt und trötet Hans Zimmers Default-Score, dass einem die Ohren bluten und man die lebenslange Verpflichtung bei der Bundeswehr erwägt. Das Ganze dauert dann zu allem Übel auch noch sage und schreibe 140 bleischwere Minuten – zumindest im Director’s Cut (Bruckheimer, der an den Erfolg seines Piratenfilms anknüpfen wollte, ließ den Film zum Kinostart massiv herunterkürzen und nachbearbeiten). Klar, es fallen ein paar nette Szenen und Bilder ab, etwa die Befreiung der Lady Guinevere aus einem schimmligen Kellerverlies oder der Kampf auf einem zugefrorenen See, aber bei dem hier betriebenen Aufwand (Budget: 120 Millionen Dollar) fällt es mir schwer, das positiv anzurechnen. KING ARTHUR ist nur ein besonders eklatantes Beispiel für die furchtbar uninspirierten, geistlosen, stumpfen und immer gleich aussehenden Schlachtengemälde, die Hollywood seit gut 20 Jahren in einer Tour raushaut und damit einem absolut ekelhaften Militarismus das Wort redet. Dass Fuqua danach mit SHOOTER, BROOKLYN’S FINEST und THE EQUALIZER drei Knaller erster Güte abgeliefert hat, darf man angesichts dieses Rohrkrepieres als mittelschweres Wunder bezeichnen.

Der Gedanke, das ausgestorbene Genre des Bibelfilms durch Modernisierung und Säkularisierung wiederauferstehen zu lassen, ist mit Blick auf sein immenses episches und visuelles Potenzial naheliegend und verlockend. Schon die Monumentalepen eines Cecil. B. DeMille, reine Machtdemonstrationen Hollywoods im Grunde genommen, lebten in erster Linie davon, dass sie in bewegte Bilder übersetzten, womit zuvor schon die reine Vorstellungskraft ihre Probleme gehabt hatte. Die Möglichkeiten, die heute mit moderner Effektechnologie zur Verfügung stehen, überschreiten jene von einst bei Weitem und machen Idee eines Updates zunächst einmal sehr nachvollziehbar. NOAH zeigt aber eindrucksvoll, dass es eine ziemlich fehlgeleitete Schnapsidee ist, „moderne“ Bibelfilme zu drehen. Der Film kommt über seinen zentralen Widerspruch einfach nicht hinaus: Bibelgeschichten machen ohne den lieben Gott keinen Sinn. So sehr sich Aronofsky auch darum bemüht, die Relevanz seiner Geschichte für das heutige Leben und nichtreligiöse Menschen herauszuarbeiten: Wenn man die Prämisse des Films nicht akzeptieren mag, nämlich die, dass es einen Gott gibt, der die Geschicke der Welt lenkt, dann stürzt der ganze Film mit einem Getöse zusammen, dass das seiner krawalligen Schlacht- und Sintflutszenen noch übertrifft. Ganz egal, wie weit sich Aronofsky visuell von den Bildwelten alter Bibelepen entfernt, seinen Schinken dem tristgrauen Schlachtengetümmel von Jacksons LOTR-Trilogie oder Scotts GLADIATOR annähert und eine Ikonografie bemüht, die auch im nächsten gritty Superheldenfilm nicht gänzlich fehl am Platze wäre: Am Ende ist das nicht nur der alte Wein in neuen Schläuchen, NOAH untergräbt in seinem Bemühen beständig sein eigenes Fundament.

Man könnte in dem bizarren Irrwitz, den der Film bisweilen an den Tag legt, eine Stärke sehen, wenn ihm nicht ständig dieser unangenehme heilige Ernst, die pathosgetränkte Inbrunst, bleischwere Bedeutungshuberei und technische Prahlsucht in die Quere käme. NOAH spielt in einer postapokalyptischen, von schwarzer Asche bedeckten Welt – in einer Rückblende sieht man die Armeen Kains mit vorsintflutlichen (höhö) Battlemechs in die Schlacht ziehen -, die von vermummten Endzeitschurken unsicher gemacht wird, denen Noah (Russell Crowe) im Stile eines Kwai Chang Cain mit Kampfstab entgegentritt und sie kurzentschlossen unschädlich macht. Die den Menschen zugängliche Welt wird mit aufgespießten Totenköpfen begrenzt, dahinter beginnt eine Felswüste, die die „Watcher“ beherbergt: von Gottes Gnade gefallene Engel, die nun ein trauriges Dasein als grummelnde Steinriesen fristen, und frappierend an Peter Jacksons Ents erinnern. Sie helfen Noah, der in einer Vision sieht, welches Schicksal der Erde blüht, später dabei, den dunklen Turm, äh, die Arche zu bauen und sie gegen die vom lasterhaften, machtgeilen König Tubal-cain (Ray Winstone) geführten Truppen zu verteidigen, die einen Platz auf dem Schiff wollen.

Das moralische Dilemma, um das sich NOAH im Kern dreht, ist Folgendes: Um den Willen Gottes, die Erde ohne den missratenen Menschen zu rebooten, zu vollstrecken, steht Noah auch vor der Aufgabe, nach getaner Arbeit die eigene Familie zu töten. Da gibt es auf der einen Seite also die gesichtslosen Horden, deren Schlechtigkeit Gott zu seinem Schritt erwogen hat und die auch Noah für ein unumstößliches Faktum hält, auf der anderen die allumfassende Güte der eigenen Brut. Der Film streift durchaus die Erkenntnis, dass die Sintflut auch gute Menschen hinwegraffen wird, die von oben herab getroffene Bestrafung und Noahs Wegbereitungung dieser Strafe grausam sind, aber er windet sich aus der Konsequenz, weil es eben Gottes Wille ist. An der Richtigkeit der Sintflut und Noahs Festhalten an seinem Auftrag – zumindest bis zu jenem Zeitpunkt, als es um sein eigenes Blut geht – gibt es keinerlei Zweifel. Erst ganz zum Schluss, wenn Noah sich vor Scham windet, es sich nicht verzeihen kann, dass er a) seine eigenen Enkelkinder umbringen wollte, b) dies aber nicht getan hat, sich also auch gegenüber dem Herrn und Gebieter nicht würdig erwiesen hat, wird eingeräumt, dass es möglicherweise um die Gnade Noahs gegangen sein könnte (von der aber alle außer seiner Familie ausgenommen waren). NOAH ist ziemlich widerwärtig in seinen Schlachtenbildern, in denen Abertausende panisch gen Arche fliehender CGI-Individuen von den Steinriesen zerstampft werden wie Ungeziefer, sich an die letzten noch aus den Fluten herausragenden Felsen klammernde Opfer von krachenden Flutwellen- weggerrissen oder zerschmettert werden, und in der Suggerierung, dies geschehe alles zum Besten der Welt. Russell Crowe darf mal wieder stoisch auf den computergnerierten Horizont starren, den unter der Last der heiligen Verantwortung wankenden, aber nie zusammenbrechenden Heros spielen. Warum ist es in diesen Filmen eigentlich immer so, dass Frauen wehklagend in Tränen ausbrechen, Männer aber grimmig gucken und dann irgendwann schweigend von dannen ziehen, wenn sich ein Konflikt nicht lösen lässt?

Naturgemäß muss NOAH auch einen Schurken aufbieten, den schon erwähnten Tubal-cain, der sich nicht damit abfinden will, qua göttlichem Willen zur Ausrottung bestimmt zu sein und aufbegehrt. Er stellt die Rechtmäßigkeit von Gottes Taten sowie seine Autorität konsequent infrage, weigert sich, sich in die Rolle des stillen, demütigen Büßers einzufinden und wurde so für mich zur eigentlichen Identifikationsfigur und zum Helden des Films. In einer Szene schnappt er sich eine Schlange, beißt vor Hunger einen ordentlichen Happen aus dem noch lebenden Tier. Noahs Sohn Ham (Logan Lerman) zeigt sich entsetzt: Es gebe doch von jedem Tier nur noch zwei Stück. Tubal-cains ebenso unbeeindruckte wie überzeugende Antwort: Ihn gebe es sogar nur einmal. Der Dialog spiegelt das Scheitern des Films: Die Existenz und das Walten Gottes sowie der blinde Gehorsam Noahs sind der wahre Horror, nicht das gewöhnlich schurkische Treiben machtgieriger Könige und kleiner Strauchdiebe, dem ja durch die Biologie sowieso natürliche Grenzen gesetzt sind. Es gibt einfach keinen Grund, das Szenario dieses Films hinzunehmen, die Exekution des ganzen Menschengeschlechts für akzeptabel und nicht einfach für grausam zu halten, es sei denn man ist bekennender, strenger Katholik. Dann aber steht man vor einem Film, der die Heilige Schrift als Ausgangspunkt für einen wüsten Fantasyquark nimmt und kaum verhehlen kann, dass er mit seinem Stoff nicht wirklich etwas anzufangen weiß.

Diese Einfalls- und Konzeptlosigkeit zeigt NOAH auch formal: Seine mit viel color grading und Rechnerpower aufgemotzten Bilder sind rein technisch natürlich über jeden Zweifel erhaben, aber auch ohne jede Individualität und den sense of wonder, den ein Dinosaurier wie Cecil B. DeMille mit weitaus einfacheren Mitteln zu erzeugen verstand. NOAH ist Fließbandware, vom letzten Superhelden-, Fantasy- oder Endzeitfilm nicht zu unterschieden, von derselben freudlos-strengen Perspektive auf das Leben, seelenlos und durchökonomisiert, über Gebühr von der eigenen Bedeutung überzeugt. Dabei gibt es kaum ein Bild, das wirklich überwältigen würde, was ja wohl die eigentliche Intention war: Aronofsky fällt angesichts der mit CGIs vollgestopften Panoramen nichts anderes ein, als immer wieder aufzuziehen, also vom Detail zum großen Ganzen überzugehen, oder aber in Fahrten über die mithilfe des Computers aus dem Boden gestampften Landschaften zu fliegen. Die Sintflut, wahrscheinlich der visuelle USP des Films, gibt tatsächlich rein gar nichts her: Auffällig, wie sich der Film nach dem großen Regen ins Innere der Arche zurückzieht, weil eine Sintflut am Ende ja auch nichts anderes ist, als ein sich bis zum Horizont erstreckendes Meer. Aronofsky ist halt definitiv kein Emmerich: Man hätte vor einigen Jahren noch nicht für möglich gehalten, dass das eine Aussage zu Ungunsten Aronofskys ist.

Fool’s-Gold-2008-Hollywood-Movie-Watch-OnlineFun, Fun, Fun und gute Laune! Dass die Erwartungen nach den ersten drei Filmen meines RomCom-Selbstversuchs ziemlich gedrosselt waren, hat FOOL’S GOLD mit Sicherheit nicht geschadet, seine Leistungen aber so zu relativieren, wäre auch nicht fair. Wer ein Herz für locker-flockig daherkommende Trivialunterhaltung hat, wie sie Hollywood vor allem in den Fünfziger- und Sechzigerjahren in großer Zahl und handwerklicher Meisterschaft auf die Leinwände brachte, sich huete aber leider nicht mehr zu machen traut, der wird sich über diese hoffnungslos altmodische Abenteuerromanze in traumhafter Urlaubskulisse ein Loch ins Knie freuen. Hochglanzoptik und diverse Handlungsdetails verorten FOOL’S GOLD zwar ganz eindeutig in der Gegenwart, aber der Schwung, den der Film durch das gut aufgelegte Spiel und die Chemie seiner Akteure gewinnt, der Witz, der kunstvoll auf dem schmalen Grat zwischen Stil und Zote wandelt, ohne jemals ins Terrain der letzteren abzugleiten, und schließlich diese ansteckende Leichtigkeit erinnern durchaus an die großen Vorbilder längst vergangener Tage.

Finn (Matthew McConaughey) ist ein passionierter Schatzsucher und in der Karibik auf der Suche nach einem gesunkenen Schatz, für deren Finanzierung er sich mit dem Gangster/Rapper Bigg Bunny (Kevin Hart) eingelassen und einen Berg Schulden angehäuft hat. Zur Scheidung von seiner Gattin Tess (Kate Hudson), die seine Leidenschaft eigentlich teilt, aber Finns Verantwortungslosigkeit satt hat, kommt er zu spät und kann ihr nur noch gestehen, dass er das Boot, das ihr als letztes Kapital noch geblieben ist, aus Versehen versenkt hat. Eine Verkettung von Zufällen führt ihn wenig später auf die Luxusyacht des Millionärs Nigel Honeycutt (Donald Sutherland), auf der Tess als Steward arbeitet und sogleich einen Tobsuchtsanfall bekommt, als sie ihren Ex-Mann dort vorfindet. Doch als der mit seiner Geschichte des versunkenen Schatzes das Interesse Honeycutts weckt, wird auch ihr Enthusiasmus neu entfacht. Bei der folgenden Schatzsuche finden die beiden wieder zusammen, müssen sich aber gegen die Männer von Bigg Bunny und Finns alten Mentor Fitch (Ray Winstone) wehren, die die Reichtümer ebenfalls einstreichen wollen …

Jeder Versuch, die Vorzüge von FOOL’S GOLD hier wortreich zu preisen und meine Leser davon zu überzeugen, ihm eine Chance zu geben, muss fast zwangsläufig in die Hose gehen. Das, was Tennants Film auszeichnet, lässt sich nur unzureichend in Worte fassen: Es ist einer jeder Filme, die für die Dauer ihrer Laufzeit ein gutes Gefühl vermitteln, ohne einen dabei mit ihrer Brillanz schier umzuhauen oder echte Spuren zu hinterlassen. Nichts an FOOL’S GOLD ist nachhaltig, nichts herausragend oder gar originell. Der Film ist witzig, ohne den Betrachter von einem Lachkrampf in den nächsten zu stürzen, er ist spannend, ohne an den Nerven zu zerren, romantisch, ohne wirklich zu Tränen zu rühren. Aber gerade das zeichnet ihn eben auch aus, dieses Bekenntnis zur flüchtigen Unterhaltung und das unbestreitbare Geschick, diese Flüchtigkeit mit einem gewissen Stilbewusstsein zu vereinen. FOOL’S GOLD sieht absolut fantastisch aus, wie ein in Bewegung geratener Hochglanz-Reiseprospekt, in den man am liebsten gleich reinspringen würde. Es ist kein Wunder, dass die Schauspieler gut gelaunt aufspielen, und diese gute Laune ist durchaus ansteckend. McConaughey und Kate Hudson hatte schon HOW TO LOSE A GUY IN 10 DAYS mit ihrer Chemie gerettet und auch hier sind sie wieder das lebendige Zentrum eines stets in Bewegung bleibenden Abenteuerfilms. Matthew McConaughey interpretiert seinen Finn als liebenswerten Einfaltspinsel und Hallodri, der im Stile einer Cartoonfigur auch die heftigsten Attacken auf seine Gesundheit noch übersteht, und beweist sein immenses komödiantisches Talent. Und Kate Hudson ist die ideale Folie für ihn, die Wand, an der er gewissermaßen abprallen kann. Das Drehbuch verlegt sich zum Glück nicht nur auf grellen Slapstick, sondern hat auch einigen Wortwitz zu bieten, der sich eher an alten Screwball Comedies orientiert als an niveaulosen One-Liner- und Pimmelwitz-Orgien, auf die sich moderne Komödien verlegt haben meidet. Das einzige, was ich FOOL’S GOLD wirklich ankreiden möchte ist seine Länge: Die etwas aufgedunsenen 110 Minuten passen einfach nicht zur flatterhaften Leichtigkeit des Films. Die Überraschung des Monats.

Corinne Burns (Diane Lane), eine Teenagerin, hat das Pech, in einer trostlosen Industriestadt in Pennsylvania aufwachsen zu müssen. Mit ihrer Schwester Tracy (Marin Kanter) und ihrer Cousine Jessica (Laura Dern) bildet sie die „Stains“, eine Rockgruppe ohne Drummer und Bassisten, und träumt von einer großen Karriere. Als die Punkband „The Looters“ (Ray Winstone, Paul Simonon, Steve Jones und Paul Cook) zusammen mit den Has-beens „The Metal Corpses“ in der Stadt auftreten, ergattern die Mädchen einen Support Slot und erlangen nationale Berühmtheit, als Corinne ihr desinteressiertes, vom Dilettantismus der Mädchen belustigtes Publikum wüst beschimpft. Schnell formiert sich eine fanatische Jüngerschar, die Corinne als neues feministisches Vorbild betrachtet. Doch die „Stains“ sind für diese Verantwortung noch nicht bereit …

Auf LADIES AND GENTLEMEN, THE FABULOUS STAINS bin ich über das tolle Buch „Destroy All Movies!!! The Complete Guide to Punks in Film“ gestoßen, das dem Film einen euphorischen Eintrag widmet. Bis nach Deutschland hat er es nie geschafft und auch in den USA hat es mehrere Jahre und ebenso viele Anläufe gebraucht, bis der Film seinen derzitigen Kultstatus erlangen konnte. UP IN SMOKE-Regisseur Lou Adler inszenierte den Film für die Paramount nach einem Drehbuch von Nancy Dowd, die für ihr Script zu COMING HOME mit einem Oscar ausgezeichnet worden war. Weil sie mit der Produktion und dem Final Cut des Films unzufrieden war, zog sie ihren Namen jedoch zurück und damit beginnt auch die Leidensgeschichte dieses Films: Nachdem eine Testvorführung nicht die erhofften Reaktionen erntete, verbannte die Paramount den Film in die Archive, wo er Staub ansetzte, bevor er Mitte der Achtzigerjahre dann doch noch in einigen kleineren Kunstkinos zum Einsatz kam. Seine Anhängerschar erreichte er jedoch erst, als er wiederholt im Kabelfernsehen gezeigt wurde (eine Heimkino-Veröffentlichung ließ bis 2008 auf sich warten): Die Figur der Corinne und ihre aufmüpfigen Stains inspirierten wie im Film jugendliche Mädchen und gelten als nicht unerheblicher Einfluss der Riot-Grrrl-Bewegung in den Neunzigern. Der Kreis, den der Film vollzieht, hat sich auch in der Realität geschlossen.

Was zeichnet den Film aus? LADIES AND GENTLEMEN, THE FABULOUS STAINS wirkt in seiner Zeichnung einer explosionsartig aufkeimenden Jugendultur, aber auch des porträtierten Musikermilieus sehr authentisch. In nur wenigen Szenen schafft es Adler, die Probleme seiner Protagonisten plausibel zu machen, ohne dabei zu plakativ zu werden. Außerdem auffällig ist, wie gleichmäßig er seine Sympathien verteilt: Es wird nicht geschönt, aber genauso wenig haut er seine Figuren in die Pfanne. Jeder hat seine Beweggründe, bringt seine eigene, außerhalb des Films liegende Historie mit. Selbst der geckenhafte Frontmann der hoffnungslos überkommenen „Metal Corpses“ (Tubes-Sänger Fee Waybill) steht nach dem überraschenden Drogentod seines Gitarristen (Grateful-Dead-Gitarrist Vince Welnick) nicht mehr wie der „Feind“ da, als der er zuvor aufgebaut wurde, sondern kann sch des Mitgefühls von Regisseur wie Zuschauer sicher sein.

Am deutlichsten zeigt sich dieser verständnisvolle, empathische Blick aber bei der Zeichnung Corinnes: Ihre jugendliche Naivität, mit der sie sich zu Sätzen versteigt wie jenem, dass jeder Jugendliche vom Staat eine E-Gitarre bekommen sollte, wird nicht verschwiegen, doch ist sie eben auch der Quell jener unverstellten, unbekümmerten Aufmüpfigkeit, die die Stains schließlich zur Overnight-Sensation werden lässt. Ihr Zorn ist instinktiv, ihm fehlt die Richtung, er entlädt sich nicht gezielt, aber gerade das macht ihn so wirksam. Die Musik der Stains ist technisch hoffnungslos unterbelichtet, aber eben auch ein absolut ehrlicher, individueller Ausdruck der Sorgen der dahinterstehenden Mädchen, noch nicht von ästhetischen Ansprüchen korrumpiert: Sie ist roh, wild und ursprünglich. Dieses Talent sieht auch Billy (Ray Winstone), der von der ungebremsten Wucht, mit der sich die aggressive Begeisterung der Stains-Fans entlädt, förmlich weggespült wird. Aber er ahnt auch, dass diese Wucht Corinne selbst mitreißen wird, wenn sie ihre Talente nicht in geordnete Bahnen umlenkt. Und genauso kommt es schließlich.

LADIES AND GENTLEMEN, THE FABULOUS STAINS zeichnet diesen Backlash, der Künstler ereilt, die quasi über Nacht zu Ruhm kommen und die damit in den „Besitz“ ihrer Fans übergehen, sehr schön nach. Ebenso wie er ein waches Auge für die Jugendkultur besitzt, die zwar meist ein Objekt braucht, aber dann eine unaufhaltsame Eigendynamik gewinnt. Und er begeistert auch als Musikfilm, bringt gleich mehrere Generationen von Rockmusik unter einen Hut und zeichnet ihre Metamorphose über die Jahre sehr schön nach. Es ist ein Film voller kleiner, wacher und wahrhaftiger Details, dabei aber absolut unaufdringlich. Man mag fast nicht glauben, dass das keine Dokumentation ist. Bruce Surtees zeigt das US-amerikanische Hinterland als deprimierende, nichts als Verzweiflung gebärende Pampa aus qualmenden Fabriken, regennassen und menschenleren Straßen in sterbenden Städten und anonym aussehenden Shopping Malls und Mehrzweckhallen. Und Diane Lane ist einfach anbetungswürdig als rebellisch schmollender Backfisch in Netzstrümpfen und Make-up. Bitte angucken!