Mit ‘Rene Auberjonois’ getaggte Beiträge

Original Cinema Quad Poster - Movie Film PostersDass ich mich mit meinen EIS AM STIEL- und POLICE ACADEMY-Retros am unteren Rand der Filmkultur bewege, begünstigt einige lustige Koinzidenzen und Déjà-vus. So konnte ich unlängst nach zwei unerträglichen Rohrkrepierern protokollieren, wie die israelisch-deutsche Softsex-Reihe mit ihrem letzten Teil einen wunderbaren Abschluss feierte. Und nun passiert etwas ganz ähnliches eben mit dem interpunktionsreich betitelten POLICE ACADEMY 5: ASSIGNMENT: MIAMI BEACH, dessen Existenz man nach dem unerträglichen vierten Teil nur unendlich mutig finden kann. Ich würde natürlich nicht so weit gehen, hier von einem Meisterwerk der amerikanischen Komödie zu sprechen, aber das vierte Sequel knüpft dann doch wieder an die entfesselten Albernheiten der ersten drei Teile an und wirkte in seiner atemlosen Aneinanderreihung infantiler Zoten sehr ansteckend auf mich.

Es geht wieder einmal um die Rivalität zwischen dem gutmütig-tolpatschigen Commandant Lassard (George Gaynes) und dem karrieregeilen Harris (G. W. Bailey): Letzterer findet heraus, dass ersterer eigentlich schon längst pensioniert worden sein müsste, und erwirkt dass Lassard mit einer Auszeichnung in den Ruhestand weggelobt werden soll. Bei der Zeremonie in Miami Beach will er natürlich unbedingt dabei sein. Zur gleichen Zeit stiehlt der gockelig-schmierige Juwelendieb Tony (Rene Auberjonois) mit seinen dämlichen Kompagnons einige Diamanten im Auftrag eines feisten Gangsterbosses. Doch wie es das Drehbuch will, landen die Steine im Besitz Lassards, der daraufhin entführt wird. Seine Schüler setzen alles daran, ihn zu befreien …
Es gibt vor allem zwei Gags im Film: Der eine setzt den eitlen Harris unablässigen Demütigungen aus, der andere lässt die dusseligen Gangster an Lassards Tolpatschigkeit verzweifeln, die erneut an NAKED GUN-Held Frank Trebin oder auch an die Cartoonfigur Mr. Magoo denken lässt. Dazwischen gibt es den üblichen Schmonzes: Jones macht Geräusche nach, Tackleberry ist waffengeil, Callahan hat dicke Titten, Hightower ist groß, Hooks hat eine Piepsstimme, aber ein großes Herz, Tommy Conklin ist fett und stark. Man merkt dem Film an, dass die Beteiligten großen Spaß daran hatten, die Dreharbeiten in Miami wahrscheinlich einem großen Ferienlager glichen. Dass dabei ein Kinofilm rumkam, ist eine positive Begleiterscheinung, aber wahrscheinlich ist das Ergebnis auch deshalb so liebenswert, weil sich keiner so recht dafür zu interessieren schien. Die deutsche Synchro leistet, wie Berti Vogts einst sagte, „Unmenschliches“, überschlägt sich förmlich mit rammdösigen Wortwitzen und Versprechern, setzt überall noch einen drauf, was angesichts der humoristischen Tiefen, in denen hier gegraben wird, wirklich etwas heißt. Die Anwesenheit Auberjonis‘, seines Zeichens Altman-Veteran, macht den großen Unterschied, denn der hat offensichtlich eine Riesengaudi an seiner Idiotenrolle und muss eigentlich fast gar nichts machen, um Lacher zu ernten. Gesprochen wird er von Jürgen Thormann, dessen Darbietung dem manischen Witz des Films sehr angemessen ist. Dazu das Idiotentrio aus Lassard, Harris und seinem Sidekick Proctor (Lance Kinsey), fertig ist ein wahrlich infernalisches Humor-Panoptikum, an dem man entweder verzweifeln oder dass man lieben muss. Ich habe mich für letzteres entschieden. Ein Film, der einen der schönsten Furzgags der Filmgeschichte aufbietet, darf sich meiner ewigen Zuneigung gewiss sein.

Cathryn (Susannah York) ist Schriftstellerin von Fantasyromanen und verheiratet mit Hugh (Rene Auberjonois), der den zunehmenden Wahn seiner Frau nicht erkennt: Cathryn ist umgeben von Personen, die ihrer Vorstellung entspringen, sie mit Anrufen belästigen oder sie in der eigenen Wohnung bedrängen. Da ist zum einen Rene (Marcel Bozzuffi), mit dem sie einst einen Seitensprung hatte, der aber seit drei Jahren tot ist, ein Doppelgänger ihrer selbst sowie der Lustmolch Marcel (Hugh Millais), der die attraktive Frau als willfähriges Objekt betrachtet. Während eines Aufenthalts in einem abgeschiedenen Ferienhaus in Irland eskaliert die Bedrängung durch eingebildete und echte Personen, sodass Cathryn keine andere Möglichkeit sieht, als die Plagegeister umzubringen. Doch hat sie die richtigen Opfer erwischt?

Nach chronologischer Reihenfolge wäre nach THIEVES LIKE US eigentlich CALIFORNIA SPLIT oder NASHVILLE drangewesen, stattdessen springe ich zwei Jahre in die Vergangenheit, um mich Altmans Psychothriller/Horrorfilm zuzuwenden, der zu seinen weniger bekannten Werken gehört und bei seiner Veröffentlichung weitestgehend unbeachtet blieb. Zwischen MCCABE & MRS. MILLER und THE LONG GOODBYE entstanden, weicht IMAGES formal recht stark von Altmans zuvor etabliertem Stil ab: Das Personeninventar ist mehr als übersichtlich, was auch das Kauderwelsch aus sich vermischenden Dialogen minimiert, und anstatt wie bisher einen Einblick in eine lebendige Gemeinde und ihren Lebensraum zu ermöglichen, blendet Altman einen breiteren gesellschaftlichen Kontext diesmal vollkommen aus. Hinweise auf die Hintergründe von Cathryns Psychose bleiben sporadisch und dienen lediglich als Anhaltspunkte, können das Ausmaß ihrer Krankheit aber nie ganz erklären. So bezieht IMAGES seinen Reiz weniger aus einer lückenlosen Rekonstruktion von Cathryns psychischer Disposition, sondern eher aus deren filmischer Umsetzung.

Altman bindet die drei eingebildeten Personen zuerst über Telefonanrufe über die Tonspur ins Geschehen ein, bevor er sie dann leibhaftig auftreten und mit Cathryn in Kontakt treten lässt. Dank der famosen Kameraarbeit von Vilmos Zsigmond, der IMAGES, inspiriert von der irischen Landkulisse, in herbstlicher Pracht erstrahlen oder besser vor sich hin glimmen lässt, gelingt es hervorragend, das Neben- und Miteinander von „echten“ und „eingebildeten“ Personen in Cathryns Kopf und ihrem Haus zu visualisieren. Wer nun aus Fleisch und Blut ist und wer nur eine Ausgeburt von Cathryns Fantasie, lässt sich bald auch für den Zuschauer nicht mehr genau auseinanderhalten: Man kann kranken Menschen eben nicht in den Kopf schauen. Entscheidend für den totalen Absturz Cathryns scheint ihre eigene Spaltung zu sein: Kurz bevor sie an ihrem Ferienhaus ankommt, sieht sie sich selbst aus der Ferne dort eintreten; Altman verschiebt die Perspektive daraufhin von der einen Cathryn, die schockiert feststellen muss, dass sei eine Doppelgängerin hat, zur anderen, die sich nichts Böses ahnend daran macht, sich in ihrem Haus einzurichten. Die  „echte“ Cathryn sieht man immer wieder als winzigen Schatten auf einem hohen Berg stehen, auf ihr Häuschen und ihre andere Inkarnation herunterblicken, doch sie ist hilflos: Ein großartiges Bild für den Verlust von Kontext und Überblick, der es Cathryn letztlich unmöglich macht, noch zwischen Einbildung und Realität zu unterscheiden. Sie ist gefangen in ihren Wahnvorstellungen.

Was sich hier jetzt wahrscheinlich kompliziert und rätselhaft anhört, erscheint beim Sehen eigentlich immer sehr klar: Natürlich muss manches Detail unerklärt bleiben, doch das kennt man ja aus vergleichbaren Filmen, etwa aus Polanskis REPULSION oder Bavas SHOCK, die im Doppel- oder Dreierpack mit IMAGES, dessen dissonant-percussiver Score einem die Nackenhaare zu Berge stehen lässt, einen ziemlich beunruhigenden Filmabend ergäben. Vielleicht betrachtet man IMAGES am besten als Fingerübung des Regisseurs, als Abweichen vom eingesschlagenen Karrierepfad: Der spielerische (oder gar therapeutische?) Charakter des Films, der sich darin entbirgt, dass Charaktere die Vornamen der beteiligten Darsteller tragen oder Cathryns Buch, aus dem sie während des Films per Voice-over vorträgt, tatsächlich ein Kinderbuch aus der Feder von Hauptdarstellerin Susannah York ist, mag IMAGES die ganz großen Weihen vorenthalten, ein visuell und atmosphärisch faszinierender Film ist er trotzdem geworden.